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Soll man über so eine Aussage lachen oder doch einfach nur weinen? 28. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Spiegel-Online, kurz „SPON“, lockt mich immer wieder mal mit Angeboten, die mir aber nur in einem Satz, (höchstens deren zwei) schmackhaft gemacht werden und mich dazu verleiten sollen, den ganzen Artikel zu lesen, der natürlich hinter der Bezahlschranke ist. Nicht, dass ich nicht für einen guten Beitrag bezahlen wollte, „ein jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert“ heißt es ja schon in der Bibel, aber wir bezahlen schon die Printausgabe, deren größten Anteil ich sowieso meinem hohen Blutdruck zuliebe nicht lese, da steht mir nicht der Sinn nach weiteren zu bezahlenden Aufregern. Mir reichen in diesem Fall die Locksätze vollkommen, lauten sie doch:

Statt als gestaltender Akteur und Schutzmacht für Osteuropa aufzutreten, produziert die Bundesregierung faule Kompromisse und verbales Leergut. Es mangelt an historischem Ehrgeiz.“

So schreibt der Journalist Ullrich Fichtner.

„Gestaltender Akteur“ hört sich doch richtig gut an. Wobei Herr Fichtner – es mag sein, dass ich ihm Unrecht tue, weil ich ja den ganzen Inhalt nicht kenne – vermutlich der Meinung ist, die Regierung und der ihr vorstehende Kanzler müsse den begeisterten Journalisten folgen und eine Form der „Führung“ präsentieren, die ihrem Geschmack entspricht. Nun ist aber Olaf Scholz nicht der Mann, der erkennbar den „Führer“ spielt, „Dank sei Gott“, möchte ich da laut und deutlich sagen, hatten wir doch schon vor vielen Jahren einen Führer, der mit martialischem Auftreten das gemeine Volk ins Verderben führte.

Das braucht doch heute ganz bestimmt kein Mensch!

Der Kanzler führt selbstverständlich die Regierung, aber in der Weise, die er vor sich und den Menschen, die diese Regierung gewählt haben, verantworten kann. Dazu gehört es gewiss nicht, dass er sich aufschwingt und unser Land mutig in einen Krieg führt – oder was meint der Herr Fichtner mit dem Begriff „Schutzmacht„?

Eine Schutzmacht muss meinem Verständnis nach nämlich bereit sein, die eigenen Soldaten ins Getümmel zu schicken – und in den sicheren Tod -, um damit den Schutz auch auszuführen. Es ist geradezu irrsinnig zu glauben, man könne eine „Schutzmacht“ sein, ohne den damit verbundenen Aufgaben auch zu entsprechen. Waffenlieferungen alleine werden dem, was man unter „Schutzmacht“ versteht, wohl kaum gerecht.

Und da sind wir bei dem nächsten Punkt, der mich dazu bewegt, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen:

Wie stark ist unsere Bundeswehr?

Über wie viele Waffen und Waffensysteme verfügt sie, die einer hochgerüsteten Armee, wie der Russlands, Paroli bieten könnte?

Der Konjunktiv ist da durchaus angebracht. Wir verfügen weder über genug Waffen – ganz gleich welcher Kategorie -, noch über ausreichend große Kampfverbände. Ich erinnere daran, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und die Berufssoldaten vor allen Dingen zu Friedensmissionen in ferne Länder geschickt werden, aber wohl kaum in der Lage sein werden, unser Land ohne die Hilfe „unserer Schutzmacht USA“ und ohne die Verbündeten der Nato auch nur einen Tag lang gegen einen Angriff aus Russland zu verteidigen. Wovon redet also Herr Fichtner, wenn er von Schutzmacht schwafelt, als die wir in Osteuropa auftreten sollten?

Ob die NATO, die wir als „Schutzmacht“ zur Erfüllung dieser Funktion aber dringend brauchten, sich aber von unserem Kanzler führen lassen möchte, wage ich dann doch sehr zu bezweifeln. Welches Land verfügt über hochmoderne Waffensysteme, mit denen man auch Putin in Angst und Schrecken versetzen könnte – weitreichende Trägerraketen, Atomsprengköpfe und dergleichen? Wenn mich nicht alles täuscht, trifft das innerhalb der NATO lediglich auf Großbritannien, Frankreich und die USA zu. Und die werden wohl kaum Herrn Scholz den roten Knopf überlassen. Was ist auch ausgesprochen begrüße.

Und was, so frage ich mal in die Runde, sind „faule Kompromisse“? Was ist „verbales Leergut“?

