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45…. 13. August, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
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Eines der Enkelkinder hatte Geburtstag und das sollte natürlich gefeiert werden. Und, so dachte ich, wenn die auswärtigen Tanten und Onkel ohnehin ins Hannöversche zur Geburtstagsfeier kommen, können wir doch gleich auch unseren Hochzeitstag mit ihnen gemeinsam so ein kleines bisschen feiern. Immerhin stehen 45 Jahre auf unserem Eheguthaben.

Meine telefonischen Absprachen dazu mit einem unserer Kinder endete mit dem sehr energischen Einspruch des Liebsten:

Wir sind an dem Tag nicht da!

Wie, wir sind nicht da? Keine Geburtstagsfeier, kein Kaffeetrinken oder nettes Grillen mit der ganzen Familie?

„Genau! Wir sind nicht da!“

„Ähhh, wo sind wir denn?“

Weg!“

„So ??“

„Und damit du es genau weißt, wir sind von Freitag bis Dienstag weg!“

„Aha!“

„Und leider hast du mir nun die ganze Überraschung zum Hochzeitstag verdorben, denn eigentlich wollte ich  dir am Freitag beim Frühstück so ganz nebenbei sagen: ‚Pack ein paar Sachen zusammen, wir fahren bis Dienstag weg!'“

Da wusste ich dann erst mal nichts mehr zu sagen….

Nach einer kleinen Pause dann ganz zaghaft. „Wohin fahren wir denn?“

„Wird nicht verraten!“

„Aber was soll ich denn einpacken?“

„Alles!“

Und mehr wollte der Liebste tatsächlich nicht preisgeben.

Noch im Auto am besagten Freitagmorgen ging mein Rätselraten weiter…. aber es kam keine Antwort auf meine Fragen ….  nach Norden ging es auf der A 7… an Hamburg vorbei auf der A1 … der Wechsel auf die A20…  und da kam mir dann ein leiser Verdacht… und als wir uns Rostock näherten, aber doch vorher abbogen, da war es  dann klar:

Zum Darß ging es, nach Prerow.

Wunderbare Tage… so schön!

Die Rückfahrt führte uns nach Güstrow  und unseren Lieben dort. Ein sonnig-schönes und herzliches Zusammensein rundete die „Überraschung“ ab. Welch eine großartige Idee des Liebsten, schon von langer Hand geplant und vorbereitet.

 

Ist er nicht wirklich der liebste und beste Ehemann von allen?

 

(Wir vor 41 Jahren….. NICHT am Darß…. )

Dankbar blicke ich zurück auf diese 45 Jahre… was haben wir nicht alles miteinander erlebt … Höhen und Tiefen …  Freud und Leid … Schmerz und Unbeschwertheit, so gute und so reiche Jahre… die Kinder … die Berufstätigkeiten … Freunde … Gemeinde … Sport …. Ehrenamt … Reisen … Vergnügen … Ruhestand … Schwiegerkinder … Enkel …

Gott hat es gut gemeint mit uns.

Aus tiefstem Herzen Dank an meinen Liebsten für die guten Jahre mit ihm 

Aus tiefstem Herzen Dank an Gott für alles Gute … alles Erlebte … für Bewahrung und Segen…

 

(Das schrieb ich vor 5 Jahren 🙂  )

 

 

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Himmel und Tod… 7. März, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
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Gestern schrieb ich den Beitrag „Ein Himmel für den Schneemann“ und erzählte darin von meiner kleinen Enkelin.

Für uns als Großeltern ist es spannend und schön zu erleben, wie sich die Enkel entwickeln, sich ihr Denken immer mehr entfaltet, ihr Fragen sich auch den „nicht sichtbaren Gegenständen“ zuwendet,  das magische Denken dabei Phantasie und Weite ermöglicht und sich doch langsam wandelt hin zum konkreten.

Im vorigen Jahr wird es gewesen sein – so genau erinnere ich es nicht – dass das kleine Mädchen wieder einmal die Familienbilder an der Wand im großväterlichen Arbeitszimmer betrachtete und dabei die Personen klar erkannte, die ihr im Familienkreis vertraut geworden sind… Mama und Papa natürlich, die Brüder, Oma und Opa, Tanten und Onkeln. Bei dem Bild meines Schwiegervaters stutzt es, diesen Mann kennt es persönlich nicht. Wer das sei, möchte es vom Großvater wissen. „Das ist mein Vater“, erklärt der Opa und ergänzt, dass der „Vater“ aber schon gestorben sei. Die Kleine denkt eine Weile nach, dann stampft sie heftig mit dem Fuß auf und sagt gleichzeitig und sehr energisch: „Tot! Peng!“

Der Großvater ist verblüfft. Stampfen –  tot – Peng, das ergibt im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen doch gar keinen Sinn. Behutsam fragt er nach.

Was so makaber anmutet, hat aber einen sehr realen Hintergrund. Dazu muss man wissen, dass vor allem die Mutter des Mädchens nahezu alle Lebewesen unterschiedslos achtet und wertschätzt und niemals auf die Idee käme,  eine Fliege zu töten, geschweige denn  größeres Getier.

„Sag mal E.“ fragt der Großvater, dem es inzwischen dämmert, was die Kleine meint, „hast Du schon einmal einen Käfer oder eine Ameise ganz doll getreten und waren die dann tot?“  Die Enkelin schaut ihren Opa vertrauensvoll an,  bestätigt das und stampft wieder heftig auf  „Tot – Peng!“ Und nun wird die Sache klarer,  die Mutter,  die das alles beobachtete, so ist zu vermuten, hatte wohl dem Kind gesagt, dass man nicht auf Tiere tritt, weil die dann nämlich tot sind. Der  Begriff „tot“ war dem Mädchen bisher nur in dieser Form verständlich begegnet, verknüpft an die Handlung des Zutretens, eben „Peng“.

Der Opa ist ein ebenso liebevoller und einfühlsamer wie professioneller Psychologe  und erklärt seiner kleinen Enkelin, dass Menschen sterben weil sie alt oder krank sind. E. hört aufmerksam zu.

Vor noch gar nicht so langer Zeit blätterte ich mit E. in einem alten Fotoalbum. Ein großes Bild meiner Mutter hatte es ihr angetan. „Wer ist das?“ war die prompte Frage. „Meine Mutter, deine Uroma!“ antwortete ich. Auf die Frage, wo diese Uroma sei (ihre Uroma mütterlicherseits lebt noch, daher die berechtigte Frage), antwortete  ich ihr, dass meine Mutter alt und krank gewesen und deshalb schon gestorben sei. Aber diese Auskunft befriedigte die Kleine nicht. Wo sie denn nun sei, wollte sie wissen. Und ich erzählte ihr von meinem Glauben daran, dass meine Mutter, ihre  Uroma,  nun bei Gott sei … im Himmel. Wir redeten noch ein bisschen über „den Gott“  wie sie sagt  und den Himmel. Gott ‚kennt‘ sie schon aus biblischen Geschichten und (Tisch)-Gebeten.

