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Der Preis der Freiheit 28. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Wir – das ist nun sehr, sehr deutlich geworden – können den Preis für unsere Freiheit nicht anderen Menschen oder Staaten aufbürden und uns mit schönen Reden und dem Angebot des Dialogs aus der schwierigen Affäre ziehen.

Der Bundeskanzler und die ihn tragenden Parteien haben das gestern in der Sondersitzung des Deutschen Bundestages sehr deutlich gemacht.

Es ist nicht damit getan, der Ukraine mit Worten unsere Solidarität auszudrücken, unser Mitgefühl und unsere Betroffenheit über das Unglück, das in Form von Putins Militäreinsatz über sie hereingebrochen ist.

Putin, das muss auch den größten Friedensaktivisten klar geworden sein, ist die massivste Herausforderung für den Frieden in Europa, für den Frieden in der Welt.

Ich bekenne, dass ich das erst „NACH“ dem Einmarsch seines Militärs in die Ukraine erkannt habe. Viel zu lange habe ich mich der trügerischen Hoffnung hingegeben, in der Zeit nach dem „Kalten Krieg“ und des Zusammenbruchs des Kommunismus, ginge keinerlei Gefahr für Europa von den Nachfolgern der Sowjetunion aus, könne man „Missverständnisse“ auf diplomatischem Weg ausräumen, genüge der gute Wille, um den Frieden in Europa zu sichern.

Wie sehr habe ich mich und haben sich viele andere geirrt, die allzu gerne dem frommen Kirchentags-Slogan folgten und „Frieden schaffen ohne Waffen“ auf Fahnen, Tücher, Kerzen, Tassen, Kalender und überhaupt alles druckten, das man bedrucken konnte und bedrucken kann. Es war ja so ein wunderbares Gefühl, auf der guten Seite zu sein, die die Gewalt verabscheut und sogar ablehnt, selbst wenn es zu einer Bedrohungslage kommen SOLLTE…. der Konjunktiv hat uns alle geblendet und blind gemacht für die Realität, die eigentlich schon seit vielen Jahren hätte erkannt werden können und erkannt werden müssen.

Die Zeit des Konjunktivs ist definitiv abgelaufen.

„Wir sind in einer neuen Realität, einer neuen Welt aufgewacht“ lautete gestern die Formulierung, mit der unsere verantwortlichen Politiker das unglaubliche, nicht für möglich gehaltene Geschehen in Worte zu fassen versuchten. Krieg auf europäischem Boden, von Putin von langer Hand geplant, gegen jede politische Vernunft vorbereitet und eiskalt durchgesetzt.

Damals – in der Ära Helmut Schmidts – bin auch ich gegen den Nato-Doppelbeschluss auf die Straße gegangen, weil ich in dem Beschluss zur Bewaffnung mit atomaren Waffen das Potenzial zur Vernichtung unserer Zivilisation sah. Heute, so denke ich, müssen wir erkennen, dass er die Garantie dafür war, dass der atomare Angriff und die mögliche gegenseitige Vernichtung ausblieb. Zu groß war der jeweilige Respekt vor der militärischen Macht des Gegners.

Heute bohren die Soldaten der Bundeswehr Brunnen, legen Straßen an und bauen Schulen, schaffen ohne Waffen friedliche Infrastrukturen in unfriedlichen Ländern und sind nicht mehr in der Lage, den Bösewichten der Welt Paroli zu bieten…. wie wir es doch vor nicht einmal einem Jahr in Afghanistan so beängstigend und dramatisch vorgeführt bekamen.

Wenn wir nun wieder den Weg für die Bewaffnung einer erstarkenden Armee einschlagen, so nicht, um den Frieden zu brechen, sondern um den Frieden zu schützen.

Für die Ukraine kommt diese Umkehr vermutlich zu spät.

Ich bin noch nicht am Ende des Nachdenkens angekommen, alle meine hier geäußerten Überlegungen sind meiner Ohnmacht geschuldet und meiner Sorge um mein, um unser Wohlergehen…

Das Gespräch mit einem meiner Enkel am Tage es Einmarsches in die Ukraine mag das Dilemma verdeutlichen: Mein Enkelkind ist schon alt genug, um sich Gedanken zu machen, hat aber „nur“ die seinem Alter entsprechenden Informationen in Schule und Elternhaus bekommen, die bei ihm zunächst zu folgendem Seufzer der Erleichterung führten: „Wie gut, dass wir (gemeint sind wir hier in Deutschland) nicht in den Krieg müssen.“ Als seine Großmutter, die in ihrer Kindheit von den Gräueln des Krieges mehr als genug durch Eltern und Großeltern erfahren hat, antwortete ich: Und dennoch gibt es Mütter, die um ihre Söhne weinen, weil sie als Soldaten kämpften und dabei starben.

Auch wenn wir hier (noch) verschont werden, gibt es Mütter, Väter, Ehefrauen, Kinder von Soldaten, die einen Preis zahlen werden und zahlen müssen. Auf beiden Seiten. Auch russische Mütter weinen… was Putin jedoch nicht bekümmert.

Wir können uns vor dieser Erkenntnis nicht wegducken. Es ist auch unsere Freiheit, die auf dem Spiel steht und für die heute schon Menschen einen viel zu hohen Preis zahlen und sterben.

Dass das auch uns betrifft, daran lässt Herr Putin in seinen Drohreden gar keine Zweifel aufkommen.

Krieg im europäischen Haus… 24. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Nun ist doch das eingetreten, was ich mir gestern noch nicht vorstellen wollte.

Putin hat das Militär angewiesen, in die Ukraine einzumarschieren.

Seit ungefähr eineinhalb Stunden verfolge ich die Sondersendungen des ZDF und der ARD.

Das, was sich mir vor allen Dingen aufdrängt, ist, dass „wir“, wollen wir nicht einen großen Krieg riskieren, doch ziemlich ohnmächtig sind, Putin Paroli zu bieten.

Wenn Putin unverhohlen, aber dennoch deutlich damit droht, eine „nie dagewesene Reaktion“ würde erfolgen, falls die NATO in den Konflikt eingreife, so kann man doch nur annehmen, er drohe mit einem Atomschlag gegen den Westen.

Davon, von einem Schlag gegen den Westen mit atomaren Waffen, wären aber in erster Linie Deutschland und die EU betroffen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Putin auch die USA angreifen wird.

Vielleicht, so denke ich, dient die Drohung dazu, das westliche Bündnis -NATO – auseinanderzudividieren. Wer, in Europa, könnte überhaupt ein Interesse daran haben, sich auf einen solchen Waffengang einzulassen und würde allein aus diesen Gründen aus möglichen amerikanischen Plänen ausscheren?

