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„Barbie trägt jetzt auch Kopftuch“… 15. November, 2017

Posted by Rika in aktuell, familie, frauen, islam, meine persönliche presseschau, migration, politik.
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titelt mein Käseblättchen auf SEITE EINS!

Das ist doch mal ne Meldung die es wirklich verdient hat, nicht irgendwo im Kultur- oder Wirtschaftsteil einer Zeitung aufzutauchen, sondern ganz prominent und hübsch bebildert gleich auf Seite 1 ins Auge des Betrachters  / Lesers zu fallen.

Bevor ich weiter schreibe, ist hier eine Erklärung nötig:

Ich kämpfe gerade mit meiner generellen abgrundtiefen Abneigung sowohl gegen Barbie wie auch gegen das Kopftuch, man möge mir bitte verzeihen, wenn ich mit diesen ungünstigen Voraussetzungen nur zu einer relativ bissigen Stellungnahme imstande bin.

Meine Haltung zum „Erkennungsmerkmal für  muslimische Frauen“ (muslimische Männer sind in Deutschland ja eher unauffällig gewandet) habe ich ja in verschiedenen Beiträgen hinreichend beschrieben, das muss ich nicht wiederholen, wenngleich sich die Argumentationsgrundlage  auch zu diesem Fall natürlich in keinster Weise geändert hat, nachlesen kann man es beispielsweise hier und hier.

Soweit meine Vorrede.

 

Isabell Rollenhagen, die Autorin des HAZ-Barbie-Titels schreibt einleitend:

„Wespentaille, blonde Wallemähne, weiße Haut: Barbie ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der Inbegriff eines uralten westlichen Frauenbildes.“

 

Nein, Barbie ist nicht der Inbegriff eines „uralten“ Frauenbildes, es ist der Inbegriff einer sensationellen Marketingentscheidung eines amerikanischen Spielwarenherstellers:

(1945 wurde Mattel von Harold Matson, Elliot Handler und dessen Frau Ruth Handler in einer Garage gegründet. Der Firmenname setzt sich zusammen aus Matsons Spitzname „Matt“ und „Elliot“. Die ersten Produkte waren Bilderrahmen und Puppenmöbel aus Holz. Die Erweiterung des Angebots um Puppenkleider war sehr erfolgreich, und so entschied sich das Ehepaar Handler, nach Trennung von dem Partner Matson, sich vermehrt auf Spielzeug zu konzentrieren.

Im Jahre 1959 erschien die erste Barbie-Puppe und 1961 die Ken-Puppe  Quelle )

 

Das mit dem „uralten Frauenbild“ relativiert die Autorin dann im nächsten Satz bereits sehr schnell:

Dem Spielzeughersteller Mattel hat dies in den vergangenen Jahren nicht nur von Frauenrechtlerinnen viel Kritik eingebracht.

Warum wohl protestierten Frauen gegen eine Puppe, die in keinster Weise dem gängigen „Frauenbild“ unserer Gesellschaft entsprach, sondern auf geradezu obszöne  Weise Frauen auf blond, dünn, langbeinig – und, wie ich immer vermutete, blöd reduzierte?  Barbie ist eine Anziehpuppe mit ungeheuer schlechtem Geschmack, mehr nicht. Ich jedenfalls finde mich in diesem von Mattel in Kunststoff geprägtem und von der Autorin als „uralt“ propagierten  „Frauenbild“ nicht wieder.

Frau Rollenhagen schreibt unbekümmert und bar jeder Logik weiter:

 

Doch das US-Unternehmen lernt dazu  – und präsentiert immer wieder auch Puppen, die sich von den Stereotypen abwenden sollen. Die neueste Idee: Barbie bekommt einen Hidschab, also ein Kopftuch, das Haare, Hals und Brust bedeckt.

 

Das ist fein.

Dem Stereotyp „uraltes westliches Frauenbild“ wird jetzt das des „ururalten, archaisch-muslimischen Frauenbildes“ an die Seite gestellt.

