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Covid im Altenheim 25. Januar, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Die alte Dame wohnt schon seit sehr vielen Jahren in einem höchst angesehenen Altenheim in einem hübschen 2-Zimmer-Appartment mit Bad, kleiner Küche und Balkon. Damals zog sie in diese Einrichtung, weil sie noch selbstbestimmend entscheiden wollte wie und wo sie ihren Lebensabend verbringen wollte. Sie war ungeheuer fit, agil, wach, interessiert und den Menschen zugewandt. Und obschon hochbetagt, fuhr sie noch vor einigen Jahren mit Bus und Bahn durch Deutschland, hielt Kontakt zu den alten Freunden, zu denen auch wir uns zählen dürfen, veranstaltete immer noch Kurse für Interessierte.

Vor etwa vier oder fünf Jahren bemerkten wir eine leichte Veränderung, die altersbedingte leichte Vergesslichkeit schien – beinahe unbemerkt – in eine Demenz überzugehen. Leider hat sich der ursprünglich nur als Vermutung angenommene Verdacht bestätigt. Sie hat immer noch hellwache Phasen und dem Liebsten, der sie regelmäßig (Corona-konform) besucht, gelingt es immer noch, sie in Gespräche über alte vertraute Themen zu verwickeln, bei denen sie konzentriert und aufmerksam dem Gesprächsfaden nicht nur folgen, sondern ihn auch weiterspinnen kann. Aber es gibt auch die Zeiten, in denen sie nicht weiß wo sie selbst und wer ihr Gegenüber ist. Das ist bitter und traurig zu beobachten, ist aber der Verlauf einer Erkrankung am Lebensende, wie ihn sehr viele weit über 90-jährige Personen zu allen Zeiten erlitten haben und immer noch erleiden.

Aber leider sind dies keine normalen Zeiten. Und konnte man früher mit der Vergesslichkeit der Alten in den Altenheimen gut und „menschlich“ umgehen, so stellen sich heute ganz andere Herausforderungen. Unsere alte Freundin hält es nämlich nicht in ihren Vierwänden, sie wandert nicht nur im Haus umher, sondern erkundet auch gerne die Welt außerhalb des Hauses. Eigentlich ist das ja ein Gutes und eigentlich müsste man sich darüber freuen, wenn ein alter Mensch noch unternehmungslustig genug ist, ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen.

Doch gestern erhielten wir vom Haus die Nachricht, dass ein sie betreuender Pfleger positiv auf Covid getestet wurde – und das verändert alles.

Denn natürlich muss die liebenswerte alte Dame nun in Quarantäne.

Aber wie will man das einer an Demenz erkrankten Person klar machen? Es war schon schwer genug ihr zu erklären warum sie im ersten Lockdown keinen Besuch mehr erhalten konnte, – wir telefonierten, erklärten und sie vergaß es nahezu augenblicklich wieder. Das Haus, in dem sie lebt, verfügt aber nicht über eine „offene und dennoch geschlossene“ Station für Demente, innerhalb der sich die Bewohner frei bewegen können, ohne in einem Zimmer eingeschlossen zu sein, aber doch davor geschützt werden, die Station selbst zu verlassen und sich zu „verlaufen“.

Was also ist zu tun? Man darf sie nicht in ihrem Appartement einschließen, man kann aber auch nicht gewährleisten, dass sie freiwillig in ihren Zimmern bleibt, denn daran, das eigenen Tun zu kontrollieren, fehlt es ja bei an Demenz erkrankten Menschen, der „Wille“ und das damit verbundene Verstehen ist nicht mehr Organisator des eigenen Handelns. Befürchtet wird zudem, dass unsere Freundin auch nicht mehr in der Lage ist, die Notwendigkeit des Tragens der FFP2-Maske zu erkennen und sie darum auch nicht tragen wird, weil es mit Unannehmlichkeiten verbunden ist. Wenn aber die Einsicht fehlt, eine Unannehmlichkeit in Kauf zu nehmen, wieso sollte man es dann tun? Das sind die Probleme, die vor allem die betroffene Person selbst betreffen.

