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Sexuelle Lust nur für weiße Frauen? 5. September, 2019

Posted by Rika in emanzipation, gesellschaft, integration, migration, politik.
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Selten hat mich ein Artikel so sprachlos, so zornig gemacht und so tief getroffen, wie der, den ich heute bei Facebook zu Gesicht bekam.

Es ist ein Bericht  so  voller Grausamkeit und bar jeder Empathie,  dass man es schon beim Lesen kaum aushalten mag – verstehen kann man es schon gar nicht – und jedes Nachspüren und Mitfühlen zur Qual wird.

Die Rede ist von den Riten der Beschneidung der jungen Mädchen in überwiegend afrikanischen Gesellschaften. Spätestens seit dem ergreifenden autobiografischen Roman „Wüstenblume“ ist das Thema der Verstümmelung so vieler junger Mädchen durch die Entfernung der Klitoris und der äußeren Schamlippen zum Zwecke der „Bannung sexuellen Lustempfindens der Frau“ nicht mehr unter dem Mantel der Verschwiegenheit verborgen zu halten. Mutige Frauen, denen diese Form der Zerstörung ihres Körpers angetan wurde, machen sich seither dafür stark, diesen schreckliche Eingriff in die Unversehrtheit des weiblichen Körpers für immer zu ächten. Viele Frauen weltweit unterstützen den Kampf gegen die Beschneidung junger Mädchen.  Dieser Feldzug gegen uralte Riten ist schwer genug, der Druck auf die Mütter, ihre Töchter zu verstümmeln, ist immer noch extrem hoch. Begriffe wie Ehre, Kultur, Ritus und Gehorsam sind wirkmächtige Befürworter der  abscheulichen Praxis. Selbst in Deutschland werden Mädchen unter erbärmlichen Umständen von eigens dafür bestimmten „Beschneiderinnen“  für immer einem qualvollen Leiden ausgeliefert.

Der Artikel, den ich heute las, macht aber nicht nur der geübten Praxis wegen so fassungslos, er beschreibt ein Zerrbild eines „weißen, weiblichen  Kulturverständnisses“, wie es rassistischer und frauenfeindlicher nicht sein kann.

Der einleitende  Kommentar und der Literaturhinweis am Ende es Textes,  der auf die unsägliche „Wissenschaftlerin“ und ihre Arbeit hinweist, wird von mir hier farblich abgesetzt, der eigentliche Text als ganzes Zitat kenntlich gemacht:

Anna-Katharina Meßmer (* 1983) ist eine deutsche Speakerin, Beraterin, Aktivistin und Soziologin. Sie hat eine Dissertation mit dem Titel „Überschüssiges Gewebe“ verfasst, in welcher sie die weibliche Genitalverstümmelung verherrlicht…
Hier ein Auszug aus dem Buch „Freiheit ist keine Metapher“, dem ich auch einen kleinen Beitrag beisteuert habe. Der Titel des Aufsatzes lautet „Queere Salafistinnen“ und stammt von Judith Sevinç Bassad.

“ (…) Selbstmordattentate sind nicht die einzige Grausamkeit, für die die Gender Studies Verständnis aufbringen. Auch die Genitalverstümmelung wird von manchen Akademikerinnen als zu beschützendes Kulturgut verstanden, das von der kulturellen Hegemonie des Westens bedroht wird. So behauptet Anna-Katharina Meßmer in ihrer Dissertation Überschüssiges Gewebe, dass der Begriff „Genitalverstümmelung“ nur deswegen negativ konnotiert sei, weil der Westen zu Kolonialzeiten den Orient als ein „unzivilisiertes Anderes“ wahrgenommen habe. Der Akt der Verstümmelung in afrikanischen Dörfern ist also nicht deshalb grauenhaft, weil er es ist, sondern weil der Westen – im Glauben, dass seine eigene „moderne, auf-geklärte, heilende Medizin“ die Überlegenere sei – sie zu einer „barbarischen Tradition“27 stigmatisiert habe. Dementsprechend verurteilt Meßmer auch die Sichtweise des westlichen Feminismus auf Genitalverstümmelungen. Denn in ihm werde „die afrikanische Frau“ als „sich nach westlichen Standards zu emanzipierende“ gesehen.28 Abermals bestimmt hier der Hass auf den Westen die wissenschaftliche Thesenbildung: Nicht die afrikanische Tradition der Verstümmelung wird von der Autorin problematisiert, sondern der Westen, der sie im Zuge seiner vermeintlich kolonialen Interessen überhaupt als eine barbarische Praxis bezeichnete. Auch die Genderforscherin Daniela Hrzán fordert in ihren Artikeln dazu auf, Verständnis für Genitalverstümmelung aufzubringen. Dafür ersetzt sie den Begriff „female genital mutilation“ (FGM) durch die Bezeichnung „female genital cutting“ (FGC), verharmlost also „Genitalverstümmelung“ zu „Genitalbeschneidung“. Der Grund: Bei „Genitalverstümmelung“ könne der Eindruck entstehen, „dass Eltern ihre Kinder bewusst verletzen und foltern, wodurch jeglicher sozialer Kontext, in dem FGC-Praktiken eingebettet sind, ausgeblendet wird“.
Wieso man eine Praxis, mit der man kleinen Mädchen ohne Betäubung und unter Einsatz von körperlicher Gewalt die Klitoris, manchmal auch die Schamlippen mit Rasierklingen, Messern oder Scheren abschneidet und deren Vagina anschließend zunäht – wieso man genau eine solche Praxis nicht als „bewusst verletzend“ bezeichnen sollte, verschweigt die Autorin. Auch, welcher „soziale Kontext“ hier die begriffliche Verharmlosung einer menschenverachtenden Misshandlung legitimiert, führt die Genderforscherin nicht aus. Stattdessen ist sie überzeugt, dass ihre sprachliche Beschwichtigung „für einen kritisch-reflektierten und antirassistischen Umgang mit dem Thema“ stehe. (…)“

