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80 JAHRE und 7 Tage… 27. Januar, 2022

Posted by Rika in aktuell, antisemitismus, gesellschaft, HOLOCAUST, judentum, meditatives, politik.
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„80 Jahre und 7 Tage“

 

Diese Zeitspanne nannte der Präsident der Knesset des Staates Israel in seiner Rede im Deutschen Bundestag zum Gedenken der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und wies darauf hin, dass nur wenige Kilometer vom Reichstag entfernt das Haus am Wannsee steht, in dem vor 80 Jahren und 7 Tagen eine Konferenz hochrangiger Vertreter des Staates, der SS, der Wehrmacht, der Verwaltung stattfand, in der in nur wenigen Stunden das Schicksal der europäischen Juden besiegelt werden sollte, für immer verbunden mit dem Begriff „Endlösung“, der doch nichts anderes besagt, als VERNICHTUNG !

Vernichtung jüdischer Frauen, Männer, Kinder, Säuglinge und Greise aus allen Machtbereichen der Deutschen. Um die Mörder zu schonen – so kann man es in den „Wannsee-Protokollen“ nachlesen – musste das Morden effektiver, „Ressourcen schonender“ durchgeführt werden, der fabrikmäßig durchgeführte Massenmord nahm in einer schönen Villa in einer idyllischen Landschaft seinen Anfang.

Mickey Levy, der Präsident der Knesset, konnte während seiner Rede, in der er Teile des Kaddisch für die jüdischen Toten sprach, nur mühsam die Tränen zurückhalten …

Und dennoch – so dachte und denke ich – trotz der Trauer, trotz des Gedenkens an die Toten, die Entrechteten, Traumatisierten, trotz des Leids, das mit diesem Tag verbunden ist, ist es auch ein Tag des Triumphs des Lebens über die Mordpläne der Henker.

80 Jahre und 7 Tage nach den Beschlüssen zur „Endlösung“ steht der Präsident der Knesset des jüdischen Staates Israel im Parlamentsgebäude und vor den Abgeordneten des Deutschen Volkes und gedenkt der Toten und spricht doch von Aufbruch, Zusammenarbeit und Vertrauen.

ISRAEL und alle Juden weltweit haben in diesem Moment über Hitler und sein Verbrechensregime gesiegt – mit dem leidvollen Opfer von Sechs-Millionen Leben.

Daran will ich alle Tage meines Lebens erinnern.

Der Schrecken und das Morden der Nazis und all ihrer Helfer und Zuträger darf niemals vergessen werden.

Die Mahnung, die Mickey Levy mit nur zwei Worten aussprach, geht an uns alle:

NIE WIEDER

Antisemitismus darf niemals mehr die Oberhand gewinnen, ganz gleich, in welcher „Verkleidung“ er auftritt: nicht in seiner klassischen Form, nicht als Rassismus, nicht als religiöse Pflicht, nicht als Antizionismus, nicht als allgemeine „Kritik an Israel“, und schon gar nicht als neuerlicher Aufruf zur Vernichtung Israels und der Juden, wie es leider immer wieder bei Aufmärschen zum Al-Quds-Tag passiert.

 

 

Der Anregung zum Gedenken an die über eine Million ermordeten jüdischen Kinder folgend, brennen heute Kerzen in unserem Haus, am Fenster meines Arbeitszimmers und am Fenster der Vorderseite des Hauses.

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Trump hat einen Plan und das ZDF die „richtige“ Meinung 29. Januar, 2020

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Gestern lief im ZDF der sehr bemerkenswerter Film mit dem Titel „Ein Tag in Auschwitz„.

Anhand eines Fotoalbums, das von dem „Fotographen in Auschwitz“ eigens zur Dokumentation der „tadellosen Abwicklung“ eines Transportes  (hier ungarischer Juden)  angelegt war, wurden die Stationen nachgezeichnet, die die Unglücklichen bis zu ihrem Ende durchlaufen mussten. Die Ankunft in Auschwitz – Birkenau, der „Empfang“ an der Rampe, die Einteilung der Menschen in die Gruppen, die sofort der Gaskammer zugeführt wurden und die, die in das Arbeitslager kamen. Der Historiker, der die Dokumentation weitgehend erstellt hat, gibt die sachliche Auskunft, dass zwischen 70 und 80 % der Menschen eines jeden Transports sofort zu den Gaskammern und in die Vernichtung geführt wurden.

