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Wenn der Muezzin ruft… 23. Oktober, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Wenn der Muezzin ruft, führt das unweigerlich zu höchst unterschiedlichen Reaktionen.

Vor einigen Jahren las ich einen berührenden Bericht einer jungen Frau, die ihr Heimatland verlassen musste und in Deutschland Zuflucht gesucht hatte. Zu ihren Träumen von der verlorenen Heimat gehörte auch das vertraute „Rufen zum Gebet“, wie es überall in den muslimischen Ländern erklingt. Der jungen Frau waren es wunderbare Töne, melodiös und schön.

Ich muss zugeben, dass ich den Ruf, als ich ihn zum ersten Mal vernahm, ganz furchtbar fand. Es war ein grässliches Gekrächze, das durch den Lautsprecher ins Unerträgliche verzerrt wurde und alle anderen Geräusche in der Jerusalemer Altstadt übertönte. Später, bei einer Reise durch die Türkei, war es der gleiche unangenehme Singsang, der mich am frühen Morgen aus allen Träumen riss und mir den Schlaf raubte. Daran musste ich bei dem Bericht der jungen Frau denken und es fiel mir schwer, irgendetwas Schönes oder gar Melodisches zu erinnern.

Seit wenigen Jahren erbitten immer mehr Moscheegemeinden in Deutschland von ihrer jeweiligen Stadt die Erlaubnis, den Ruf des Muezzins ertönen zu lassen. Einige Städte haben diesem Gesuch bereits entsprochen. Es mag wohl an der relativen „Bedeutungslosigkeit“ der Städte gelegen haben, dass diese Erlaubnis nicht einen Sturm der Empörung auslöste.

Ganz anders sieht es nun in Köln aus.

Aus Gründen der Gleichbehandlung und der religiösen Toleranz hat die Oberbürgermeisterin der Stadt Köln dem Gebetsruf zugestimmt – probeweise auf zunächst zwei Jahre begrenzt. (Das ZDF berichtet in gewohnt „wohlwollend- neutraler“ Weise und schiebt zu befürchtende Kritik schon mal vorsorglich der „rechten Ecke“ zu…)

Die unwissenden Toleranten dieses Landes vergleichen den Gebetsruf mit dem Glockengeläut der Kirchen und sehen vor allem eine religiöse Pflichterfüllung in dem Ruf des Muezzins, die zudem von dem Gesetz über Religionsfreiheit gedeckt sei.

Nun macht es jedoch selbst für religiös-abstinent lebende Menschen einen Unterschied, ob sie einen Glockenklang vernehmen, der aber, obwohl laut und eindringlich, keine weitere Botschaft verkündet oder eben einer menschlichen Stimme ausgesetzt sind, die für Menschen, die des Arabischen nicht mächtig sind, unverständliche Worte und unartikulierte Laute in – für europäisch geschulte Ohren – wenig melodiöser Weise von sich gibt.

Der „Adhan“ genannte Ruf ist zwar der Aufruf, zum Gebet in die Moschee zu eilen, bzw. im stillen Kämmerlein das Gebet zu verrichten, bei genauerer Betrachtung geht ihm aber das „Glaubensbekenntnis“ des Islam voran, etwas salopp übersetzt, Allah ist der Allergrößte und ich bekenne, dass Mohammed sein Prophet ist. Das ist, was viele Menschen in Deutschland nicht wissen, die schlichte Formel, mit der ein bisheriger Nichtmuslim durch dreimalige Wiederholung des Bekenntnisses vor Zeugen der Moscheegemeinschaft zum Muslim wird, also alles andere als „nur“ eine Erinnerung, das Morgengebet und die vier weiteren Gebete im Laufe des Tages nicht zu vergessen und zu verrichten.

Ich gehöre zu den Menschen, die in dem Ausruf dieses Bekenntnisses durch den Muezzin, gleichzeitig den Herrschaftsanspruch des Islam über das Gebiet sehen, in dem der Ruf erklingt. Syran Ates hat im vergangenen Jahr zu der politischen Dimension des Gebetsrufs Stellung genommen. (Ihren Beitrag, der in der Hochzeit der Corona-Pandemie des letzten Jahres erschien, kann man hier nachlesen.)