Aber ich habe mich hinsichtlich Putins möglichen Absichten schon einmal geirrt…

Wir können nur hoffen und beten, dass die USA und die EU besonnen bleiben und es nicht zum Äußersten kommen lassen.

Wie aber kann angesichts dieser Situation die Solidarität mit der Ukraine überhaupt aussehen?

Werden humanitäre Hilfsmaßnahmen ausreichen?

Dona nobis pacem – HERR, gib uns Frieden.

WER SONST ?

Solidarität nicht umsonst…? 23. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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„Solidarität nicht umsonst?“

Die Frage ist durchaus doppeldeutig zu verstehen.

Die Solidarität mit der Ukraine ist gerade sehr gefragt, wobei die Frage unbedingt beantwortet werden müsste, wo genau die Grenzen liegen sollten oder müssten, damit die Kosten nicht bei weitem den Nutzen übersteigen.

Der Nutzen für die Ukraine liegt vor allen Dingen in der Abwehr russischer Großmachtgelüste, von denen Herr Putin ganz offenbar befallen ist, träumt er doch von der alten russischen Größe, die er aber vorwiegend territorial verstanden wissen möchte. Größe, das ist Herrn Putin wohl noch nicht aufgegangen, ist aber nicht von der Quadratkilometerzahl eines ohnehin schon sehr großen Landes abhängig, sondern zeigt sich, zumindest meinem Verständnis nach, doch vor allen Dingen darin, wie „gut“ es den Menschen geht, wie modern Infrastruktur, Bildungswesen, Gesundheitssystem, wirtschaftliche Potenz sind und wie hoch das friedliche Auskommen mit den unmittelbaren Nachbarstaaten und der positive friedliche Einfluss weltweit zu bemessen ist.

Man darf bezweifeln, dass Herr Putin das ähnlich sieht bzw. dass er über so viel kritisches Reflexionsvermögen verfügt, um zu erkennen, dass in dieser Definition von Größe für ihn und sein Reich noch erheblich viel Luft nach oben besteht.

Leider haben alle Gespräche mit ihm aber nicht bewirkt, sich von den territorialen Größenverhältnissen zu verabschieden, die er für Russland als selbstverständlich ansieht.

Und so macht „der Westen“ keine Verhandlungsangebote zur Entschärfung der Krise mehr, sondern verhängt „Sanktionen“ gegen Russland. Ob das erfolgversprechender ist als die bisherige Strategie zur Deeskalation?

Ich bezweifle das, muss aber gestehen, dass ich keine Idee habe, wie sonst eine weitaus schrecklichere Szenerie abzuwenden sei.

Doch auch hinsichtlich der nun beschlossenen Sanktionen muss doch ein Gedanke erlaubt sein, der sich mit den „Kosten“ befasst, die wir auch zu tragen haben:

Das Problem besteht für uns doch darin, dass wir zuvorderst selbst von den Sanktionen betroffen sein werden, die eigentlich den Russen vor die Füße fallen sollten – nämlich durch die erhebliche Einschränkung der wirtschaftlichen Beziehungen einerseits, durch eine nicht minder erhebliche Verteuerung unserer Energiekosten andererseits.
Wenn Frau von der Leyen davon spricht, man könne die benötigten Rohstoffe zur Aufrechterhaltung der Energieversorgung in Deutschland / Europa durch die Lieferungen aus anderen, außereuropäischen Ländern sichern, so übersieht sie doch geflissentlich, dass keines der genannten nichteuropäischen Länder den Standards entspricht, die wir an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Friedensförderung anlegen – dies vielleicht mit Ausnahme der USA, deren Fracking-Produkte uns aber auf diesem Weg nun doch noch erreichen sollen, obwohl die Förderbedingungen dem Umweltschutz nicht entsprechen und damit absolut gegen Fracking sprechen.

Teufel und Beelzebub, fällt mir dazu ein oder auch Pest und Cholera.


Es geht vermutlich kein Weg daran vorbei, aber dann sollte man das Problem auch wirklich als solches benennen und nicht den Leuten Sand in die Augen streuen.
Ganz abgesehen davon, dass die Bevölkerung ja gar nicht gefragt wird, ob sie persönlich diese „Opfer“ zu bringen bereit ist. Aber das wäre ja bei Entsendung von Kampfverbänden in die Ukraine nicht ganz anders, sieht man davon, dass hierzulande die Wehrpflicht ausgesetzt und damit auch das Risiko für die „Gesamtheit“ junger Männer** minimiert ist, in Kämpfe verwickelt zu werden.

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, am Ende müssen wir einen Preis bezahlen für die Solidarität, die wir leisten – und uns auch leisten können oder wollen oder müssen.

Ich habe mir nur in den Jahren nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Sowjetunion gar nicht vorstellen können, dass es in Europa wieder zu einer Situation kommen könnte, in denen zwei Systeme unvereinbar und sich zunehmend feindlich gegenüberstehend, auch aufeinander einschlagen werden….


**Die Wehrpflicht bestand damals nur für junge Männer, daher verzichte ich hier auch darauf, Frauen miteinzubeziehen, was aber bei der Freiwilligenarmee durchaus anders ist.

Und am Ende des Tages, so die Sorge, die uns umtreibt, mag auch unsere Solidarität ganz umsonst gewesen sein, weil die Ukraine von Putin einverleibt wird in sein großes russisches und menschenfeindlich-kaltes Reich….

Machtlos und gar nicht fein… 22. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Machtlos

Wir „normalen Bürger“ dieses Landes können nur machtlos zuschauen, wie sich vor unseren Augen ein Konflikt weiter und weiter entfaltet, der das Potenzial hat, die ganze Welt in einen Albtraum zu verwandeln, nicht, dass die Menschen im Konfliktgebiet nicht jetzt schon albtraumhafte Zustände hinzunehmen und zu erleiden, zu erdulden hätten.

Aber wir hier, in unserem so wohlgeordneten Land, haben doch, abgesehen von sehr privaten und persönlichen Schicksalsschlägen, die wahrlich schwer genug sein können, keinen Grund für dramatisch schlechte Albträume.

Das ist doch fein.

Sicher, bei den Olympischen Spielen in Beijing lief es für manche Sportler und deren Fans nicht ganz so gut, die Bundesligavereine der 1. und 2. Liga bieten ebenfalls Anlass für mancherlei Angstzustände …

Corona hält uns immer noch auf Trab… und die Impfgegner sind weiterhin als selbst ernannte Widerstandskämpfer unterwegs und machen Stress….

Die Winterstürme hielten die Feuerwehren und das THW im Dauereinsatz und sehr viele Menschen in Atem oder auf unwirtlichen Bahnhöfen fest, weil Schienen blockiert und Oberleitungen wichtiger Zugstrecken gebrochen waren … Auf dem Hamburger Fischmarkt schwammen die Autos samt Insassen in den kalten Fluten und mussten geborgen werden. Zum Glück hielten die Deiche (das war sowieso fein!)