Zeitzeugen kommen zu Wort. Überlebende der Shoah.

Der Film ist ein ruhiges, unaufgeregtes und darum umso eindrücklicheres Zeugnis des Verbrechens, das Deutsche an den europäischen Juden verübt haben. Die Bilder sprechen für sich, die Zeugen reden klar, ohne Pathos, aber mit mühsam gefundenen Worten für etwas, was sich eigentlich gar nicht in Worte fassen lässt.

Unmittelbar nach dem Ende des Films – natürlich wie immer – das nächste  Programm.

Das nächste Programm sind die „heute“-Nachrichten mit Claus Kleber.

Die Anmoderation ist für mich ein Schock. Mit ätzender Stimme und kaum verhohlener Verachtung „ordnet Herr Kleber ein“, wie er seine Aufgabe beim ZDF in routinierter Selbstdarstellung beschreibt. Es geht um den Friedensplan, den der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vorlegt.

Ich muss gestehen, dass ich gar nicht mehr mitbekommen habe, was Donald Trump im Einzelnen vorgesehen hat. Ich höre die kommentierenden Worte Claus Klebers und mir wird schlecht.

Wie kann man nur, denke ich, nach so einem Film zum Holocaust die Nachrichtensendung mit einem derartigen Introitus beginnen? Es ist mir, als sei die Zeit stehen geblieben und wir seien wieder in der Zeit des Tausendjährigen Reiches und jemand würde mit empörter Stimme das Unrecht anprangern, das die Juden angeblich über diese Welt gebracht haben.  Die Sympathie des Herrn Kleber,  seine alleinige Sorge gilt nicht etwa den unter dem palarbischen Terror leidenden Israelis, nein, sie gilt  den Tätern, den „Palästinensern“, die um ihr Land gebracht werden sollen, denen Trump mit seinem Friedensplan so übel mitgespielt habe.

Als Nicola Albrecht zugeschaltet wird, ist mir so  schlecht, dass ich das Zimmer verlassen muss, in dem der Liebste dem Fortgang der Nachrichtensendung folgt.

Ich kann mir diese antiisraelische Propaganda im Staatsfernsehen einfach nicht mehr zumuten, schon gar nicht in diesen Tagen, in denen deutsche Politiker  vollmundig und äußerst medienwirksam der toten Juden gedenken und irgendetwas von „Nie wieder“ von sich geben, aber gleichzeitig den Mördern und den von der Vernichtung der heute lebenden Juden träumenden Politkern  die Hand schütteln und ihnen zusichern, alles für ihr Wohlergehen zu unternehmen.

Es ist  (beinahe nur*) eine einzige widerliche Show der „Guten Deutschen“, die aus dem Holocaust vor allen Dingen gelernt haben, dass es auf eine perfekte Performance der politischen Meinung ankommt. Das gilt für die Selbstdarsteller im Politikzirkus ebenso wie für die Meinungsmacher in den öffentlich-rechtlichen und allen Medien  darüber hinaus.

ZDF  = Zentrale Deutsche Fehlinformation. Die ARD steht dem ZDF allerdings in nichts nach.

 

Gerd Buurmann hat in seinem Blog dazu so Stellung genommen: „Die volle neue Einseitigkeit

 

 


* beinahe nur – Ich will denen nicht Unrecht tun, die aus tiefem Herzen das Grauen der Shoah beklagen.

 

Der Film „Ein Tag in Auschwitz“ ist mit begleitendem Material auch für den Unterricht an Schulen vorgesehen.

 

 

 

Halbes Gedenken und ganzes Vergessen… 3. September, 2019

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, HOLOCAUST, medien, politik.
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Vor 80 Jahren brachen die Deutschen den Zweiten Weltkrieg vom Zaun.

Das ist wohl noch die harmloseste Bezeichnung des unheilvollen Wahn, den Hitler von langer Hand plante und mit Hilfe der begeisterten Volksgenossen und der ihm treu ergebenen Wehrmacht umsetzte. An anderer Stelle las ich die irreführende Formulierung, ‚der Zweite Weltkrieg sei ausgebrochen‘. So wie eine Masernepidemie oder ähnliche Massenerkrankungen halt ausbrechen können. Niemand trägt dafür die Verantwortung.

