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Rassismus – wohin man auch sieht…. 24. Januar, 2023

Posted by Rika in aktuell.
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Ein Bericht bei „pro“ veranlasste mich zu einem Leserbrief, den ich hier einstelle:

Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“… das lernte ich in der Sonntagschule gemeinsam mit dem Zusatz: „Du sollst dir kein Bildnis von Gott machen.“
Ich bin in einer Freikirche sozialisiert, in der es weder Bilder von Gott, Jesus oder irgendwelchen Heiligen gab, noch ein Kreuz.
Aber – und das ist für mich in dem Zusammenhang mit dem Artikel der springende Punkt – wenn ich nach Gottes Bild geschaffen bin, ein weißes kleines Mädchen, heute eine alte weiße Frau, ist auch Gott, wenn ich mir schon eine „leibliche Vorstellung“ von ihm und Jesus mache, den Menschen meines Kulturkreises ähnlich. Als nördliche Mitteleuropäerin entsprachen am ehesten „weiße“ (wer ist schon wirklich weiß oder wirklich schwarz oder wirklich braun?) Menschen darum meiner Vorstellung von Jesus…
Ich finde, die Rassismus-Debatte geht an dieser Stelle viel zu weit. Allerdings gebe ich zu, dass „natürlich“ Missionare ihre „Bilder“ auch nach Afrika, Asien oder Amerika transportierten. Man kann das Schuld nennen, aber ich gebe doch zu bedenken, dass die damaligen Verhältnisse grundsätzlich anders waren als heute, das Sendungsbewusstsein der Missionare dem Missionsbefehl Jesu entsprach und nicht einem nach heutiger Sicht rassistisch geprägten Dünkel.
Im Licht der heutigen Aufklärung sind wir schnell bereit, alles unter „Rassismus“ zu sortieren.
Sollten wir nicht lieber den Grundsatz der „Gottesebenbildlichkeit“ für alle Menschen ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen, statt mit Schuldzuweisungen die wunderbare Zusage „wir sind alle Gottes Kinder“ in aller Schärfe dahingehend zu beurteilen, wer wem in aller Naivität der damaligen Zeit Unrecht getan hat?
Mache ich es mir damit zu einfach?

So weit zu meinem Leserbrief.

Auch heute mache ich mir kein Bild von Gott, schon gar nicht als Bild eines alten weißen Mannes mit Bart, zwar entspricht meine spontane Vorstellung von der „Person Jesus“ immer noch dem im Kindesalter geprägten Denkmuster, aber ich bin doch nicht länger darauf festgelegt oder sogar darin gefangen. Ich habe keine Schwierigkeit damit, mir Jesus nicht als „nördlichen Mitteleuropäer“, sondern den Bewohnern des heutigen Israels oder der arabischen Länder ähnlich vorzustellen. Und ebenso mühelos kann ich mir vorstellen, dass Afrikaner oder Chinesen, Inder oder die Ureinwohner Amerikas ihre „Gottesbilder“ und Vorstellungen von Jesus den Menschen anpassen, mit denen sie zusammen leben und die damit ihren jeweiligen „Bildern vom Menschen, die Gottes Ebenbild“ sind, entsprechen.

Kommt es denn wirklich darauf an, wie Jesus wirklich ausgesehen haben mag und wollen wir ihn nun für alle Zeiten DARAUF festlegen?

Für mich ist das der völlig falsche Zugang zu Christus, zu Gott und seiner Geschichte mit uns Menschen.

Gott wohnt in einem Licht, zu dem niemand Zugang hat, sagt die Bibel.

Sollten wir es nicht dabei belassen und alle die vielen Bilder einfach stehen lassen als Zeugen ihrer Zeit? Die heute unter Rassismusverdacht gestellten Bilder nämlich, die Künstler in der Vergangenheit malten, um den des Lesens unkundigen Menschen ihrer Zeit die Geschichten der Bibel zu erzählen, in der Bildsprache, die die jeweiligen Betrachter auch verstanden, weil sie ihrer Lebenswirklichkeit entsprachen, oder in der heutigen Zeit die wunderbaren Bilder eines Marc Chagalls, der die gleichen Geschichten in seine ihm eigene Bildsprache „übersetzte“, obwohl sein Publikum durchaus des Lesens mächtig war und ist.

Mir kommt es so vor, als zerstörte die beinahe schon fanatisch geführte Debatte um Rassismus und das Kulturgut, dem Rassismus unterstellt wird, das, was eigentlich beabsichtigt ist, nämlich die Anerkennung und Würdigung der VIELFALT der Menschen, die diesen Planeten bevölkern.

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Mutter Erde und himmlischer Vater 27. Dezember, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Mutter Erde und himmlischer Vater – oder auch ungeordnete Gedanken bei und über „Himmel und Erde“.

Normalerweise bilden Vater und Mutter das, was man früher „Eltern“ nannte.

Dass das heute nicht mehr ganz so gesehen wird, ist dem Zeitgeist geschuldet, der nicht mehr die biologischen Verhältnisse für die „Elternschaft“ als ausschlaggebende Voraussetzung ansieht (für alle, die es in der Schule nicht begriffen haben: Ein Kind entsteht NUR aus dem Zusammenwirken der Eizelle einer biologischen Frau mit der Samenzelle eines biologischen Mannes), sondern der die Übernahme von Verantwortung für Kinder durch ein, zwei (oder mehr?) Personen gleichen oder verschiedenen oder diversen Geschlechts zum wesentlichen Faktum von „Eltern“ ansieht. Ich betone ausdrücklich, dass ich hier keinerlei Wertung vornehme, sondern lediglich die begriffliche Verschiebung früherer Gewissheiten artikuliere.

Früher, wenn ich das so anführen darf, waren die Zuständigkeiten der Eltern nach früherem Verständnis klar geregelt, wie man bei Schiller in dessen „Lied von der Glocke“ so wunderbar nachlesen kann:

„Der Mann muß hinaus
Ins feindliche Leben,
Muß wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muß wetten und wagen
Das Glück zu erjagen.
Da strömet herbei die unendliche Gabe,
Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehret die Mädchen,
Und wehret den Knaben,
Und reget ohn Ende
Die fleißigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn.“

Auch das trifft ja längst nicht mehr in dieser strengen Aufteilung der Rollen zu. Es gibt Hausmänner, die die Kinder hüten und das Essen kochen, die Wäsche waschen und für Ordnung im Haus sorgen und Polizistinnen oder gar Soldatinnen, die, wenn es darauf ankommt, dem Feind leibhaftig gegenüber stehen – feindlicher als Krieg kann Leben eigentlich nicht sein.