Und sonst war doch alles fein.

Wir haben immer noch den gleichen Mann an der Spitze des Staates…

Das ist doch auch fein….

Die Klimakrisenbewältigung nimmt Fahrt auf – allerdings mit Hindernissen, die vom Geldbeutel einerseits und den außenpolitischen Verhältnissen andererseits bestimmt sind…

Aber sonst ist doch alles fein…

Die Benzin- und Dieselkosten erreichen zwar astronomische Höhen, nur noch übertroffen von den Preisen, die man inzwischen für den dringend notwendigen Haushaltsstrom und für das im Winter ebenso dringend erforderliche Brenngut in Form von Öl, Gas und Holz zum Beheizen der Wohnung berappen muss. Über die Strom- und Gaspreise informierte uns der Anbieter, dem wir beides verdanken, über die Kosten für Brennholz machte sich der Liebste erst gestern schlau und erschütterte meine Zuversicht mit der Mitteilung, dass wir heute für den Raummeter Kaminholz so viel bezahlen müssen, wie wir vor einem Jahr für zwei Raummeter ausgegeben haben. Auch die Preise für Pellets sind gestiegen… (In der Zeitung stand zudem, dass wir Holzverheizer ganz böse Umweltsünder sind. Der Feinstaub und so, sei in der Umgebung von Kaminen, die die Abgase der Holzverbrennung ins Freie leiten, beinah noch gefährlicher als die Abgase an einer vierspurigen Schnellstraße…)

Aber sonst ist doch alles fein…

Und dann das.

Ein alter Mann in Moskau lässt die gestählten russischen Muskeln spielen und

ein noch älterer Mann in Washington, der noch eine Rechnung in Sachen Ukraine zu begleichen hat, bietet ihm Paroli und droht mit seinen Superkräften, unterstützt von den Ländern des „Westens“, zu denen zu gehören, wir Deutschen die unzweifelhaft schmeichelhafte Ehre haben. Die Nachrichten reden von Streitkräften, die nun in die bedrohten Länder des Ostens der NATO entsandt werden – mir wären ja Streitschlichter lieber, die hatten wir früher an meiner Schule und waren dazu ausgebildet, ihre Mitschüler von allzu heftigen verbalen und erst recht von tätlichen Gewaltaktionen abzuhalten.

Aber wen könnte man denn heutzutage als neutrale Streitschlichter verpflichten, ausbilden und in die Kampfzonen entsenden, um dem gefährlichen Treiben ein Ende zu bereiten?

Auch unser Herr Bundeskanzler Scholz hat sich ja redlich bemüht, aber letztlich musste er doch den Forderungen eines Anführers der (Kriegs-)treibenden Parteien nachgeben und das Projekt Nordstream 2 auf Eis legen. (Da freuen sich die lupenreinen Demokraten der Länder, die den Ersatz fürs nötige Brennzeug liefern werden, wie unlängst Frau von der Leyen ankündigte, lauter Staaten, die eine vorbildliche Bilanz in Sachen Demokratie, Gleichberechtigung, Menschenrechte und Friedensengel vorzuweisen haben)

Aber sonst ist alles sehr fein…

Und weil alle diese vielen feinen Zustände und Möglichkeiten meinem Seelenfrieden extrem stark zusetzen und ich schon gar nicht mehr wage, außer den Rosenheim-Cops und Barnaby irgendetwas im Fernsehen anzuschauen – die modernen Serien und Filme greifen ja alle irgendwie auf diese Dauerthemen zurück – greife auch ich zurück auf einen Stoff, der die Leute schon vor 200 Jahren entzückte, nur dass er vor zweihundert Jahren aktuell, heute aber so angenehm lange her ist, nämlich die fabelhaften Gesellschaftsgemälde der Jane Austen. Aktuell befasse ich mich intensiv mit „Emma“ in Buch, Film und Musik und mache dabei die Entdeckung, dass auch damals schon die Menschen die gleichen Fehler hatten und machten wie wir – dabei Dummheit aufwiesen gepaart mit Arroganz, Hochnäsigkeit, Überheblichkeit, Besserwisserei…

Und das ist doch fein.

Es ist einfach viel schöner, sich an dem Verhalten der Altvorderen zu ergötzen, als von ihrem Verhalten zu lernen.

Wir, das weiß ich allerdings nicht erst seit heute, dürfen nämlich getrost unsere eigenen Fehler machen, müssen nichts aus denen der Alten lernen…

… sonst würde man doch nicht nach den Erfahrungen von 1914 (und folgenden schrecklichen Jahren) wieder mit dem Säbel rasseln, bzw. schweres Kriegsgerät anfordern, das natürlich nur der Verteidigung dienen soll… wozu auch sonst….?

Das Lied von der Zweistaatenlösung 11. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Wieso, so frage ich mich schon seit Jahren, glaubt alle Welt, sich intensiv in die Belange des Staates Israel ungefragt einmischen zu müssen – von „dürfen“ ist ja nicht einmal die Rede.

Nun also auch Frau Baerbock, die – laut Pressemitteilung – zum zweiten Mal Israel einen Besuch abstattete, zum ersten Mal als Außenministerin der Bundesrepublik Deutschland.

Wie alle ihre Vorgänger sang auch sie das Lied von dem unumstößlichen Existenzrecht Israels, das auch für sie nicht verhandelbar sei.

Hat man jemals bei einem politisch motivierten Besuch eines anderen Landes vernommen, das Existenzrecht dieses gerade besuchten Landes sei „nicht verhandelbar“? Ist eigentlich noch niemandem der begleitenden und berichtenden Pressemeute aufgefallen, dass allein schon in der Formulierung und Behauptung vom „Existenzrecht Israels“ so etwas wie eine unausgesprochene Vermutung des Gegenteils enthalten ist? Wenn ich ausdrücklich etwas, was doch „eigentlich“ ganz selbstverständlich ist, solchermaßen betone, schwingt immer auch die Möglichkeit mit, es könne ganz anders sein und darum müsse stets und ständig das „eigentlich Selbstverständliche“ hervorgehoben und betont werden.

Warum man aber in dem betroffenen Land selbst zu dieser Formulierung greift, statt sie in den Ländern deutlich zu machen, die ja tatsächlich Israels Existenz bedrohen und bei Kundgebungen die Auslöschung des Staates fordern, ist mir nicht ganz klar. Dabei bieten sich doch sehr viele Gelegenheiten in den unzähligen Gegebenheiten auf kulturellen wie wirtschaftlichen Feldern, den Gegnern Israels die Leviten zu lesen, an vorderster Front dem Iran und seinen Mullahs, die nicht müde werden, die Vernichtung Israels zu fordern, wie seinen türkischen und arabischen und leider auch deutschen Sympathisanten hier in Deutschland, die gerne in machtvollen Demonstrationen ihre Absicht kundtun, das „Gebilde“ zwischen Mittelmeer und Jordan umwandeln zu wollen in ein „judenfreies Palästina“. Natürlich muss man das Recht Israels in Gesprächen mit allen Staaten wieder und wieder betonen, die mehr oder weniger unverhohlen Israel die Gegnerschaft ansagen.

