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Fremde Feder: Reden über Jerusalem 7. Dezember, 2017

Posted by Rika in aktuell, antisemitismus, araber, fatah, gesellschaft, islam, israel, israelkritik, judentum, medien, plo, politik, presse, terrorismus.
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„Redet mit Jerusalem freundlich“ , lautet eine berühmte Aufforderung, die wir schon in der Bibel lesen können … (Jesaja 40,2)

Seit gestern ist Jerusalem  ganz besonders in aller Munde, doch die meisten, die über  – nicht „mit“ – Jerusalem reden, tun das nicht freundlich, jedenfalls nicht wenn mit „Jerusalem“ die israelische Regierung gemeint ist, analog zu „Berlin macht… tut… schweigt…“, wenn Frau Merkel ein bedeutungsschweres Statement zur politischen Lage der Welt,  die sie ja permanent zu retten beabsichtigt, verkündet oder verkünden lässt…

Nein, die Reden über Jerusalem sind in aller Regel nicht freundlich.

Aber es gibt Ausnahmen, eine davon fand ich heute bei mena-watch.

. Thomas Eppinger hat sie gehalten, bzw. aufgeschrieben. Ich nehme mir die Freiheit und stelle sie hier ungekürzt ein. Ich weiß, dass das nicht so ganz den Regeln entspricht, aber die Erfahrung aus 10 Jahren Blog machen dieses Vorgehen nötig, denn schon oft habe ich nur ein kurzes Zitat, versehen mit einem Link eingestellt, doch nach 3 oder 4 Jahren war der Link nicht mehr stabil, der ganze Text nicht mehr auffindbar. Das ist oftmals sehr schade…

Für den nun folgenden Text wäre es aber mehr als das. Darum, lieber Thomas Eppinger, Sie mögen mir verzeihen, wenn ich Ihren Text einfach hierher kopiere…  er ist zu gut, um in 4 Jahren oder so nicht mehr auffindbar zu sein.

Reden wir über Jerusalem. Das Ende einer diplomatischen Scheinheiligkeit

Von Thomas Eppinger

Treffen sich ein Jude, ein Christ und ein Moslem.
Christ: „Ihr Juden habt Jesus umgebracht!“
Jude: „Nein, das waren die Muslime!“
Moslem: „So ein Blödsinn. Vor zweitausend Jahren gab es noch gar keine Muslime!“
Christ: „Da hat er recht!“
Jude: „Stimmt, dann können wir ja jetzt über Jerusalem sprechen!“

Ja, reden wir über Jerusalem. Und überspringen wir die feindseligen Kommentare der üblichen Verdächtigen von Jakob Augstein bis Michael Lüders, gehen wir an dieser Stelle nicht auf die Phrasen von einer drohenden Gewaltspirale ein, lassen wir die Appeaser außen vor, die vor einer Störung des Friedensprozesses im Nahen Osten warnen. Wir kennen die Sprüche seit Jahren.

Außerdem: Syrien, Jemen, Sunniten gegen Schiiten, Iran gegen Saudi-Arabien, islamischer Fanatismus, arabischer Nationalismus, autokratische Herrscher, die jedes demokratische Pflänzchen im Keim ersticken – der Frieden im Nahen Osten hängt von ganz anderen Dingen ab als vom Sitz der amerikanischen Botschaft in Israel. Die breite Front gegen die Anerkennung der israelischen Hauptstadt durch den amerikanischen Präsidenten war vorhersehbar. Sie ist eine logische Folge des Mainstreams in Politik und Medien, der seit Jahren durch die schrittweise Delegitimierung Israels gekennzeichnet ist.

Reden wir also über Jerusalem. Reden wir darüber, dass diese Stadt schon jüdisch war, als es Christen und Muslime noch gar nicht gab. Dass der erste Tempel vom Sohn Davids fast tausend Jahre vor der Geburt Jesu errichtet wurde. Dass Jerusalem schon vor 3000 Jahren die Hauptstadt von Juda war. Dass erst im 7. und 8. Jahrhundert der Felsendom und die Al-Aqsa Moschee unter islamischer Herrschaft errichtet worden sind, an eben jenem Ort, an dem einst der erste und der zweite Tempel standen, und der den Juden zu dem Zeitpunkt schon seit mehr als eineinhalb Jahrtausenden heilig war. Doch so schwer 3000 Jahre auch wiegen mögen, die Neuzeit wiegt noch schwerer.

Reden wir also über die Gründung Israels, über den Teilungsplan der UNO von 1947, in dem Jerusalem als corpus separatum vorgesehen war, der von den Vereinten Nationen durch einen Treuhänderrat und einen Gouverneur regiert werden sollte. Ausländische Truppen sollten die Stadt schützen und den gleichberechtigten Zugang für Gläubige aller drei abrahamitischen Religionen zu ihren heiligen Stätten sicherstellen. Israel hat diesen Teilungsplan akzeptiert, während eine Allianz aus Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und Irak schon am Tag nach der Unabhängigkeitserklärung über Israel hergefallen ist. Den Unabhängigkeitskrieg hat Israel gewonnen, das jüdische Viertel der Altstadt Jerusalems und den Osten der Stadt jedoch an Jordanien verloren. In Westjerusalem, das unter israelischer Hoheitsgewalt stand, galt seit 1948 israelisches Recht. 1949, nach dem Waffenstillstandsabkommen, erklärte Premierminister David Ben-Gurion Jerusalem zum untrennbaren Teil Israels und dessen ewiger Hauptstadt, der Beschluss des Parlaments folgte am 4. Januar 1950.

Reden wir darüber, dass während der jordanischen Besatzung von 1949 bis 1967 vom religiösen Interesse an den islamischen Heiligtümern wenig zu spüren war. Einige örtliche Institutionen wurden geschlossen, wie das Arabische Hochkommissariat und der Oberste Muslimische Rat, andere wurden nach Amman verlegt. Daniel Pipes bezeichnet das Jerusalem unter jordanischer Herrschaft als „isolierte Provinzstadt von weniger Bedeutung als Nablus“ und beschreibt die diplomatische Bedeutungslosigkeit der Stadt für die arabische Welt:

„Kein arabischer Führer kam während der neunzehn Jahre, die Jordanien Ostjerusalem kontrollierte, hierher und König Hussein (regierte 1952 – 1999) selbst kam nur selten zu Besuch. König Faysal von Saudi-Arabien sprach nach 1967 oft von seiner Sehnsucht in Jerusalem zu beten, jedoch schien es ihn nie gekümmert zu haben dort zu beten, als er die Chance dazu hatte. Wahrscheinlich am bemerkenswertesten ist, dass die Gründungsurkunde der PLO, der Palästinensische Nationalvertrag von 1964, Jerusalem nicht ein einziges Mal erwähnt oder auch nur andeutet.“

Bis heute steht die politische Symbolik im krassen Gegensatz zum nachlässigen Umgang der palästinensischen Behörden mit den angeblich so bedeutsamen islamischen Stätten Jerusalems.

Reden wir vom antisemitischen Furor während der Besatzungszeit. Nach dem Einmarsch der jordanischen Truppen in Ostjerusalem im Mai 1948 wurden Tausende Juden vertrieben, deren Familien seit Jahrhunderten in der Stadt gelebt hatten. Jordanien verweigerte den Israelis den Zugang zur Klagemauer, dem heiligsten Ort des Judentums, und zum Friedhof auf dem Ölberg, seit mehr als 2500 Jahren eine jüdische Begräbnisstätte, was ein klarer Bruch des Waffenstillstandsabkommens von 1949 war. Hunderte jüdische Gräber wurden von einer Autobahn zerstört, die direkt über den Friedhof geführt wurde.

„Die Grabsteine, die das Andenken von Rabbis und Weisen ehrten, wurden von der Bauabteilung der jordanischen Arabischen Legion für Fußböden und Latrinen verwendet (die Inschriften auf den Steinen waren noch sichtbar, als die Israelis die Stadt befreiten). Das alte jüdische Viertel der Altstadt wurde verwüstet, 58 Jerusalemer Synagogen – manche davon Jahrhunderte alt – wurden zerstört, andere wurden als Vieh- und Hühnerställe genutzt. Direkt neben der Westmauer entstanden Slumsiedlungen.“

Der 1997 wiedererrichtete Große Bogen der Hurva-Synagoge (Von MathKnight, CC BY 2.5)

Schon nach der Sprengung der Hurva-Synagoge 1948 brachte der jordanische Kommandeur Abdullah el Tell die Strategie seiner Truppen präzise auf den Punkt: „Zum ersten Mal seit 1000 Jahren verbleibt kein einziger Jude im Jüdischen Viertel. Kein einziges Gebäude verbleibt intakt. Das macht eine Rückkehr der Juden unmöglich.“ Die Juden vertrieben, ihre Häuser und Synagogen zerstört, ihre Gräber geschändet. Die Hoheit über Ostjerusalem jemals wieder aus der Hand zu geben, ist für Israelis nicht verlockend.

Reden wir darüber, dass die Israelis trotz alldem bei der Rückeroberung der Stadt 1968 auf den Einsatz schwerer Waffen verzichteten, um Moscheen und Kirchen zu schonen. Sie verwehrten den Muslimen nicht den Zugang zu ihren heiligen Stätten und unterstellten den Tempelberg einer autonomen muslimischen Verwaltung: dem Waqf. Die arabisch-palästinensischen Einwohner haben den Status von „ständigen Einwohnern“, können sich innerhalb Israels bewegen und sind auch sozialversichert. Auch der Zugang zur israelischen Staatsbürgerschaft steht ihnen offen. Heute sind rund ein Drittel der Einwohner Jerusalems Muslime.

Reden wir auch darüber, dass Donald Trump mit der Anerkennung der israelischen Hauptstadt nur eine Jahrzehnte lange diplomatische Scheinheiligkeit beendet. „Seit Jahrzehnten erkennt die internationale Gemeinschaft stillschweigend an, dass die Stadt der jüdischen Könige David, Salomon und Herodes, die Stadt, in der bis zur Zerstörung durch die Römer der Tempel stand, und in der Jesus als „König der Juden“ von den Römern gekreuzigt wurde, die Stadt, die Juden seit 2000 Jahren beim Pessachfest beschwören – „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ –, dass diese Stadt, die nur deshalb Christen und Muslimen heilig wurde, weil sie seit jeher den Juden heilig ist, die Hauptstadt des jüdischen Staates ist und sein muss.“, schreibt Alan Posener dazu in der WELT. Ganz allein ist Trump mit seiner Entscheidung übrigens nicht. Im April dieses Jahres nahm die Welt schweigend zur Kenntnis, dass Russland Westjerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt hat. Und im Mai hat das tschechische Parlament Jerusalem als Hauptstadt anerkannt.

Und zuletzt, reden wir noch darüber, dass es den Frieden keinen Schritt näher gebracht hat, ständig den Druck auf Israel zu erhöhen. Denn selbst die schmerzhaftesten Zugeständnisse Israels reichten den Palästinensern nicht, deren eigentliches Ziel immer lautete: „Geht zurück ins Meer. Oder sucht euch ein anderes Land.