Früher, wenn ich das so sagen darf, waren auch die Rollen für „Mutter Erde“ und „himmlischer Vater“ klar geregelt. „Mutter Erde“ stand für das Irdische, die Natur, war der Ausdruck für die Fruchtbarkeit des Bodens, von der wir alle abhängig waren und sind. Es gab jedoch auch viele Völker im bisherigen Verlauf der Geschichte, die „Mutter Erde“ göttliche Tugenden und Eigenschaften andichteten und darum auch verehrten und anbeteten. „Der himmlische Vater“, wie wir ihn noch kennengelernt haben, auch bekannt aus dem Buch der Bücher als Schöpfer Himmels und der Erde, war mit der Christianisierung des ehemals heidnischen, im dann christlichen, nun aber kaum noch christlichen Abendlandes darüber hinaus für alles zuständig, was Mutter Erde nicht leisten konnte. Ihn riefen die Menschen in größter Not an, baten um Hilfe und Beistand – auch um den Beistand für Mutter Erde, die zwischenzeitlich ihre Fruchtbarkeit immer wieder mal verlor und darum die Menschheit in höchste Gefahr und Not brachte.

Der „himmlische Vater“ war gleichzeitig der Inbegriff für Liebe und Barmherzigkeit und galt als „omnipotenter“ Beherrscher aller nur denkbaren – auch feindlichen – Lebenslagen. Außerdem, und das ist wohl vielen Menschen heutzutage ganz egal oder völlig entgangen, wies er über die irdischen Belange hinaus auf das Ewig-Gültige, das Unerklärliche, auch auf das, was nach dem irdischen Ableben als „himmlische Präsenz“ nicht nur auf den gläubigen Menschen wartete.

Mit dem wachsenden Wissen des Menschen von dem, was die Welt im Innersten wie Äußersten zusammenhält, schwand aber zunehmend der Glaube und das Vertrauen an und in die Omnipotenz des himmlischen Vaters, er wurde mehr und mehr zum „alten weißen Mann mit Bart“ erklärt (und das nicht nur der alten Gemälde wegen, auf denen Gottvater als alt, bärtig und weiß dargestellt wurde), ihm wurde nur noch eine Nebenrolle zugewiesen, allenfalls noch tauglich für good vibrations oder als Seelentröster, wenn es mal wieder „dicke kam“ für den einen oder anderen. Und nachdem nun im neuen Gewand der Erkenntnis (Gender lässt grüßen) alte weiße Männer auch im realen Leben nur noch als Statisten allenfalls geduldet, ihnen aber jegliche Form der Einmischung in die Belange der Gesellschaft untersagt werden, ist es mit der Anerkennung, geschweige denn Verehrung für den „himmlischen Vater“ auch nicht mehr weit her.

Dafür wird „Mutter Erde“, alias „die Natur“ zunehmend mehr zur anbetungswürdigen Götterstatue, die, gleichsam wie in einen Schrein gestellt, vor allen möglichen schrecklichen Gefahren geschützt werden muss. Die größte Gefahr geht ja von uns Menschen und der von uns verursachten Klimaerwärmung aus. Und damit wird es kompliziert: Der omnipotente himmlische Vater ist nicht länger mehr Herr der Schöpfung und damit auch nicht länger zuständig für „Wolken, Luft und Winde“, wie es in einem alten Lied noch besungen wird, nein, WIR sind es, wir Menschen sind zur Rettung der Welt aufgerufen. Mancherorts werden Leitern für die Schöpfung gebaut, Leitern, wie sie vermutlich auch beim Turmbau zu Babel genutzt wurden, um mit dem Turm an den Himmel zu reichen und Gottvater dort persönlich besuchen zu können. Heute darf der „himmlische Vater“, wenn überhaupt, noch rein verbal seinen Segen dazugeben, seine Schöpferkraft ist dank der Schöpfungsleiter nicht mehr notwendigerweise gefragt, wir haben ihn als Herrn SEINER Schöpfung quasi „entmannt“, ihn zum Weichei gemacht, zuständig nur noch für die Streicheleinheiten für die Seele, sofern wir ihn überhaupt noch für existent halten.

In unserer Vorstellung ist die Allmacht des himmlischen Vaters an uns weitergegeben worden, um nicht zu sagen, wir haben ihm die Allmacht entrissen und sind nun selber die Herren der Schöpfung und das selbstredend auch ohne jede Einschränkung. Vielleicht unterliegen Sonne, All und Planetensystem noch nicht ganz unserem Herrschaftsanspruch, aber sind wir nicht auf dem besten Weg, auch in dieser Kleinigkeit zu obsiegen? Es gibt sie doch schon lange, die Überlegungen zur Erforschung des Alls und die dazu gehörenden Forschungs- und Beobachtungssatelliten.

Ganz ehrlich, was sollen wir auf dem Mars oder auf noch weiter entfernt liegenden Planeten? Und dienen die Forschungsflüge zu weit entfernten Gebieten unserer Galaxie nicht auch dazu, dem letzten Geheimnis, das wir bisher mit dem Schöpfergeist Gottes in Verbindung brachten, das Rätsel zu entreißen und den alten, weißen, bärtigen Gottvater endgültig ins Reich der Märchen, zumindest aber in den Ruhestand zu versetzen?

Wäre es nicht angebrachter, mit dem schönen Geld, das für solche Expeditionen und Forschungsreisen ausgegeben wird, den Hunger der Menschen zu bekämpfen, den Kindern Zugang zu einem gut funktionierenden Gesundheitssystem zu verschaffen, ihnen Bildung zukommen zu lassen? Ah, ich vergaß, Bildung ist gefährlich, es kann Menschen übermütig machen, zu Hybris verführen, Machtgelüste im Wissenden entwickeln und ihn in den Wahn verfallen lassen, gleichsam gottgleich zu sein, keinerlei Rechenschaft über sein Tun leisten zu müssen — an Putin lässt sich das gerade gut beobachten, ich meine die Hybris, die allerdings bei manchen Menschen auch ganz ohne Bildung auskommt.

So weit meine ungeordneten Gedanken bei und über Himmel und Erde.

