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Eine Provokation soll es sein… 18. März, 2018

Posted by Rika in aktuell, frauen, gesellschaft, Kinder - Famile, mütter, mord, politik, väter.
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sich für menschliches Leben einzusetzen.

„Spahn provoziert neuen GroKo-Krach über Abtreibungen

 

Ich gebe ja zu, dass Herr Spahn  drastische Worte gewählt hat, als er einen Vergleich zog zwischen der Fürsorge für tierische Lebewesen und der für menschliche (ungeborene) Lebewesen.

Aber vielleicht ist es dringender denn je geboten, mit eben solchen drastischen Worten und Vergleichen den Wahnsinn zu verdeutlichen, der derzeit in Deutschland grassiert.

Wegen der schützenswerten Juchtenkäfer wurde jahrelang um den Bau von Stuttgart 21 gestritten. In Hannover musste, bevor der Klagesmarkt umgebaut werden konnte, ein seltenes Kraut aus den Ritzen zwischen den Pflastersteinen sorgsam entfernt und an anderer Stelle wieder eingepflanzt werden. Die Elbvertiefung wird mit dem Ringen um eine äußerst seltene Spezies im Uferbereich immer wieder juristisch bekämpft und damit verzögert. Wölfen sichert man einen überaus hohen Schutzstatus zu. Gegen Massentierhaltung gibt es heftige Proteste (wohl zu Recht).

Ungeborenes Leben hat weniger Fürsprecher in der öffentlichen Debatte.

Mehr als Einhunderttausend  Ungeborene werden Jahr für Jahr abgetrieben. Das entspricht in der schieren Anzahl der Getöteten in etwa der Bevölkerung einer Stadt wie Göttingen oder Hildesheim.

In der jetzt geführten Debatte geht es aber mitnichten um ein generelles Verbot von Abtreibungen, diese juristische Angelegenheit wurde schon vor Jahren mit der Änderung des § 218 geregelt. Was die Abtreibungsbefürworter auf die Palme bringt, ist die neu entflammte Debatte darüber, ob ein Gynäkologe im Internet auf seine Praxis aufmerksam machen und dabei auch den Hinweis auf die Durchführung von Abtreibungen geben kann oder nicht. Dieses Verfahren wird durch den § 219 geregelt. Die Werbung für Abtreibung ist demnach per Gesetz verboten.

Bei einer Anzahl von mehr als 100 000 Abtreibungen pro Jahr kann man doch davon ausgehen, dass die abtreibungswilligen Frauen bisher keine Probleme hatten, eine entsprechende Einrichtung für ihr Vorhaben zu finden. Von daher verstehe ich die angeblich  dringende Notwendigkeit nicht, den Paragraphen 219 nun gänzlich zu streichen, wie es die (nur vermutete Mehrheit der) SPD fordert.

Frau Barley wird mit diesen Worten in dem oben verlinkten Artikel zitiert:

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) betonte. «Ich verlasse mich auf das Wort der Kanzlerin, die zugesagt hat, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.» Es gehe nicht um Werbung, sondern um Information. «Daran muss jetzt die gesamte Bundesregierung arbeiten», sagte Barley der Deutschen Presse-Agentur. Ärzte bräuchten Rechtssicherheit und Frauen Unterstützung in einer Krisensituation.

 

Mir erschließt sich die Forderung nach mehr Rechtssicherheit für Abtreibungsärzte nicht. Es geht bei § 219 doch nicht um die Abtreibung an sich, sondern schlicht und ergreifend darum, ob ein Arzt im Internetauftritt seiner Praxis auf die Spezialbehandlung „Abtreibung“ hinweisen darf oder nicht. An seiner rechtlichen Situation hinsichtlich der Tötung von menschlichem Leben – dieses Tun nämlich straffrei zu stellen – ändert sich doch gar nichts. Und auch für  die betroffenen Frauen ändert sich nichts.

Wenn Frauen und die mit ihnen sympathisierenden Männer so massiv gegen den § 219 auftreten, bedeutet das doch in erster Linie, dass auf diesem Weg die Abtreibung menschlichen Lebens endgültig zu  einer ganz „normalen“  ärztlichen Tätigkeit erklärt werden soll, wie etwa die Entfernung des Blinddarms oder der Rachenmandeln. Bisher hat es doch offenbar funktioniert, dass Frauen die Ärzte fanden, die den Eingriff vornehmen. Wozu also die Änderung?

Und hat Herr Spahn nicht Recht?

Machen nicht insbesondere die Grünen ein ziemliches Gewese um alles was lebt, mit Ausnahme um noch nicht geborene Menschen?

Und ist das nicht ein ganz schrecklicher Skandal?

Ein Skandal insbesondere in einem Land, das so viel auf seine sozialen Errungenschaften hält. Ungewollt Schwangere, die sich in einer Notlage befinden, müssen und können mehr Unterstützung finden, als es bisher schon möglich ist. Dass das mit der Information über die Ärzte, die Abtreibungen vornehmen geschehen soll,  kann doch nicht zu dieser notwendigen Unterstützung zählen!

DAS LEBEN ZU SCHÜTZEN muss die eigentliche und wichtige Aufgabe zum Thema Abtreibung sein. Dazu gehört auch der Schutz der Frauen, die mit einer Abtreibung ein hohes gesundheitliches und psychisches Risiko eingehen, dessen Langzeitfolgen aber in einer Krisensituation kaum zu übersehen sind. Verantwortung für Frauen kann darum eben auch bedeuten, sie darin zu stärken, ein nicht geplantes und / oder nicht gewolltes Kind dennoch zu bekommen.

„Kein Mensch ist illegal!“ lautet ein Schlagwort im Umgang mit Migration.  Ungeborene Kinder haben diesen Zuspruch in gleicher Weise verdient und das Recht, in Deutschland zu leben und aufzuwachsen

 

By the way,  der demographische Wandel macht auch den Grünen und Linken Sorgen, sie plädieren für nahezu ungebremste Einwanderung, um der immer mehr schrumpfende Bevölkerung ein bisschen entgegen zu wirken.  Aber 100000 Kinder nicht leben zu lassen, ist für sie gar kein Problem.

Da kann man doch ins Grübeln kommen über die ethischen und moralischen Werte….

Oder?

 

 

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Himmel und Tod… 7. März, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
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Gestern schrieb ich den Beitrag „Ein Himmel für den Schneemann“ und erzählte darin von meiner kleinen Enkelin.

Für uns als Großeltern ist es spannend und schön zu erleben, wie sich die Enkel entwickeln, sich ihr Denken immer mehr entfaltet, ihr Fragen sich auch den „nicht sichtbaren Gegenständen“ zuwendet,  das magische Denken dabei Phantasie und Weite ermöglicht und sich doch langsam wandelt hin zum konkreten.

Im vorigen Jahr wird es gewesen sein – so genau erinnere ich es nicht – dass das kleine Mädchen wieder einmal die Familienbilder an der Wand im großväterlichen Arbeitszimmer betrachtete und dabei die Personen klar erkannte, die ihr im Familienkreis vertraut geworden sind… Mama und Papa natürlich, die Brüder, Oma und Opa, Tanten und Onkeln. Bei dem Bild meines Schwiegervaters stutzt es, diesen Mann kennt es persönlich nicht. Wer das sei, möchte es vom Großvater wissen. „Das ist mein Vater“, erklärt der Opa und ergänzt, dass der „Vater“ aber schon gestorben sei. Die Kleine denkt eine Weile nach, dann stampft sie heftig mit dem Fuß auf und sagt gleichzeitig und sehr energisch: „Tot! Peng!“

Der Großvater ist verblüfft. Stampfen –  tot – Peng, das ergibt im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen doch gar keinen Sinn. Behutsam fragt er nach.

Was so makaber anmutet, hat aber einen sehr realen Hintergrund. Dazu muss man wissen, dass vor allem die Mutter des Mädchens nahezu alle Lebewesen unterschiedslos achtet und wertschätzt und niemals auf die Idee käme,  eine Fliege zu töten, geschweige denn  größeres Getier.