Unabhängig davon, wann bzw. ob die USA ihre Botschaft nach Jerusalem verlegen, markiert die Anerkennung der israelischen Hauptstadt eine Wende in ihrer Nahostpolitik. Schon mit der Ankündigung steigt der Druck auf die arabische Welt, endlich die Realität anzuerkennen: Es kann niemals ein „Rückkehrrecht“ für Palästinenser geben, die nicht in Israel geboren wurden. Und Jerusalem wird die Hauptstadt Israels bleiben. Vielleicht wird es einmal auch die Hauptstadt eines palästinensischen Staates sein, aber nie wieder werden sich die Juden aus ihrer Stadt vertreiben lassen. Je geschlossener Europa sich dem anschließen würde, desto größer wäre die Aussicht auf Erfolg. Leider beweist der Kontinent vorläufig nur, wie recht Dan Shueftan mit seinem Bonmot hatte: „Immer wenn Du Zweifel hast, frag die Europäer – und mach dann das Gegenteil.“

 

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Nikolaustag… 6. Dezember, 2017

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Seit ungefähr 61 Jahren glaube ich nicht mehr an den Nikolaus, bzw. daran, dass es diese geheimnisvolle Person sei, die mir am Morgen des 6. Dezember meinen am Abend zuvor gründlich geputzten Schuh mit Süßigkeiten füllt…. (vor 61 gab es noch keine Geschenke… diese Unsitte kam erst später auf, als schlaue Kaufleute „im Nikolaus“ das Potential  für das vorweihnachtliche Geschäft erkannten und mit „Kleinigkeiten“ als Geschenk warben…) Ich war auch schon damals  nicht katholisch und dementsprechend auch mit den Gebräuchen der Heiligenverehrung nicht vertraut.

Irgendwann stellten meine Eltern als quasi Nikolausvertreter die Verteilung von Süßigkeiten an mich und meinen Bruder auch ein…  wir machten es uns als Familie gemütlich mit einem „bunten Teller“ und Tee oder Kakao.

Später,  ich war inzwischen Ehefrau und Mutter, gab es für unsere lieben Kleinen kleine Geschenke und für uns Erwachsene Nikolauspunsch… ein ganz wunderbar wundersames Getränk….

Aber auch unsere Kinder wurden groß, der „Glaube“ an den Nikolaus wandelte sich auch für sie in eine schöne Legende, die mit  liebevollen Gesten am Nikolaustag ins Bewusstsein gehoben wird…

Heute aber könnte ich beinahe selbst wieder an den Nikolaus glauben, der heimlich still und leise Dinge in Ordnung bringt, kleine Geschenke macht und damit Freude auslöst bei denen, die so beschenkt werden.

Denn heute – allerdings nicht heimlich still und leise – , am Nikolaustag 2017,  löst der als „irrlichternder Egomane“ von vielen Medien  verhöhnte Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, eine vor Jahrzehnten  getroffene Entscheidung ein:  Die USA erkennen Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel an!  Gleichzeitig  kündet Trump an, die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen… dieses Versprechen hatte er bereits im Wahlkampf gemacht, jetzt hat er die entsprechenden Stellen angewiesen, den Umzug vorzubereiten.

 

Vielleicht ist es ja ein Zeichen für kindliches Wunschdenken oder für politische Naivität, wenn ich unumwunden zugebe, mich über diese Entscheidung des Präsidenten zu freuen und damit ganz diametral entgegen allen Kommentatoren unserer öffentlich-rechtlichen Wahrheitsverkünder zu denken.  Die werden nämlich nicht müde, die Sicht der sogenannten „Palästinenser“ weiter zu reichen, nach deren Lesart wird Jerusalem die künftige Hauptstadt ihres künftigen Staates sein. Der liegt zwar noch in weiter Ferne und wird – wie wir alle wissen – von den „Siedlungen“ massiv am Entstehen gehindert, aber der bereits bestehende Staat Israel darf darum auf gar keinen Fall Jerusalem zu seiner Hauptstadt machen.

Ist doch logisch, oder?

Die Araber, die sich seit Arafat „Palästinenser“ nennen, diese Identität stiftende  Bezeichnung für ein mögliches „Volk“ aber während der britischen Mandatszeit stolz ablehnten und darauf beharrten Araber zu sein, diese Araber also haben sich seit 1947 der Teilung des damaligen Mandatsgebiets „Palästina“ in einen jüdischen und einen arabischen Staat strikt verweigert. Sie wollen den ganzen Kuchen – das kann man in der Charta der Hamas nachlesen. Und deshalb dürfen die Juden keine Hauptstadt „Jerusalem“ haben. Die sogenannte Völkergemeinschaft weist gerne auf den „ungeklärten Status“ Jerusalems hin und ignoriert dabei geflissentlich die 3000-jährige Geschichte der Stadt Jerusalem als Zentrum der jüdischen Welt ebenso, wie die einfache Tatsache, dass jeder Staat weltweit selbst darüber bestimmt, welcher Ort auf seinem Staatsgebiet die Funktion der „Hauptstadt“ innehat. So hat auch der Staat Israel die uralte, ja ewige „Hauptstadt des Judentums“ zu seiner „staatlichen Hauptstadt“ gemacht.

In Jerusalem tagt die Knesset – seit 1966 in dem ebenso genannten Gebäude – , in Jerusalem ist der Sitz des Ministerpräsidenten und des Präsidenten, der Ministerien und der meisten Einrichtungen der Verwaltung. Aber die Weltgemeinschaft in Form der akkreditierten Botschaften  findet es vermutlich in Tel Aviv sehr viel interessanter, außerdem ist der Weg zum Strand deutlich kürzer und der Shabbat wird in Tel Aviv nicht ganz so streng eingehalten wie in Jerusalem. Kurz gesagt, Tel Aviv ist die „Hauptstadt für die  Botschafter“ und Botschaften. (Ich musste mal in aller Herrgottsfrühe mit meiner Freundin von Jerusalem nach Tel Aviv fahren, weil der Freundin in einem kleinen Straßencafe direkt am Damaskustor der Pass und auch sonstige wichtige Utensilien geklaut worden war und sie einen Behelfspass in der deutschen Botschaft beantragen musste…  wir warteten endlos lange, aber sie bekam den Pass. Anslchließend erholten wir uns am Strand von Tel Aviv von den ausgestandenen Strapazen….  am nächsten Tag fuhren wir über Eilat nach Taba und von dort aus weiter mit einer kleinen Gruppe auf den Sinai….  das würde ich heute nicht mehr machen, die Jeep- und Wandertour im Sinai!)

Heute nun, am Tag des Heiligen Nikolaus, freue ich mich darüber und wiederhole es gerne noch einmal: Der Präsident der USA löst ein Versprechen ein und stimmt dem Selbstbestimmungsrecht Israels zu:

JERUSALEM  IST DIE HAUPTSTADT DES STAATES ISRAEL

Da kann Marietta Slomka wettern und wüten wie sie will. Das stört mich gar nicht, allenfalls ärgere ich mich darüber, dass sie immer noch anti-israelische Propaganda macht.

Und was der  Siggi,die Angie, der Martin und der Aiman, der angebliche Stellvertreter Gottes auf Erden und der beinahe heilige Emanuel aus Frankreich dazu sagen… geschenkt. (Ich finde das zwar ganz schrecklich, aber heute und gleichzeitig ganz und gar unerheblich und auch vollkommen überflüssig!)

Ich würde mir aber vom Nikolaus noch ein kleines Zusatzgeschenk wünschen:

Bitte, bitte lass es friedlich bleiben in Jerusalem und ganz Israel.

Denn schon wetzen sie wieder die Messer, die unversöhnlichen, unfriedlichen arabischen Nachbarn in Samaria und Judäa…

Und ich wünsche mir,  dass all die Neunmalklugen, die sogenannten „Freunde Israels“, die immer und ausschließlich Israel in der Pflicht zu Zugeständnissen sehen und bei Zuwiderhandlungen an den Pranger stellen, dass diese „Freunde“ einfach mal die Klappe halten. Wenigstens das.

Lieber Nikolaus, kannst Du nicht dafür sorgen, dass sie ausnahmsweise mal Trumps Beispiel folgen… dieses eine Mal?

Ich verspreche Dir, ich werde auch ganz brav sein….

Maßlosigkeit und doppelte Standards…??? 29. November, 2017

Posted by Rika in aktuell, attentat, flüchtlinge, gesellschaft, integration, medien, meine persönliche presseschau, politik, presse.
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Heute, am 29. 11. 2017  in der HAZ

Die Seiten 2 und 3,  ich habe sie fotografiert und das Foto hier eingestellt, um den optischen Eindruck wieder zu geben, den der Leser (also in dem Fall auch ich) heute Morgen beim Aufblättern seiner Zeitung erleben konnte.

„Altena im Sauerland gilt als Musterbeispiel gelungener Integration von Flüchtlingen. Die treibende Kraft dahinter war CDU-Bürgermeister Andreas Hollstein. Jetzt wurde er Opfer eines Mordversuchs. Warum werden immer mehr Kommunalpolitiker massiv bedroht?“ Heißt es im „Untertitel“.

Eine weitere Abschrift des Textes kann ich mir ersparen, weil er wortgleich heute auch im Internet zu lesen ist,  allerdings nicht unter HAZ  (Hannoversche Allgemeine Zeitung)  sondern unter WAZ (Wolfsburger Allgemeine Zeitung).  Beide Blätter gehören zum Madsack-Konzern.

Aber zitieren will ich aus dem Text.

Der Autor, Thorsten Fuchs, führt uns stimmungsvoll mit diesen einleitenden Sätzen ins Thema:

 Am Morgen nach der Tat quillt bereits wieder der Hass aus seinem Computer. An der linken Seite seines Halses klebt ein großes weißes Pflaster, darunter klafft eine 15 Zentimeter lange Schnittwunde, und auf dem Bildschirm liest Andreas Hollstein Nachrichten, in denen sinngemäß steht: Gut, dass jemand versucht, dich zu töten. Schade, dass er es nicht geschafft hat.

 

Mein optischer Eindruck vom Pflaster, unter dem eine 15 cm lange Schnittwunde klaffen soll ist der, dass nicht einmal das Pflaster inklusive Kleberand 15 cm lang ist, geschweige denn die Wunde, die es verdecken soll. Aber das kann man vernachlässigen, der Redakteur hat vermutlich irgendwo abgeschrieben und dann seinen logisch-denkenden Verstand beim Betrachten des Fotos ausgeschaltet. Das kann ja schon mal vorkommen, wenn man im Eifer des Gefechts gegen Rechts nicht wirklich Zeit hat, gründlich zu recherchieren oder zumindest gründlich nachzudenken oder – wie ich es am eigenen Hals getan habe, sogar nachzumessen. An meinem Hals würden die 15 cm vom unteren Ohrläppchen an gemessen bis an den rückwärtigen Halswirbel reichen… und Ihr könnt mir glauben, ich habe keinen Schwanenhals. Aber wie schon gesagt, das ist ja nicht so wichtig. Im Zeitalter von Fakenews kommt es weniger auf das rechte Maß, als vielmehr auf die richtige Gesinnung an und die darf keinesfalls rechts sein.

Das mit den Nachrichten am Bildschirm ist allerdings wirklich böse. Und das meine ich überhaupt nicht ironisch. Jemandem das Bedauern darüber auszudrücken, dass ein versuchter „Mordanschlag“ nicht geklappt habe, ist nicht nur unterste Schublade der Geschmacklosigkeit, es kommt zudem in meinen Augen dem geheimen Wunsch, wenn nicht gar der Absicht, einen anderen zu töten, gefährlich nahe. Daran gibt es gar nichts zu deuteln oder gar zu beschönigen.

