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Morgendliches Gelächter…. 1. Juli, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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In einem früheren Beitrag habe ich ja schon anklingen lassen, welche Gewohnheiten meinen Rentnermorgen bestimmen. Wie immer widme ich mich nach dem Frühstück der Zeitung, allerdings, ich schrieb es ja schon, beginne ich mit der Lösung der Rätselaufgaben.

Heute (30. 6.) nun saß ich schwer nachdenkend über das Kreuzworträtsel gebeugt, das nicht nur nach Begriffen fragt, sondern die Aufgabe dadurch erschwert, dass die möglichen Lösungen ohne „Platzangabe“ eigenständig in die zuständigen Kästchen einzutragen sind. Der Liebste saß im Sessel am Fenster und las den Hauptteil der Tageszeitung, die Nachrichten aus dem Umland, das Neuste vom Sport…. so dachte ich zumindest. Als sein leises Kichern zunahm und auch nicht zu überhören war, fragte ich nach, was seine Heiterkeit auslöse.

Der Liebste war noch gar nicht zum Sportteil oder zu den Nachrichten aus der Region vorgedrungen, er war bei der Seite „HAZ FORUM“ hängen geblieben. Unter diesem schönen Begriff versammeln sich die Leserbriefschreiber, die zu „Diesdas“ Stellung nehmend ihre Meinung kundtun. Großes „Diesdas-Thema“ diesmal: „Wahlen mit 14?“

Die so unglaublich fortschrittlichen Grünen wollen in Niedersachsen das Wahlalter auf 14 Jahre herabsetzen. Das aber stößt auf nicht unerheblichen Widerstand, wie es sich in den Leserbriefen zeigt. Nicht eine der Zuschriften befürwortet das Vorhaben, alle Forumsteilnehmer schreiben mehr oder weniger ernst gemeinte Briefe, aus denen mir der Liebste die nettesten Argumente wider den grünen Wahlvorschlag vorlas:

Es ist allgemein bekannt, dass viele junge Menschen die Grünen wählen. Deshalb kann ich den Wunsch der Grünen verstehen, das Wahlalter herabzusetzen. Da man auch weiß, dass ältere Menschen aus Erziehung oder Gewohnheit wählen, würde es mich nicht verwundern, wenn nach der Herabsetzung des Wahlalters dann vielleicht eine Begrenzung nach oben angestrebt wird, zum Beispiel: „Wählen dürfen nur Personen von 14 bis 75 Jahren.“

Da kann ich nur hoffen, dass die Grünen diesen kreativen Vorschlag, der als Ironie auf die Herabsetzung des Wahlalters gedacht und geschrieben wurde, am Ende nicht doch noch aufgreifen….. Der Liebste wäre damit ja schon aus dem Rennen…

Ich verstehe, dass die Grünen um Wählerstimmen buhlen. Aber Kinder wählen zu lassen, halte ich für nicht angebracht. Als Nächstes lassen die noch die Kinder in den Kitas abstimmen.“

Och, in den Kitas werden den Kindern doch jetzt schon Sachverhalte beigebracht, die man früher erst den jungen Menschen, die die Phase der Pubertät erreicht hatten, mithilfe von Bienchen und Blümchen erläuterte.

„… Dabei sollten die Grünen im Sinne der Allgemeinheit Folgendes bedenken: Der Altersgruppe der 14-Jährigen wird mit Recht eine noch nicht ausreichende Mündigkeit zugesprochen, über ihr eigenes Schicksal richtig zu entscheiden. Aber nach dem Willen der Grünen ist diese Altersgruppe in der Lage, die viel komplizierteren Zusammenhänge des Zusammenlebens in einer komplexen Gesellschaft richtig zu erkennen. …“

In meiner Jugend galten die männlichen Jugendlichen als „Halbstarke“, die weiblichen dagegen als „Backfische“. Niemand wäre früher auf die Idee gekommen, Halbstarken und Backfischen die Entscheidung über politische Fragen anzuvertrauen. Allerdings war man in nicht ganz so politischen Fragen durchaus großzügig mit den Halbstarken, wurde ihnen doch nach der Konfirmation erlaubt, alkoholhaltige Getränke zu sich zu nehmen… das wurde jedenfalls erzählt. Damals, als der überwiegende Teil der Schülerschaft den Abschluss der vorgeschriebenen 8-jährigen Schulzeit in der Volksschule machte, begann für die meisten Jugendlichen der Ernst des Lebens, indem sie als Lehrlinge in die Berufswelt eintraten. Auch das, der Beginn des Berufslebens und damit die Übernahme von Verantwortung für sich UND ANDERE und für das Unternehmen, die Firma, den Betrieb hat sich ja um mindestens zwei Jahre nach oben verschoben. Wieso darum ausgerechnet das Wahlalter herabgesetzt werden sollte, entzieht sich wohl jeglicher Logik…

Das kann man doch sicher noch toppen, vielleicht wenn man zum Beispiel werdenden Müttern eine zusätzliche Stimme für den Embryo zubilligt. Ja geht’s noch? Ich war mit 20 Unteroffizier, durfte aber noch nicht wählen, da keine 21. Das hat mich damals geärgert. Heute würde ich mir das Wahlalter eher zurückwünschen. …“

Auch ich – zwar kein Unteroffizier – aber politisch interessiert, durfte erst mit dem Erreichen der Volljährigkeit, also mit 21 wählen. Ohne die Unterschrift meiner Eltern hätte ich zu dem Zeitpunkt nicht einmal eine Urlaubsreise antreten dürfen, von schwerwiegenderen Entscheidungen ganz zu schweigen.

… Ganz junge Menschen ohne Lebenserfahrung und berufliche Wünsche und Perspektiven sollen das Leben und das Wohlergehen aller Bürger für die nahe Zukunft mitbestimmen. Wann gibt es endlich einen verpflichtenden Intelligenztest für Politiker?“

So weit die kleine Auswahl an Meinungen, die neben allen ernsten Aspekten auch zur Heiterkeit Anlass geben.

Heiterkeit und Einverständnis mit den meisten der Briefschreiber sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Ernsthaftes Nachdenken über die gesellschaftspolitischen Belange unserer Zeit ist ganz sicher nötig.

Natürlich ist es heute richtig, die Jugendlichen um Stellungnahmen für gesellschaftlich relevante Themen zu bitten, sie jedoch zum entscheidenden Zünglein zu machen, ob an der Wahlurne oder bei den wichtigen Problemen, die unsere Zukunft betreffen, halte ich für falsch.

