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Ein Dreirad für die Omi… 9. August, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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In unserer Familie war immer der Liebste für die Fahrradfahrerei zuständig, jedenfalls für den Bereich des Fahrradfahrens, der in die Ferien- und Urlaubszeiten fiel. Jahrelang hatte er mit den Kindern mehr oder weniger umfangreiche Fahrten gemacht. Zunächst ging er mit den beiden „Jungsbrüdern“ auf Tour, während ich mit den beiden „Kleinen“ zu Hause blieb. Als „Jungsbrüder“ und „Kleine“ ein paar Jahre älter geworden waren, die beiden größeren Brüder „auf Freizeiten“ fuhren, waren es die „Kleinen“, die mit dem Vater die Welt per Fahrrad erkundeten. Ich blieb auch weiterhin gerne zu Hause. („Jungsbrüder“ = die beiden älteren Kinder der Familie, „die Kleinen“ = die beiden jüngeren)

Aber irgendwann war es dem Liebsten gelungen, selbst mir eine Fahrradtour schmackhaft zu machen. Ein neues Fahrrad wurde angeschafft und Pläne wurden geschmiedet. Es sollte mit den „Kleinen“ um den Bodensee gehen und ich musste mit. Ich muss gestehen, dass mir diese Idee nicht auf Anhieb zusagte, befürchtete ich doch, viele anstrengende Bergauffahrten bewältigen zu müssen, denn diese wurden nach den erfolgreichen Touren immer besonders anschaulich beschrieben… mir schwante also Furchtbares.

Wider Erwarten fand ich aber schnell Vergnügen an den (extra auf mich und meine Fähigkeiten zugeschnittenen) Etappen rund um das „Schwäbische Meer“, wobei, ich muss es gestehen, der eine oder andere „Berg“ von mir nur unter ständigem Grollen und Meckern und das Fahrrad schiebend bezwungen wurde. Zu meiner Entlastung sei angemerkt, dass ich die schwersten Gepäcktaschen von uns allen transportierte, ein Umstand, den ich aber nicht dem Liebsten anlasten konnte, sondern der meiner Vorsicht, für alle Fälle gewappnet sein zu wollen, geschuldet war – der Liebste hatte mir dringend zu weniger Gepäck geraten…

Weniger Gepäck, aber immer noch mehr als notwendig, hatte ich bei unserer zweiten gemeinsamen Tour, die uns von Passau nach Wien führte. Ein befreundetes Ehepaar war mit von der Partie. Es wurde eine wunderbare Fahrt an der schönen Donau entlang, die aber gar nicht so blau ist, wie sie immer besungen wird. Wir hatten nur die erste Übernachtung in der Nähe von Passau vorgebucht – dort ließen wir vier unser Auto stehen, die Freunde waren ohnehin mit dem Zug angereist, was uns aber ein im Verhältnis zur Autofahrt als ein viel zu teures Unternehmen erschien. Auch die Unterkunft am Zielort kurz vor Wien hatten wir vorbestellt, alle anderen Quartiere machten wir jeweils am Abend für den folgenden Tag fest, Jugendherbergen, nette Gasthöfe, private Vermietungen…. es war nie ein Problem, eine passende Schlafgelegenheit zu finden. Berge, die ich hinauffahren musste, blieben weitgehend aus, und damit auch die Meckerei und das Grollen, denn allenfalls waren lediglich kleine Hügelchen zu bewältigen. Wien war ein Traum… wir besuchten Freuds Wohnung und Beethovens Grab, fanden die Katakomben des Stephansdoms ein bisschen schaurig, den Prater und die urigen Heurigenlokale ganz herrlich und überhaupt war Wien einfach toll. Mit dem Zug ging es zurück nach Passau, wir luden die Räder auf das Autodach und kamen glücklich in unserem Dorf an.

Gar keine Frage, dass man mich für die dritte Fahrradtour gar nicht erst überreden musste. Von Magdeburg ging es an der Elbe entlang bis Dresden. Wieder wir im Viererpack und mit den Freunden. Ich könnte nun schwärmen von den Elbtalauen, durch die wir fuhren, von Störchen, Parkanlagen, dem Bauhaus in Dessau oder der Lutherstadt Wittenberg, von einer herrlichen Unterkunft bei einem Winzer oder der Besichtigung der Albrechtsburg, von einem brennenden Kornfeld, das mir schreckliche Angst einjagte oder von Schafen, die auf ein (zunächst zufälliges) Klatschen in kollektivem „Mäh, Mäh“ antworteten… Und dann natürlich Dresden… erst kurz zuvor war das Gerüst an der wieder aufgebauten Frauenkirche entfernt worden, der markante Bau war schon aus der Ferne gut zu erkennen…

Es war unsere letzte gemeinsame Tour, denn auch die Kleinen verfolgten mittlerweile eigene Urlaubs- und Ferienpläne… meine Eltern brauchten verstärkt meine Hilfe … der Liebste wanderte mit dem Beginn seines Ruhestands von München über die Alpen nach Bozen (und kam natürlich zurück 😉 ), die Familie veränderte und erweiterte sich… wie das Leben so spielt.