Sehr viel schwerwiegender aber sind die Probleme, die mit der Organisation des Hauses zu tun haben. Schon in normalen Zeiten können die Belange der Bewohner nur mit einem riesigen persönlichen Einsatz der wenigen Pflegekräfte sicher gestellt werden. Es fehlt einfach das Personal, um allen Menschen in der Einrichtung zeitnah gerecht werden zu können. Nun aber, in der Krise, wird dieser ohnehin schon beträchtliche Mangel zu einem riesigen Problem. In diesem speziellen Fall ist es ja nicht nur unsere Freundin, die von der Pflegekraft versorgt wurde, es werden ja immer mehrere Menschen von einer Person bei den alltäglichen Verrichtungen wie Waschen und Anziehen betreut. Diese Person ist jetzt natürlich auch in Quarantäne und verschärft den ohnehin schon vorhandenen Personalmangel zusätzlich. Es ist niemand da, der in die Bresche springen könnte, der darauf achtet, dass die betroffenen Bewohner ihre Quarantäne nicht verlassen oder wenigstens mit der Maske im Haus herumlaufen. Die Pfleger müssen über die normalen Arbeitsschritte hinaus auch die Schnelltest durchführen, um eine mögliche Infektion so schnell wie möglich feststellen zu können. Das System, das immer schon hart an der Grenze war, kann eigentlich die zusätzlichen Belastungen nicht tragen.

Mir ist an diesem Beispiel so bewusst geworden, warum ausgerechnet in den Pflegeheimen die Anzahl der Infizierten so hoch ist und damit auch die Sterberate deutlich über „normal“ liegt.

Man kann – ohne gegen die Freiheitsrechte des einzelnen Bewohners zu verstoßen – einfach nicht verhindern, dass sich die Pflegebedürftigen, die noch mobil genug sind, um nicht den ganzen Tag im Bett zu liegen, gegenseitig anstecken.

Und das ist etwas, das man schon im ersten Lockdown erkennen konnte und dem man mit einiger Voraussicht hätte begegnen können, um nicht zu sagen, begegnen müssen. Aber ohne die Hilfe von außen waren und sind die Heime absolut nicht im Stande, die nötige Organisation zu leisten, die eine Infektionswelle innerhalb des Hauses verhindern könnte. Und ich frage mich schon, ob es nicht die Möglichkeiten gäbe, durch administrative Maßnahmen hier für Abhilfe zu sorgen. Wenn doch eine Pandemie zu dem gehört, was man gemeinhin unter „Katastrophe“ versteht, greifen dann nicht auch die Maßnahmen, die man in jedem anderen Katastrophenfall anwenden würde? Und hätte man nicht spätestens im Sommer massiv dafür werben müssen, mehr Personal in die Pflegeeinrichtungen zu entsenden – es müssten ja nicht unbedingt examinierte Kräfte sein, Hilfsdienste könnten die Hauptamtlichen entlasten.

Und vor allen Dingen frage ich mich, warum man nicht zu aller erst das Personal in den Einrichtungen (Pflegeheimen, Krankenhäuser und auch Arztpraxen) geimpft hat, die Personen, die tatsächlich von Tür zu Tür, von Zimmer zu Zimmer gehen, die ganz normale „Außenkontakte“ durch ihre Familien und in ihrer Freizeit haben und die doch am ehesten gefährdet sind, das Virus aufzunehmen und weiterzutragen.

Die Versäumnisse wiegen mit jeder Woche schwerer.

Natürlich kann die Regierung den Lockdown noch einmal kräftig verschärfen, aber an den Bedingungen in den Einrichtungen wird sich dadurch nichts zum Positiven verändern, im Gegenteil, ohne die drastische Aufstockung des Personals werden Verschärfungen die Situation noch schwerer und unerträglicher machen, als sie ohnehin schon ist.

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Wir sind die Größten…. 16. Januar, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Fast!

Fast sind wir die Größten in der Bewältigung der Corona-Krise.

Nein, nein und nochmals nein!

Nein, wir sind die größten Dilettanten im Impfgeschehen, die man sich nur vorstellen kann.