Damit das Lied vom „Existenzrecht Israels“ aber bei Israels Gegnern nicht zu großen Unmut auslöste, so meine Vermutung, sang Frau Baerbock auch noch das Lied von der „Zweistaatenlösung“, die sie, getreu dem deutschen Narrativ vom Frieden in Nahost, für die einzige sinnvolle Lösung hält. Um diese Erzählung glaubwürdig weitersagen zu können, muss aber auch Frau Baerbock, wie alle ihre Vorgänger, die Augen ganz fest vor der Tatsache verschließen, dass es neben Herrn Abbas in Ramallah auch die Hamas in Gaza gibt. Das ist natürlich nichts Neues, neu ist auch nicht, dass die Hamas schon vor vielen Jahren eine Charta verabschiedete, in der sie alle Muslime der Welt zum Kampf gegen Israel auffordert und dabei ganz klarmacht, dass dieser Kampf so lange geführt werde, wie Israel als Staat existiere. Man kann das nachlesen. Es gibt keine Revision der Charta, die auf die Auslöschung Israel verzichten würde.

Bei ihrem Besuch in Ramallah hat Frau Baerbock vermutlich nicht das Arbeitszimmer des ewigen Präsidenten Abbas betreten. Sonst hätte sie sehen können, dass Herr Abbas nämlich gar kein Interesse an einer Zweistaatenlösung hat. Der große Präsident des nicht existierenden Volkes der Palästinenser läßt sich nämlich gerne vor einer Landkarte in seinem Arbeitszimmer ablichten, die nur einen einzigen Staat zwischen Mittelmeer und Jordan zeigt:

„Palästina“

Ein Staatsgebiet „Palästina“ ganz ohne irgendein Israel!

Aber das, Israel, müsste rein theoretisch, wenn es um die friedliche Zweistaatenlösung ginge, auch auf der Landkarte des Herrn Abbas, zwischen dem Mittelmeer und einem – in welchen Grenzen auch immer vorhandenem – „Palästina“ liegen.

Allein schon deshalb halte ich das Lied von der Zweistaatenlösung, das unsere Politiker immer anstimmen, wenn es um den angeblichen Friedensprozess geht, für eine einzige, große, lügenhafte Märchenerzählung.

Und ich frage mich, ob sie allen Ernstes wirklich daran glauben oder es sich beim Absingen dieses Lügenliedes nicht doch nur um reine Propaganda zugunsten des Friedens in Deutschland handelt. Immerhin leben in Deutschland genug Leute,

die der in der Charta der Hamas genannten Ummah angehören …

genug Leute, die mit der FATAH und ihrem militärischen Arm der PLO immer schon geliebäugelt haben, gar eine strategische Partnerschaft mit ihr anstreben, wie weiland die Jusos unter Andrea Nahles, oder, wenn wir noch weiter zurückdenken, die den vielen Sympathisanten und Unterstützern der RAF angehörten und / oder als aktive Kämpfer der RAF mit den Terroristen des Yasser Arafats gemeinsame Sache in den Ausbildungslagern der Terrororganisation der PLO machten …

genug Leute, die noch von der Nahost-Doktrin der ehemaligen DDR beeinflusst sind …

ganz abgesehen von denjenigen, die immer noch oder schon wieder antisemitischen Grundsätzen folgend, Juden an sich und Israel insbesondere ablehnen. BDS lässt auch an dieser Stelle grüßen und vergessen wir doch bitte nicht die unrühmliche Rolle, die Grüne bei der Abstimmung im Bundestag über das Verbot von BDS gespielt haben.

All das bedeutet für mich, zusammengefasst, dass Frau Baerbock, frisch im Amt und ohne jede Erfahrung auf dem Gebiet der Außenpolitik, doch bitte zunächst einmal den Mund halten sollte, bevor sie große Töne spuckt und meint, sie sei berufen, einen wie auch immer gearteten Friedensprozess wieder neu anzukurbeln.

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach sind deutsche Politiker ohnehin die völlig falschen, Israel irgendwelche Vorschläge zu machen, wie Israel mit seinen Nachbarn und Feinden umgeht. Vor 80 ACHTZIG JAHREN beschlossen Deutsche in der Wannseekonferenz, die Juden Europas rigoros der Endlösung anheimzugeben, der Vernichtung auszuliefern, der Auslöschung. Bis 1945 setzten sie diesen Beschluss konsequent um. Es kostete SECHSMILLIONEN Menschen das Leben. Abertausende, die dem Horror der Vernichtungslager entkamen, waren traumatisiert und für ihr Leben gezeichnet.

Ich denke, wir haben nicht darüber zu befinden, was Israel tun oder lassen soll.

Musik und Technik… 9. Februar, 2022

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Ich bin nicht so sicher, ob ich das Jahr genau erinnere, in dem ich mit einem wunderbaren Gerät bekannt wurde, das mir einen bis dahin nicht gekannten Musikgenuss bescherte.

Es muss Anfang der 60er Jahre gewesen sein. Meine Eltern, bis zu diesem Zeitpunkt nur mit einem ganz schlichten Radio gesegnet, erwarben bei „Neckermann“ eine „Musiktruhe“. Was sich so großartig anhören mag, war aber nichts anderes als ein zierliches Möbelstück mit zwei Fächern, die jeweils mit einer Schiebetür verschlossen waren, wobei man nicht beide Fächer gleichzeitig öffnen konnte. Hinter den Türen verbarg sich der Zugang zu einer neuen Welt. In einem der Fächer ein kleines, sogenanntes Transistorradio, das mit dem Gerät im anderen Fach verbunden war: einem Plattenspieler nämlich. Die Eltern hatten auch gleich zwei Schallplatten erworben. Mozarts „Kleine Nachtmusik“ erklang nun abwechselnd mit Renata Tebaldis herrlichem Sopran. Ich, gerade 10 oder 11 Jahre alt, stand auf dem Teppich im Wohnzimmer und dirigierte mit raumgreifenden Bewegungen das Orchester oder sang im Duett mit der Tebaldi die schönsten Arien von Verdi, Mozart, Puccini. Aber auch die Lieblingsmusik meines eigentlich unmusikalischen Vaters begeisterte mich – mein Vater liebte Märsche. Nun war der Krieg ja noch nicht so lange vorbei, mein Vater erst 1948 aus der britischen Gefangenschaft in Ägypten zurückgekehrt, man hätte also glauben können, dass Marschmusik das Letzte war, das er hören wollte, aber vielleicht, so denke ich heute, half ihm ausgerechnet diese Musik über das Trauma der Kriegszeit hinweg….