Es ist löblich, dass schon junge Menschen sich einsetzen und einbringen, aber Forderungen à la Greta Thunberg, ohne jedes Nachdenken darüber, wie der gegenwärtige westliche Lebensstandard auch für die sogenannte „Dritte Welt“ erreicht werden kann, mit dem „how dare you?“ den alten weißen Männern und Frauen entgegenzuschleudern, kann doch nicht zum Maßstab für verantwortungsvolle Politik gemacht werden! Ich vermute, dass auch diese so kraftvoll vorgebrachten Forderungen nicht ursprünglich von Schulkindern ausgegangen sind, sondern dass politische Interessenverbände die leicht zu beeinflussenden Kinder manipulativ benutzt haben, sich für eine vermeintlich „gute Sache“ einzusetzen.

Und welches begeisterungsfähige Kind, welcher junge Schüler, welcher Jugendliche würde nicht gerne auf der Seite des / der Guten sein und mit missionarischem Eifer auf die Straße gehen, um für sein Anliegen einzustehen? (Noch dazu, wenn man sich damit ein paar langweilige Schulstunden ersparen könnte, fanden die fff-Aufmärsche doch immer während und niemals NACH der Unterrichtszeit statt!)

Kinder, das wussten Diktatoren wie Heilslehrer schon immer, eignen sich hervorragend dazu, im Sinne ihrer Ideologie aufgeweckt und manipuliert zu werden. Ein Blick auf die Geschichte der Hitler-Jugend ist ebenso aufschlussreich, wie die auf die Thälmann-Pioniere.

Auch christliche Kinder und Jugendliche waren und sind von missbräuchlicher Manipulation und Instrumentalisierung nicht ausgenommen. In ihrer fürchterlichsten Form ist das bekannt geworden unter Stichwort und an dem Ort „Colonia Dignidad„, deren Anfänge aber in Deutschland lagen.

Zum Glück – so hoffe ich zumindest – waren diese und ähnliche Strukturen aber die Ausnahme.

Ich erlebte meine Kindheit und Jugend und erlebe eigentlich mein ganzes Leben bis heute – in einer Freikirche.

Ich war als Jugendliche absolut begeistert von der Idee, die Menschen zu Jesus zu führen und nahm an entsprechenden öffentlichen „Sit-ins“ und „Preach-ins“ teil. Das habe ich nie bereut und bin auch heute noch der Meinung, viel mehr Menschen müssten für Jesus begeistert werden. Nur die Vorgehensweise – die wäre für mich heute nicht mehr altersgemäß…

Als Studentin habe ich an Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze teilgenommen, und ich demonstriere immer noch gegen den schrecklichen Notstand, der mit dem immer noch virulenten Antisemitismus zusammenhängt, hier im Blog, aber auch auf der Straße.

Jedes Alter – das will ich damit sagen – hat seine entsprechenden Formen und Gestaltungsmöglichkeiten, berechtigten Anliegen öffentlich Ausdruck zu verleihen… ich billige das den fff-Aktivisten ebenso zu, wie den „Omas gegen Rechts“, den Leuten, die sich „für das Leben“ einsetzen genauso wie denjenigen, die sich für die Freigabe des §218 stark machen, um hier auch zwei sehr gegensätzliche Positionen zu benennen. Aber wir sollten uns davor hüten, ungeprüft denen, die am lautesten schreien, den größeren Zuspruch zukommen zu lassen und (nur) das „Geschrei“ in politisches Handeln umzusetzen.

Das Wahlalter aber, davon bin ich überzeugt, sollte man bei 18 Jahren belassen, wenn der jugendliche Elan und Übermut langsam aber sicher in ein kritisches Nachdenken übergeht und gründliche Reflexion statt reflexhaftem Reagieren die Entscheidung bestimmt.


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Ich will gar nicht erst den Versuch machen, meine pädagogischen und psychologischen Kenntnisse und die Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen NICHT für die Forderung verantwortlich zu machen, das Wahlalter beizubehalten. Die 23jährige Tätigkeit als Fachlehrerin ist ebenso wenig spurlos an mir vorübergegangen.

Doch zu allen Zeiten habe ich immer wieder Kinder und Jugendliche erlebt, die differenziert ihre Realität wahrnehmen und beschreiben konnten – und in der Lage waren, eine reflektierte Stellung dazu einzunehmen….  Das ist etwas, was mich schon immer beeindruckt hat und mich heute an meinen Enkeln entzückt.

Das „Dennoch“ bleibt dennoch bestehen…. Wahlalter beibehalten 😉

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Solidarität nicht umsonst…? 23. Februar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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„Solidarität nicht umsonst?“

Die Frage ist durchaus doppeldeutig zu verstehen.

Die Solidarität mit der Ukraine ist gerade sehr gefragt, wobei die Frage unbedingt beantwortet werden müsste, wo genau die Grenzen liegen sollten oder müssten, damit die Kosten nicht bei weitem den Nutzen übersteigen.

Der Nutzen für die Ukraine liegt vor allen Dingen in der Abwehr russischer Großmachtgelüste, von denen Herr Putin ganz offenbar befallen ist, träumt er doch von der alten russischen Größe, die er aber vorwiegend territorial verstanden wissen möchte. Größe, das ist Herrn Putin wohl noch nicht aufgegangen, ist aber nicht von der Quadratkilometerzahl eines ohnehin schon sehr großen Landes abhängig, sondern zeigt sich, zumindest meinem Verständnis nach, doch vor allen Dingen darin, wie „gut“ es den Menschen geht, wie modern Infrastruktur, Bildungswesen, Gesundheitssystem, wirtschaftliche Potenz sind und wie hoch das friedliche Auskommen mit den unmittelbaren Nachbarstaaten und der positive friedliche Einfluss weltweit zu bemessen ist.

Man darf bezweifeln, dass Herr Putin das ähnlich sieht bzw. dass er über so viel kritisches Reflexionsvermögen verfügt, um zu erkennen, dass in dieser Definition von Größe für ihn und sein Reich noch erheblich viel Luft nach oben besteht.

Leider haben alle Gespräche mit ihm aber nicht bewirkt, sich von den territorialen Größenverhältnissen zu verabschieden, die er für Russland als selbstverständlich ansieht.

Und so macht „der Westen“ keine Verhandlungsangebote zur Entschärfung der Krise mehr, sondern verhängt „Sanktionen“ gegen Russland. Ob das erfolgversprechender ist als die bisherige Strategie zur Deeskalation?

Ich bezweifle das, muss aber gestehen, dass ich keine Idee habe, wie sonst eine weitaus schrecklichere Szenerie abzuwenden sei.