Beweise gefällig?

Da kommt mir heute unser lieb gewordenes Käseblättchen wie an jedem Morgen ins Haus, bzw. in die Zeitungsröhre, ins Haus müssen wir es schon selber holen. Und was findet sich schon auf der Titelseite?

Dies:

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

Niedersachsen werde wie Deutschland insgesamt in den kommenden Wochen noch weniger Impfstoff vom Hersteller Biontech/Pfizer erhalten als bisher schon.“ So zitiert der Artikel unter der Überschrift „Lockdown zeigt keine Wirkung: Nervosität in Niedersachsen wächst“ die Gesundheitsministerin Reimann. (Quelle HAZ, 16./17. Januar 2021, Seite 1)

Und natürlich fällt auch die Mitteilung ins Auge, siehe oben: „Mehr als 8000 Menschen in der Region Hannover geimpft“. Wenn das kein Grund ist zu jubeln. In der Region Hannover wohnen rund 1200000 Menschen und wenn das Impfen in diesem Tempo so weitergeht und auch die Sache mit den Anschreiben an die Betroffenen doch noch geklärt werden kann, werden wir bis zum Ende des Sommers im Jahr 2022 oder auch später vermutlich alle im Raum Hannover die dringend benötigte Spritze erhalten haben, sofern – und da liegt der Hase im Pfeffer – genügend Impfstoff zur Verfügung stehen wird.

Seit dem 27. Dezember 2020 wird nun geimpft, und in der Region Hannover hat man es auf ganz 8000 Personen gebracht. Im etwa gleichen Zeitraum impfte das kleine Israel, das rund 9 Millionen Einwohner insgesamt hat, bereits 2 Millionen Menschen.

Wie das? fragt man sich erstaunt und reibt sich die Augen. Das liegt zum Einen daran, dass Israel ein hochmodernes Gesundheitssystem hat, von dem man in Deutschland nur träumen kann. (Aus zuverlässiger Quelle ist mir bekannt, dass unsere Gesundheitsämter restlos überfordert sind, allein die Infektionsherde zu verfolgen und dann per Fax – als habe es die geniale Erfindung des Internet noch immer nicht gegeben – an die zentrale Stelle zu melden!) Jeder Israeli hat eine Zugangskarte zu dem digitalen Erfassungssystem, das sowohl diagnostische Ergebnisse für den Patienten bereithält, wie auch den unmittelbaren Zugang zu Beratung und medizinischen Einrichtungen ermöglicht und eben auch die Patienten ohne großen bürokratischen Aufwand informieren und zu den Impfungen einbestellen kann. Zum Anderen liegt es daran, dass in Israel die Sicherheit und das Leben der Bevölkerung oberste Priorität hat, was dazu führte, dass sich das Land mit dem Bekanntwerden der erfolgreichen Entwicklung des Impfstoffes ausreichend große Mengen sicherte, um so schnell wie möglich die Schutzimpfung der Bevölkerung beginnen zu können.

In unserem schönen Land haben nicht Schutz und Sicherheit der deutschen Bevölkerung oberste Priorität, will es mir scheinen, sondern der Datenschutz und natürlich die Solidarität mit allen Notleidenden dieser Erde, zumindest aber mit den Ländern der EU, so dass es überhaupt nicht denkbar ist, dass die Regierung Deutschlands einen in Deutschland mit deutschen Steuergeldern geförderten Impfstoff auch vorrangig an die eigene Bevölkerung weitergibt, „Germany first“ käme doch dem schlimmsten rechten Nationalismus gleich, den man sich nur vorstellen kann, und nur der Herr der Finsternis würde so ein Ansinnen überhaupt in Erwägung ziehen… pfui Teufel aber auch.