Ich könnte sie weiter und weiter spinnen, man mag dies als mein Plädoyer dafür lesen, neu über „menschliche“ Zuständigkeiten nachzudenken …

N A C H K L A P P

Anders als der „himmlische Vater“, der von uns nichts anderes erwartet, als ihm zu vertrauen, verlangen die Verteidiger von „Mutter Erde“ Opfer, die wir zu erbringen haben. Kurz vor Weihnachten bereiteten sie die Opferverordnung vor, nachlesen kann man das hier: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20221212IPR64527/klimaschutz-einigung-uber-ehrgeizigeren-eu-emissionshandel-ets

Mit großer Freude… 11. Dezember, 2022

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Mit großer Freude gebe ich bekannt, dass das Warten im Hause Rika ein Ende hat!

In den frühen Stunden des 3. Advent wurde unser viertes Enkelkind geboren.

Wir sind voller Freude, Glück und Dankbarkeit.

Den jungen Eltern wünschen wir Liebe, Weisheit, Geduld, Gelassenheit und Zuversicht für das Leben im Miteinander als Paar, Eltern und Familie und Gottes guten Segen für all ihr Tun und Lassen.

Wir stellen das neu geborene Kind unter Gottes schützende Hand und seinen Segen und wünschen ihm Gutes für das ganze Leben.

Und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers HERRN Jesu Christi.“ Epheser 5, 20

Das ist in diesem Fall ganz, ganz leicht.

Gelobt sei GOTT

Nicht vergessen… x 29. November, 2022

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„Ich habe es natürlich nicht vergessen!“

Wer wie ich die kleinen Krimis im Vorabendprogramm schaut (hüstel….), der kennt ihn sicher, diesen Satz im Werbespot, mit dem der Senior seiner Seniorin versichert, das Wundermittel nicht vergessen zu haben, das der (altersgemäßen) Vergesslichkeit vorbeugen soll.

Ich habe es natürlich nicht vergessen, dass mit dem vorgestrigen „Ersten Sonntag des Kirchenjahres“ die Adventszeit beginnt. Im Gegenteil, ich habe unser Haus adventlich geschmückt und schon einige der liebenswerten Kleinigkeiten hervorgeholt und aufgestellt, die schon seit Jahren das schmückende Beiwerk sind für diese besondere Zeit.

Da aber in diesem Jahr der Erste Advent in enger zeitlicher Nähe zu familiären „Jahrestagen“ liegt, traf sich die Familie (Kinder und Kindeskinder) bei uns und erfüllte unser sonst doch recht ruhiges Haus mit fröhlichem Leben, Singen, Klavierspiel, Freude, Erzählen, Spielen… (Ein Wermutstropfen war leider auch dabei, eines der Enkelkinder war erkrankt und wurde deshalb von der fürsorglichen Mutter daheim versorgt.)

So mussten meine guten Wünsche für die Freunde hier bei „himmel und erde“ noch ein wenig warten.

Nun aber doch!

Ich wünsche allen, die hier mitlesen oder auch nur zufällig vorbeischauen eine schöne, stressfreie, besinnliche und gesegnete Adventszeit.

Auch wenn wir in der Familie den Advent mit dem traditionellen Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..“ begrüßten, so will ich doch hier wie in den letzten Jahren verfahren, denn natürlich gibt es ihn auch in diesem Jahr wieder, den Link zum wunderbaren Flashmob, hier ist er:

Advent, Advent, mein Lichtlein brennt… 23. November, 2022

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Vielleicht – so denke ich – sollten sich die Leute, die heuer für begrenzte Beleuchtung in der Weihnachtszeit werben, doch mal mit der Geschichte des hierzulande so beliebten Brauchs, in der Adventszeit einen Adventskranz aufzuhängen oder aufzustellen, beschäftigen.

Die Idee für dieses Tun, hatte der „Hausvater“ einer Einrichtung für „armer Leute Söhne und Töchter“, die in einer der frühen Sozialeinrichtungen der Stadt Hamburg betreut wurden, damit sie von der Straße kamen.

„Anfang des 19. Jahrhunderts leben im Stadtstaat
Hamburg (der heutigen Innenstadt) 100.000 Men-
schen, 60 Prozent davon in Armut. In den Elends-
stadtteilen sind soziale und hygienische Verhält-
nisse katastrophal. Besonders betroffen sind die
Kinder: Verwahrlosung, Kriminalität und Prostituti-
on sind für sie alltäglich. Nur die wenigsten haben
das Nötige zum Leben. Viele sind körperlich unter-
entwickelt und krank.
Das erlebt auch der junge Theologe Johann Hin-
rich Wichern, als er 1832 vom Studium in Göttingen
und Berlin nach Hamburg zurückkehrt.“

So beginnt die Erzählung über die Geschichte des Rauhen Hauses in Hamburg, nachlesen kann man sie unter dieser Adresse: „Rettungsdorf

Und was hat das mit dem Adventkranz zu tun?

Die Kinder und jungen Menschen, die im Rauhen Haus ein Zuhause gefunden hatten, erfuhren nicht nur Geborgenheit und eine Versorgung mit den ganz alltäglichen Dingen des Lebens, sie wurden ebenso, wie könnte man es von einem Theologen auch anders erwarten, mit der christlichen Lehre vertraut gemacht, zu der damals wie heute die Traditionen der christlichen Feste gehören. Wenn der Herbst aufzieht und mit Dunkelheit und Kälte den Winter ankündigt, steht bald eines der bekanntesten Feste vor der Tür, Weihnachten. Und auch wenn vor 200 Jahren die Geschenke noch lange nicht so üppig waren, wie wir es heute kennen, so dürften sich die Kinder des Rauhen Hauses doch auf ein kleines Geschenk zu Weihnachten gefreut haben und sahen daher dem Fest voller Ungeduld entgegen.

Wer kennt sie nicht, die Frage aller Fragen ungeduldiger Kinder: WIE LANGE NOCH?

Der barmherzige Pastor kam darum auf die Idee, für die Kinder ein sichtbares Zeichen der Wartezeit zu schaffen. Die Geschichte erzählt, dass er ein großes Wagenrad im Betsaal des Rauhen Hauses aufhing und es mit so vielen Kerzen bestückte, wie die Wochen vom 1. Advent bis zum 1. Weihnachtstag Tage haben, große weiße Kerzen für die Sonntage, kleinere rote Kerzen für die Wochentage. Die Anzahl der roten Kerzen war von Jahr zu Jahr unterschiedlich, die der weißen immer gleich. Bei der täglichen abendlichen Andacht brannte die entsprechende Anzahl der Kerzen – und so wurde es von Abend zu Abend heller und festlicher im Betsaal und die Kinder konnten sehen, wie lange es noch dauern würde bis zum Fest.

