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Zukunft sichern..!??? 18. September, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Es gibt eine Initiative bei Facebook, die unter dem schönen Titel „Zukunft sichern“ dazu aufruft, einen Klimachek zur Wahlentscheidung zu machen.

Wer hier immer mal wieder liest, hat sicher mitbekommen, dass ich nicht zu den Kämpfer gegen die „Klimakatastrophe“ gehöre, wohl aber davon überzeugt bin, dass eine gute Umweltpolitik unumgänglich ist, zu der meiner Meinung nach auch das Verbot gehören sollte, Wälder zu roden, um darin Windkraftanlagen zu errichten.

Meinem in den letzten Wochen immer größer werdenden Frust über die tägliche, um nicht zu sagen, beinahe stündliche „Belehrungskampagne in Sachen Klima, Verkehr, Ernährung et al“, machte ich darum heute Luft in folgendem Kommentar unter einem manipulativen Aufruf der Aktion „Zukunft sichern“:

„Die Suche nach Lösungen hat meine Generation angetrieben, die Flüsse sauberer werden zu lassen, die Luft reiner und den Himmel über der Ruhr blau **… WIR haben viel, viel mehr für die Umwelt getan, als alle hüpfenden Schulschwänzer sich überhaupt vorstellen können. Und Dank des Erfindergeistes der vielen Generationen vor uns wurden Hungersnöte bekämpft, verloren Pocken, Tuberkulose, Polio und unendlich viele, zuvor nicht behandelbare Krankheiten ihre Schrecken, konnten Maschinen die „menschliche Arbeitskraft“ ersetzen, wobei es hierbei wirklich um die körperliche Kraft ging, die Männern wie Frauen abverlangt wurde und sie viel zu früh altern und sterben ließ. Hört endlich auf mit dem Klimagedöns und konzentriert euch auf das Wesentliche: Wie bewältigen wir in Zukunft das Problem, 8 Milliarden Menschen Nahrung, Kleidung, Wohnung und Arbeit zu geben? DAS ist nämlich die Frage aller Fragen und nicht, ob 1,5° mehr dem Planeten schadet oder auch nicht.“

Und viel mehr möchte ich an Ideen zur Zukunftssicherung für heute nicht beitragen, allenfalls noch diesen kleinen ergänzenden Kommentar, den ich unter einen weiteren „Zukunft sichern“-Beitrag zum Thema „Klimawahlcheck“ schrieb:

„Wie wäre es mit einem „Bildungswahlcheck“? Bitte dabei neben den Inhalten auch die Gebäude, in denen die Inhalte vermittelt werden sollen, einbeziehen. Von den Grundschulen bis zu den Universitäten sind doch schon seit Jahren eklatante Mängel an selbiger „Hardware“ zu beklagen, geändert hat sich wenig, besser gesagt gar nichts. Bildung ist aber die einzige, wirklich von uns selbst steuerbare Investition in / auf die Zukunft. Daraus ergibt sich alles Weitere. Gut ausgebildete Handwerker, Kaufleute, Wissenschaftler aller Sparten liefern nicht nur das Know-how zur Lösung der Probleme der Gegenwart, sie sind unverzichtbar für die Bewältigung der Zukunftsfragen. Ich halte das für wesentlicher als alle Klimadiskussionen zusammen.“

Ergänzung:

Zitat aus dem Link zu „Der Himmel über der Ruhr“:

„Den legendären Ausspruch „Der Himmel über der Ruhr muss wieder blau werden“ tätigte Willy Brandt im Bundestagswahlkampf im April 1961 in einer Zeit, als die Luft im Ruhrgebiet noch stark verschmutzt war. Die Aussage von Brandt markiert einen Wendepunkt hin zum Beginn des Umweltschutzes. Nach dem Krieg stand der Wiederaufbau an erster Stelle – zu Lasten von Umwelt und Gesundheit der Menschen im Ruhrgebiet. Ab 1964 traten erste Umweltverordnungen in Kraft und aus der Umweltbewegung der 1970er-Jahre entstand später die Partei „Bündnis 90/Die Grünen“.“