Die Musiktruhe blieb lange Zeit ein wichtiges Möbel, auch noch nach unserem Umzug in die große Stadt. Auf Tebaldi, Mozart und Märsche folgten recht schnell Bach und Beethoven, Tschaikowsky, Mendelssohn und Haydn, nebst Chorgesänge, vor allem geistlicher Art.

Eine „Richtige Anlage“ löste schließlich im Elternhaus die Musiktruhe ab.

Mit dem Verlassen des Elternhauses, um eine eigene Familie mit dem Liebsten zu gründen, ergab sich auch für mich die Notwendigkeit, Musikkonserven mit einem passenden Gerät hörbar und genießbar zu machen. Auch meine Konserven liefern seither in erster Linie die Werke der oben schon genannten Genies, aber auch andere Formen und Interpreten gesellten sich im Laufe der Jahre dazu. Interessant im Nachhinein ist, dass ich zu keiner Zeit die Platten der Stones oder Beatles kaufte und auch wenig Lust dazu verspürte, es war einfach nicht „meine Musik“, wobei ich den Künstlern keinesfalls ihre Genialität absprechen möchte und einige ihrer Stücke via Radio zu Ohrwürmern selbst bei mir wurden. Der Liebste hatte immer schon eine Schwäche für Joan Baez, mir war die Brücke über tosende Wasser sehr sympathisch und viele andere Lieder ihrer berühmten Interpreten. Doch lange bevor ich Joan, Paul und Art kennenlernte, hatten mich Suzanne und die Sisters of Mercy gefangen genommen … mein Bruder hatte sie mir als Geschenk zu meinem Geburtstag von London mitgebracht. … Als unsere Vermieter mir nach meinem 2. Lehrerexamen die musikalische Geschichte der „Möwe Jonathan“ schenkten, kam in der Folge auch die süße Caroline in meine Sammlung. Und natürlich dürfen bis heute auch Joe Cocker und Bob Dylan so wenig fehlen, wie Hannes Wader und Reinhard Mey, der „Young Messiah“ oder Jan Gabarek.

Ab und zu gibt es temporär heiß geliebte Songs, aber meistens hinterlassen diese keinen Tonträger in meiner Sammlung.

Apropos „Tonträger“. Meine erste Liebe für Musik, Komponisten, Interpreten stillte ich mit den wunderbaren Langspielplatten, die ich hütete wie einen Schatz, mit größter Sorgfalt reinigte und pflege und für die ich auch ein wirklich gutes Gerät gekauft hatte, um in möglichst bester Tonqualität meinen Lieblingen lauschen zu können. Heute, ich muss es gestehen, sind die einst so teuer erkauften Platten ins Dachgeschoss verbannt. Wie es so manchmal so geht, ein neuer Star betritt die Bühne, man hält noch eine Weile am alten fest, bis man sich dann doch dem Neuen ergibt, was im Fall meiner Platten auch damit zu tun hatte, dass das notwendige Spielgerät seinen Dienst versagt hatte und ich vor die Frage gestellt war, ein neues Gerät zu kaufen oder gleich ganz dem neuen Trend zu folgen und von Platte auf CD umzuschwenken…. was ich schließlich tat. Es dauerte allerdings eine ganze Weile, bis ich wieder eine stattliche Sammlung meiner Lieblinge zur Verfügung hatte. Dafür ergab sich aber mit diesen eine ganz neue Möglichkeit. Ich konnte mit ihnen spazieren gehen. Unsere Kinder hatten inzwischen so einen Walkman, ein Gerät, das Musikkassetten abspielt und das man mit Kopfhörern versehen und damit durch die Gegend laufen kann. Allerdings kam so ein Ding für mich nicht infrage. Aber dann wurden die „Walkmans“ (kann man eigentlich auch Walkmen schreiben?) von einer neuen technischen Entwicklung abgelöst. Kleine Geräte, kaum größer als die damit abzuspielenden CDs kamen auf den Markt und auch mit diesen „Discman“ genannten Gebilden konnte und kann man spazieren gehen und über die Kopfhörer einen nahezu ungestörten Musikgenuss erleben. Nur Erschütterungen mögen die Dinger nicht so gerne, obwohl die meisten mit einem Antischocksystem ausgestattet sind. Zu irgendeinem Geburtstag wurde mir so ein Discman geschenkt… Welch eine Seligkeit.

Das beginnende Zeitalter der nächsten Neuigkeiten bekam ich nur von Ferne mit, unsere Kinder, die allesamt den neuen Trend mitmachten, hatten mittlerweile alle das elterliche Heim verlassen und waren in eigene Behausungen gezogen, dem Lauf der Zeit und Welt folgend. Und meine Begeisterung für Spaziergänge mit Knopf im Ohr war mit den Jahren immer geringer geworden, was nicht zuletzt auch damit zu tun hat, dass meine Ohren besetzt sind, von den winzigen Knöpfen meiner notwendigen Hörgeräte, und es für ich äußerst lästig wäre, zwischen Hörgeräten und Kopfhörern wechseln zu müssen… Es gibt aber, so weiß ich es längst, eine neue Generation von Hörgeräten, die über eine Bluetooth-Funktion an ein ohnehin stets und ständig mitgeschlepptes Handy gekoppelt werden können…. das wär dann der übernächste Schritt auf dem Weg von Musik und Technik.

Den nächsten habe ich nämlich in der vergangenen Woche vollzogen.

Ich habe mir ein Gebilde gekauft, das, äußerlich einer halbierten Nudelrolle nicht unähnlich, über geradezu magische Fähigkeiten verfügt. Zwei unserer Söhne haben bereits seit einiger Zeit so ein Ding – und ich war vom ersten Sehen und Hören an fasziniert.

Die halbe Nudelrolle entpuppt sich als ein äußerst powervoller Lautsprecher, der ebenfalls über den „blauen Zahn“ an diverse Geräte gekoppelt werden kann, die über das Internet Zugang zu jedem jemals dort eingespeisten und gespeicherten Musikstück liefern – oder ganz profan die Sendungen des Lieblingsradiosenders weiterleiten, wenn mal gerade kein Radio in der Nähe ist. Der zweite der Jungsbrüder hatte das Gerät für mich bestellt und ich hatte ihm angekündigt, dass ich als ersten Song „O Happy Day“ und danach Beethoven hören würde.

Die Nudelrolle kam, ich fand per Internet auch eine Einweisung in den Gebrauch dieses Geräts, fand ebenfalls im Internet „O Happy Day“, verband die Rolle via Smartphone mit dem Song, stellte die Lautstärke auf „volle Pulle“ und rief den Sohn an, um so akustisch den Vollzug zu melden…. What a happy day.

