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Soll man über so eine Aussage lachen oder doch einfach nur weinen? 28. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Spiegel-Online, kurz „SPON“, lockt mich immer wieder mal mit Angeboten, die mir aber nur in einem Satz, (höchstens deren zwei) schmackhaft gemacht werden und mich dazu verleiten sollen, den ganzen Artikel zu lesen, der natürlich hinter der Bezahlschranke ist. Nicht, dass ich nicht für einen guten Beitrag bezahlen wollte, „ein jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert“ heißt es ja schon in der Bibel, aber wir bezahlen schon die Printausgabe, deren größten Anteil ich sowieso meinem hohen Blutdruck zuliebe nicht lese, da steht mir nicht der Sinn nach weiteren zu bezahlenden Aufregern. Mir reichen in diesem Fall die Locksätze vollkommen, lauten sie doch:

Statt als gestaltender Akteur und Schutzmacht für Osteuropa aufzutreten, produziert die Bundesregierung faule Kompromisse und verbales Leergut. Es mangelt an historischem Ehrgeiz.“

So schreibt der Journalist Ullrich Fichtner.

„Gestaltender Akteur“ hört sich doch richtig gut an. Wobei Herr Fichtner – es mag sein, dass ich ihm Unrecht tue, weil ich ja den ganzen Inhalt nicht kenne – vermutlich der Meinung ist, die Regierung und der ihr vorstehende Kanzler müsse den begeisterten Journalisten folgen und eine Form der „Führung“ präsentieren, die ihrem Geschmack entspricht. Nun ist aber Olaf Scholz nicht der Mann, der erkennbar den „Führer“ spielt, „Dank sei Gott“, möchte ich da laut und deutlich sagen, hatten wir doch schon vor vielen Jahren einen Führer, der mit martialischem Auftreten das gemeine Volk ins Verderben führte.

Das braucht doch heute ganz bestimmt kein Mensch!

Der Kanzler führt selbstverständlich die Regierung, aber in der Weise, die er vor sich und den Menschen, die diese Regierung gewählt haben, verantworten kann. Dazu gehört es gewiss nicht, dass er sich aufschwingt und unser Land mutig in einen Krieg führt – oder was meint der Herr Fichtner mit dem Begriff „Schutzmacht„?

Eine Schutzmacht muss meinem Verständnis nach nämlich bereit sein, die eigenen Soldaten ins Getümmel zu schicken – und in den sicheren Tod -, um damit den Schutz auch auszuführen. Es ist geradezu irrsinnig zu glauben, man könne eine „Schutzmacht“ sein, ohne den damit verbundenen Aufgaben auch zu entsprechen. Waffenlieferungen alleine werden dem, was man unter „Schutzmacht“ versteht, wohl kaum gerecht.

Und da sind wir bei dem nächsten Punkt, der mich dazu bewegt, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen:

Wie stark ist unsere Bundeswehr?

Über wie viele Waffen und Waffensysteme verfügt sie, die einer hochgerüsteten Armee, wie der Russlands, Paroli bieten könnte?

Der Konjunktiv ist da durchaus angebracht. Wir verfügen weder über genug Waffen – ganz gleich welcher Kategorie -, noch über ausreichend große Kampfverbände. Ich erinnere daran, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und die Berufssoldaten vor allen Dingen zu Friedensmissionen in ferne Länder geschickt werden, aber wohl kaum in der Lage sein werden, unser Land ohne die Hilfe „unserer Schutzmacht USA“ und ohne die Verbündeten der Nato auch nur einen Tag lang gegen einen Angriff aus Russland zu verteidigen. Wovon redet also Herr Fichtner, wenn er von Schutzmacht schwafelt, als die wir in Osteuropa auftreten sollten?

Ob die NATO, die wir als „Schutzmacht“ zur Erfüllung dieser Funktion aber dringend brauchten, sich aber von unserem Kanzler führen lassen möchte, wage ich dann doch sehr zu bezweifeln. Welches Land verfügt über hochmoderne Waffensysteme, mit denen man auch Putin in Angst und Schrecken versetzen könnte – weitreichende Trägerraketen, Atomsprengköpfe und dergleichen? Wenn mich nicht alles täuscht, trifft das innerhalb der NATO lediglich auf Großbritannien, Frankreich und die USA zu. Und die werden wohl kaum Herrn Scholz den roten Knopf überlassen. Was ist auch ausgesprochen begrüße.

Und was, so frage ich mal in die Runde, sind „faule Kompromisse“? Was ist „verbales Leergut“?

Kann ein Regierungschef nicht immer nur das zusagen, von dem er auch tatsächlich weiß, dass er diese Zusagen einhalten kann? Ist darum die Zusage des Kanzlers, der Ukraine jede Hilfe zu gewähren, die man aus eigener Kraft leisten kann, ein „fauler Kompromiss“? Und muss nicht diese Zusage immer wieder an die realen Bedingungen angepasst werden, die AKTUELL herrschen? Wenn keine schweren Waffen zur Verfügung stehen, weil die Bundeswehr selber kein brauchbares Material hat, kann man keine schweren Waffen ad hoc liefern, aber man kann die Zusage treffen, sich darum zu kümmern, dass diese Waffen geliefert werden.

Meine Güte, ist das denn so schwer zu verstehen?

Wer nicht an extremen kognitiven Ausfällen leidet, müsste doch in der Lage sein, genau das zu begreifen. Und er müsste aufhören mit der unsäglichen Beschimpfung des Kanzlers, der sich doch nach Kräften um Lösungen bemüht, die allen ZUMUTBAR sind, dabei kann er nicht nur die Verteidigung der Ukraine im Blick haben, sondern muss auch auf die eigene Bevölkerung Rücksicht nehmen…. zeigen sich doch jetzt bereits die unangenehmen Folgen für uns alle, die alleine mit den Sanktionen gegen Russland verbunden sind, wie groß wären die Folgen und wie schrecklich für uns alle, wenn der Kanzler sich nun auch noch als erkennbar entscheidender Kriegsherr aufspielen würde, als Schutzherr gegen Putin? Das ist und wäre doch im höchsten Maße suizidal. (Von dem historischen Verbrechen an der Sowjetunion mal ganz abgesehen!) Das kann doch kein Mensch wollen!

Damit bin ich beim nächsten Punkt, über den ich nicht einmal mehr „höhnisch lächeln“ könnte!

ES MANGELT AN HISTORISCHEM EHRGEIZ.“ So die Worte des Herrn Fichtner.

Klingelt es bei dem Wort „historisch“? Oder bei dem Wort „Ehrgeiz“?

Historisch war der Ehrgeiz des Führers des Tausendjährigenreiches, sich die Welt untertan zu machen, zumindest aber Europa, die Juden bei der Gelegenheit zu vernichten, die sogenannten „Untermenschen“ des Ostens zu versklaven und sich die wertvollen Bodenschätze unter die dreckigen Nägel zu reißen.

Vermutlich hat Herr Fichtner von diesem historischen Ehrgeiz noch nie gehört. Man sollte ihm unentgeltlichen Geschichtsunterricht ermöglichen.

Aber vielleicht habe ich ja den guten Herrn Fichtner auch völlig falsch verstanden, und seine Klage über den Mangel an historischem Ehrgeiz bezieht sich gar nicht auf die Funktion der militärischen Schutzmacht, sondern er vermisst den historischen Ehrgeiz, in diesem Konflikt für Frieden zu sorgen??? Wobei das aber eigentlich nicht der Fall sein kann, werden die Bemühungen des Kanzlers, sich nach wie vor mit Putin auf unerfreuliche Gespräche einzulassen, mit dem Ziel, den Krieg zu beenden, von den Journalisten nur müde belächelt, als Schwäche verstanden und als fehlende Führung ausgelegt.

Auf „Führung“ im Sinne von Maulhelden, die in jeder Talkshow ihre Weisheiten, Pläne und Absichten verbreiten, wie man es bei gewissen Politikern beobachten kann, die reihum bei Lanz, Will, Maischberger und Illner das Wahlvolk zu beeindrucken suchen, kann ich gut verzichten.

Beobachten kann man auch in diesen Tagen, dass die unaufgeregte Führung durch Herrn Scholz nicht jedermanns Sache ist und (außer dem von den Journalisten geforderten militärischen Führungsgehabe) die Diplomatie im Hintergrund nichts zählt, las ich doch das gar nicht schöne Wort vom „Drückeberger Deutschland“, was auch ganz eindeutig einen Bezug zum militärischen Einsatz hat und eben nicht die Friedensbemühungen meint.

