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Demokratie – kein Traum…. damals! 24. Juni, 2017

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, emanzipation, gesellschaft, politik.
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Regierungserklärung von Bundeskanzler Willy Brandt vor dem Deutschen
Bundestag in Bonn am 28. Oktober 1969

Ich war im gleichen Monat 20 Jahre alt geworden.

11 Jahre später bin ich in die  SPD eingetreten …. es war das Jahr, in dem Strauß mit Macht an die Macht drängte…

Heute frage ich mich, was ist aus „meiner“ SPD geworden – und warum vertritt sie nicht mehr kraftvoll die Politik, die Willy Brandt in seiner ersten Rede als Bundeskanzler dem Parlament und der deutschen Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Sein denkwürdiger Satz,“mehr Demokratie wagen„, ist in dieser Rede gefallen – hängen geblieben bis heute.

Die Kanzlerin von heute setzt dem ihr mutiges „alternativlos“ entgegen und lullt uns ein mit ihrem inhaltsleeren Mantra „wir schaffen das „, wobei nicht so ganz klar ist, wer „wir“ ist und was „das“ sein soll und selbst das schöne Wort „schaffen“ bleibt nichts als ein schönes Wort, wie eine „Mutti“ es zu einem kleinen ängstlichen Kind sagen könnte…. „Keine Angst, wir schaffen das, morgen sieht die Welt / der Kindergarten / die Schule   / der Freund  /  der, die, das, wer oder was auch immer   schon wieder ganz anders aus ….  Mutti  ist ja da!“

Ich kenne solche Sätze,  nur dass ich zu meinen Kindern selten gesagt habe „wir schaffen das“,  ich habe eher gesagt : Nur Mut, DU schaffst das. Ich traue DIR das zu und ich vertraue DIR! DU wirst es schon machen. Und auch:  Hab keine Sorge, wenn es dir doch nicht gelingt, „wir“ kriegen es hin, damit klar zu kommen, ich werde dich nicht dafür tadeln.

Die Kanzlerin fasst einsam weit rechende Entschlüsse und geht dann zum „wir“ über, das diese Entschlüsse umzusetzen oder einfach nur zu schlucken hat.

Gegenargumente?

Fehlanzeige  – sie werden einfach nicht gestattet.

Statt des „mündigen Bürgers“ haben wir wieder das Volk zu sein, das einem Führer blind vertrauen soll –  mehr Wissen, nähere  Auskünfte würden uns nämlich verunsichern,  wie der Innenminister in fürsorglicher Unterschätzung „unserer“ Fähigkeiten zur Selbstbestimmung und Eigenverantwortung uns, dem Volk mitteilte.

Das Denken und  eigene Entscheiden bitte einstellen, denn das ist nicht hilfreich. 

Das gilt nicht nur in Fragen der Sicherheit, der Klimaforschung, der Internetnutzung, der Griechenlandrettung, der Flüchtlingskriese, der Energieversorgung, des Elterngeldes, des Bildungsnotstandes, der Bankenrettung, der Gesundheitsreform, der Rentendiskussion, des Militärwesens, der Ernährungsfragen, der Ehe für alle, der Mitsprache, der parlamentarischen Entscheidungsprozesse, der Einteilung in Gut und Böse  und der Religionsfreiheit so!

Das ist das eigentliche, alternativlose Regierungsprogramm der Kanzlerin.

Was ist aus Brandts „MEHR DEMOKRATIE WAGEN“   geworden?

Ein Parlament, das abnickt was die Regierung (Frau Merkel) alternativlos vorgibt, eine Opposition, die die Bezeichnung  nicht verdient, ein Souverän, dem im Laufe der letzten 12 Jahre jegliche Lust auf „Alternative“ ausgetrieben wurde, wohl gemerkt zu einer Zeit, als es die Partei AfD noch gar nicht gab. Die Kanzlerin verkündete, das Parlament stimmte zu, die Medien applaudierten und der deutsche Michel legte sich beruhigt schlafen. Nix „mehr Demokratie wagen“, nicht mal in den früher so aufmüpfigen Medien, die keinen Kanzler ungeschoren davon kommen ließen. „Wie hat sie das nur angestellt?“, habe ich mich oft gefragt. Mit süßestem „kleines  Mädchenlächeln“  die stärksten Konkurrenten in die Pfanne hauen – und fast keiner merkt was, fast keiner sagt was, fast keiner widersteht? Nicht mal der starke Bayer, der tat und tut immer nur so, bevor auch er dahin schmilzt wie Butter in der Sonne.  (Den Aufmüpfigen in der Kanzlerpartei ist das ja auch schlecht bekommen…. und den anderen, die das ziemlich fassungslos mit ansehen mussten, ist so die Lust auf Revolte schnell vergangen. Kein (Männer)Andenpakt und keine Super-Konnektion.  )

 

Ich war noch keine 50 Jahre alt, als Roman Herzog im April 1997 seine berühmte Ruck-Rede im Berliner Hotel Adlon hielt:  „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.  

