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„Licht scheint auf in der Dunkelheit…“ 28. November, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Was ist es doch für eine segensreiche Einrichtung, dass ausgerechnet in der dunklen Jahreszeit, in der es Tage gibt, die gar nicht mehr richtig hell werden, auf das Licht hingewiesen wird, das nicht von Kerzen oder Elektrizität bereitgestellt wird, auch wenn natürlich überall in den christlich geprägten Familien als Symbol für dieses Licht Kerzen angezündet werden…

Als Johann Hinrich Wichern damals im „Rauhen Haus“ in Hamburg die ersten Kerzen auf ein großes Wagenrad stellte, um den ihm anvertrauten Kindern die Wartezeit bis zum Heiligen Abend ein wenig freundlich zu gestalten, konnte er unmöglich ahnen, dass das der Beginn einer in Deutschland so geliebten Tradition sein würde. Heute gestalten wir Adventskränze in allen möglichen Größen, Formen und Farben, manchmal vergessen wir darüber, dass er auf den hinweist, der selbst das Licht ist, Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern.

So wünsche ich uns allen in dieser Zeit, dass wir mehr sehen, als die brennenden Kerzen am Adventskranz, mehr als den Lichterglanz in den Städten, mehr als den Schmuck in unseren Wohnungen, Häusern und Gärten und einfach mit einstimmen können in den wunderbaren, jubelnden Gesang, den Händel in seinem „Großen Halleluja“ so herrlich anklingen lässt.

Darum, wie in vielen Jahren zuvor, auch jetzt wieder:

Allen, die hier lesen, wünsche ich eine frohe, besinnliche und gesegnete Adventszeit.

Meine ehrliche Antwort auf eine aufrichtig gestellte Frage… 23. November, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Ich erhielt eine E-Mail von einer Leserin meines Blogs, die mich auf den vorherigen Beitrag ansprach und fragte, wie dieser mit meiner Selbstauskunft zu „himmel und erde“, wie ich sie ja verfasst habe, in Einklang zu bringen sei.

Vielleicht fällt diese von ihr wahrgenommene Diskrepanz auch anderen irritierend auf. Ich habe in einer Mail auf ihre Anfrage geantwortet – und stelle diese Antwort hier ein, um ein wenig näher meine Beweggründe zu erklären:

Liebe X,

aufrichtigen Dank für das aufrichte Feedback und die Nachfrage.

Ich will sie gerne beantworten.

Dazu zitiere ich zunächst meinen Eingangssatz:

„Was sind das – was seid Ihr – nur für schreckliche Ignoranten und Verharmloser der NS-Zeit, die immer wieder die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie mit der Willkür und dem Terror vor allem gegen Juden, aber auch gegen andere Minderheiten vergleichen?“

Es geht mir nicht um eine andere Meinung zum Impfgeschehen, auch wenn ich über viele Statements ungläubig den Kopf schütteln muss. Es geht mir in dem Beitrag explizit um diejenigen, die ihren Widerstand mit dem Widerstand gegen das NS-Regime vergleichen, oder, schlimmer noch, die sich selbst mit den Opfern des Regimes auf eine Stufe stellen.

Seit ich – geboren 1949 –  mit ungefähr  14 Jahren oder sogar noch jünger das Buch „Exodus“ von Leon Uris gelesen habe und mit den unvorstellbaren, schrecklichen Taten der Deutschen während der Zeit des Nationalsozialismus konfrontiert wurde,   hat mich immer wieder in veränderter Form die Frage bewegt  und  ich  habe sie mit Vehemenz meinen Eltern und Großeltern gestellt: Warum habt ihr das, die Verfolgung und Ermordung von 6 Millionen europäischen Juden, zugelassen, warum habt ihr das Morden an den Juden einfach ignoriert.