„Drückeberger“ – ganz sicher ist das auch ein militärisch aufgeladener Begriff, der eine Rolle spielte im „Reich des Bösen, 1932 bis 1945“, und mit dem man (allerdings immer schon) junge Männer belegte, die sich nicht jubelnd für Führer (Kaiser, König) Volk und Vaterland in den Tod stürzen wollten.

So hoffe ich nach wie vor inständig, dass der Kanzler sich nicht irremachen lässt von Leuten wie Herrn Fichtner oder Frau Slomka und Co., die schon seit Beginn des Krieges nichts anderes fordern können, als den Krieg mit allen Mitteln und bis zum Äußersten zu führen und die den Kanzler in die Pflicht nehmen wollen, die Rolle des Führers als KRIEGSHERR in diesem schrecklichen Szenario zu übernehmen.


Herr Fichtner, hat sich mehrfach mit militärischen Belangen auseinandergesetzt, er sollte diese Polemik unterlassen.

Klimakalt und lebensfeindlich… 27. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Normalerweise lese ich Achgut-Artikel nicht mehr…. sie erschienen mir in den vergangenen Corona-Zeiten allzu einseitig und irrational-verschroben. Da konnten sich die Corona-Maßnahmen-Kritiker austoben, dass es eine Pracht war und dies auf erschreckende Weise an vollkommene Medizin- und Wissenschaftsfeindlichkeit erinnernd – mittelaltermäßig.

Heute schaute ich neugierig über eine andere Website kommend doch mal wieder bei Achgut vorbei und entdeckte diesen Artikel:

https://www.achgut.com/artikel/wie_koennt_ihr_es_wagen

Wer starke Nerven hat und wenig Angst vor der Zukunft verspürt, mag ihn sich antun.

Draußen ist zum Glück endlich „mal wieder Sommer, wie er früher einmal war“, die Sonne scheint und heizt das Haus auch ganz ohne Solaranlagen auf dem Dach, das Gärtchen macht Freude, die Ukraine ist weit weg, Greta – wer war das noch? – und die mit Gas getriebene Heizungsanlage liefert gerade ohnehin nur das warme Wasser fürs tägliche Zähneputzen, geduscht wird kalt oder nur selten…

Bei so viel positiven Aspekten kann man den ganzen unangenehmen Kram, der spätestens ab Oktober auf uns zukommen wird, getrost vergessen. Ob Corona oder eine noch weitaus höhere Inflationsrate, ob unbezahlbare Benzin- und Dieselpreise oder ständig überfüllte und unpünktliche Züge, ob Lebensmittelpreise oder Kosten für warme Klamotten, noch sind wir in sommerlicher Wohlfühllaune, auch wenn bereits die drohenden Wolken am Horizont erkennbar sind.

Für die Regierung – speziell für Robert Habeck – sind das gute Voraussetzungen, kann sie, respektive er doch quasi unbemerkt von den Leuten, die sich so sommerlich wohlfühlen, die Weichen für die unangenehmen Zumutungen stellen, die mit Sicherheit auf uns alle zukommen. Die Solidarität machts möglich und nötig.

Fabian Nicolay beginnt seinen Artikel bei Auchgut mit diesen Sätzen:

„Wie könnt ihr es wagen?

Gretas Verbreitung des Endzeit-Aberglaubens vom baldigen Hitzetod wird nun zur Farce in seiner realwirtschaftlichen Umkehr: Menschen werden erfrieren, weil sie ihre Wohnungen nicht heizen können.

Viele Deutsche werden wohl im Winter frieren müssen, sich auf Entbehrungen einstellen. Und alle sollen mitmachen beim „Sparen“, verfügt der Wirtschaftsminister. Schon wieder ein Notfallplan: Als Vorgeschmack läutet Robert Habeck die zweite von drei Stufen ein, bei der Kunden über eine Preiserhöhung ihres Gas-Versorgers lediglich eine Woche vorher informiert werden müssen. Also gibt es de facto keine vertragliche Preisgarantie mehr, die Aufhebung erfolgt quasi von Amts wegen. Die zweit-unangenehmste Seite der Inflation zeigt sich nun bereits vor der Winterkälte: Verträge sind Makulatur, die Preise sind vogelfrei, die Endverbraucher ausgeliefert. Eine zuvor noch bezahlbare, angenehme Betriebstemperatur kann im Handumdrehen zum Luxus oder finanziellen Fiasko werden.

Sämtliche Gaspreise dürfen von den Versorgungsunternehmen nun beliebig auf ein „angemessenes Niveau“ angehoben werden. Aber nach oben gibt es keine Deckelung. Was „angemessen“ ist, entscheiden nicht die Kunden, sondern die Gasversorger. So warnt ein Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die Privathaushalte wären auch vor extremen Gaspreisen nicht geschützt. Das ist ein Albtraum für Menschen ohne finanziellen Puffer.“

…..

Und fährt fort:

„Für die Anhänger der Klimakirche kommt es wie gelegen: Deutschland wird zum weltweit führenden Beispiel der konsequenten Abkehr von fossilen Brennstoffen, zumindest schon mal unfreiwillig. Ein Traum dieser Endzeit-Apologeten nimmt damit klare, destruktive Gestalt an. Denn nach ihren Vorstellungen stehen wir kurz vor den Kipppunkten, hinter denen es kein Zurück mehr gibt vom Klimakollaps, dem sicheren Hitzetod, dem CO2-Fanal einer gierig-verschwenderischen Menschheit. Man schaut auf die Klimaerwärmung wie auf ein schwarzes Loch, an dessen „Ereignishorizont“ für den Betrachter zwar alles stillsteht, aber dahinter der unumkehrbare Mahlstrom beginnt. Die Zeit scheint indes stehengeblieben zu sein am Erkenntnishorizont dieser Menschen. Deutschlands Beitrag zur Klimarettung kann im besten Fall knapp zwei Prozent bedeuten. Das ist der Anteil des deutschen CO2-Ausstoßes und damit am Klimawandel, wenn man annimmt, dass dieser allein vom Menschen verursacht wird. Aber der Klima-Glaube ist ein fester. Mal schauen, ob der den nächsten Winter übersteht.

Am Ende geht es den Aktivisten auf der Kreuzung in Berlin-Friedrichshain und ihren Sympathisanten in der Politik gar nicht um den Fortbestand Deutschlands als Industrienation. Ganz im Gegenteil: Sie wollen zurück in eine Zukunft ohne Wachstum, Industrie und Kapitalismus. Das ist eine weitverbreitete Heilslehre im gebildeten, öko-sozialen Mittelstand. Man sieht sich als Elite der Weltrettung und versteht die kommende Energiekrise als Chance, um den ökologischen Wertewandel als Abkehr von westlich geprägten Lebensstilen nun im Eiltempo zu inszenieren.

Greta, das Mädchen mit den Zöpfen und dem versteinerten Gesicht, hatte uns vor wenigen Jahren zugerufen: „Wie könnt ihr es wagen!“ Gestützt auf die sogenannte „Wissenschaft“ von NGOs und die voll aufgedrehten Lautsprecher der salutierenden Leitmedien verbreitete sich ihr Endzeit-Aberglaube vom baldigen Hitzetod wie ein Glaubensbekenntnis. Nun wird es zur Farce in seiner realwirtschaftlichen Umkehr: Menschen werden erfrieren, weil sie ihre Wohnungen nicht heizen können. Und Menschen werden ihre Arbeit verlieren, werden hungern, werden verelenden. Sie werden dann mit Recht rufen: „How dare you!“

Den kompletten Text kann man unter dem oben angegebenen Link lesen.

FF = fiel Freude…. wie wir früher spaßeshalber sagten…

Kurzer Zwischenruf zum Thema Abtreibung… 25. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Die Parlamentarier des Deutschen Bundestages haben sich für die Streichung des § 219a ausgesprochen – und viele aus dem links-grünen Lager begrüßen diese Entscheidung und liebäugeln mit weiterem Abräumen von Hürden, die einer Abtreibung im Wege stehen.

Dazu mein kleiner und kurzer Zwischenruf:

Seit wie vielen Jahren können Frauen in Deutschland auf bewährte Mittel zur Verhütung einer Schwangerschaft zurückgreifen?