Zitat aus der Rede:

Ich will heute abend kein Blatt vor den Mund nehmen, sondern die Probleme beim Namen nennen.

Was ist los mit unserem Land? Im Klartext: Der Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft, eine unglaubliche mentale Depression- das sind die Stichworte der Krise. Sie bilden einen allgegenwärtigen Dreiklang, aber einen Dreiklang in Moll.

 

Der Dreiklang in Moll hatte sich langsam aber sicher in der langen, sehr, sehr langen Regierungszeit Helmut Kohls des Starken gebildet. (Nein, dies ist nicht mein Nachruf auf den verstorbenen Bundeskanzler!)

Auch Kohl duldete keinen Widerspruch, wenngleich er selbst nicht davon redete, dass seine Politik „alternativlos“ sei.

 

Müssen CDU-Kanzler eigentlich wirklich jeweils die Amtszeit Adenauers überbieten? Können die den großen „Alten“ nicht einfach Geschichte sein lassen? Und könnte man die Regierungszeit eines Kanzlers nicht auf 8, maximal 10 Jahre begrenzen, egal, welcher Partei er angehört?  Das würde „Ruck“ und „Mut“ sicher Auftrieb geben…

 

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Als Willy Brandt im Oktober 1992 starb, wurde  ich im selben Monat 43 Jahre alt…. ich erfuhr von seinem Tod im Eged-Bus zwischen Haifa und Tel Aviv…

Seine Regierungserklärung kann man hier nachlesen.

 

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„So geht Integration….“ 2. Oktober, 2015

Posted by Rika in aktuell, einwanderung, emanzipation, frauen, gesellschaft, integration, muslimische frauen, politik, sharia, vollverschelierung.
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3 comments

schrieb eine Nutzerin bei facebook

und postete den Beitrag über  die wunderbare Hilfsbereitschaft vieler Frauen, die einer  Flüchtlingsfrau einen Friseurbesuch ermöglichen wollten. Das Problem war weniger die Finanzierung einer solchen Hilfeleistung, als vielmehr die Tatsache, dass die Betroffene unter dem Recht von Sharia und Ehemann steht. Der Ehemann untersagt seiner Frau, die Vollverschleierung im öffentlichen Raum abzulegen oder sich gar – was beim Barte des Propheten ganz und gar nicht erlaubt ist – von einem männlichen Friseur bedienen zu lassen, ja, nicht einmal die Anwesenheit eines Mannes in dem entsprechenden Salon sei statthaft, man benötige vielmehr einen separaten Raum, zu dem – außer dem Ehemann natürlich – nur weibliche Arbeitskräfte Zutritt haben (die ja eigentlich nach  islamischer Logik ebenfalls verschleiert sein müssten, damit der Eheman sein lüsterndes Auge   nicht über Gebühr im Zaum halten müsste…)

Es meldeten sich ungemein viele Frauen, die Adressen von halal-Friseurläden posteten, um das nett gemeinte Angebot eines Friseurbesuches für eine Flüchtlingsfrau zu ermöglichen.

Aber „geht so Integration“?

So geht Hilfsbereitschaft, aber nicht Integration.

Denn das, was die Frauen so liebevoll-freundlich anbieten, ist doch nichts anderes als die Zementierung der Separation sehr traditioneller muslimischer Frauen vom öffentlichen Leben. Die Frau gilt  als Eigentum des Mannes und kein anderer Mann soll sie zu Gesicht bekommen.

Haben wir Frauen in Deutschland  jahrelang Debatten zum Thema „Emanzipation“ geführt, um vor einer religiös-archaischen Männersippe den Bückling zu machen?

