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Nichts aus Fehlern gelernt…. 30. Juli, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Lange vor der Eröffnung der documenta 15 hat es ernst zu nehmende Befürchtungen und sogar Hinweise gegeben, dass Werke mit eindeutig antisemitischer Bildsprache oder Inhalten den Weg in die Ausstellung gefunden haben und von den Verantwortlichen nicht sorgsam genug „eingenordet“ und entsprechend kritisch untertitelt bzw. beschrieben worden seien.

Unmittelbar nach der Eröffnung löste ein Banner einer indonesischen Künstlergruppe Empörung aus, da es an prominenter Stelle im Zentrum der Stadt Kassel eindeutige antisemitische Motive zeigte. Das Werk wurde nach einer zähen Diskussion endlich entfernt. Im Zuge der Entdeckung weiterer „Kunstwerke“ antisemitischen Inhalts und nachdem der Antisemitismusbeauftragte des Landes Hessen gemeinsam mit jüdischen Verbänden und nicht-jüdischen Persönlichkeiten die Zuständigkeit des documenta-Vorstands gerügt und dessen Absetzung gefordert hatte, trat die verantwortliche Chefin zurück.

Damit hat aber die unsägliche Geschichte immer noch kein Ende gefunden, wie ich heute in der „Jüdische Allgemeine“ lesen konnte.

Mir ist unbegreiflich, dass nach dem Eklat zu Beginn der documenta nicht alles dafür getan wurde, neuerliche „Enthüllungen“ im Vorfeld zu vermeiden. Doch offensichtlich wurde eben nicht genau nachgeschaut und auch nicht genug geprüft. So geht Drama unverminderter und beschämender Art und Weise weiter.

https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/zentralrat-der-juden-und-american-jewish-committee-fordern-abbruch-der-documenta/

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zeigte sich fassungslos. »Diese documenta wird als antisemitische Kunstschau in die Geschichte eingehen«, erklärte er in Berlin. Mit Blick auf die neuen Funde umstrittener Bilder sagte Schuster: »Auch Herr Farenholtz selbst konnte oder wollte keinen Antisemitismus erkennen.« Dass die documenta wie geplant bis 25. September laufen könne, erscheine »kaum mehr vorstellbar«.

AJC-Berlin-Direktor Remko Leemhuis sagte: »Angesichts dieser jüngsten Entwicklungen und vor dem Hintergrund, dass die Verantwortlichen offensichtlich immer noch nicht begriffen haben, welchen Schaden die documentaangerichtet hat, kann es kein ›Weiter so‹ geben.« Ebenso erwarte man »endlich eine ernsthafte Entschuldigung der Verantwortlichen bei der jüdischen Community«. „

Der Fehler lag bereits zu Beginn – noch in der Planungs- und Aufbauphase – vor und konnte bis heute nicht behoben werden.

Der Fehler besteht in der Blindheit für die heutigen Formen eines sich immer noch virulent ausbreitenden Antisemitismus, u.a. auch in der Gestalt der Kritik an dem Staat Israel – der heute exemplarisch für Juden und Judentum steht – und die in einseitiger und unangemessener Weise selbst von gebildeten Menschen nicht nur verbreitet, sondern auch als legitim geradezu gefordert wird.

Richtig wäre es, die Kunstschau mit Ablauf dieses Monats zu beenden und eine intensive Phase der Aufarbeitung auf allen Ebenen anzuschließen.

Siehe in Ergänzung auch diesen Artikel: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/neue-judenhass-vorfaelle-bei-der-documenta-holocaust-ueberlebende-sind-fassungslos/

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Fremde Feder: Ehrung für Mordgesellen… 24. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Das – also der von mir gewählte Titel „Ehrung für Mordgesellen“ – entspricht zwar nicht der Originalversion im Titel des von Thomas von der Osten-Sacken bei mena-watch veröffentlichten Artikel, dafür aber trifft er die inhaltliche Aussage genau.

Ich kopiere den gesamten Text hierher und verzichte auf die funktion „rebloggen“, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass nach einiger Zeit die „fremde Feder“ nicht mehr aufzurufen ist und meine einleitenden Worte dann reichlich sinnlos erscheinen.

Hier nun also der vollständige Text, den ich Zeile für Zeile unterstreiche. Er sollte den verantwortlichen Politikern, den unkritischen Journalisten, den Machern der Documenta 15 und ihren naiven bis schlecht informierten Besuchern nicht nur hinter die Ohren geschrieben, sondern in das Gedächtnis eingebrannt werden, zumal bisher in der öffentlichen Diskussion über die schrecklichen Propagandafilme der palästinensischen „Künstler“ so gut wie gar nicht berichtet wurde.

