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Von der Maus und anderen Katastrophen 12. September, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Es ist schon ein paar Jahre her, dass unser jüngster Sohn zwei niedliche Rennmäuse kaufte und sie in seinem Zimmer in einem großen Terrarium hielt und beobachtete… Da offenbar aus Versehen statt zweier gleichgeschlechtlicher Mäuse aber ein Pärchen ins Haus gekommen war, reichte ein Terrarium bald nicht mehr aus, am Ende seiner „Mäuse-Phase“ tummelten sich die kleinen Viecher in 5 Terrarien….Irgendwann waren die meisten auf natürliche Weise von hinnen geschieden oder der Zoohandlung gegen Abgabe von Futter überlassen worden… man kann sich denken, wie „natürlich“ deren Ableben war.

Die lange Vorrede ist nötig, um klarzustellen, dass ich weder an einer Mäusephobie leide, noch mit Abscheu oder Entsetzen auf Mäuschen reagiere, die über die Terrasse laufen oder sich sogar mal ins Haus verirren. Aus dem Haus werden sie auf die ein oder andere Weise entfernt, im Garten führen sie ein freies Leben.

Aber nun dies!

Zuerst kam die Maus, dann starb die Queen und am Ende hatten wir Wasser in der Küche des Häuschens…

Am Morgen des 8. September erhielt ich per Smartie ein Foto, das eine selbstgebastelte Mausefalle zeigt. Der Zweitgeborene im Hause Rika, der gerade mit seiner Frau im Häuschen ein wenig Entspannung suchte, hatte es geschickt. Das Mäuschen war zur nachtschlafenden Zeit durch den Wohnraum geflitzt und hatte sich, als es unsere Schwiegertochter bemerkte, unter einen Küchenschrank geflüchtet. Die liebe Schwiegertochter war noch wach und telefonierte, als sie das Mäuschen durch die Gegend rennen sah. Der Gatte wurde gerufen, er suchte, aber fand die Maus nicht, baute daraufhin die Falle und legte sich schlafen, die leicht beunruhigte Ehefrau an seiner Seite. Kurz und unruhig war auch die Nacht. Ein Holzhaus knackt und gibt nächtens sowieso seltsame Töne von sich, bzw. hört man diese Töne in der Stille der Nacht besonders gut und laut. Wenn dann noch eine Maus ihr Unwesen treibt, ist es mit der Ruhe nicht weit her.

Per Telefon beratschlagten der Liebste und sein Sohn am Morgen des 8. September, woher die Maus gekommen sein mochte. Der Liebste erinnerte sich daran, bei unserem letzten Besuch, im Flur des Häuschens gesehen zu haben, dass die Dichtung im Fußboden, rund um die Eintrittstelle der elektrischen Zuleitung, einen Spalt aufwies. Da ein Holzhaus immer noch „arbeitet“, sind auftretende kleine Risse eigentlich nichts Besonderes, der Liebste widmete dem Loch keine weitere Aufmerksamkeit.

Das tat nun der Sohn – und entdeckte neben dem noch größer gewordenen Loch eindeutige Hinweise für das Vorhandensein einer Maus: zahlreiche Mäuseköttel.

Im Baumarkt wurde eine neue Kartusche mit Silikonpaste erworben und das Loch großzügig zugeschmiert. Der Sohn war mit seinem Werk zufrieden und wir zwei hier in unserem Dorf zufrieden mit dem Sohn und dem Foto, das er geschickt hatte. Der Tag war gerettet.

Und dann das!

Mein Telefon benachrichtigte mich vom Tode der Queen.

Nun kenne ich die Queen ja nicht näher, auch ist es nicht meine Queen, aber tief in meinem Herzen muss wohl noch ein Rest Ehrfurcht vor Königen, adeligen Ständen und damit verbundenen Zuständen in „Great Britain“ vorhanden sein.

Ich vermute, dass der Einfluss einer gewissen Jane Austen zu einer seltsamen Vorliebe fürs „Britische“ geführt haben wird, unterstützt von den spleenigen Geschichten um Inspektor Barnaby und der Soap-Serie Downton Abbey, deren Folgen ich ja inzwischen ebenso wie die „Austen-Filme“ mehrfach angesehen habe. (Das ist eine Marotte von mir, manche Bücher und auch Filme kann ich ein Dutzend Mal und mehr lesen und sehen und mich immer wieder an Einzelheiten ergötzen, die ich bei vormaligem Betrachten überlesen oder übersehen hatte.)

