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Morgendliches Gelächter…. 1. Juli, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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In einem früheren Beitrag habe ich ja schon anklingen lassen, welche Gewohnheiten meinen Rentnermorgen bestimmen. Wie immer widme ich mich nach dem Frühstück der Zeitung, allerdings, ich schrieb es ja schon, beginne ich mit der Lösung der Rätselaufgaben.

Heute (30. 6.) nun saß ich schwer nachdenkend über das Kreuzworträtsel gebeugt, das nicht nur nach Begriffen fragt, sondern die Aufgabe dadurch erschwert, dass die möglichen Lösungen ohne „Platzangabe“ eigenständig in die zuständigen Kästchen einzutragen sind. Der Liebste saß im Sessel am Fenster und las den Hauptteil der Tageszeitung, die Nachrichten aus dem Umland, das Neuste vom Sport…. so dachte ich zumindest. Als sein leises Kichern zunahm und auch nicht zu überhören war, fragte ich nach, was seine Heiterkeit auslöse.

Der Liebste war noch gar nicht zum Sportteil oder zu den Nachrichten aus der Region vorgedrungen, er war bei der Seite „HAZ FORUM“ hängen geblieben. Unter diesem schönen Begriff versammeln sich die Leserbriefschreiber, die zu „Diesdas“ Stellung nehmend ihre Meinung kundtun. Großes „Diesdas-Thema“ diesmal: „Wahlen mit 14?“

Die so unglaublich fortschrittlichen Grünen wollen in Niedersachsen das Wahlalter auf 14 Jahre herabsetzen. Das aber stößt auf nicht unerheblichen Widerstand, wie es sich in den Leserbriefen zeigt. Nicht eine der Zuschriften befürwortet das Vorhaben, alle Forumsteilnehmer schreiben mehr oder weniger ernst gemeinte Briefe, aus denen mir der Liebste die nettesten Argumente wider den grünen Wahlvorschlag vorlas:

Es ist allgemein bekannt, dass viele junge Menschen die Grünen wählen. Deshalb kann ich den Wunsch der Grünen verstehen, das Wahlalter herabzusetzen. Da man auch weiß, dass ältere Menschen aus Erziehung oder Gewohnheit wählen, würde es mich nicht verwundern, wenn nach der Herabsetzung des Wahlalters dann vielleicht eine Begrenzung nach oben angestrebt wird, zum Beispiel: „Wählen dürfen nur Personen von 14 bis 75 Jahren.“

Da kann ich nur hoffen, dass die Grünen diesen kreativen Vorschlag, der als Ironie auf die Herabsetzung des Wahlalters gedacht und geschrieben wurde, am Ende nicht doch noch aufgreifen….. Der Liebste wäre damit ja schon aus dem Rennen…

Ich verstehe, dass die Grünen um Wählerstimmen buhlen. Aber Kinder wählen zu lassen, halte ich für nicht angebracht. Als Nächstes lassen die noch die Kinder in den Kitas abstimmen.“

Och, in den Kitas werden den Kindern doch jetzt schon Sachverhalte beigebracht, die man früher erst den jungen Menschen, die die Phase der Pubertät erreicht hatten, mithilfe von Bienchen und Blümchen erläuterte.

„… Dabei sollten die Grünen im Sinne der Allgemeinheit Folgendes bedenken: Der Altersgruppe der 14-Jährigen wird mit Recht eine noch nicht ausreichende Mündigkeit zugesprochen, über ihr eigenes Schicksal richtig zu entscheiden. Aber nach dem Willen der Grünen ist diese Altersgruppe in der Lage, die viel komplizierteren Zusammenhänge des Zusammenlebens in einer komplexen Gesellschaft richtig zu erkennen. …“

In meiner Jugend galten die männlichen Jugendlichen als „Halbstarke“, die weiblichen dagegen als „Backfische“. Niemand wäre früher auf die Idee gekommen, Halbstarken und Backfischen die Entscheidung über politische Fragen anzuvertrauen. Allerdings war man in nicht ganz so politischen Fragen durchaus großzügig mit den Halbstarken, wurde ihnen doch nach der Konfirmation erlaubt, alkoholhaltige Getränke zu sich zu nehmen… das wurde jedenfalls erzählt. Damals, als der überwiegende Teil der Schülerschaft den Abschluss der vorgeschriebenen 8-jährigen Schulzeit in der Volksschule machte, begann für die meisten Jugendlichen der Ernst des Lebens, indem sie als Lehrlinge in die Berufswelt eintraten. Auch das, der Beginn des Berufslebens und damit die Übernahme von Verantwortung für sich UND ANDERE und für das Unternehmen, die Firma, den Betrieb hat sich ja um mindestens zwei Jahre nach oben verschoben. Wieso darum ausgerechnet das Wahlalter herabgesetzt werden sollte, entzieht sich wohl jeglicher Logik…

Das kann man doch sicher noch toppen, vielleicht wenn man zum Beispiel werdenden Müttern eine zusätzliche Stimme für den Embryo zubilligt. Ja geht’s noch? Ich war mit 20 Unteroffizier, durfte aber noch nicht wählen, da keine 21. Das hat mich damals geärgert. Heute würde ich mir das Wahlalter eher zurückwünschen. …“

Auch ich – zwar kein Unteroffizier – aber politisch interessiert, durfte erst mit dem Erreichen der Volljährigkeit, also mit 21 wählen. Ohne die Unterschrift meiner Eltern hätte ich zu dem Zeitpunkt nicht einmal eine Urlaubsreise antreten dürfen, von schwerwiegenderen Entscheidungen ganz zu schweigen.