Für das große Morden gab es aber Verantwortliche – und uns Nachgeborenen bleibt die abgrundtiefe Scham über die Verbrechen der Altvorderen und die Verantwortung dafür, dass sie sich nie wieder in unserem Namen wiederholen mögen. Jedenfalls sind das die Textbausteine, die in keiner guten Erinnerungs- und Gedächtnisrede fehlen dürfen. Und ich meine das keineswegs ironisch…. es ist eine Anmerkung, die meiner Erfahrung mit dem Anhören solcher Reden entspricht.

Achtzig Jahre sind eine lange und kurze Zeit zugleich. Ein Menschenleben währt in der Regel  nach Auskunft der Bibel (Psalm 90,10) Siebzig Jahre und wenn es darüber hinaus fortbesteht, so wird ihm gemäß biblischer Ansage Mühe und Arbeit als „köstliches Ding“ attestiert.

Achtzig Jahre im Gedächtnis der Völker sind aber eine sehr kurze Zeitspanne und die  Erinnerungen über die Wunden, die geschlagen und erlitten wurden, zeigen genau darin das Zwiespältige des gemeinsamen Erinnerns auf:  Es gab die, die die Wunden schlugen und die, die daran furchtbar gelitten haben. Das lässt sich auch mit guten Reden nur schwer darstellen, wie viel weniger mit einer schlechten, weil mangelhaften Rede!

Es war unserem Bundespräsidenten vorbehalten, so eine schlechte Rede in gut gemeintem Betroffenheitsmodus zu halten.  In Polen.

Mit dem „Überfall auf Polen“ begann der Krieg, der 60 Millionen Menschenleben forderte…  Familien ins Unglück stürzte, sie unvorstellbarer Gewalt und kaum nachvollziehbarem Leid aussetzte  – oder gleich  ganz auslöschte. Herr Steinmeier setzte diese Schuld der Deutschen aufs Trefflichste in bildhafte Rede  – und schlug dennoch furchtbar fehl, „vergaß“ er doch schlicht und ergreifend das ungeheure Verbrechen, das wie kein anderes  das Wüten der Deutschen – Nationalsozialisten wie Christen und Gleichgültige gleichermaßen darin verstrickt – unübersehbar deutlich bis in unsere Gegenwart und Zukunft hinein kennzeichnet: Den Mord an den europäischen Juden, der mit ungeheurer Präzision im von Deutschen besetzten Polen organisiert und durchgeführt wurde. Hat Herr Steinmeier das nicht im Blick gehabt, hat er vergessen, dass Willy Brandt angesichts dieses unvorstellbaren Grauens in Warschau buchstäblich auf die Knie ging, weil Worte – so demutsvoll sie auch gesprochen sein mögen – einfach nicht ausreichen, niemals ausreichen werden?

Wenn man sich dann noch daran erinnert, dass Herr Steinmeier  in demutsvoller Gebärde am Grabmal eines der größten Terroristenführer unserer Zeit einen Kranz niederlegte, dann muss dieses „Vergessen“ umso schwerer wiegen, dann zeigt dieses „Vergessen“ mehr als deutlich, was davon zu halten ist, wenn Herr Steinmeier sich gegen Antisemitismus und für „Frieden in Nahost“ ausspricht – es ist nichts als eine Aneinanderreihung inhaltsleerer Worthülsen…. und es lässt mich in ratloser Fassungslosigkeit zurück. Vertraut er blind seinen Redenschreibern – und was geht in denen vor? Liest er sich das Elaborat seiner Helfershelfer nicht durch, fällt ihm gar nicht auf, was er da liest, besser gesagt, eben nicht zu lesen kriegt? Entsprechen die Worte dieser Reden seinen eigenen Gedanken und Gefühlen? Beugt er sich – in Ramallah – „nur“ dem Protokoll, wenn er sich vor Arafat verbeugt und fehlt ihm der Mumm, der Mut, die eigene Gewissheit und charakterliche Größe, an dieser Stellen dem Protokoll zu wider zu handeln oder eine Rede um das zu ergänzen, was jede normale menschliche Regung angesichts dieser ungeheuerlichen Geschichte doch sofort ins Bewusstsein rücken würde?