Doch auch hinsichtlich der nun beschlossenen Sanktionen muss doch ein Gedanke erlaubt sein, der sich mit den „Kosten“ befasst, die wir auch zu tragen haben:

Das Problem besteht für uns doch darin, dass wir zuvorderst selbst von den Sanktionen betroffen sein werden, die eigentlich den Russen vor die Füße fallen sollten – nämlich durch die erhebliche Einschränkung der wirtschaftlichen Beziehungen einerseits, durch eine nicht minder erhebliche Verteuerung unserer Energiekosten andererseits.
Wenn Frau von der Leyen davon spricht, man könne die benötigten Rohstoffe zur Aufrechterhaltung der Energieversorgung in Deutschland / Europa durch die Lieferungen aus anderen, außereuropäischen Ländern sichern, so übersieht sie doch geflissentlich, dass keines der genannten nichteuropäischen Länder den Standards entspricht, die wir an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Friedensförderung anlegen – dies vielleicht mit Ausnahme der USA, deren Fracking-Produkte uns aber auf diesem Weg nun doch noch erreichen sollen, obwohl die Förderbedingungen dem Umweltschutz nicht entsprechen und damit absolut gegen Fracking sprechen.

Teufel und Beelzebub, fällt mir dazu ein oder auch Pest und Cholera.


Es geht vermutlich kein Weg daran vorbei, aber dann sollte man das Problem auch wirklich als solches benennen und nicht den Leuten Sand in die Augen streuen.
Ganz abgesehen davon, dass die Bevölkerung ja gar nicht gefragt wird, ob sie persönlich diese „Opfer“ zu bringen bereit ist. Aber das wäre ja bei Entsendung von Kampfverbänden in die Ukraine nicht ganz anders, sieht man davon, dass hierzulande die Wehrpflicht ausgesetzt und damit auch das Risiko für die „Gesamtheit“ junger Männer** minimiert ist, in Kämpfe verwickelt zu werden.

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, am Ende müssen wir einen Preis bezahlen für die Solidarität, die wir leisten – und uns auch leisten können oder wollen oder müssen.

Ich habe mir nur in den Jahren nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Sowjetunion gar nicht vorstellen können, dass es in Europa wieder zu einer Situation kommen könnte, in denen zwei Systeme unvereinbar und sich zunehmend feindlich gegenüberstehend, auch aufeinander einschlagen werden….


**Die Wehrpflicht bestand damals nur für junge Männer, daher verzichte ich hier auch darauf, Frauen miteinzubeziehen, was aber bei der Freiwilligenarmee durchaus anders ist.

Und am Ende des Tages, so die Sorge, die uns umtreibt, mag auch unsere Solidarität ganz umsonst gewesen sein, weil die Ukraine von Putin einverleibt wird in sein großes russisches und menschenfeindlich-kaltes Reich….

Ausgerechnet an Nine /Eleven..? 12. September, 2021

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Gestern Abend landete ich beim Zappen durch die Kanäle meines Fernsehgeräts bei 3Sat und der Darbietung der „Last Night of the Proms„.

Ich muss an dieser Stelle einfügen, dass ich „eigentlich“ ein großer Fan dieser wunderbar-irrsinnigen Veranstaltung bin und mit Leidenschaft und großem stimmlichen Einsatz in meiner bescheidenen Behausung alle Lieder mitsinge, die auch die „Royal Albert Hall“ erbeben lassen.

Eigentlich.

Gestern war das (zunächst) ein wenig anders.

Wir schrieben das Datum 11. September, oder im englisch-amerikanischen Sprachgebrauch nine/eleven. Kann man denn, so war meine erste Reaktion, so ein ausgelassenes Fest der Freude überhaupt an diesem Jahrestag feiern? Müssten wir nicht viel mehr in stillem Gedenken an den Schrecken erinnern, den Terroristen, die der „westlichen Kultur“ ablehnend gegenüberstehen, nicht nur über die Stadt New York und über die USA gebracht haben, sondern der gleichsam die ganze Welt erschütterte und dessen Nachbeben immer noch deutlich anhält?

Dann aber machte sich ein anderer Gedankengang bemerkbar:

Hätten die Terroristen nicht obsiegt, wenn wir an diesem Gedenktag des Unheils auf genau das verzichteten, das sie so sehr hassen?

Ist es nicht gerade der Triumph einer westlich-demokratischen Gesellschaft über die archaisch-todbringende Agenda eines Steinzeitislam und seiner radikalen Verfechter, wenn sie sich nicht einschüchtern lässt und feiert, dass man es bis in die letzten Dörfer dieser Welt, die die BBC mit ihren Sendungen erreicht, hören, erleben und mitfeiern kann?

Ich jedenfalls fand angesichts dieses Gedankens sofort zu meiner Begeisterung für die „Proms“ zurück und sang noch leidenschaftlicher (wenn auch nicht schöner) die herrlichen Gesänge mit, die von Freiheit und Freude künden und von der Hoffnung auf eine Welt, in der das „himmlische Jerusalem“ für kurze Zeit metaphorisch und doch ganz gegenwärtig auf der Erde aufleuchtet, und bei denen auch ich, obwohl ich nicht zu den „Britons“ gezählt werde, doch ganz sicher weiß, dass ich zu denen gehöre die „never shall be slaves“…

In diesem Sinne, lasst uns gerade jetzt und gerade in dieser Zeit, in denen die Taliban und ihre weltweit agierenden Gesinnungsgenossen sich anschicken, so vielen Menschen alle Freude, alle Hoffnung, alle Freiheit und die Sehnsucht nach Frieden und Selbstbestimmung zu rauben, ein Fest der Freiheit feiern, in dem Musik und Lebensfreude überwiegen und uns Mut und Lust und Kraft geben, dem Druck standzuhalten, der sich auch in Europa schleichend bemerkbar macht.

Das Blockflötenspiel reicht nicht …. 19. Oktober, 2020

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, hass, integration, islam, medien, migration, mohammed, mord, politik, presse, sharia, terrorismus.
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In Solidarität mit meinem ermordeten Lehrerkollegen zeige ich diese Karikatur hier bei himmel und erde.

Bei Facebook schrieb ich diesen Text dazu:

Sind wir wirklich „mehr“, wie es ein Slogan vor einiger Zeit in der Entgegnung auf rechtsradikale Verbrechen behauptete?