Dies ist der Link dazu: https://www.mena-watch.com/documenta-ehrt-initiatoren-des-selbstmordattentats/

Neben antisemitischen Bilddarstellungen wird bei der derzeit laufenden Kasseler Kunstausstellung auch eine Organisation als Utopie präsentiert, die eine der furchtbarsten Formen des Terrors mitgeprägt hat: die Japanische Rote Armee Fraktion.

Würde man eine Meinungsumfrage in der Fußgängerzone einer x-beliebigen europäischen Stadt durchführen und sich erkundigen, von wo das Selbstmordattentat herkomme, jede Wette, die überwältigende Mehrheit würde antworten: Irgendetwas mit Nahem Osten oder Islam. In der Tat fanden fast alle dieser furchtbaren Terrorattacken in dieser Region statt, die Antwort wäre allerdings trotzdem falsch.

Denn »erfunden« hat das »suicide bombing« die selbsternannte Japanische Rote Armee Fraktion, die am 30. Mai 1972 ein fürchterliches Massaker am Flughafen Lod bei Tel Aviv verübte. In »Solidarität mit dem palästinensischen Volk« töteten sie damals 26 Menschen, darunter viele christliche Pilger aus Puerto Rico, und verletzten unzählige weitere.

Der Anschlag war als Selbstmordattentat gedacht: Die drei Japaner wollten sich töten und dabei ihre Gesichter mithilfe einer Granate unkenntlich machen, um die Identifizierung zu erschweren. Doch zwei der drei Angreifer wurden von Sicherheitskräften erschossen. Der dritte, Kozo Okamoto, wurde festgenommen und zu lebenslanger Haft in Israel verurteilt.

Dieser Terroranschlag war nicht nur ein besonders blutiger, sondern hatte auch andere, weitreichende Folgen, die schon vor zehn Jahren Michael Sontheimer in der Zeitschrift taz beschrieb:

»Viele Palästinenser und Araber feierten die drei Japaner sofort als Helden. Sie hätten ein loderndes Zeichen gegen das Unrecht der israelischen Besetzung gesetzt, ihr Leben im Kampf für eine Sache gegeben, die gar nicht unmittelbar die ihre war.

Der libysche Staatschef Mummar al-Gaddafi warf den Palästinensern vor: ›Man sieht sie alle Bücher schreiben und Zeitschriften mit ihren Theorien füllen, aber sie sind nicht imstande, auch nur eine tollkühne Aktion wie die der Japaner auszuführen.‹ (…)

Die Palästinenser hatten ihren Kampf vorwiegend mit dem Verlangen nach Gerechtigkeit begründet. Der Selbstmord als Demonstration von Loyalität war ihnen fremd. Jetzt schlugen sie eine Brücke zur Figur des Märtyrers, auf die sich später die Hisbollah, Hamas, Al-Qaida und andere religiös-politische Selbstmordattentäter im Heiligen Krieg bezogen.

Es dauerte allerdings noch zwei Jahre, bis Kämpfer einer Abspaltung der PFLP in Israel ein Massaker anrichteten, bei dem sie sich schließlich zusammen mit ihren Geiseln in die Luft sprengten.«

Solidarität durch Judenmord

Dank einer japanischen Terrorgruppe also wurde das Selbstmordattentat in den Nahen Osten gebracht, sozusagen exportiert, wie zuvor schon Faschismus, Kommunismus, rassisch begründeter Antisemitismus und was Industrienationen noch so alles an Gütern zu bieten haben. Wie ihre Genossinnen von anderen Rote Armee Fraktionen, etwa der deutschen, drückten die Japaner so nämlich ihre Unterstützung für ein unterdrücktes Volk aus.

Vierzig Jahre später sollen auf der documenta fifteen – die wegen des dort präsentierten Antisemitismus nun weltweit in die Schlagzeilen geraten ist – auch einige Filme des Kollektivs Subversive Film gezeigt werden. Das Kollektiv restaurierte extra für das Event in Kassel ein paar »Film-Fragmente«, die laut documenta-Programm

»Auskunft über die weitestgehend übersehene und nicht dokumentierte antiimperialistische Solidarität zwischen Japan und Palästina geben soll«.