Da freuen sich aber die linientreuen Islamverehrer und noch mehr die supertoleranten deutschen, nicht-muslimischen  Islamversteherinnen,  die ja schon längst jede Solidarität mit den unters Kopftuch gezwungenen Frauen aufgekündigt und damit  die emanzipatorische Entwicklung der Frauen  in Deutschland feige verraten haben.

So unterlässt es natürlich auch Frau Rollenhagen, in irgendeiner Weise kritisch auf das „Kopftuch“ an sich einzugehen, vielmehr schließt sie sich dem Werbejubel an, indem sie fortfährt:

Für die Barbie in der „Sheroes-Kollektion“ dient die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad (31) als Vorbild, wie der Mattel-Konzern auf seiner Website bekannt gab.  …. Mit den Sherors-Puppen  … will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die zeigen können, dass Mädchen alles werden können, was sie wollen.“

In der Tat, muslimische Mädchen im Hidschab können etwas werden …..   ABER  eben nicht ALLES  und schon gar nicht  was SIE  wollen. Sie können nicht mit flatternden Haaren am Strand von Malibu oder Sankt Peter Ording im Sand spielen…. nicht mit leichtem Sommerkleidchen im Zoo spazieren gehen ….  nicht ungestüm mit gleichaltrigen Mädchen wie Jungen im Freien toben…     und sage mir niemand, dass kleine Mädchen genau das auf gar keinen Fall wollen!

 

Diesen winzig kleinen kritischen Einschub vermissen ich in dem Bericht von Seite 1 der HAZ, vom 15. November 2017.

Dafür erfahre ich dies:

Die Sportlerin ist begeistert: „Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die einen Hidschab trägt.“ Damit sei für sie ein Kindheitstraum wahr geworden.

 

Ich vermute einfach mal so ins Blaue hinein, dass es der Kindheitstraum der Sportlerin war, wie viele kleine Mädchen mit einer Barbie spielen zu wollen. Das wurde ihr verwehrt, weil ja die Barbie dem  „uralten westlichen Frauenbild“ entsprach und die vermutlich streng muslimischen Eltern genau das verhindern wollten:  Ihre Tochter sollte auf gar keinen Fall einer „westlichen Frau“ ähnlich werden.    Jetzt also können auch muslimische kleine Mädchen mit einer Barbie spielen, die das genaue Abbild ihres muslimischen Frauenbildes ist.

Es sei ihnen gegönnt….

 

Nur von einer deutschen, westlich sozialisierten Frau hätte ich in einem Bericht zu dieser PR-Strategie erwartet, dass zumindest in  einem Halbsatz  das Problem des Kopftuchs für das Selbstbestimmungsrecht kleiner Mädchen angesprochen wird.

Ergänzender Einschub aus einem älteren Kommentar von mir zum damaligen Kopftuchurteil, den ich auch für die „Hidschab-Barbie“ für relevant halte:  „Nun müssen sich halt diejenigen Muslima rechtfertigen, die kein Kopftuch tragen…. Was ist also so großartig an dem Urteil?  ….. WAS ist so großartig an einer Hidschab tragenden Barbie?  
Es ist pädagogisch vollkommen falsch, weil es den jungen Mädchen und Frauen, die aus dem vermeintlich “religiösen” Zwang ausbrechen wollen, nun eine zusätzliche Last in Form Kopftuch tragender Lehrerinnen- und Puppen-vorbilder aufbürdet.
Ich kann darin keinen Fortschritt für die integrationswilligen Muslime erkennen, eher dient es den Extremen zur Rechtfertigung ihrer pseudo-religiösen Ideologie und dem Frauen verachtenden Verhaltenskodex eines archaischen Kultes.