Die Reaktionen auf den Mord an dem französischen Geschichtslehrer machen doch klar, dass wir mehrheitlich erbärmlich feige sind im Umgang mit radikalen An- und Absichten gewisser Zeitgenossen. Da gibt es keinen Aufschrei in der Presse, kein Solidaritätskonzert feiner Sahnefilets oder Toten Hosen, keine gemeinsame Aktion aller deutschen Lehrer – Schweigeminuten in der Aula, Unterweisung zum Thema Meinungsfreiheit und religiöse Vielfalt, Darbietung von Karikaturen umstrittener Propheten usw, usw

Nein, das alles findet nicht statt. Stattdessen müssen wir zum hundertsten Mal unsägliche Kommentare über uns ergehen lassen. Dabei wären wir doch mehr, viel mehr. Würden allein alle Facebook-Nutzer die Karikaturen veröffentlichen, die der Mörder zum Anlass nahm, einen Geschichtslehrer auf offener Straße zu enthaupten, kämen die Fanatiker doch mit dem Morden gar nicht mehr hinterher (ACHTUNG: Sarkasmus) , wieviel weniger, würden alle europäischen Lehrer in Solidarität mit dem ermordeten Kollegen die Karikaturen zum Gegenstand einer Unterrichtsstunde machen, und noch viel weniger müsste die feige und schweigende Mehrheit befürchten, würden alle Tageszeitungen auf Seite eins ausschließlich den Schlächter Mohammed in seiner ganzen Hässlichkeit zeigen, nicht um Muslime zu beleidigen, sondern klar zu stellen, dass es unser gutes Recht ist, einen erbarmungslosen Mann der Geschichte anzuklagen, ihn bloß zu stellen, ihn zu karikieren und sich über ihn zu empören, so wie wir es mit allen andern Fieslingen der Weltgeschichte auch tun. Und wenn es einen furchtbaren Aufschrei der Beleidigten dazu gäbe, was dann?

Glaubt denn irgendjemand von uns, dass Schweigen wirklich das richtige Mittel der Wahl ist, um in diesem Kampf – und nichts anderes ist es – auch nur einen Fußbreit unserer Werte verteidigen zu können?

Liebe Leute, Blockflötenspiel und das Absingen christlicher Lieder, wie es die Kanzlerin dereinst zur Stärkung unserer Identität empfahl, reicht längst nicht mehr aus.

Wir müssen für unsere Freiheit einstehen, wollen wir sie nicht verlieren.

Denn noch sind wir doch tatsächlich „mehr“…. oder vielleicht doch nicht?

Dies ist KEIN Aufruf zur Gewalt, egal in welcher Form.

Dies ist ein Aufruf, den Mund aufzumachen und dem Deutungs- und Allmachtsanspruch des Islam und seiner streitlustigen und gewaltbereiten Vertreter einfach nur zu widersprechen.

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

Nochmals und ausdrücklich:

Dies ist kein Aufruf zur Gewalt, in welcher Form auch immer.

Dies ist ein Aufruf, den Mund aufzumachen und dem Deutungs- und Allmachtsanspruch des Islam und seiner streitlustigen und gewaltbereiten Vertreter einfach nur zu widersprechen.

EUTOPIA …. 29. April, 2019

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Da stöbere ich im Netz und stoße auf dieses wirkmächtige Bild….

 

Bild könnte enthalten: 1 Person

Mein Europa“ in Kombination mit dieser Herrschaftspose  –   da werde ich rebellisch, bekomme ich auf der Stelle das große Würgen.

Welch eine Vermessenheit, welch eine Hybris.

Hat man dem guten Mann nicht gesagt, dass  sein „Mein Europa“ nur ein  Teil des großen Europa ist, dass EUROPA  mehr ist als die „Europäische Union“, denn nur um die geht es doch bei den anstehenden Wahlen.

Europa, dieser alte Erdteil, vielfältig, vielschichtig, vom Atlantik bis an den Ural reichend, vom Nordmeer bis zum Mittelmeer, Heimat vieler Völker, ein Gebiet so vieler Staaten. Und da redet der Herr Weber von „mein Europa“.

Sicher, wir habe es uns angewöhnt von „Amerika“ zu sprechen, wenn wir eigentlich die USA meinen, aber müssen, nein, können wir diese Sprachregelung einfach so auf unseren alten Kontinent übertragen und die „EU“ gleichsetzen mit den „Vereinigten Staaten von Amerika“? NOCH gibt es die „Vereinigten Staaten von Europa“ nicht und angesichts der mehr als 2000-jährigen Geschichte Europas mit seinen  einerseits längst verflossenen Imperien des Altertums wie den noch gar nicht so lange zurückliegenden Machtzentren der Neuzeit – Stichpunkt Kolonialmächten – , den Irrungen und Wirrungen der Entwicklung vom  Mittelalter bis zur Neuzeit, mit der Machtbesessenheit vergangener „Reiche“ und fürchterlichen Kriegen, verbietet es sich meiner Ansicht nach geradezu, diese Gleichsetzung auch nur subversiv zu betreiben.  Der Zusammenschluss freier und eigenständiger europäischer Staaten – und es sind  ja lange nicht alle Staaten auf dem europäischen Kontinent an diesem beteiligt – aus zunächst rein wirtschaftlichen Gründen bedeutet doch noch lange nicht eine eigene gemeinsame auch  politisch wirksame Macht zu sein. Ist es nicht gerade die schier überbordende Anzahl von VERWALTUNGSbeamten in Brüssel, die das allzu deutlich machen? Ist nicht die Regulierungswut dieses gigantischen Apparats ein sichtbares Zeichen  für die eigentliche politische Bedeutungslosigkeit, quasi so etwas wie eine Übersprungshandlung, die davon ablenken soll, dass das „mein Europa“ des Herrn Weber ein zahnloser Tiger ist, der sich aber immer und überall wichtig macht und ein Mitspracherecht einfordert, wo es gar nichts mitzusprechen und schon gar nichts mit zu entscheiden  gibt, auch weil die staatliche Legitimation und Macht dazu schlicht fehlt? Weder wählen die Bürger der zur EU gehörenden Staaten eine gemeinsame Regierung, noch einen gemeinsamen Repräsentanten, wir entsenden lediglich „Abgeordnete“ in einen „Parlament“ genannten Verwaltungsapparat.

Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen. Es gibt keinen „Staat  Europa“, es gibt und gab eine rein geografische Definition, die wir EUROPA nennen.