Die nächsten Sätze allerdings – und sie waren es am heutigen Morgen, die mich auf die Idee brachten diesen Blogeintrag zu schreiben –   rufen meinen Widerspruchsgeist auf den Plan, schreibt Herr Fuchs doch:

Wenn es noch einen Beweis brauchte, dass das Attentat von Altena nicht nur die irre Tat eines Einzelnen war, sondern auch der Ausdruck eines verbreiteten Denkens, von Aggression und Gewalt, dann sind es diese Nachrichten.

Gemeint sind die via PC eingehenden Nachrichten.

Ist das so?  Ist das wirklich so? Im Text geht es nahtlos so weiter:

„Jeder Politiker erlebt Hass und Bedrohungsszenarien, der Streit und die Wörter werden immer rücksichtsloser“, sagt Bürgermeister Hollstein am Dienstag im Ratssaal des Rathauses von Altena – und fügt fast entschuldigend hinzu: „Dieser Mann war lediglich das Werkzeug.“

Das glaube ich sogar, dass Politiker Hass und Bedrohungsszenarien erleben. Allerdings ist das nicht das Privileg der Politiker. Es mag allenfalls sein, dass viele Politiker, zumal in der Kommunalpolitik, bisher in einem „geschützten Raum“ lebten und die raue Wirklichkeit da draußen in der Welt nicht so richtig mitbekommen haben. Ich bin nämlich ziemlich sicher, dass überall da, wo Menschen in Bereichen arbeiten in denen sie mit der Not und dem Elend konfrontiert sind, mit Verzweifelung, Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, mit finanzieller  und /oder  existentiell empfundener  Ausweglosigkeit, sie auf Menschen treffen, deren Ohnmacht sich in ohnmächtige Wut wandelt und die dieser Wut auch massiv verbal Ausdruck verleihen. Sozialarbeiter und Sozialpädagogen in Jugend- und Sozialämtern oder in der ambulanten Jugend- und Familienhilfe  können sicher ein Lied davon singen, Angestellte in der Bundesanstalt für Arbeit  (da gab es sogar schon Tote), Lehrer in sogenannten Brennpunktschulen,  vermutlich auch Vorgesetzte in vielen Betrieben, die einschneidende Maßnahmen der Belegschaft ankündigen müssen.

Wenn Menschen sich in auswegloser Lage erleben, sich in die Enge getrieben fühlen, greifen sie oftmals zu letzten verzweifelten  Mitteln, um sich wenigsten zu artikulieren, ihrer Frustration Ausdruck zu verleihen, sich „Luft zu verschaffen“. Sie setzen Drohungen in die Welt, wüten gegen alle und jeden. Und manchmal setzen sie ihre Drohungen auch in die Tat um, manche tun dies zielgerichtet und planvoll,  andere spontan, aus der Situation heraus.

Wenn aber der Herr Bürgermeister sagt, dieser Mann sei lediglich das Werkzeug gewesen, so will er doch damit ausdrücken, dass irgendwelche dubiosen Mächte hinter dem armen Kerl stehen oder standen und ihn mehr oder weniger als willenloses Geschöpf für ihre eigenen dunklen Machenschaften „benutzt“ haben. Ein „Werkzeug“ hat in aller Regel keinen eigenen Willen.  Wer also steht dahinter?

Das ist der Punkt, an dem ich mir wünsche,  eine ausführliche Recherche anstelle der  dann folgenden „Vermutungen“ zu lesen. Denn das, was ich zu lesen bekomme, ist dies:

Wieder ist ein Kommunalpolitiker wegen seiner flüchtlingsfreundlichen Haltung zum Ziel von Hass und Gewalt geworden.

ergänzt um die Aufzählung ähnlicher Fälle… wobei die „Ähnlichkeit“ wohl nur angenommen, nicht aber schlüssig erklärt werden kann. Und noch einmal wird aufgelistet, was ehren- wie hauptamtliche Bürgermeister alles zu ertragen haben:

Niederste Beleidigungen, heftigste Drohungen, alles das gehört für ehren- wie hauptamtliche Politiker, die sich in ihrer Stadt oder ihrem Dorf für eine menschenfreundliche Haltung gegenüber Fremden einsetzen, mittlerweile zum Alltag. Das Leben als verbales Hassobjekt kennen viele Bürgermeister inzwischen nur zu gut.

Ich wiederhole mich ja nur ungern,  dieses „Hassobjekt  zu sein“, ist nicht für Politiker reserviert. Aber – und das ist doch der entscheidenden Punkt – hier wird ein Zusammenhang hergeleitet, eine Korrelation beschworen, die meiner Wahrnehmung nach  aber nur unzureichend belegt ist.  Es ist doch viel zu einfach zu sagen: Der Bürgermeister setzt sich für Flüchtlinge ein und wird dafür gehasst.  Mich interessieren die anderen Variablen. Was hat den armen Schlucker bewogen, mit einem Messer auf den Bürgermeister los zu gehen und ihn „leicht“ zu verletzen, wie es an anderer Stelle im Text heißt.

Der Bericht in der HAZ /WAZ gibt über den Täter kaum Auskunft. Dafür erfahren wir umso ausführlicher, wie gut und integrativ die Flüchtlingsarbeit in Altena funktioniert, so gut nämlich, dass…

So viel Engagement sprach sich dann auch bis Berlin herum. Im Mai verlieh Angela Merkel Altena den Nationalen Integrationspreis. „Wir sind überzeugt, dass Integration da am besten gelingt, wo Menschen sich gegenseitig aufeinander einlassen“, sagte die Kanzlerin. „Ich glaube, wir kriegen Deutschland in eine gute Zukunft geführt“, entgegnete Bürgermeister Hollstein, „und die ist bunt.“ Altena, das leuchtende Beispiel. Altena, die etwas andere Kleinstadt.

 

„Wo Menschen sich gegenseitig aufeinander einlassen….“   Das ist das Geheimnis jeden guten Zusammenlebens, ob in der Ehe, einer Familie, in der Gemeinde, im Dorf, in der Schule, in der Kirche,  im Staat. Die Betonung liegt auf „gegenseitig“. Manchmal fällt dieses „sich gegenseitig aufeinander einlassen“ schwer, es kommt zu Konflikten, zu offenem Streit,  Widerspruch und Widerstand. Und manchmal auch zu Gewalt.

Auch in Altena war das so, erfahren wir. Es hatte schon einen Brandanschlag auf ein Haus gegeben, in dem Flüchtlinge wohnten. „Verfestigte ausländerfeindliche Besinnung“ beschied das Gericht den Tätern. Und Herr Fuchs greift diese Vorlage auf und schreibt weiter:

 Auch Andreas Hollstein begegnet seit dieser Zeit immer wieder dieser Gesinnung – in Form von Mails und Briefen, die mit der Zeit immer rücksichtsloser, immer verrohter wurden. „Das Gift aus den sozialen Medien findet vor allem Eingang in die simpleren Gemüter“, so beschreibt Hollstein am Dienstag, was ihn fast täglich erreicht. Bis Montag jedoch war es bei Worten geblieben. Bis der 56-jährige Werner S. den Imbiss betrat, in dem Andreas Hollstein schon auf sein Essen wartete.

 

Man kann es sich richtig gut vorstellen…. das Gift, das aus den sozialen Medien fließt und dann unvermittelt den friedlich auf sein Essen wartenden Bürgermeister trifft. Es ist dramaturgisch sehr sehr gut geschrieben, das mit dem Essen, meine ich.

(Hier muss ich unbedingt einen kleinen Einschub machen, weil mich dieser letzte Satz so sehr an das Buch „Wo die wilden Kerle wohnen“ erinnert.  Für alle, die die Geschichte nicht kennen… ein kleiner Junge hatte sich mit seinem Wolfspelz verkleidet und war seiner Mutter gegenüber so frech geworden, dass diese ihn „ohne Essen“ ins Bett schickte. Max träumte, er sei mit einem Schiff weit fort gesegelt … zu den wilden Kerlen … dann aber segelte er zurück… „bis in sein Zimmer, wo das Essen auf ihn wartete – und es war noch warm.“ Es ist der emotionalste Moment des ganzen Buches, gerade weil es unausgesprochen in diesen wenigen Worten sagt: Die Mutter liebt ihr Kind!  Und das Kind erkennt es  – wie wir Leser – am warmen Essen, das „auf ihn wartete“.)

Mich triggert auch in diesem Bericht „auf das Essen warten“, es ist (für mich) auch in diesem Bericht ein sehr emotionaler Moment.

Und dann kommt da dieser Mann, von dem wir nicht viel erfahren und sticht auf den Bürgermeister ein.

Herr Fuchs macht das geschickt. Er weiß so gut wie nichts über den Mann und seine Herkunft, wenig über sein Leben in Altena, seine sozialen Umstände, er hat sie auch nicht recherchiert, nicht einmal bei den Altenaer Mitbürgern. Er verlässt sich einfach darauf, was allgemein rudimentär gewusst wird und schreibt:

 

Es ist nicht viel, was über den Täter von Altena bekannt ist. Nichts, das den Hass erklären würde. Gelernter Maurer, zuletzt arbeitslos, geschieden, allein lebend, keine Kinder. Er habe wohl psychische Probleme gehabt, erklärt die Staatsanwaltschaft, ein Gutachter soll die Schuldfähigkeit klären. Aber klar ist offenbar auch, dass S. politische, fremdenfeindliche Gründe hatte, den Bürgermeister anzugreifen. Die Tat, so schildert es Hollstein selbst, war offenbar spontan und geplant zugleich.

„Nichts, das den Hass erklären würde.“ Haben die Reporter überhaupt versucht heraus zu finden, ob es Gründe für „Hass“ gibt?

„Aber klar ist offenbar auch, dass S. politische, fremdenfeindliche Gründe hatte.“ Wie wird das belegt? Wen haben sie gefragt, diejenigen, denen das so klar ist?

Wenn nichts den Hass erklären kann, muss es wohl eine ausgeprägte Xenophobie – also ein psychisches Problem – sein, das zur Tat führte. Da können wir beruhigt sein – das ist bei den vielen muslimischen Attentäter auch immer so, zumindest in dieser Hinsicht sind alle gleich.
Der Bürgermeister war aber wohl davon überzeugt, dass die Tat „spontan und geplant zugleich“ war. Er kannte vermutlich Herrn S, wie könnte er sonst überzeugt sein?

Könnte das damit zusammenhängen, frage ich ganz vorsichtig, dass der Bürgermeister oder Leute aus seiner Verwaltung dem Herrn S. das Wasser abgestellt haben, wie an anderer Stelle im Netz zu lesen war, weil man ihn aus der Wohnung mobben wollte…. und ist das deshalb in erster Linie ein sehr persönlicher Grund und erst in Zweiter Linie möglicherweise ein „politischer“, wie Herr Fuchs schreibt, weil nämlich Herr S. glasklar vor Augen hat, dass Altena sehr fürsorglich mit Flüchtlingen umgeht, ihm aber, dem Einheimischen das Wasser abstellt … aus welchen Gründen auch immer. Es kann doch  das subjektive Gefühl sein, mit den eigenen Bedürfnissen und Nöten zurückgestellt worden zu sein zugunsten derjenigen, die neu hinzu gezogen sind, eingeladen wurden zu kommen.

