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Glaubt denn Frau Schröder allen Ernstes… 18. April, 2012

Posted by Rika in familie, gesellschaft, meine persönliche presseschau.
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… dass sie OHNE die Verdienste der Frauenbewegung das geworden wäre, was sie heute ist???

Meine Heimatzeitung bringt heute auf Seite 3 die Frau Ministerin ganz groß raus, mit Bild und Buch und Text. Nun will ich nicht den Fehler der Sarrazin-Kritiker machen und über ein Buch kritische Töne anschlagen, das ich gar noch nicht gelesen habe – und wohl auch nicht lesen werde, schließlich will ich nicht  der Bereicherung der Frauenbewegungskritikerin durch den Kauf eines Buches Vorschub leisten! Aber die wenigen inhaltlichen Angaben zum Buch und die vielen kleinen Seitenhiebe, die Frau Schröder gegen Frauen wie mich in den letzten Wochen und Monaten öffentlich austeilte, will ich schon kritisch beleuchten. (Jetzt nur im Anriss, vielleicht später mehr – die Zeit….!)

„Danke, emanzipiert sind wir selber“ heißt ihre Partnerarbeit zum Thema Frauen und Selbstbestimmung. Gabi Stief, die für die HAZ das Buch gelesen und dazu geschrieben hat, hält es nicht für notwendig, das „Werk“ zu empfehlen. Langatmig und zäh und schlecht zu lesen sei das Stück, wenig Neues biete es und  für Frauen gäbe es so gut wie keine  Anhaltspunkte wie frau  ein selbstbestimmtes Leben führen könne außer eben diesem „selbstbestimmt“. Nach Frau Schröder ist jede Frau ihres eigenen Glückes Schmiedin, will heißen, welche will, die kann. Dabei blendet Frau Schröder (so die Rezensentin!) vollkommen aus, dass Frauen eben nicht selbstverständlich ALLES in gleicher Chance erreichen können wie Männer und, so sagt Frau Stief, Frau Schröder findet die Ungleichheit auch völlig normal:

Die Linke wolle noch heute die Menschheit umerziehen. Das müsse ein Ende haben.  Also auch der Kampf für mehr Gleichberechtigung? Eine Frauenquote in der Wirtschaft ist in dem Buch kein Thema. Betreuungsgeld, Elterngeld, Kitaausbau? Fehlanzeige. Schröder ist der Ansicht, dass es in einer freien Gesellschaft immer Ungleichheit zwischen Frauen und Männern geben wird.“ schreibt Frau Stief über die im Buch geäußerten familienministeriellen Ansichten.

Dass es immer Ungleichheiten geben wird, denke ich auch.

Ungleichheiten zwischen armen, wohlhabenden und reichen Mitgliedern der Gesellschaft, zwischen kranken und gesunden, klugen und weniger begabten, hiesigen und zugereisten, Alten und Jungen und eben auch Männern und Frauen. Das ist und wird mit Sicherheit immer so sein. Was mich aber irritiert, ist dieses Achselzucken, mit dem die Ministerin über diese Ungleichheiten hinwegzugehen scheint. Mich irritiert  die Unverfrorenheit, mit der sie für sich in Anspruch nimmt, dazu zu gehören, es geschafft zu haben aus eigener Kraft und mich erzürnt die Kälte , mit der sie den Frauen begegnet, die eben weniger eigene Kraft haben und darum auch weniger Macht, für ihr eigenes Leben zu kämpfen.

Wir scheinen eine Familienministerin zu haben, die nach dem Motto agiert: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“

Vielleicht kommt Frau Schröder ja aus einer Familie, in der Frauen niemals für ihre Rechte kämpfen mussten, in der Bildung und Ausbildung für Mädchen immer schon eine große Selbstverständlichkeit war, in der Mädchen alles das ermöglicht wurde, was Jungen (wohlhabenden allzumal)  schon immer möglich war: Teilhabe an (fast) allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.