War es erst neulich, oder gibt es sie noch gar nicht?


Ab wann werden Jungen und Mädchen in den Schulen darüber aufgeklärt, was bei einem Koitus passieren kann? Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich bereits in den frühen 70er Jahren an einer Sonderschule in Nordessen einen entsprechenden Unterricht erteilt.


Also komme mir niemand mit der Ausrede, man habe ja nicht wissen können, dass beim Sex ein Kind entstehen könnte und überhaupt wisse man absolut nichts über Verhütung.


Dieses Argument – Frauen müssten beim Beischlaf jetzt aufpassen, wie ich es in einem Kommentar las – ist in höchstem Maße anachronistisch und außerdem extrem frauenfeindlich. Schließlich gehören zum Kindermachen ZWEI Personen unterschiedlichen Geschlechts, ein Mann und eine Frau.

Wieso soll die Frau aufpassen? Wieso nicht der Mann?

Die „Gummimethode“ mag zwar wenig beliebt sein, funktioniert aber meistens recht gut und ist einem Mann durchaus zuzumuten, jedenfalls ist sie deutlich weniger „gefährlich“ als eine Abtreibung, die zulasten der Frau UND des ungeborenen Kindes geht.
Ich bin absolut gegen Abtreibung als „Verhütungsmethode“, billige aber jeder Frau in einem ernsten Konflikt zu, über eine Abtreibung nachzudenken…. wobei ich lieber zugunsten des Kindes entscheiden würde, wenn es keine medizinischen oder extreme psychologischen Probleme gibt, die gegen die Austragung des Kindes sprechen.


Statt Werbung für Abtreibungen nun jubelnd zu begrüßen, sollten die Parlamentarier lieber darüber nachdenken, welche Hilfen – außer dem Töten – man für die betroffenen Frauen anbieten könnte… Ideen dazu hätte ich sehr, sehr viele.

Abtreibungsbefürworter hören es zwar nicht gerne und sprechen es noch weniger gerne aus, aber:

Jede Abtreibung ist eine Tötung werdenden Lebens.

Auch ein Zellklumpen hat das Potenzial, Professor oder Kanzlerin zu werden, wenn man ihn denn wachsen und sich entwickeln lässt. Insofern akzeptiere ich das häufig zu hörende Argument nicht, in den ersten Tagen nach der Nidation könne ja noch nicht von einem menschlichen Wesen geredet werden, und diesen Zellhaufen zu entfernen sei nichts anderes, als einen Pickel an der Nase auszudrücken oder einen Zahn ziehen zu lassen… wobei mir das Beispiel mit dem Zahn noch besser gefällt, schließlich ist ein Zahn, den man zieht, ebenso für immer weg wie nach einer Abtreibung der Zellhaufen, aus dem ein Mensch werden sollte… wenn man ihn gelassen hätte.

Er hat es immer noch nicht begriffen… 25. Juni, 2022

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Kassels Oberbürgermeister möchte die Documenta 15 „nicht unter Generalverdacht“ gestellt wissen und hält darum die Absage des Kanzlers für „unangemessen“.

https://www.juedische-allgemeine.de/politik/documenta-kassels-ob-kritisiert-scholz-absage/

Die Absage eines Documenta-Rundgangs ist aber die einzig richtige Konsequenz, die der Kanzler aus der zutage tretenden Gesamtkonzeption des Künstlerkollektivs aus Indonesien ziehen konnte.

Längst geht es nicht mehr „nur“ um das „Wimmelbild“, auch nicht mehr „nur“ um den unsäglichen Vergleich, der in dem Guernica-Gaza-Gemälde angestellt wird, in welchem die israelischen Streitkräfte, die sich des Terrors AUS Gaza erwehren, mit den faschistischen Kampfverbänden gleich gestellt werden, die die Bombardierung der spanischen Stadt Guernica zu verantworten hatten.

Es geht – so möchte ich es ausdrücken – um den „Basso continuo“, der sich durch die gesamte Ausstellung zieht, angefangen mit den ersten kritischen Stimmen, die sofort abgewiegelt wurden bis hin zu den Filmen, die als „Begleitmusik“ des „universalen Befreiungskampfes der Völker“ gezeigt werden sollen, wobei, das müsste doch auch dem OB klar sein, es eben beispielsweise nicht um den Befreiungskampf der verarmten Bevölkerung Südamerikas gegen die linken Rebellen oder die Drogenbarone geht, sondern ausschließlich und ausdrücklich um die geforderte „Befreiung Palästinas“ vom angeblichen israelischen Joch. Hätte sich Christian Geselle auch nur ansatzweise mit den Grundlagen der Hamas oder zumindest mit denen der PLO beschäftigt, wäre er gar auf die Idee gekommen, sich die Reden der antiisraelischen Ajatollahs in Iran und die der antiisraelischen Demagogen anderswo auf der Welt anzuhören, müssten ihm doch die Ohren geklingelt haben, angesichts dieser stets vorhandenen (unterschwelligen) antiisraelischen Töne.

Um es ganz klar zu sagen: Bei allen kritischen Tönen zu Israel geht es in aller Regel nicht um die Politik des Staates – wäre es das, müssten man ständig die Politik vieler anderer Staaten weitaus kritischer unter die Lupe nehmen -, es geht immer um das „Vorhandensein“ des Staates Israel, ihn zu delegitimieren ist das Ziel jeglicher Kritik, selbst dann, wenn alle unsere Präsidenten, Kanzler und Außenminister von der Staatsräson des Existenzrechts Israels unermüdlich reden und gleichzeitig die „Siedler“ zum Friedenshindernis erklären.

Natürlich käme niemand in der Bundesrepublik, der an verantwortlicher Stelle Politik macht, auf die selbstmörderische Idee, offiziell das Vorhandensein Israels zu beklagen, aber ich nehme im Gegenzug leider gar nicht wahr, dass die arabischen Nachbarn oder die Palästinenser in die Pflicht genommen werden, Israel als jüdischen Staat ohne Wenn und Aber endlich, endlich anzuerkennen.

Ich kriege immer nur mit, dass mit tränenreicher Geste in Yad Vaschem Kränze niedergelegt und dabei „nie wieder!“ und „deutsche Scham“ oder „Verantwortung“ in die aufgestellten Mikrofone geredet wird, aber die gleichen Personen in Windeseile – zumeist noch am gleichen Tag – nach Ramallah eilen, um dem ewigen Präsidenten Abbas ihre Aufwartung zu machen und zu beteuern, das Deutschland seinen Verpflichtungen zur Unterstützung der armen palästinensischen Flüchtlinge (in x-ter Generation) nachkommen werde. Wir finanzieren die Renten der palästinensischen Judenmörder, als gäbe es nicht einen einzigen Grund, genau das zu verweigern. Wir fördern die Schulen in den Palästinensergebieten, die die Kinder zum Hass auf Israel erziehen.

DAS ist die Tonart, die auch in der Documenta 15 schwingt!

Und DAS hätte Herr Geselle doch einfach und schlicht zur Kenntnis nehmen können, wenn schon nicht vor dem Eklat und angesichts der vielen kritischen Stimmen zuvor, so doch zumindest jetzt. Es gibt doch genug Publikationen zu dem Thema.

Dass zum gegenwärtigen Stand nicht einmal eine Aufsichtsratssitzung zu den Rücktrittsforderungen vorgesehen ist, spricht doch Bände.

Die Rolle, die Frau Roth in diesem üblen Spiel übernommen hat, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Ihre Haltung zu BDS ist bekannt, ihre Distanzierung von den Darstellungen des Wimmelbilds kann man durchaus als Versuch der Schadensbegrenzung einordnen, nicht aus innerer Überzeugung, vermute ich, sondern aus politischem Kalkül. Ihrer Aussage nach soll es nun der Bund richten.

Antisemitismus – ganz gleich in welcher Maskerade er auch immer auftreten mag – muss geächtet und bekämpft werden, nicht mit Talkshows oder Debatten, sondern mit der entschiedenen Verhinderung seiner jeweiligen Formen und Spielarten.

Darum ist die Absage des Kanzlers richtig und notwendig.