Viele Frauen in Deutschland regen sich meiner Meinung nach zu Recht darüber auf, dass die katholische Kirche Frauen den Zugang zu sämtlichen kirchlichen und geistlichen Ämtern bis heute verweigert.  – Ich möchte allerdings ausdrücklich hervorheben, dass die evangelische Kirche das bis vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls getan hat und in manchen Freikirchen auch heute noch nach dem Wort des Apostel Paulus verfahren wird, das da lautet: „Das Weib schweige in der Gemeinde.“

Aber es herrscht doch ein geradezu lautes Schweigen der (gleichen ?)  Frauen, wenn es darum geht, den Herrschaftsanspruch muslimischer Männer über ihre Frauen an den öffentlichen Pranger zu stellen. Die gleichen muslimischen Männer, die ihre Frauen unter Kopftuch, Niqab oder Burka zwingen, begrapschen unverschleierte (deutsche) Frauen mit den Augen und ihre Bezeichnungen für modern und  westlich gekleidete Frauen sind alles andere als schmeichelhaft. (Das Problem, dass muslimische Väter nicht mit Lehrerinnen reden wollen, weil sie eine FRAU sind, gibt es ja nicht erst seit heute, ist aber bisher in der Öffentlichkeit weitgehend unter den Teppich gekehrt worden,)

Warum weisen wir diese Männer nicht in die Schranken?

Warum machen wir nicht SIE für die Zügelung ihrer scheinbar überbordenenden sexuellen Lust verantortlich, statt ihnen zuzugestehen, ihre Frauen unter Kartoffelsack ähnlich Gebilde zu stecken oder sie gleich ganz aus dem öffentlichen Leben fern zu halten, nur damit ja kein anderer Mann auf schmutzig-unzüchtige Gedanken kommen kann?

Haben wir nicht dafür gekämpft, dass Frauen nicht nur nominell vor dem Gesetz gleichberechtigt sind, sondern auch als gleichwerte und gleich wertvolle Menschen in der Gesellschaft geachtet werden, deren Wort etwas gilt, deren Argumente man ernst nimmt? Sollten unsere Politikerinnen  am Ende nur die Alibifrauen sein, die öffentlich die Verwirklichung des Gleichheitsanspruchs dokumentieren, gleichsam ala  „lass die Mädels man reden, machen tun wir!“? Die Kanzlerin quasi als erste Machtquotenfrau Deutschlands (Heide Simonis möge mir verzeihen… 🙂 )!

Das kann es doch nicht sein!

Als ich vor gut 40 Jahren meinen damaligen Schulrat fragte, ob das Dienstrecht es zuließe, dass ich neben meiner Arbeit an der Schule ein Psychologiestudium aufnehme, antwortete dieser wirklich sehr, sehr freundliche und nette Herr, dass es dem Dienstrecht völlig gleichgültig sei, ob ich in meiner Freizeit Tennis spielte oder studierte, aber „Frau Rika, besinnen Sie sich doch auf ihre wahren Werte als Frau und Mutter!“  Zu einem der Themen meiner mündlichen Prüfung im zweiten Examen wählte ich „Emanzipation“, was mir die freundliche Belehrung seitens des Schulrates (bei Einreichung meiner Themen) einbrachte, Emanzipation bedeute „aus der Hand geben“ was dem Ursprung nach meinte, eine Tochter aus der väterlichen Gewalt zu entlassen …   und vermutlich hat er in Gedanken hinzugefügt, aber nur, um sie der Gewalt des Ehemanns unterzuordnen.

Mehr als vierzig Jahre ist das her. Ein langer Zeitraum für mich, aber ein Klacks in der gesellschaftlichen Entwicklung seit der Zeit der alten Römer. Dass die Entwicklung der Emanzipation der Frau bisher an den  Männern im muslimischen Kulturraum vorbeigegangen ist, bedeutet aber doch nicht, dass ich diese Männer als Frau aktiv darin unterstütze, in ihrem archaischen Denken zu verbleiben. (Das gilt auch für die immer noch in christlich frommen Kreisen anzutreffenden Haltungen und Vorstellungen.)

Integration in unsere Gesellschaft kann nicht bedeuteten, dass wir die Entwicklung anhalten oder sogar zurückdrehen. Muslimische Männer haben sich unserer Rechtsvorstellung anzupassen, nicht wir unsere Rechtsvorstellung den muslimischen Männern.

……..

Und ich hoffe sehr, dass es mehr als Wahlkampfgetöse ist, was Julia Klöckner zu diesem Thema zu sagen hat und dass sie damit eine Debatte angestoßen hat, die nicht so bald verstummt. Manches braucht einen langen Atem.

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