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Garagenglaube… 13. August, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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An meinem Schreibmöbel aus dem blaugelben Möbelhaus ging die Schublade aus den Fugen, sie musste geleert, der Inhalt gesichtet und sortiert werden: Was bleibt, was kann weg?

Ein kleines schwarzes Büchlein fiel mir in die Hände, das ich jahrelang nicht mehr aufgeschlagen oder benutzt hatte.  Auf der ersten von mir beschrifteten Seite steht in Großbuchstaben: SONNTAGSCHULE

„Sonntagschule“, das war über Jahrzehnte der Begriff für den Kindergottesdienst in evangelisch-freikirchlichen Gemeinden. Er ist tatsächlich auf „Schule“ und schulische Unterweisung zurückzuführen. Angesichts der Bildungsarmut viel zu vieler Kinder (und Erwachsener) aus finanziell schwachen Familien wurde (nach amerikanischem Vorbild) eine einfache Schulung zunächst für Lesen und Schreiben angeboten. Die einzige Fibel war die Bibel. So erreichte man gleichzeitig eine relativ gute Bibelkenntnis auch für die Kinder und Erwachsenen, die sonst keine Möglichkeit gehabt hätten, sich unter der Anleitung   von älteren und kenntnisreichen Männern mit biblischen Themen zu befassen.

Sonntagschule hieß es natürlich auch noch in meiner Kindheit. „Sonntagschulonkel“ und „Sonntagschultanten“ erzählten biblische Geschichten, sangen und beteten mit uns und fragten die „goldenen Wochensprüche“ ab, die wir in der jeweils zurückliegenden Woche zu Hause gelernt hatten (oder auch nicht). So kam im Laufe eines Jahres eine beträchtliche Anzahl an Bibelversen zusammen, die wir auswendig hersagen konnten…. manche gerieten auch bald wieder in Vergessenheit.

Als unser jüngstes Kind 1 Jahr alt war, die Sonntagschule um neue Mitarbeiter warb, war es für mich gar keine Frage, mich als „Sonntagschultante“ in das Team einzubringen, wobei wir damals, 1986, nicht mehr als Onkel oder Tante bezeichnet wurden, sondern von den Kindern mit unseren Vornamen angesprochen wurden.

Mir hat die Mitarbeit n der Sonntagschule meiner Gemeinde sehr viel Freude gemacht. Mein schwarzes Büchlein gibt Auskunft über die Themen, mit denen wir uns beschäftigt haben, enthält Vorbereitungen für Familiengottesdienste oder Weihnachtsfeiern, für Mitarbeiterschulungen und Kurzfreizeiten. Davon soll hier aber nicht die Rede sein. Auch nicht davon, dass aus der Sonntagschule die „Kirchen-Kids“ wurden und ein vollständig neues Konzept die alt gewohnte Ordnung ablöste.

Wie es heute ist, entzieht sich meiner unmittelbaren Kenntnis. Ich bin kein Mitarbeiter mehr und auch meine Kinder sind ja längst der Sonntagschule entwachsen.

Mein Büchlein enthält einen Text, den ich am 28. August 1998 schrieb und der auch heute noch auf viele Situationen rund um Gemeinde und Christsein zutrifft. Ich schreibe ihn hiermit ab und auf:

Gedanken zum Christsein

Manchmal gleicht mein Christsein einem Autobesitzer:

Jeden Morgen öffnet er sein Garagentor, sieht, freut sich – ja, da steht er, sein wunderbarer Wagen. Sieht noch aus wie neu. Niemand würde glauben, dass er ihn schon seit Jahren besitzt. Wunderbar, einfach wunderbar, dieses Auto. Und voller Freude über diesen kostbaren Besitz schließt er das Tor wieder und verrichtet all die Dinge seines Tages.

Manche Wege sind lang und mühsam, manche Dinge tragen sich schwer – und da tröstet ihn der Gedanke, dass, wenn er wollte, er ja den Wagen nehmen könnte. Er ist ja da.

Eine besondere Freude bereiten ihm die Wochenenden. Dann haben er und sein Wagen ihren großen Auftritt. Das Auto wird aus der Garage gefahren, im Hof abgestellt und es beginnt seine liebste Stunde der Woche. Er putzt und reinigt seinen Wagen, poliert die Zierleisten, dass es nur so blinkt, wienert den glänzenden Lack und sorgt dafür, dass die Scheiben streifenlos klar sind. Natürlich überprüft er auch die Funktion der Scheinwerfer und Blinklichter. Ja! Alles tadellos in Ordnung. Ein herrliches Auto. Bevor er es zurück in die Garage fährt, geht er noch einmal voller Dankbarkeit und Freude um dieses schöne Fahrzeug herum. Ja, das ist schon ein tolles Gefühl, Besitzer eines solchen Prunkstücks zu sein. Nun aber schnell wieder in die Garage, damit dem Prachtstück ja nichts passiert, dass ja keine Abnutzungserscheinungen oder gar Kratzer und Schrammen sein wunderbares Auto ruinieren.

Absurd?

Ja, sicher, völlig absurd. Sinn und Zweck eines Autos besteht doch nicht darin, in einer Garage zu stehen und nur ein „Besitz“ zu sein, vielleicht eine Wertanlage.

Und doch verhalten wir uns oft so in unserem Christsein, mit unserem Glauben. Wir sehen nach, ob er da ist, pflegen ihn beim wöchentlichen Gottesdienst, aber nutzen ihn nicht. Nicht wirklich.

 

………………………..

Soweit mein Text.

Ich will ihn einfach so stehen lassen, nicht zusätzlich kommentieren oder weitere Gedanken anfügen.

Aber, heute ist Samstag, einen gesegneten Sonntag wünsche ich allen, die hier lesen… und Segen für jeden Tag der Woche…!

 

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