Der Liebste und ich hörten zu unserer „Blauen Stunde“ lauter alte Lieblingssongs aus unserer Jugendzeit, Beethoven erklang mit seinem Violinkonzert, gespielt von Yehudi Menuhin….

Ich bin ungeheuer fasziniert von den Wunderwerken der Technik.

Und glücklich…

O Happy Day

Kleiner Nachtrag:

Meine aktive Beschäftigung mit Musik besteht in Singen und Blockflötespielen für den Hausgebrauch…..

„O Happy Day“ sang ich mit Wonne im Jugendchor meiner Gemeinde – und der Jugendchor sang es zu unserer Trauung …. mein Bruder „am Bass“, denn natürlich gehörte zu unserem Jugendchor auch eine richtige Band, was damals in Baptistengemeinden eine große und auch ungeheuerliche Neuerung war… 😉

Fremde Feder: Ukrainische Nachtigallen 6. Februar, 2022

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Ich stelle hiermit unter „Fremde Feder“ den absolut lesenswerten Beitrag „Ukrainische Nachtigallen“ zum Themenbereich Ukraine-Konflikt ein.

Mission Impossible

Mithilfe des kaiserlichen Deutschlands hatte sich die Ukraine 1918 von Russland abgespalten und mit dem Frieden von Brest-Litowsk hielten deutsche Truppen die Ukraine besetzt. Die Ukraine war das letzte Bollwerk gegen die Oktoberrevolution. Mit ausländischen Interventionen zugunsten der Konterrevolution und vielen antijüdischen Massakern von Seiten der konservativ-monarchistischen „Weißen” unter Anton Denikin wurde der jahrelange Bürgerkrieg in die Länge gezogen. Der militante ukrainische Nationalismus mit seinen antirussischen und antijüdischen Kennzeichen hat seine Wurzeln in dieser Zeit. 1919 massakrierte die ukrainische Armee 1.700 Juden in Berditschew, Schytomyr und Proskurow. Insgesamt wurden in dem Bürgerkrieg 530 jüdische Gemeinden angegriffen mit über 30.000 Toten und hunderttausenden Verletzten. Der Regierungschef und Oberbefehlshaber der Armee der damaligen Ukrainischen Volksrepublik hieß Symon Petljura. Am 25. Juni 1926 wurde auf ihn von Scholom Schwartzbard in Paris ein Anschlag verübt. Seine Familie war während des Bürgerkriegs Opfer antijüdischer Massaker geworden und 15 seiner Familienangehörigen wurden ermordet und Schwartzbard machte Petljura dafür…

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Keine hundert Tage… 4. Februar, 2022

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Keine hundert Tage

Keine Schonfrist von 100 Tagen gewähren deutsche Journalisten der Regierung Scholz, die die Presse üblicherweise der neu gewählten Regierung einräumt, bevor sich die eifernde Meute auf sie stürzt und die große Hetze beginnt.

Aber was kann man schon von den meistens der einflussreichen Medien anderes erwarten?

Jahrelang wurden maßgebliche Medienvertreter von der Vorgängerregierung gehätschelt und gaben das mit wohlwollender Berichterstattung in überreichem Maß zurück – bis hin zu unverhohlenen Liebeserklärungen an die Kanzlerin.

Nun endlich können sie bei ihrer Kritik aus dem Vollen schöpfen und sich als „Vierte Macht“ im Staat machtvoll präsentieren.

Leider, so muss man allerdings konstatieren, machen es einige der amtierenden Minister einerseits und die besondere politische Lage andererseits den Vertretern der schreibenden Zunft auch besonders leicht, sich mit bissiger Kritik profilieren zu können.

Die immer noch währende Pandemie mit neuer Variante „Omikron“ stellt die Verantwortlichen in der Regierung vor erhebliche Probleme, die dadurch verschärft werden, dass die Impfunwilligen immer noch „Oberwasser“ haben und auch in den Berichten der Medien nicht nur mit Kritik bedacht werden, sondern immer wieder einen Raum geboten bekommen, in dem sie ihre krude Sicht der Dinge darlegen können. Ich könnte fast zu der fatalen Feststellung kommen, dass es den Berichterstattern ganz gut in den Kram passt, wenn Impfgegner im wahrsten Sinn des Wortes gegen die Verfügungen der Regierung „plakativ“ zu Werke gehen. Selten nur wird ihrem Tun tatsächlich Einhalt vonseiten der Berichterstattung geboten. Auch so kann man die Regierung angreifen, ohne selbst verbal tätig zu werden. Allerdings begibt man sich auf diese Weise aber auch in die gefährliche Nähe von Verschwörungstheoretikern und Personen, die mit unserer Gesellschaftsordnung nicht viel am Hut haben…. um es sehr vorsichtig auszudrücken.

Der Wirtschaftsminister, der auch oberster Klimaschützer ist, war mit einigen seiner Beschlüsse etwas voreilig. Zwar entsprachen diese durchaus dem Wahlprogramm der Grünen und fanden in der grünen Wählerschaft wohl auch wohlwollende Anerkennung, allerdings waren sie nicht wirklich kompatibel mit dem eigentlichen Kernbereich eines Wirtschaftsministeriums und mussten darum von Herrn Habeck verschämt zurückgezogen und modifiziert werden.

Die Frau Außenminister schlug sich tapfer bei ihren ersten großen Auftritten im Kreis der amtierenden Außenminister in der EU, aber ihre „Performance“ in der Ukrainekrise ist noch nicht wirklich überzeugend angelaufen – was ich ihr noch nicht einmal zum Vorwurf mache angesichts der höchst komplexen und gefährlichen Lage an der Ostgrenze der EU.

Nicht viel besser sieht es für Frau Baerbocks Stellungnahmen in Bezug auf die chinesischen Bestrebungen aus, eine deutlich wichtigere Rolle in der großen Weltpolitik zuspielen, als ihr die USA und ihre Verbündeten zugestehen möchten. Und das kann man ihr schon auch persönlich zuschreiben.

Publikumswirksam sagte die Frau Minister zwar den Besuch der Olympischen Spiele in Beijing ab, musste sich aber dafür von einem der Olympiateilnehmer die Frage gefallen lasse, ob die Verweigerung nach China zu reisen genereller Natur sei oder doch eher nur Propagandazwecken zur Befriedigung des eigenen Parteivolkes diene. Schließlich, so klang es in dem Statement des Eishockeyspielers an, wäre die Menschenrechtssituation nicht nur während der Olympischen Spiele prekär, sondern doch eher grundsätzlicher Art, was aber den Wirtschaftsbeziehungen keinerlei Beschwernisse auferlegte… wieso dann aber der Boykott der Spiele, durch Politiker, die sich zu Merkels Zeiten auch mit allen Machthabern durchaus auch zwielichtiger Größe bei solchen Anlässen zeigten. Die Sportler aber bereiten sich so viele Jahre auf „Olympia“ vor und die Teilnahme an den Spielen bedeutet für die meisten Hochleistungssportler immer noch einen, wenn nicht DEN Höhepunkt ihrer Karriere.