„Sag mal E.“ fragt der Großvater, dem es inzwischen dämmert, was die Kleine meint, „hast Du schon einmal einen Käfer oder eine Ameise ganz doll getreten und waren die dann tot?“  Die Enkelin schaut ihren Opa vertrauensvoll an,  bestätigt das und stampft wieder heftig auf  „Tot – Peng!“ Und nun wird die Sache klarer,  die Mutter,  die das alles beobachtete, so ist zu vermuten, hatte wohl dem Kind gesagt, dass man nicht auf Tiere tritt, weil die dann nämlich tot sind. Der  Begriff „tot“ war dem Mädchen bisher nur in dieser Form verständlich begegnet, verknüpft an die Handlung des Zutretens, eben „Peng“.

Der Opa ist ein ebenso liebevoller und einfühlsamer wie professioneller Psychologe  und erklärt seiner kleinen Enkelin, dass Menschen sterben weil sie alt oder krank sind. E. hört aufmerksam zu.

Vor noch gar nicht so langer Zeit blätterte ich mit E. in einem alten Fotoalbum. Ein großes Bild meiner Mutter hatte es ihr angetan. „Wer ist das?“ war die prompte Frage. „Meine Mutter, deine Uroma!“ antwortete ich. Auf die Frage, wo diese Uroma sei (ihre Uroma mütterlicherseits lebt noch, daher die berechtigte Frage), antwortete  ich ihr, dass meine Mutter alt und krank gewesen und deshalb schon gestorben sei. Aber diese Auskunft befriedigte die Kleine nicht. Wo sie denn nun sei, wollte sie wissen. Und ich erzählte ihr von meinem Glauben daran, dass meine Mutter, ihre  Uroma,  nun bei Gott sei … im Himmel. Wir redeten noch ein bisschen über „den Gott“  wie sie sagt  und den Himmel. Gott ‚kennt‘ sie schon aus biblischen Geschichten und (Tisch)-Gebeten.

Die Verknüpfung von Tod und Himmel schien ihr  gut verständlich zu sein.

Und so geht es weiter in der Bildung der Assoziationskette bis zum ‚Himmel für den Schneemann‘:

Die Großeltern mütterlicherseits hatten jahrelang zwei Katzen, die im Laufe der letzten Wochen beide verstarben. Vermutlich haben die Großeltern die Enkel damit getröstet, dass die Katzen jetzt im ‚Katzenhimmel‘ seien, eine Erklärung, die manche Erwachsene  oftmals Kindern geben, um ihnen den Verlust erträglich zu machen.

Und so – denke ich mir – war es für E. ganz selbstverständlich anzunehmen, dass auch der Schneemann nun im Himmel sei. Denn noch macht sie keinen Unterschied zwischen der belebten und unbelebten Welt, wird Puppen, Stofftieren und eben auch Schneemännern ebenso  „Leben“ zugesprochen wie Menschen und Tieren (und Pflanzen).

Das „Abstrakte“ wird  im konkreten Denken verständlich. Denken und Verstehen wird  Tag für Tag mehr und ist so der  wesentliche Prozess bei der kindlichen „Eroberung der Welt“.

Ihre – durch keinerlei Bedenken gefilterten –  Äußerungen machen ihr Denken für uns transparent.

Es ist schön, dass wir Großeltern diesen Prozess in der Entwickelung der Kinder miterleben können und dürfen.

Dafür bin ich sehr dankbar.

 

 

Haben sie oder haben sie nicht…. 23. November, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie, gesellschaft.
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… einen Migrationshintergrund nämlich?

Die Rede ist von unseren Kindern.

„Wie das?“ werden sich diejenigen fragen, die mich und unsere Familie etwas kennen.

Dazu muss ich ein wenig ausholen:

Soweit ich die Generationenfolge meiner eigenen Herkunftsfamilie überblicken kann, besteht mein „Migrationshintergrund“ allenfalls darin, dass ein Teil der Vorfahren aus dem Wittgensteiner Land stammen, andere aus dem Westfälischen und wieder andere aus dem Lippischen und Bayrischem. Vor Napoleons Besatzung der Länder und auch wieder danach  waren das in Teilen  eigenständige Herrschaftsgebiete auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland.    (Die ausführliche Darstellung der geschichtlichen  Entwicklung  zur heutigen Bundesrepublik verkneife ich mir. Siehe dazu  „Deutsches Reich„)

Ganz anders sieht es bei der Familie des Liebsten aus:

Zwar ist der Meinige (in den letzten Kriegsmonaten) diesseits der Oder geboren, also bereits im heutigen Staatsgebiet der BRD, aber seine Eltern befanden sich zu dem Zeitpunkt auf der Flucht  „aus der kalten Heimat“***, wie es ein Cousin des Liebsten formulieren würde. Die Vorfahren der Eltern, mütterlicher- wie väterlicherseits,  waren (zu unterschiedlichen Zeiten) dem Aufruf der Zarin „Katharina der Großen“ gefolgt, hatten ihre Heimat in der Pfalz und im Schwäbischen verlassen und  sich „am Schwarzen Meer“, dem  Gebiet der heutigen Ukraine nahe Odessa niedergelassen. Das „Niederlassen“ muss man sich als einen langen und mühsamen Prozess unendlicher Arbeit bei der Urbarmachung des sehr dünn besiedelten,  Steppen ähnlichen  Landes vorstellen.

„Mütterchen Russland“ und die „Väterchen Zaren“ gewährten vertraglich geregelt  den Deutschen zunächst besondere Privilegien, die neuen Siedler erhielten Land zugewiesen, verbunden mit der steuerlichen Erleichterung während der ersten 10 Jahre, sie wurden nicht zum Militärdienst herangezogen und konnten eigenständige  „deutsche Gemeinschaften,  Dörfer und Städte“ bilden, mit eigenen Schulen und Kirchen. (Ich beziehe mich im Folgenden auf die Deutschen am „Schwarzen Meer“, denn dort lebten die Altvorderen des Liebsten.)

Nicht in der ersten, auch nicht der zweiten, aber ab der dritten Generation der „Kolonisten“  stellte sich ein bescheidenes,  Auskommen ein.

Mit dem Ende der Leibeigenschaft im Russischen Reich wurden auch die Privilegien der „Schwarzmeer-Deutschen“ aufgehoben.  Fast zeitgleich wurde das Kaiserreich in Deutschland gegründet und mit dem aufkeimenden neuen Nationalismus in beiden Ländern änderten sich  auch die  politischen Verhältnisse  für die Deutschen in Russland und wurden deutlich schwieriger, das zeigte sich u.a. an so einfachen Tatsachen, dass Russisch die allein zugelassene Amtssprache wurde. Die Großmutter des Liebsten hat Zeit ihres Lebens nur Deutsch gesprochen…. das Russische war ihr fremd.

Gänzlich ungemütlich aber wurde es  für die Deutschen in Russland – wie man sich leicht vorstellen kann – mit dem Beginn des 1. Weltkriegs. Die historischen Fakten sind bekannt.

In Russland folgte auf die Bitternis des Krieges der Schrecken der Revolution mit all ihren fürchterlichen Begleitumständen wie dem Bürgerkrieg mit wechselnden „Erfolgen“ und einer verheerenden Hungersnot.

Der Zar wurde zur Abdankung gezwungen, die Bolschewiki übernahmen das Regiment und wenig später kam Stalin an die Macht.

Damit begann nicht nur für die Deutschen eine furchtbare Leidenszeit. Im Zuge der Stalin’schen „Säuberungswellen“  wurden Tausend und Abertausende Menschen aus reiner Willkür verhaftet, in die grausamen Lager verbracht, ohne Prozess erschossen und, und, und.

Auch die große Familie meines Liebsten war davon betroffen …  Verbannung …. Verhaftung … Trudarmee … Enteignung … willkürliche Lagerhaft mit Todesfolge … Verhöre … Folter …. um nur einige Stichpunkte zu nennen.