Mich hätte es interessiert, nein, mich interessiert es, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Dann muss ich mich nämlich nicht in Spekulationen darüber ergehen, ob der Mann vielleicht schon etliche Male vorstellig geworden sein könnte in der Verwaltung oder sogar  beim Bürgermeister selbst und immer wieder abgewiesen wurde. Ich müsste nicht darüber nachdenken, ob es möglicherweise noch mehr Bürger in Altena gibt, denen es ähnlich ergangen ist oder immer noch ergeht, wie dem Herrn S., dem Täter, und ob diese Ausgesonderten sich möglicherweise zusammen finden in der Kneipe und wüste Beschimpfungen gegen die Gemeinde und den Bürgermeister austauschen … und das ihrer Meinung nach sogar zu Recht. Und ich müsste  mich auch nicht fragen, ob und was das mit Politik zu tun hat,  und ob und wie an dieser winzig kleinen Stelle deutlich wird, wie Politik in das Leben der Bürger eingreift und diese sich ohnmächtig fühlen – machtlos sind sie ja sowieso – und wie sich langsam Wut und Zorn aufladen…. bis einer sein Küchenmesser in den Rucksack steckt… für den Fall, dass….

 

Das alles hätte Herr Fuchs recherchieren oder vermuten oder schreiben können.

Aber er greift zum einfachsten Mittel und  suggeriert HASS,   Hass auf Fremde.

 

Wie tröstlich ist dann doch der nächste Abschnitt des Artikels. Ich stelle ihn hier ein, damit wir es nicht vergessen, damit es nicht verloren gehen, wenn der Link gelöscht wird und damit wir alle uns daran erinnern, wie großartig die Regierenden unseres schönen Vaterlandes reagiert haben und reagieren KÖNNTEN, wenn morgen und übermorgen und überübermorgen einer von uns, die wir schon länger hier leben, Opfer eines „Einzeltäters“ werden, der selbstverständlich keinerlei politische Absichten oder Motive hatte…

Der Altenaer Bürgermeister erfuhr am Dienstag viel Solidarität aus der ganzen Republik, auch von höchster Stelle. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb: „Sie können gewiss sein, dass nicht nur ich, sondern sehr viele Menschen in unserem Land derzeit mit Ihnen fühlen und Ihnen alles erdenklich Gute wünschen.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte: „Attacken auf Amtsträger, die sich mit ihrem persönlichen Einsatz für unsere Gesellschaft einbringen, sind verabscheuungswürdig.“ „Politik und Zivilgesellschaft müssen sich stärker schützend vor Betroffene stellen“, forderte Aydan Özoguz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration und Flüchtlinge.

Journalisten , die mit emotional eingefärbten Berichten hantieren, mit „Hass“ und „Hassobjekt“ in Zusammenhang mit „Flüchtlingshilfe“ bestimmte Stimmungen erzeugen wollen, konterkarieren das, was sie eigentlich erreichen wollen, nämlich gegen „Rechts“ vernünftige Argumente zu setzen.
Nüchterne Fakten, gut recherchiert, Angaben über diverse Variablen, die in dem Konflikt eine Rolle gespielt haben, das alles könnte man darstellen. Und wir, die Leser, könnten ein eigenes „Urteil“ treffen…. Traut man das den Bürgern nicht mehr zu, selber zu denken, sich eine Meinung zu bilden, die auf Fakten und nicht auf solchen Hirngespinsten wie „15cm-Fake“ beruhen?
Zu den Geschichten, die emotional aufgehübscht sind, gehört wohl auch diese über Altena aus dem vergangenen Jahr…

Sehr kurzer Zwischenruf… 19. November, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Vielleicht sollte man es sich mit Jamaika doch noch einmal ernsthaft überlegen…

Schließlich gibt es den Fluch der Karibik.

Den muss man doch hier nicht haben….

Darum, liebe Leute, kein Jamaika.

Wenn es aber sein muss und sich kein anderer Ausweg zur Erhaltung der MM ( Macht Merkels) anbietet,

wenn Ihr also doch  miteinander regieren wollt, obwohl Euch mehr trennt, als der Atlantik die BRD von Jamaika, nennt es doch einfach CDU-die Gelb-Grünen.

Oder noch einfacher, FGU     –   Freie Grüne Union.

Dann hätte sich auch endlich das „christlich“ erledigt, das ja ohnehin nur noch eine lästige Nebenerscheinung für Regierungen und Parteien ist. (So könnten auch mehr Vertreter der „Grünen Jünger des Propheten“  dem Verein beitreten und müssten nicht länger Sorge tragen, mit Ungläubigen freundschaftliche, aber vom Koran nicht legitimierte  Beziehungen zu pflegen…)

Vor allem aber würde die Bezeichnung  „FGU“ es vermeiden, noch länger einen armen Inselstaat mit täglichen  –    und durch die Medien  bis  zum Überdruss glorifizierten  –   Durchhalteparolen und Horrormeldungen gleich mit der Lächerlichkeit und Armseligkeit Preis zugeben.

Bitte, bitte, VERGESST   J A M A I K A  !

 

 

 

„Barbie trägt jetzt auch Kopftuch“… 15. November, 2017

Posted by Rika in aktuell, familie, frauen, islam, meine persönliche presseschau, migration, politik.
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titelt mein Käseblättchen auf SEITE EINS!

Das ist doch mal ne Meldung die es wirklich verdient hat, nicht irgendwo im Kultur- oder Wirtschaftsteil einer Zeitung aufzutauchen, sondern ganz prominent und hübsch bebildert gleich auf Seite 1 ins Auge des Betrachters  / Lesers zu fallen.

Bevor ich weiter schreibe, ist hier eine Erklärung nötig:

Ich kämpfe gerade mit meiner generellen abgrundtiefen Abneigung sowohl gegen Barbie wie auch gegen das Kopftuch, man möge mir bitte verzeihen, wenn ich mit diesen ungünstigen Voraussetzungen nur zu einer relativ bissigen Stellungnahme imstande bin.

Meine Haltung zum „Erkennungsmerkmal für  muslimische Frauen“ (muslimische Männer sind in Deutschland ja eher unauffällig gewandet) habe ich ja in verschiedenen Beiträgen hinreichend beschrieben, das muss ich nicht wiederholen, wenngleich sich die Argumentationsgrundlage  auch zu diesem Fall natürlich in keinster Weise geändert hat, nachlesen kann man es beispielsweise hier und hier.

Soweit meine Vorrede.

 

Isabell Rollenhagen, die Autorin des HAZ-Barbie-Titels schreibt einleitend:

„Wespentaille, blonde Wallemähne, weiße Haut: Barbie ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der Inbegriff eines uralten westlichen Frauenbildes.“

 

Nein, Barbie ist nicht der Inbegriff eines „uralten“ Frauenbildes, es ist der Inbegriff einer sensationellen Marketingentscheidung eines amerikanischen Spielwarenherstellers:

(1945 wurde Mattel von Harold Matson, Elliot Handler und dessen Frau Ruth Handler in einer Garage gegründet. Der Firmenname setzt sich zusammen aus Matsons Spitzname „Matt“ und „Elliot“. Die ersten Produkte waren Bilderrahmen und Puppenmöbel aus Holz. Die Erweiterung des Angebots um Puppenkleider war sehr erfolgreich, und so entschied sich das Ehepaar Handler, nach Trennung von dem Partner Matson, sich vermehrt auf Spielzeug zu konzentrieren.

Im Jahre 1959 erschien die erste Barbie-Puppe und 1961 die Ken-Puppe  Quelle )

 

Das mit dem „uralten Frauenbild“ relativiert die Autorin dann im nächsten Satz bereits sehr schnell:

Dem Spielzeughersteller Mattel hat dies in den vergangenen Jahren nicht nur von Frauenrechtlerinnen viel Kritik eingebracht.

Warum wohl protestierten Frauen gegen eine Puppe, die in keinster Weise dem gängigen „Frauenbild“ unserer Gesellschaft entsprach, sondern auf geradezu obszöne  Weise Frauen auf blond, dünn, langbeinig – und, wie ich immer vermutete, blöd reduzierte?  Barbie ist eine Anziehpuppe mit ungeheuer schlechtem Geschmack, mehr nicht. Ich jedenfalls finde mich in diesem von Mattel in Kunststoff geprägtem und von der Autorin als „uralt“ propagierten  „Frauenbild“ nicht wieder.

Frau Rollenhagen schreibt unbekümmert und bar jeder Logik weiter:

 

Doch das US-Unternehmen lernt dazu  – und präsentiert immer wieder auch Puppen, die sich von den Stereotypen abwenden sollen. Die neueste Idee: Barbie bekommt einen Hidschab, also ein Kopftuch, das Haare, Hals und Brust bedeckt.

 

Das ist fein.

Dem Stereotyp „uraltes westliches Frauenbild“ wird jetzt das des „ururalten, archaisch-muslimischen Frauenbildes“ an die Seite gestellt.

Da freuen sich aber die linientreuen Islamverehrer und noch mehr die supertoleranten deutschen, nicht-muslimischen  Islamversteherinnen,  die ja schon längst jede Solidarität mit den unters Kopftuch gezwungenen Frauen aufgekündigt und damit  die emanzipatorische Entwicklung der Frauen  in Deutschland feige verraten haben.

So unterlässt es natürlich auch Frau Rollenhagen, in irgendeiner Weise kritisch auf das „Kopftuch“ an sich einzugehen, vielmehr schließt sie sich dem Werbejubel an, indem sie fortfährt:

Für die Barbie in der „Sheroes-Kollektion“ dient die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad (31) als Vorbild, wie der Mattel-Konzern auf seiner Website bekannt gab.  …. Mit den Sherors-Puppen  … will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die zeigen können, dass Mädchen alles werden können, was sie wollen.“

In der Tat, muslimische Mädchen im Hidschab können etwas werden …..   ABER  eben nicht ALLES  und schon gar nicht  was SIE  wollen. Sie können nicht mit flatternden Haaren am Strand von Malibu oder Sankt Peter Ording im Sand spielen…. nicht mit leichtem Sommerkleidchen im Zoo spazieren gehen ….  nicht ungestüm mit gleichaltrigen Mädchen wie Jungen im Freien toben…     und sage mir niemand, dass kleine Mädchen genau das auf gar keinen Fall wollen!

 

Diesen winzig kleinen kritischen Einschub vermissen ich in dem Bericht von Seite 1 der HAZ, vom 15. November 2017.

Dafür erfahre ich dies:

Die Sportlerin ist begeistert: „Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die einen Hidschab trägt.“ Damit sei für sie ein Kindheitstraum wahr geworden.

 

Ich vermute einfach mal so ins Blaue hinein, dass es der Kindheitstraum der Sportlerin war, wie viele kleine Mädchen mit einer Barbie spielen zu wollen. Das wurde ihr verwehrt, weil ja die Barbie dem  „uralten westlichen Frauenbild“ entsprach und die vermutlich streng muslimischen Eltern genau das verhindern wollten:  Ihre Tochter sollte auf gar keinen Fall einer „westlichen Frau“ ähnlich werden.    Jetzt also können auch muslimische kleine Mädchen mit einer Barbie spielen, die das genaue Abbild ihres muslimischen Frauenbildes ist.

Es sei ihnen gegönnt….