Die Verknüpfung von Tod und Himmel schien ihr  gut verständlich zu sein.

Und so geht es weiter in der Bildung der Assoziationskette bis zum ‚Himmel für den Schneemann‘:

Die Großeltern mütterlicherseits hatten jahrelang zwei Katzen, die im Laufe der letzten Wochen beide verstarben. Vermutlich haben die Großeltern die Enkel damit getröstet, dass die Katzen jetzt im ‚Katzenhimmel‘ seien, eine Erklärung, die manche Erwachsene  oftmals Kindern geben, um ihnen den Verlust erträglich zu machen.

Und so – denke ich mir – war es für E. ganz selbstverständlich anzunehmen, dass auch der Schneemann nun im Himmel sei. Denn noch macht sie keinen Unterschied zwischen der belebten und unbelebten Welt, wird Puppen, Stofftieren und eben auch Schneemännern ebenso  „Leben“ zugesprochen wie Menschen und Tieren (und Pflanzen).

Das „Abstrakte“ wird  im konkreten Denken verständlich. Denken und Verstehen wird  Tag für Tag mehr und ist so der  wesentliche Prozess bei der kindlichen „Eroberung der Welt“.

Ihre – durch keinerlei Bedenken gefilterten –  Äußerungen machen ihr Denken für uns transparent.

Es ist schön, dass wir Großeltern diesen Prozess in der Entwickelung der Kinder miterleben können und dürfen.

Dafür bin ich sehr dankbar.

 

 

Ein Himmel für den Schneemann… 6. März, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie, Kinder - Famile.
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Am Sonntag war die junge Familie bei uns – wie so oft und zu unserer  Freude.

Spät am Nachmittag sollte es zurück ins eigene Heim gehen. Beim Verabschieden von uns Großeltern treffen Kinder und Enkel auf die freundlichen Nachbarn …. man kommt ins Gespräch über dies und das. Die Nachbarin unterhält sich mit dem jüngsten Enkelkind. Das kleine Mädchen ist fast  dreieinhalb Jahre alt und findet es toll mit der netten Frau zu reden.

Die großen Brüder spielen lieber mit den letzten Schneeresten die noch im Hof liegen und natürlich machen sie auch Schneebälle und werfen vorsichtig in die  Richtung der Erwachsenen. Die Frau Nachbarin formt nun ihrerseits einen Schneeball, aber nicht um ihn zu werfen. Sie setzt ihn vorsichtig auf die Bordsteinkante….   rollt einen zweiten, kleineren und  legt ihn auf den ersten. Von der niedrigen Buchsbaumhecke zupft sie zwei winzige Blättchen ab und drückt sie in den kleineren Ball….  das sind die Augen!, erkennen wir. Als Nase spendiere ich ein Streichholz…  Das kleine Mädchen ist entzückt.  …. „Noch einen“, bittet sie und so entsteht ein weiterer kleiner Schneemann.  Und noch einen baut die nette Frau von nebenan, einen noch kleineren. Da stehen sie nun, weiß, kalt und fein. Sie sehen aus wie Vater, Mutter, Kind der Familie Schneemann. Die letzten Schneemännerchen im Hof.

Gestern, wie immer am Oma-und-Opa-Tag, geht der Großvater mit den beiden jüngeren Enkeln zum Kinderturnen.  Die Drei müssen an den Schneemännerchen vorbei.  Die plötzliche „Wärme“ hat den kleineren der Schneemänner schon schmelzen lassen.

Das kleine Mädchen betrachtet den traurigen Rest, denkt lange nach  und kommt dann zu einem tröstlichen Schluss und sagt:

„Der ist jetzt schon im Himmel.“

 

 

Vor 94 Jahren wurde sie geboren… 20. Februar, 2018

Posted by Rika in familie, meditatives.
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meine Mutter.

Doch solange ich denken kann, gab es immer diesen Mann an ihrer Seite….

 

verlobungsbild-oma-opa

Das Verlobungsbild meiner Eltern  – Silvester ’42

Aber auch daran muss ich heute denken:

Denn heute vor 9 Jahren haben wir sie aus dem Krankenhaus geholt – nach intensiven Verhandlungen meines Bruders ( Prof. Dr. med)) mit einem Stationsarzt, der unsere Mutter weiteren diagnostischen Behandlungen zuführen wollte, obwohl wir alle doch wussten, dass ihr Leben sehr bald zu Ende gehen würde. Der sie ambulant betreuende und behandelnde Kardiologe hatte ihr bei einer gut 14 Monate zurückliegenden Kontrolluntersuchung gesagt, dass ihre Lebenszeit ohne eine notwendige Operation auf maximal ein bis eineinhalb  Jahre begrenzt sein würde.  Sie hatte die Operation abgelehnt und wir hatten nicht versucht, sie dazu zu überreden. Wir hatten es akzeptiert, dass sie sehr klar bekannte, keine verlängernden Maßnahmen mehr zu wollen. Sie hatte in der Rückschau auf ihr Leben gesagt, dass es gut war und es nun gut sei „heimgehen“ zu dürfen, eintreten zu können in Gottes ewige Herrlichkeit.

Ich bin heute noch meinem Bruder sehr, sehr dankbar, dass er  mit seiner geballten Fachkompetenz  einen sehr  halsstarrigen Berufskollegen in die Schranken wies. Der Liebste und ich hatten alles versucht, die Mutter „frei“ zu bekommen,  waren aber daran gescheitert uns als „Nicht-Mediziner“  gegen einen Arzt durchzusetzen.

So haben wir zum letzten Mal Mutters Geburtstag feiern können …   in dem Pflegeheim  in dem die Eltern zuletzt lebten  …    gemeinsam mit ihren Mann, unserem Vater, der sein Krankenbett nicht mehr verlassen konnte.

Mutter wurde  von Tag zu Tag schwächer… ihr Herz hatte keine Kraft mehr.

 

 

Ihr langes, friedliches Abschiednehmen und Sterben hatte begonnen…

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden…“

Auch das fällt mir heute ein….

Ich bin dankbar für das Leben meiner Mutter, dankbar dafür, dass ich sie begleiten konnte bis an die Schwelle zur Ewigkeit …

„Elschen“, wie mein Vater seine Frau liebevoll nannte, wurde 85 Jahre alt.

Dank sei Gott für ihr Leben und für alles, was sie mir, was sie uns war.

 

Haben sie oder haben sie nicht…. 23. November, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie, gesellschaft.
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… einen Migrationshintergrund nämlich?

Die Rede ist von unseren Kindern.

„Wie das?“ werden sich diejenigen fragen, die mich und unsere Familie etwas kennen.