 

Es würde hier zu weit führen, die Geschichte der ganzen Familie,  mütterlicher- wie väterlicherseits aufzuschreiben. Irgendwie gelang es den meisten von ihnen zu überleben ….  bis die nächste Katastrophe über sie und die Welt  hereinbrach: Deutschland überfällt die Sowjetunion, der „Große vaterländische Krieg“ beginnt. Die Deutsche Wehrmacht  erreicht und erobert auch die Ukraine. Die Wehrmacht bringt die in der Ukraine lebenden Deutschen unter ihren „Herrschaftsbereich“, so auch meine Schwiegereltern und ihre kleine Tochter  (des Liebsten ältere Schwester)  und ihre Angehörigen.

Nüchtern und sachlich beschreibt Wikipedia, wie es für sehr viele Deutsche in der Sowjetunion mit dem Fortschreiten des Krieges weiterging:

„Mit einsetzenden Gebietsverlusten der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg wurden Russlanddeutsche, insbesondere Schwarzmeerdeutsche, die in den nationalsozialistischen Herrschaftsbereich geraten sind, in den Warthegau umgesiedelt und erhielten die deutsche Staatsbürgerschaft („Administrativumsiedler“). „

Auch die Eltern des Liebsten gehörten zu denen, die von der deutschen Wehrmacht mehr oder weniger zwangsverfrachtet wurden in den Warthegau.  In den entbehrungsreichen Wirren des Krieges erkrankte das kleine Mädchen und starb an den Folgen der Krankheit und dem Mangel an Medikamenten.  Es muss für die Familie entsetzlich gewesen sein.    In  dieser  Familie lebten zu der Zeit  neben den Eltern des Liebsten auch die Oma und die Schwester meiner Schwiegermutter  – unsere Tante Lina – und ihr 6-jähriger Sohn. Im weiteren Kriegsverlauf  gelang es der Familie  mit einem großen Transport zunächst  Frankfurt an der Oder zu erreichen und in der Nähe in einem Lager notdürftig unter zu kommen. Der Liebste wurde in diesem Lager geboren. Nur drei Monate später mussten sie erneut aufbrechen, die Front näherte sich unaufhörlich und  unüberhörbar. Und sie hatten  „Glück“. In der Nähe des Lagers rastete ein großer Treck und inmitten der Gespanne entdeckte der Vater Leute aus seinem ehemaligen Dorf. Die willigten ein, dass die Großmutter und  die Mutter mit dem Säugling im Kissen auf dem Wagen mitfahren durften, der Vater, Tante L.  und ihr Sohn  gingen wie so viele andere auch zu Fuß neben dem Gespann. Ende Februar 1945 verließ der Treck das Lager an der Oder. Die kleine Familie kam mit dem Treck  bis Wittstock und irgendwie in all dem Durcheinander der letzten Kriegswochen erreichten sie per Bahn ein kleines Dorf in Holstein.  Verwandte des von den Sowjets schon 1937 verschleppten Ehemanns unserer Tante L. lebte dort.  Die Verwandten waren schon in den späten 20-er Jahren aus der Sowjetunion nach Deutschland zurückgekehrt.

Ihr Ehemann selbst aber  war in der Hochzeit der Stalin’schen Säuberungen  eines Tages direkt von seiner Arbeitsstelle in Russland von den Schergen des KGB abgeholt worden, alle Versuche, etwas über seinen Verbleib zu erfahren, waren erfolglos geblieben. Zu der Zeit war Tante L. mit ihrem ersten und einzigen Kind schwanger. Die Mutter des Liebsten  nahm ihre Schwester bei sich auf und sorgte durch ihre Arbeit für das Überleben. Auch nach der Heirat meiner Schwiegereltern blieben alle zusammen.

Und so führte sie der Weg bis in das holsteinische Dorf.

 

Bei Wiki heißt es weiter:

Der Großteil der Administrativumsiedler wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der Zwangsrepatriierung nach Russland zurückgebracht. Erst im Rahmen der Ost-West-Entspannung dürfen in den 1970er und 1980er Jahren über 70.000 Russlanddeutsche nach Deutschland umsiedeln.[

Was in nüchternem Amtsdeutsch und  die ganze und  eigentliche Tragik der Betroffenen verschleiernd mit „Zwangsrepatriierung“ bezeichnet wird, besagte nichts anderes, als das nach dem Abkommen (der Siegermächte von Jalta) alle Personen, die vor dem Krieg zum Staatsgebiet der Sowjetunion gehörten und während des Krieges in den Westen nach Deutschland gelangt waren, von den Alliierten an die Sowjets ausgeliefert und in die Sowjetunion zurück verbracht wurden. Allerdings nahm Mütterchen Russland diese Unglücklichen  nicht an ihr liebendes mütterliches Herz, sondern verfrachtete sie in die unwegsamsten Gegenden  Sibiriens oder in die kasachische Steppe, wo sie unbehaust schwerste Zwangsarbeit verrichten mussten und es ihnen unter Strafe verboten war, das ihnen zugewiesene Gebiet zu verlassen – schon gar nicht durften sie in ihre Dörfer am Schwarzen Meer zurückkehren.

Viele Menschen überlebten schon den Transport nicht… noch mehr kamen in den Lagern um.  Erst nach Stalins Tod konnten die Deutschen (und andere von den Sowjets verschleppte Minderheiten) freier über ihren Wohnort verfügen. Eine Ausreise nach Deutschland war aber für die meisten für Jahrzehnte unmöglich.

Aber meine Schwiegerfamilie hatte  „Glück“.

Im Gegensatz zu dem weitaus größten Teil der riesigen  Familie blieben sie nämlich von der so lapidar genannten „Zwangsrepatriierung nach Russland“ verschont, weil der Bürgermeister des kleinen Dorfes den Engländern, die in dem Teil Deutschlands das verhandelte Abkommen mit der Sowjetunion umzusetzen hatten,  auf deren Frage nach „Sowjetbürgern“ erklärte, in seinem Dorf gäbe es keine Sowjetbürger.

Wie durch ein Wunder gelangte auch ein Bruder des Vaters ins holsteinische Dorf und eine weitere Schwester der Mutter mit ihrem Mann. Sie wohnten in einem kleinen Raum auf dem Kornboden eines Bauern, der sie wohl freundlich aufgenommen hatte. Die jüngere Schwester des Liebsten wurde dort geboren.

Und als ein Wunder erschien es den in Holstein Gestrandeten wohl auch, dass sie von einigen wenigen Verwandten, so auch dem Bruder meiner Schwiegermutter  die erlösende Nachricht bekamen, dass auch sie „im Westen“ waren. Aber wie groß war der Preis, den einige zahlen mussten. Sowohl Frau und Kinder des Bruders meines Schwiegervaters, wie auch Frau und Kinder des Bruders meiner Schwiegermutter, sowie weitere Verwandte gehörten zu den Unglücklichen, die bereits auf dem Gebiet der ehemaligen DDR waren und dort von Amerikanern aufgegriffen und an die Sowjets ausgeliefert wurden.

Lange Zeit wussten die Familien nichts voneinander, bis nach und nach über das Rote Kreuz  Nachrichten über den Verbleib einiger Familienmitglieder die Verwandten im Westen erreichten. Briefe wurden geschrieben, Anträge auf Ausreise gestellt…. So viele Male vergeblich. Anfang der 70-er Jahre konnte ein Sohn des Bruders meiner Schwiegermutter mit seiner Familie nach Deutschland ausreisen, 1980 die Tochter mit ihrer Familie.  Auch ein Sohn  des Bruders meines Schwiegervaters konnte Ende der 70-er Jahre mit seiner Familie nach Deutschland kommen. Ihre Geschichten lohnten sich aufgeschrieben zu werden… Die Mühsal der ersten Jahre in der Verbannung, die vielen vergeblichen Versuche, eine Ausreise zu erwirken, das „geheime Leben“ als Deutsche … nur nicht auffallen! Das Ankommen hier in einem fremden Land, in dem sie zunächst wieder als nicht willkommene Fremde behandelt wurden…   ihr starker Akzent verriet sie als „Russen“, wie man in völligem Verkennen der Geschichte keck nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Zeitungen behauptete, obwohl sie selbst sich in allen Zeiten immer als Deutsche empfunden und auch so gelebt hatten … das sich Einfinden in den westdeutschen Alltag … in den Beruf, der trotz aller Ähnlichkeit mit der Arbeit, die sie kannten, sich so anders darstellte… und und und.