 

Ich habe übrigens lange Zeit versucht, eine Barbie  mit ihrem „uralten westlichen Frauenbild“ von meiner Tochter fern zu halten, zumal das liebste Töchterlein ein gutes Dutzend bezaubernder Puppen besaß….    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich schließlich einen ganz schändliche Deal mit der liebsten Tochter gemacht habe: Die weigerte sich nämlich, zum Abschluss des Schwimmkurses auch die abschließende Prüfung zu machen… alle guten Worte waren vergeblich. Da habe ich sie schlicht erpresst: Wenn Du das Seepferdchen schaffst, bekommst du eine Barbie….  Ich weiß, ich weiß, das war keine pädagogische Glanzleistung. Aber sie schaffte das Seepferdchen und bekam eine Puppe… es war nicht die Original-Barbie…. sie landete auch alsbald in irgendeiner Spielzeugkiste ….

Ich konnte Barbie nicht nur wegen des angeblich „westlichen Frauenbildes“ nicht leiden. Ich fand sie einfach grottenhässlich, völlig unproportioniert und zudem steif und ungelenk…  Nun ja, über Geschmack kann man nicht streiten oder eben doch….

 

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„So geht Integration….“ 2. Oktober, 2015

Posted by Rika in aktuell, einwanderung, emanzipation, frauen, gesellschaft, integration, muslimische frauen, politik, sharia, vollverschelierung.
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schrieb eine Nutzerin bei facebook

und postete den Beitrag über  die wunderbare Hilfsbereitschaft vieler Frauen, die einer  Flüchtlingsfrau einen Friseurbesuch ermöglichen wollten. Das Problem war weniger die Finanzierung einer solchen Hilfeleistung, als vielmehr die Tatsache, dass die Betroffene unter dem Recht von Sharia und Ehemann steht. Der Ehemann untersagt seiner Frau, die Vollverschleierung im öffentlichen Raum abzulegen oder sich gar – was beim Barte des Propheten ganz und gar nicht erlaubt ist – von einem männlichen Friseur bedienen zu lassen, ja, nicht einmal die Anwesenheit eines Mannes in dem entsprechenden Salon sei statthaft, man benötige vielmehr einen separaten Raum, zu dem – außer dem Ehemann natürlich – nur weibliche Arbeitskräfte Zutritt haben (die ja eigentlich nach  islamischer Logik ebenfalls verschleiert sein müssten, damit der Eheman sein lüsterndes Auge   nicht über Gebühr im Zaum halten müsste…)

Es meldeten sich ungemein viele Frauen, die Adressen von halal-Friseurläden posteten, um das nett gemeinte Angebot eines Friseurbesuches für eine Flüchtlingsfrau zu ermöglichen.

Aber „geht so Integration“?

So geht Hilfsbereitschaft, aber nicht Integration.

Denn das, was die Frauen so liebevoll-freundlich anbieten, ist doch nichts anderes als die Zementierung der Separation sehr traditioneller muslimischer Frauen vom öffentlichen Leben. Die Frau gilt  als Eigentum des Mannes und kein anderer Mann soll sie zu Gesicht bekommen.

Haben wir Frauen in Deutschland  jahrelang Debatten zum Thema „Emanzipation“ geführt, um vor einer religiös-archaischen Männersippe den Bückling zu machen?

Viele Frauen in Deutschland regen sich meiner Meinung nach zu Recht darüber auf, dass die katholische Kirche Frauen den Zugang zu sämtlichen kirchlichen und geistlichen Ämtern bis heute verweigert.  – Ich möchte allerdings ausdrücklich hervorheben, dass die evangelische Kirche das bis vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls getan hat und in manchen Freikirchen auch heute noch nach dem Wort des Apostel Paulus verfahren wird, das da lautet: „Das Weib schweige in der Gemeinde.“

Aber es herrscht doch ein geradezu lautes Schweigen der (gleichen ?)  Frauen, wenn es darum geht, den Herrschaftsanspruch muslimischer Männer über ihre Frauen an den öffentlichen Pranger zu stellen. Die gleichen muslimischen Männer, die ihre Frauen unter Kopftuch, Niqab oder Burka zwingen, begrapschen unverschleierte (deutsche) Frauen mit den Augen und ihre Bezeichnungen für modern und  westlich gekleidete Frauen sind alles andere als schmeichelhaft. (Das Problem, dass muslimische Väter nicht mit Lehrerinnen reden wollen, weil sie eine FRAU sind, gibt es ja nicht erst seit heute, ist aber bisher in der Öffentlichkeit weitgehend unter den Teppich gekehrt worden,)

Warum weisen wir diese Männer nicht in die Schranken?