Dazu muss ich ein wenig ausholen:

Soweit ich die Generationenfolge meiner eigenen Herkunftsfamilie überblicken kann, besteht mein „Migrationshintergrund“ allenfalls darin, dass ein Teil der Vorfahren aus dem Wittgensteiner Land stammen, andere aus dem Westfälischen und wieder andere aus dem Lippischen und Bayrischem. Vor Napoleons Besatzung der Länder und auch wieder danach  waren das in Teilen  eigenständige Herrschaftsgebiete auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland.    (Die ausführliche Darstellung der geschichtlichen  Entwicklung  zur heutigen Bundesrepublik verkneife ich mir. Siehe dazu  „Deutsches Reich„)

Ganz anders sieht es bei der Familie des Liebsten aus:

Zwar ist der Meinige (in den letzten Kriegsmonaten) diesseits der Oder geboren, also bereits im heutigen Staatsgebiet der BRD, aber seine Eltern befanden sich zu dem Zeitpunkt auf der Flucht  „aus der kalten Heimat“***, wie es ein Cousin des Liebsten formulieren würde. Die Vorfahren der Eltern, mütterlicher- wie väterlicherseits,  waren (zu unterschiedlichen Zeiten) dem Aufruf der Zarin „Katharina der Großen“ gefolgt, hatten ihre Heimat in der Pfalz und im Schwäbischen verlassen und  sich „am Schwarzen Meer“, dem  Gebiet der heutigen Ukraine nahe Odessa niedergelassen. Das „Niederlassen“ muss man sich als einen langen und mühsamen Prozess unendlicher Arbeit bei der Urbarmachung des sehr dünn besiedelten,  Steppen ähnlichen  Landes vorstellen.

„Mütterchen Russland“ und die „Väterchen Zaren“ gewährten vertraglich geregelt  den Deutschen zunächst besondere Privilegien, die neuen Siedler erhielten Land zugewiesen, verbunden mit der steuerlichen Erleichterung während der ersten 10 Jahre, sie wurden nicht zum Militärdienst herangezogen und konnten eigenständige  „deutsche Gemeinschaften,  Dörfer und Städte“ bilden, mit eigenen Schulen und Kirchen. (Ich beziehe mich im Folgenden auf die Deutschen am „Schwarzen Meer“, denn dort lebten die Altvorderen des Liebsten.)

Nicht in der ersten, auch nicht der zweiten, aber ab der dritten Generation der „Kolonisten“  stellte sich ein bescheidenes,  Auskommen ein.

Mit dem Ende der Leibeigenschaft im Russischen Reich wurden auch die Privilegien der „Schwarzmeer-Deutschen“ aufgehoben.  Fast zeitgleich wurde das Kaiserreich in Deutschland gegründet und mit dem aufkeimenden neuen Nationalismus in beiden Ländern änderten sich  auch die  politischen Verhältnisse  für die Deutschen in Russland und wurden deutlich schwieriger, das zeigte sich u.a. an so einfachen Tatsachen, dass Russisch die allein zugelassene Amtssprache wurde. Die Großmutter des Liebsten hat Zeit ihres Lebens nur Deutsch gesprochen…. das Russische war ihr fremd.

Gänzlich ungemütlich aber wurde es  für die Deutschen in Russland – wie man sich leicht vorstellen kann – mit dem Beginn des 1. Weltkriegs. Die historischen Fakten sind bekannt.

In Russland folgte auf die Bitternis des Krieges der Schrecken der Revolution mit all ihren fürchterlichen Begleitumständen wie dem Bürgerkrieg mit wechselnden „Erfolgen“ und einer verheerenden Hungersnot.

Der Zar wurde zur Abdankung gezwungen, die Bolschewiki übernahmen das Regiment und wenig später kam Stalin an die Macht.

Damit begann nicht nur für die Deutschen eine furchtbare Leidenszeit. Im Zuge der Stalin’schen „Säuberungswellen“  wurden Tausend und Abertausende Menschen aus reiner Willkür verhaftet, in die grausamen Lager verbracht, ohne Prozess erschossen und, und, und.

Auch die große Familie meines Liebsten war davon betroffen …  Verbannung …. Verhaftung … Trudarmee … Enteignung … willkürliche Lagerhaft mit Todesfolge … Verhöre … Folter …. um nur einige Stichpunkte zu nennen.

 

Es würde hier zu weit führen, die Geschichte der ganzen Familie,  mütterlicher- wie väterlicherseits aufzuschreiben. Irgendwie gelang es den meisten von ihnen zu überleben ….  bis die nächste Katastrophe über sie und die Welt  hereinbrach: Deutschland überfällt die Sowjetunion, der „Große vaterländische Krieg“ beginnt. Die Deutsche Wehrmacht  erreicht und erobert auch die Ukraine. Die Wehrmacht bringt die in der Ukraine lebenden Deutschen unter ihren „Herrschaftsbereich“, so auch meine Schwiegereltern und ihre kleine Tochter  (des Liebsten ältere Schwester)  und ihre Angehörigen.

Nüchtern und sachlich beschreibt Wikipedia, wie es für sehr viele Deutsche in der Sowjetunion mit dem Fortschreiten des Krieges weiterging:

„Mit einsetzenden Gebietsverlusten der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg wurden Russlanddeutsche, insbesondere Schwarzmeerdeutsche, die in den nationalsozialistischen Herrschaftsbereich geraten sind, in den Warthegau umgesiedelt und erhielten die deutsche Staatsbürgerschaft („Administrativumsiedler“). „

Auch die Eltern des Liebsten gehörten zu denen, die von der deutschen Wehrmacht mehr oder weniger zwangsverfrachtet wurden in den Warthegau.  In den entbehrungsreichen Wirren des Krieges erkrankte das kleine Mädchen und starb an den Folgen der Krankheit und dem Mangel an Medikamenten.  Es muss für die Familie entsetzlich gewesen sein.    In  dieser  Familie lebten zu der Zeit  neben den Eltern des Liebsten auch die Oma und die Schwester meiner Schwiegermutter  – unsere Tante Lina – und ihr 6-jähriger Sohn. Im weiteren Kriegsverlauf  gelang es der Familie  mit einem großen Transport zunächst  Frankfurt an der Oder zu erreichen und in der Nähe in einem Lager notdürftig unter zu kommen. Der Liebste wurde in diesem Lager geboren. Nur drei Monate später mussten sie erneut aufbrechen, die Front näherte sich unaufhörlich und  unüberhörbar. Und sie hatten  „Glück“. In der Nähe des Lagers rastete ein großer Treck und inmitten der Gespanne entdeckte der Vater Leute aus seinem ehemaligen Dorf. Die willigten ein, dass die Großmutter und  die Mutter mit dem Säugling im Kissen auf dem Wagen mitfahren durften, der Vater, Tante L.  und ihr Sohn  gingen wie so viele andere auch zu Fuß neben dem Gespann. Ende Februar 1945 verließ der Treck das Lager an der Oder. Die kleine Familie kam mit dem Treck  bis Wittstock und irgendwie in all dem Durcheinander der letzten Kriegswochen erreichten sie per Bahn ein kleines Dorf in Holstein.  Verwandte des von den Sowjets schon 1937 verschleppten Ehemanns unserer Tante L. lebte dort.  Die Verwandten waren schon in den späten 20-er Jahren aus der Sowjetunion nach Deutschland zurückgekehrt.