Es ist ihnen gelungen, hier eine neues Leben aufzubauen.

Vor einigen Tagen wurde in der Familie ein großes Fest gefeiert … eine Goldene Hochzeit. Einige Mitglieder der großen Verwandtschaft „aus der kalten Heimat“ haben wir dabei getroffen. Und natürlich wurde erzählt … und erzählt…. von früher, der „Repatriierung“, den Entsagungen der ersten Jahre, dem Leben in Kasachstan und dem Ankommen hier.  Und ich, „die Hiesige“, wie mich unsere Tante Ida zu ihren Lebzeiten immer liebevoll nannte,  ich hörte zu… viele Geschichte kannte ich schon, andere waren mir neu.

So auch die des Verwandten, der erzählte, dass er bei der Anmeldung seines Sohnes zum Gymnasium hier in Deutschland  gefragt wurde, ob er einen Migrationshintergrund habe. Der Verwandte verneinte. Daraufhin sprach ihn der Schulleiter auf seinen immer noch leicht zu hörenden Akzent an…  Der Verwandte erzählte dem Schulleiter in kurzen Sätzen die Geschichte seiner Familie, zurückverfolgt bis 1756 … ursprünglich beheimatet in Württemberg … um 1806 ausgewandert ans Schwarze Meer…. immer Deutsche geblieben und gewesen …  1987 zurückgekehrt in die alte Heimat Deutschland.

Das zähle leider nicht, beschied ihm der Schulleiter, er sei ja sowjetischer Staatsbürger gewesen, also habe er rein rechtlich gesehen einen Migrationshintergrund.

Und so denke ich nun  grübelnd darüber nach….. Haben sie oder haben sie nicht … einen Migrationshintergrund** … unsere Kinder…. schließlich waren auch ihre Großeltern rein rechtlich gesehen mal sowjetische Staatsbürger….

 

 

 

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ERKLÄRUNGEN

***  „Kalte Heimat“….  immer wenn eigentlich die Rede von Russland, bzw. der Sowjetunion war, fiel in Unterhaltungen stattdessen der Ausdruck „kalte Heimat“… ich kann es nicht wirklich erklären, vermute aber, dass der Begriff aus der Zeit stammt, als Familienangehörige nach Sibirien verschleppt waren und dort in Erdhütten hausten  – auch im kalten Winter…. Eine andere Erklärung mag die sein, das „die Heimat“ kalt und abstoßend geworden war.

 

„Glück“ –  das setzte ich in Anführungszeichen. Nach der tiefen Überzeugung meiner Schwiegereltern und vieler Verwandter  (und ich teile diese Überzeugung auch, obwohl ich es ja nicht persönlich erlebt habe) war es einzig Gottes Gnade, die sie die vielen Entbehrungen überstehen ließen und die immer wieder im richtigen Moment zu einer unverhofften Begegnung oder Entschärfung einer bedrohlichen Situation führte.  Nicht zuletzt ist das der Hintergrund trotz der schrecklichen Erlebnisse und Erfahrungen für den lebenslang gelebten Wahlspruch meiner Schwiegermutter:

Und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers HERRN Jesu Christi,“   (Epheser 5,20)

 

Informationen zu den „Deutschen aus Russland“ finden sich hier:

Schicksalswege der Deutschen aus Russland

Geschichte der Russlanddeutschen

Aussiedler und Spätaussiedler

Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

Schwarzmeerdeutsche

Russlanddeutsche

Migrationshintergrund

 

Migrations-Hintergrund   …..   **dann wär das ja geklärt.

„Barbie trägt jetzt auch Kopftuch“… 15. November, 2017

Posted by Rika in aktuell, familie, frauen, islam, meine persönliche presseschau, migration, politik.
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titelt mein Käseblättchen auf SEITE EINS!

Das ist doch mal ne Meldung die es wirklich verdient hat, nicht irgendwo im Kultur- oder Wirtschaftsteil einer Zeitung aufzutauchen, sondern ganz prominent und hübsch bebildert gleich auf Seite 1 ins Auge des Betrachters  / Lesers zu fallen.

Bevor ich weiter schreibe, ist hier eine Erklärung nötig:

Ich kämpfe gerade mit meiner generellen abgrundtiefen Abneigung sowohl gegen Barbie wie auch gegen das Kopftuch, man möge mir bitte verzeihen, wenn ich mit diesen ungünstigen Voraussetzungen nur zu einer relativ bissigen Stellungnahme imstande bin.

Meine Haltung zum „Erkennungsmerkmal für  muslimische Frauen“ (muslimische Männer sind in Deutschland ja eher unauffällig gewandet) habe ich ja in verschiedenen Beiträgen hinreichend beschrieben, das muss ich nicht wiederholen, wenngleich sich die Argumentationsgrundlage  auch zu diesem Fall natürlich in keinster Weise geändert hat, nachlesen kann man es beispielsweise hier und hier.

Soweit meine Vorrede.

 

Isabell Rollenhagen, die Autorin des HAZ-Barbie-Titels schreibt einleitend:

„Wespentaille, blonde Wallemähne, weiße Haut: Barbie ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der Inbegriff eines uralten westlichen Frauenbildes.“

 

Nein, Barbie ist nicht der Inbegriff eines „uralten“ Frauenbildes, es ist der Inbegriff einer sensationellen Marketingentscheidung eines amerikanischen Spielwarenherstellers:

(1945 wurde Mattel von Harold Matson, Elliot Handler und dessen Frau Ruth Handler in einer Garage gegründet. Der Firmenname setzt sich zusammen aus Matsons Spitzname „Matt“ und „Elliot“. Die ersten Produkte waren Bilderrahmen und Puppenmöbel aus Holz. Die Erweiterung des Angebots um Puppenkleider war sehr erfolgreich, und so entschied sich das Ehepaar Handler, nach Trennung von dem Partner Matson, sich vermehrt auf Spielzeug zu konzentrieren.

Im Jahre 1959 erschien die erste Barbie-Puppe und 1961 die Ken-Puppe  Quelle )

 

Das mit dem „uralten Frauenbild“ relativiert die Autorin dann im nächsten Satz bereits sehr schnell:

Dem Spielzeughersteller Mattel hat dies in den vergangenen Jahren nicht nur von Frauenrechtlerinnen viel Kritik eingebracht.

Warum wohl protestierten Frauen gegen eine Puppe, die in keinster Weise dem gängigen „Frauenbild“ unserer Gesellschaft entsprach, sondern auf geradezu obszöne  Weise Frauen auf blond, dünn, langbeinig – und, wie ich immer vermutete, blöd reduzierte?  Barbie ist eine Anziehpuppe mit ungeheuer schlechtem Geschmack, mehr nicht. Ich jedenfalls finde mich in diesem von Mattel in Kunststoff geprägtem und von der Autorin als „uralt“ propagierten  „Frauenbild“ nicht wieder.

Frau Rollenhagen schreibt unbekümmert und bar jeder Logik weiter:

 

Doch das US-Unternehmen lernt dazu  – und präsentiert immer wieder auch Puppen, die sich von den Stereotypen abwenden sollen. Die neueste Idee: Barbie bekommt einen Hidschab, also ein Kopftuch, das Haare, Hals und Brust bedeckt.

 

Das ist fein.

Dem Stereotyp „uraltes westliches Frauenbild“ wird jetzt das des „ururalten, archaisch-muslimischen Frauenbildes“ an die Seite gestellt.

Da freuen sich aber die linientreuen Islamverehrer und noch mehr die supertoleranten deutschen, nicht-muslimischen  Islamversteherinnen,  die ja schon längst jede Solidarität mit den unters Kopftuch gezwungenen Frauen aufgekündigt und damit  die emanzipatorische Entwicklung der Frauen  in Deutschland feige verraten haben.