Viel später in meinem Leben ist mir klar geworden, dass ich diese Frage aus der sicheren Position eines Kindes der Nachkriegszeit gestellt habe, ich selber aber gar nicht sicher weiß, wie ich mich denn verhalten hätte. Die Frage blieb dennoch bestehen, aber die Anklage gegen meine (direkten eigenen) Altvorderen wurde schwächer, ich wurde barmherziger.

1992 war ich zum ersten Mal in Israel, inzwischen deutlich meiner eigenen charakterlichen Anteile bewusst, und in dem Gefühl, tatsächlich zum Volk der Täter zu gehören, auch wenn es – Dank sei Gott – in meiner Familie keine aktiven „Parteigenossen“ und schon gar keine (aktiven) Täter gab (aktive Widerständler gab es aber auch nicht). Aber mit dieser Einstellung „ich gehöre zum Tätervolk und nicht zu den Opfern“  besuchte ich die Gedenkstätte Yad Vaschem in Jerusalem – und es traf mich bis ins Mark. Die Dokumente und Briefe, mit denen dem „Führer“ mitgeteilt wurde, eine Stadt sei „judenrein“, die nüchtern verfassten Protokolle über die Sterberate durch Arbeit und mangelnder Ernährung in den Arbeitslagern, die Bilder von Bergen menschlicher Haare, Schuhen, Brillen, die Aufzählung der Namen der gemordeten Kinder….  Das Grauen so hautnah zu spüren… Ich bin seitdem noch einige Male in Yad Vaschem gewesen, zuletzt 2018, der Schrecken, die Scham, das Grauen wirkt auf mich und in mir unverändert fort.

Ich bin  hier in Deutschland in der Gedenkstätte Bergen-Belsen gewesen, allein und später als Begleiterin von Jugendgruppen… Es ist ein stiller Ort, der die Schrecken nicht spiegelt, aber in der Dokumentationsstätte sehr gut medial darstellt und erfahrbar macht.

Im Oktober habe ich an einem Schweigemarsch in Hamburg teilgenommen, der nach dem Angriff auf einen Juden, der dabei schwere Verletzungen davontrug, auf Initiative einer jüdischen Facebook-Freundin organisiert wurde. 300 Leute nahmen daran teil, einige, wie ich, die nicht in Hamburg wohnen, waren extra angereist. 300 Menschen demonstrieren schweigend gegen den erstarkenden Antisemitismus, aber Tausende demonstrieren gegen die Corona-Regeln.

 Es kommen Menschen in den Corona-Zeiten daher und vergleichen die jetzige Regierung mit der Diktatur Adolf Hitlers, die Umsetzung der Impfmöglichkeiten und die Einschränkungen, die wir ja durch die Welle erleben, mit dem Druck, der Verfolgung und  den unglaublichen Zuständen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Das macht mich fassungslos. Das macht mich unglaublich fassungslos. Das macht mich auch wütend. Dafür habe ich gar kein Verständnis. Das finde ich schändlich, widerwärtig. Ich kann meiner Verachtung für Leute, die solche Vergleich auch nur anstellen und weitergeben, gar nicht in passenden Worten Ausdruck geben.

Zugleich erlebe ich eine extrem rasante Zunahme des Antisemitismus in Deutschland. Meine jüdischen Freunde stehen nahezu alle vor der Frage, ob es nicht besser sei, Deutschland zu verlassen und nach Israel auszuwandern. Ich lese von Beleidigungen jüdischer Kinder in den Schulen, von Mobbing, Anfeindungen, tätlichen Übergriffen – auch auf Erwachsene.

Und da kommen Impfgegner daher und nehmen für sich in Anspruch, wie die Juden – weiland und heute wieder – „Opfer“ zu sein, noch dazu Opfer des besten demokratischen Staates, den Deutsche je hatten!

Angesichts dieser Gemengelage finde ich meinen Blogbeitrag   extrem harmlos, ja, geradezu freundlich formuliert.