Ihr Ehemann selbst aber  war in der Hochzeit der Stalin’schen Säuberungen  eines Tages direkt von seiner Arbeitsstelle in Russland von den Schergen des KGB abgeholt worden, alle Versuche, etwas über seinen Verbleib zu erfahren, waren erfolglos geblieben. Zu der Zeit war Tante L. mit ihrem ersten und einzigen Kind schwanger. Die Mutter des Liebsten  nahm ihre Schwester bei sich auf und sorgte durch ihre Arbeit für das Überleben. Auch nach der Heirat meiner Schwiegereltern blieben alle zusammen.

Und so führte sie der Weg bis in das holsteinische Dorf.

 

Bei Wiki heißt es weiter:

Der Großteil der Administrativumsiedler wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der Zwangsrepatriierung nach Russland zurückgebracht. Erst im Rahmen der Ost-West-Entspannung dürfen in den 1970er und 1980er Jahren über 70.000 Russlanddeutsche nach Deutschland umsiedeln.[

Was in nüchternem Amtsdeutsch und  die ganze und  eigentliche Tragik der Betroffenen verschleiernd mit „Zwangsrepatriierung“ bezeichnet wird, besagte nichts anderes, als das nach dem Abkommen (der Siegermächte von Jalta) alle Personen, die vor dem Krieg zum Staatsgebiet der Sowjetunion gehörten und während des Krieges in den Westen nach Deutschland gelangt waren, von den Alliierten an die Sowjets ausgeliefert und in die Sowjetunion zurück verbracht wurden. Allerdings nahm Mütterchen Russland diese Unglücklichen  nicht an ihr liebendes mütterliches Herz, sondern verfrachtete sie in die unwegsamsten Gegenden  Sibiriens oder in die kasachische Steppe, wo sie unbehaust schwerste Zwangsarbeit verrichten mussten und es ihnen unter Strafe verboten war, das ihnen zugewiesene Gebiet zu verlassen – schon gar nicht durften sie in ihre Dörfer am Schwarzen Meer zurückkehren.

Viele Menschen überlebten schon den Transport nicht… noch mehr kamen in den Lagern um.  Erst nach Stalins Tod konnten die Deutschen (und andere von den Sowjets verschleppte Minderheiten) freier über ihren Wohnort verfügen. Eine Ausreise nach Deutschland war aber für die meisten für Jahrzehnte unmöglich.

Aber meine Schwiegerfamilie hatte  „Glück“.

Im Gegensatz zu dem weitaus größten Teil der riesigen  Familie blieben sie nämlich von der so lapidar genannten „Zwangsrepatriierung nach Russland“ verschont, weil der Bürgermeister des kleinen Dorfes den Engländern, die in dem Teil Deutschlands das verhandelte Abkommen mit der Sowjetunion umzusetzen hatten,  auf deren Frage nach „Sowjetbürgern“ erklärte, in seinem Dorf gäbe es keine Sowjetbürger.

Wie durch ein Wunder gelangte auch ein Bruder des Vaters ins holsteinische Dorf und eine weitere Schwester der Mutter mit ihrem Mann. Sie wohnten in einem kleinen Raum auf dem Kornboden eines Bauern, der sie wohl freundlich aufgenommen hatte. Die jüngere Schwester des Liebsten wurde dort geboren.

Und als ein Wunder erschien es den in Holstein Gestrandeten wohl auch, dass sie von einigen wenigen Verwandten, so auch dem Bruder meiner Schwiegermutter  die erlösende Nachricht bekamen, dass auch sie „im Westen“ waren. Aber wie groß war der Preis, den einige zahlen mussten. Sowohl Frau und Kinder des Bruders meines Schwiegervaters, wie auch Frau und Kinder des Bruders meiner Schwiegermutter, sowie weitere Verwandte gehörten zu den Unglücklichen, die bereits auf dem Gebiet der ehemaligen DDR waren und dort von Amerikanern aufgegriffen und an die Sowjets ausgeliefert wurden.

Lange Zeit wussten die Familien nichts voneinander, bis nach und nach über das Rote Kreuz  Nachrichten über den Verbleib einiger Familienmitglieder die Verwandten im Westen erreichten. Briefe wurden geschrieben, Anträge auf Ausreise gestellt…. So viele Male vergeblich. Anfang der 70-er Jahre konnte ein Sohn des Bruders meiner Schwiegermutter mit seiner Familie nach Deutschland ausreisen, 1980 die Tochter mit ihrer Familie.  Auch ein Sohn  des Bruders meines Schwiegervaters konnte Ende der 70-er Jahre mit seiner Familie nach Deutschland kommen. Ihre Geschichten lohnten sich aufgeschrieben zu werden… Die Mühsal der ersten Jahre in der Verbannung, die vielen vergeblichen Versuche, eine Ausreise zu erwirken, das „geheime Leben“ als Deutsche … nur nicht auffallen! Das Ankommen hier in einem fremden Land, in dem sie zunächst wieder als nicht willkommene Fremde behandelt wurden…   ihr starker Akzent verriet sie als „Russen“, wie man in völligem Verkennen der Geschichte keck nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Zeitungen behauptete, obwohl sie selbst sich in allen Zeiten immer als Deutsche empfunden und auch so gelebt hatten … das sich Einfinden in den westdeutschen Alltag … in den Beruf, der trotz aller Ähnlichkeit mit der Arbeit, die sie kannten, sich so anders darstellte… und und und.

Es ist ihnen gelungen, hier eine neues Leben aufzubauen.

Vor einigen Tagen wurde in der Familie ein großes Fest gefeiert … eine Goldene Hochzeit. Einige Mitglieder der großen Verwandtschaft „aus der kalten Heimat“ haben wir dabei getroffen. Und natürlich wurde erzählt … und erzählt…. von früher, der „Repatriierung“, den Entsagungen der ersten Jahre, dem Leben in Kasachstan und dem Ankommen hier.  Und ich, „die Hiesige“, wie mich unsere Tante Ida zu ihren Lebzeiten immer liebevoll nannte,  ich hörte zu… viele Geschichte kannte ich schon, andere waren mir neu.

So auch die des Verwandten, der erzählte, dass er bei der Anmeldung seines Sohnes zum Gymnasium hier in Deutschland  gefragt wurde, ob er einen Migrationshintergrund habe. Der Verwandte verneinte. Daraufhin sprach ihn der Schulleiter auf seinen immer noch leicht zu hörenden Akzent an…  Der Verwandte erzählte dem Schulleiter in kurzen Sätzen die Geschichte seiner Familie, zurückverfolgt bis 1756 … ursprünglich beheimatet in Württemberg … um 1806 ausgewandert ans Schwarze Meer…. immer Deutsche geblieben und gewesen …  1987 zurückgekehrt in die alte Heimat Deutschland.