So unterlässt es natürlich auch Frau Rollenhagen, in irgendeiner Weise kritisch auf das „Kopftuch“ an sich einzugehen, vielmehr schließt sie sich dem Werbejubel an, indem sie fortfährt:

Für die Barbie in der „Sheroes-Kollektion“ dient die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad (31) als Vorbild, wie der Mattel-Konzern auf seiner Website bekannt gab.  …. Mit den Sherors-Puppen  … will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die zeigen können, dass Mädchen alles werden können, was sie wollen.“

In der Tat, muslimische Mädchen im Hidschab können etwas werden …..   ABER  eben nicht ALLES  und schon gar nicht  was SIE  wollen. Sie können nicht mit flatternden Haaren am Strand von Malibu oder Sankt Peter Ording im Sand spielen…. nicht mit leichtem Sommerkleidchen im Zoo spazieren gehen ….  nicht ungestüm mit gleichaltrigen Mädchen wie Jungen im Freien toben…     und sage mir niemand, dass kleine Mädchen genau das auf gar keinen Fall wollen!

 

Diesen winzig kleinen kritischen Einschub vermissen ich in dem Bericht von Seite 1 der HAZ, vom 15. November 2017.

Dafür erfahre ich dies:

Die Sportlerin ist begeistert: „Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die einen Hidschab trägt.“ Damit sei für sie ein Kindheitstraum wahr geworden.

 

Ich vermute einfach mal so ins Blaue hinein, dass es der Kindheitstraum der Sportlerin war, wie viele kleine Mädchen mit einer Barbie spielen zu wollen. Das wurde ihr verwehrt, weil ja die Barbie dem  „uralten westlichen Frauenbild“ entsprach und die vermutlich streng muslimischen Eltern genau das verhindern wollten:  Ihre Tochter sollte auf gar keinen Fall einer „westlichen Frau“ ähnlich werden.    Jetzt also können auch muslimische kleine Mädchen mit einer Barbie spielen, die das genaue Abbild ihres muslimischen Frauenbildes ist.

Es sei ihnen gegönnt….

 

Nur von einer deutschen, westlich sozialisierten Frau hätte ich in einem Bericht zu dieser PR-Strategie erwartet, dass zumindest in  einem Halbsatz  das Problem des Kopftuchs für das Selbstbestimmungsrecht kleiner Mädchen angesprochen wird.

Ergänzender Einschub aus einem älteren Kommentar von mir zum damaligen Kopftuchurteil, den ich auch für die „Hidschab-Barbie“ für relevant halte:  „Nun müssen sich halt diejenigen Muslima rechtfertigen, die kein Kopftuch tragen…. Was ist also so großartig an dem Urteil?  ….. WAS ist so großartig an einer Hidschab tragenden Barbie?  
Es ist pädagogisch vollkommen falsch, weil es den jungen Mädchen und Frauen, die aus dem vermeintlich “religiösen” Zwang ausbrechen wollen, nun eine zusätzliche Last in Form Kopftuch tragender Lehrerinnen- und Puppen-vorbilder aufbürdet.
Ich kann darin keinen Fortschritt für die integrationswilligen Muslime erkennen, eher dient es den Extremen zur Rechtfertigung ihrer pseudo-religiösen Ideologie und dem Frauen verachtenden Verhaltenskodex eines archaischen Kultes.

 

Ich habe übrigens lange Zeit versucht, eine Barbie  mit ihrem „uralten westlichen Frauenbild“ von meiner Tochter fern zu halten, zumal das liebste Töchterlein ein gutes Dutzend bezaubernder Puppen besaß….    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich schließlich einen ganz schändliche Deal mit der liebsten Tochter gemacht habe: Die weigerte sich nämlich, zum Abschluss des Schwimmkurses auch die abschließende Prüfung zu machen… alle guten Worte waren vergeblich. Da habe ich sie schlicht erpresst: Wenn Du das Seepferdchen schaffst, bekommst du eine Barbie….  Ich weiß, ich weiß, das war keine pädagogische Glanzleistung. Aber sie schaffte das Seepferdchen und bekam eine Puppe… es war nicht die Original-Barbie…. sie landete auch alsbald in irgendeiner Spielzeugkiste ….

Ich konnte Barbie nicht nur wegen des angeblich „westlichen Frauenbildes“ nicht leiden. Ich fand sie einfach grottenhässlich, völlig unproportioniert und zudem steif und ungelenk…  Nun ja, über Geschmack kann man nicht streiten oder eben doch….

 

„Emma“ – eine Leseempfehlung…. 1. August, 2017

Posted by Rika in emanzipation, familie, frauen, gesellschaft.
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Als junge Fachlehrerin legte ich in den frühen 70er Jahren demonstrativ die „Emma“ auf meinen Platz am Lehrertisch… ich war ja so fortschrittlich, emanzipiert und großartig-modern, dem Feminismus nicht abhold….

Wir waren ein überwiegend junges Kollegium mit einem jungen Schulleiter, aber es gehörten auch einige „alte Knaben“ und nicht mehr ganz jugendliche, um nicht  zu sagen  ältere Damen zu unserer pädagogisch wertvollen ( ja, was denn auch sonst 🙂 )  Lehrerriege. Schülerinnen und Schüler gab es noch nicht, Lehrerinnen und Lehrer auch nicht. Man war Lehrer oder Schüler.  Allenfalls gebrauchte  man in der weiteren persönlichen Beschreibung den Ausdruck „die Schülerin xyz“ oder „die Lehrerin xxx“.  In der Vielzahl jedoch waren es Lehrer und Schüler. Basta.

Möglicherweise, das erinnere ich aber nicht genau, kann es sogar das Bestreben der damaligen  „Emma“ gewesen sein, die Geschlechterzuordnung in der Begrifflichkeit deutlich zu machen,  dem gesellschaftlichen Rang der Frauen und Mädchen  einfach mehr Aufmerksamkeit und Gewicht zu geben.

Es waren die Jahre der ersten kleinen – und dennoch so großen –  Veränderungen in der Bewusstwerdung von  männlich/weiblich.  „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ mischten die wenigen Talkshows auf,  und wir Frauen sollten lernen, dass wir nicht als Mädchen geboren, sondern dazu gemacht würden….  (erschienen als Buch von Ursula Scheu)   eine Behauptung, der ich eine zeitlang widerspruchslos folgte, bis mir nach der Geburt meiner wunderbaren Tochter so sehr  deutlich wurde, dass sie sich doch schon rein äußerlich von ihren ebenso wunderbaren Brüdern unterschied und ich eigentlich nicht wollte,  sie zu einem „Nicht-Mädchen“,  aber eben auch „Nicht-Jungen“  zu machen, denn sie war ja KEIN Junge!  Sie, so wurde mir beinahe schlagartig klar, als ich dieses kleine Wesen eines späten Abends in den Armen hielt und stillte, sollte sich in ihrer Entwicklung  ihrer Weiblichkeit bewusst werden  und sie genießen können, was aber nicht bedeutete, dass sie nicht auch das alles machen und ausprobieren dürfte, was ihren Brüdern in den Sinn kam…  Ich wollte, so nahm ich mir sehr bewusst vor,  unsere Tochter ihren ureigensten Weg gehen lassen….  Und ich glaube, dass sie das bis heute tut.