Diese Fragmente stammen, wie es weiter heißt, von:

»Masao Adachi, dem gefeierten Regisseur experimenteller Agit-Prop-Filme und ehemaligen Mitglied der Japanischen Roten Armee.«

So sollen sich in Kassel »die Beziehungen zwischen Tokio, Palästina und der Welt in einem nomadischen Filmprogramm um verschiedene Fragmente des restaurierten Films herum« entfalten, verkünden die Veranstalter freudig.

Auch wenn sie aus dem Nahen Osten stammen mögen, sind die Macher des Subversiv-Film-Kollektivs, wie so viele andere auf der documenta, liest man ihre Biografien, weit fester im westlichen Kulturbetrieb verankert und zu Hause als irgendwo im »globalen Süden«. Ihr Ziel sei, schreiben sie auf den Seiten der documenta, »Konstellationen von Solidarität und die Utopie einer weltweiten Befreiungsbewegung zu reaktivieren«.

Dystopie

Natürlich gingen auch diese Filme bei den documenta-Verantwortlichen durch und bekamen den »Nicht-Antisemitismus«-Stempel der beflissenen Kuratoren, Journalisten und Experten, die sich vorab das Programm angesehen hatten.

Aber nicht einmal das reicht zum großen Skandal: dass hier nämlich nicht nur eine Organisation als Utopie verkauft wird, die Judenmord praktizierte, sondern eine, die darüber hinaus noch eine der furchtbarsten Formen des Terrors in der Region hoffähig gemacht hat.

Wie viel Leid und Elend haben seitdem suicide bombings über die Welt gebracht? Kein Wort davon bei der documenta und auch nicht davon, dass – selbst im Jargon dieser ganzen Veranstaltung – die überwältigende Mehrheit aller Opfer aus dem »globalen Süden« stammen.

Unerträglich dabei auch die Vorstellung, was wohl geschehen und wie viele Leben nicht sinnlos beendet worden wären, hätten diese Japanerinnen und Japaner ihre politischen Kämpfe irgendwo anders und mit anderen Mitteln ausgeführt und das Selbstmordattentat nicht in den Nahen Osten exportiert worden wäre.

Und so würde es sich in der Tat anbieten, im Kontext dieser documenta über den Anschlag von Lod im Jahr 1972, von mir aus auch über das Geflecht »Tokio, Palästina und die Welt« zu sprechen – allerdings nicht als Utopie, sondern als Dystopie und schreckliches Beispiel, was geschehen kann, wenn im »globalen Norden« sich irgendwelche irregeleiteten Menschen aufmachen, gegen die Unterdrückung im Süden aktiv zu werden.

Schauplatz > Europa > Deutschland > Documenta ehrt Initiatoren eines Selbstmordattentats

Thomas von der Osten-Sacken

Thomas von der Osten-Sacken ist Geschäftsführer und Mitbegründer der deutsch-irakischen Hilfsorganisation Wadi e. V., mit der und für die er seit über 25 Jahren im Nahen Osten arbeitet und dabei versucht, nicht auch an den Verhältnissen irre zu werden. Außerdem publiziert er regelmäßig Buchbeiträge und Artikel über die Region und versucht ansonsten Theodor W. Adornos Maxime zu folgen, die da lautet: »Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.«

Ist das Kunst… 20. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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…. oder kann das weg?

Ich bin mir nicht ganz sicher, wer diese schöne Frage zum ersten Mal gestellt hat, aber ich ertappe mich oft dabei, dass ich zumindest den ersten Teil der Frage immer wieder mal beim Betrachten dessen stelle, was mir als „Kunst“ vorgestellt wird. Ich bin halt eher der Typ „Banause“, jemand, der nicht über Kunst akademisch reden kann, bei dem aber das Kunstwerk eine tiefe Berührung auslöst durch das, was „ich“ Ästhetik nennen möchte, also das Zusammenspiel von Form, Farbe und Motiv in einer Ausführung, die wahrhafte „Kunstfertigkeit“ erfordert, eine Fertigkeit, die mir nicht zu eigen ist und deshalb grenzenlose Bewunderung auslöst.

Mit diesem Begriff von „Kunst“ liege ich aber ganz sicher vollkommen daneben von dem, wie Künstler und Kunstschaffende selbst den Begriff „Kunst“ füllen.