Zu dem verlogenen Slogan „mein Europa ist sicher und schützt seine Außengrenzen“ möchte ich nicht explizit Stellung nehmen, denn dann könnte es mir passieren, dass ich meine gute Kinderstube vergesse und in eine verbale Attacke gleite, die ich mir selber nicht verzeihen könnte. Unsere angeblich sicheren Außengrenzen beruhen auf einem mehr als schmutzigen Deal, der noch dazu nur unzureichend die Außengrenzen sichert. Vielmehr werden die Staaten in die Ecke der Bösen stellt, die sich tatsächlich um die Grenze ihres Staatsgebiet kümmern, die sie von Nicht-EU-Staaten trennt. Dass die EU ihre Grenze IN der Türkei (als NICHT-EU-STAAT) gegenüber Syrien und dem Irak „sichert“, ist doch ein mehr als schändliches Vorgehen, eine einzige furchtbare Angelegenheit, die der Bevölkerung – vor allem in Deutschland – weismachen soll, DASS  die Grenze sicher sei, wobei dieses „SICHER“ ja nicht etwa eine Sicherung vor einer erkennbaren Kriegsgefahr bedeutet, sondern lediglich und vor allem verhindern soll, dass Flüchtlinge aus dem Nahen Osten einen Weg in die EU finden. Was auf dem Mittelmeer passiert, die undurchsichtige Kombination aus Schlepperbanden und Seenotrettung will ich erst gar nicht thematisieren.

Was also meint der Herr Weber mit „…. ist sicher und schützt seine Außengrenzen“ wirklich? Er spricht damit ein diffuses Gefühl sehr vieler Menschen in Deutschland an, die sich mit der aktuellen Entwicklung hinsichtlich der Einwanderung – und das ist es doch, was eigentlich passiert – vollkommen überfordert und ohnmächtig fühlen und  die das Geschwätz von den Fachkräften, die angeblich dringend gebraucht und aus Ländern mit einem sehr niedrigen Bildungswesen und entsprechendem Bildungsstand importiert werden, einfach nicht mehr hören wollen und schon gar nicht glauben können. In einer wirklich offenen und demokratischen Gesellschaft müsste man diese Vorbehalte eigentlich ansprechen und benennen können. Leider geht aber genau das nur sehr, sehr bedingt. Schnell werden die Skeptiker dieses grandiosen Einwanderungsplans in die Schmuddelecke gestellt, in die man die Populisten, Rassisten und neue wie alte Nazis abschiebt, nicht zu vergessen auch diejenigen, die man „islamophob“ nennt, weil sie berechtigte Vorbehalte gegen die Religion des Friedens hegen.

Leider – so kommt es mir vor – ist der Zeitpunkt zu einem offenen Diskurs längst verpasst. Und leider wird die so notwendige Auseinandersetzung überlagert, bzw. verdrängt von dem ungeheuer wichtigen Thema der „Klimarettung“, das besonders jetzt in der Zeit des Wahlkampfs für die Wahlen zu EU hohe Wellen schlägt, Greta sei Dank.

Bei facebook habe ich etwas sarkastisch kommentiert, man möge den Begriff „Europa“  wieder rein geografisch definieren und das, was Herr Weber mit „Mein Europa“ meint EUTOPIA benennen….

In Anlehnung an eine Utopie, eine Utopie von einem Staat, den es vermutlich niemals geben wird… die „Vaterländer“ haben einfach eine viel zu lange und immer noch viel zu mächtig wirksame   Geschichte…

 

NACHTRAG

Und vielleicht, so denke ich, ist das auch gut so mit den Vaterländern und ihrer mächtig wirksamen Geschichte. Wie ich darauf komme? Ich habe „in Broders Spiegel“ gesehen und seine Bedenken hinsichtlich eines Wahlplakats der Grünen aufgenommen, die klingen in etwa so: Heute gehört uns – nein, nicht Deutschland –  EUROPA und morgen die ganze Welt…. Da ist etwas dran, fürchte ich und diese Utopie von Macht hat in ein fürchterliches Verhängnis, in ein ungeheuerliches Morden geführt….  die deutsche Hybris ist , wie Broder befürchtet, nicht überwunden….

Seinen Gedanken kann man hier folgen

 

 

Närrisch…. 1. März, 2017

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, meine persönliche presseschau, mord, politik, presse.
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… finde ich es nicht, was da auf einem der Mottowagen in Düsseldorf zu sehen war:

Eine grinsende Freiheitsstatue bietet den abgeschlagenen, noch vom Blut tropfenden  Kopf Donald Trumps dar….  und das närrische Volk?    Jauchzt und jubelt es ob dieser gelungenen politischen Demonstration freiheitsliebender Demokraten? In dem oben verlinkten Bericht bei faz.net findet sich nicht der leiseste  Hinweis auf betroffenes Innehalten des Volkes angesichts dieser Darstellung  und leider auch nicht der kleinste Anklang der Kritik von Seiten des Verfassers.

„Macht euch nicht dieser Welt gleich“, heißt es an einer Stelle in der Bibel. Diese –   im ursprünglichen Sinn an die noch jungen christlichen Gemeinden gerichtete –   Aufforderung hätten die Gestalter des Anti-Trump-Wagens besser beherzigen sollen.

Bedient euch nicht der gleichen Methoden wie die, die ihr an anderer Stelle bekämpfen wollt.

Die verantwortlichen Gestalter des Wagens haben  lustvoll-spitzfindige Satire vermissen lassen und stattdessen zur vulgärsten Form gegriffen.

Dient es denn wirklich der Demokratie hier oder sonstwo in der Welt, wenn in Frieden und Freiheit lebende Demokraten sich der grausamen, Menschen verachtenden und widerlichen Symbolik des „Islamischer Staat“ bedienen, um den in freier, demokratischer und geheimer Wahl vom Wahlvolk erkorenen Präsidenten eines befreundeten Staates zu „kritisieren“, verbunden mit der Aufforderung an das amerikanische Volk „RESIST“?   Widersteht!

„Widersteht Trump indem ihr ihm den Kopf abschlagt“ – kann das die Botschaft eines rechtsstaatlichen Volkes an ein rechtsstaatliches Volk sein?

Aufruf zum Lynchmord als „Kritik an Trump“?

Sind die Narren in Düsseldorf von allen guten Geistern verlassen?

Zeigt sich in dieser unfassbar widerwärtigen  Darstellung ein Politikverständnis, wie es abstruser nicht sein kann, jenseits von allem, was Recht und Gerechtigkeit in einer Demokratie als Urgrund gesellschaftlichen Zusammenlebens bedeutet?

Mord und Totschlag als Mittel des politischen Kampfes sind in unserem Rechtssystem  zu Recht vollkommen ausgeschlossen, werden hart bestraft. Kann man den Terror des NSU, kann man den Terror islamistischer Gruppen wie die des „Islamischer Staat“ mit allen Mitteln bekämpfen  und gleichzeitig zum „Morden“ aufrufen, wenn auch „nur“ in einem als  „Karikatur  gedachten“  karnevalistischen Mottowagen?