… Ganz junge Menschen ohne Lebenserfahrung und berufliche Wünsche und Perspektiven sollen das Leben und das Wohlergehen aller Bürger für die nahe Zukunft mitbestimmen. Wann gibt es endlich einen verpflichtenden Intelligenztest für Politiker?“

So weit die kleine Auswahl an Meinungen, die neben allen ernsten Aspekten auch zur Heiterkeit Anlass geben.

Heiterkeit und Einverständnis mit den meisten der Briefschreiber sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Ernsthaftes Nachdenken über die gesellschaftspolitischen Belange unserer Zeit ist ganz sicher nötig.

Natürlich ist es heute richtig, die Jugendlichen um Stellungnahmen für gesellschaftlich relevante Themen zu bitten, sie jedoch zum entscheidenden Zünglein zu machen, ob an der Wahlurne oder bei den wichtigen Problemen, die unsere Zukunft betreffen, halte ich für falsch.

Es ist löblich, dass schon junge Menschen sich einsetzen und einbringen, aber Forderungen à la Greta Thunberg, ohne jedes Nachdenken darüber, wie der gegenwärtige westliche Lebensstandard auch für die sogenannte „Dritte Welt“ erreicht werden kann, mit dem „how dare you?“ den alten weißen Männern und Frauen entgegenzuschleudern, kann doch nicht zum Maßstab für verantwortungsvolle Politik gemacht werden! Ich vermute, dass auch diese so kraftvoll vorgebrachten Forderungen nicht ursprünglich von Schulkindern ausgegangen sind, sondern dass politische Interessenverbände die leicht zu beeinflussenden Kinder manipulativ benutzt haben, sich für eine vermeintlich „gute Sache“ einzusetzen.

Und welches begeisterungsfähige Kind, welcher junge Schüler, welcher Jugendliche würde nicht gerne auf der Seite des / der Guten sein und mit missionarischem Eifer auf die Straße gehen, um für sein Anliegen einzustehen? (Noch dazu, wenn man sich damit ein paar langweilige Schulstunden ersparen könnte, fanden die fff-Aufmärsche doch immer während und niemals NACH der Unterrichtszeit statt!)

Kinder, das wussten Diktatoren wie Heilslehrer schon immer, eignen sich hervorragend dazu, im Sinne ihrer Ideologie aufgeweckt und manipuliert zu werden. Ein Blick auf die Geschichte der Hitler-Jugend ist ebenso aufschlussreich, wie die auf die Thälmann-Pioniere.

Auch christliche Kinder und Jugendliche waren und sind von missbräuchlicher Manipulation und Instrumentalisierung nicht ausgenommen. In ihrer fürchterlichsten Form ist das bekannt geworden unter Stichwort und an dem Ort „Colonia Dignidad„, deren Anfänge aber in Deutschland lagen.

Zum Glück – so hoffe ich zumindest – waren diese und ähnliche Strukturen aber die Ausnahme.

Ich erlebte meine Kindheit und Jugend und erlebe eigentlich mein ganzes Leben bis heute – in einer Freikirche.

Ich war als Jugendliche absolut begeistert von der Idee, die Menschen zu Jesus zu führen und nahm an entsprechenden öffentlichen „Sit-ins“ und „Preach-ins“ teil. Das habe ich nie bereut und bin auch heute noch der Meinung, viel mehr Menschen müssten für Jesus begeistert werden. Nur die Vorgehensweise – die wäre für mich heute nicht mehr altersgemäß…

Als Studentin habe ich an Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze teilgenommen, und ich demonstriere immer noch gegen den schrecklichen Notstand, der mit dem immer noch virulenten Antisemitismus zusammenhängt, hier im Blog, aber auch auf der Straße.

Jedes Alter – das will ich damit sagen – hat seine entsprechenden Formen und Gestaltungsmöglichkeiten, berechtigten Anliegen öffentlich Ausdruck zu verleihen… ich billige das den fff-Aktivisten ebenso zu, wie den „Omas gegen Rechts“, den Leuten, die sich „für das Leben“ einsetzen genauso wie denjenigen, die sich für die Freigabe des §218 stark machen, um hier auch zwei sehr gegensätzliche Positionen zu benennen. Aber wir sollten uns davor hüten, ungeprüft denen, die am lautesten schreien, den größeren Zuspruch zukommen zu lassen und (nur) das „Geschrei“ in politisches Handeln umzusetzen.

Das Wahlalter aber, davon bin ich überzeugt, sollte man bei 18 Jahren belassen, wenn der jugendliche Elan und Übermut langsam aber sicher in ein kritisches Nachdenken übergeht und gründliche Reflexion statt reflexhaftem Reagieren die Entscheidung bestimmt.


NACHKLAPP

Ich will gar nicht erst den Versuch machen, meine pädagogischen und psychologischen Kenntnisse und die Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen NICHT für die Forderung verantwortlich zu machen, das Wahlalter beizubehalten. Die 23jährige Tätigkeit als Fachlehrerin ist ebenso wenig spurlos an mir vorübergegangen.

Doch zu allen Zeiten habe ich immer wieder Kinder und Jugendliche erlebt, die differenziert ihre Realität wahrnehmen und beschreiben konnten – und in der Lage waren, eine reflektierte Stellung dazu einzunehmen….  Das ist etwas, was mich schon immer beeindruckt hat und mich heute an meinen Enkeln entzückt.

Das „Dennoch“ bleibt dennoch bestehen…. Wahlalter beibehalten 😉

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