Der Kanzler der Bundesrepublik kann und darf sich nicht gemein machen mit einer Sache, die den Keim des Antisemitismus in sich trägt, selbst dann nicht, wenn das große Bedauern ausgedrückt wird über den „Fehler“, der immer noch nicht wirklich eingesehen wird. Antisemitismus ist kein Problem, weil es unsere Vergangenheit betrifft, er ist das Problem, das über die (vor allem unsere) Vergangenheit weit hinausreicht und auch nicht auf dieses Land der Täter und seiner Millionen Opfer begrenzt ist, wie die Indonesier es darzustellen suchen.

Antisemitismus betrifft ALLE, alle Länder und Völker, die ein Problem damit haben, dass es Juden gibt und den Staat ISRAEL !

Pro-Israel-Demonstration in Kassel 24. Juni, 2022

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Ich bin einerseits traurig, dass ich es nicht rechtzeitig mitbekommen habe (seit ich nicht mehr bei Facebook bin, fehlen mir die Informationen zu solchen Aktionen), andererseits unglaublich froh und auch stolz über den ungebrochenen Mut, mit dem Malca Goldstein- Wolf immer wieder Menschen motiviert, sich gegen jede Form von Antisemitismus zu stemmen.
Danke, Malca – und Dank an alle meine Freunde, die diese Aktion tatkräftig unterstützt haben.

Tapfer im Nirgendwo

„An einem der heissesten Tage des Jahres, am Brückentag-Wochenende, haben sich Menschen aus ganz Deutschland, darunter viele Nicht-Juden, auf den Weg nach Kassel gemacht, um gegen Judenhass auf der Documenta zu protestieren. Das ist nicht selbstverständlich und gibt mir die Kraft weiterzumachen, unbeirrt und mit allem Engagement.

Pro-Israel-Demonstranten haben nicht den Ruf gefährlich zu sein, die Mini-BDS-Gegendemo brauchte keinen Polizeischutz. Geschützt werden müssen nur Juden und ihre Unterstützer. Gut, dass die Polizei dafür gesorgt hat, aggressiv anmutende Israelhasser, die unsere Kundgebung stören wollten und uns lauthals beschimpften, von uns fernzuhalten.

Unsere Stimmung war wieder herzlich, freundschaftlich und voller good vibrations. Dieses „we are family“-Gefühl ist unbeschreiblich, macht Mut und gute Laune. Danke an alle Mitstreiter, es ist so gut, dass es Euch gibt!“

Das schrieb Malca Goldstein-Wolf am 18. Juni 2022 kurz vor Mitternacht, nachdem sie auf der von ihr mitorganisierten Demonstration „#documenta: Keine Bühne für Antisemitismus mit unseren Steuergeldern!…

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Fremde Feder: Ehrung für Mordgesellen… 24. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Das – also der von mir gewählte Titel „Ehrung für Mordgesellen“ – entspricht zwar nicht der Originalversion im Titel des von Thomas von der Osten-Sacken bei mena-watch veröffentlichten Artikel, dafür aber trifft er die inhaltliche Aussage genau.

Ich kopiere den gesamten Text hierher und verzichte auf die funktion „rebloggen“, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass nach einiger Zeit die „fremde Feder“ nicht mehr aufzurufen ist und meine einleitenden Worte dann reichlich sinnlos erscheinen.

Hier nun also der vollständige Text, den ich Zeile für Zeile unterstreiche. Er sollte den verantwortlichen Politikern, den unkritischen Journalisten, den Machern der Documenta 15 und ihren naiven bis schlecht informierten Besuchern nicht nur hinter die Ohren geschrieben, sondern in das Gedächtnis eingebrannt werden, zumal bisher in der öffentlichen Diskussion über die schrecklichen Propagandafilme der palästinensischen „Künstler“ so gut wie gar nicht berichtet wurde.

Dies ist der Link dazu: https://www.mena-watch.com/documenta-ehrt-initiatoren-des-selbstmordattentats/

Neben antisemitischen Bilddarstellungen wird bei der derzeit laufenden Kasseler Kunstausstellung auch eine Organisation als Utopie präsentiert, die eine der furchtbarsten Formen des Terrors mitgeprägt hat: die Japanische Rote Armee Fraktion.

Würde man eine Meinungsumfrage in der Fußgängerzone einer x-beliebigen europäischen Stadt durchführen und sich erkundigen, von wo das Selbstmordattentat herkomme, jede Wette, die überwältigende Mehrheit würde antworten: Irgendetwas mit Nahem Osten oder Islam. In der Tat fanden fast alle dieser furchtbaren Terrorattacken in dieser Region statt, die Antwort wäre allerdings trotzdem falsch.

Denn »erfunden« hat das »suicide bombing« die selbsternannte Japanische Rote Armee Fraktion, die am 30. Mai 1972 ein fürchterliches Massaker am Flughafen Lod bei Tel Aviv verübte. In »Solidarität mit dem palästinensischen Volk« töteten sie damals 26 Menschen, darunter viele christliche Pilger aus Puerto Rico, und verletzten unzählige weitere.

Der Anschlag war als Selbstmordattentat gedacht: Die drei Japaner wollten sich töten und dabei ihre Gesichter mithilfe einer Granate unkenntlich machen, um die Identifizierung zu erschweren. Doch zwei der drei Angreifer wurden von Sicherheitskräften erschossen. Der dritte, Kozo Okamoto, wurde festgenommen und zu lebenslanger Haft in Israel verurteilt.

Dieser Terroranschlag war nicht nur ein besonders blutiger, sondern hatte auch andere, weitreichende Folgen, die schon vor zehn Jahren Michael Sontheimer in der Zeitschrift taz beschrieb:

»Viele Palästinenser und Araber feierten die drei Japaner sofort als Helden. Sie hätten ein loderndes Zeichen gegen das Unrecht der israelischen Besetzung gesetzt, ihr Leben im Kampf für eine Sache gegeben, die gar nicht unmittelbar die ihre war.

Der libysche Staatschef Mummar al-Gaddafi warf den Palästinensern vor: ›Man sieht sie alle Bücher schreiben und Zeitschriften mit ihren Theorien füllen, aber sie sind nicht imstande, auch nur eine tollkühne Aktion wie die der Japaner auszuführen.‹ (…)

Die Palästinenser hatten ihren Kampf vorwiegend mit dem Verlangen nach Gerechtigkeit begründet. Der Selbstmord als Demonstration von Loyalität war ihnen fremd. Jetzt schlugen sie eine Brücke zur Figur des Märtyrers, auf die sich später die Hisbollah, Hamas, Al-Qaida und andere religiös-politische Selbstmordattentäter im Heiligen Krieg bezogen.

Es dauerte allerdings noch zwei Jahre, bis Kämpfer einer Abspaltung der PFLP in Israel ein Massaker anrichteten, bei dem sie sich schließlich zusammen mit ihren Geiseln in die Luft sprengten.«

Solidarität durch Judenmord

Dank einer japanischen Terrorgruppe also wurde das Selbstmordattentat in den Nahen Osten gebracht, sozusagen exportiert, wie zuvor schon Faschismus, Kommunismus, rassisch begründeter Antisemitismus und was Industrienationen noch so alles an Gütern zu bieten haben. Wie ihre Genossinnen von anderen Rote Armee Fraktionen, etwa der deutschen, drückten die Japaner so nämlich ihre Unterstützung für ein unterdrücktes Volk aus.

Vierzig Jahre später sollen auf der documenta fifteen – die wegen des dort präsentierten Antisemitismus nun weltweit in die Schlagzeilen geraten ist – auch einige Filme des Kollektivs Subversive Film gezeigt werden. Das Kollektiv restaurierte extra für das Event in Kassel ein paar »Film-Fragmente«, die laut documenta-Programm

»Auskunft über die weitestgehend übersehene und nicht dokumentierte antiimperialistische Solidarität zwischen Japan und Palästina geben soll«.

Diese Fragmente stammen, wie es weiter heißt, von:

»Masao Adachi, dem gefeierten Regisseur experimenteller Agit-Prop-Filme und ehemaligen Mitglied der Japanischen Roten Armee.«

So sollen sich in Kassel »die Beziehungen zwischen Tokio, Palästina und der Welt in einem nomadischen Filmprogramm um verschiedene Fragmente des restaurierten Films herum« entfalten, verkünden die Veranstalter freudig.