In meiner Kindheit in einer Industriestadt an der Lenne (im erweiterten Umkreis des Ruhrgebiets) waren die Bäche und die Lenne dreckige Brühen, in denen es kein Leben mehr gab und der Himmel war grau, grau vor allen Dingen im Winter, wenn neben den rauchenden Schloten der Eisenindustrie noch eine Unzahl von Kaminen der Wohnhäuser, in denen Kohleöfen die einzige Heizquelle und oft genug auch die einzige Feuerstelle waren, auf der gekocht wurde, die Luft mit ihrem beißenden Qualm erfüllten. Die Asche wurde im Winter auf Eis und Schnee aufgebracht, um auf den Bürgersteigen und den Straßen Menschen und (wenige) Autos vor gefährlichen Rutschpartien zu schützen.

Heute sind die Bäche sauber, alle möglichen Fischchen und kleinste Wassertiere tummeln sich darin, m Ufer der Lenne brüten Wasservögel, Kanuten trainieren auf einer eigens angelegten Wildwasserstrecke und man könnte sogar wieder in der Lenne schwimmen.

Es stimmt einfach nicht, dass „wir Alten“ untätig waren und es ärgert mich, wenn immer wieder dieser Vorwurf erhoben wird.

Ausgerechnet an Nine /Eleven..? 12. September, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Gestern Abend landete ich beim Zappen durch die Kanäle meines Fernsehgeräts bei 3Sat und der Darbietung der „Last Night of the Proms„.

Ich muss an dieser Stelle einfügen, dass ich „eigentlich“ ein großer Fan dieser wunderbar-irrsinnigen Veranstaltung bin und mit Leidenschaft und großem stimmlichen Einsatz in meiner bescheidenen Behausung alle Lieder mitsinge, die auch die „Royal Albert Hall“ erbeben lassen.

Eigentlich.

Gestern war das (zunächst) ein wenig anders.

Wir schrieben das Datum 11. September, oder im englisch-amerikanischen Sprachgebrauch nine/eleven. Kann man denn, so war meine erste Reaktion, so ein ausgelassenes Fest der Freude überhaupt an diesem Jahrestag feiern? Müssten wir nicht viel mehr in stillem Gedenken an den Schrecken erinnern, den Terroristen, die der „westlichen Kultur“ ablehnend gegenüberstehen, nicht nur über die Stadt New York und über die USA gebracht haben, sondern der gleichsam die ganze Welt erschütterte und dessen Nachbeben immer noch deutlich anhält?

Dann aber machte sich ein anderer Gedankengang bemerkbar:

Hätten die Terroristen nicht obsiegt, wenn wir an diesem Gedenktag des Unheils auf genau das verzichteten, das sie so sehr hassen?

Ist es nicht gerade der Triumph einer westlich-demokratischen Gesellschaft über die archaisch-todbringende Agenda eines Steinzeitislam und seiner radikalen Verfechter, wenn sie sich nicht einschüchtern lässt und feiert, dass man es bis in die letzten Dörfer dieser Welt, die die BBC mit ihren Sendungen erreicht, hören, erleben und mitfeiern kann?

Ich jedenfalls fand angesichts dieses Gedankens sofort zu meiner Begeisterung für die „Proms“ zurück und sang noch leidenschaftlicher (wenn auch nicht schöner) die herrlichen Gesänge mit, die von Freiheit und Freude künden und von der Hoffnung auf eine Welt, in der das „himmlische Jerusalem“ für kurze Zeit metaphorisch und doch ganz gegenwärtig auf der Erde aufleuchtet, und bei denen auch ich, obwohl ich nicht zu den „Britons“ gezählt werde, doch ganz sicher weiß, dass ich zu denen gehöre die „never shall be slaves“…

In diesem Sinne, lasst uns gerade jetzt und gerade in dieser Zeit, in denen die Taliban und ihre weltweit agierenden Gesinnungsgenossen sich anschicken, so vielen Menschen alle Freude, alle Hoffnung, alle Freiheit und die Sehnsucht nach Frieden und Selbstbestimmung zu rauben, ein Fest der Freiheit feiern, in dem Musik und Lebensfreude überwiegen und uns Mut und Lust und Kraft geben, dem Druck standzuhalten, der sich auch in Europa schleichend bemerkbar macht.