Es geht mir nicht darum, irgendeine Meinung zu kritisieren. Ich kritisiere und verachte „diese besondere Meinung und Haltung“ und kann sie auch nicht mit dem Mäntelchen christlicher Nächstenliebe zudecken. Im Gegenteil. Es entsetzt mich, dass auch bekennende Christen solche Ansichten, wie ich sie im Blog kritisiere, vertreten.

 Jeder hat natürlich das Recht, sich gegen eine Impfung zu entscheiden, aber er sollte sich gut überlegen, wie er das begründet und seine möglichen Ängste vor der Impfung nicht hinter dem „Pseudomut als Widerstandskämpfer“ verstecken.

Schon gar nicht richtet sich meine Kritik gegen diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden dürfen oder können. Für die habe ich vollstes Verständnis. Ich habe sogar ein gewisses Verständnis für diejenigen, die meinen, Gott würde sie auf andere Weise vor der Ansteckung mit Corona bewahren und die deshalb die Impfung ablehnen. So eine Argumentation kenne ich aus anderen Bezügen, beispielsweise bei psychologischen Themen. Zum Zahnarzt geht man selbstverständlich, auch einen Blinddarm lässt man sich operieren, aber für psychische Probleme ist  bitte  nur Gott selbst zuständig.

Gott hat uns einen gut funktionierenden Verstand gegeben. Wir dürfen ihn auch nutzen, um Probleme zu bewältigen. Corona ist ein Problem und die Impfung – und alle Einschränkungen – sind Teil der Lösung.

In diesem Sinne, alles Gute, Gesundheit und Segen für Sie,

Ihre „Rika“


Die wenigen Angaben in Klammern, habe ich nachträglich für diesen Beitrag eingefügt.

Meine Bezüge auf Gott sind dem Brief und der Anfrage geschuldet die mir gestellt wurde. Darin wird ausdrücklich meine christliche Grundhaltung angesprochen.

Auch Christen dürfen wütend werden…. und müssen nicht alles in frommer Haltung ertragen.

Kurzer Zwischenruf an die Impfverweigerer 19. November, 2021

Posted by Rika in aktuell.
5 comments

Was sind das – was seid Ihr – nur für schreckliche Ignoranten und Verharmloser der NS-Zeit, die immer wieder die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie mit der Willkür und dem Terror vor allem gegen Juden, aber auch gegen andere Minderheiten vergleichen?

Niemand wird in Deutschland verfolgt, in Konzentrationslager gesteckt oder gar getötet, der sich der Impfung gegen Covid verweigert. Und zu behaupten, diese Maßnahmen seien der Anfang, dessen man sich erwehren müsse, ist einfach nur hanebüchener Unsinn.

Aber „man“ fühlt sich offenbar gut als vermeintlicher „Widerstandskämpfer“, dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass kaum einer von denen, die so vollmundig mit den Vergleichen umgehen, sich auch nur einen Deut darum scheren, dass wir es in Deutschland tatsächlich wieder mit zunehmendem und gewaltbereiten Antisemitismus zu tun haben.

Nein, den (Euch) „Impfwiderständlern“ geht es nur um ihr (Euer) eigenes „gutes Gefühl“ gegen den Staat oder die staatlichen Anweisungen zu sein.*** Dabei verhalten sie sich, verhaltet Ihr Euch unsolidarisch und egoistisch gegenüber uns allen, vor allem aber gegenüber denen, die seit 1 1/2 Jahren unermüdlich in den Kliniken und auf den Intensivstationen bis zur Erschöpfung arbeiten und dem Sterben viel zu vieler Menschen hilflos zusehen müssen.

Ihr „Widerständler“ mögt ja die Impfung verweigern, aber haltet endlich Euren Mund und vergleicht Euch nicht mit denen, die durch staatlich verordneten Terror und schreckliche Willkür verstorben sind und / oder gnadenlos gemordet wurden.

Das ist nicht nur extrem geschmacklos, das ist widerwärtig und absolut nicht länger hinnehmbar.

*** Diese Stelle habe ich am 23. 11. zum besseren Verständnis des bisherigen Ausdrucks geändert.


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