 

Nur von einer deutschen, westlich sozialisierten Frau hätte ich in einem Bericht zu dieser PR-Strategie erwartet, dass zumindest in  einem Halbsatz  das Problem des Kopftuchs für das Selbstbestimmungsrecht kleiner Mädchen angesprochen wird.

Ergänzender Einschub aus einem älteren Kommentar von mir zum damaligen Kopftuchurteil, den ich auch für die „Hidschab-Barbie“ für relevant halte:  „Nun müssen sich halt diejenigen Muslima rechtfertigen, die kein Kopftuch tragen…. Was ist also so großartig an dem Urteil?  ….. WAS ist so großartig an einer Hidschab tragenden Barbie?  
Es ist pädagogisch vollkommen falsch, weil es den jungen Mädchen und Frauen, die aus dem vermeintlich “religiösen” Zwang ausbrechen wollen, nun eine zusätzliche Last in Form Kopftuch tragender Lehrerinnen- und Puppen-vorbilder aufbürdet.
Ich kann darin keinen Fortschritt für die integrationswilligen Muslime erkennen, eher dient es den Extremen zur Rechtfertigung ihrer pseudo-religiösen Ideologie und dem Frauen verachtenden Verhaltenskodex eines archaischen Kultes.

 

Ich habe übrigens lange Zeit versucht, eine Barbie  mit ihrem „uralten westlichen Frauenbild“ von meiner Tochter fern zu halten, zumal das liebste Töchterlein ein gutes Dutzend bezaubernder Puppen besaß….    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich schließlich einen ganz schändliche Deal mit der liebsten Tochter gemacht habe: Die weigerte sich nämlich, zum Abschluss des Schwimmkurses auch die abschließende Prüfung zu machen… alle guten Worte waren vergeblich. Da habe ich sie schlicht erpresst: Wenn Du das Seepferdchen schaffst, bekommst du eine Barbie….  Ich weiß, ich weiß, das war keine pädagogische Glanzleistung. Aber sie schaffte das Seepferdchen und bekam eine Puppe… es war nicht die Original-Barbie…. sie landete auch alsbald in irgendeiner Spielzeugkiste ….

Ich konnte Barbie nicht nur wegen des angeblich „westlichen Frauenbildes“ nicht leiden. Ich fand sie einfach grottenhässlich, völlig unproportioniert und zudem steif und ungelenk…  Nun ja, über Geschmack kann man nicht streiten oder eben doch….

 

Bürger zweiter Klasse… 7. November, 2017

Posted by Rika in gesellschaft, politik.
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Eigentlich,  so kann man es von Zeit zu Zeit in Zeitungen lesen und im Fernsehen erfahren, eigentlich hilft die Bundesregierung den Bürgern, die unverschuldet im Ausland in Not geraten sind…  Vor Jahren wurde für eine Göttinger Familie, die von muslimischen Rebellen verschleppt worden war, ein hohes Lösegeld bezahlt.  Menschen werden aus der Hand der Piraten gerettet, unauffällige Hilfe wurde bisher in sehr vielen Fällen geleistet.

Umso unverständlicher ist es, dass ein DEUTSCHER STAATSBÜRGER schon seit April in einem türkischen Gefängnis fest gehalten wird.

Sein Verbrechen?

Er war als christlicher Pilger unterwegs nach Jerusalem. Aufgebrochen ist er in seiner Heimatstadt Schwerin, sein Weg führte ihn zunächst nach Auschwitz – den Spuren des jüdischen Teils seiner Familie  folgend – mit der Idee im Herzen, pilgernd für Versöhnung und Frieden einzustehen. Seine Pilgerschaft verlief ruhig und friedlich, wenngleich das Wetter vermutlich oftmals suboptimal war. Schließlich erreichte er die Türkei und fand freundliche und ihm wohl gesonnene Menschen. An der Grenze zu Syrien wurde er aufgegriffen und inhaftiert.

Die Anklage? Der Vorwurf?

Es dauerte ziemlich lange, bis sich das deutsche Konsulat seiner annahm. Die Familie in Deutschland in größter Sorge, Angst und Ungewissheit schrieb Briefe an das Außenamt, an alle möglichen Stellen und Politiker, von denen sie sich Hilfe erhoffte.

Nichts.

Seine Gemeinde in Schwerin ruft zum Gebet auf.

Der arme Mensch hat einfach das Pech, ein ganz normaler Mensch wie Du und ich zu sein. Kein Menschenrechtsaktivist, kein prominenter Journalist, kein politisch bedeutsamer Mitbürger, kein Schauspieler oder Entertainer. Er ist so unbedeutend, dass kein Hahn nach ihm kräht, kein Claus Kleber mit vor Empathie zitternder Stimme sich seiner annimmt, keine  Dunja Halali für ihn trommelt. Es bilden sich keine Licht-Demonstrationen vor Kirchenämtern oder dem Bundestag.

Der Mann ist einfach nur ein Mensch.

Sonst nichts.

Als einfacher Mensch und sonst nichts bist Du aber ein Bürger zweiter Klasse wenn Du in die Fänge türkischer Behörden gerätst.

Dann gnade Dir nur noch Gott.

 

Nachlesen kann man die Geschichte hier:

Weitere Links hier:

https://unbesorgt.de/ab-sofort-bin-ich-menschenrechtsaktivist/

http://www.audiatur-online.ch/2017/08/28/deutscher-pilger-ueber-mehrere-monate-gefa

 

 

Der Blick von außen…. 30. September, 2017

Posted by Rika in einwanderung, flüchtlinge, gesellschaft, integration, islam, meine persönliche presseschau, politik.
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Manchmal, so scheint es mir, sieht man aus der Entfernung sehr viel klarer, als aus der Nähe.

Das sogenannte „Große Ganze“ wird leichter erkennbar, wenn man die vielen kleinen  Facetten unscharf stellt und „nur“ die wesentlichen Konturen betrachtet. Diese „Außensicht“ trifft auf einen Artikel zu, den ich über Facebook fand:

Sieh säte Wind und erntete Sturm„, ist der Titel bei baz-online.

Und im Untertitel wird deutlich, um wen und was es geht. Die Wahlen zum Deutschen Bundestag liegen hinter uns. Ich habe es  mir fast vollkommen verkniffen während des Wahlkampfes dazu zu schreiben. Das Ergebnis? Ein Desaster für die SPD, die FDP freut sich, wieder im BT vertreten zu sein, die Grünen konnten aufatmen, sahen die letzten Umfragen doch nicht danach aus, als würden sie die Hürde schaffen. Die Linke ist ebenfalls wieder vertreten und noch eine weitere Partei hat den Einzug ins Parlament geschafft, die AfD.

Die CDU ist wieder mal die stärkste Kraft – aber zu welchem Preis:

„Eigentlich ist Angela Merkel abgewählt worden. Alle spüren das. Nur Angela Merkel nicht.“

Hatte sie bei den letzten Wahlen schon jeweils Federn lassen müssen, so ist das jetzige Ergebnis eigentlich nur als Misstrauensvotum zu betrachten, aber die Kanzlerin sieht das anders. Sie spricht vom klaren Wählerwillen und davon, dass sie den Wahlkampf gut durchdacht habe und keine Fehler zu erkennen seien. Ihr fehlt eben jener Blick von außen, und der sieht so aus:

 

8,6 Prozent. So viel hat ein amtierender deutscher Bundeskanzler noch nie in einer Wahl verloren, und noch nie hat ein deutscher Bundeskanzler, dessen Partei so abgestürzt ist, das politisch überlebt. Hätte Angela Merkel (CDU) Verstand, kennte sie die ungeschriebenen Gesetze der Demokratie, glaubte sie an die Bedeutung von Wahlen: Sie hätte längst ihren Rücktritt angeboten, so wie das üblich ist, wenn man das Wort Verantwortung ernst nimmt.

Denn niemand trägt mehr Verantwortung für die Pulverisierung der CDU, einer der einst mächtigsten und solidesten bürgerlichen Parteien Europas, als Angela Merkel, eine Frau, die ihr Leben in der DDR begann, weil ihr Vater die DDR offenbar mehr geschätzt hatte als die alte Bundesrepublik und einst in den 1950er-Jahren freiwillig von Hamburg in die DDR gezogen war. Zwar dürfte dieser evangelische Pastor kein Kommunist gewesen sein, aber besonders abgestossen fühlte er sich von ihnen auch wieder nicht.

Angela Merkel, das merkt man immer wieder, und ich sage das als ein Schweizer, der in der alten Bundesrepublik gelebt und studiert hat, Angela Merkel kennt diese alte BRD nur vom Hörensagen her, und vielleicht mag darin ein Grund liegen, dass sie die eigentliche Staatspartei dieser BRD, die Wirtschaftswunderpartei, die katholische Adenauer-Partei, so malträtiert und mit einer Mischung von Geringschätzung und Nonchalance zerstört hat.

Ich werde hier nicht den ganzen Text einstellen,  diesen Abschnitt aber doch:

Die CDU amputiert, die SPD, um 1863 gegründet, beinahe auf das Niveau von 1890 gebombt, als sie auf einen Wähleranteil von 19,8 Prozent kam, und in der Ruinenlandschaft blieb eine neue Partei stehen, die aus dem Nichts zur dritten Kraft im Parlament gemacht wurde: Wenn solche Dinge geschehen, dann ist politisch sehr viel geschehen. Die Deutschen müssen, wie zuvor die Briten und die Amerikaner, in einem Masse über den Status quo verärgert sein, dass es eigentlich unmöglich ist, zur Tagesordnung überzugehen. Jamaika? No, woman no cry, sang Marley. Nein, Frau, weine nicht.

Die AfD hat gewonnen, obwohl sie sich wie eine unzurechnungsfähige Partei aufführt und obwohl manche ihrer Exponenten wahlweise Dummes, Geschmackloses, Bedenkliches und Inakzeptables von sich gegeben hatten. Die AfD hat gewonnen, obschon die Partei von ihren Konkurrenten mit dem schlimmsten Vorwurf belegt worden war, den man in Deutschland einer Partei machen kann, dass sie nämlich eine Nazi-Partei sei – und obschon sie wenig dafür getan hat, solche Beschimpfungen zu widerlegen, hat diese maximal verteufelte und tabuisierte Partei 12,6 Prozent der Stimmen bekommen.

Das lässt erahnen, wie unermesslich die Misere sein muss, in der sich manche Deutsche fühlen. Hätte die AfD einen besseren Ruf, sie wäre womöglich bei 20 Prozent angelangt. Wird Merkel eine Jamaika-Regierung bilden, könnte die AfD diesen Wert in vier Jahren erzielen, sofern sie sich nicht selber im Chaos auflöst, was durchaus denkbar scheint.

 

Teil dieser Misere ist meiner Meinung nach die nach wie vor herrschend Haltung  aller bisher im Bundestag vertretenen Parteien, sich nicht mit der Frage auseinander zu setzen, wie sehr Menschen aus einem gänzlich anderen Kulturraum die Gesellschaft herausfordern, sich mit ihrer eigenen Identität zu befassen, die ja, folgt man Frau Özoguz, außer der Sprache keine eigene Kultur aufzuweisen habe.  Wo blieb der Protest angesichts dieses ungeheuerlichen Statements?   Von Seiten der Kanzlerin, der Opposition, der Mehrheit der Medien war kein Aufbegehren gegen diese Erniedrigung deutscher Kultur zu hören.