Man kann, wie ich an diesen wenigen Beispielen verdeutlichen will, durchaus kritische Fragen an die Regierung stellen. Aber – und das ist eine alte Binsenweisheit – auch dabei macht der Ton die Musik. Und eine Kritik mit deutlich hörbaren hämischen Untertönen ist eben nicht nur „kritisches Nachfragen“, es ist zugleich eine bewusste Herabsetzung der Arbeit des Kanzlers und seines Kabinetts und befördert zudem reichlich Wasser auf die Mühlen der Opposition, die mit ihren beiden Führern von CDUCSU eine „harte Linie“ angekündigt hat, vermutlich, um damit den Schmerz über die verlorene Regierungsmacht zu kompensieren, koste es was es wolle, selbst die Einigkeit und Geschlossenheit unserer Gesellschaft angesichts der Probleme die es zu bewältigen gilt.

Zumindest von den Journalisten hätte ich die Fairness erwartet, 100 Tage lang die Arbeit der Koalitionäre zu beobachten und – da wo es möglich, sinnvoll und geboten erscheint – die Regierung in ihren Vorhaben und Anliegen zur Bewältigung der schwierigen Krisen zu unterstützen, statt jetzt schon in den Wahlkampfmodus zu schalten …. NRW lässt grüßen.

Aber, ich sagte es an anderer Stelle bereits, meine Achtung vor diesem Berufsstand sinkt weiter und weiter.

Feuerteufel… 4. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Meine Achtung für Journalisten schwindet mehr und mehr mit jedem ihrer Beiträge über die Ukrainekrise.

Dabei war sie auch vor dieser Krise nicht sonderlich hoch, zu oft fühlte ich mich „manipulativ informiert“, ging es nicht nur um die „blanke“ Nachricht, sondern immer auch um die mitgelieferte Haltung, die man (ich) einzunehmen hatte, um auch der Lesart der Nachrichtenverbreiter zu entsprechen. Für mich wurde das vor allem deutlich an der Berichterstattung über Israel, die oft genug Fakten ausließ oder andere stärker in den Fokus schob, um eine Stimmung zu erzeugen, die ganz offensichtlich gegen Israel gerichtet war – ist – und weit über das hinausgeht, was als „Kritik an einem befreundeten Staat“ noch angesagt ist.

Wie gut sie funktioniert, diese Manipulation, ließ sich sehr gut in diesen Tagen wieder einmal erkennen. Der Bundeskanzler wurde von Herrn Sievers im „heute-journal“ zum Rapport bestellt – jedenfalls mag Herr Sievers sich das so oder so ähnlich gedacht haben. Gekonnt und locker, mit der Haltung des vermeintlich Überlegenen, stellte Herr Sievers seine Fragen. Bundeskanzler Scholz antwortet ruhig, unaufgeregt und souverän. Der Interviewer wollte den Kanzler grillen und verbrannte sich dabei die Finger. Das war mein Eindruck. Aber die Berufskollegen des Herrn Sievers sahen es anders. Ich rieb mir erstaunt die Augen, als ich lesen musste, dass der Kanzler abgetaucht sei und der Vorwurf erhoben wurde, alle Staatschef der westlichen Welt hätten bereits mit Putin telefoniert, Scholz habe aber lediglich zugesagt, demnächst nach Moskau reisen zu wollen. Dass auch Scholz bereits mit Putin telefoniert hatte – wie es der Kanzler in dem Interview für alle hörbar sagte -, wird gekonnt unterschlagen, einfach weggelassen, um einmal mehr den Eindruck entstehen zu lassen, der Chef der gegenwärtigen Regierung sei untätig. Sievers brachte den ehemaligen Bundeskanzler Schröder ins Spiel, den Vorgänger Frau Merkels, und schusterte ihm eine wichtige Rolle zu, die aber, so wohl das Kalkül des Journalisten, den amtierenden Kanzler alt aussehen lassen sollte. Der jedoch konterte mit feiner Ironie, seines Wissens nach ließe die Ordnung der BRD nur einen amtierenden Kanzler zu und das sei er. Am nächsten Tag wurde auch dieser Satz von den Berufskollegen Sievers‘ zum Anlass genommen, sich kritisch über den Kanzler zu erheben.

Wenn man aber diese Herren Journalisten direkt fragen würde, ob sie denn für einen militärischen Weg zur Lösung des Ukraine-Problems seien, würden sie sich, da bin ich mir sicher, winden wie ein Aal, der ins kochende Wasser geworfen werden soll.

Kein Mensch in diesem Land, der noch seine fünf Sinne zusammen hat, kann doch ernsthaft einen Waffengang gegen Russland auch nur in Erwägung ziehen, bei dem auch die Nato, und damit auch deutsche Soldaten, beteiligt sein würde.

Und kein Unternehmer in diesem Land, der seine Geschäfte hauptsächlich mit Partnern in Russland abwickelt und der noch ganz bei Trost ist, kann sich für weitreichende wirtschaftliche Sanktionen starkmachen, es würde ihm doch den (wirtschaftlichen) Hals brechen und seinen Mitarbeitern in den Betrieben gleich mit.

„Das liegt alles offen auf dem Tisch“. So sehen und sagen es die politisch Verantwortlichen der SPD – und was machen Journalisten daraus? Sie nehmen die Aussage als Basis für einen kabarettistischen Gag, der wirklich lustig daherkommt, aber den Kanzler und seine Partei absolut lächerlich aussehen lässt. So geschehen in einem Magazin, das ich gestern sah.

Nur, was ist denn die Alternative? Klar, mit der Aussage, es liege alles auf dem Tisch, ist noch keine Lösung des Problems verbunden. Das riesige geopolitische, wirtschaftspolitische, systempolitische Puzzle ist damit nicht geordnet, nicht einmal ansatzweise. Aber liegt nicht genau darin die Aufgabe der Regierungen aller betroffenen Staaten, das Puzzle gemeinsam anzugehen und Stein für Stein zusammenzufügen und dabei alle Faktoren zu berücksichtigen? Und zwar ohne den Krieg als Mittel der Politik auch nur zu bedenken, geschweige denn, in Handeln umzusetzen.

Ich sage es ja schon in anderen Beiträgen.

Wir alle müssen alles dafür tun, das Problem gewaltfrei zu lösen.

Die Ukraine muss ihre Souveränität behalten.

Die Wirtschaftswege müssen offen bleiben.