Vielleicht ist ihr der Kampf vieler Frauen darum, in ihrer Familie mitreden zu dürfen (von mitbestimmen ist ja bei vielen Mädchen erst recht  und gar nicht die Rede) absolut unbekannt, oder die Sorge um das buchstäblich tägliche Brot etwas, was sie in der Dritten Welt verordnet, aber nicht bei uns! Vielleicht hat Frau Schröder noch nie etwas davon gehört, dass Mädchen in ihren Familien dazu angehalten werden, so schnell wie möglich Geld zu verdienen und darum auf eine gute Schul- oder Ausbildung verzichten müssen, die es ihnen ermöglichte, besser bezahlte Stellen anzunehmen oder gar „Karriere“ zu machen.

Es ärgert mich, dass Frau Schröder die Verdienste der  Frauen meines Alters um gesellschaftliche Mitbestimmung und Verantwortung, um Mitreden und Mitdenken, um Bildungsförderung und Sorge für mehr Gerechtigkeit einfach so in Abrede stellt. Ohne die emanzipatorische Leistung der Frauen meiner Generation wäre Frau Schröder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl kaum in dem Stand gewesen, im Partei internen Geschacher um einen Ministerposten als mögliche Kandidatin aufzufallen. Man erinnere sich: Herr Jung aus Hessen musste seinen Hut nehmen, ein Bayer rückte auf seinem Posten nach – der smarte Theodor – und jemand aus Hessen musste in die Regierungsriege eingestellt werden, um den CDU-CSU-Parteien- und Länderausgleich wieder herzustellen….! Und unsere Bundeskanzlerin hatte wohl ein Herz für Frauen – das macht sich ja auch gut bei der überwiegend weiblichen Wählerschaft, nicht wahr?!!! Frau Schröders Verdienst???

Frau Schröders Verdienst…

„Danke, emanzipiert sind wir selber!“  sagt sie und lacht über alte Emanzen und Feministinnen…

Wenn ihr da mal nicht eines Tages das Lachen noch vergeht!

NACHKLAPP

„“Danke, emanzipiert sind wir selber“ 

„Wir – das sind die Bundesfrauenministerin  Kristina Scchröder und Mitautorin Caroline Waldeck, eine langjährige Freundin und Mitarbeiterin der Ministerin“ schreibt Frau Stief in der HAZ .

Und bei der FAZ heißt es zu dieser Zusammenarbeit:

Das Buch hat Schröder gemeinsam mit der Leiterin ihres Redenschreiberteams im Ministerium, Caroline Waldeck, verfasst.

Da drängen sich doch geradezu die Fragen auf,

a) ob die „Leiterin des Redenschreiberteams“ schon vor der Redenschreiberteamleitung mit der Frau Minister befreundet war und über diese Freundschaft an den Job gelangt ist,  was ja in Bezug auf das Thema „Emanzipiert sind wir selber“ doch eine nicht unerhebliche Relevanz hätte,

b) ob die Schreiberei am Buch ausschließlich in der Freizeit der Redenschreiberteamleiterin geschah,

c) und wieviel Schreiberei am Buch tatsächlich von der Ministerin selbst geleistet wurde, bzw. ob sie lediglich die Ideen- und Stichwortgeberein war und ihre Freundin das professionelle Schreiben übernommen hat….  was ebenfalls emanzipationstechnisch betrachtet höchst interessant wäre zu ergründen, auch im Hinblick auf die Arbeitsbelastung berufstätiger Mütter, die noch dazu, im Fall der Redenschreiberteamleiterin (nach Recherche der HAZ) allein erziehend ist.

Ich will ja nicht kleinkariert erscheinen, aber soviel emanzipatorisches Nachfragen muss dann doch sein. Schließlich werden auch von meinen selbstverdienten Steuergeldern die Ministerin samt ihrem Redenschreiberteam und die Leitung desselben bezahlt und ich durfte während meiner Arbeitszeit auch nicht für mein privates Vergnügen (oder das, was andere für „privat“ und „Vergnügen“ hielten), tätig sein, schon gar nicht für privaten Profit in Form von Einnahmen aus nicht genehmigter Nebentätigkeit.  Herr Wulff ließe an dieser Stelle (Arbeitszeit privat genutzt) schön grüßen, der auch nicht immer so genau Amt und Wulff voneinander zu trennen wusste.

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