Auch wenn sie aus dem Nahen Osten stammen mögen, sind die Macher des Subversiv-Film-Kollektivs, wie so viele andere auf der documenta, liest man ihre Biografien, weit fester im westlichen Kulturbetrieb verankert und zu Hause als irgendwo im »globalen Süden«. Ihr Ziel sei, schreiben sie auf den Seiten der documenta, »Konstellationen von Solidarität und die Utopie einer weltweiten Befreiungsbewegung zu reaktivieren«.

Dystopie

Natürlich gingen auch diese Filme bei den documenta-Verantwortlichen durch und bekamen den »Nicht-Antisemitismus«-Stempel der beflissenen Kuratoren, Journalisten und Experten, die sich vorab das Programm angesehen hatten.

Aber nicht einmal das reicht zum großen Skandal: dass hier nämlich nicht nur eine Organisation als Utopie verkauft wird, die Judenmord praktizierte, sondern eine, die darüber hinaus noch eine der furchtbarsten Formen des Terrors in der Region hoffähig gemacht hat.

Wie viel Leid und Elend haben seitdem suicide bombings über die Welt gebracht? Kein Wort davon bei der documenta und auch nicht davon, dass – selbst im Jargon dieser ganzen Veranstaltung – die überwältigende Mehrheit aller Opfer aus dem »globalen Süden« stammen.

Unerträglich dabei auch die Vorstellung, was wohl geschehen und wie viele Leben nicht sinnlos beendet worden wären, hätten diese Japanerinnen und Japaner ihre politischen Kämpfe irgendwo anders und mit anderen Mitteln ausgeführt und das Selbstmordattentat nicht in den Nahen Osten exportiert worden wäre.

Und so würde es sich in der Tat anbieten, im Kontext dieser documenta über den Anschlag von Lod im Jahr 1972, von mir aus auch über das Geflecht »Tokio, Palästina und die Welt« zu sprechen – allerdings nicht als Utopie, sondern als Dystopie und schreckliches Beispiel, was geschehen kann, wenn im »globalen Norden« sich irgendwelche irregeleiteten Menschen aufmachen, gegen die Unterdrückung im Süden aktiv zu werden.

Schauplatz > Europa > Deutschland > Documenta ehrt Initiatoren eines Selbstmordattentats

Thomas von der Osten-Sacken

Thomas von der Osten-Sacken ist Geschäftsführer und Mitbegründer der deutsch-irakischen Hilfsorganisation Wadi e. V., mit der und für die er seit über 25 Jahren im Nahen Osten arbeitet und dabei versucht, nicht auch an den Verhältnissen irre zu werden. Außerdem publiziert er regelmäßig Buchbeiträge und Artikel über die Region und versucht ansonsten Theodor W. Adornos Maxime zu folgen, die da lautet: »Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.«

„Wer bin ich …. 23. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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…. und wenn ja, wie viele?“ fragte einst ein bekannter Philosoph, bzw. gab seinem Buch diesen wunderbaren Titel, der neugierig machen sollte auf die Fragen der Menschheit an sich und im Besonderen.

Das ist nun schon ein paar Jahre her. Was ursprünglich als philosophische Auseinandersetzung mit der Soseinhaftigkeit des Menschseins gedacht war, erfuhr in den folgenden Jahren eine spannende Zuspitzung, die sich an der Fragestellung entzündet, ob die bisherigen als „biologisches Geschlecht“ angesehenen Merkmale ausreichen, um die Vielfalt und Vielheit von „Geschlechtern“ abzubilden oder nicht. Der kurze Blick der Hebamme nach der Geburt eines neuen Menschen auf die primären Geschlechtsmerkmale reicht offenbar nicht mehr aus, einen Menschen nach Junge /Mann, Mädchen/Frau und somit in die seit tausenden von Jahren geläufigen Geschlechter zu ordnen. Dass es immer schon währende der Entwicklung des heranwachsenden Embryos zu Mutationen kam und die Eindeutigkeit der Geschlechtsmerkmale gar nicht so eindeutig war, weil Kinder mit Merkmalen beiderlei Geschlechts geboren wurden, ist inzwischen sicherlich hinreichend bekannt. Ebenso bekannt ist, dass Menschen sich „in ihrer erkennbaren Haut“ als Frau oder Mann nicht „richtig“ fühlen und verzweifelt dem Gefühl, „irgendwie falsch zu sein“, mithilfe medizinischer Maßnahmen zu entkommen suchen, was schwierig, aber nicht unmöglich ist.

Ich will hier nicht die Debatte um die Frage eröffnen, ab welcher Altersstufe mit diesen medizinischen Maßnahmen begonnen werden soll und ob man noch rechtlich unmündigen Kindern oder Jugendlichen die alleinige Entscheidung darüber zugestehen sollte oder nicht. (Ich denke, dass es dazu keine pauschale Aussage geben sollte, wie etwa beim Erwerb des Führerscheins, halte aber eine Entscheidung, die noch im virulenten Stadium der Pubertät getroffen wird, für höchst bedenklich.)

Nein, es geht mir hier um folgende Nachricht:

DFB passt Spielrecht an – „Fußball steht für Vielfalt“

Stand: 23.06.2022 10:38 Uhr

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) lässt trans- und intergeschlechtliche sowie nicht-binäre Menschen selbst entscheiden, ob sie in einem Frauen- oder einem Männerteam spielen.

Da muss ich doch erst mal kurz Luft holen, schlucken und genauer nachlesen:

Die neue Regelung gilt ab der kommenden Saison für den Amateur- und den Jugendbereich sowie im Futsal. Das teilte der DFB am Donnerstag (23.06.2022) mit. Menschen mit dem Personenstandseintrag „divers“ oder „ohne Angabe“ und Fußballerinnen und Fußballer, die ihr Geschlecht angleichen lassen haben, können dann zwischen den beiden Spielberechtigungen wählen. Dies gelte auch für transgeschlechtliche Fußballerinnen und Fußballer, „die nun zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt wechseln können oder zunächst in dem Team bleiben, in dem sie bisher gespielt haben“.“ (Hervorhebung von mir)

Ich kann also als Spieler einfach „divers“ in meinem Pass eintragen lassen und dann mit männlicher Muskelkraft und Geschlecht in einer Frauen- respektive Mädchenmannschaft spielen? Ist das so gedacht? Denn umgekehrt, so vermute ich mal, wird es nur sehr wenige SpielerINNEN geben, die, mit allen weiblichen Merkmalen gesegnet, darauf bestehen, in einer Männerelf aufgenommen zu werden. Aber ich kann mich ja irren… mir erscheint es nur absolut absurd, zumal ja „Diverse“doch immer schon jede Möglichkeit hatten und haben, Fußball zu spielen, wenn auch nicht in der Mannschaft ihres „gefühlten Geschlechts“.

„Solange die sportliche Betätigung während der Einnahme von Medikamenten die Gesundheit der betroffenen Personen nicht beeinträchtige, könnten die Personen am Spielbetrieb teilnehmen, „weshalb die neue Regelung eine Dopingrelevanz ausschließt“.“

Dieser Passus bezieht sich vermutlich auf diejenigen, die nicht einfach nur einen Eintrag im Pass haben, sondern bereits den Prozess der Geschlechtsumwandlung durchlaufen. Ich meine gelesen zu haben, dass die Umwandlung von Frau zu Mann deutlich öfter vorkomme, als umgekehrt die Transformation von Mann zu Frau.

Ich bin mit meinen 72 Jahren vermutlich zu verknöchert in meinem Rollenverständnis und Denken, um in den Lobgesang Sven Lehmanns einstimmen zu können:

Er begrüße die Regelung des DFB sehr, sagte der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann von den Grünen. „Damit unterstreicht der DFB seine Bemühungen um Akzeptanz und Teilhabe von LSBTIQ im Fußball. Mit der neuen Regelung kann der Fußball seine Vorbildfunktion unter Beweis stellen. Jeder Mensch sollte diskriminierungsfrei Fußball spielen können.“

Ich bin mir nicht so sicher, ob dieser Jubelton wirklich angebracht ist. Noch ist es im Männerfußball nicht einmal gelungen, eine auch nur minimale Akzeptanz für homosexuelle Spieler zu erreichen, wie viel weniger wird eine diverse Person, die sich als Frau fühlt, aber wie ein Mann aussieht, in der Kabine nach dem Spiel uneingeschränkte KameradINNENschaft erleben? Ich habe da so meine Zweifel… und die sind für den umgekehrten Fall nicht geringer.

Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich an dem traditionellen Geschlechterbild festhalten möchte, wir sind von Gott geschaffene und geliebte Menschen, unabhängig von unserer Zugehörigkeit als Mann oder Frau. Darauf sollten wir das Augenmerk richten, von Gott geliebte Menschen zu sein. Das macht unser Menschsein und unsere Würde aus. Ich bin nicht der Überzeugung, dass eine Aufsplitterung in diverse Geschlechter dazu beitragen kann, die Beurteilung und Wertung in der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen, was aber doch eigentlich als „normal“ erwünscht sein müsste. Ich befürchte, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Die Vielfalt ergibt eben keine Einheit, wenn die (vermeintliche?) Vielfalt immer stärker hervorgehoben und betont wird, statt die Einheit zu leben.

Natürlich sieht das der Bundesverband der Transsexuellen völlig anders und lässt mitteilen:

„Der Bundesverband Trans lobte: „Das ist eine Entscheidung, die in die richtige Richtung geht. An Leute mit dem Personenstand ‚divers‘ oder ‚ohne Angabe‘ zu denken, hat noch keiner gemacht. Sie denken weit genug, das ist eine informierte Sache.““

Übrigens war es vor gut 30 Jahren, als unsere Kinder Fußball spielten, in den Spielklassen der Kinder und Jugendlichen durchaus üblich, dass Mädchen und Jungen in einer Mannschaft spielten, zumal es auf unserem Dorf nicht allzu viele fußballbegeisterte Mädchen gab.

Das hat sich ja zum Glück geändert, Mädchen und Frauen spielen in eigenen Ligen — wenn auch immer noch von männlichen „Hardcorefans“ sanft belächelt.


Eine Fußballerin steht vor einem Ball

Der vollständige Bericht kann unter dem angegebenen Link gelesen werden.

Ist das Kunst… 20. Juni, 2022

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…. oder kann das weg?

Ich bin mir nicht ganz sicher, wer diese schöne Frage zum ersten Mal gestellt hat, aber ich ertappe mich oft dabei, dass ich zumindest den ersten Teil der Frage immer wieder mal beim Betrachten dessen stelle, was mir als „Kunst“ vorgestellt wird. Ich bin halt eher der Typ „Banause“, jemand, der nicht über Kunst akademisch reden kann, bei dem aber das Kunstwerk eine tiefe Berührung auslöst durch das, was „ich“ Ästhetik nennen möchte, also das Zusammenspiel von Form, Farbe und Motiv in einer Ausführung, die wahrhafte „Kunstfertigkeit“ erfordert, eine Fertigkeit, die mir nicht zu eigen ist und deshalb grenzenlose Bewunderung auslöst.

Mit diesem Begriff von „Kunst“ liege ich aber ganz sicher vollkommen daneben von dem, wie Künstler und Kunstschaffende selbst den Begriff „Kunst“ füllen.

Dieses Banausentum hat es mir schon immer ziemlich schwer gemacht, die Kunstwerke, die bei der Documenta in Kassel gezeigt werden, angemessen zu würdigen. Ich hätte zwar niemals gesagt, dass das „weg kann“, aber doch meine Zweifel angemeldet, ob es Kunst sei oder Kram oder eine, meine Sinne in unangenehmer Weise strapazierende, Provokation. Dass Kunst auch provozieren kann, will, darf oder sogar muss, stelle ich gar nicht in Abrede, aber wenn außer „Provokation“ nichts, aber auch gar nichts zu erkennen ist, was „ich“ mit Kunst assoziieren und in Verbindung bringen kann, ist es einfach nur ein unüberwindliches Ärgernis, das mich auch nicht zu irgendeinem sinnvollen Gespräch anregen würde. Es ließe mich zetern wie ein Rohrspatz … wem wäre damit gedient?

Diese lange Vorrede ist notwendig, um klarzustellen, dass es mir in der aufregenden Frage, ob die Documenta in diesem Jahr antisemitische Tendenzen aufweise oder nicht, nicht oder nur am Rande um die ausgestellten Exponate oder die angesagten Aktionen geht. Hierin halte ich mich doch an den allgemeinen Begriff von der Freiheit der Kunst, selbst dann, wenn in geschmackloser Weise „künstlerisch“ politische Themen dargestellt werden, wobei ich aber die Einschränkung machen muss und will, dass Darstellungen von Juden, die man in den Zeiten des Tausenjährigenreiches in den Ausgaben des „Stürmer“ finden konnte und die auch heute wieder zur Verunglimpfung von Juden oder Israel gezeigt werden, nicht mehr unter „künstlerische Freiheit“ fallen, sondern mit den Begriffen Diffamierung, Entwürdigung, Verächtlichmachung belegt werden, kurz mit dem einem Wort „antisemitisch“ charakterisiert werden müssen.

Es sind – von der Ausnahme der Kunstwerke mit „Stürmer-Qualität“nicht (nur) die Exponate oder die politisch motivierten Aktionen, die mich bewegen, es ist vielmehr die „Auswahl“ der Künstler, die bei der Documenta ausstellen dürfen / können oder eben nicht.

Wenn – nach Angabe des Kuratoriums – der Schwerpunkt auf die Interaktion zwischen der vernachlässigten „südlichen Welt“ und der des westlichen Kulturbereichs gelegt und damit verstärkt ermöglicht werden soll und man darum Künstler aus „Palästina“, nicht aber aus Israel zu Wort kommen lässt, ja Israel ausdrücklich als teilnehmendes Land ausklammert, aber als „Kunstobjekt“ in einseitiger und anklagender Weise darstellt, so geht doch diese Vorgehensweise erkennbar an der Intension eines „integralen Charakters der Documenta“ vorbei. Vielmehr erinnert diese ausdrückliche Nichtbeachtung israelischer Kunst und Künstler auf fatale Weise an die BDS-Bewegung, die doch nur dem einen Ziel dient, Israel als jüdischen Staat zu delegitimieren. BDS, das hat der Bundestag vor einiger Zeit sehr klargelegt, trägt aber alle Züge antisemitischen Gedankenguts und Handels und ist darum in Deutschland geächtet .

Dieser ausdrückliche Beschluss des Bundestages hat aber merkwürdigerweise für die (deutschen) Macher der Documenta gar keine Rolle gespielt, das indonesische Kollektiv kannte möglicherweise diesen Beschluss nicht oder hat sich – trotz der Kenntnis – eigensinnig darüber hinweggesetzt.

Die Rede des Bundespräsidenten zur Eröffnung der Documenta zielte aber genau auf diesem Tatbestand:

Die Weigerung, israelischen Künstlern die Teilnahme in Kassel zu ermöglichen, käme einer Delegitimierung des Staates Israels, einer Weigerung, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, gleich, etwas, das Deutschland so nicht hinnehmen könne.

Ich stimme an diesem Punkt Herrn Steinmeier zu.

Heute erschien im Kulturteil der HAZ ein Interview mit dem Direktor des Sprengel-Museums, Reinhard Spieler, der nach eigenen Angaben „explizit antisemitische Kunstwerke“ nicht habe wahrnehmen können, es seien lediglich einige Werke ausgestellt, in denen die Lebensbedingungen von Palästinensern kritisiert werde, nur eine einzige Arbeit zeige Israel als Aggressor – mit dem Titel „Guernica Gaza“, womit die Anspielung auf Picassos Werk „Guernica“ gegeben sei, mit dem Picasso gegen die Nazis protestiert habe.

Herr Spieler findet jedoch kein Wort darüber, dass Gaza von der Hamas regiert wird, die in ihrer Charta die vollständige Vernichtung Israels fordert und ihren Kampf so lange fortführen will, bis dieses Ziel erreicht sei. Vielmehr bedauert der Direktor, dass Steinmeier sich nicht vor seiner Rede über die Bilder informiert habe, ein Rundgang „hätte ihn davon überzeugt, dass die Ausstellung einen integrativen Charakter hat, dass Antisemitismus überhaupt kein Thema der Ausstellung ist.“ Quelle: HAZ, Ausgabe 20. Juni 2022, Seite 23, Kultur & Leben, „Ein bisschen Kinderbastelgruppe“)

Vermutlich hat sich auch Herr Spieler nicht ausdrücklich und ausführlich mit dem Gegenstand seiner Kritik auseinandergesetzt, der Rede des Bundespräsidenten nämlich, sonst hätte ihm doch auffallen müssen, dass im Fokus der Kritik an der Ausstellung nicht die Bilder stehen, sondern der von dem indonesischen Kollektiv gewollte Boykott israelischer Kunst und Künstler.