Russland muss sein Gesicht wahren können.

„Der Westen“ muss mit seiner demokratischen Staats- und Gesellschaftsform ein attraktives Gegengewicht sein zu Diktaturen, die sich als „gelenkte Demokratie“ ausgeben, und diese Staats- und Gesellschaftsform bewahren und stärken.

Das aber scheint mir eine Sisiphus-Aufgabe zu sein, die man nicht per Interview mit Herrn Sievers (et al) lösen kann.

Geduld ist gefragt, aufeinander hören, miteinander reden, abrüsten – verbal wie materiell.

Die lauten Schreier bewirken eher das Gegenteil von dem, was sie mit ihrem Kriegsgeschrei beabsichtigen. Und wir, die wir den Schreihälsen hilflos ausgesetzt sind, sollten ihnen nicht auf den Leim gehen.

„Frieden schaffen ohne Waffen“ – war ein gutes Motto bei Kirchentagen.

Es sollte auch jetzt noch gelten. Immer und überall.

Daran sollte sich die Journalisten halten, die mit ihren Beiträgen das Feuer anheizen, das zu einem Weltenbrand werden könnte.


Heute rückte man bei t-online einen weiteren Konfliktherd in den Fokus: China. Auch dieser Konflikt hat das Potenzial, die Welt in ein Inferno zu stürzen. Niemand kann daran Interesse haben. „Der Westen“ mit seinen demokratischen Idealen hat aber, so der Tenor des Berichts, den Wettlauf vermutlich schon verloren.

Darüber nachzudenken, könnte Ängste und Sorgen auslösen. Da hackt man doch lieber auf den Kanzler ein und schwächt ihn und seine Politik. Das lenkt von den viel größeren Problemen ab, auf die sich „der Westen“ einstellen muss.

Man möchte natürlich die Probleme in den Griff kriegen.

Kann man nicht. Leider.

Wollt ihr denn wirklich Krieg? 1. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Ich bin einigermaßen erschüttert über die Berichterstattung zur Ukrainekrise.

Wenn man den Journalisten in den Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks lauscht, könnte man meinen, sie würden am liebsten morgen in den Krieg ziehen. Wenn man Statements einiger Journalisten in den Printmedien liest, könnte man glauben, ein Flugblatt zur Einberufung in den Volkssturm vor sich zu haben. Statt in der Berichterstattung nicht müde zu werden, auf Vernunft und Diplomatie zu setzen, werden die „Kriegsbremser“ kritisiert, allen voran Olaf Scholz, der angeblich die Ukraine verrät und von seinen eigenen Genossen, wie von den westlichen NATO-Mächten deshalb gemaßregelt wird, so als habe der gute alte Grundsatz der Sozialdemokraten „NIE WIEDER KRIEG“ nun ausgedient und keine Gültigkeit mehr.

Und ich frage mich, ob die jungen Heißsporne der SPD, Kevin Kühnert ist hier besonders zu nennen, keine Großeltern haben, die ihnen von den Schrecken des Krieges erzählen könnten. Oder sehen sie keine Nachrichten über viel zu viele Kriegsgebiete? Oder sind sie blind für das Leid, für das der Soldaten ebenso wie für das der Zivilisten?

Kommt ihnen denn gar nicht in den Sinn, Krieg eben nicht mehr für ein Mittel der Politik zu halten, selbst wenn es gegen Putin gehen sollte?

Und welch seltsames Spiel veranstalten die Verantwortlichen in der Ukraine, wenn sie Waffenlieferungen anmahnen? Meinen sie etwa im Ernst, sich militärisch gegen Russland stellen zu können oder ist das nicht doch eine Taktik, den Westen auch an der Kampffront einzuspannen? Und hat niemand von denen, die so vehement die Ukraine auch militärisch verteidigen möchten, je darüber nachgedacht, ob und wenn ja, was das alles mit der Versorgung des Westens mit russischem Gas – vorbei an der Ukraine via Nord Stream 2 – zu tun haben könnte und „man“ in Kiew die üblichen großen Wintermanöver Russlands als einen willkommenen Anlass angesehen hat, das große Kriegsgefahrschrei anzustellen? (Und dann Sanktionen gegen Russland zu fordern, um doch noch den Krieg zu verhindern …. wobei die Pipeline schon ein sehr, sehr interessantes Objekt für Sanktionen wäre, die man gegen Russland verhängen könnte. Ich mein ja nur….)

Sind wir gerade dabei, auf einen riesigen Bluff seitens der Ukraine und Joe Bidens hereinzufallen?

Aber wenn Putin wirklich auf Krieg aus ist, um sich die Ukraine unter den russischen Nagel zu reißen, möchten die jungen Wilden der SPD dann mit in die Schlacht ziehen oder all die Journalisten, die sich heute schon mal als Kriegsberichterstatter an PC und Notebook warm laufen? Wie soll es denn vonstattengehen? NATO-Truppen unterstützen vor Ort die Ukrainer und eben nicht nur mit 800 Helmen (oder waren es 8000 oder mehr) und das, obwohl die Ukraine gar kein NATO-Mitglied ist? Was sagt eigentlich dann das Völkerrecht dazu, werte Frau Außenministerin mit britischem Abschluss in Völkerrecht?

Ich verstehe gerade die Welt nicht mehr. Es mag am Alter liegen oder an den Geschichten meiner Altvorderen oder an den schrecklichen Bildern von allen Kriegsgebieten dieser Welt.

Aber ich halte nichts von diesem medialen Säbelrasseln oder den hitzigen Einlassungen der Jungspunde, die vermutlich nicht einmal in der Bundeswehr ihren Wehrdienst absolviert haben und lieber pazifistisch unterwegs waren (was ich in der eigenen Familie ja auch unterstützt habe, nur um kein falsches Bild zu liefern!) und darum gar keine Ahnung davon haben, wofür sie sich stark machen und in die Bresche springen – rein verbal natürlich und nur verbal.

Nein, liebe Leute. Macht euch nichts vor, wir werden alle verlieren, wenn wir dem Kriegsgeschrei folgen. Es wird zerstörte Seelen, zerbrochene Menschen und unbewohnbare Städte zurücklassen.

Setzt alle Kräfte dafür ein, die Schreihälse zum Verstummen zu bringen, setzt auf Deeskalation, mit Worten, mit Gesten, mit Taten.

Wir haben doch etwas gelernt aus den schrecklichen Kriegen auf diesem Kontinent (und anderswo) und „nie wieder“ darf keine Floskel bleiben. NIEMALS WIEDER!

WIR WOLLEN KEINEN KRIEG

WIR WOLLEN KEINEN KRIEG

WIR WOLLEN KEINEN KRIEG

Nicht heute, nicht morgen, nicht hier, nicht dort!

Nirgendwo.

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