Das zähle leider nicht, beschied ihm der Schulleiter, er sei ja sowjetischer Staatsbürger gewesen, also habe er rein rechtlich gesehen einen Migrationshintergrund.

Und so denke ich nun  grübelnd darüber nach….. Haben sie oder haben sie nicht … einen Migrationshintergrund** … unsere Kinder…. schließlich waren auch ihre Großeltern rein rechtlich gesehen mal sowjetische Staatsbürger….

 

 

 

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ERKLÄRUNGEN

***  „Kalte Heimat“….  immer wenn eigentlich die Rede von Russland, bzw. der Sowjetunion war, fiel in Unterhaltungen stattdessen der Ausdruck „kalte Heimat“… ich kann es nicht wirklich erklären, vermute aber, dass der Begriff aus der Zeit stammt, als Familienangehörige nach Sibirien verschleppt waren und dort in Erdhütten hausten  – auch im kalten Winter…. Eine andere Erklärung mag die sein, das „die Heimat“ kalt und abstoßend geworden war.

 

„Glück“ –  das setzte ich in Anführungszeichen. Nach der tiefen Überzeugung meiner Schwiegereltern und vieler Verwandter  (und ich teile diese Überzeugung auch, obwohl ich es ja nicht persönlich erlebt habe) war es einzig Gottes Gnade, die sie die vielen Entbehrungen überstehen ließen und die immer wieder im richtigen Moment zu einer unverhofften Begegnung oder Entschärfung einer bedrohlichen Situation führte.  Nicht zuletzt ist das der Hintergrund trotz der schrecklichen Erlebnisse und Erfahrungen für den lebenslang gelebten Wahlspruch meiner Schwiegermutter:

Und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers HERRN Jesu Christi,“   (Epheser 5,20)

 

Informationen zu den „Deutschen aus Russland“ finden sich hier:

Schicksalswege der Deutschen aus Russland

Geschichte der Russlanddeutschen

Aussiedler und Spätaussiedler

Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

Schwarzmeerdeutsche

Russlanddeutsche

Migrationshintergrund

 

Migrations-Hintergrund   …..   **dann wär das ja geklärt.

„Barbie trägt jetzt auch Kopftuch“… 15. November, 2017

Posted by Rika in aktuell, familie, frauen, islam, meine persönliche presseschau, migration, politik.
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titelt mein Käseblättchen auf SEITE EINS!

Das ist doch mal ne Meldung die es wirklich verdient hat, nicht irgendwo im Kultur- oder Wirtschaftsteil einer Zeitung aufzutauchen, sondern ganz prominent und hübsch bebildert gleich auf Seite 1 ins Auge des Betrachters  / Lesers zu fallen.

Bevor ich weiter schreibe, ist hier eine Erklärung nötig:

Ich kämpfe gerade mit meiner generellen abgrundtiefen Abneigung sowohl gegen Barbie wie auch gegen das Kopftuch, man möge mir bitte verzeihen, wenn ich mit diesen ungünstigen Voraussetzungen nur zu einer relativ bissigen Stellungnahme imstande bin.

Meine Haltung zum „Erkennungsmerkmal für  muslimische Frauen“ (muslimische Männer sind in Deutschland ja eher unauffällig gewandet) habe ich ja in verschiedenen Beiträgen hinreichend beschrieben, das muss ich nicht wiederholen, wenngleich sich die Argumentationsgrundlage  auch zu diesem Fall natürlich in keinster Weise geändert hat, nachlesen kann man es beispielsweise hier und hier.

Soweit meine Vorrede.

 

Isabell Rollenhagen, die Autorin des HAZ-Barbie-Titels schreibt einleitend:

„Wespentaille, blonde Wallemähne, weiße Haut: Barbie ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der Inbegriff eines uralten westlichen Frauenbildes.“

 

Nein, Barbie ist nicht der Inbegriff eines „uralten“ Frauenbildes, es ist der Inbegriff einer sensationellen Marketingentscheidung eines amerikanischen Spielwarenherstellers:

(1945 wurde Mattel von Harold Matson, Elliot Handler und dessen Frau Ruth Handler in einer Garage gegründet. Der Firmenname setzt sich zusammen aus Matsons Spitzname „Matt“ und „Elliot“. Die ersten Produkte waren Bilderrahmen und Puppenmöbel aus Holz. Die Erweiterung des Angebots um Puppenkleider war sehr erfolgreich, und so entschied sich das Ehepaar Handler, nach Trennung von dem Partner Matson, sich vermehrt auf Spielzeug zu konzentrieren.

Im Jahre 1959 erschien die erste Barbie-Puppe und 1961 die Ken-Puppe  Quelle )

 

Das mit dem „uralten Frauenbild“ relativiert die Autorin dann im nächsten Satz bereits sehr schnell:

Dem Spielzeughersteller Mattel hat dies in den vergangenen Jahren nicht nur von Frauenrechtlerinnen viel Kritik eingebracht.

Warum wohl protestierten Frauen gegen eine Puppe, die in keinster Weise dem gängigen „Frauenbild“ unserer Gesellschaft entsprach, sondern auf geradezu obszöne  Weise Frauen auf blond, dünn, langbeinig – und, wie ich immer vermutete, blöd reduzierte?  Barbie ist eine Anziehpuppe mit ungeheuer schlechtem Geschmack, mehr nicht. Ich jedenfalls finde mich in diesem von Mattel in Kunststoff geprägtem und von der Autorin als „uralt“ propagierten  „Frauenbild“ nicht wieder.

Frau Rollenhagen schreibt unbekümmert und bar jeder Logik weiter:

 

Doch das US-Unternehmen lernt dazu  – und präsentiert immer wieder auch Puppen, die sich von den Stereotypen abwenden sollen. Die neueste Idee: Barbie bekommt einen Hidschab, also ein Kopftuch, das Haare, Hals und Brust bedeckt.

 

Das ist fein.

Dem Stereotyp „uraltes westliches Frauenbild“ wird jetzt das des „ururalten, archaisch-muslimischen Frauenbildes“ an die Seite gestellt.

Da freuen sich aber die linientreuen Islamverehrer und noch mehr die supertoleranten deutschen, nicht-muslimischen  Islamversteherinnen,  die ja schon längst jede Solidarität mit den unters Kopftuch gezwungenen Frauen aufgekündigt und damit  die emanzipatorische Entwicklung der Frauen  in Deutschland feige verraten haben.

