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Himmel und Tod… 7. März, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
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Gestern schrieb ich den Beitrag „Ein Himmel für den Schneemann“ und erzählte darin von meiner kleinen Enkelin.

Für uns als Großeltern ist es spannend und schön zu erleben, wie sich die Enkel entwickeln, sich ihr Denken immer mehr entfaltet, ihr Fragen sich auch den „nicht sichtbaren Gegenständen“ zuwendet,  das magische Denken dabei Phantasie und Weite ermöglicht und sich doch langsam wandelt hin zum konkreten.

Im vorigen Jahr wird es gewesen sein – so genau erinnere ich es nicht – dass das kleine Mädchen wieder einmal die Familienbilder an der Wand im großväterlichen Arbeitszimmer betrachtete und dabei die Personen klar erkannte, die ihr im Familienkreis vertraut geworden sind… Mama und Papa natürlich, die Brüder, Oma und Opa, Tanten und Onkeln. Bei dem Bild meines Schwiegervaters stutzt es, diesen Mann kennt es persönlich nicht. Wer das sei, möchte es vom Großvater wissen. „Das ist mein Vater“, erklärt der Opa und ergänzt, dass der „Vater“ aber schon gestorben sei. Die Kleine denkt eine Weile nach, dann stampft sie heftig mit dem Fuß auf und sagt gleichzeitig und sehr energisch: „Tot! Peng!“

Der Großvater ist verblüfft. Stampfen –  tot – Peng, das ergibt im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen doch gar keinen Sinn. Behutsam fragt er nach.

Was so makaber anmutet, hat aber einen sehr realen Hintergrund. Dazu muss man wissen, dass vor allem die Mutter des Mädchens nahezu alle Lebewesen unterschiedslos achtet und wertschätzt und niemals auf die Idee käme,  eine Fliege zu töten, geschweige denn  größeres Getier.

„Sag mal E.“ fragt der Großvater, dem es inzwischen dämmert, was die Kleine meint, „hast Du schon einmal einen Käfer oder eine Ameise ganz doll getreten und waren die dann tot?“  Die Enkelin schaut ihren Opa vertrauensvoll an,  bestätigt das und stampft wieder heftig auf  „Tot – Peng!“ Und nun wird die Sache klarer,  die Mutter,  die das alles beobachtete, so ist zu vermuten, hatte wohl dem Kind gesagt, dass man nicht auf Tiere tritt, weil die dann nämlich tot sind. Der  Begriff „tot“ war dem Mädchen bisher nur in dieser Form verständlich begegnet, verknüpft an die Handlung des Zutretens, eben „Peng“.

Der Opa ist ein ebenso liebevoller und einfühlsamer wie professioneller Psychologe  und erklärt seiner kleinen Enkelin, dass Menschen sterben weil sie alt oder krank sind. E. hört aufmerksam zu.

Vor noch gar nicht so langer Zeit blätterte ich mit E. in einem alten Fotoalbum. Ein großes Bild meiner Mutter hatte es ihr angetan. „Wer ist das?“ war die prompte Frage. „Meine Mutter, deine Uroma!“ antwortete ich. Auf die Frage, wo diese Uroma sei (ihre Uroma mütterlicherseits lebt noch, daher die berechtigte Frage), antwortete  ich ihr, dass meine Mutter alt und krank gewesen und deshalb schon gestorben sei. Aber diese Auskunft befriedigte die Kleine nicht. Wo sie denn nun sei, wollte sie wissen. Und ich erzählte ihr von meinem Glauben daran, dass meine Mutter, ihre  Uroma,  nun bei Gott sei … im Himmel. Wir redeten noch ein bisschen über „den Gott“  wie sie sagt  und den Himmel. Gott ‚kennt‘ sie schon aus biblischen Geschichten und (Tisch)-Gebeten.

Die Verknüpfung von Tod und Himmel schien ihr  gut verständlich zu sein.

Und so geht es weiter in der Bildung der Assoziationskette bis zum ‚Himmel für den Schneemann‘:

Die Großeltern mütterlicherseits hatten jahrelang zwei Katzen, die im Laufe der letzten Wochen beide verstarben. Vermutlich haben die Großeltern die Enkel damit getröstet, dass die Katzen jetzt im ‚Katzenhimmel‘ seien, eine Erklärung, die manche Erwachsene  oftmals Kindern geben, um ihnen den Verlust erträglich zu machen.

Und so – denke ich mir – war es für E. ganz selbstverständlich anzunehmen, dass auch der Schneemann nun im Himmel sei. Denn noch macht sie keinen Unterschied zwischen der belebten und unbelebten Welt, wird Puppen, Stofftieren und eben auch Schneemännern ebenso  „Leben“ zugesprochen wie Menschen und Tieren (und Pflanzen).

Das „Abstrakte“ wird  im konkreten Denken verständlich. Denken und Verstehen wird  Tag für Tag mehr und ist so der  wesentliche Prozess bei der kindlichen „Eroberung der Welt“.

Ihre – durch keinerlei Bedenken gefilterten –  Äußerungen machen ihr Denken für uns transparent.

Es ist schön, dass wir Großeltern diesen Prozess in der Entwickelung der Kinder miterleben können und dürfen.

Dafür bin ich sehr dankbar.

 

 

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