Nun könnte ich ja als überzeugte Europäerin durchaus darin zustimmen, alle EU-Länder gleich behandeln zu wollen und darum der EU das Verteilen des Impfstoffs und das Organisieren der Impferei zu überlassen. Leider, leider ist die EU aber kein altruistisch arbeitender Wohlfahrtsverband, sondern eben eine Art Zweckbündnis zur Durchsetzung der eigenen nationalen Interessen, sofern diese Interessen nicht vorwiegend von und durch Deutschland angemeldet werden, siehe oben. Und darum hat die aus Deutschland stammende Präsidentin von der Leyen auch mit der Bestellung des bereits entwickelten und vorhandenen Impfstoffes aus deutscher Entwicklung und Produktion gewartet, bis auch die Franzosen in die Puschen kamen und ihrerseits einen Impfstoff zur Verfügung stellen konnten, bzw. zur Verfügung stellen können werden, denn weder ist der Impfstoff vollständig entwickelt, noch steht er auch nur ansatzweise zur Verteilung bereit. Und so kommt es, dass es EU-weit nicht ausreichende Dosen des begehrten Stoffes gibt und in Deutschland erst recht nicht…. Aber wir können immerhin stolz darauf sein, dass wir nicht eigensüchtig sind und anderen Ländern gerne den Vortritt überlassen.

Dummerweise machen aber die immer noch nicht gesunkenen Zahlen, die über Ansteckung und Todesfälle Auskunft geben, deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Und weil der Impfschutz noch lange auf sich warten lassen wird, zieht man einfach ein bisschen die Daumenschrauben in Form noch strengerer Lockdown-Maßnahmen an. Das ist einfacher, als für eine bessere und vor allen Dingen ausreichende Verteilung zu sorgen und soll die Bevölkerung darin bestärken, alles für ihren Schutz und ihre Sicherheit getan zu haben.

Wir, der Liebste und ich haben keinen Grund uns lauthals zu beklagen. Zwar würde ich auch gerne mal wieder mit allen Kindern und Enkeln zusammen sein, ich würde auch gerne „richtig“ einkaufen und nicht nur die Dinge für den täglichen Bedarf, ich könnte auch einen Friseur gut gebrauchen, würde gerne ausgehen, fein essen oder einfach nur ohne Mund-Nasen-Bedeckung am Maschsee entlang bummeln oder durch die Innenstadt Hannovers flanieren… zur Not auch einfach mal wieder bei den Blau-Gelben vorbeischauen… all das geht gerade nicht. Aber wir Zwei werden auch nicht zu Homeoffice gezwungen oder zur Präsenz am Arbeitsplatz, wir haben keine kleinen Kinder mehr, die gerne draußen mit Freunden spielen würden, wir müssen auch nicht im Homeschooling schulpflichtige Kinder betreuen, was für viele Eltern und Kinder der reinste Horror sein muss.

Wir sind unendlich privilegiert mit sicherem Einkommen aus Rente und Pension, mit einem ausreichend großen Wohnraum, um uns auch mal aus dem Weg gehen zu können und mit den technischen Einrichtungen, die es uns erlauben, Kontakt zu den entfernt wohnenden Kindern zu halten, via Zoom miteinander zu quatschen oder Doppelkopf zu spielen, wie es der Liebste gestern mit seinen Söhnen getan hat.

Nein, wir oder ich haben gar keinen Grund zu meckern.

Aber dennoch mahne ich nicht zum ersten Mal an, dass etwas schief gelaufen ist in diesem Land und auch weiterhin schief läuft.

Und ich habe überhaupt nicht die Hoffnung, dass sich das in Kürze ändern wird, auch nicht durch die heutige Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden, Armin Laschet aus NRW, der doch vermutlich nur eine Spielfigur auf dem Feld ist, das immer noch von der ungekrönten Königin beherrscht wird.

Diese Relativierung ist falsch! 13. Januar, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Als am 6. Januar in Washington die offizielle Bestätigung Joe Bidens und Kamala Harris‘ als Präsident und Vizepräsidentin der USA durch die Wahlmänner vollzogen werden sollte, kam es zu tumultartigen Zuständen im Capitol durch Anhänger Donald Trumps, die bis ins Innere des Hauses vorgedrungen waren. Es gab Tote und Verletzte, die für die Sicherheit Verantwortlichen hatten ganz offenbar eine mögliche Gefahrenlage im Vorfeld falsch eingeschätzt und waren während der Aktion, die als „Sturm auf das Capitol“ in den Medien beschrieben wird, ebenso offensichtlich heillos überfordert.