Dieses Banausentum hat es mir schon immer ziemlich schwer gemacht, die Kunstwerke, die bei der Documenta in Kassel gezeigt werden, angemessen zu würdigen. Ich hätte zwar niemals gesagt, dass das „weg kann“, aber doch meine Zweifel angemeldet, ob es Kunst sei oder Kram oder eine, meine Sinne in unangenehmer Weise strapazierende, Provokation. Dass Kunst auch provozieren kann, will, darf oder sogar muss, stelle ich gar nicht in Abrede, aber wenn außer „Provokation“ nichts, aber auch gar nichts zu erkennen ist, was „ich“ mit Kunst assoziieren und in Verbindung bringen kann, ist es einfach nur ein unüberwindliches Ärgernis, das mich auch nicht zu irgendeinem sinnvollen Gespräch anregen würde. Es ließe mich zetern wie ein Rohrspatz … wem wäre damit gedient?

Diese lange Vorrede ist notwendig, um klarzustellen, dass es mir in der aufregenden Frage, ob die Documenta in diesem Jahr antisemitische Tendenzen aufweise oder nicht, nicht oder nur am Rande um die ausgestellten Exponate oder die angesagten Aktionen geht. Hierin halte ich mich doch an den allgemeinen Begriff von der Freiheit der Kunst, selbst dann, wenn in geschmackloser Weise „künstlerisch“ politische Themen dargestellt werden, wobei ich aber die Einschränkung machen muss und will, dass Darstellungen von Juden, die man in den Zeiten des Tausenjährigenreiches in den Ausgaben des „Stürmer“ finden konnte und die auch heute wieder zur Verunglimpfung von Juden oder Israel gezeigt werden, nicht mehr unter „künstlerische Freiheit“ fallen, sondern mit den Begriffen Diffamierung, Entwürdigung, Verächtlichmachung belegt werden, kurz mit dem einem Wort „antisemitisch“ charakterisiert werden müssen.

Es sind – von der Ausnahme der Kunstwerke mit „Stürmer-Qualität“nicht (nur) die Exponate oder die politisch motivierten Aktionen, die mich bewegen, es ist vielmehr die „Auswahl“ der Künstler, die bei der Documenta ausstellen dürfen / können oder eben nicht.

Wenn – nach Angabe des Kuratoriums – der Schwerpunkt auf die Interaktion zwischen der vernachlässigten „südlichen Welt“ und der des westlichen Kulturbereichs gelegt und damit verstärkt ermöglicht werden soll und man darum Künstler aus „Palästina“, nicht aber aus Israel zu Wort kommen lässt, ja Israel ausdrücklich als teilnehmendes Land ausklammert, aber als „Kunstobjekt“ in einseitiger und anklagender Weise darstellt, so geht doch diese Vorgehensweise erkennbar an der Intension eines „integralen Charakters der Documenta“ vorbei. Vielmehr erinnert diese ausdrückliche Nichtbeachtung israelischer Kunst und Künstler auf fatale Weise an die BDS-Bewegung, die doch nur dem einen Ziel dient, Israel als jüdischen Staat zu delegitimieren. BDS, das hat der Bundestag vor einiger Zeit sehr klargelegt, trägt aber alle Züge antisemitischen Gedankenguts und Handels und ist darum in Deutschland geächtet .

Dieser ausdrückliche Beschluss des Bundestages hat aber merkwürdigerweise für die (deutschen) Macher der Documenta gar keine Rolle gespielt, das indonesische Kollektiv kannte möglicherweise diesen Beschluss nicht oder hat sich – trotz der Kenntnis – eigensinnig darüber hinweggesetzt.

Die Rede des Bundespräsidenten zur Eröffnung der Documenta zielte aber genau auf diesem Tatbestand:

Die Weigerung, israelischen Künstlern die Teilnahme in Kassel zu ermöglichen, käme einer Delegitimierung des Staates Israels, einer Weigerung, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, gleich, etwas, das Deutschland so nicht hinnehmen könne.

Ich stimme an diesem Punkt Herrn Steinmeier zu.

Heute erschien im Kulturteil der HAZ ein Interview mit dem Direktor des Sprengel-Museums, Reinhard Spieler, der nach eigenen Angaben „explizit antisemitische Kunstwerke“ nicht habe wahrnehmen können, es seien lediglich einige Werke ausgestellt, in denen die Lebensbedingungen von Palästinensern kritisiert werde, nur eine einzige Arbeit zeige Israel als Aggressor – mit dem Titel „Guernica Gaza“, womit die Anspielung auf Picassos Werk „Guernica“ gegeben sei, mit dem Picasso gegen die Nazis protestiert habe.