Altweibertage… 7. September, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Feine Spinnfäden segeln durch die Luft und die Mücken tanzen im letzten warmen Sonnenstrahl. Das Gärtchen zieht sein Herbstkleid an, die Luft kündigt davon und der Himmel ist weit und hoch und gerade auch sehr blau.

Von Altweibersommer zu reden, verkneife ich mir, wer weiß, wie lange diese Herrlichkeit anhält und ob nicht morgen schon das Wetter umschlägt und wir unversehens im Novembergrau versinken.

Altweibertage finde ich passend – passend auch zu meiner eigenen Befindlichkeit, die gerade mit dem Zustand da draußen ganz prächtig in Einklang ist. Ich fühle mich wie ein altes Weib, und eigentlich bin ich das ja auch, in 6 Wochen werde immerhin schon zweiundsiebzig, da waren meine Großmütter schon wirklich sehr alte Frauen, denen man es auch ansah, dass sie alt waren. Die Kleidung der Alten damals hatte nichts gemein mit den schönen farbigen Fummeln, die sich die Frauen meiner Generation so gerne umhängen und glauben, sie wären damit deutlich, deutlich jünger als „um die Siebzig“. Die Friseure verdienen gut an unserem Bedürfnis, die Jugend zumindest auf dem Kopf zu erhalten, Haaren sieht man, wenn sie gut gefärbt sind, das Alter ja nicht an. Ganz anders ergeht es doch dem, was unterhalb der Frisur sichtbar wird, Krähenfüße rings um die Augen, Falten, die Männern ja noch ein markantes Aussehen verleihen, uns aber leider nur alt aussehen lassen, zerknitterte Wangenhaut lässt sich nur vorübergehend mit allerlei Cremes und Puderchen kaschieren, früher oder später bricht der sorgfältig aufgetragene, scheinbar Jugend spendende Firnis auf und all die mühsam überdeckte Vergänglichkeit wird sichtbar… besonders in dem schönen Licht einer tief stehenden Sonne, Herbstlicht eben, passend zum Alter der so sehr darauf bedachten Damen, alterslos zu sein.

Ja, doch, ich liebe diese Jahreszeit, die Altweibertage, die aneinandergereiht einen wunderbaren Altweibersommer ergeben.

Überhaupt, ich liebe den Herbst, diese Jahreszeit, in der man sich ganz der Natur anpassen und das genießen sollte, was in Frühling und Sommer (des Lebens) geworden ist. Nichts mehr, was „muss“, aber vieles, was „darf“, sein darf, noch erlebt und geliebt werden kann. Wie schön.

Hoffen wir, dass der Herbst nicht allzu bald zum Winter wird, wir die Tage noch auskosten können.

Dass alles schnell, viel zu schnell sehr anders sein und kommen kann, zeigen uns die Ereignisse der letzten Wochen, die verheerende Flut, mit deren ungeheurer Zerstörungskraft niemand rechnete. Der chaotische und darum so dramatische Rückzug aus Afghanistan, mit dessen schrecklichen Folgen für das Land und die Menschen, die „dem Westen“ vertraut haben, offenbar auch niemand rechnete, obwohl der Blick zurück in die Geschichte dieses Landes genau das doch wahrscheinlich sein ließ. Der Kampf, der den bevorstehenden Wahlen vorausgeht und der seine ganz eigene Dynamik entfaltet, sodass niemand mit seinem Ausgang sicher rechen kann.

Viel zu viele Rechnungen, denen ein Strich in die Quere kam, die unberechenbar wurden, nicht aufgehen.

Altweibertage, wir alten Frauen sind eigentlich müde, immer wieder neu anzustellende Rechnereien zu betreiben und können es doch nicht lassen… es ist wie die Schminke auflegen, damit man das Gebrechliche des Lebens nicht sofort erkennt, sondern sich der Hoffnung hingeben kann, alles sei doch gut – oder werde irgendwie gut.

Rilke fällt mir ein, sein berühmtes Herbstlied und daraus die letzten Zeilen:

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

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