Die Naivität, mit der Frau Reker in Köln, aber auch zahlreiche Politiker (inklusive Christian Lindner) und etliche christliche Geistliche beider Konfessionen mit der vermeintlichen Gleichstellung von Adhan und Glockengeläut umgehen, hat mich zutiefst verstört. Seit Christian Wulff den Islam als zu Deutschland gehörend erklärte, müsste sich doch jeder Mensch in verantwortlicher Position, mit einem Grundwissen über Islam (als Religion, wie als politische Kraft, wie als Ideologie) vertraut gemacht haben bevor er derartige Formulierungen von Gleichheit und Religionsfreiheit von sich gibt.

Gleichheit hinsichtlich des Ertönen von Glockengeläut und islamischem Gebetsruf besteht allenfalls darin, dass die Zeit angekündigt wird, in der Gebete verrichtet und Gottesdienste abgehalten werden.

Eine Gleichheit inhaltlicher Natur zwischen dem Bekenntnis des Gebetrufs und einem entsprechenden „Aufruf“ könnte nur in Form eines ebenfalls gesprochenen Bekenntnisses hergestellt werden.

Aber man schließe kurz mal die Augen und stelle sich vor, der Kantor oder Pastor oder Pfarrer einer Kirchengemeinde würde, statt das Glockengeläut anzustellen, zum Mikrofon greifen und via Lautsprecher das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ in die Nachbarschaft rufen: „Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erden und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn…. “

Ein Sturm der Entrüstung ginge durch das Land – und ich mag mir gar nicht ausmalen, was dann los wäre.

Das aber, liebe Freunde, die hier ab und zu mal lesen, das ist der notwendige und tatsächlich zutreffende Vergleich und deshalb hinkt jede Gleichmacherei von Muezzinrufen und Glockengetöse. Ganz abgesehen davon, dass die Glocken zu keiner Zeit an die weltliche Macht der Bischöfe gemahnten, die dem Gebiet vorstanden, in dem die Glocken erklangen.

Niemand, der übereifrig seine Toleranz gleichsam wie eine Monstranz vor sich herträgt und dem Muezzin das Rufen gönnerhaft gewähren möchte, denkt doch nur im Traum daran, der Kirche auch nur einen Millimeter an weltlicher Macht zuzugestehen. Im Gegenteil. Und das ist auch gut so, würde nicht nur Herr Wowereit sagen, das sagen auch die meisten Christen in diesem Land, die sich stark machen für eine strikte Trennung von Kirche und Staat.

Wie aber kommen die gleichen Leute dazu, genau diese religiös-politisch-ideologische Macht (unwissentlich?) dem Islam zuzugestehen?

Übrigens empfehle ich in letzter Zeit immer wieder mal bei Schiller nachzulesen:

Das Lied von der Glocke

„… FRIEDE sei ihr erst Geläute.“


„Das Klima braucht uns alle“… 21. Oktober, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Mit dieser wunderbaren Schlagzeile und dem Bild einer sympathischen, älteren Dame wird darum geworben, am 22. 10. den großen Klimastreik mit der eigenen Anwesenheit vor dem Reichstag in Berlin machtvoll zu unterstützen.

„Das Klima braucht uns alle!“ Das ist der dümmste Spruch, den ich in Bezug auf den Klimawandel je gelesen habe.

Nein, „uns“ braucht das Klima nicht. Ich halte überhaupt nichts davon, natürlichen Phänomenen, besser gesagt, Phänomenen, die wir in der Natur beobachten können, „menschliche Züge“ zu verleihen. Weder ist das Klima „Person“, die irgendetwas braucht, noch sind wir in der Lage, die klimatischen Veränderungen, die ja nicht überall gleich vonstattengehen, in unserem „fürsorglichen Sinn“ (das Klima braucht uns) zu schützen oder zu versorgen, denn das ist es, was das „braucht uns“ doch impliziert.

Nein, wenn überhaupt das „Klima“ irgendetwas von uns wollte, dann fordert uns der Klimawandel heraus, etwas für uns selbst zu tun, indem wir beispielsweise Vorsorge an den Küsten und Flussläufen treffen und die Deiche entsprechend stabilisieren, weil ja angeblich der Meeresspiegel um x Meter in absehbarer Zeit steigen wird oder indem wir Pflanzen züchten, die in einer sich ändernden klimatischen Umgebung geeignet sind, die wachsende Weltbevölkerung mit ausreichenden Nahrungsmitteln zu versorgen.

Das Klima braucht uns nicht.

Wir aber brauchen Wissenschaftler, Agrarexperten, Ingenieure, die unsere Lebensbereiche krisenfest machen, ganz egal wie sich das Klima verändert.