 

Wie auch immer,

mehrere Jahre war die „Emma“ der Quell meiner weiblichen Weiterentwickelung, bis ich mich schließlich für „genug emanzipiert“ hielt und auf weitere Emmalektüre verzichtete.  Alice Schwarzer war nicht mehr das große Vorbild, sondern eine Frau wie viele andere auch, die im öffentlichen Leben mehr oder weniger deutlich Position bezogen zu den verschiedensten Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Wesentlich  für mich war es in den Jahren der Familienzeit und Kindererziehung eine Balance gefunden zu haben zwischen meiner  „Rolle“  / Arbeit in der Familie (und dem ehrenamtlichen Engagement in Kindergarten, Schule und Gemeinde)  und meiner nach der Kinderpause neu aufgenommenen Berufstätigkeit und darin „meinen“ ureigensten Erkenntnissen und Empfindungen folgen zu können, nicht nach einem Schema leben zu müssen, das mir von außen aufgedrückt wurde. Ich war immer sehr gerne „nur Hausfrau“ in der Zeit, als die Kinder noch klein waren und habe das nicht als einen Makel oder eine Minderwertigkeit hinsichtlich einer wie auch immer formulierten gesellschaftlichen Relevanz erlebt. Im Gegenteil. Ich war – und bin es heute noch – stolz darauf, gemeinsam mit meinem Mann unsere vier Kinder auf ihrem Weg ins Leben und darüber hinaus begleitet und beraten zu haben, und so daran beteiligt zu sein, dass sie einen guten Platz in Gesellschaft und Beruf gefunden haben.  Ich halte das – diese „Familienarbeit“ –  generell für eine große gesellschaftliche Leistung aller Frauen, die in meinen Augen viel zu wenig Wertschätzung durch die Politik und in den Medien  erfährt.

Und nach diesem kleinen Einschub zurück zu  „Emma“.
Ein Artikel nämlich, auf den ich bei facebook aufmerksam wurde,  könnte mich verleiten, wieder einmal eine „Emma“ zu erstehen…

Zumindest aber bringt er mich dazu, ihn  hier als Link weiterzureichen, denn er beschäftigt sich mit einem wundersamen Phänomen unserer Zeit, dem ich so abhold bin, wie man nur sein kann. Ich könnte allerdings mein ablehnendes Unbehagen nicht so präzise begründet in Worte fassen:

Emma:  „Sargnägel des Feminismus“

Daraus dieser kurze Auszug, in dem es um die vermeintliche Wissenschaftlichkeit der sogenannten „Gender Studies“ geht:

Der angestrengte Jargon schaukelt gewichtige Denkleistungen vor, der junge Erwachsene weder zum kritischen Befragen der Gegenwart animiert, noch zu unabhängigen Denkerinnen und Denkern ausgebildet – sie werden vielmehr eingeschüchtert. Weil sie unweigerlich annehmen, dass das, was sie in einem universitären Rahmen zu hören bekommen, intellektuell gewichtig sein muss, wird ihr Verstand nicht geschärft, sondern vernebelt.

Konkreter: Das Studium der Gender Studies macht Studierende oftmals nicht schlauer, sondern in vielen Fragen dümmer. Sie lernen nicht, globale Probleme objektiv zu erfassen, sondern sie durch eine hochgradig antiimperialistische Agenda zu filtern. Ein Workshop, den Dietze zu „Ethnosexismus und Migration“ anbot, befasste sich etwa mit „abendländischen Überlegenheitsnarrativen, zum Beispiel der Demokratie als der besten aller Regierungsformen, der Säkularität als der besten aller Rationalitäten“. Womit „der Überzeugung“ widersprochen werden sollte, dass die westliche Welt über „ein maximal fortgeschrittenes sexuelles Regime“ verfügen. Die Verächtlichkeit gegenüber Rechtsstaatlichkeit und Religionsfreiheit, die sich durch diese Botschaft aus dem akademischen Paralleluniversum zieht, ist ebenso offenkundig wie die subkutane Faszination für religiös legitimierte Diktaturen, in denen es weder das eine noch das andere gibt.

 

 

Mein mütterlicher Rat – etwas salopp formuliert und alles andere als wissenschaftlich begründet, lautet daher:
Liebe Frauen, Mädchen, Männer und Knaben, nehmt Euch diesen Emma-Text zu Herzen, genießt Eure jeweilige biologische Einzigartigkeit ganz ohne jeden politisch-ambitionierten Weltverbesserungswahn….
Und bleibt – oder werdet wieder – ‚ganz normal‘ … ohne jeden Genderquatsch und sprachverhunzende Binnensterne oder Genderneuwortschöpfungen….

 

 

 

mein kleines lebenszeichen…. 24. März, 2017

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liebe leute,

es geht mir gut. die op  ist am 13. 3. wie geplant und gut verlaufen… ich bin begeistert von der modernen medizin, dank derer ich gar keine schmerzen beim aufwachen und auch danach hatte … in der klinik schmerzkatheter …  zuhause pillen und tropfen….

ich bin so dankbar für alle leute in der klinik, die den patienten durch ihre individuellen begabungen, ihr können und wissen das leben erleichtern … das gilt für die mitarbeiter auf der station ebenso wie natürlich für die hervorragenden ärzte und die fachleute im op…

GOTT SEI DANK UND LOB

nun wieder zu hause   (schon seit dem 15. 3.) geht alles einen guten gang … der liebste ist ein wunderbarer pfleger … die freundin und nachbarin kocht hin und wieder für uns … gestern wurden die fäden gezogen … die physiotherapie ist angelaufen (nicht so angenehm, aber dennoch gut!) … sogar die nächte sind erträglich – trotz „leibgurt mit haltestellen“ –  orthese nennt man das ding.

ich hoffe und wünsche, dass alles so gut weiter verläuft wie bisher….

 

nur die schreiberei ist etwas mühsam, deshalb gibt es hier wenig zu lesen  ….  bzw. nichts zu lesen über meine speziellen themen, auch wenn es mir in den fingern kribbelt …    und keine großbuchstaben  🙂  die umstellerei ist nämlich blöd.

euch allen danke ich für euer an mich denken und wünsche euch eine gute zeit.

eure rika

Opa liest vor…. 18. November, 2016

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in der Schule des Enkelkindes nämlich.

Heute ist der „Bundesweite Vorlesetag“  –   und die Schule des Enkelkindes hatte schon vor einiger Zeit nachgefragt, ob Großväter oder Väter an diesem Freitag in der Schule vorlesen könnten.

Und Opa konnte.

Ausgerüstet mit Brille und ‚Vorlesehut‘ (meinem Strohsonnenhut) machte er sich auf den Weg. In der Schule trafen sich  weitere Großväter, Väter und sogar ein „Promi“, um einer jeweils kleinen Gruppe aus einem schon vor gut 10 Tagen ausgewählten Buch vorzulesen.

Sehr vergnügt kam der Liebste nach Hause, erzählte von seiner Erfahrung als Vorleseopa und der Freude, die er dabei empfunden hatte.

Opa ist ein sehr erfahrener Vorleser.

Jeden Abend – na, fast jeden Abend –  hat er für unsere Kinder vor dem Schlafengehen  Geschichten gelesen, Astrid Lindgren war die bevorzugte Autorin. So kamen Michel, Ronja, die Löwenherz-Brüder und viele andere Gestalten der Astrid-Lindgren-Welt in unser Haus. Ich bin sehr froh, dass der Liebste all die Jahre lang diese wichtige Tätigkeit übernommen hatte. Nicht, dass ich nicht gern gelesen hätte, aber eine seit meiner frühen Kindheit bestehende  Besonderheit machte und macht mir das Vorlesen schwer – und nicht nur das Vorlesen, auch das  stille Lesen so ganz für mich allein:

Ich weine,   heule wie ein Schlosshund, schniefe und schnaufe und die Tränen laufen mir in wahren Sturzbächen über das Gesicht.

Schon meine Eltern erkannten sofort an meinen völlig verheulten Augen,  dass ich etwas gelesen hatte, was mich bewegt – und es waren nicht unbedingt traurige Schnulzen…

Jetzt ist es der Liebste, der mich  manchmal beim Lesen beobachtet und natürlich genau merkt, wenn ich wieder ergriffen bin von dem was da schwarz auf weiß gedruckt in mein Leben einbricht. Manchmal neckt er mich dann und bricht damit den Bann, der mich im Weinen gefangen hält.

Als ich das erste Mal in Vertretung des Vaters für die Kinder das abendliche Ritual vollziehen wollte  – die überaus traurige Geschichte von den Brüdern Löwenherz stand auf der Agenda  –  und ich schon nach drei Sätzen kaum noch  sprechen, geschweige denn lesen konnte, waren meine Kinder zutiefst verstört,  „Was ist denn los, Mutti?“ war ihre bange Frage.

