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Eine Schwalbe … 10. August, 2020

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Eine Schwalbe, so sagt man, mache noch keinen Sommer.

Aber zwei Schwalben, die ein Nest bauen und Junge aufziehen, die machen den Sommer auf der Wiese erst richtig spannend und schön.

Mitte Juni beobachteten wir zwei Rauchschwalben, die aufgeregt um unser Wiesenhäuschen flogen und sich  laut zwitschernd  darüber zu unterhalten schienen, ob das Häuschen wohl einen geeigneten Platz für den Bau eines Nestes böte.

Der Jüngste unserer Familie, der mit seiner Freundin ein Wiesenwochenende im Häuschen verbrachte, vermeldete eine rege Bautätigkeit zweier Schwalben.

 

Wieder eine  Woche später war das Nest wohl bezugsfertig und die Tochter der Familie, die inzwischen den Bruder abgelöst hatte, verfolgte mit großem Interesse, dass immer ein Vogel auf dem Nest saß…. das Brutgeschäft hatte begonnen.

Gegen Ende ihres Urlaubs auf der Wiese machten wir einen kurzen Besuch bei ihr und sahen zu unserem Vergnügen, dass ganz offensichtlich mindestens ein Küken bereits geschlüpft war, denn die Vogeleltern kamen unablässig zum Nest und stopften irgendetwas in noch nicht sichtbare Schnäbel…

 

Wieder ein paar Tage später, bezog der älteste Sohn  mit seiner Familie und drei Meerschweinchen Haus und Wiese… und aus den via Internet ausgetauschten Informationen und Bildern ging hervor, dass drei Junge im Nest zu versorgen waren.

 

 

 

Um die Piepmätze nicht zu stören, wurde nur aus dem Fenster fotografiert…. Spiegelreflexe waren so nicht zu vermeiden.

Überhaupt war die ganze Familie äußerst besorgt, die Vögel nicht in ihrem wichtigen Fortpflanzungsprojekt zu stören. Die Terrasse war praktisch nicht benutzbar, ein Tisch wurde bereits frühzeitig von der Tochter entfernt, nachdem sie eine Katze beobachtet hatte, die den Tisch wohl als Absprungbasis zu nutzen gedachte…

Erste ungeschickte Flatter- und Flugversuche der Jungen wurden vermeldet und auch, dass die Vögelchen wohl auf aller größte Reinheit des Nestes achteten und sich brav mit den Schwanzfedern nach außen weisend auf den Nestrand setzten, wenn der Toilettengang anstand… und das war häufig der Fall. Das Nest mag wirklich vollkommen sauber gewesen sein, der Balken und die Terrasse unterhalb der Vogelbehausung waren es jedenfalls nicht…

Wir – der Liebste und ich – lösten die junge „Menschen-Familie“ auf der Wiese ab und wurden so Zeugen der Flugübungen der Jungen und der waghalsigen Flugmanöver, die die Alten den drei Kleinen vorführten und mit lautem Zwitschern begleiteten, so als wollten sie ihre Jungen auffordern, es ihnen gleich zu tun.

Und wirklich, bald schossen alle Fünf im pfeilschnellen Flug über Haus, Wiese und Feld, flogen knapp an unseren Köpfen vorbei, landeten aus rasendem Flug mit einem einzigen kurzen Stopp sicher auf der Wäscheleine oder auf dem Nestrand, nur um im selben Augenblick wieder Fahrt aufzunehmen und rasant Kunststücke der Fliegerei zu vollbringen. Wir beiden alten erdverhafteten Menschen betrachteten es mit zunehmendem, bewundernden Staunen und großem, den Vögeln gebührenden, Respekt.

Die Jungen verbrachten inzwischen nahezu den ganzen Tag „wie im Flug“, nein, im Flug. Morgens, wenn wir frühstückten, hatten sie das Nest schon verlassen, kamen nur ab und zu vorbei geflattert, zwitscherten uns einen Morgengruß zu – so interpretierten wir das freundliches Piepsen zu unseren Gunsten und kamen erst am Nachmittag wieder in die Nähe des Hauses und Nestes, an dem sie dann immer noch von den Eltern gefüttert wurden. Was sie den ganzen Tag über getrieben hatten, können wir nur raten. Vermutlich trainierten sie ihre Ausdauer und bereiteten sich so auf den „Flug des Lebens“ vor und natürlich auch auf die große Reise, die sie ja schon bald antreten werden, um im fernen und warmen Afrika zu überwintern. Da trifft es sich gut, dass die Natur die Schwalben mit einem besonderen physiologischen Phänomen ausgestattet hat: Schwalben können im Fliegen schlafen. Eine Zweiteilung ihres Gehirns macht es möglich.  Und notwendig ist es ja auch, wie kämen sie sonst unbeschadet in relativ kurzer Zeit  bis Afrika, wenn sie sich für jede Nacht einen Schlafplatz suchen müssten.

„Sie“ ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Reisen die Schwalben doch in großen Gemeinschaften.

Und auch das trainierten „unsere“ Schwalbenjungen.

Sie kamen nämlich nicht mehr allein in rasendem Flug vorbei, nein, sie brachten die Halbstarken aus der Nachbarschaft gleich mit und veranstalteten eine Flugshow, dass uns Hören und Sehen verging. 10, 20 und mehr Vögel umkreisten unser Haus, flogen dicht an uns heran, rasten im Tiefflug über das Feld  nebenan, stürzten sich aus schwindelnder Höhe hinunter, landeten auf der Wäscheleine oder auf dem Giebel des Nachbarhauses und begleiteten ihre Künste mit einem vielstimmigen Vogelgeschrei – Tschilpen, Zwitschern, Piepsen.

Das ging so zwei oder drei Tage lang… immer kehrten „unsere Schwalben“ zur Nacht ins Nest zurück…. bis sie plötzlich nach wunderbar vorgeführten Kunststückchen in die Weite flogen…. vielleicht um das Schlafen im Fliegen zu üben… Jedenfalls blieb das Nest leer…An den beiden Tagen vor unserer Abreise kamen sie kurz noch einmal vorbei… flogen sogar unter das Verandadach, so als wollten sie sich ihren Nest- und Nistplatz noch einmal einprägen und blieben dann verschwunden. Sicher haben sie sich mit den unzähligen Schwalben zusammen getan, die am Seedeich und über den Wiesen im Deichvorland zu sehen sind.

Und wir hoffen, dass sie gut ihr Winterquartier erreichen und im nächsten Jahr zurückkehren zu unserer Wiese und ihrem Nest …

Gute Reise – ihr munteren Rauchschwalben… mögen euch die Winde günstig sein…

 

Den Link zu mehr Informationen gibt es hier:  Rauchschwalben

 

 

 

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