Herr Spieler klagt dagegen: „Es ist wirklich sehr unglücklich, dass der Documenta jetzt eine Debatte aufgezwängt wird, die am eigentlichen Thema völlig vorbei geht. Jeder kann und soll nun gerne genau hinschauen, ob Werke wirklich antisemitisch oder diskriminierend sind. Ich konnte diesen Eindruck definitiv nicht wahrnehmen.“(siehe oben genannte Quelle)

Wie will man etwas wahrnehmen, was nicht vorhanden ist… wie macht man die LEERSTELLE sichtbar, das FEHLEN israelischer Künstler? Und wie sehr zeigt diese Aussage die naive Borniertheit eines Direktors eines Museums für zeitgenössische Kunst? Herr Spieler macht auf bemerkenswerte Weise den blinden Fleck in der Debatte um die diesjährige Documenta deutlich. Wenn keine, dem „Stürmer“ ähnliche, Produkte und Pamphlete zu erkennen sind, kann es Antisemitismus nicht geben.

Erbärmlicher kann „Politik in der Kunst“ nicht argumentieren oder agitieren… wie es auch dem Statement der Staatssekretärin Claudia Roths zu BDS-Documenta anzumerken ist. Siehe diesen Artikel

Lesenswerte Berichte zum gleichen Thema finden sich u.a. hier hier hier hier hier

hier

Dass etliche Medien und „Medienschaffende“ keinerlei Antisemitismus erkennen können und Steinmeier kritisieren, kann eigentlich nur diejenigen verwundern, die vor dem latent vorhandenen Antisemitismus dieser Blätter und Kritiker in den letzten Jahren gekonnt die Augen verschlossen haben.

NACHKLAPP um 20.25h

Inzwischen haben die Verantwortlichen der Documenta einsehen müssen, dass es tatsächlich antisemitische Darstellungen in Kassel gibt. Frau Roth fordert die Entfernung eines Banners mit eindeutig antisemitischer Bildsprache. https://www.tagesschau.de/kultur/documenta-antisemitismus-roth-101.html

NACHTRAG, 21. 6. 2022

https://www.hessenschau.de/kultur/nach-antisemitismus-vorwuerfen-umstrittenes-documenta-banner-mit-stoff-verhuellt,antisemitisches-banner-documenta-100.html

Zitat: „“Wir sind traurig darüber, dass Details dieses Banners anders verstanden werden als ihr ursprünglicher Zweck“, hieß es in der Mitteilung weiter. Den Grund für die entstandene Empörung sehen die Künstler vor allem in der deutschen Vergangenheit. „Als Zeichen des Respekts und mit großem Bedauern decken wir die entsprechende Arbeit ab, die in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird“, heißt es: „Das Werk wird nun zu einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialogs in diesem Moment.““

Den Grund für die entstandene Empörung sehen die Künstler vor allem in der deutschen Vergangenheit.

Nochmals: Es ist nicht die „deutsche Vergangenheit“, die hier die entscheidende Rolle spielt, es ist der weltweit virulente Antisemitismus, dem entschieden entgegengetreten werden muss.

Wenn die Künstler einen Dialog anstreben, sollten sie darauf verzichten, in unangemessener und provozierender Weise ein Land aus diesem Dialog auszuklammern – Israel, und dieses Land zum Gegenstand ihrer „Kritischen Kunst“ zu machen.

Heute beim Schweden… 13. Juni, 2022

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… der eigentlich ein Chinese ist.

Schwedisch, so kommt es mir vor, ist nur noch das üblich „hej“, mit dem der kauffreudige Kunde schon am Eingang begrüßt wird, nicht etwa persönlich, nein, durch nett gestaltete und riesengroße Schilder, die gleichzeitig auf die neuesten Verkaufsschlager – oder solche, die es werden sollen – hinweisen.

Schwedisch ist auch noch der blau-gelbe Namenszug und ebenso die äußere Gestaltung des global tätigen Möbel- und Schnickeldi-Giganten.

Waren in den Anfangsjahren das Design der Möbel und vor allem das des wunderbaren Schnickschnacks tatsächlich noch schwedisch-skandinavisch geprägt, so herrscht heute überwiegend nichtssagender Tüddelkram in den Abteilungen für „muss-nicht-sein-ist-aber-schön-(hässlich)“ vor, das mich nicht mehr so verleitet, wie es früher noch der Fall gewesen war, vor Jahren, als ich nur mal kurz nach der Schule beim Schweden vorbeischaute (die Kinder waren schon groß und aus dem Haus, ich hatte Zeit!), einen Kaffee trank auf Kosten des Hauses (die family-Karte machte es möglich) und dann in der besagten Abteilung für „muss-nicht-sein“ stöberte und eine nicht unbeträchtliche Anzahl an „Hättelkes und Tättelkes“ erstand, die mein Haus zieren sollten. Besonders verlockend war die Abteilung in der Vorweihnachtszeit. Wie das in den vergangenen Jahren 20/21 war, kann ich nicht sagen, da herrschte Corona und ich hätte mich um keinen Preis der Welt ins Getümmel gestürzt, selbst wenn es möglich gewesen wäre, was es aber, sofern ich es richtig erinnere, ohnehin nicht war.

Noch sieht die Lage an der Corona-Front relativ entspannt aus – und relativ entspannt und überschaubar war auch die Kundendichte vor den Kassen.

Wir brauchten für das Wiesenhaus ein neues Kleinmöbel, ich hatte zu Hause vorsorglich schon mal in einem älteren Katalog geblättert und mich dabei auf ein ganz bestimmtes Teil festgelegt. Beim gemeinsamen Rundgang durch die obere Etage, in der man die Geschicklichkeit der Innenarchitekten bewundern kann, die vormachen, wie man auf 30 m² eine vierköpfige Familie bequem unterbringen kann, oder zeigen, wie aus einem eigentlich Licht durchfluteten Zimmer mithilfe von schwarz gemusterten Tapeten, schwarzen Möbeln und schwarzen Schnickeldis eine finstere (gemütliche?) Wohnhöhle wird, stellten wir fest, dass wir der damit angesprochenen Käuferschicht wohl eher nicht mehr angehören. (Aber ich finde die ausgestellten Miniwohnungen als Ideengeber für praktische Lösungen immer noch sehr anregend!). Das von mir angepeilte Möbel fand sich bei diesem Rundgang weder in den „Appartements“, noch bei den nüchtern aufgereihten Zweckmöbeln.

Der Liebste entdeckte es aber in der unteren Etage, die den Utensilien für Küche und Haushalt, allem was das Schlafen angenehm machen soll, den Stoffen, Kissen, Vorhängen und Teppichen gewidmet ist und auch die Tittifittis ebenso bereithält, wie unendlich viele Modelle an Bilderrahmen, Lampen und angeblich nützlichen Kisten und Kästen, die zu Hause dann die überflüssigen „DiesDas“ aufnehmen sollen, wie eine Freundin der Lieblingstochter Dinge bezeichnet, die – wie gesagt – kein Mensch braucht und trotzdem kauft.

Etwas abseits des mit Pfeilen gekennzeichneten Hauptweges (die Abkürzungen in der Laatzener Niederlassung kenne ich leider nicht), den wir gemächlich entlang schlenderten, stand ein Möbel, das geradezu perfekt dem gesuchten Zweck entsprach – entspricht, muss ich wohl sagen. Es ist nicht das, das ich ursprünglich kaufen wollte, ist aber viel besser geeignet als das vorgesehene und kam somit auf den Kassenbon.

Rasch noch zwei neue Badvorleger erstanden, drei Kissenhüllen, einen Bilderrahmen, eine Klemmlampe und eine Packung Servietten…

Keine Schnickeldis diesmal, keine Tittifitti, keine DiesDas, keine Hättelkes und Tättelkes…. Bis auf die Kissenhüllen stammt alles aus der Volksrepublik China.

Überhaupt kommt ein riesiger, wenn nicht gar der absolut größte Teil der angebotenen Waren aus dem fernen Reich der Mitte. Vielleicht sollte man das auch am Design des Hauses und des Namenszugs farblich kenntlich machen, ein roter Rand wäre doch vorstellbar.