Nichts! Gar nichts! Aber die Geschichte ist so herzzerreißend, so traurig oder freudig, so spannend oder zart, dass mir prompt das Wasser in die Augen steigt, die Stimme brüchig wird, der Hals eng, so eng, dass es einfach nicht weiter gehen will mit der Leserei.

Dabei ist es doch  beinahe egal, ob ich eine Geschichte der berühmten Schwedin vorlese oder ein Sachbuch über  was auch immer. Denn ich bin auch ergriffen von den Wundern der Natur, den phantstischen Beschreibungen historischer Ereignisse, biblischen Geschichten  oder ganz sachlich einfach nur von genialem Erfindergeist. Ich schlucke und atme schwer, selbst wenn ich ganz profane Dinge erzähle, aber eben solche, die mich berühren – und mich berührt fast alles.  (Es kann gut sein, dass ich,  gleich wenn ich dem Liebsten diesen kleine Blogeintrag vorlesen will, über meine eigenen wenigen Sätze so gerührt bin, dass ich heulen muss…  ist schon mal vorgekommen)

Die Heulerei über das was mich bewegt, ist ein Familienerbe.

Mein Vater – auch er erzählte und las vor –   konnte prima heulen, manchmal fand ich das nicht so passend.   Sein Vater las mir zwar nicht vor, aber  in manchen  Familiengesprächen, deren stille Zeugin ich als Kind noch war, rührten meinen Großvater bestimmte Themen zu Tränen, die Stimme zitterte  und das verdächtiges Glitzern lag in den Augen.  Mein lieber Cousin väterlichseits leidet ebenfalls am „weinenden Erbe“ und auch mein Bruder ist nicht davon verschont. Natürlich haben wir diverse Techniken entwickelt, um die größten Peinlichkeiten zu vermeiden, aber so richtig will zumindest mir das nicht gelingen.

Und darum liest Opa vor.

Opa liest mit  Begeisterung. Voller Lust und Freude.

Und nicht nur den Enkeln oder den Kindern in der Schule ….  manchmal auch mir…. in der blauen Stunde …. wenn  draußen das Licht ganz zart den frühen Abend ankündigt  und  es drinnen ganz heimelig wird….

…. und jetzt muss ich schon wieder heulen….

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… 7. September, 2016

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… der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Daran musste ich bei der Einschulung des ersten Enkelkindes denken.

„Auf dem Dorfe“, so sagte schon der für unsere Schule zuständige  Schulrat vor gut 25 Jahren, „ist die Welt noch in Ordnung!“

Und dem ersten Eindruck und äußeren Schein nach zu urteilen, ist das heute wohl auch noch so.

Die Einschulung wird gefeiert,   29 Kinder beginnen den „Ernst des Lebens“  mit ihren Eltern und vielen Verwandten in der gemeinsamen Dorfkirche zweier Dörfer am Rande der großen Stadt. Jeder Platz in der Kirche ist besetzt, Väter, Mütter, Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten der i-Männchen sind gekommen, um  die kleinen Schulanfänger bei diesem wichtigen Schritt zu begleiten. Fröhliche und kindgerechte Lieder werden gesungen und der Pastor hält eine wunderbare und bemerkenswerte Predigt für die Kinder – und ein bißchen auch für die Erwachsenen. Um einen Hut geht es in der Predigt, darum, wozu so ein Hut gut ist: Er schützt vor zuviel Sonne, vor Wind, Regen oder Kälte und selbst vor neugierigen Blicken. Das verstehen wirklich alle.  Das Wort „Hut“, erklärt der Pastor weiter, steckt in dem Wort „behütet“. Und das wünscht er den Kindern, behütet zu sein auf ihrem weiteren Weg – nicht einfach nur mit einem Hut, versteht sich, sondern von GOTT selbst, der Hilfe und Schutz sein will in den herausfordernden Situationen des neuen Lebensweges. Ja, das verstehen auch alle…  wenn vielleicht auch nicht jeder Anwesende um diesen Schutz weiß oder gar darum bittet.

Doch der Pastor bittet darum für alle Kinder und die Eltern, Geschwister und Großeltern und legt jedem neuen Schulkind segnend die Hände auf und stellt jedes Kind unter Gottes Segen.  Am Verhalten einiger Erwachsener ist abzulesen, dass ihnen Kirche und Gottesdienst gänzlich fremd sind. Aber auch sie gehören hier in der Kirche ganz selbstverständlich dazu.

„Auf dem Dorf“, denke ich, „geht das noch, ohne dass zuvor darüber debatiert werden muss“ und bin dankbar für diesen wunderbaren segensreichen Einschulungsgottesdienst.

Im Anschluß ziehen wir alle in langer Prozession hinter einem bunt geschmückten Bollerwagen*** her  ins Nachbardorf zur „großen“ Schule, in deren Turnhalle die „Neuen“ von der Schulleiterin und allen Lehrerinnen begrüßt werden und die Viertklässler ein Theaterstück für die neuen  Mitschüler aufführen.  Die 29 Kinder werden auf zwei Klassen verteilt, 17 Kinder bleiben in der „großen“ Schule, für die anderen 12 geht es zurück ins Nachbardorf und in die „kleine“ Schule….  Dort wird das Enkelkind also seine ersten Schuljahre verbringen. Wie schön!

 

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„Auf dem Dorf herrscht doch noch das Paradies“ meinte der ehemalige Schulrat …. und Recht hat er. Zumindest was dieses Dorf angeht und seine kleine Schule mit einer winzig kleinen Schar neuer Grundschüler.   Dankbar bin ich für die Eltern, Lehrer und die politisch Verantwortlichen, die sich für den Erhalt der kleinen Grundschule eingesetzt haben und immer noch einsetzen. Das ist nicht selbstverständlich, wie ich aus eigener Anschuung und vielen Kämpfen in früheren Jahren weiß.

Im Haus des i-Männchens wurde mit der ganzen Familie kräftig gefeiert…  wir  Erwachsenen erinnerten uns an die Einschulung  der Eltern, Onkel und Tanten des neuen Schulkindes… auch damals gab es den Gottesdienst in der Dorfkirche, die Einschulungsfeier in der Aula der Schule… die Aufregung der Kinder… Tränchen der Rührung und des bewußten Abschiednehmens von einem wichtigen Teil der Kindheit ihres Kindes  bei den Eltern…   Lieder und Theaterspiele…..     und  Schultüten!      Waren die damals auch schon so reich gefüllt…?

 

Und die Gedanken gingen zurück in meine eigene Kindheit. Wie war das damals vor 60 Jahren bei meiner Einschulung, waren die Eltern, waren Oma und Opa mit dabei, ich meine, in der Schule? Gab es eine Feier in der Klasse für die neuen i-Männchen – eine Aula oder Turnhalle hatte meine Schule nicht.

Ich weiß es nicht mehr, aber ich meine mich daran zu erinnern, dass wir in der ersten Schulstunde ein Lied lernten: „Schön ist die Welt, drum Brüder laßt uns reisen, wohl in die weite Welt, wohl in die weite Welt…“

Der Meinige erzählte, dass er der einzige „Knabe“ gewesen sei, der in der einklassigen Dorfschule eingeschult wurde. So vermerkt es jedenfalls die Dorfchronik des kleinen Dorfes, in dem seine Familie damals als Flüchtlinge  Rettung und Unterkunft gefunden hatte.

 

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***Der geschmückte Bollerwagen mit den Schultüten, die von den  Müttern der Schulkinder gebastelt worden waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kein Scherz diesmal….. 9. Februar, 2016

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Der Liebste stand vor meinem Bett: „Komm schnell, wir haben Wasser im Keller!“

Mein wunderbarer Mann macht jeden Morgen das Frühstück und ich darf noch ein wenig ruhen. Erst wenn der Kaffee heiß und schwarz auf dem Tisch steht trolle ich mich aus dem warmen Bett ins Bad und von dort zum Frühstück. Manchmal beschleunigt der Liebste diese schöne morgendliche Routine mit einem kleinen Scherz, der mich eilig aufstehen lässt. Wir haben beide unseren Spaß  daran.