Später wurde Tannengrün um den hölzernen Ring gebunden.

Es gab ziemlich bald Nachahmer dieser schönen neuen Advent-Attraktion, die auf diese Weise sehr schnell zur „Tradition“ wurde. Für den privaten häuslichen Gebrauch war aber der Adventskranz des Rauhen Hauses dann doch zu groß. Man reduzierte den Umfang des Kranzes und auch die Anzahl der Kerzen – diese auf vier, entsprechend den 4 Adventssonntagen.

Inzwischen – ich meine die Zeit seit etwa 100 Jahren bis heute – gibt es neben den traditionellen Kränzen auch alle möglichen Gestecke in allen nur denkbaren Farben und Formen, der Hinweis auf das bevorstehende Christfest ist in vielen Häusern gar nicht mehr der Hauptgrund für ihr Aufstellen. Und auch bei denen, die die Adventszeit mit der Besinnung auf die Menschwerdung Jesu begehen, dienen Adventskranz oder Gesteck, Kerzen, Tannengrün und schmückendes Beiwerk auch dem Gemüt in der selbst heute noch dunklen Jahreszeit.

Und weil künstliches, bzw. elektrisches Licht in finstrer Nacht nicht nur der Beleuchtung des Weges dient, sondern auch ein wenig festlichen Glanz in unsere trüben Tage zaubern soll, bleibt es seit einigen Jahren in der Adventszeit nicht bei den Kerzen auf dem Adventskranz. Lichterketten, Sterne, Engelsgestalten, Weihnachtsmänner, Rehlein, Nikoläuse mit Rentierschlitten, Schneemänner, allesamt großzügig illuminiert beleuchten unsere Dörfer und Städte, dass es eine Art ist. Manche Art ist allerdings einfach zu viel des Guten.

Da trifft es sich doch gut, dass in diesem Jahr die Stromversorgung besonders im Augenmerk des kritischen Betrachters steht. Die Schuld daran tragen zwei höchst unterschiedlich schwerwiegende Drohszenarien, die noch dazu in einander beängstigender Abhängigkeit stehen.

Wir alle wissen, dass in Deutschland bisher der Strom auf zumeist konventionelle Weise durch Kraftwerke erzeugt wird, die entweder von Stein- und Braunkohle oder von Erdgas betrieben werden und darum zum Untergang der Welt in ein paar Jahren führen werden, oder aber von Atomkraftwerken, die, wenn sie nicht sofort zu einem schrecklichen Unglück führen (können), spätestens aber durch ihre Altlasten das Leben auf unserem Planeten gefährden, wenn nämlich die Fässer und Stollen, in denen die Altlasten „sicher“ bewahrt werden, nicht mehr sicher sind und strahlendes Material austritt. Diese Drohung des baldigen oder verzögerten Endes des bewohnbaren Planeten wurde bisher in Sachen weihnachtszeitlicher Illumination der westlichen Hemisphäre als zu vernachlässigendes Risiko eingestuft.

Jetzt aber ist Krieg – und damit erhöht sich die drohende Gefahr für uns alle. Mit Putin macht man keine Geschäfte, schon gar keine, die ihm durch den Verkauf von Erdgas riesige Gewinne bringen, mit der er seinen schmutzigen Krieg gegen die Ukraine (und indirekt auch gegen den solidarischen Westen) finanzieren kann. Kein russisches Gas mehr für die Elektrizitätswerke. Zwar könnte das die Gefahr der Erderwärmung reduzieren, aber ohne sichere Energie keine Sicherheit für Wirtschaft und Haushalte. Also wird Gas sehr teuer von allen möglichen Freunden und Schurkenstaaten bezogen und muss darum sorgfältig eingesetzt werden für die Stromversorgung der wirklich wichtigen Einrichtungen. Das leuchtet ein. Und deshalb sollen die Städte und Dörfer in dieser Adventszeit weniger leuchten.

Ich finde es ja durchaus richtig, um nicht zu sagen, ganz ausgezeichnet, dass ein bisher geradezu überbordendes Lichtermeer sowohl in den öffentlichen, als auch in den privaten Haushalten spürbar eingedeicht wird.

Doch das, was ich heute las, ist dann des Guten (an Einsparung) doch zu viel. Der Weihnachtsbaum vor dem Kanzleramt wird mit weniger LED-Kerzen bestückt als in früheren Jahren und die Leuchtzeit der Funzeln soll auf magere 4 Stunden, von 16.00 bis 20.00 Uhr nämlich begrenzt werden.

Den dezenten Hinweis, den Achgut auf die große Reisegesellschaft, die großzügig mit vielen Fliegern zur Rettung des Planeten nach Sharm El Scheikh aufgebrochen war und dort 3 lange Wochen residiert hatte, gebe ich hier nur stichwortartig wieder. Da spielte weder die Klimaerwärmung durch den Flugverkehr eine Rolle, noch die Sorge um eine generell für möglich gehaltene Energieknappheit. Der Kampf fürs Klima rechtfertigt alle dafür notwendigen Schritte und Flugmeilen.

Allerdings, so stand es auch bei Achgut, wird der Verzicht auf die schöne Beleuchtung des Tannenbaums vorm Kanzleramt das Klima ebenso wenig beeindrucken, wie die Reduktion der Weihnachtsbeleuchtung in Stadt und Land. (Die scheint aber wegen der Kosten einerseits und einem möglichen Black-out andererseits dennoch irgendwie sinnvoll, muss ich der Faktenlage zuliebe doch hinzufügen.)

Was aber hat das mit Johann Hinrich Wichern, dem Rauhen Haus und seinem Adventskranz zu tun?

Es ist meine tiefe Überzeugung, dass Menschen, denen es ohnehin nicht sonderlich gut geht, die in traurig stimmenden Verhältnissen leben oder ihnen mit Mühe entkommen konnten, und auch die, denen es vergleichsweise gut geht, die aber Sorgen haben vor einer aufziehenden Gefahr, Licht brauchen, „Licht am Horizont“, Licht als Hoffnungszeichen. Gerade in trostlosen Zeiten sind Symbole der Hoffnung so wichtig, als ein mutiges „Dennoch“ oder ein trotziges Aufbegehren, ein Spucken gegen den Wind, ein Pfeifen im finsteren Walde oder Licht, das wie ein Leuchtturm den Schiffen in rauer See den Weg weist.

Deshalb hänge ich auch in diesem Jahr eine Lichterkette auf, leuchtet der Herrnhuter-Stern vor unserem Fenster, zünde ich am Sonntag die erste Kerze am Adventskranz an.