In der Folge dieser unhaltbaren Zustände melden sich viele prominente und weniger bekannte Personen zu Wort. Twitter und auch Facebook sperren, bzw. löschen den jeweiligen Account Donald Trumps, weil sie in dessen Tweets einen Aufruf zur Gewalt und zum Umsturz sehen. Die „Demokraten“ fordern den noch amtierenden Vizepräsidenten auf, Donald Trump für unzurechnungsfähig zu erklären und damit seinen sofortigen Rücktritt einzuleiten. Vizepräsident Pence folgt dieser Aufforderung nicht, daraufhin leiten Mitglieder der Demokraten ein weiteres Mal das Impeachment ein, mit der Zielsetzung, Trump seines Amtes zu entheben und für alle Zeit von einer möglichen Bewerbung um das Amt des Präsidenten auszuschließen. Das ist laut Bernie Sanders die eigentliche Absicht, mit der das Verfahrens trotz der zeitlichen Bedingungen eingeleitet wird, das aber mit hoher Wahrscheinlichkeit jetzt, da es bereits in Gang gesetzt wurde, vor Ablauf der regulären Amtszeit Donald Trumps, die ohnehin am 20. Januar 2021 endet, nicht mehr vollständig durchgeführt werden kann.

Ich verzichte an dieser Stelle darauf, die Vorgänge bewertend zu kommentieren, da es mir in diesem Beitrag um etwas Wichtigeres als um Donald Trump und die „späte Revanche der Demokraten“ geht.

Einer derjenigen, die sich per Videobotschaft zu Wort meldeten, war der frühere Superstar und spätere Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger. Der in Österreich geborene Ex-Schauspieler erinnert in seiner Nachricht an die Schrecken der Nazi-Zeit und vergleicht den „Sturm auf das Capitol“ mit der sogenannten „Reichspogromnacht“ im November 1938 in Deutschland (und Österreich) und redet davon, dass der Pöbel von damals und der Pöbel von heute, der die Aktion in Washington durchführte, die gleiche rechte Gesinnung und Motivation habe.

Ich will hier nicht auf die Rede im einzelnen eingehen. Die Suchmaschinen helfen sicherlich dabei, den Text zu finden.

Mein Anliegen ist es ganz klar zu stellen, dass der Vergleich, den Arnold Schwarzenegger zieht, grundfalsch ist.

Zum Einen herrschen in den USA nicht mal ähnliche, geschweige denn gleiche politische Bedingungen wie in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus – und es steht auch nicht zu befürchten, dass sich eine ähnliche Bewegung, wie die, die Hitler an die Macht brachte, in einem stabilen demokratischen System wie dem der USA durchsetzen wird – und als ein solches betrachte ich die USA trotz aller gegenwärtigen Probleme.

Wenn man – und das ist mein zweiter Punkt – die Verhältnisse der „Reichskristallnacht“, die Schwarzenegger zu erkennen glaubt, aber näher betrachtet, so muss man sehen, dass es in Deutschland flächendeckend, im ganzen Land und ohne Ausnahme „NUR“ eine Zielrichtung gab, nämlich die, die jüdischen Bürger anzugreifen, zu demütigen, ihre Geschäfte und Wohnungen zu plündern oder zu zerstören und die Synagogen niederzubrennen und nieder zu reißen. Mitglieder der NSDAP, der SA und SS, des Jungvolks und sonstiger paramilitärischer Verbände beteiligten sich an der Aktion, aber auch einfache Bürger, die ihrem Judenhass freien Lauf ließen, getragen von dem Wohlwollen der Regierung.