Was wir aber ganz bestimmt nicht brauchen, sind Untergangpropheten, die uns mit ihren Ängsten dazu bringen, ganz im Sinne ihrer wahnhaften Ideologie jegliche Vernunft an den berühmten Nagel zu hängen und statt mit Kreativität und intelligenten Lösungen auf ein Problem zu antworten, uns zurück in das Mittelalter zu befördern, in dem man glaubte, mit Ablasszahlungen sein Seelenheil sicherstellen zu können. Wer dagegen aufstand, wurde als Ketzer gebrandmarkt – und oft genug auch tatsächlich verbrannt.

Leider funktionieren die modernen Folterinstrumente der wahren KlimaGläubigen heute immer noch so gut wie die der damaligen Inquisitoren. Die Drohung allein, in die falsche Ecke gestellt zu werden, wenn man den zahlreichen Klimapäpsten nicht folgen mag, reicht schon um die Widerständler zum Verstummen zu bringen.

Da könnte ich glatt zum Luther werden, der gegen die Ablasshändler aufstand…

„Lasst doch der Jugend ihren Lauf.“ ??? 13. Oktober, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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„Lasst doch der Jugend ihren Lauf…“ sangen wir einst als lustiges Tanzliedchen.

Damals, in einem anderen Jahrhundert und in einer anderen Zeit war die Jugend noch ziemlich obrigkeitsgläubig und was Vater und Mutter sagten, galt nahezu als Gesetz. Etwas gönnerhaft klang darum – und ganz sicher war es auch so gemeint -, dass man der Jugend doch ihren Lauf, sprich, einige Freiheiten lassen sollte. Sie, die halbstarken jungen Männer, sollten sich ruhig erst die Hörner abstoßen und die Mädchen nicht minder, bevor sie endgültig die Welt der Erwachsenen betraten und nach und nach eroberten.

Ich bin froh, dass wir Alten heute nicht mehr gönnerhaft der Jugend zubilligen, sich erst mal auszutoben, bevor sie Sinnvolles zum allgemeinen Wohl der Gesellschaft beitragen. Allerdings bin ich weit davon entfernt, dem jugendlichen Überschwang absolute Narrenfreiheit zuzugestehen, wenn es eben nicht um sehr private und persönliche Belange geht, sondern das gesellschaftliche Miteinander durch mehr oder weniger gehaltvolle Diskussionsbeiträge und Lösungsvorschläge zur Zukunftsbewältigung berührt werden.

„How dare you!“, wie es Greta den Alten entgegenschleuderte, die eigentlich gekommen waren, der jungen Schwedin zuzuhören, welchen Beitrag sie beisteuern könne zur Bewältigung der drängenden Klimafragen, empfand ich schon damals als ziemlich grenzwertig. Wer auf Augenhöhe argumentieren will und dabei auch Gehör finden möchte, sollte doch ein Mindestmaß an gegenseitigem Respekt aufbringen. So wie ich mir wirklich Mühe gebe, nicht von „dummen Gören“ – Kindern – zu reden und sie auch nicht dafürzuhalten, die sich einfach nur erkenntnislos einmischen, erwarte ich im Gegenzug, dass wir Alten und selbst die Älteren (also die Generation 45 Plus) für das, was sie bereits geleistet haben und immer noch leisten, wertgeschätzt und nicht in Grund und Boden verdammt werden. Es war doch nicht alles verdammenswürdig, was meine Generation hervorgebracht und entwickelt hat. Viele innovative Ideen zur Zukunftssicherung, zur Bewahrung der Schöpfung, zum Umgang mit den Ressourcen haben wir doch entwickelt und damit ein Fundament geschaffen, auf dem man aufbauen kann, wenn auch nicht jeder Bau es wert ist, vollendet zu werden. Versuch und Irrtum waren schon immer die Mittel der Wahl, wenn es darum ging, Neues zu denken, zu schaffen, zu beurteilen oder eben auch wieder zu verwerfen.

Neben den drängenden Fragen zu Umwelt und Klima drängt sich in den letzten Monaten – ich denke, verstärkt seit den schrecklichen Ereignissen um George Floyd -, ein anderes Problem in den Vordergrund, die Rede ist von Rassismus. Rassismus, so erlebe ich es mit zunehmendem und staunendem Entsetzen, ist ein gar wunderbares Argument, um jegliche Kritik an gesellschaftlichen Belangen ebenso wie an Personen sowohl anzuführen wie abzuwürgen, wenn der Falsche es für geboten hält, Kritik zu üben, wobei „falsch“ immer im Auge des Betrachters liegt.