Man kann nicht, denke ich.

Man kann offenbar doch. Jedenfalls in Düsseldorf.

Ich kann dazu nicht schweigen.

Ich finde es empörend, widerlich, würdelos, unanständig, bar jeder politischen Vernunft.

Mir scheint, in dem Hype um Trump ist jedes Mass verloren gegangen, fehlt jegliche Sensibilität für politisches Handeln, sowohl bei den Mächtigen, wie den Medien unseres Landes,  erheben  sich Stürmer-Methoden aus  längst verschlossen geglaubtem Grab,  regiert deutsche Überheblichkeit in einem Maße, dass es mich fassungslos schaudern macht.

Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly verteidigte am Montag seine Motive im WDR-Hörfunk: Da die Fehlentwicklungen in der internationalen Politik zurzeit besonders dramatisch seien, müssten auch die Wagen besonders „gepfeffert“ ausfallen. „Er ist natürlich eine Karikatur an sich und damit ein Göttergeschenk für Karikaturisten“, hatte Tilly im dpa-Interview über Trump gesagt.

(Zitat aus dem oben verlinkten Bericht)

Und was “ Fehlentwicklungen  in der internationalen Politik“  sind, bestimmt wieder einmal der deutsche Michel. Denn wer außer uns guten Deutschen, weiß, was gut und richtig für die Welt ist?

Ganz sicher ist auch  der Präsident der USA zu kritisieren.  Aber niemals kann selbst ein nur indirekter  Aufruf zum Mord ein Mittel der kritischen Auseinandersetzung sein.

Auch nicht in närrischen Zeiten des Karnevals.


NACHTRAG am 2. März:

Eine sehr lesenswerte Betrachtung zum gleichen Thema findet sich bei

SCHLAGLICHTER

Auszug daraus:

„Die Frage ist nicht, ob Tilly das darf oder dürfen soll, sondern warum Menschen so etwas machen und andere Menschen das lustig finden. Worüber lachen sie?

Für Sigmund Freud ist Lachen ein Akt der Befreiung und der Bewusstwerdung. Im Witz kann sich das Verbotene, Verdrängte und Zensurierte entfalten.

Versteht man Tillys Wagen in diesem Sinne als Offenbarung der im Schutz der Narrenfreiheit ans Licht kommenden Volksseele, wird einem angst und bang.

Vor der Arroganz gegenüber dem Land, das Deutschland die Demokratie geschenkt hat. Vor der Unwissenheit über die Verfassung und dem fehlenden Respekt vor der Jahrhunderte langen Stabilität der amerikanischen Demokratie. Vor der nassforschen Überheblichkeit, mit der man sich nicht nur immer im Recht sondern auch noch im Besitz einer höheren Moral wähnt.“

(Hervorhebung von mir)

Grenzland…. 3. Oktober, 2016

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft.
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In den 70er Jahren arbeitete ich als Fachlehrerin an einer „Sonderschule“****   in Nordhessen, der  Liebste an einer Bildungseinrichtung  in Göttingen.

Göttingen – diese wunderbar junge, alte Universitätsstadt,  von Heine  in seiner „Harzreise“ folgendermaßen geschmäht :

„Im allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingeteilt in Studenten, Professoren, Philister und Vieh; welche vier Stände doch nichts weniger als streng geschieden sind. Der Viehstand ist der bedeutendste. Die Namen aller Studenten und aller ordentlichen und unordentlichen Professoren hier herzuzählen, wäre zu weitläufig; auch sind mir in diesem Augenblick nicht alle Studentennamen im Gedächtnisse, und unter den Professoren sind manche, die noch gar keinen Namen haben. Die Zahl der Göttinger Philister muß sehr groß sein, wie Sand, oder besser gesagt, wie Kot am Meer; wahrlich, wenn ich sie des Morgens, mit ihren schmutzigen Gesichtern und weißen Rechnungen, vor den Pforten des akademischen Gerichtes aufgepflanzt sah, so mochte ich kaum begreifen, wie Gott nur so viel Lumpenpack erschaffen konnte.“  (Quelle)

Nichtsdestotrotz entschieden wir uns, die gemeinsame Wohnung in Göttingen zu errichten, schienen uns die diversen Studentenkneipen, Schenken, Theater, Kinos und Kellerclubs doch mehr Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu bieten, als ein nordhessisches Dorf mit ähnlich großem Viehbestand wie von Heine in Göttingen ausgemacht.

Und so fuhr ich jeden Morgen in das kleine Dorf am Fuße des Hohen Meissners und passierte dabei die Stelle meiner Fahrstrecke, an der die innerdeutsche Grenze in weniger als 400 Meter Entfernung verlief:

Wachtürme….  stets frisch gepflügter breiter Streifen …. Grenzzaun….

Im Werratal der „Zweiburgenblick“ Ludwigstein und Hanstein …. nur ein Steinwurf weit auseinander und doch unerreichbar die eine Burg – der Ludwigstein –  für sie, die Ossis. Für uns Wessis bestand immerhin die Möglichkeit,  nach der  1972 ausgehandelten „Verkehrseinbarung“  im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs  das Land hinter der Grenze zu besuchen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es uns auch möglich gewesen wären, Burg Hanstein zu erreichen, da die Burg ja im noch strenger gesicherten unmittelbaren Grenzbereich lag, der auch für DDR-Bürger nur mit einer Sondergenehmigung zu befahren war.

Das Unbehagen angesichts der Grenze hat mich in all den Jahren nie verlassen.

Dann brachen wir unsere Zelte in Göttingen ab und zogen etwas weiter nordwärts . Die Grenze war für mich nun  nicht mehr täglich sichtbar, aber dennoch immer präsent, hatten wir doch Freunde in Berlin und  Verwandte im DDR-Land.  Transit-Abkommen und Besuchserleichterungen ermöglichten die relativ ungestörte „Durchreise“  nach Berlin  –  sieht man davon ab, dass die Kontrolle am Grenzübergang Helmstedt-Marienborn höchst unangenehm sein konnte, wenn man  verbotenes Schriftgut mit sich führte –  und man für  die Besuche bei den Lieben  beispielsweise die Weihnachtsgeschenke hübsch verpackt hatte und die kontrollierenden DDR-Grenzer den Inhalt der Päckchen genauer unter die Lupe nehmen wollten….

Und dann passierte das Wunder.