So unterlässt es natürlich auch Frau Rollenhagen, in irgendeiner Weise kritisch auf das „Kopftuch“ an sich einzugehen, vielmehr schließt sie sich dem Werbejubel an, indem sie fortfährt:

Für die Barbie in der „Sheroes-Kollektion“ dient die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad (31) als Vorbild, wie der Mattel-Konzern auf seiner Website bekannt gab.  …. Mit den Sherors-Puppen  … will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die zeigen können, dass Mädchen alles werden können, was sie wollen.“

In der Tat, muslimische Mädchen im Hidschab können etwas werden …..   ABER  eben nicht ALLES  und schon gar nicht  was SIE  wollen. Sie können nicht mit flatternden Haaren am Strand von Malibu oder Sankt Peter Ording im Sand spielen…. nicht mit leichtem Sommerkleidchen im Zoo spazieren gehen ….  nicht ungestüm mit gleichaltrigen Mädchen wie Jungen im Freien toben…     und sage mir niemand, dass kleine Mädchen genau das auf gar keinen Fall wollen!

 

Diesen winzig kleinen kritischen Einschub vermissen ich in dem Bericht von Seite 1 der HAZ, vom 15. November 2017.

Dafür erfahre ich dies:

Die Sportlerin ist begeistert: „Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die einen Hidschab trägt.“ Damit sei für sie ein Kindheitstraum wahr geworden.

 

Ich vermute einfach mal so ins Blaue hinein, dass es der Kindheitstraum der Sportlerin war, wie viele kleine Mädchen mit einer Barbie spielen zu wollen. Das wurde ihr verwehrt, weil ja die Barbie dem  „uralten westlichen Frauenbild“ entsprach und die vermutlich streng muslimischen Eltern genau das verhindern wollten:  Ihre Tochter sollte auf gar keinen Fall einer „westlichen Frau“ ähnlich werden.    Jetzt also können auch muslimische kleine Mädchen mit einer Barbie spielen, die das genaue Abbild ihres muslimischen Frauenbildes ist.

Es sei ihnen gegönnt….

 

Nur von einer deutschen, westlich sozialisierten Frau hätte ich in einem Bericht zu dieser PR-Strategie erwartet, dass zumindest in  einem Halbsatz  das Problem des Kopftuchs für das Selbstbestimmungsrecht kleiner Mädchen angesprochen wird.

Ergänzender Einschub aus einem älteren Kommentar von mir zum damaligen Kopftuchurteil, den ich auch für die „Hidschab-Barbie“ für relevant halte:  „Nun müssen sich halt diejenigen Muslima rechtfertigen, die kein Kopftuch tragen…. Was ist also so großartig an dem Urteil?  ….. WAS ist so großartig an einer Hidschab tragenden Barbie?  
Es ist pädagogisch vollkommen falsch, weil es den jungen Mädchen und Frauen, die aus dem vermeintlich “religiösen” Zwang ausbrechen wollen, nun eine zusätzliche Last in Form Kopftuch tragender Lehrerinnen- und Puppen-vorbilder aufbürdet.
Ich kann darin keinen Fortschritt für die integrationswilligen Muslime erkennen, eher dient es den Extremen zur Rechtfertigung ihrer pseudo-religiösen Ideologie und dem Frauen verachtenden Verhaltenskodex eines archaischen Kultes.

 

Ich habe übrigens lange Zeit versucht, eine Barbie  mit ihrem „uralten westlichen Frauenbild“ von meiner Tochter fern zu halten, zumal das liebste Töchterlein ein gutes Dutzend bezaubernder Puppen besaß….    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich schließlich einen ganz schändliche Deal mit der liebsten Tochter gemacht habe: Die weigerte sich nämlich, zum Abschluss des Schwimmkurses auch die abschließende Prüfung zu machen… alle guten Worte waren vergeblich. Da habe ich sie schlicht erpresst: Wenn Du das Seepferdchen schaffst, bekommst du eine Barbie….  Ich weiß, ich weiß, das war keine pädagogische Glanzleistung. Aber sie schaffte das Seepferdchen und bekam eine Puppe… es war nicht die Original-Barbie…. sie landete auch alsbald in irgendeiner Spielzeugkiste ….

Ich konnte Barbie nicht nur wegen des angeblich „westlichen Frauenbildes“ nicht leiden. Ich fand sie einfach grottenhässlich, völlig unproportioniert und zudem steif und ungelenk…  Nun ja, über Geschmack kann man nicht streiten oder eben doch….

 

Unverhoffte Begegnung…. 29. August, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
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Wir sind unterwegs nach Wismar mit unserer Volleyballgruppe.

Völlig außerplanmäßig und darum unerwartet endet der Zug, der uns eigentlich nach Wismar bringen sollte, in Schwerin am Hauptbahnhof. Nach der Durchsage, ein Bus warte auf dem Bahnhofsvorplatz auf die Reisenden, die nach Wismar weiterfahren wollten , entsteht ein mächtiges Gedränge an der Treppe zur Unterführung…

Der Liebste ist mir schon einige Stufen voraus …  ich hatte mich noch um einen Mitreisenden im Zug gekümmert, der offensichtlich – der deutschen Sprache nicht mächtig – die Ankündigung des Endes dieser Fahrt nicht mitbekommen hatte und den ich mit Gesten dazu gebracht hatte, auch das Abteil zu verlassen. Wir waren die beiden letzten.

Der Liebste, am Fuß der Treppe angekommen, blickt sich nach mir um – und schaut unversehens in ein sehr bekanntes Gesicht:

Ebenso überrascht wie der Liebste, sieht sich der Jüngste unserer Familie plötzlich ebenfalls einem sehr  bekannten Gesicht gegenüber:

Der Vater steht vor ihm!

Ich hatte das gar nicht mitbekommen und nach meiner Gruppe Ausschau gehalten. Unten an der Treppe angelangt, macht mich ein energisches Zupfen am Ärmel aufmerksam!

Doch nicht nur der Jüngste schaut mir lachend entgegen, neben ihm –  in der kleinen Gruppe junger Leute – auch R.,  sein guter Freund, dem ich erst zwei Tage zuvor in der großen Stadt an der Elbe  begegnet war…. beim Umzug des Jüngsten nämlich, der von einer kleinen Behausung in die nächste gezogen war. Der Liebste und ich hatten ebenso wie R. beim Umzug geholfen.  Wobei ich ergänzen muss, dass wir uns außer bei der Promotionsfeier des Jüngsten NUR bei dessen Umzügen getroffen haben und dies bestimmt der dritte Umzug war, bei dem wir gemeinsam kräftig halfen, Sack und Pack von A nach B zu transportieren…. wobei ich diesmal nur in B beschäftigt war…. mit Saubermachen der Küche. Kisten kann ich nämlich nicht mehr schleppen…   Aus der heimatlichen Küche hatte ich schon den traditionellen Nudelsalat und Kuchen mitgebracht… 🙂 sehr zu Freude aller beteiligten Helfer.

Es gehört vielleicht zu den schönsten Momenten, wenn man ganz unverhofft Menschen begegnet, die man liebt und die man mag.

So gab es ein fröhliches Hallo  – wir auf dem Weg nach Wismar, der Jüngste mit den Freunden auf dem Weg zu einer Hochzeitsfeier….