Ich zum Beispiel, finde es vollkommen falsch, wenn eine junge Frau, frisch gewählte Sprecherin der Grünen Jugend, davon redet, in Deutschland lebe eine „eklige weiße Mehrheitsgesellschaft“. Herr Trittin, seines Zeichens Urgrüner, findet wiederum die Kritik an diesem Ausspruch falsch, weil die junge Frau als Kind einer „weißen“ Mutter und eines „schwarzafrikanischen“ Vaters doch Verständnis verdient habe, schließlich habe sie jahrelang rassistische Bemerkungen über sich ergehen lassen müssen.

Dass sogar Kinder mit rassistischen Ansichten ihrer Mitmenschen konfrontiert werden, das ist leider so und das ist furchtbar. Dagegen muss man das Wort ergreifen, deutlich und sehr entschieden.

Ich wage aber den Einwand oder die Frage, ob jede Bemerkung, die ein „Weißer“ über eine Person mit erkennbarer Zugehörigkeit zu POCs macht, im Kern rassistisch ist. Ist beispielsweise die Frage nach dem Woher an sich schon rassistisch? Bekundet sie nicht genauso gut das Interesse an dem Gegenüber, das ja ganz offensichtlich zur Gesellschaft, aber zum „nicht weißen Teil“ gehört und seine Wurzeln auf einem anderen als dem europäischen Kontinent hat… manche Wurzeln reichen sehr weit. Und darum ist die Frage zunächst doch einfach nur eine Frage und keine Beurteilung oder gar ein Urteil.

Dazu ein kleiner Einschub aus meiner Jugend: Ich war mit einer (christlichen) Jugendgruppe auf der Rückfahrt von einer ganz wunderbaren „Schwedenfreizeit“; die meisten Mitglieder meiner Gruppe mussten noch bis München weiterreisen. Wir legten darum einen Zwischenstopp in Hannover ein, übernachteten in der Jugendherberge, die in Hannover in unmittelbarer Nähe des Maschsees liegt. Abends suchten wir uns ein schönes Plätzchen am Seeufer, jemand hatte die Gitarre mitgenommen, wir sangen – in christlichen Jugendgruppen wurde viel gesungen, christliches Liedgut, Protestlieder, Balladen… In der Nähe saß ein sehr dunkelhäutiger Mann und beobachtete uns. Ich lud ihn ein, sich zu uns zu setzen, wir kamen ins Gespräch… woher kommst du? Aus dem Senegal… Unser Gespräch war etwas mühsam, nicht, weil wir unterschiedliche Hautfarben hatten, nein, seine Muttersprache war Französisch, meine Deutsch, unser Englisch war gleich gut oder gleich schlecht… Wir tauschten die Adressen, dann Briefe aus. Er besuchte mich in Kassel, meine Mutter lud ihn zu uns zum Essen ein… (auch einen „weißen“ jungen Mann hätten meine Eltern bei uns nicht wohnen lassen…. nicht in „diesem ehrenwerten Haus“, wie es damals noch so wichtig war und später von Udo Jürgens besungen wurde.)

In einem Café, das wir beide besuchten, wurde am Nachbartisch Protest laut über „den Schwarzen“, ich widersprach energisch… und wir gingen. Im gleichen Sommer traf ich meinen jetzigen Mann bei einem anderen Jugendevent wieder, wir kannten uns schon von anderen Veranstaltungen und kamen uns nun näher. Ich löste das Briefverhältnis mit P., weil ich keine Hoffnungen weiterleben lassen wollte. Das alles ist schon über 50 Jahre her.

Wenn Sarah-Lee Heinrich sich über Rassismus beklagt, nehme ich ihr das ab. Wenn sie aber selber rassistische Statements abliefert und dabei ganz unverhohlen Hass auf diese Gesellschaft zum Ausdruck bringt, lass ich das nicht mehr als zu vernachlässigende Jugendsünde durchgehen oder entschuldige es mit ihrem „Opferstatus“. Damals, in Hannover, war ich in dem Alter, in dem sie jetzt ist. Man kann mal im Überschwang und in der Hitze des Gefechts eine unangemessene Bemerkung machen, wem wäre das nie passiert, aber ihr Statement steht in einer Reihe von ähnlichen Bemerkungen. Sie ist nicht ein „Irgendwer“, sie repräsentiert die „Grüne Jugend“ und da erwarte ich, dass sie sich als Mitglied dieser Gesellschaft einbringt – und durchaus deutlich die kritischen Punkte des Zusammenlebens benennt – und eben nicht auf diese Gesellschaft verächtlich spuckt.

Ist das zu viel verlangt?

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