Der Fernseher lief noch und eigentlich war ich auch  schon im „Zubettgehmodus“, als ich mit ungläubigem Staunen die Bilder vom Grenzübergang in Berlin sah….   Die Mauer war noch nicht „weg“, aber sie hatte ein Loch. Ungeplant und unbeabsichtigt und nicht wieder verschließbar.

In den Tagen darauf gingen wir mit den Kinder auf eine nahegelegene Brücke über die A2 zum „Trabbi-Winken“. Welch eine grenzenlose Begeisterung für die vielen, vielen Menschen, die die Gelegenheit nutzten in den Westen zu fahren und mit ihren Trabbis auf der Autobahn unterwegs waren, mit abgeklappten wedelnden Scheibenwischern….  Das ist mir unvergessen.

Ebenso die Debatten darüber, wie es nun weitergehen sollte mit der BRD und der DDR.

Zum Tag der Einführung der Einheitswährung waren wir mit den Kindern  im Nordhessischen, überquerten die Werra auf einer neu errichteten Notbrücke und feierten mit den Bewohnern des Dorfes am anderen Ufer den „Untergang der Ostmark“, d.h., wir wurden eingeladen zu Brause, Bier und Wein.  Die Leute hatten die Getränke mit ihren  letzten (?)  Beständen der „Ostwährung“ erworben.

Im vorigen Jahr bin ich aus nostalgischen Gründen meine alte Schulfahrstrecke  von Göttingen ins Hessische abgefahren….

Wo verlief die Grenze? Wo standen die Wachtürme, wo der Zaun?

Mit größter Selbstverständlichkeit fahren wir heute durch Deutschland, von Hannover nach Leipzig, von Göttingen nach Eisennach, und von Ost nach West.

Die inneren Grenzen gibt es nicht mehr, die Schrecken der Teilung sind überwunden. Wir Wessis und Ossis sind uns erst näher gekommen und dann nahe geworden.

Grund zur Freude.

Grund zu Dankbarkeit.

Grund genug auch zu feiern… dieses unerwartete Geschenk der Einheit.

Wir sollten  uns das nicht vermiesen lassen – nicht durch Schreihälse und Protestierer aus rechten wie linken Lagern,  nicht von Meinungsüberwachern und Mundtotmachern seitens der Regierung und / oder der Medien.

Die Freiheit, und ganz speziell die Meinungsfreiheit,   die wir alle genießen und auf die wir uns alle berufen können, gilt unteilbar für „gute“ und „schlechte“ Ansichten ….

Das Grundgesetz gilt allen Menschen dieses Staates und ist für alle bindend – ohne Ausnahme…

„Gott“ – so heißt es in der Bibel –    „läßt die Sonne aufgehen über   Bösen und Guten und läßt es regnen über Gerechten und Ungerechten“.

(Matthäus 5, 45   –  Verse 46 und 47  nicht zu vergessen)

 

 

 

*** Der Begriff „Sonderschule“ wurde durch die Bezeichnung „Förderschule“ ersetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Kopf, Herz und Hand… 21. September, 2015

Posted by Rika in aktuell, asyl, aus meinem kramladen, einwanderung, flüchtlinge, gesellschaft, migration, politik, soziale arbeit.
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Wer wie ich lange Jahre bei „Pestalozzi“ gearbeitet hat, kennt das Motto:

Mit Kopf, Herz und Hand„.

Es ist sozusagen  Leitmotiv und Handlungsanweisung in einem. Eine pädagogische „Dreifaltigkeit“, wenn man so will, die man nicht einfach auseinander dividieren sollte. Denn fehlt es an „Kopf“, entsteht trotz aller herzlichen und herzhaften Bemühungen leicht Chaos, fehlt es an „Herz“, gerät die Hilfe allzu schnell zu einem reinen und kalten Pragmatismus, lässt man die „Hand“ aus dem Spiel, bleibt es bei klugen oder frommen Sprüchen und  nichts wird geändert.

Mir scheint, es ist dieser Dreiklang, den wir in der aktuellen Situation eines stetigen Zustroms von Flüchtlingen dringend brauchen.

Es ist schön, wenn Menschen Herz zeigen, es ist fantastisch, dass so viele Freiwillige sich engagieren, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass neben Herz und Hand der Kopf ein wenig auf der Strecke geblieben ist, ja, dass viele Leute in diesem Land den Kopf am liebsten in die Verbannung schicken möchten, weist er doch unüberhörbar auf die vielfältigen Probleme hin, die mit noch so gutem Herzen und größtem freiwilligen Einsatz nicht zu bewältigen sind.

Es klingt unbarmherzig, wenn der Kopf sagt, dass nicht alle, die hier in Deutschland Aufnahme finden möchten, aufgenommen werden können und das Herz möchte einem bluten angesichts der vielen, vielen Menschen, die zurückgewiesen werden müssen.

Denn „alle“ ist eine vollkommen unbekannte Größe im Zusammenspiel der bereits bekannten Faktoren und Kräfte, als da zum Beispiel sind:

Aufnahmekapazitäten in Deutschland angesichts des bevorstehenden Herbstes und Winters.   Allein  die Ansage „alle aus Syrien“ erweist sich dabei als ein nicht zu koordinierendes Mammutproblem. Gestern sah ich im ZDF einen Bericht über die unermüdlich schuftenden Freiwilligen, die in der Nähe von Celle ein Zeltlager für die Flüchtlinge vorbereiteten. Mit größter Mühe gelang es ihnen Feldbetten zu organisieren. Von warmen Unterkünften in festen Gebäuden war gar nicht erst die Rede. Eine junge syrische Familie wurde von dem Fernsehteam begleitet. Sie kam in das in buchstäblich letzter Minute fertig gestellte Lager. Der Vater stellte erbittert fest, er sei nicht aus Syrien geflohen, um in einem Zelt in Deutschland zu frieren, er habe Sicherheit gesucht für sich, seine Frau und sein Kind und er sei davon ausgegangen , dass man ihnen eine Unterkunft in einem Haus biete….