Wie der Teufel das Weihwasser, so vermeiden die führenden Politiker der Republik die Auseinandersetzung mit dem religiös verbrämten Faschismus des Islam.  (Leider gilt das für die meisten Kirchenführer nicht minder!) Statt mit den sogenannten „gemäßigten Muslimen“ und mit Islamkritikern den Schulterschluss gegen die Vorherrschaft mittelalterlicher Verhaltensvorschriften in den Koranauslegungen ultrakonservativer Imame  in den Moscheen und den Darlegungen treuer Apologeten des Propheten in öffentlichen Debatten zu suchen, folgt man brav der von der Türkei gesteuerten DITIB und redet in der Islamkonferenz mit Leuten wie Aiman Mazyek. (Zum Glück deutet sich hinsichtlich DITIB ein ganz, ganz leichtes Umschwenken an,  zu wenig, wie ich meine!)

Baz-online schreibt dazu:

 

Angela Merkel hat schliesslich eine Politik gemacht, wie sie im ganzen Westen zu beobachten ist, wie sie überall scheitert und wie sie in höchstem Masse unpopulär ist: In den vergangenen 15 Jahren hat eine unkontrollierte und nie vom Wähler abgesegnete – geschweige denn gewünschte – Immigration von Millionen von Menschen unsere Länder auf eine Art und Weise verändert, wie wir uns das nie hätten vorstellen können.

Wer hat das zugelassen, wer hat das gewollt, wem soll das etwas bringen? Eine hoch bezahlte, gut ausgebildete Elite, die nie im gleichen Masse von den Folgen dieser Masseneinwanderung betroffen ist wie die meisten einfachen Bürger, sieht untätig zu, wenn Immigranten unseren Sozialstaat zweckentfremden, verwöhnte Politiker, die mit Begleitschutz unterwegs sind, muten uns importierte Kriminalität und Terror zu und reden deren Auswirkungen schön, wenn sie uns darüber nicht ganz im Dunkeln lassen; angeblich vernünftige Staatsmänner lassen zu, dass sich unsere Gesellschaften vollkommen umwälzen, ohne Rechenschaft darüber abzulegen, inwiefern uns das gut tut oder uns Bürgerkriege bringt, ja, gewisse Politiker, wie vor allem Angela Merkel, haben diese Umwälzung sogar forciert – ohne irgendjemanden zu fragen, kein Parlament, kein Kabinett, keine EU, keinen einzigen deutschen Bürger.

Selten hat eine Politikerin so selbstherrlich entschieden, dass ihr Land ein anderes werden soll – und selten hat eine Bundeskanzlerin vom Wähler ein so unmissverständliches Urteil empfangen, was er davon hält. 8,6 Prozent. Nur Angela Merkel scheint die Bedeutung dieser Zahl noch nicht begriffen zu haben.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Doch dies noch zum Schluss des Artikels:

Als die Israeliten Gott vergessen hatten, kündigte der Prophet Hosea ihnen zahllose Strafen an:

«Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten. Ihre Saat soll nicht aufgehen; was dennoch auf-wächst, bringt kein Mehl; und wenn es etwas bringen würde, sollen Fremde es verschlingen.» Vielleicht sollte Merkel, die Tochter des Pastors, wieder einmal in der Bibel lesen. Und dann abtreten.

 

Aber die halsstarrige Pastorentochter aus der Uckermark wird ganz gewiss nicht abtreten… sie ist schließlich ALTERNATIVLOS

 

 

 

Sind wir wirklich so bunt, weltoffen und demokratisch? 27. September, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Dieses öffentlich an Herrn Gauland adressierte Bekenntnis fand ich bei facebook…. eine mir sehr liebe Person hatte es weiter gegeben.

 

 

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen und Text

(Urheber des „Plakats“ ist laut facebook Sven Reitis)

Der Text ist doch wirklich gut  – oder?

Oder eben bei weiteren Nachdenken darüber doch nicht ganz so gut  wie es zunächst den Anschein hat?

„Alter Mann!“

Es fängt  damit an, dass der Schreiber dieser Zeilen entweder sich selbst oder den „alten Mann“,  den Adressaten (und unausgesprochen nicht nur alle ‚alten‘ Männer, die sich ähnlich politisch  äußern) ausnimmt aus einer Gemeinschaft, die wir bisher „Volk“ nannten.

Ich kann  aber auch  darüber spekulieren, ob der Begriff „Volk“ an sich schon ein Ausschlusskriterium ist oder als solches hier gebraucht wird, erinnert „Volk“ doch zu sehr an das „deutsche Volk“, das in der Vergangenheit zu eng und zu sehr mit „Führer“ liiert war und solche Assoziationen heute einfach nicht mehr wachgerufen werden sollten …   von „Volk“ ist man in Deutschland heute wohl wieder  zu leicht und zu schnell bei „völkisch“, und das war vor 1945 eine wichtige Vokabel, die in den Reden über Recht, „Rasse“ und Wesen  der Deutschen nicht fehlen durfte.

Dies Deutschland der Rassegesetze und völkischen Beobachter ist aber nicht einfach so mir nichts dir nichts untergegangen, wie weiland die Titanic unterging, nachdem sie einen Eisberg gerammt hatte, dies Deutschland, das einen Krieg angezettelt und sich aus purem Hass und Antisemitismus  die Vernichtung der Juden auf die Fahne geschrieben hatte, ist  niedergekämpft und niedergerungen worden unter dem Einsatz und Opfer millionenfachen Lebens russischer, englischer, amerikanischer, französischer Soldaten und ihrer Verbündeten aus nahezu allen Ländern der zivilisierten Welt.

Nein, Deutschland ist nicht „untergegangen“.

Es ist schon ein gewaltiger Unterschied ob man unverschuldet untergeht oder in einem harten und von deutscher Seite erbittert geführten Krieg („Wollt ihr den totalen Krieg?“ –  „JAAAAA!!!“) besiegt wird.

Deutschland wurde – Dank sei Gott – besiegt und damit wurde auch der politischen Macht der  bösartigen, grausamen und menschenverachtenden Ideologie des Faschismus das Ende bereitet.  Im Westen Deutschlands erlernten die Deutschen durch mehr oder weniger starken Druck der Siegermächte demokratische Strukturen, der Osten hingegen wurde formal von der Sowjetunion für „antifaschistisch“ erklärt und ächzte noch Jahrzehnte unter dem „Demokratie“ genannten real existierenden Sozialismus/Kommunismus sowjetischer Prägung,  mit Hilfe der Stasi wurde die „richtige politische Einstellung“ überwacht, Abweichler von der Norm weggesperrt  und alle Bürger durch den „antifaschistischen Schutzwall“ eingesperrt!

Aber glaubt der Schreiber der obigen Zeilen wirklich, dass „sein Deutschland“  mit dieser Vergangenheit nichts zu tun hat, dass er sich so mir nichts dir nichts  distanzieren kann von dem was Deutschland war und er nun in einem „neuen Deutschland“ fröhlich und bar jeder Geschichte leben kann?  Ist dieser seltsamen Vorstellung seine Zuordnung   „dein Deutschland“ geschuldet, das im nicht näher definierten Gegensatz zu „seinem“ oder gar „unserem“ Deutschland steht?

„Mein Deutschland ist bunt, weltoffen und demokratisch“.

Ist das so?

Und besteht das schöne neue, bunte Deutschland dann nur aus Schwarz, Gelb, Rot, Grün und Dunkelrot?  Ist „Blau“dann plötzlich keine Farbe mehr, sondern nur noch ein unappetitlicher Zustand, zum Kotzen, wie nach einer durchzechten Nacht? (By the way, nach der Farbenlehre ist BLAU unverzichtbar, will man GRÜN erhalten…  und wenn man mit den Farben im Farbkasten spielt und Rot und Grün kräftig zusammenrührt und mit etwas Schwarz anreichert, ergibt es ein sattes Braun )

Gilt weltoffen nur noch  noch für Leute mit der rechten – ähh – richtigen Gesinnung und wer bestimmt die? Oder meint „weltoffen“ eine Einladung an alle Menschen und Völker dieser schönen Welt, aber den Ausschluss Herrn Gaulands und seiner Partei und aller Menschen, die die AfD gewählt haben?

Und was ist heute demokratisch?  Ist es demokratisch, nur noch eine politische Meinung zuzulassen und sorgsam darauf zu achten, dass niemand den Boden der grünrotschwarzgelbtiefroten Gemeinschaftsideologie verlässt? Hat das Grundgesetz noch Gültigkeit, das allen NICHT verbotenen Parteien das Recht einräumt, sich an freien, demokratischen und geheimen Wahlen zu beteiligen und vor allem allen wahlberechtigten Bürgern das Recht zuspricht, in geheimer Wahl ihren politischen Willen zum Ausdruck zu bringen, indem sie einer Partei und/oder einer Person ihre Stimme geben?

Wäre es so, dass in der politischen Farbenlehre nur noch rotgrüngelbschwarztiefrot zählte, Weltoffenheit nur noch den neu zu uns Kommenden gelte aber den Abweichlern von der Farbenlehre nicht mehr und Wahlen nur noch ein Ergebnis haben dürften, nämlich das derjenigen, sie sich selber für bunt, weltoffen und demokratisch halten und alle verachtend ausgrenzen, die nicht sind wie sie, dann, ja dann würde ich den Untergang Deutschlands beklagen, eines freien Deutschlands nämlich , das sich seiner Vergangenheit bewusst ist und DESHALB so demokratisch ist wie nie zuvor.

Bei Facebook, dem ich das „Plakat“ und damit auch dieses kleine Gedankenspiel verdanke, habe ich folgende Kommentare abgegeben. Sie stelle ich hier unverändert ein, auch wenn sie etwas holperig daherkommen:

 

A:  Vielleicht sollte man wieder „mehr Demokratie wagen“, wie es einst der große Willy Brandt seiner Partei und allen deutschen Bürgern nahelegte. Mich hat das damals tief beeindruckt. Ich war jung und politisch interessiert. Inzwischen bin ich alt geworden, aber Politik interessiert mich immer noch. Allerdings bin ich bekümmert darüber, wie wenig Zutrauen so viele Leute noch in demokratische Prozesse haben und es macht mich fassungslos, mit welchem Hass und welcher Häme Menschen ausgegrenzt werden, die nicht dem „modernen Bild“ eines uniformen Staatsgedanken entsprechen. Ich entdeckte diesen Text und stelle ihn hier ein, er gibt all das wieder, was mich in der Diskussion um Rechts und Links bewegt, denn das sollten wir doch nicht vergessen: Die Linke fußt auf dem Unrecht der SED – oder besser gesagt, des Kommunismus, der viel Elend über die Menschen gebracht hat – unsere „Oma Gifhorn“ könnte ein Lied davon singen. Aber das spielt in den Medien so gut wie keine Rolle. Schon mal darüber nachgedacht, warum das so ist?

Hier nun der Text: „

»So ganz begreife ich euer Problem nicht. Es wurde mit der AfD eine Partei gewählt, die rechte Positionen besetzt, so wie wir mit den Linken und den Grünen Parteien haben, die linke Positionen besetzen. Es empören sich alle so, als hätte man der AfD die absolute Mehrheit überlassen. Die Wahl der AfD war für alle, die das stetige Abdriften der Politik nach links beenden wollen, reine Notwehr.