„Ich bin eine verkappte Monarchistin“, sagte ich zu meinem Bruder am Telefon, mit dem ich mehr oder weniger regelmäßig telefoniere und mit dem ich mich dabei auch über Nachrichten und Neuigkeiten aus allen Bereichen des Lebens unterhalte.

Elizabeth II war nur zwei Jahre jünger als unsere Mutter, die schon vor 13 Jahren starb.

Vielleicht ist es auch diese „zeitliche Nähe“, die mich berührt, auch wenn das Leben dieser beiden Frauen unterschiedlicher kaum sein konnte.

Im Rückblick auf die historischen Gegebenheiten, auf Diktatur und Krieg und Elend hierzulande, auf Krieg, Elend und Tradition einer seit Jahrhunderten bestehenden Monarchie dort, nötigt mir das Leben der britischen Königin mindestens so großen Respekt ab, wie das Leben und die Leistung meiner Mutter mir liebevolle Anerkennung und Würdigung aufträgt.

Im Nachdenken über die vergangenen Jahre kam mir der folgende Satz in den Sinn:

„Und ich beneide ihn“, sagt der männliche Held, Mr. Knightley in Buch und Film „Emma“an einer Stelle über einen anderen Protagonisten. Der Grund seines Neids ist hier nicht von Belang. Aber dieser Satz hat sich mir tief eingeprägt und fiel mir jetzt in leichter Abwandlung ein:

„Und ich beneide sie!“

Die Briten nämlich, die unbekümmert um die Vergangenheit, ihre Traditionen und Rituale pflegen, im kollektiven Jubel ebenso zusammenstehen, wie in tiefster Trauer. (Das Thema Macht, Kolonialismus und Rassismus will ich hier nicht behandeln, es spielt natürlich eine wesentliche Rolle in der Geschichte Großbritanniens und des britischen Empire.!)

Nationalstolz, Nation – wie hadern wir hier in Deutschland nicht nur mit den Begriffen, sondern auch mit ihrer Bedeutung und stellen beide schnell unter den Generalverdacht, nationalistisch zu sein.

Ich sah mir im Fernsehen die Sendungen mit den Nachrufen auf die verstorbene Königin an, seufzte ein bisschen über das traurige Ereignis, das die Briten getroffen hatte und ging zu Bett.

Im Übergang zum 9. September traf mich der nächste Schock! Mein Telefon versorgte mich mit einem Video-Schnipsel, das mich in sofortigen Alarm versetzte.

Wieder war es eine Beobachtung unserer Schwiegertochter, die den Alarm auslöste. Sie war auf Socken in die Küche gegangen – und die Socken wurden nass! Es war aber kein Wasser vom Waschbecken auf den Boden getropft, das Wasser quoll aus einer Fuge zwischen den Fliesen. Es musste also irgendwie unter die Fliesen gelangt sein und hatte dort möglicherweise schon großen Schaden angerichtet.

An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich durchsuchte mein Fotoarchiv nach den Bildern vom Auf- und Ausbau des Häuschens, der Liebste beschäftigte sich mit den Unterlagen der Versicherung.

Gegen 3.00 morgens sanken wir aufgedreht und todmüde zugleich ins Bett.

Früh um 6.00 h war die Nacht vorbei…

Der Liebste fuhr mit unserer Volleyballgruppe nach Freiburg. Ich hatte an der Fahrt der langen Zugfahrt unter Maskenpflicht wegen nicht teilnehmen wollen.

Wie gut, dachte ich, dass ich nicht mitgefahren bin.

Ich führte zahlreiche Telefonate mit unserem Bauunternehmer und mit Handwerkern vor Ort an der Küste…

Wie gut, dass der Samstag (10. 9.) nicht auch noch mit Hiobsbotschaften aufwartete, sondern mir die besondere Freude bescherte einen der drei Geburtstage zu feiern, die am 8., 9. und 10. in der Familie anstehen.

Katastrophenmeldungen an Geburtstagen sind nämlich gar nicht schön….

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