Herr Spieler findet jedoch kein Wort darüber, dass Gaza von der Hamas regiert wird, die in ihrer Charta die vollständige Vernichtung Israels fordert und ihren Kampf so lange fortführen will, bis dieses Ziel erreicht sei. Vielmehr bedauert der Direktor, dass Steinmeier sich nicht vor seiner Rede über die Bilder informiert habe, ein Rundgang „hätte ihn davon überzeugt, dass die Ausstellung einen integrativen Charakter hat, dass Antisemitismus überhaupt kein Thema der Ausstellung ist.“ Quelle: HAZ, Ausgabe 20. Juni 2022, Seite 23, Kultur & Leben, „Ein bisschen Kinderbastelgruppe“)

Vermutlich hat sich auch Herr Spieler nicht ausdrücklich und ausführlich mit dem Gegenstand seiner Kritik auseinandergesetzt, der Rede des Bundespräsidenten nämlich, sonst hätte ihm doch auffallen müssen, dass im Fokus der Kritik an der Ausstellung nicht die Bilder stehen, sondern der von dem indonesischen Kollektiv gewollte Boykott israelischer Kunst und Künstler.

Herr Spieler klagt dagegen: „Es ist wirklich sehr unglücklich, dass der Documenta jetzt eine Debatte aufgezwängt wird, die am eigentlichen Thema völlig vorbei geht. Jeder kann und soll nun gerne genau hinschauen, ob Werke wirklich antisemitisch oder diskriminierend sind. Ich konnte diesen Eindruck definitiv nicht wahrnehmen.“(siehe oben genannte Quelle)

Wie will man etwas wahrnehmen, was nicht vorhanden ist… wie macht man die LEERSTELLE sichtbar, das FEHLEN israelischer Künstler? Und wie sehr zeigt diese Aussage die naive Borniertheit eines Direktors eines Museums für zeitgenössische Kunst? Herr Spieler macht auf bemerkenswerte Weise den blinden Fleck in der Debatte um die diesjährige Documenta deutlich. Wenn keine, dem „Stürmer“ ähnliche, Produkte und Pamphlete zu erkennen sind, kann es Antisemitismus nicht geben.

Erbärmlicher kann „Politik in der Kunst“ nicht argumentieren oder agitieren… wie es auch dem Statement der Staatssekretärin Claudia Roths zu BDS-Documenta anzumerken ist. Siehe diesen Artikel

Lesenswerte Berichte zum gleichen Thema finden sich u.a. hier hier hier hier hier

hier

Dass etliche Medien und „Medienschaffende“ keinerlei Antisemitismus erkennen können und Steinmeier kritisieren, kann eigentlich nur diejenigen verwundern, die vor dem latent vorhandenen Antisemitismus dieser Blätter und Kritiker in den letzten Jahren gekonnt die Augen verschlossen haben.

NACHKLAPP um 20.25h

Inzwischen haben die Verantwortlichen der Documenta einsehen müssen, dass es tatsächlich antisemitische Darstellungen in Kassel gibt. Frau Roth fordert die Entfernung eines Banners mit eindeutig antisemitischer Bildsprache. https://www.tagesschau.de/kultur/documenta-antisemitismus-roth-101.html

NACHTRAG, 21. 6. 2022

https://www.hessenschau.de/kultur/nach-antisemitismus-vorwuerfen-umstrittenes-documenta-banner-mit-stoff-verhuellt,antisemitisches-banner-documenta-100.html

Zitat: „“Wir sind traurig darüber, dass Details dieses Banners anders verstanden werden als ihr ursprünglicher Zweck“, hieß es in der Mitteilung weiter. Den Grund für die entstandene Empörung sehen die Künstler vor allem in der deutschen Vergangenheit. „Als Zeichen des Respekts und mit großem Bedauern decken wir die entsprechende Arbeit ab, die in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird“, heißt es: „Das Werk wird nun zu einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialogs in diesem Moment.““

Den Grund für die entstandene Empörung sehen die Künstler vor allem in der deutschen Vergangenheit.

Nochmals: Es ist nicht die „deutsche Vergangenheit“, die hier die entscheidende Rolle spielt, es ist der weltweit virulente Antisemitismus, dem entschieden entgegengetreten werden muss.

Wenn die Künstler einen Dialog anstreben, sollten sie darauf verzichten, in unangemessener und provozierender Weise ein Land aus diesem Dialog auszuklammern – Israel, und dieses Land zum Gegenstand ihrer „Kritischen Kunst“ zu machen.

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