Wie schön, wenn „Unverhofft“ zwar nicht oft, aber doch manchmal kommt, besonders dann, wenn alle anderen Umstände ein bisschen chaotisch anmuten….

 

„Emma“ – eine Leseempfehlung…. 1. August, 2017

Posted by Rika in emanzipation, familie, frauen, gesellschaft.
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Als junge Fachlehrerin legte ich in den frühen 70er Jahren demonstrativ die „Emma“ auf meinen Platz am Lehrertisch… ich war ja so fortschrittlich, emanzipiert und großartig-modern, dem Feminismus nicht abhold….

Wir waren ein überwiegend junges Kollegium mit einem jungen Schulleiter, aber es gehörten auch einige „alte Knaben“ und nicht mehr ganz jugendliche, um nicht  zu sagen  ältere Damen zu unserer pädagogisch wertvollen ( ja, was denn auch sonst 🙂 )  Lehrerriege. Schülerinnen und Schüler gab es noch nicht, Lehrerinnen und Lehrer auch nicht. Man war Lehrer oder Schüler.  Allenfalls gebrauchte  man in der weiteren persönlichen Beschreibung den Ausdruck „die Schülerin xyz“ oder „die Lehrerin xxx“.  In der Vielzahl jedoch waren es Lehrer und Schüler. Basta.

Möglicherweise, das erinnere ich aber nicht genau, kann es sogar das Bestreben der damaligen  „Emma“ gewesen sein, die Geschlechterzuordnung in der Begrifflichkeit deutlich zu machen,  dem gesellschaftlichen Rang der Frauen und Mädchen  einfach mehr Aufmerksamkeit und Gewicht zu geben.

Es waren die Jahre der ersten kleinen – und dennoch so großen –  Veränderungen in der Bewusstwerdung von  männlich/weiblich.  „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ mischten die wenigen Talkshows auf,  und wir Frauen sollten lernen, dass wir nicht als Mädchen geboren, sondern dazu gemacht würden….  (erschienen als Buch von Ursula Scheu)   eine Behauptung, der ich eine zeitlang widerspruchslos folgte, bis mir nach der Geburt meiner wunderbaren Tochter so sehr  deutlich wurde, dass sie sich doch schon rein äußerlich von ihren ebenso wunderbaren Brüdern unterschied und ich eigentlich nicht wollte,  sie zu einem „Nicht-Mädchen“,  aber eben auch „Nicht-Jungen“  zu machen, denn sie war ja KEIN Junge!  Sie, so wurde mir beinahe schlagartig klar, als ich dieses kleine Wesen eines späten Abends in den Armen hielt und stillte, sollte sich in ihrer Entwicklung  ihrer Weiblichkeit bewusst werden  und sie genießen können, was aber nicht bedeutete, dass sie nicht auch das alles machen und ausprobieren dürfte, was ihren Brüdern in den Sinn kam…  Ich wollte, so nahm ich mir sehr bewusst vor,  unsere Tochter ihren ureigensten Weg gehen lassen….  Und ich glaube, dass sie das bis heute tut.

 

Wie auch immer,

mehrere Jahre war die „Emma“ der Quell meiner weiblichen Weiterentwickelung, bis ich mich schließlich für „genug emanzipiert“ hielt und auf weitere Emmalektüre verzichtete.  Alice Schwarzer war nicht mehr das große Vorbild, sondern eine Frau wie viele andere auch, die im öffentlichen Leben mehr oder weniger deutlich Position bezogen zu den verschiedensten Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Wesentlich  für mich war es in den Jahren der Familienzeit und Kindererziehung eine Balance gefunden zu haben zwischen meiner  „Rolle“  / Arbeit in der Familie (und dem ehrenamtlichen Engagement in Kindergarten, Schule und Gemeinde)  und meiner nach der Kinderpause neu aufgenommenen Berufstätigkeit und darin „meinen“ ureigensten Erkenntnissen und Empfindungen folgen zu können, nicht nach einem Schema leben zu müssen, das mir von außen aufgedrückt wurde. Ich war immer sehr gerne „nur Hausfrau“ in der Zeit, als die Kinder noch klein waren und habe das nicht als einen Makel oder eine Minderwertigkeit hinsichtlich einer wie auch immer formulierten gesellschaftlichen Relevanz erlebt. Im Gegenteil. Ich war – und bin es heute noch – stolz darauf, gemeinsam mit meinem Mann unsere vier Kinder auf ihrem Weg ins Leben und darüber hinaus begleitet und beraten zu haben, und so daran beteiligt zu sein, dass sie einen guten Platz in Gesellschaft und Beruf gefunden haben.  Ich halte das – diese „Familienarbeit“ –  generell für eine große gesellschaftliche Leistung aller Frauen, die in meinen Augen viel zu wenig Wertschätzung durch die Politik und in den Medien  erfährt.

Und nach diesem kleinen Einschub zurück zu  „Emma“.
Ein Artikel nämlich, auf den ich bei facebook aufmerksam wurde,  könnte mich verleiten, wieder einmal eine „Emma“ zu erstehen…

Zumindest aber bringt er mich dazu, ihn  hier als Link weiterzureichen, denn er beschäftigt sich mit einem wundersamen Phänomen unserer Zeit, dem ich so abhold bin, wie man nur sein kann. Ich könnte allerdings mein ablehnendes Unbehagen nicht so präzise begründet in Worte fassen:

Emma:  „Sargnägel des Feminismus“

Daraus dieser kurze Auszug, in dem es um die vermeintliche Wissenschaftlichkeit der sogenannten „Gender Studies“ geht:

Der angestrengte Jargon schaukelt gewichtige Denkleistungen vor, der junge Erwachsene weder zum kritischen Befragen der Gegenwart animiert, noch zu unabhängigen Denkerinnen und Denkern ausgebildet – sie werden vielmehr eingeschüchtert. Weil sie unweigerlich annehmen, dass das, was sie in einem universitären Rahmen zu hören bekommen, intellektuell gewichtig sein muss, wird ihr Verstand nicht geschärft, sondern vernebelt.

Konkreter: Das Studium der Gender Studies macht Studierende oftmals nicht schlauer, sondern in vielen Fragen dümmer. Sie lernen nicht, globale Probleme objektiv zu erfassen, sondern sie durch eine hochgradig antiimperialistische Agenda zu filtern. Ein Workshop, den Dietze zu „Ethnosexismus und Migration“ anbot, befasste sich etwa mit „abendländischen Überlegenheitsnarrativen, zum Beispiel der Demokratie als der besten aller Regierungsformen, der Säkularität als der besten aller Rationalitäten“. Womit „der Überzeugung“ widersprochen werden sollte, dass die westliche Welt über „ein maximal fortgeschrittenes sexuelles Regime“ verfügen. Die Verächtlichkeit gegenüber Rechtsstaatlichkeit und Religionsfreiheit, die sich durch diese Botschaft aus dem akademischen Paralleluniversum zieht, ist ebenso offenkundig wie die subkutane Faszination für religiös legitimierte Diktaturen, in denen es weder das eine noch das andere gibt.