Verteilung auf die einzelnen Bundesländer.  Nicht alle Bundesländer beteiligen sich nach gleichem Prozentsatz zur „eigenen Bevölkerung“ an der Unterbringung der Flüchtlinge. Doch dies, die Verteilung auf die Länder, Städte und Gemeinden ist eben nicht nur eine Frage der Organisation durch die Helfer in Land und Kommunen, sondern, wie ich zunächst zu meiner Verblüffung, dann aber mit wachsendem Unbehagen feststellen musste, auch eine Frage der Einstellung der Hilfesuchenden. Denn viele der Flüchtlinge haben sehr konkrete Vorstellungen davon, wo und wie sie in Deutschland (Europa) in Zukunft wohnen wollen, und nicht jeder und jede, die dem Horror in Syrien entkommen sind, freuen sich darüber, in der Lüneburger Heide oder in der Uckermark zu landen. Dass aber auch eine Großstadt wie  Berlin nicht für alle zum Traumziel gehört, wurde  in der letzten Woche eindrucksvoll deutlich,  als ein ICE, der dorthin unterwegs war, kurzerhand mitten auf der Strecke per Nothalt  zum Stehen gebracht wurde und gut 180 Personen ausstiegen und verschwanden. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob sie einfach keine Lust auf Berlin hatten oder sich „nur“ der Registrierung entziehen wollten.

Arbeit und Bildung spielen in der bundesdeutschen Wirklichkeit für alle hier lebenden Menschen, seien es Ureinwohner, (Welt)-Kriegsflüchtlinge, Arbeitsmigranten oder vorübergehend hier lebende Ausländer eine herausragende Rolle. Von dem Bildungsniveau des / der Einzelnen hängt seine / ihre Chance auf einen Arbeitsplatz ab, doch nicht jeder und jede, der / die über eine gute Bildung und Ausbildung verfügt, erhält auch quasi automatisch einen  Arbeitsplatz, der das Auskommen einer / eines  Einzelnen und /   oder der von ihr /  ihm  abhängigen Familie sichert. Ganz zu schweigen von denjenigen, die es aufgrund schwieriger sozialer Bedingungen oder der intellektuellen Gegebenheiten gar nicht zu einem qualifizierten Schulabschluss gebracht haben. Das ist doch schon seit langem bekannt. Ich kann viele traurige Geschichten von Schülerinnen und Schülern erzählen, die nach der Schule chancenlos waren und im gnadenlosen Abseits unserer wunderbar verführerischen Konsumgesellschaft landeten. Im Hinblick auf die Flüchtlinge hört man immer wieder, sie seien wichtig für unseren Arbeitsmarkt und wichtig für den Fortbestand des arbeitenden Teils der Bevölkerung  – der demografische Wandel mache eine „Auffrischung“ geradezu notwendig. Desgleichen wird darauf hingewiesen, dass doch viele gut ausgebildete Fachkräfte ins Land kämen. Nun habe ich mich vor Jahren im Rahmen meines Studium auch mit Statistik beschäftigen müssen und dabei Bekanntschaft mit der sogenannten Normalverteilung gemacht, auch als „Glockenkurve“ veranschaulichend beschrieben. Gehe ich demzufolge davon aus, dass das Bildungsniveau unter den Flüchtlingen in etwa gleich verteilt  ist wie im Bundesdurchschnitt der hier Lebenden, muss ich doch mit einem nicht unerheblichen Anteil derjenigen rechnen, die aufgrund ihrer Bildung keinerlei Chance auf einen Arbeitsplatz haben.  (siehe diese kritische Stellungnahme zur  jetzigen bundesdeutschen Wirklichkeit)

Nachhaltigkeit ist ein anderes Stichwort, das genannt werden sollte, wenn man über  „alle können kommen“ redet. Unter Nachhaltigkeit verstehe ich die bisher geübte Praxis, dass auch vielen derjenigen, denen kein Asylrecht eingeräumt werden konnte, dennoch aus diversen humanitären Gründen ein unbegrenzter Aufenthaltsstatus gewährt wurde. Bei den bisherigen Anträgen  Asylsuchender ging das meiner Meinung nach auch in Ordnung – da siegte sozusagen das Herz über den Kopf, um bei meinem Eingangssatz zu bleiben. Ganz anders sieht es aber aus, wenn wir – wie prognostiziert – mit jährlichen Asylanträgen im 500 000er Bereich oder höher zu rechnen haben. Können diejenigen politischen Entscheidungsträger,  die heute fordern, dass tatsächlich alle aufgenommen werden, auch gewährleisten, dass das nicht zu erheblichen Verwerfungen innerhalb des sozialen Gefüges unserer Gesellschaft führen wird? Und damit meine ich noch nicht einmal die relativ großen  kulturellen Unterschiede, die zwischen einer von der europäischen Geschichte und Kultur geprägten Gesellschaft einerseits und der Herkunftskultur der Zuwanderer anderseits bestehen. Ich beziehe mich bei meinen Überlegungen rein auf die sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Wie ist es also mit „Kopf, Herz und Hand“ bestellt?

Bei uns an der Pestalozzi-Schule stand „Kopf“ unter anderem für Regeln und Grenzen, an die sich alle zu halten hatten. Das galt sowohl für die Verwaltung, Leitung und Vorstand der Einrichtung (wirtschaftliche Aspekte kann man auch bei den besten pädagogischen Konzepten nicht an die Seite schieben) als auch für alle Kinder und Jugendlichen in den Gruppen, für die Schülerinnen und Schüler, die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für Lehrerinnen und Lehrer.  Dass im Einzelfall das „Herz“ über den „Kopf“ gestellt wurde, auch das gehörte zur gelebten Gemeinschaft zur gemeinsamen Realität.

Übertragen auf das zu bewältigende Flüchtlings-Problem heißt das für mich, dass wir bei allem Mitleid und aller geforderten Barmherzigkeit nicht die bestehenden Gesetze und Regelungen außer Kraft setzen sollten. Wir leben in einem Rechtsstaat mit gut begründeten gesetzlichen Bestimmungen zu Fragen des Asyls. Wir gehören darüberhinaus zur europäischen Staatengemeinschaft, die gleichfalls gemeinsame Regeln  aufgestellt und beschlossen hat. Daran sind wir gebunden und daran sollten wir uns halten. Und so zurückfinden zu einem Gleichklang aus Vernunft, Menschlichkeit und daraus abgeleiteter Aktion – nicht kopflos, nicht herzlos, nicht untätig.

Mit Kopf, Herz und Hand !

Dazu gehört für mich auch die realistische und nicht moralisierende  Berichterstattung zur Flüchtlingsfrage und ein fairer Umgang mit den Staaten, deren  wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen  nicht auf Rosen gebettet sind wie bei uns hier in Deutschland. Wir können und dürfen nicht darüber urteilen – und  entscheiden schon gar nicht -, wie andere Staaten ihren Umgang mit dem Problem handhaben und bewältigen wollen oder können.

Deutschlands Regierung sollte sich weder zum Oberlehrer noch zum Richter über andere europäische Regierungen aufspielen, „am deutschen Wesen“ wäre die Welt beinahe zu Grunde gegangen….  und eben nicht genesen…  !

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