Natürlich gibt es bei der AfD auch extreme Rechte, aber eine Demokratie muss auch die vertragen können, sonst wäre es keine Demokratie. Wieviele der Brandflaschenwerfer aus Hamburg waren wohl Linke oder Grüne? Das war doch auch ziemlich extrem und da wird nicht so ein Aufstand gemacht. Wer eine Politik der Mitte möchte, muss auch manchmal ein Steinchen auf die rechte Seite der Waagschale legen.

Als Demokrat bin ich entsetzt, was hier im Land seit einiger Zeit abgeht. 13% haben die AfD gewählt, nicht weil sie wieder Konzentrationslager wollen, nicht weil sie sich wieder einen Führer wünschen, nicht weil sie das dritte Reich wieder aufleben lassen wollen, sondern weil sie einfach die Meinung der Linken in diesem Land nicht teilen.

Die CDU hatte vor 10 Jahren noch überwiegend die gleichen Ansichten wie heute die AfD, aber die Partei ist nach links gewandert und nicht ihre ehemaligen Wähler nach rechts.

Würde man isoliert die Meinung eines Helmut Schmidt zur Flüchtlingsfrage hören, würde man ihn auch als Nazi beschimpfen, denn der war total gegen die Zuwanderung so vieler Moslems. Das SPD-Urgestein Wehner hat schon vor langer Zeit vor unkontrollierter Zuwanderung gewarnt. Selbst die Ansichten der SPD von 1997, würde man heute als Rechts bezeichnen.

Jetzt ist mit der AfD eine Partei mit 13% vertreten, die endlich mal eine ganz andere Meinung hat. Genau das nennt man Demokratie, aber ihr bekommt hier alle Schnappatmung. 

Hört auf, die AfD-Wähler zu beleidigen und zu diffamieren, denn genau das erzeugt Hass, und Hass führt zu Gewalt. Seid Demokraten und akzeptiert, dass es Menschen mit einer anderen Meinung gibt. Teilen müsst ihr diese Meinung nicht. Aber wer es so an Respekt vor Menschen mit anderer Meinung fehlen lässt, darf selbst keinen Respekt erwarten.

Die SPD bezeichnet sich als Partei der Toleranz und sieht sich als das Bollwerk der Demokratie. Irgendwie erkenne ich das nicht. Also kommt wieder runter und reisst euch endlich mal zusammen.«“   Der Autor wollte unerkannt bleiben, heißt es.

 

B: Ach ja, das muss ich noch ergänzen…. ich bin 1980 aus Überzeugung SPD-Mitglied geworden und bin von vielen Frommen dafür verurteilt worden. Ich bin immer noch in der SPD …. auch wenn mich ihre Positionen zur Zeit überhaupt nicht mehr überzeugen, aber wenn alle weglaufen, wenn es Probleme gibt, gibt es niemanden mehr, der für Veränderung aufstehen kann. Und dafür will ich mich einsetzen: Wir müssen wieder mehr Demokratie wagen, denn für mich ist DEMOKRATIE ALTERNATIVLOS, auch wenn unsere Bundeskanzlerin den Begriff „alternativlos“ immer nur für ihre Politik reklamiert, die ich allerdings für außerordentlich alternativbedürftig halte, was nicht gleichbedeutend ist, die AfD zu wählen. Das habe ich nicht getan und werde es auch nicht tun, aber dieser fürchterlichen, hasserfüllten Hetze gegen Menschen, die aus Gründen, die ich nicht kenne und die sie auch nicht öffentlich rechtfertigen müssen, die AfD gewählt haben, werde ich mit allergrößter Entschiedenheit entgegen treten. Nicht weil ich für die AfD bin, sondern weil ich immer noch auf den alten Willy hören will: MEHR DEMOKRATIE WAGEN !!!

C: Macht euch in euren Worten und Taten nicht denen gleich, gegen die ihr antreten wollt, die Welt zu verbessern. Verachtung drängt Menschen ins Abseits, sie verstehen zu wollen, eröffnet die Möglichkeit des Gesprächs, überzeugen kann man sie nur mit dem eigenen Verhalten und der Wahrung der Würde ihres Menschseins —

(Ich verlinke hier nicht auf den urspünglichen Facebookbeitrag, bei dem ich kommentiert habe, weil es die Seite einer anderen Person ist.)

 

In Ergänzung habe ich bei FB auch noch einen Link weitergegeben, der Hinweis soll auch hier nicht fehlen

 

Schlaglichter: Deutschland hat gewählt 

Fremde Feder: Ulrich Sahm zu journalistischer Verantwortung 6. September, 2017

Posted by Rika in gesellschaft, israel, israelkritik, politik, presse.
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Schon lange stößt es mir bitter und sauer auf, wenn Journalisten in ihren Berichten aus oder über Israel mit zweierlei Maß messen und dabei die alten antisemitischen Vorurteile ihrer deutschen Leserschaft in Form von „gut gemeinter Israelkritik“ bedienen. Zu wahrer Meisterschaft in der „freundlich-kritischen“ Berichterstattung hat es Richard Chaim Schneider gebracht.

Nun hat Ulrich Sahm, ein versierter Kenner Israels und überaus kompetenter und sich sachlicher Berichterstattung verpflichteter Journalist,  auf einen besonders hinterhältigen Bericht Schneiders öffentlich bei „Audiator-online“ geantwortet.

Mit Ulrichs Sahms Erlaubnis stelle ich seinen Text ungekürzt und unkommentiert hier ein:

 

Replik auf Richard C. Schneider bei Tachles

Kein Mensch muss den israelischen Regierungschef und seine Politik mögen. Aber ein Journalist und Gast in Israel hat nicht die Aufgabe, die Menschen dort zu belehren und ihnen zu sagen, was gut oder schlecht für das Land ist. Als Demokrat sollte man zunächst einmal akzeptieren, dass die Mehrheit der Wähler in einem Staat bestimmt, wie die Politik dort auszusehen hat.

Bei der schweizer-jüdischen Publikation „Tachles“ hat Richard Chaim Schneider dem israelischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgehalten, erstmalig die „Wahrheit“ gesagt zu haben: keine Bulldozer mehr zu schicken, „um Juden von ihrem Land zu vertreiben. Man werde weiter siedeln.“ Für Schneider ist das Verhalten des israelischen Premiers kritikwürdig. Doch genau dafür wurde Netanjahu gewählt. Soll er jetzt seine Wähler vor den Kopf stossen? Das klingt als erwarte man entsprechend von der deutschen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel beim Wahlkampf zu hören: „Wir schaffen das nicht“. Damit könnte sie wohl kaum Wählerstimmen gewinnen.

Schneider ist sich zudem absolut sicher, dass Netanjahu zuvor immer nur gelogen habe: „Jedes Wort, das seinem Mund entschlüpft, ist eine Unwahrheit. Hand aufs Herz: Mögen Sie solch einen Politiker? Ja, ja, geschenkt, alle Politiker lügen. Aber so nahezu nonstop ohne Punkt und Komma? Das muss ihm erst mal einer nachmachen.“ (Zitat Ende)

R.C. Schneider scheint also auch von der Klugheit der Israelis nicht viel zu halten, wenn er unterstellt, dass diese seit Jahren wissentlich einen notorischen Lügner wählen. Ein wahrhaft bitteres Resümee für einen, der so viele Jahre im Land war.

Welchen Stellenwert die „Siedlungspolitik“ in Israel hat, seit den Aufbauzeiten vor 1948 und dann infolge der (linken) Regierungen seit 1967 sollte allgemein bekannt sein. Ohne die intensive Siedlungsaktivität vor 1948 wäre der jüdische Staat Israel nicht gegründet worden. Und nach 1967, als Israel grosse mit Arabern bewohnte Gebiete im Gazastreifen wie im Westjordanland eroberte, waren Siedlungen die Antwort der linksgerichteten israelischen Regierungen auf das dreifache „Nein“ der arabischen Staaten in Khartum: „Kein Frieden, keine Verhandlungen, keine Anerkennung“. Das kleine Israel musste mit einer vergleichsweise kleinen Bevölkerung einen Weg finden, die eroberten Gebiete zu kontrollieren, da eine „Rückgabe“ dieser Gebiete von den arabischen Staaten ausgeschlossen worden war. Ariel Scharon redete genauso wie Netanjahu heute, bis der dann 2005 alle Siedler aus dem Gazastreifen gewaltsam herausholte „um des Friedens willen“. Wie „die Palästinenser“ (nicht nur die Hamas) darauf reagierten, nämlich mit 15.000 Raketen auf israelische Bevölkerungszentren, ist den Israelis sehr wohl bewusst.

Die Verfehlung der Regierung (und anderer Stellen), die vertriebenen Siedler nicht zu kompensieren oder ihnen ordentlichen Wohnraum zu verschaffen, muss hier nicht kommentiert werden. Klar ist, dass ein Trauma geblieben ist, das nicht nur die Siedler, sondern auch grosse Teile der israelischen Bevölkerung trifft.

Schneider formulierte einen bemerkenswerten Satz an die Adresse Netanjahus: „Es gibt nur ein Problem: Sie könnten mit ihren Vorstellungen falsch liegen und bitter scheitern. Dann aber wären sie verantwortlich für den Untergang des jüdischen Staates.“

Dieses Endzeit -Raunen ist reine Überheblichkeit und klingt, als betreibe der ehemalige Israel-Korrespondent der ARD in Tel Aviv Wahlkampf für gewisse linksgerichtete/propalästinensische Parteien. Aus guten Gründen haben diese Parteien, die einen totalen Rückzug aus allen besetzten Gebieten inklusive Ostjerusalems propagieren, seit Ausbruch der 2. Intifada im Herbst 2000 (mit über 1.000 israelischen Toten) keine Chance mehr, eine Mehrheit im Land zu erlangen. Wer nun behauptet, dass das, was die Leute gewählt haben, alles eine „falsche“ Politik sei, sollte vielleicht das Volk auswechseln.

Dem Journalisten obliegt es, nüchtern festzustellen: Die Mehrheit der Israelis will offenbar wenig Rücksicht auf die Palästinenser nehmen, zumal die mit Raketen, Messerstechereien, Forderung nach „Rückkehrrecht“ und ihrem Narrativ letztlich eine Zerstörung des jüdischen Staates betreiben.

Wenn Schneider nun meint, dass die Israelis mit der Siedlungspolitik ihren eigenen Untergang betreiben, so entspricht das voll der palästinensischen Politik und Propaganda. Die sorgen mit ständigem Terror dafür, dass die Israelis ihre Siedlungen weiter befestigen. Das mag eine „falsche“ Antwort sein. Doch, wer am Ende Recht behält, falls es überhaupt je zu einem Ende kommt, kann niemand vorhersagen, auch nicht Richard Chaim Schneider.

Aussagen Netanjahus, wie „Israel als einzige Demokratie“ oder das „moralischste Militär“ erinnern zwar an Trumps „Make America Great Again“ oder Merkels „Wir schaffen das“. Doch nicht umsonst sagen selbst Trump Kritiker immer häufiger, es sei besser, wenn man auf die Fakten schaue, als auf die „Sprüche“. Moralforderungen von aussen sind zudem immer ein zweischneidiges Schwert. Die deutsche Bundeswehr ist vielleicht „moralischer“ als die israelische Armee. Die Bundeswehr darf nach dem eindeutigen Veto der SPD ja nicht einmal israelische Drohnen zur Aufklärung einsetzen, weil die auch bewaffnet werden „könnten“.