 

 

Mein mütterlicher Rat – etwas salopp formuliert und alles andere als wissenschaftlich begründet, lautet daher:
Liebe Frauen, Mädchen, Männer und Knaben, nehmt Euch diesen Emma-Text zu Herzen, genießt Eure jeweilige biologische Einzigartigkeit ganz ohne jeden politisch-ambitionierten Weltverbesserungswahn….
Und bleibt – oder werdet wieder – ‚ganz normal‘ … ohne jeden Genderquatsch und sprachverhunzende Binnensterne oder Genderneuwortschöpfungen….

 

 

 

Fremde Feder: Ehe für alle – kein Thema 27. Juni, 2017

Posted by Rika in aktuell, emanzipation, familie, familienpolitik, gesellschaft, Kinder - Famile, politik, presse.
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Das Thema „Ehe für alle“ wird gerade dazu missbraucht, einen Machtkampf zwischen den Parteien auszufechten. Volker Beck und die Grünen haben es als Erste  in die Öffentlichkeit getragen, inzwischen sind auch die Regierungsparteien in Landtagen und im Bundestag auf den Zug aufgesprungen, machen gar mögliche Koalitionsverhandlungen nach anstehenden Wahlen davon abhängig, ob der „politische Partner“ ja sagt zu Eheeinheitlichkeit oder nicht.

Ich finde diesen Machtkampf  weder dem Thema, noch den betroffenen Menschen angemessen. Die politischen Eliten des Landes führen ein ebenso absurdes wie würdeloses Theater auf, nur, wie mir scheint, sich in irgendeiner Form im schon beginnenden Bundestagswahlkampf in der öffentlichen Darstellung an vorderster Front zu positionieren. Wen, außer ausgewiesenen Experten  interessieren denn schon so dröge Themen wie „Griechenlandrettung“ oder „Eurorettungsschirm“?  Damit kann man schlecht Wahlkampf machen und noch schlechter Wahlen gewinnen, aber ein Thema, das ans Herz geht, das menschliche Gefühle und Bedürfnisse anspricht, so ein Thema ist doch bestens geeignet, um sich die Zustimmung der Leute zu sichern…

Denn,  ich sage es nur sehr ungern, wer, außer einigen erzkonservativen Christen würde es denn öffentlich wagen, sich aus dem Fenster zu hängen und mit Hinweis auf Kirche, Glaube, Bibel oder gar Gott höchstselbst gegen den Wunsch gleichgeschlechtlicher Paare nach dem gleichen Recht für alle zu sein? Und was, außer auf christlichen Moralvorstellungen beruhenden Vorurteilen spricht sonst gegen eine „Ehe für alle“?
„Nichts“, meint die Autorin Patrizia von Berlin, deren Beitrag ich hier reblogge…
Meine eigenen Anmerkungen dazu folgen später…. ich muss noch ein bisschen nachdenken darüber, wie ich meine Einstellung und Meinung argumentativ und sprachlich an den Mann, die Frau und die Binnensterne bringe …
(Binnensterne meine ich kein bisschen despektierlich den betroffenen Personen gegenüber… wohl aber mache ich mich lustig über  – und bin manchmal regelrecht sauer auf  – die Sprach- und Schriftverhuntzer, die für jedes „Tierchen ein Pläsierchen“ brauchen, will meinen, um niemanden zu übergehen für alle 100 000 Möglichkeiten eine sprachliche Relevanz fordern! ) Und das deckt sich auch ein bisschen mit dem Ehe-Thema… brauchen wir wirklich einerseits für alles und jeden  die differenzierende Beschreibung und vermischen andererseits alles unterschiedslos zu Einheitsbrei? Können wir nicht bei den bestehenden Regelungen bleiben – sowohl sprachlich, als auch vor dem Gesetz – in dem Bewusstsein unserer Unterschiede und der gleichzeitigen Würde, die unantastbar ist ?

philosophia perennis

Ein Gastbeitrag von Patrizia von Berlin

Ich selbst bin von dem Thema in keinster Weise betroffen. Früher hatte ich ohne jedes Verständnis auf die Forderung der Ehe-Öffnung geblickt und aus diesem Grund habe ich heute noch viel Empathie für die ablehnende Seite. Als ich dann gleichgeschlechtliche Paare kennen lernte, die sich nicht so sehr von klassischen, miteinander älter gewordenen Ehepaaren unterschieden, brach meine recht oberflächliche Weltsicht in dieser Frage sehr schnell zusammen. Alljährliche Tagesschauschnipsel mit nackten Tatsachenberichten der diversen CSDs hatten, so merkte ich, doch ein recht simples Bild entstehen lassen.

Heute befürworte ich die Eheöffnung. Vielleicht gelingt es mir ja bei beiden Seiten ein wenig Verständnis für die andere Seite zu wecken und vielleicht ist meine Entscheidung hilfreich für Andere, die sich eine Meinung bilden wollen.

Die Bundeskanzlerin macht Schlagzeilen

Der Wahlkampf tobt und die Kanzlerin hat nicht nur die, achtlos weggeworfene, Deutschlandfahne wieder hervorgeholt, sondern eine weitere Erleuchtung…

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mein kleines lebenszeichen…. 24. März, 2017

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, familie.
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liebe leute,

es geht mir gut. die op  ist am 13. 3. wie geplant und gut verlaufen… ich bin begeistert von der modernen medizin, dank derer ich gar keine schmerzen beim aufwachen und auch danach hatte … in der klinik schmerzkatheter …  zuhause pillen und tropfen….

ich bin so dankbar für alle leute in der klinik, die den patienten durch ihre individuellen begabungen, ihr können und wissen das leben erleichtern … das gilt für die mitarbeiter auf der station ebenso wie natürlich für die hervorragenden ärzte und die fachleute im op…

GOTT SEI DANK UND LOB

nun wieder zu hause   (schon seit dem 15. 3.) geht alles einen guten gang … der liebste ist ein wunderbarer pfleger … die freundin und nachbarin kocht hin und wieder für uns … gestern wurden die fäden gezogen … die physiotherapie ist angelaufen (nicht so angenehm, aber dennoch gut!) … sogar die nächte sind erträglich – trotz „leibgurt mit haltestellen“ –  orthese nennt man das ding.

ich hoffe und wünsche, dass alles so gut weiter verläuft wie bisher….

 

nur die schreiberei ist etwas mühsam, deshalb gibt es hier wenig zu lesen  ….  bzw. nichts zu lesen über meine speziellen themen, auch wenn es mir in den fingern kribbelt …    und keine großbuchstaben  🙂  die umstellerei ist nämlich blöd.

euch allen danke ich für euer an mich denken und wünsche euch eine gute zeit.

eure rika