Wir fuhren nur noch in unserer näheren Umgebung mit dem Fahrrad und machten auch kleine Ausflüge am Meer.

Beim Skifahren brach ich mir das Bein, auf dem Fahrrad fühlte ich mich nicht mehr sicher, auch meines Schwindels wegen, der sich schon vor einiger Zeit angekündigt hatte und in den letzten Jahren immer stärker geworden war.

Der Liebste fuhr nun alleine mit dem Fahrrad am Deich entlang oder traf sich mit der Familie des ältesten der „Jungsbrüder“ zu kleinen Ausfahrten. „Wenn ich mitfahren soll, musst du mir ein Dreirad kaufen!“ meinte ich scherzhaft.

Im vergangenen Jahr erzählte ich in unserem Volleyball-Freundeskreis davon. Einer Freundin war kurz zuvor ein Dreirad für Erwachsene geschenkt worden und sie lud mich zu einer Probefahrt ein. Die endete mit einer nicht vorhergesehenen Ernüchterung. Das Dreirad wollte sich meinem Willen absolut nicht unterordnen und fuhr Kurven, wo ich geradeaus fahren wollte, kurzum, ich begrub den Wunsch nach einem Dreirad.

Im Frühjahr dieses Jahres sah ich per Zufall zwei Dreiräder, die so ganz anders konstruiert waren als das der Freundin. Das Ehepaar, dem sie gehörten, gab begeistert Auskunft über Fahrverhalten, Verkehrstauglichkeit und Hersteller.

Ich war wie elektrisiert.

Im Internet fand ich weitere Informationen zu „Trikes“, wie die dreirädrigen Fahrräder den zweirädrigen „Bikes“ entsprechend genannt werden. Da ich das Trike vor allen Dingen in der Umgebung der Wiese fahren wollte (und will), nahm ich Kontakt zu Fahrradhändlern in Cuxhaven auf. Die Marke, die das Ehepaar fuhr, hatten sie aber nicht im Programm. Zudem wollte ich zunächst eine Probefahrt auf einem Trike machen und ausprobieren, wie ich damit zurechtkommen könnte. In Hannover gibt es einen ganz wunderbaren Laden, der sich auf Dreiräder spezialisiert hat, die von Menschen mit Beeinträchtigungen aller Art gefahren werden können, auch mein „Schwindel“ ist ja eine solche Beeinträchtigung. Telefonisch machte ich einen Termin aus und wurde sehr freundlich und kompetent beraten. Eines der Räder, die ich probierte, kam meinem (geheimen) Wunsch deutlich nah. Sitz, Lenkung, Fahreigenschaften mit Motorunterstützung waren nahezu perfekt. Und wäre ich 20 Jahre jünger und hätte ich das teure Gefährt nicht nur für meine kleinen Touren in der Umgebung der Wiese nutzen wollen, sondern auch für alle nur denkbaren Besorgungen in meinem „Dorf und umzu“, wäre es auch ganz sicher angemessen, den hohen Preis für das Rad zu zahlen. So aber – und weil ich immer noch mit dem feuerroten Trike der Firma „Lanztec“ liebäugelte – schlug ich einen möglichen Kauf des Rades aus.

Die Internetseite der in der Nähe von Ulm ansässigen Firma „Lanztec“ bot auch eine Übersicht über die Vertragshändler in Deutschland. Es zeigte sich, dass nördlich der Mainlinie das Netz sehr, sehr „weitmaschig“ ist und der Händler, der unserer Wiese am nächsten ist, sein Geschäft in Wittmund hat.

Mit dem Inhaber dieses Geschäfts kam ich telefonisch dann auch wirklich ins Geschäft.

Das feuerrote Trike wurde bei Lanztec bestellt und Herr Koch sagte mir zu, es zur Wiese zu liefern und mich dort vor Ort in die nötigen Kenntnisse einzuweisen und auch Sitz und Lenker auf meine Größe einzustellen. An dieser Stelle ist ein großes Lob auf ostfriesische Zuverlässigkeit, Vertrauensvorschuss und Kundenfreundlichkeit angebracht.