Das Dumme ist nur, wenn es Krieg gibt, fühlt man sich im Schutzbereich israelischer Soldaten erheblich sicherer als hinter Bundeswehrsoldaten. Ausserdem kann man alles mit Bomben bewaffnen: Schuhe, Kühlschränke, Fahrräder – um nur die bekanntesten Beispiele zu nennen.

Und was die Palästinenser angeht, um deren Wohl sich Schneider so sehr sorgt, ohne die Ursachen für deren Misere klar zu benennen, so haben die einen vor mehr als 10 Jahren für eine Kadenz von 4 Jahren gewählten „friedfertigen“ Präsidenten, ein Parlament (dummerweise aufgelöst), eigene Gesetze – sogar mit Todesstrafe, etwa für den Verkauf von Land an Juden – Folter für Journalisten und vieles mehr. Warum also wirft man Bibi Netanjahu dumme Sprüche und Unwahrheit vor, wenn auf der anderen Seite Abbas, Maschal, Hanijeh oder Nasrallah als „Verhandlungspartner“ stehen? Wenn man Schneider folgt, wird Netanjahu zum Glück bald in den Knast wandern und dann wäre wohl die Welt wieder in Ordnung. Einschränkend muss hier jedoch erwähnt werden, dass Netanjahu seit Jahren auf der Anklagebank der Medien sitzt, aber Polizei und Staatsanwaltschaft haben bis heute keinen Anhaltspunkt gefunden, den Premierminister zu verhaften und vor Gericht zu zerren. Ehud Olmert und andere Politiker beweisen, dass die israelische Justiz keine Angst hat, sogar einen amtierenden Premierminister oder gar Staatspräsidenten ins Gefängnis zu werfen. Gleichwohl müssen die Anklagepunkte hieb und stichfest sein.

Auf Facebook hat Schneider seine Selbstdarstellung noch gekrönt: „Nun, ich habe immer versucht, das, was gut ist zu zeigen und ebenso das, was schlecht ist.“ Dabei war er lange genug im Nahen Osten, um zu wissen, dass „schlechtes“ für die eine Seite meist „gut“ für die andere Seite ist. Vielleicht aber hat sein neuer Posten in Rom ihm den Weg von der journalistischen Dialektik zum Absolutismus gewiesen – so dass er jetzt definieren kann, was gut oder schlecht ist. An diesem Punkt ist wird es allerdings unmöglich, Schneiders weitere Äusserungen sachlich zu kommentieren, denn auch der Papst ist bekanntlich „unfehlbar“, wenn er explizit ex cathedra spricht.

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Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

 

Weniger ist nicht „Mehr“….. 3. August, 2017

Posted by Rika in gesellschaft, politik.
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Vielleicht, so denke ich gerade, liegt es daran, dass ich als kleines Mädchen so oft aus dem Schlafzimmerfenster meiner Großeltern geschaut habe.

In den ersten Jahren meines Lebens wohnte ich gemeinsam mit meinen Eltern in der „großen“ Wohnung meiner Großeltern… Groß erschien mir diese Wohnung wohl deshalb, weil so viele Leute darin lebten. Omma und Oppa, meine Tante Lisa, Mutti,  Vati und eben auch ich. Die einzige Wasserstelle (kalt, natürlich!) war in der einzigen Küche, die Toilette unten  im Hof neben der Waschküche, „wir“ bewohnten 2 der Zimmer, die Tante schlief im Wohnzimmer, die Großeltern in dem besagten Schlafzimmer, an dessen Fenster ich so oft auf einem Stuhl stehend das Treiben in der Fabrik beobachten konnte, die in direkter Nachbarschaft stand. (Das Haus war für die Arbeiter dieser Fabrik gebaut worden…) Im Sommer stand das riesige Tor sperrangelweit offen und ich konnte die Arbeiter im Walzwerk sehen, mit ihren Lederschürzen und mit bis zu den Knien mit Sackleinen umwickelten Beinen, die Füße in Holzschuhen…

Das Dröhnen der Maschinen war ein Teil der „Musik“ meiner Kindheit …. Tag und Nacht.

Als ich ein bisschen größer war  spielte ich mit anderen Kindern Verstecken  zwischen den großen Draht- und Bandeisenrollen, die,  zum Abtransport bereit,   auf einem großen Platz abgestellt waren. Wir hatten jetzt eine eigene Wohnung oben am Berg, aber ich war immer noch sehr oft unten im Tal bei Omma und Oppa…

Meine Omma kochte auch im Sommer auf einem Kohleherd, so einem schönen großen, mit einer umlaufenden Stange und einem riesigen Kohlenkasten auf Rollen, damit man ihn unter dem Herd hervorziehen konnte. Viel später erst nutze meine Großmutter einen kleinen zweiflammigen Gaskocher. Im Sommer blieb dann die Küche im wahrsten Sinne des Worte kalt….

Im Frühling, Sommer und Herbst machte meine Mischpoke ausgedehnte Sonntagsspaziergänge in den umgebenden Wäldern, die Luft dort roch nach Buchen, Fichten und Tannen, Moosen und Wildblumen.  Im Winter aber roch es im ganzen Tal nach Brikett- und Steinkohlenrauch und mit der Asche aus unzähligen Kohleöfen wurden bei Schnee und Eisglätte die nicht asphaltierten Straßen und die Bürgersteige  „rutschfest“ gemacht. Der Bach in der Nähe der großelterlichen Wohnung war meistens von den Abwassern  der vielen kleinen Fabriken, die sich talaufwärts zogen, zu einer braunen Brühe geworden und floss dann in die ebenfalls braun und dreckig fließende Lenne, die von den vielen Fabriken in den Städten an ihrem Oberlauf schon einen gehörigen Ballast an giftigen Abwässern mit sich führte.  Der Himmel über der Ruhr, in die die Lenne mündete, war grau….

Die Menschen hatten Arbeit…

Meine Kindheit war schön.

Und mit dem, was wir heute „Wirtschaftswunder“ nennen, wuchs auch langsam der Wohlstand vieler Menschen und des Landes. Das Bildungs- und Gesundheitswesen profitierte davon, die Infrastruktur in den Städten und sogar auf dem Land verbesserte sich deutlich, das Konsumverhalten der Bürger kurbelte die Wirtschaft immer weiter an…. Das Renten- und Sozialsystem sicherte auch denen einen Mindeststandard, die aus welchen Gründen auch immer nicht am Arbeitsleben beteiligt waren.  (Ich weiß, dass das eine sehr verkürzte Sicht ist, wie mir der Liebste ein wenig vorwurfsvoll vorhält, und er hat ja Recht damit, aber mein Augenmerk gilt an dieser Stelle  nicht der Kapitalismuskritik… )

Heute ist die Nahmer sauber, um nicht zu sagen „rein“. An ihrem Bachlauf liegen keine Fabriken mehr, die Walzwerke und Drahtziehereien  im Nahmerbachtal sind verschwunden, die wenigen Fabriken, die es in meiner Heimatstadt noch gibt, unterliegen strengen Umweltschutzauflagen … und das ist auch gut so! In der Lenne leben wieder Fische…  Enten und andere Wasservögel an ihrem Ufer ….  für Kanuten ist eine Trainingsstrecke angelegt….  an der Uferpromenade  flanieren  Leute und lassen es sich gut gehen…

Der Himmel über der Ruhr ist blau…

Doch die Arbeitslosigkeit ist hoch an Lenne und Ruhr.

Warum ich das gerade heute mit diesem romantisch-verklärenden Blick auf „Gestern“ schreibe?

In der Zeitung stand ein Bericht über Umweltschutz und  in einem kurzen Nebensatz las ich die Forderung nach „weniger Verkehr und weniger Industrie„…. und ich spürte, wie sich in mir der Widerstand gegen diese einfache Formel regte.

Vor gut 130 Jahren machte sich  einer  meiner Urgroßväter aus seinem Dorf im Hochsauerland in jedem Sommer auf in die Stadt an der Lenne, um dort für sich und seine Familie  den Lebensunterhalt  als ungelernter Maurer zu verdienen, beim Bau der großen Fabriken im Lennetal… bevor er zu Beginn des letzten Jahrhunderts ganz in die Stadt, die ihm Arbeit und Wohnung bot, umsiedelte.  Die Landwirtschaft allein und die Arbeit im Wald als Holzarbeiter reichten nicht aus, seine Frau und die Kinder zu ernähren…   seine Tochter, meine Großmutter, hatte nur wenige Jahre an  der Dorfschule lernen dürfen, bevor sie  als „Hausmädchen in Stellung“ ging… meine Mutter konnte nicht zur höheren Schule gehen, weil die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten… Erst die Urenkelgeneration  des Bauern aus dem Hochsauerland kam in den „Genuss“ kostenloser „höherer“ Bildung (wobei der Genuss nicht bei allen Urenkeln als solcher auch begriffen wurde 😉 ) und  konnte sogar studieren.

Daran muss ich denken, wenn es um „weniger Industrie“ gehen sollte.  Wir in Deutschland verdanken „der Industrie“ den allgemeinen Wohlstand heutiger Tage, damit meine ich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in unserem Staat: ein funktionierendes Gesundheitswesen,  Bildung, die allen offen steht, soziale Sicherheit im Notfall, Versorgung der Alten und Gebrechlichen, eine gut entwickelte Infrastruktur, Arbeitsplätze   … und nicht zuletzt gesellschaftlichen Frieden, auch wenn nicht alles optimal geregelt ist und an vielen Stellen deutlich  nachgebessert werden müsste.

Mit  „weniger Industrie“  wird es aber ein „Mehr“ an allgemeinem Wohlstand und den notwendigen Verbesserungen nicht geben können.

Ich will nichts schön reden, die Schattenseiten der Industrialisierung, die frühere schreckliche Armut der Arbeiter in den Städten nicht verschweigen, auch nicht den Machtzuwachs „des Kapitals“, den Reichtum der Industriebarone ebenso wenig , wie die unerhört und absurd hohen Gehälter der Bosse heutzutage …   die immer weiter klaffende  Schere zwischen Arm und Reich, das Bankenwesen, all das gehört mit zu den Folgen  „der Industrie“, wie wir sie kennen. Und doch ist diese Gemengelage die Basis für den Mythos  – oder die Realität – des „reichen Deutschland“, dieses Deutschlands, das auf so viele Menschen so anziehend wirkt, dass sie ihr Leben riskieren, um aus Armut und Not hierher zu gelangen.

 

Es wird wohl immer unsere Aufgabe bleiben, Arbeit und Freizeit, Industrie und Umwelt, Mensch und Natur   in einer guten Balance zu halten oder  in Balance zu bringen und ebenso die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (sozialer Staat vs Turbokapitalismus).  Das ist die Gegebenheit, der wir uns stellen müssen. Mit  provokativen Formeln  ist das jedoch nicht zu erreichen.

Weniger ist eben nicht in jedem Fall „Mehr“, auch wenn die schöne Floskel uns das vorgaukeln mag.

 

Der Kaltwalzer….

Kaltwalzer-Denkmal im Hagener Stadtteil Hohenlimburg, Stennertbrücke / Urheber ist Klaus Bärwinkel  gefunden und kopiert aus: https://de.wikipedia.org/