Warum machen wir nicht SIE für die Zügelung ihrer scheinbar überbordenenden sexuellen Lust verantortlich, statt ihnen zuzugestehen, ihre Frauen unter Kartoffelsack ähnlich Gebilde zu stecken oder sie gleich ganz aus dem öffentlichen Leben fern zu halten, nur damit ja kein anderer Mann auf schmutzig-unzüchtige Gedanken kommen kann?

Haben wir nicht dafür gekämpft, dass Frauen nicht nur nominell vor dem Gesetz gleichberechtigt sind, sondern auch als gleichwerte und gleich wertvolle Menschen in der Gesellschaft geachtet werden, deren Wort etwas gilt, deren Argumente man ernst nimmt? Sollten unsere Politikerinnen  am Ende nur die Alibifrauen sein, die öffentlich die Verwirklichung des Gleichheitsanspruchs dokumentieren, gleichsam ala  „lass die Mädels man reden, machen tun wir!“? Die Kanzlerin quasi als erste Machtquotenfrau Deutschlands (Heide Simonis möge mir verzeihen… 🙂 )!

Das kann es doch nicht sein!

Als ich vor gut 40 Jahren meinen damaligen Schulrat fragte, ob das Dienstrecht es zuließe, dass ich neben meiner Arbeit an der Schule ein Psychologiestudium aufnehme, antwortete dieser wirklich sehr, sehr freundliche und nette Herr, dass es dem Dienstrecht völlig gleichgültig sei, ob ich in meiner Freizeit Tennis spielte oder studierte, aber „Frau Rika, besinnen Sie sich doch auf ihre wahren Werte als Frau und Mutter!“  Zu einem der Themen meiner mündlichen Prüfung im zweiten Examen wählte ich „Emanzipation“, was mir die freundliche Belehrung seitens des Schulrates (bei Einreichung meiner Themen) einbrachte, Emanzipation bedeute „aus der Hand geben“ was dem Ursprung nach meinte, eine Tochter aus der väterlichen Gewalt zu entlassen …   und vermutlich hat er in Gedanken hinzugefügt, aber nur, um sie der Gewalt des Ehemanns unterzuordnen.

Mehr als vierzig Jahre ist das her. Ein langer Zeitraum für mich, aber ein Klacks in der gesellschaftlichen Entwicklung seit der Zeit der alten Römer. Dass die Entwicklung der Emanzipation der Frau bisher an den  Männern im muslimischen Kulturraum vorbeigegangen ist, bedeutet aber doch nicht, dass ich diese Männer als Frau aktiv darin unterstütze, in ihrem archaischen Denken zu verbleiben. (Das gilt auch für die immer noch in christlich frommen Kreisen anzutreffenden Haltungen und Vorstellungen.)

Integration in unsere Gesellschaft kann nicht bedeuteten, dass wir die Entwicklung anhalten oder sogar zurückdrehen. Muslimische Männer haben sich unserer Rechtsvorstellung anzupassen, nicht wir unsere Rechtsvorstellung den muslimischen Männern.

……..

Und ich hoffe sehr, dass es mehr als Wahlkampfgetöse ist, was Julia Klöckner zu diesem Thema zu sagen hat und dass sie damit eine Debatte angestoßen hat, die nicht so bald verstummt. Manches braucht einen langen Atem.

Glaubt denn Frau Schröder allen Ernstes… 18. April, 2012

Posted by Rika in familie, gesellschaft, meine persönliche presseschau.
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… dass sie OHNE die Verdienste der Frauenbewegung das geworden wäre, was sie heute ist???