Denn nun ist es da, mein Trike. Ein Mitarbeiter des Fahrradgeschäfts brachte es zur Wiese, stellte das Rad vor und ein und wies mich in die wesentlichen Dinge ein.

Die erste kleine Probefahrt war auf Anhieb erfolgreich.

Es war nicht nötig, die Zufahrt zur Siedlung zu sperren, wie der Liebste es scherzhaft angekündigt hatte! Ich konnte wunderbar die Regulierung der Geschwindigkeit mit und ohne Motorunterstützung üben, exakte Links- und Rechtskurven fahren, die Anfahrhilfe betätigen und mich daran gewöhnen, mit Freilauf statt der Rücktrittsbremse klarzukommen und die beiden Bremshebel am Lenker zu bedienen.

Ich war hellauf begeistert von den ersten Versuchen, und die Begeisterung hielt auch an, als wir einen Ausflug nach Dorum machten, ich den Übergang über den Deich mithilfe der Motorunterstützung sicher fuhr… und nun keine Sorgen mehr habe, wie ich die steilen „Berge“ an der Küste schaffen werde.

Ich könnte vor Freude ununterbrochen jubeln und bin unendlich dankbar für diese wunderbare neue Form der Mobilität, die mir das Trike bietet.

Hier ist es …. ist es nicht wunderschön?

Es fährt sich ganz wunderbar….

 

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Der Gesichtausdruck täuscht, ich blinzel gegen die Sonne… aber bin unendlich glücklich 🙂

 

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Da sitzt sie, die glückstrahlende Omi…

Neben mir „unser Fahrrad“, mit dem so viele Touren bestritten wurden, bevor wir es mit zur Wiese nahmen und das der Liebste fuhr („wie’s Gewitter“, würde er sagen …. und ich würde ihm rückhaltlos zustimmen! 🙂 ) ganz ohne funktionierende Gangschaltung und natürlich auch ohne Unterstützung…


„Omi“ – so nennen mich manchmal meine Enkel. „Omi“, den Begriff verwandte Claudia, die Tochter der Familie Robatscher in Tiers, in einer mich sehr berührenden Situation, durch die sie es mir ermöglichte, per Auto-Transport auch zur Haniger-Schwaige zu kommen, was ich wandernd niemals geschafft hätte. Ich war zutiefst beeindruckt von der Empathie, mit der Claudia meine Situation wahrgenommen hatte und war und bin ihr dafür sehr, sehr dankbar.

Und sehe ich nicht aus wie eine richtige Omi, die ich ja nun seit beinahe 13 Jahren auch wirklich bin? Seit Corona mit vielen Regeln unser Land fest im Griff hat, war ich nicht mehr beim Friseur, die Haare wurden lang und länger und müssen irgendwie am Hinterkopf zusammengebunden werden, das ist zwar praktisch, aber nicht schön. Diese Erklärung bin ich meiner Eitelkeit schuldig… 🙂 🙂

Wechsel der Räume… 9. August, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Das hat meiner Seele gutgetan!

Wie sehr mit dem Wechsel der Räume – und damit meine ich die weiten Räume der jeweiligen Umgebung – auch ein Wechsel der Themen verbunden ist, mit denen ich mich sonst überwiegend herumschlage, ist mir in diesen vier Wochen bewusst geworden, die seit dem Beginn unserer Sommerreise vergangen sind.

Den Großraum Hannover tauschten wir zunächst mit dem Zugspitzgebiet der bayrischen Alpen. Die Wohnung einer mit uns gut befreundeten ehemaligen Kollegin des Liebsten (die im Januar hochbetagt verstarb) war unser Refugium in Partenkirchen, wir fuhren weiter über den Brenner bis hinauf nach Tiers am Rosengarten zum „Pattissenhof, der uns schon einige Male wunderbares Feriendomizil war, machten auf der Rückreise – wie seit Jahren schon – einen Stopp in Biberach, waren ein paar Tage wieder im Heimatrevier Hannover, um dann drei Tage auf der Wiese zu verbringen und sind seit gestern wieder in unserem Dorf.