Kann ein Regierungschef nicht immer nur das zusagen, von dem er auch tatsächlich weiß, dass er diese Zusagen einhalten kann? Ist darum die Zusage des Kanzlers, der Ukraine jede Hilfe zu gewähren, die man aus eigener Kraft leisten kann, ein „fauler Kompromiss“? Und muss nicht diese Zusage immer wieder an die realen Bedingungen angepasst werden, die AKTUELL herrschen? Wenn keine schweren Waffen zur Verfügung stehen, weil die Bundeswehr selber kein brauchbares Material hat, kann man keine schweren Waffen ad hoc liefern, aber man kann die Zusage treffen, sich darum zu kümmern, dass diese Waffen geliefert werden.

Meine Güte, ist das denn so schwer zu verstehen?

Wer nicht an extremen kognitiven Ausfällen leidet, müsste doch in der Lage sein, genau das zu begreifen. Und er müsste aufhören mit der unsäglichen Beschimpfung des Kanzlers, der sich doch nach Kräften um Lösungen bemüht, die allen ZUMUTBAR sind, dabei kann er nicht nur die Verteidigung der Ukraine im Blick haben, sondern muss auch auf die eigene Bevölkerung Rücksicht nehmen…. zeigen sich doch jetzt bereits die unangenehmen Folgen für uns alle, die alleine mit den Sanktionen gegen Russland verbunden sind, wie groß wären die Folgen und wie schrecklich für uns alle, wenn der Kanzler sich nun auch noch als erkennbar entscheidender Kriegsherr aufspielen würde, als Schutzherr gegen Putin? Das ist und wäre doch im höchsten Maße suizidal. (Von dem historischen Verbrechen an der Sowjetunion mal ganz abgesehen!) Das kann doch kein Mensch wollen!

Damit bin ich beim nächsten Punkt, über den ich nicht einmal mehr „höhnisch lächeln“ könnte!

ES MANGELT AN HISTORISCHEM EHRGEIZ.“ So die Worte des Herrn Fichtner.

Klingelt es bei dem Wort „historisch“? Oder bei dem Wort „Ehrgeiz“?

Historisch war der Ehrgeiz des Führers des Tausendjährigenreiches, sich die Welt untertan zu machen, zumindest aber Europa, die Juden bei der Gelegenheit zu vernichten, die sogenannten „Untermenschen“ des Ostens zu versklaven und sich die wertvollen Bodenschätze unter die dreckigen Nägel zu reißen.

Vermutlich hat Herr Fichtner von diesem historischen Ehrgeiz noch nie gehört. Man sollte ihm unentgeltlichen Geschichtsunterricht ermöglichen.

Aber vielleicht habe ich ja den guten Herrn Fichtner auch völlig falsch verstanden, und seine Klage über den Mangel an historischem Ehrgeiz bezieht sich gar nicht auf die Funktion der militärischen Schutzmacht, sondern er vermisst den historischen Ehrgeiz, in diesem Konflikt für Frieden zu sorgen??? Wobei das aber eigentlich nicht der Fall sein kann, werden die Bemühungen des Kanzlers, sich nach wie vor mit Putin auf unerfreuliche Gespräche einzulassen, mit dem Ziel, den Krieg zu beenden, von den Journalisten nur müde belächelt, als Schwäche verstanden und als fehlende Führung ausgelegt.

Auf „Führung“ im Sinne von Maulhelden, die in jeder Talkshow ihre Weisheiten, Pläne und Absichten verbreiten, wie man es bei gewissen Politikern beobachten kann, die reihum bei Lanz, Will, Maischberger und Illner das Wahlvolk zu beeindrucken suchen, kann ich gut verzichten.

Beobachten kann man auch in diesen Tagen, dass die unaufgeregte Führung durch Herrn Scholz nicht jedermanns Sache ist und (außer dem von den Journalisten geforderten militärischen Führungsgehabe) die Diplomatie im Hintergrund nichts zählt, las ich doch das gar nicht schöne Wort vom „Drückeberger Deutschland“, was auch ganz eindeutig einen Bezug zum militärischen Einsatz hat und eben nicht die Friedensbemühungen meint.

„Drückeberger“ – ganz sicher ist das auch ein militärisch aufgeladener Begriff, der eine Rolle spielte im „Reich des Bösen, 1932 bis 1945“, und mit dem man (allerdings immer schon) junge Männer belegte, die sich nicht jubelnd für Führer (Kaiser, König) Volk und Vaterland in den Tod stürzen wollten.

So hoffe ich nach wie vor inständig, dass der Kanzler sich nicht irremachen lässt von Leuten wie Herrn Fichtner oder Frau Slomka und Co., die schon seit Beginn des Krieges nichts anderes fordern können, als den Krieg mit allen Mitteln und bis zum Äußersten zu führen und die den Kanzler in die Pflicht nehmen wollen, die Rolle des Führers als KRIEGSHERR in diesem schrecklichen Szenario zu übernehmen.


Herr Fichtner, hat sich mehrfach mit militärischen Belangen auseinandergesetzt, er sollte diese Polemik unterlassen.

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