So wüssten die Kunden doch gleich, wo ihr Geld in letzter Konsequenz landen und welche Volkswirtschaft auch mit den Ausgaben für Sachen, die man nicht braucht, gestärkt wird.

Eigentlich mag ich es gar nicht… 11. Juni, 2022

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… wenn man mich kurz nach dem ersten Schluck Kaffee schon mit Vorschlägen für die Gestaltung des Tages überfällt… wobei ja jedem klar ist, der mich und meine Familienumstände kennt, dass mit „man“ kein anderer als der Liebste gemeint sein kann.

Normalerweise nimmt er auf meine morgendliche Unentschlossenheit Rücksicht und rückt erst mit seinen Plänen heraus, wenn ich nach der 2. Tasse Kaffee auch die Lektüre der Tageszeitung und das darin enthaltene Rätsel erfolgreich absolviert habe. (Die journalistischen Kunstwerke zur aktuellen Politik erspare ich mir meistens so kurz nach dem Frühstück… es könnte nämlich ….)

Heute nun wartete der Liebste nicht mit der Bekanntgabe seiner heimlichen Pläne. Er erklärte kurz und bündig, die Zeitung könnten wir später studieren, das Wetter sei sehr schön, er wolle in den Wald und ich solle mit.

Was sonst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lauten Protest ausgelöst hätte, klang mir aber gleichzeitig so entschieden wie einladend, dass ich dem Plan augenblicklich zustimmte.

Wald hört sich doch gut an. Wald bin ich seit meiner frühsten Kindheit gewohnt! In den Wäldern meiner sauerländischen Heimat ging mein Großvater mit mir spazieren als ich gerade laufen konnte, fanden die sonntäglichen „nach-dem-Gottesdienst-Wanderungen“ mit der ganzen, zumindest aber der halben Großfamilie

Kurze Unterbrechung: Ich saß in tiefem samstäglichen Frieden auf der Terrasse, um diesen kleinen Text zu schreiben… da geht bei dem „gar nicht so netten Nachbarn“ von nebenan ein Höllenlärm los. Mit irgendeinem Gerät malträtiert er nicht nur seine Wiese oder Büsche, sondern vor allen Dingen meine Ohren und unterbricht meinen Erzählfluss auf höchst unanständige Weise. WER – außer diesem Kerl – mäht abends um 18.25 an einem Samstag mit lautem Getöse seine Wiese, noch dazu mit einem Trimmer, wie ich durch den Blick aus dem Dachfenster feststellen konnte?!? Nun sitze ich an meinem Schreibtisch und der Lärm wird ein bisschen durch das Fenster gedämpft.

Wo war ich stehen geblieben? Beim Waldspaziergang der Großfamilie, wobei unter „Großfamilie“ meine Eltern, mein Bruder, Omma und Oppa, und mindestens eine weitere Familie aus der Geschwisterreihe meiner Mutter zu verstehen ist und natürlich die „Lieblingstante Hertha“. Im Sommer wurden Himbeeren und Heidelbeeren gesammelt, es roch wunderbar nach Tannen oder dem feuchten Laub unter den hohen Buchen, wir Kinder spielten manchmal an einem der Bäche, stauten das Wasser auf oder ließen Stöckchen schwimmen und im Winter stapften wir durch den Schnee.

Wald und Waldspaziergänge gehören zu meiner frühen Sozialisation, sind gewissermaßen Teil meiner Identität, auch wenn ich freiwillig heutzutage nur noch höchst selten im Wald spazieren gehe, was vermutlich auch daran liegt, dass ich Spaziergänge im Flachlandwald immer schon langweilig fand.

„Lass uns zu Almut fahren!“, war darum mein Vorschlag an den Liebsten, dem er auch sofort zustimmte. Almut, meine viel zu früh verstorbene Freundin, ruht im Ruheforst im Deister, einem wunderbaren Wald mit hohen Buchen, Eichen, Eschen, gut begehbaren Wegen und an einem Berghang gelegen.

Als wir in Bredenbeck ankommen, zeigen eine große Zahl geparkter Autos und Gruppen von Menschen in Trauerkleidung an, dass wohl eine Urnenbeisetzung zeitnah stattfinden wird.

Also beschließen wir, den kurzen Weg bis zur Gaststätte Steinkrug zu gehen und uns dort neu zu entscheiden, wie wir weiterlaufen wollen. Nach meinem Beinbruch sind meine Wanderfähigkeiten ohnehin begrenzt, eine längere Strecke können wir uns nicht vornehmen. („Länger“ ist relativ!)

Der Weg ist für mich gut zu gehen, nach kurzer Zeit kommen wir an die Unterführung der Schnellstraße Hannover-Springe. Dort hat sich ein Mensch an einer der Wände mit einem Statement zur Verweigerung der Corona-Schutzimpfung verewigt… man solle sich schämen, steht da, seine Kinder der Gefahr des Impfens auszusetzen, auch die Vorgabe für das Tragen einer FFP2-Maske scheint für ihn vom Teufel zu sein… Leute gibt es … Ich fasse es nicht.

Eine Hinweistafel am Steinkrug mit der Wanderkarte des Gebiets macht uns klar, dass es gut sei, ein kleines Stück den Weg, den wir gekommen waren, zurückzugehen und uns dann doch links zu halten, um in den weitläufigen Ruheforst zu kommen.

So kommen wir an ein umfriedetes Areal, an den alten Friedhof der Familie der Freiherren Knigge. Durch ein schmiedeeisernes Tor treten wir ein… betrachten die Grabreihen, lesen die Inschriften auf den Grabsteinen, von denen manche schon verwittert sind. Ein Stein berührt mich ganz besonders:

„HIER RUHEN IN GOTT UNSERE HEISSGELIEBTEN UNVERGESSLICHEN KINDER“

Aus dem Text erfahren wir, dass die Tochter Adele im Dienst des Roten Kreuzes 1915 starb, der Sohn Jobst als Leutnant gefallen ist. Und ich werde auf diese stille Weise daran erinnert, was Krieg anrichtet an Leid und Schmerz, damals und heute …. und Eltern um ihre Kinder weinen.

Wir setzen uns auf unsere mitgeführten Hocker und lassen die Ruhe des Friedhofs auf uns wirken …

…bevor wir auf einem schmalen Pfad in den Ruheforst selbst gelangen.

Eine Bank unter hohen Buchen lädt uns zu einer weiteren Rast ein… wir hatten Bücher mitgenommen und sitzen nun und lesen, eingehüllt in den Frieden des Waldes …

„Hierher sollten wir mit den Enkeln einen Ausflug machen“, überlegen wir. Geschichte, Natur, die Endlichkeit des Lebens… sie können es schon verstehen.

In einem großen Bogen laufen wir nach dieser wunderbaren Pause durch den Ruheforst zurück zum Auto. Bei Almut sind wir diesmal nicht vorbeigegangen, wir sahen die große Beerdigungsgesellschaft in ihrer Nähe und wollten nicht stören.

Seit ein paar Jahren ist ein Feld in unmittelbar neben dem Friedwald mit vielen Reihen seltsamer Büsche bepflanzt. Daran wachsen „Kamtschatka-Beeren“, wir kommen mit einem jungen Mann ins Gespräch, der die Beeren pflückt und an einem kleinen Stand zum Verkauf anbietet …. nicht ohne vorher zu probieren, gehen wir auf das Angebot ein. Die Beeren ähneln Heidelbeeren, sind aber eher bohnenförmig statt rund, weniger süß, aber aromatisch und fruchtig. Wir nehmen eine Schale mit nach Hause, und  ich bereite sie mit Quark, Sahne und Erdbeeren zu einem leckeren Nachmittagsessen zu.

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Zu Hause habe ich das Suchmaschinchen betätigt und mich mit der Familie derer aus dem Hause Knigge beschäftigt.  Es lohnt sich, mehr über diese alte Familie zu erfahren als nur bei „Knigge, dem Buch des guten Benehmens“ stehenzubleiben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Knigge_(Adelsgeschlecht)

https://www.freiherr-knigge.de/

https://www.rnd.de/promis/moritz-freiherr-knigge-der-nachfahre-des-beruhmten-autors-R45K5P3FFJDMJFTMMB6KEBKKZU.html

Wie gut, dass der Liebste heute so ultimativ zum Waldspaziergang bat… und ich keine Ausflüchte machte.

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