Der Krieg in der Ukraine – weit weg…

Habeck und das Gas – darüber zerbreche ich mir später den Kopf…

Baerbock und der Kampf um Taiwan – nun ja, das blendete ich nicht ganz aus…

Die Regierung in schweren Wassern – das behaupten zumindest die politischen Gegner und „Scholz-kritischen“ Journalisten…

Corona – kommt sicher wieder …

Schröder darf in der SPD bleiben, so steht es heute Morgen in meiner Zeitung, die CDU wird es freuen, das gibt Punkte im Wahlkampf.

Und schon bin ich im alten Fahrwasser, nehme Nachrichten wahr und rege mich auf.

Dabei habe ich eigentlich das Fehlen all der vielen Aufreger genossen.

Sollte ich es nicht dabei bewenden und mich nicht mehr mit all den vielen Informationen vollstopfen lassen, die ja irgendwie verarbeitet werden müssen? Müssen?

Ja, müssen…. das gehört zu mir und meiner Struktur. Es gelingt mir nur sehr schwer, mit Gleichmut all dem zu begegnen, was mir an vermeintlich wichtigen Themen vor die Nase kommt, und den nie versiegenden Strom der Nachrichten einfach zu ignorieren, das gelang mir in meinem gewohnten Umfeld noch nie.

So könnte ich jetzt und heute auf den Gedanken verfallen, dem irdischen Chaos entfliehen und „Hütten bauen“ zu wollen, wie es im NT in einer Geschichte über die Bergerfahrung der Jünger mit Jesus berichtet wird.

Aber dem Wunsch nach der bleibenden Ruhe, dem Frieden und dem Glanz der Ewigkeit auf dem Berg der Verklärung wurde nicht entsprochen. Die Jünger mussten zurück in die raue Wirklichkeit ihres Alltags.

Und so hat auch mich der Alltag wieder, der zwar nicht rau ist, aber mit all den kleinen Anforderungen, die sich jenseits des Berufslebens dennoch einstellen, genug an Abwechselung und auch Arbeit bietet.

Ich werde dem nicht ausweichen – zumal mein Akku gut geladen ist.

„Mein Akku“ – ich hatte an meiner Schule einen netten Kollegen, der mir eines Tages den wirklich guten Rat gab, gut auf meinen Akku zu achten, ihn nicht leerlaufen zu lassen in der Bewältigung der vielen Herausforderungen, die die Arbeit an einer Förderschule mit sich bringen.

Heutzutage, das habe ich tatsächlich über Akkus gelernt, lässt sich so ein modernes Ding ja jederzeit laden, die Memory-Funktion ist überholt, die besagte, dass man immer bis zum letzten Funken Energie den Akku nutzen müsse, um ihn dann vollzuladen. Heute kann man die modernen Akkus jederzeit aufladen, auch wenn man nur ein Drittel ihrer Kapazität genutzt hat.

Da fällt mir ein, dass Jesus sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erfrischen!“ Wir müssen nicht mehr warten, bis wir sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch gehen. Wir können jederzeit unseren Akku bei ihm aufladen…

Diese Erfahrung – Gott lädt den leeren Akku auf – machten auch die Mitarbeiter des BUJU, die eine Woche lang mit vollem Einsatz bis über ihre eigenen Grenzen hinaus für die vielen Teilnehmer aktiv waren.

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Ein paar kleine Impressionen der verschiedenen Räume:

Auf der Zugspitze…. Ich Klimawandelkritiker  war allerdings mehr als erschrocken über den Anblick des „Gletschers“… so schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt – und bin nun beinahe geneigt, den menschlichen Anteil am Klimawandel nicht mehr als „zu verleugnen“ zu erachten.

 

Jugendliche Gipfelstürmer und ihre Bewunderer…

Der „Eckbauer“ hoch über Partenkirchen…

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Tiers – auf dem Balkon des wunderbaren Pattissenhofs mit Blick auf „König Laurins Reich“, den „Rosengarten“.

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Da ziehen sie los… der Liebste mit Sohn, Schwiegertochter und Enkeln…

Vor vier Jahren stand hier noch ein dichter Wald…. der schwere Sturm im Oktober 2018 hat viele Schäden angerichtet…

Blick zurück…. im wahrsten Sinn des Wortes. Das Foto machte ich auf dem Rückweg von der Haniger-Schwaige. Der Ausflug dorthin wird mir immer unvergessen bleiben, weil er mit der fürsorglichen und liebevollen Hilfe der Familie verbunden ist, die den Pattissenhof seit Generationen bewirtschaftet und heute auch das gleichnamige Hotel führt.

Szenenwechsel….

Auf der Wiese…

Elbmündung bei Otterndorf…

Wiesenglück… immer wieder schön!

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