Kein frommer Nachklapp – nur der diskrete Hinweis auf das Beispiel vom Licht, das man nicht unter einen Scheffel stellen soll. In einem immer noch christlich geprägten Land ist „Licht im Advent“ auch der Hinweis auf den, der von sich selber sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Und dessen Geburt wir an Weihnachten feiern.

Vertrauen, Glaube, Hoffnung. Stellt das Licht nicht unter den Scheffel.

„Morgenglanz der Ewigkeit…“ 19. November, 2022

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Der Liebste hat seine morgendlichen Rituale, die er selbst dann einhält, wenn die Zeit drängt oder ein Ungemach dräut.

Dazu gehört neben der Morgengymnastik auch der geistliche Zuspruch für den Tag. „Evangelischer Lebensbegleiter“ nennt sich das Andachtsbuch, das für jeden Tag einen geistlichen Impuls in Form einer Bibelstelle oder eines Gedichts oder eines klugen Gedankens eines klugen Menschen bereitstellt, verbunden mit einem Vorschlag zur eigenen Gestaltung des eben Gelesenen.

Heute nun, nach einer für mich unruhigen Nacht infolge einiger Faktoren, die ich hier nicht näher beschreiben möchte, las mir der Liebste einen Vers vor, der gestern Trost und Ermutigung bedeutete:

„Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.“ (EG 450, Gemeindelieder 459)

Wie oft habe ich in meinem Leben in zahllosen Gottesdiensten dieses Lied gesungen. Laut Auskunft der „Gemeindelieder“ stammt der Text von Christian Knorr von Rosenroth, geschrieben im Jahr 1684, in einer Zeit, in der die Menschen vermutlich ähnlich über die Vorgänge, die ihnen zu Ohren kamen, beunruhigt waren, wie wir uns heute über Nachrichten aus aller Welt sorgen.

„Morgenglanz der Ewigkeit, Licht von unerschaffnem Lichte“

Horcht man noch auf, wenn man diesen Terminus liest – „unerschaffnem Lichte“? Damals, so vermute ich, wussten alle Menschen, die die Zeile lasen und später das Lied sangen, dass sich dieser Ausdruck auf das ebenso machtvoll wie poetisch anmutende erste Kapitel der Bibel bezieht:

„Am Anfang schuf GOTT Himmel und Erde. (2) Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe; und der Geist GOTTES schwebte auf dem Wasser. (3) Und GOTT sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ (Luther Übersetzung)

Damals, 1684, wussten sich die Menschen noch geborgen in diesem Schöpfergeist GOTTES, der mit einem kurzen Satz die unermessliche Schöpfung der Welt in Gang setzte, die wir Menschen heute nach unserem Willen zu regeln gedenken. Allein das Wort selbst bewirkt die unfassbar großartige Schöpfung.

Diese machtvollen WORTE des Geistes GOTTES begegnen uns Christen auch in den Evangelien – zu Beginn des Johannes-Evangelium „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ – und dann auch in den Berichten der anderen Evangelien über Jesus, der nur ein WORT spricht, und der erbarmungslose Sturm auf dem See Genezareth legt sich, Jesus, der Lazarus mit einem einfachen „Lazarus komm heraus“ aus dem Totenreich zurück ins Leben holt oder die Tochter des Jairus ebenso anspricht _ „Mädchen, stehe auf!“ und ihr das Leben und den Eltern die Tochter zurückgibt. Jesus heilt Kranke, vertreibt böse Geister nur durch sein Wort.

Es ist auch heute noch „diese Macht, die unsere Nacht vertreibt“. Nur wollen wir uns nicht mehr so gerne darauf verlassen. Lieber nehmen wir die Dinge selber in die Hand. Aber das – „ich bin nicht Jesus“, wie man manchmal etwas salopp sagt, wenn einem eine Aufgabe gestellt wird, die man nicht im selben Augenblick erfüllen kann – gilt eben auch heute. Wir sind auch nicht GOTT, selbst wenn wir uns manchmal so aufführen und anhören, als wären wir Gotttvater persönlich.

Nein, wir sind nicht Jesus.

Aber Jesus ist immer noch derselbe, wie ihn uns die Bibel vorstellt. Der Geist GOTTES hat sich nicht in Luft aufgelöst. Er ist es noch immer, der die Schöpfung regiert, auch wenn wir meinen, ihn zum Hilfsarbeiter unseres Tuns machen zu können.

Das ist mir heute Ermutigung und Trost genug. Darauf will ich mich verlassen.

Auf DEIN Wort hin, HERR, will ich leben.

Martin – vergessen… 12. November, 2022

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Oh, da erzähle ich seit dem Beginn des Halloween-Zeitalters in Deutschland, dass ich es viel lieber sehe, die Kinder zu beschenken, die am Tag des Heiligen Martin von Haus zu Haus ziehen – und dann passiert mir das:

Ich habe gerade die Vorbereitungen für das gemeinsame Abendessen mit unserem Jüngsten und seiner Gefährtin vorbereitet und sitze in Erwartung der beiden im Wohnzimmer, als es an der Tür klingelt. Nanu, denke ich, sind sie etwa schon da? Sie wollten mir doch Bescheid geben, wenn sie losfahren, wie das?

Aber die da vor der Haustür stehen und mich erwartungsvoll anschauen, sind nicht die „Kinder“ – also unsere Kinder, es sind Kinder, die ich gar nicht kenne und die, kaum dass ich die Tür geöffnet habe, das altbekannte Lied schmettern, das davon erzählt, dass Martin ein guter Mann sei und man doch noch nach Bremen gehen wolle. (Es hat sich mir nie erschlossen, was Bremen mit dem Heiligen zu tun hat, Bremen steht doch eher für die tierischen Musikanten, die vor ihren unbarmherzigen Herren nach Bremen flohen, getreu dem Motto, „Etwas Besseres als den Tod findest du immer!“

Nun also singen die Kinder vor meiner Tür und ich habe nichts, was ich ihnen für die weite Reise nach Bremen mit auf den Weg geben könnte. Es ist mir ganz schrecklich! Ich bin tief beschämt ob meiner Unaufmerksamkeit, was den armen Martin betrifft.

Schnell suchen der Liebste und ich noch die wenigen Süßigkeiten zusammen, die wir noch vorrätig haben, die aber eigentlich nicht geeignet sind, sie an 6 Martinssänger zu verteilen.

