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Hin- und hergerissen… 26. September, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Hin- und hergerissen bin ich angesichts einer Meldung, die die ARD heute veröffentlicht:

Die Deutsche Umwelthilfe regt an, dieses Jahr die Weihnachtsbeleuchtung wegzulassen – wegen der Energie-, aber auch der Klimakrise. Allein der private Stromverbrauch dafür entspreche dem einer mittleren Großstadt pro Jahr.

Das Bild, das sie zur Illustration dieser Forderung eingestellt hat, entspricht dabei ganz sicher nicht den Vorstellungen der Mehrheit der Bevölkerung, was den adventlichen Lichterschmuck privater Haushalte angeht. In meinem Dorf habe ich jedenfalls noch nie in den vergangenen 40 Jahren ähnliche Beleuchtungsorgien zur Weihnachtszeit gesehen, wohl aber festlich mit Schwibbogen und ähnlichen Aufstellern geschmückte Fenster oder einfache Lichterketten an Haustüren oder kleinen Bäumchen im Vorgarten.

„“Angesichts des Kriegs in der Ukraine, der Energieknappheit, aber auch aus Gründen des Klimaschutzes sollten wir einmal innehalten“, so Resch. Er wies auf den Stromverbrauch hin: „Allein die privaten Beleuchtungsorgien verursachen pro Jahr einen Stromverbrauch von über 600 Millionen Kilowattstunden – so viel wie eine mittlere Großstadt mit 400.000 Einwohnern im Jahr verbraucht.““

Natürlich kann man im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichten, wobei ich mich daran erinnere, dass im Nachkriegsdeutschland während der Adventszeit Kerzen in die Fenster gestellt wurden, um auf die immer noch nicht heimgekehrte Kriegsgefangenen hinzuweisen. Immer wieder haben Menschen Kerzen angezündet, um auf einen Verlust, auf ein Unrecht, auf politisch Verfolgte aufmerksam zu machen. Warum also nicht auch ein Licht FÜR die Ukraine entzünden?

Natürlich kann man angesichts der Energiekrise auf die Weihnachtsdeko verzichten. Der Verzicht auf die sonst übliche Weihnachtsdekoration wäre einerseits sogar richtig.

Er entspräche nämlich dem eigentlichen Charakter dieser Zeit, die in den früheren Jahren der Christenheit als Fastenzeit galt, in der es um die Besinnung auf das Wesentliche ging, nämlich auf die Erinnerung an die Geburt des Erlösers. Dies, die Adventszeit als Fastenzeit zu erleben und zu gestalten, ist in den letzten Jahrzehnten (Jahrhunderten?) dem öffentlichen Bewusstsein verloren gegangen.

Auf der anderen Seite wird Christus als das von Gott gesandte „Licht“ gefeiert, das den Menschen Hoffnung und Weisung gibt. Jesus selbst sagt von sich „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh. 8, 12) und fordert auch seine Nachfolger auf, „Licht der Welt“ zu sein, womit aber ganz sicher nicht der Sinn auf „Beleuchtung“ gelegt ist, wie wir Licht im Allgemeinen verstehen.

Die Ankunft dieses „Lichts“ symbolisch in der Adventszeit zu feiern, indem wir Kerzen anzünden und Lichter am Abend in die Fenster stellen, sollten wir trotz der Energiekrise und trotz aller Bemühungen um die Rettung des Planeten nicht aufgeben, ist es doch ein Zeichen dafür, dass wir aus einem anderen „Licht“ leben als dem, das durch Kraftwerke, gleich welcher Art, mit Strom versorgt und betrieben wird.

Es tut darüber hinaus auch der Seele gut, der Dunkelheit der vor uns liegenden Jahreszeit ein „Licht aufzustecken“, das im wahrsten Sinne des Wortes das Dunkel erhellt.

Dass man dabei aber in Maßen vorgehen sollte – und das betrifft ganz sicher auch die bisher so üppigen Beleuchtungen der Innenstädte zur Haupteinkaufszeit des Jahres -, das versteht sich doch von selbst.

Doch der Mensch lebt eben nicht nur von „Brot allein“, wie die Bibel es in einem anderen Zusammenhang sagt. Wir Menschen benötigen zu unserem Wohlergehen auch Symbole, Zeichen, Rituale, die uns Trost und Hoffnung geben und sogar gerade dann leuchten, wenn die Aussichten dunkel und alles andere als verheißungsvoll und gut sind.

Lasst uns also sorgsam mit dem Licht des Lebens umgehen, im realen, wie im übertragenen Sinn und trotz aller Mängel Lichter anzünden, mit dem Gedanken an den, der die Hoffnung der Welt ist und dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern — und dessen Wiederkunft wir gerade in der Adventszeit hoffnungsvoll entgegensehen.

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