Aber irgendetwas in seiner Stimme verriet mir augenblicklich, dass es kein Spaß war, um mich schneller aus dem Bett zu bringen. Ich lief hinter ihm her in den Keller. Sanft und friedlich schimmerte mir das Wasser entgegen, das bereits mehr als knöchelhoch die unterste Treppenstufe umspülte.

Kein Scherz.

Mit nackten Füßen watete ich durch das eiskalte Wasser von einem Raum in den anderen. Wasser überall. Der Liebste hatte schon den Haupthahn der Wasserleitung abgestellt, denn es war nicht klar, woher das viele Nass kam. In meinem Näh- und Bügelzimmer schwappte das Wasser in die Wäschekörbe,  im großen Keller standen die Hinterlassenschaften meiner verstorbenen Eltern im Wasser, ebenso die Kartons mit Büchern und alten Schulsachen der Kinder, Kartons mit Erinnerungsstücken aus allen Phasen ihrer Kinder- und Jugenzeit. Eine leere Gießkanne schwamm lustig auf dem Wasser, statt  wie sonst üblich das Wasser in sich zu transportieren, die Werkzeugkiste macht zwar einen äußerst robusten Eindruck, aber wasserdicht ist sie leider nicht. Natürlich hatte das Wasser auch nicht vor den Schränken Halt gemacht, es kräuselte sich bereits auf den unteren Fachböden.  Es sah nach einem entsetzlichen Desaster aus, denn ich bin eine begnadete Sammlerin und horte jede Menge Schätze in Kisten, Körben und Kartons und viele davon stehen auf dem Fußboden unter der Tischtennisplatte, die schon seit ewigen Zeiten nicht mehr bespielt wird und darum auch zum Abstellen aller möglichen Utensilien dient…

Zum Glück hatten aber, wie sich später herausstellte, weder Waschmaschne noch Trockner oder Gefrierschrank Schaden genommen.

Wir riefen die Feuerwehr. Die kam sehr promt und sehr schnell und pumpte das Wasser ab. Allerdings nicht alles, ein kleiner, etwa 1/2 cm hoher Spiegel blieb stehen. Den schöpften wir mit Kehrblechen ab und wischten ihn mit Tüchern auf. Es dauerte buchstäblich Stunden. Über die feine Funktion meines schlauen Telefons benachrichtigte ich die übrige Familie von der morgendlichen Heimsuchung. Einer der „Jungsbrüder“ konnte es dienstlich so einrichten, dass er noch am selben Tag zu uns kam und uns half, die Kisten – sofern sie noch tragbar waren – in die oberen Stockwerke des Hauses zu transportieren und diejenigen, die bereits zu sehr  aufgeweicht waren, gleich an Ort und Stelle zu sortieren in: das muss weg und das kann eventuell gerettet werden. Ich konnte dem allen nur relativ hilflos zusehen, mein Rücken lässt es seinfach nicht zu, schwere Lasten zu tragen. Abends kam der zweite der Jungsbrüder und half ebenfalls nach Kräften zu retten, was zu retten war, bzw. eben zu entsorgen, was entsorgt werden musste.

Die Versicherung schickte ein Unternehmen das Gebläse und Trocknungsapparate aufstellte, die geben nun Tag und Nacht ein monotones Summen und Brummen von sich. Die Männer rissen auch die Teppichböden raus (dabei mussten sie um die Möbel herumschneiden, denn die hatten wir in der Kürze der Zeit noch nicht leeren können) und nahmen sie zum Glück auch gleich mit. Sie machten unmissverständlich klar, dass das Näh- und Bügelzimmer grundsaniert werden müsste – wir hatten damals das Zimmer als Arbeitszimmer für meinen Mann aufwendig ausgebaut, einen 6 cm starken  isolierenden Fußboden aufgebracht und die Kellerwände mit Fermazellplatten verkleidet und alles wohnlich tapeziert und eingerichtet.

Ich legte Zettel, Hefte, Bücher zum Trocknen im Wohnzimmer auf dem Fußboden aus  – ein Lob der Fußbodenheizung – und wusch mehrere Ladungen Wäsche, die von den Fluten nass geworden war und stockig zu werden drohte.  Und ich trennte mich von vielen Schätzen! Was noch wirklich schön und brauchbar war, brachten wir als Spende zum Sozialkaufhaus, es wurde dankend angenommen, anderes landete da, wo es vermutlich in einigen Jahren ohnehin gelandet wäre – auf dem Wertstoffhof.

Der Liebste und C. fuhren 6 oder 7 Autoladungen zum Wertstoffhof.

In der vergangenen Woche kam eine Firma, um den Fußboden im Näh- und Bügelzimmer rauszureißen und die Fermazellplatten in 60 cm Höhe von den Wänden zu schneiden. Unter dem Fußboden hatte sich bereits in den wenigen Tagen der Schimmel breit gemacht, die Wände fühlen sich feucht an. Es wird nach Meinung der Fachleute weitere 3 – 4 Wochen dauern, bis sie wirklich trocken sind. Erst dann können wir uns an die Renovierung machen, die Schränke und Regale wirder an die Wände rücken und einräumen und alle die Dinge, die nun in den oberen Zimmern lagern, wieder im Keller an Ort und Stelle bringen.

Inzwischen –  der Rohrbruch war am 20. 1. – habe ich mich von dem Schock erholt. Ich hätte nie gedacht, dass mich so ein eher harmloses Ereignis derartig lähmen könnte, aber das war das Gefühl: Ich habe gar keine Energie, ich bin völlig kraftlos.

Und dabei war es doch nur ein  Frostsschaden. Eine Wasserleitung war infolge der strengen Kälte geplatzt. Mit Schaudern und allergrößtem Mitgefühl denke ich an die Leute, die von äußeren Hochwassern heimgesucht werden, an Dreck und Unrat, den solche Wassermassen mitbringen. Und ich denke an die, die durch Unwetter  oder Katastrophen gar ihr ganzes Heim verlieren.

Ich bin unendlich dankbar, dass die Heizung nicht ausgefallen ist, warmes Wasser bereit stand und steht und wir bei allem Schaden und aller Arbeit doch so glimpflich davon gekommen sind. Dankbar bin ich für meine Familie, die durch tatkräftige Unterstützung und durch liebevolles Aufmuntern und Gebet dazu beigetragen hat, dass wir schnell zu einem normalen Alltag und Umgang mit dem Problem zurück gefunden haben.

„….und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers HERRN Jesu Christi, …“ Epheser 5, 20

 

 

 

 

 

 

Danke… 31. Dezember, 2015

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für ein so reiches und gutes  Jahr 2015 mit seinen vielen kleinen und großen Freuden, schönen Erlebnissen, Begegnungen mit Freunden, der Freude mit der Familie…

Danke für all das Gute, das ich erfahren habe und worüber ich ansatzweise auch hier bei himmel und erde berichtet habe. Alles aufzuzählen, dafür reicht jetzt die Zeit nicht…. Silvester steht vor der Tür und will gebührend gefeiert werden.

Die traurigen Ereignisse will ich nicht vergessen oder verdrängen. Wenn Menschen leiden, Freunde in Not geraten,  krank werden, sterben, so berührt mich das tief. Ich denke an sie – ohne sie jetzt genauer zu nennen.

Mit einer Ausnahme… aus der Zeitung erfuhr ich gestern, dass ein ehemaliger Kollege von mir im Alter von nur 39 Jahren am 25. Dezember ganz plötzlich verstorben ist. Seine Frau und seine kleinen Töchter, seine Eltern, die ganze Familie trauert um ihn – und auch ich kann nicht fassen, dass so ein junges und hoffnungsvolles Leben  nicht mehr auf dieser Erde weiter lebt, liebt, lacht, arbeitet…

Auch das gehört zu diesem jetzt zur Neige gehenden Jahr…

Alles gehört zu meinem Leben, nichts will ich von mir werfen wie ein altes schmutziges Kleid.

 

Und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers HERRN Jesu Christi.  Epheser 5,20

 

Allen, die hier ab und zu lesen, wünsche ich von Herzen ein gutes, glückliches, freundliches und segensreiches Jahr

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