Mit vielen entschuldigenden Erklärungen und der Versicherung, dass ich im kommenden Jahr ganz bestimmt vorbereitet sein werde und sie gerne wieder kommen und an meiner Tür klingeln dürfen, entlasse ich die Kinder in dunkler Nacht Richtung „Bremen“.

Wie konnte mir das nur passieren?

Die Woche war „voll“ und auf dieses Datum hatte ich nicht geachtet… wohl auch deshalb nicht, weil an den beiden Tagen (10./11. 11.) wichtige Termine anstanden und zudem „unsere Kinder“ doch alle schon groß sind, die Enkel im anderen Dorf wohnen und wohl auch, weil in den zurückliegenden Corona-Jahren niemand an der Tür klingelte, von Martin erzählte und unterwegs nach Bremen war, ein Traditionsbruch sozusagen.

Im nächsten Jahr will ich vorbereitet sein.

Kann mich einer von meinen freundlichen Lesern vielleicht am 8. November daran erinnern, dass der Heilige Martin wieder durch die Lande zieht, besser gesagt, die Kinder, die an den Heiligen erinnern ?!!

Goldener November 11. November, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Es stimmt natürlich: Dass dieser Monat immer noch mit sonnigen Tagen und golden schimmernden Blättern mein Herz höher schlagen lässt, geht wohl auf das Konto der klimatischen Veränderungen, die von vielen befürchtet, von anderen skeptisch, verneinend betrachtet und vermutlich von einigen wenigen Menschen sogar freudig begrüßt werden.

Ich bin, was die Diskussionen um das Klima angeht, ein Mischling. Zwar leugne ich nicht die Veränderungen, aber ich hege einige Zweifel hinsichtlich des Attribut „menschengemacht“, wobei ich auch da eine kleine Einschränkung machen will: Natürlich verändern wir Menschen unsere Umwelt, seit es uns gibt. Das fiel aber solange kaum bis gar nicht ins Gewicht, solange unsere Anzahl begrenzt war auf zunächst einige Millionen Menschen weltweit oder – wie gegen Mitte des letzten Jahrhunderts – sich unsere Zahl auf 3 Milliarden belief. Man kann sich doch leicht an fünf Fingern abzählen, dass 8 Milliarden Menschen, die wir derzeit sind, deutlich mehr an allen Ressourcen ge- und verbrauchen, als es weniger als die Hälfte der Bewohner dieser Erde bisher getan haben. Hinzu kommt, dass der Wohlstand, der in den westlichen Industrienationen zu einem höheren Gebrauch aller Güter und zu deutlich mehr Konsum geführt hat, inzwischen auch die sogenannten Schwellenländer erreicht hat, die Länder also, die zwar noch nicht vollständig die Segnungen des kapitalistischen Westens genießen, aber doch zu einem nicht geringen Teil bereits jetzt daran partizipieren. Und wer wollte ihnen das verdenken, selbst wenn die Zahl ihrer Einwohner um ein Vielfaches größer ist als die des sogenannten „Westen“. Damit will ich sagen, dass die Schuldzuweisung an die Länder des Westens bezüglich „menschengemacht“ doch auch unter dem Aspekt des unglaublichen Bevölkerungszuwachses der gesamten Welt relativiert werden muss.

So, genug der Erklärungen zu Klima, Wetter und Bevölkerung.

Ich genieße einfach den zauberhaften Anblick, der sich mir vom Schreibtisch am Fenster aus bietet. Im großen nachbarlichen Garten öffnet sich langsam der Laubvorhang wieder und gewährt erste Blicke auf das Fachwerkhaus, das mir im Sommer vollkommen verborgen ist. Abends ist es besonders schön, wenn die Dämmerung eingesetzt hat und durch das Blätterwerk der Bäume die Lichter des Hauses schimmern.

Auch meine Freundin wird dieses goldene Novemberwetter freuen, ist doch dieser Monat sonst eher für Düsternis, graue Tagen, Regen und Wind bekannt, was manchen Menschen, so auch meiner Freundin, tiefes Unbehagen verursacht.

Ich bin ja ein Herbstkind, im Oktober geboren und liebe diese Jahreszeit. Und wenn es draußen stürmt oder nebelgrau ist, der Regen in feinen Rinnsalen unaufhörlich aus den Wolken rieselt, dann geht es mir besonders gut, ich zünde Kerzen an, höre Musik, lese und mache es mir in meinen vier Wänden so gemütlich, wie es nur geht…. ein bisschen herbstlicher Dekokitsch gehört dazu und auch ein Feuer im Kamin.

Was jedoch die besonderen Gedenk- und Feiertage des November angeht, die nehme ich sehr bewusst wahr, ohne dabei der Betrübnis Raum zu geben, wie es manchen Menschen mit den Novemberterminen ergeht.

Die Gedenktage des November, mit dem katholischen Feiertag „Allerheiligen“ gleich zu Beginn des Monats, lassen mich innehalten und das Gute, das ich in meinem Leben erfahre, nicht als Selbstverständlichkeit betrachten. Sie lassen mich die Begrenztheit meines Lebens spüren und mich dennoch hoffnungsvoll bleiben angesichts der Ewigkeit, die wir am Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, in den Blick nehmen. Der Bus- und Bettag wurde den Erfordernissen der Industrie in den meisten Bundesländern geopfert, so auch in meinem. Der Volkstrauertag, der in meiner Kindheit und Jugend noch für nahezu alle Menschen ein fester Tag im Kalender war, verblasst mehr und mehr in seiner ursprünglichen Bedeutung. Ich erinnere mich, dass wir Schulkinder in den 60er Jahren mit einer Sammeldose von Haus zu Haus zogen und für die Kriegsgräberfürsorge um eine Spende baten. Damals war der Schrecken des Zweiten Weltkriegs noch im Bewusstsein aller Menschen, die ihn selbst erlebt hatten. Heute leben nur noch wenige Zeugen und selbst wir Nachkriegskinder nähern uns ja bereits deutlich der Schwelle zur Ewigkeit. Erst der Krieg im europäischen Haus, den Russland der Ukraine aufgebürdet hat, lässt die Furcht vor einem Krieg auch hier bei uns wieder anwachsen. Hatten wir uns doch alle so sehr an den Frieden gewöhnt, an die Sicherheit und Ruhe in unserem Land – trotz der Berichte über die Kriege, die es nach wie vor gab und gibt.