Meine Heimatzeitung bringt heute auf Seite 3 die Frau Ministerin ganz groß raus, mit Bild und Buch und Text. Nun will ich nicht den Fehler der Sarrazin-Kritiker machen und über ein Buch kritische Töne anschlagen, das ich gar noch nicht gelesen habe – und wohl auch nicht lesen werde, schließlich will ich nicht  der Bereicherung der Frauenbewegungskritikerin durch den Kauf eines Buches Vorschub leisten! Aber die wenigen inhaltlichen Angaben zum Buch und die vielen kleinen Seitenhiebe, die Frau Schröder gegen Frauen wie mich in den letzten Wochen und Monaten öffentlich austeilte, will ich schon kritisch beleuchten. (Jetzt nur im Anriss, vielleicht später mehr – die Zeit….!)

„Danke, emanzipiert sind wir selber“ heißt ihre Partnerarbeit zum Thema Frauen und Selbstbestimmung. Gabi Stief, die für die HAZ das Buch gelesen und dazu geschrieben hat, hält es nicht für notwendig, das „Werk“ zu empfehlen. Langatmig und zäh und schlecht zu lesen sei das Stück, wenig Neues biete es und  für Frauen gäbe es so gut wie keine  Anhaltspunkte wie frau  ein selbstbestimmtes Leben führen könne außer eben diesem „selbstbestimmt“. Nach Frau Schröder ist jede Frau ihres eigenen Glückes Schmiedin, will heißen, welche will, die kann. Dabei blendet Frau Schröder (so die Rezensentin!) vollkommen aus, dass Frauen eben nicht selbstverständlich ALLES in gleicher Chance erreichen können wie Männer und, so sagt Frau Stief, Frau Schröder findet die Ungleichheit auch völlig normal:

Die Linke wolle noch heute die Menschheit umerziehen. Das müsse ein Ende haben.  Also auch der Kampf für mehr Gleichberechtigung? Eine Frauenquote in der Wirtschaft ist in dem Buch kein Thema. Betreuungsgeld, Elterngeld, Kitaausbau? Fehlanzeige. Schröder ist der Ansicht, dass es in einer freien Gesellschaft immer Ungleichheit zwischen Frauen und Männern geben wird.“ schreibt Frau Stief über die im Buch geäußerten familienministeriellen Ansichten.

Dass es immer Ungleichheiten geben wird, denke ich auch.

Ungleichheiten zwischen armen, wohlhabenden und reichen Mitgliedern der Gesellschaft, zwischen kranken und gesunden, klugen und weniger begabten, hiesigen und zugereisten, Alten und Jungen und eben auch Männern und Frauen. Das ist und wird mit Sicherheit immer so sein. Was mich aber irritiert, ist dieses Achselzucken, mit dem die Ministerin über diese Ungleichheiten hinwegzugehen scheint. Mich irritiert  die Unverfrorenheit, mit der sie für sich in Anspruch nimmt, dazu zu gehören, es geschafft zu haben aus eigener Kraft und mich erzürnt die Kälte , mit der sie den Frauen begegnet, die eben weniger eigene Kraft haben und darum auch weniger Macht, für ihr eigenes Leben zu kämpfen.

Wir scheinen eine Familienministerin zu haben, die nach dem Motto agiert: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“

Vielleicht kommt Frau Schröder ja aus einer Familie, in der Frauen niemals für ihre Rechte kämpfen mussten, in der Bildung und Ausbildung für Mädchen immer schon eine große Selbstverständlichkeit war, in der Mädchen alles das ermöglicht wurde, was Jungen (wohlhabenden allzumal)  schon immer möglich war: Teilhabe an (fast) allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.