 

***
Sofern jemand unser Buch noch nicht haben sollte, hier der Link:
http://www.querverlag.de/freiheit-ist-keine-metapher/

Soweit der bei Facebook erschienene Beitrag. Mein Nachfragen bei demjenigen, der den Text veröffentlicht hat, ergab folgenden ergänzenden Hinweis:   Der  zitierte  Buchauszug findet sich auf den Seiten 268f des oben schon genannten Buches „Freiheit ist keine Metapher

 

Dieser abscheuliche Gedanke, die bei einer Genitalverstümmelung entfernten Schamlippen und die Klitoris sei „überflüssiges Gewebe“ ist an Perversion kaum noch zu überbieten und offenbart nicht nur eine unglaubliche Leibfeindlichkeit, sondern im Hinblick auf die  vor allem in Afrika betroffenen Frauen auch einen beispiellosen Rassismus. Denn anders als Rassismus kann man doch die Argumentation nicht bezeichnen, die hier ins Feld geführt wird als angeblichen „Kampf gegen ein kolonialistisches Weltbild der Weißen“, der der schwarzen, afrikanischen Frau ein angeblich weißes Leitbild nicht länger aufdrängen will und darum dafür plädiert, auch weiterhin die leidvolle Verstümmelung weiblicher Körper aufrecht zu halten.

Gelten die allgemeinen Menschenrechte demnach nicht für Afrikanerinnen?

Ist die Würde des Menschen und die Unversehrtheit einer Person ausschließlich weißen Europäerinnen vorbehalten?

Ich frage mich angesichts dieses fürchterlichen Weltbildes einer akademisch gebildeten weißen Frau, was in Menschen vorgehen mag, die andere Menschen offensichtlich ausschließlich als Forschungsobjekt für ihre krude Theoriebildung missbrauchen. Kann sich irgendeine Frau in Deutschland dafür erwärmen, die kulturellen Highlights afrikanischer Stämme mit den hier einwandernden Menschen gleich mit zu übernehmen, um so den Kolonialismus endgültig zu überwinden den eigenen Körper zugunsten dieses heroischen Aktes ohne jegliche Betäubung und unter Zuhilfenahme nicht steriler Rasierklingen, Glasscherben oder Messer beschneiden zu lassen und damit auch die Möglichkeit sexuellen Lustempfindens für immer aufzugeben – und, nicht nur das, bei jeder Periode, jeder Penetration, jeder Schwangerschaft und jeder Geburt erneut mit unendlichen Schmerzen konfrontiert zu sein?

 

Wenn es nicht Hass auf das eigene Geschlecht ist, nicht Hass auf die eigene Hautfarbe, nicht Hass auf die so mühsam erkämpften Rechte der Frauen, Hass auf die allgemein gültigen Menschenrechte, was um alles in der Welt treibt eine Professorin dann um –    und das in einem Land, das in nicht allzu ferner Vergangenheit Mediziner hervorgebracht hat, die die Würde des Menschen mit Füßen traten und jüdische Männer, Frauen und Kinder als „Versuchskaninchen“ im angeblichen Dienste der Wissenschaft missbrauchten?

Frauen auch weiterhin dem Verstümmeln auszusetzen, weil es so schön irgendwelchen anthropologischen Forschungen oder der Überwindung eines angeblichen weißen Größenwahns dienen mag, das ist doch nichts anderes als ein furchtbares Verbrechen an der Menschheit.

Dass die Genderforschung seltsame Blüten treibt, habe ich schon manches mal im Stillen gedacht,  dass sie aber Verbrechen unterstützt, übersteigt  mein bisheriges Vorstellungsvermögen von  weiblichen weißen „Wissenschaftlerinnen“.

Dazu kann ich nicht länger „im Stillen“ nachdenken. Dazu kann ich nicht schweigen.

 

 

 

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