Die Politik ist herausgefordert wie kaum zuvor im Nachkriegsdeutschland, Antworten auf die Probleme zu finden und zu geben, die der Ukraine-Konflikt neu ins Bewusstsein gehoben hat, so sehr, dass wir darüber die Corona-Pandemie beinahe schon als normal abhaken, wenn wir sie nicht gar ganz beiseite geschoben haben und auch das Klima noch ein bisschen machen darf, was es will, ohne dass wir versuchen, ihm Einhalt zu bieten.

Und so hoffe ich, dass und die goldene Pracht des November noch ein wenig erhalten bleibt, um dann dem Dezember Platz zu machen, der wie immer mit der erwartungsfrohen Adventszeit Herzen und Sinne erfreut.

Professoren für Gedöns… 29. Oktober, 2022

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Als der in Ungnade gefallene Altkanzler Gerhard Schröder noch einer der Meinungsführer in der Republik war, konnte man sich – ohne gescholten zu werden – über „die“ Professoren und ihre Spezialgebiete lustig machen, die heute den Diskurs bestimmen und sich dabei auf eine breite Unterstützung durch grün-gegenderte Politiker stützen. Heute gilt es als Qualitätsmerkmal für Politiker, wenn sie in irgendeiner Form zur machtvollen Minderheit derjenigen gehören, die nicht cis oder weiß oder hetero, wenigstens aber bunt und laut à la Claudia Roth sind. (Die ursprüngliche Bedeutung des Schröder’schen Gedöns ist längst von den „weichen Ministerämtern“ auf die ebenfalls weichen Fächer übergegangen.)

Mit „Gedöns“ sind solche Fächer gemeint, für die man weder eine mathematische, noch eine naturwissenschaftliche oder überhaupt eine Begabung brauchte (sage ich etwas despektierlich!), dafür aber so gut quatschen kann, dass man sein Gegenüber mit schier endlosen Diskussionsbeiträgen in den Wahnsinn treiben kann. Die Seminare der Fachleute für Gedöns waren damit den Grundsatzdebatten der Grünen nicht unähnlich.

Aus diesen Gedöns-Fächern kristallisierte sich in den letzten Jahren jedoch eine „wissenschaftliche Disziplin“ heraus, die man heute weder ignorieren noch kritisieren, noch überhaupt infrage stellen darf. „Gender“ mit all seinen /ihren / Facetten ist die neue Macht an den Universitäten, denen sich nahezu alle anderen Fachbereiche unterzuordnen haben, wenn schon nicht hinsichtlich ihrer eigentlichen wissenschaftlichen Profession, so doch zumindest in der sprachlichen Darstellung derselben.

Nachdem sehr viel Forschungseifer und vermutlich ebenso viel Forschungsgelder in die Erforschung und Begründung für Binnensterne, Unterstriche, Doppelpunkte bei der sprachlichen Darstellung von handelnden oder teilnehmenden oder anwesenden Personen investiert wurde, stellt sich nun ein neuer Forschungsschwerpunkt als unbedingt notwendig heraus:

Personalpronomen: Ansätze einer interdisziplinären Grammatik der Person.

Das jedenfalls ist das Thema einer Tagung, die an der Universität Bielefeld stattgefunden hat und sich mit den notwendigen Erweiterungen in der Fragestellung beschäftigte. „Da Personalpronomen „unterschiedliche Identitätskonzepte“ ausdrückten, lauteten die zentralen Fragen der Konferenz: Wie persönlich ist das Personalpronomen? Wie politisch ist die Grammatik?“ (Zitate und Thema entdeckte ich in dem Beitrag bei Achgut „Pronomensalat„)

Liebe Freunde der deutschen Sprache, gewöhnt euch daran, die Sprache ist nichts, mein Genus ist alles, lautet das neue Credo, wobei ich mir den einschränkenden Hinweis erlaube, dass „mein Genus“ vor allen Dingen bedeutet, nicht cis, nicht weiß, nicht binär, nicht hetero zu sein. Nur wer dieser Gruppe angehört, hat nämlich Verfügungsgewalt über die gewaltsame Veränderung der Sprache. Wir – also ich und alle, die gleich mir darauf pfeifen, ob das „Geschlecht der Sprache“ mit dem „Geschlecht des sprachlich Gemeinten“ (Lehrer, Bäcker, Minister, Lokomotivführer) übereinstimmt – haben keinerlei Rechte mehr an der Entwicklung unserer Muttersprache. Wir dürfen nur noch artig ausführen, was der oben genannte Personenkreis sich zur Wahrung der Geschlechtsidentität bei Substantiven und Pronomen ausgedacht hat.

Noch sind – ihrer grammatikalischen Konstruktion wegen – Verben vom Umbau ausgeschlossen, aber wenn erst mal ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie im Orkus der Sprachverhunzung gelandet sind, geht es auch den Verben an den Kragen. Jede Wette, wetten? Dann ist es vorbei mit dem malerischen Konjugieren – ich laufe, du läufst, er, sie, es läuft, wir laufen, ihr lauft, sie laufen… dann gibt es vermutlich nur noch eine Form für alle und alles. Und ich dachte immer, wir würden auf eine schöne, bunte und vielfältige Zukunft lossteuern. Geschenkt!

Aber wenn ich die letzten Absätze des oben zitierten Beitrags lese, schwant mir Übles:

Das Handelsblatt führt in diesem Kontext an, dass vor allem in den USA immer mehr junge Menschen explizit ihre Pronomen angäben, etwa in E-Mail-Signaturen oder Social-Media-Profilen. Viele sich als „nicht-binäre“ Personen definierende Menschen würden im Englischen auf die Pronomen „they/them“, also die eigentliche 3. Person Plural zurückgreifen.

Konferenz-Leiterin Körte ergänzt, dass sich im Deutschen einfach die Nennung des Namens durchsetze – wie oben zitierte Medien bereits unter Beweis stellten. Körte ist eine Anhängerin dieser Idee, „weil wir dann keine neuen Worte erfinden müssen“. Als Beispiel liefert sie folgenden Satz: „Steffi putzt sich die Zähne, bevor Steffi ins Bett geht.”

Dass dies eher an die Ausdrucksweise eines Vorschulkindes erinnert, stört die Literaturwissenschaftlerin nicht, ebenso wenig eine mögliche „Sprachverunstaltung“. Denn: „Wichtiger wäre, dass niemand diskriminiert wird.“ Es gehe neben der Repräsentation auch um „Verantwortung, die ich dafür habe, respektvoll und anerkennend meinem Gegenüber zu begegnen, für den respektvollen Umgang miteinander“. Die schnöden Gefilde der Literaturforschung scheint die Wissenschaftlerin hinter sich gelassen und die Klärung der Pronomen-Frage zu ihrem Hauptanliegen erhoben zu haben. Man kann nur hoffen, dass das Sprachgefühl der Allgemeinheit diesen Ideen einen Strich durch die Rechnung macht.“ (Hervorhebung von mir)

Meinen Respekt haben die Leute der Sprachdiktatur ausdrücklich nicht.