Vielleicht ist ihr der Kampf vieler Frauen darum, in ihrer Familie mitreden zu dürfen (von mitbestimmen ist ja bei vielen Mädchen erst recht  und gar nicht die Rede) absolut unbekannt, oder die Sorge um das buchstäblich tägliche Brot etwas, was sie in der Dritten Welt verordnet, aber nicht bei uns! Vielleicht hat Frau Schröder noch nie etwas davon gehört, dass Mädchen in ihren Familien dazu angehalten werden, so schnell wie möglich Geld zu verdienen und darum auf eine gute Schul- oder Ausbildung verzichten müssen, die es ihnen ermöglichte, besser bezahlte Stellen anzunehmen oder gar „Karriere“ zu machen.

Es ärgert mich, dass Frau Schröder die Verdienste der  Frauen meines Alters um gesellschaftliche Mitbestimmung und Verantwortung, um Mitreden und Mitdenken, um Bildungsförderung und Sorge für mehr Gerechtigkeit einfach so in Abrede stellt. Ohne die emanzipatorische Leistung der Frauen meiner Generation wäre Frau Schröder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl kaum in dem Stand gewesen, im Partei internen Geschacher um einen Ministerposten als mögliche Kandidatin aufzufallen. Man erinnere sich: Herr Jung aus Hessen musste seinen Hut nehmen, ein Bayer rückte auf seinem Posten nach – der smarte Theodor – und jemand aus Hessen musste in die Regierungsriege eingestellt werden, um den CDU-CSU-Parteien- und Länderausgleich wieder herzustellen….! Und unsere Bundeskanzlerin hatte wohl ein Herz für Frauen – das macht sich ja auch gut bei der überwiegend weiblichen Wählerschaft, nicht wahr?!!! Frau Schröders Verdienst???

Frau Schröders Verdienst…

„Danke, emanzipiert sind wir selber!“  sagt sie und lacht über alte Emanzen und Feministinnen…

Wenn ihr da mal nicht eines Tages das Lachen noch vergeht!

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„“Danke, emanzipiert sind wir selber“ 

„Wir – das sind die Bundesfrauenministerin  Kristina Scchröder und Mitautorin Caroline Waldeck, eine langjährige Freundin und Mitarbeiterin der Ministerin“ schreibt Frau Stief in der HAZ .

Und bei der FAZ heißt es zu dieser Zusammenarbeit:

Das Buch hat Schröder gemeinsam mit der Leiterin ihres Redenschreiberteams im Ministerium, Caroline Waldeck, verfasst.

Da drängen sich doch geradezu die Fragen auf,

a) ob die „Leiterin des Redenschreiberteams“ schon vor der Redenschreiberteamleitung mit der Frau Minister befreundet war und über diese Freundschaft an den Job gelangt ist,  was ja in Bezug auf das Thema „Emanzipiert sind wir selber“ doch eine nicht unerhebliche Relevanz hätte,

b) ob die Schreiberei am Buch ausschließlich in der Freizeit der Redenschreiberteamleiterin geschah,

c) und wieviel Schreiberei am Buch tatsächlich von der Ministerin selbst geleistet wurde, bzw. ob sie lediglich die Ideen- und Stichwortgeberein war und ihre Freundin das professionelle Schreiben übernommen hat….  was ebenfalls emanzipationstechnisch betrachtet höchst interessant wäre zu ergründen, auch im Hinblick auf die Arbeitsbelastung berufstätiger Mütter, die noch dazu, im Fall der Redenschreiberteamleiterin (nach Recherche der HAZ) allein erziehend ist.

Ich will ja nicht kleinkariert erscheinen, aber soviel emanzipatorisches Nachfragen muss dann doch sein. Schließlich werden auch von meinen selbstverdienten Steuergeldern die Ministerin samt ihrem Redenschreiberteam und die Leitung desselben bezahlt und ich durfte während meiner Arbeitszeit auch nicht für mein privates Vergnügen (oder das, was andere für „privat“ und „Vergnügen“ hielten), tätig sein, schon gar nicht für privaten Profit in Form von Einnahmen aus nicht genehmigter Nebentätigkeit.  Herr Wulff ließe an dieser Stelle (Arbeitszeit privat genutzt) schön grüßen, der auch nicht immer so genau Amt und Wulff voneinander zu trennen wusste.