Bei Facebook kommentierte ich den Bericht über das SchwarZenegger-Video so:

„Bei aller Liebe, Herr Schwarzenegger irrt gewaltig. Die Gewalt in der sogenannten Reichskristallnacht richtete sich NICHT gegen die Regierung des Reiches, sie richtete sich ausschließlich gegen Juden und jüdische Einrichtungen. Dieser Vergleich ist darum zutiefst unredlich und ein Schlag ins Gesicht der damaligen Opfer antisemitischer Hetze, Gewalt und Morde. Herr Schwarzenegger sollte sich schämen. Und diejenigen, die ihm nun zujubeln auch.“

Und wiederholte diese Haltung in einem weiteren Kommentar so:

„Ich kann mich zu Herrn Schwarzenegger nur wiederholen: Der Vergleich mit den Novemberpogromen von 1938 in allen deutschen Städten, in denen Juden wohnten, das Wüten und Morden gegen jüdische Bürger, ihre Geschäfte und Synagogen ist nicht vergleichbar mit der Demonstration vor und im Capitol. An den Verbrechen in Deutschland war die Regierung, die NSDAP, die SS und SA beteiligt, Jugendverbände und ganz normale Bürger. Schon Jahre zuvor waren Juden Rechte aberkannt worden, galt es als Rassenschande, mit Juden intime Beziehungen zu haben, wurden jüdische Lehrer, Ärzte, Juristen, Beamte aus ihren beruflichen Positionen entfernt. Und wir wissen alle, wie unendlich grausam dieser Furor weiter ging, 6 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer. Und da kommen Leute daher und klatschen einem üblen Vergleich Beifall…Es entsetzt mich auf eine Weise, die ich kaum beschreiben kann. Herr Schwarzenegger möge in seinem Herkunftsland Mauthausen besuchen… oder nach Jerusalem gehen und in Yad Vaschem Abbitte tun für diese Aussage.“

Ich halte es grundsätzlich für einen schweren Fehler, die Verbrechen der Nationalsozialisten zur „Ablehnung aktueller politischer Fehler“ heranzuziehen. Nicht, weil nicht auch die gegenwärtigen Fehler schwer wiegten, sondern weil man die schrecklichen „Fehler“ der Nationalsozialisten, ihre Verbrechen und Kriegsverbrechen damit relativiert. Es gibt in der gegenwärtigen westlichen und demokratischen Welt nicht ein einziges Land oder eine einzige Regierung, die dem entspricht, was die Nationalsozialisten und die Regierung Hitlers damals im „Tausenjährigenreich“ waren.

Und ich halte es unabhängig davon für einen Fehler, weil man mit diesem Vergleich die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft nicht überwinden, sondern weiter vertiefen wird.

ERKLÄRUNG: Da ich meine eigenen Aussagen hier zitiere, verzichte ich auf die genaue Quellenangabe .

Nachgedanken…. 10. Januar, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Viele, viel zu viele Nachrichten stürmen auf mich ein, ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht, auf was ich zuerst oder erst später eingehen sollte, worüber nachdenken, wenn doch noch während ich versuche, mich auf ein Thema zu konzentrieren, drei oder vier oder mehr weitere auftauchen, die auch alle bedacht werden sollten.

Seit Wochen und Monaten hält uns nun Corona mit wechselnden Akzenten in Atem. Ganz harmlos begann es mit der bangen Frage, ob die ferne chinesische Krankheit nicht auch uns betreffen könne. Wir wissen es alle inzwischen, sie konnte und sie kann.

Ist sie denn wirklich so gefährlich, wie uns einige Berichte weiß machen wollen, ging die Fragerei weiter, und lange war nicht entschieden, ob nicht doch „die Grippe“ das Rennen um den ersten Platz der Gefährlichkeit noch vor Corona machen würde…. Meiner Meinung nach ist das ja entschieden, aber leider geht genau mit dieser meiner Haltung das Problem erst richtig los, denn es gibt sehr viele Zeitgenossen, die eine gänzlich andere Sicht auf die Dinge haben. An Corona versus Grippe schieden und scheiden sich immer noch die Geister und natürlich kann jede „Seite“ wissenschaftlich belegte Expertisen zitieren, die das Behauptete oder Geglaubte für die einzig richtige Ansicht halten.