Ich halte es eher mit einer Vision, die meinem Verständnis von dem „Menschenbild Gottes“ entspricht:

So wenig wie wir Gott, den Schöpfer aller Menschen, definieren können, so sehr könnten wir uns jedoch in dem wiederfinden, was die Bibel sagt: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Und mehr an Auskunft ist nicht zu bekommen. Das muss reichen. Gott ist unendlich, seine Menschen in all ihren Erscheinungs- und Daseinsformen sind es auch. DAS sollte mehr und mehr unser Bewusstsein bestimmen und nicht die Frage, wie wir diese wunderbare Tatsache sprachlich zum Ausdruck bringen können, wollen wir nicht einer immer weiter gehenden Differenzierung der Geschlechter in der einfältigen Zersetzung der Sprache Vorschub leisten.

GOTT allen Seins – und wir seine Geschöpfe – alle so, wie wir ganz besonders und individuell geschaffen sind.

Im Nachsinnen über das gerade Geschriebene denke ich, ob nicht der „Verlust des Glaubens“ an einen Schöpfergott die Menschen dazu zwingt, ihre Identität auf andere Weise zu suchen und in solch seltsamen Konstruktionen sichtbar zu machen? Je weniger wir uns unseres „göttlichen Ursprungs“ und eines göttlichen Vaters bewusst sind, umso dringender müssen wir uns unserer Identität versichern, uns sichtbar und erkennbar machen – und da wir nicht mehr „nackt wie im Garten Eden“ sind, muss die Sprache dazu herhalten, unser „Geschaffensein“ ohne Schöpfergott zu betonen.

Sapere aude…. 29. September, 2022

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Im Laufe eines interessanten Disputs (in einem anderen Blog) über eine von mir getätigte Aussage, die meinem Gegenüber aber nicht gefiel, wies mich mein Gesprächspartner auf meine „selbstverschuldete Unmündigkeit im Sinne Kants“ hin.

Nun will ich hier nicht auf die Unverschämtheit des Diskutanten eingehen, mir indirekt nahezulegen, mich im Hinblick auf meinen Verstand doch besser seiner Leitung zu bedienen, als mich fürderhin entschlossen auf meinen eigenen Grips zu verlassen und damit in „selbstverschuldeter Unmündigkeit“ zu verharren.

Ich gehöre bereits seit meiner frühesten Kindheit zu den Menschen, die sich ungern vorschreiben lassen, was und wie sie zu denken haben, wobei ich mich natürlich im Laufe meines Lebens leiten, lehren und belehren ließ – zunächst von Eltern, Großeltern und der Lieblingstante, die teils streng, teils liebevoll das neugierig-aufmüpfige Kind mit Information und Wissen betrauten und dabei darauf achteten, dass das „eigene Denken des Kindes“ auf nicht gar zu viele Abwege geriet. Später mühten sich Lehrerinnen und Lehrer, den wachen Geist der Schülerin anzuregen, zu fördern und zu schulen und in gesellschaftlich verträgliche Bahnen zu leiten, einzuhegen in die Konzepte der vorherrschenden und politisch erwünschten Ansichten und Meinungen in Schule und Gesellschaft. Gleichzeitig wuchs mit diesem Bemühen aber auch das, was man wohl einen „kritischen Geist“ nennen kann. Und dieser kritische Geist war es wohl auch, der es der Studentin damals ermöglichte, den Autoritäten an Fachhochschule und Universität zu widersprechen, wenn die vorgegebene Linie nicht mit der eigenen Denkweise übereinstimmte.

Der kritische Geist ist mir geblieben. Nur weil ein Professorentitel mein Gegenüber schmückt, der ihn als „Meister seines Fachs“ ausweist, heißt das doch – meinem Verständnis nach – noch lange nicht, dass die anerkannte fachliche Überlegenheit generell sein und auf alle anderen Gebieten angewendet werden kann oder gar angewendet werden muss – des Titels zuliebe?.

Der kritische Geist ist mir auch geblieben, wenn es darum geht, Nachrichten nicht nur aufzunehmen, sondern auch zu durchdenken und einzuordnen. Deshalb konnte ich mich auch nie mit Claus Klebers Verständnis von Journalismus abfinden, das nämlich davon ausging, dass der Moderator der Nachrichtensendungen des ZDf (und der ARD, Kleber sprach für beide Anstalten) die Nachrichten für die Zuschauer einzuordnen habe, damit diese Nachricht, Szenerie und Situation „richtig“ verstehen.

Wenn ich über einen Tatbestand gut informiert werde, die Hintergründe dabei nicht ausgelassen werden, bin ich durchaus in der Lage, sie selbst einzuordnen. Vielleicht geschieht diese Einordnung aber nicht im Sinne des Moderators oder der Richtlinie eines Senders und bleibt vielleicht sogar lückenhaft, aber sollten wir nicht alle in der Meinungsbildung frei sein, uns zu entscheiden, ob wir einer vorgegebenen Ansicht folgen oder uns eigene Gedanken machen?

Ich habe immer schon gesagt, dass Gott mir einen gut funktionierenden Verstand geschenkt hat und es mir gefällt ihn auch zu gebrauchen. Meiner Überzeugung nach ist es sogar unsere Pflicht, den eigenen Verstand einzuschalten und ihn zu einzusetzen, Dinge und auch Ansichten und Meinungen zu hinterfragen.

Ganz sicher – und auch das ist ein Teil meines kritischen Bewusstseins – sind mir aber auch Grenzen gesetzt. Grenzen des Wissens und Grenzen des Verstandes und Verstehens. Deshalb lasse ich mich immer noch gerne belehren – im Sinne von Erweiterung meines Horizonts und Wissens durch sachliche Informationen und auch durch einander widersprechende Expertisen, Meinungen und Ansichten.

Aber ich lasse mich nicht gerne für dumm verkaufen, nicht von Nachrichtenleuten, nicht von Propagandisten, nicht von Politikern und /oder Leuten, die ihre eigene Agenda vertreten.

Nur Mut, gebraucht den Verstand!

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