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Letzte Blüten… 24. Februar, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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In unserem Dorf am Rande der großen Stadt, das eigentlich gar keine Dorf mehr ist, gibt es eine lange Straße, die mit Bäumen bestanden ist, die im frühen Sommer wunderbar blühen.

 

 

 

Sieht es nicht prachtvoll aus?

 

In diesem Sommer werden die Bäume nicht blühen…..   sie werden nie mehr blühen.

Die Straße soll erneuert,  schicke neue Bürgersteige auf beiden Seiten angelegt werden  …  Parkbuchten sollen entstehen ….   und bevor die Oberfläche so wunderbar neu gestaltet wird, muss auch unterirdisch gearbeitet werden. Das immer größer werdende „Dorf“ macht die Erneuerung der Kanalisation notwendig. Die Planungen waren auf geheimnisvollen Wegen an die Öffentlichkeit gedrungen und lösten sofort einen Sturm der Entrüstung aus. Wie, so fragte der sehr engagierte Heimatverein, kann man es wagen, die letzte verbliebene „Dorfstraße“ einfach so mir nichts dir nichts umzumodeln. Vier große Höfe, von denen  aber heute aber nur noch zwei bewirtschaftet werden, liegen, bzw. lagen an der Straße, als wir vor über dreißig Jahren hierher zogen. Ein alter Hof wurde inzwischen abgerissen und an seiner Stelle entsteht ein großer Wohnblock für „betreutes Wohnen“…     Und damit ging wieder  ein  zorniges  Raunen durchs Dorf, denn auch wir wohnen auf einer ehemaligen Hofstelle, die für unsere Reihe weichen musste,  und damals war der Ärger gewaltig….  uns hat man aber damit verschont, es traf denjenigen, der den Hof für schnöden Mammon verkauft hatte…

Doch so ist das mit den Dörfer in Großstadtnähe…. immer mehr Bauern geben die Landwirtschaft auf  und gleichzeitig  ziehen  „Pendlerfamilie“ in die Dörfer, weil sie in der Stadt keine passende Immobilie fanden, ihren Arbeitsplatz aber behalten wollen und darum vom „Schlafdorf“ in die Stadt zur Arbeitsstelle pendeln. Mit jedem Haus, das auf einen ehemaligen Acker oder eine vormalige Wiese gebaut wird, verändert das „Dorf“ sein Gesicht und seine Struktur. Manche Alteingesessenen beklagen das bitter, andere versuchen tatkräftig, die Städter ins Dorfleben zu integrieren. Aber ein Dorf, wie es einmal war, ist unserer Ort eben doch nicht mehr. Als wir hierher zogen  waren es noch 16 aktive Bauern, heute sind es noch 5. Und auch die meisten „Bauernkinder“ haben sich in beruflich anders orientiert ….

So ändern sich die Verhältnisse….

Vor ein paar Wochen las ich die Ankündigung in unserem „Blättchen“, dass die Bäume in den nächsten Tagen gefällt würden. Alle Eingaben des Ortsrates bei der Stadt (zu der wir gehören) waren erfolglos geblieben, die Bäume mussten weichen.

Meine Freundin war bei den Baumfällarbeiten vor Ort und sicherte sich ein paar Zweige, von denen sie mir wiederum ein paar schenkte.

Ich stellte die Zweige in eine Vase und beobachtete, wie die noch harten und kleinen Knospen langsam größer, runder oder länglicher wurden… schließlich durch einen feinen Farbschimmer erkennen ließen, ob Blatt oder Blüte in ihnen schlummerten….

dann aufbrachen und zarte Blättchen und noch zartere Blüten hervorbrachten….

 

 

 

Sie sind wunderschön…. die blühenden Zweige in meiner Vase…  und so vergänglich….

 

 

 

Ich sehe es ihnen schon an….

 

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