Diese beiden Seiten, so kann man in den Medien, den öffentlich-rechtlichen, den gedruckten wie den sozialen entnehmen, vertiefen aber den zunächst kleinen, aber immer größer und tiefer werdenden Riss, der sich durch die Gesellschaft zieht. Politiker, Parteien, Kirchen und Kirchenfürsten, Künstler und solche Personen, die sich selbst für jemanden halten, der unbedingt gehört werden muss, nehmen medial an prominentem Ort Stellung und befeuern so die Diskussion, um das was wahr und richtig und gut ist oder eben falsch, böse und schlecht. „Man“ beschimpft und beleidigt den jeweiligen Gegner, dass es eine Art ist… eine schreckliche Art. Eine Art Krieg.

Dieser Riss hat seltsame Bruchlinien. Sie verlaufen nicht mehr, wie in früheren Jahren, an den Parteilinien entlang, sondern quer durch die Parteien, durch Kirchen, Nachbarschaften, Freundeskreise und sogar durch die Familien. Er ist gekennzeichnet durch heftige Diskussionen, wahre Redeschlachten und Wortgefechte, durch Beleidigungen und Beleidigtsein, bis hin zu Kündigung von Freundschaft und Parteibuch. Und er zeitigt traurige Folgen. Man redet nicht mehr offen über das, was man wirklich denkt und meint, nicht, wenn man nicht riskieren will, von seinem Gegenüber auf der „falschen Seite“ lokalisiert und deshalb mit Erstaunen, Mitleid oder sogar Verachtung bedacht zu werden. Eine an der Sache orientierte Debatte findet so kaum noch statt, es geht um „Haltungen“, irgendwie um „Werte“, eine Meinung wird nicht mehr als bloße Meinung betrachtet, sondern als in Stein gemeißeltes Dogma angesehen, das um jeden Preis verteidigt werden muss. Wem die Freundschaft dabei wichtiger ist als seine Meinung, verstummt mit der Zeit, denkt sich seinen Teil, aber redet nicht mehr über das, was ihn bewegt.

Das ist das eigentlich Schreckliche an der Situation.

Noch schrecklicher aber ist es, wenn statt des Verstummens der Protest sein gewaltsames Haupt erhebt, es nicht mehr nur bei Reden und einfachen Beleidigungen bleibt, sondern ernsthafte Folgen für die private wie berufliche Existenz aus dem Abweichen von der jeweiligen Norm entstehen. Auch das kann man mühelos beobachten. Man muss nur aufmerksam die Pressemitteilungen verfolgen oder sich in den sozialen Netzwerken bewegen und dabei erleben, wie einem Freund mitgespielt wird, der es wagt, eine andere Meinung zu äußern, als in seiner Blase sonst üblich ist.

In diesen Tagen empfehle ich dringend, sich in keinem Fall zu Trump in einer Weise zu äußern, die von dem was Bernie Sanders oder Joe Biden oder Marietta Slomka sagt, auch nur einen Millimeter abweicht. Es wäre der soziale Selbstmord. Auf der Stelle wäre man die Unperson schlechthin, gar eine Kopie des verhassten Potus selbst, Noch-Potus, muss man sagen, denn er ist ja noch im Amt und auch das soll er nach dem Willen seiner Gegner noch vor dem eigentlichen Amtswechsel (in wenigen Tagen) verlassen.

Deshalb sage ich hier auch nichts dazu…. und eigentlich habe ich auch damit schon viel zu viel gesagt.

Vielleicht wird man in ein paar Jahren und mit genügendem zeitlichen Abstand dieses seltsame Jahr 2020 rein sachlich unter die Lupe nehmen und frei von vielen Emotionen die Umstände aufdröseln können, die geeignet waren, die freie westlich-demokratische Welt in einen Hexenkessel der Rede und Widerrede, der Beschuldigungen und Beschwichtigungen, der Zerwürfnisse schwerer Art zu verwandeln….

Und gebe Gott, dass es jetzt nur bei Redeschlachten bleiben wird, so unerquicklich und widerwärtig sie auch sein mögen und uns kein neuer schrecklicher Krieg ins Haus steht.

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