Es gab einmal eine Zeit, da habe ich Herrn Steinmeier auch ob seiner Hilfe für seine krebskranke Frau sehr geschätzt.  Er hat längst meine Achtung verspielt durch nichtssagendes  Gedenkgeschwafel und durch sein Handeln, das dem Gerede Hohn spricht und /  oder es vollkommen demaskiert ins Gegenteil verwandelt.

 

Dass er darüber hinaus die „Gedenkrede“ quasi zur Werbeveranstaltung  für die EU instrumentalisierte, ist angesichts der derzeitigen außen- wie innenpolitischen strategischen Ausrichtung schon kaum mehr „nur“ als schlechter Geschmack zu benennen. Es gibt sicher viele, die ihn dafür loben. Das Medienecho ist entsprechend, wie dieses Beispiel zeigt.

 

Das Befremden, das Steinmeiers „Vergesslichkeit“ auslöste, findet hingegen in den offiziellen Medien kaum Beachtung. Auch das spricht Bände über die Verfasstheit unserer Nachrichtenerzähler und ihrer Abonnenten.

 

 

 

 

  

Standpunkt – Holocaust 3. Februar, 2018

Posted by Rika in antisemitismus, aus meinem kramladen, HOLOCAUST.
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Via Facebook erst erfuhr ich von einem Interview, das Ingo Zamperoni  (ARD) mit Alice Weidel (AfD) in den „Tagesthemen“  am Tag der Holocaust-Gedenkveranstaltung im Bundestag  geführt hatte.

Einschub:

Ich habe die beeindruckende Rede der Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch während der Gedenkstunde miterlebt. Diese Rede spricht für sich. Für den unvorstellbaren Schrecken, für die Maßlosigkeit des Mordens, für die unbarmherzige, bar jeder Menschlichkeit durchgeführte „Endlösung“. Frau Lasker-Wallfisch redet in einer Klarheit und Deutlichkeit, die keinerlei Spielraum lässt für Ausflüchte und Entschuldigungen. Sie schont sich nicht – das Erinnern muss doch immer noch grausam schmerzen – und sie schont uns nicht. Sie gewährt uns keine kleinen Fluchten… außer denjenigen, die in aller Unmenschlichkeit damals Menschlichkeit gelebt und den Verfolgten geholfen haben.  Und es hat mich irritiert und verstört, dass an manchen Stellen ihrer Rede Beifall im Plenum aufbrandete, an denen betretenes und betroffenes Schweigen angebracht gewesen wäre. 

 

Ein Diskutant bei Facebook nahm das Interview in der ARD zum Anlass, über die ethische und moralische Fehlbarkeit der AfD-Politikerin zu schreiben. Ich halte sowohl das Interview, wie die Stellungnahme dazu für unredlich, dem Gedenken  vollkommen unangemessen.

Nichts und niemand sollte in Deutschland den Holocaust instrumentalisieren für seine politischen Ansichten … so edel sie auch sein mögen.

Wir erleben es doch Jahr für Jahr, wie dieser ursprünglich so wichtige Appell „NIE WIEDER“ zunehmend verwässert wird, relativiert wird, auf alles und jedes angewandt wird, was irgendwie geeignet ist, sich moralisch über andere zu erheben oder Stimmung für oder gegen andere Meinungen und Wertvorstellungen zu machen.

Ich erlebe mit Schaudern, wie die Gedenkveranstaltungen zu reinen Pflichtübungen verkommen, Leute Betroffenheit heucheln oder mimen, die sich einen Dreck darum kümmern, wie es Juden heute in Deutschland geht, die es mit größter Gleichgültigkeit aufnehmen, dass jüdische Einrichtungen mehr als 70 Jahre nach dem Kriegsende immer noch geschützt werden müssen, die es gar nicht zu interessieren scheint, was bei Demonstrationen in Deutschland auf den Straßen wieder gebrüllt wird. Ich bin entsetzt darüber, dass es Menschen gibt, die „nie wieder Antisemitismus“ sagen und gleichzeitig dazu aufrufen, Israel zu boykottieren und die ihre unverhohlene Abneigung gegen den jüdischen Staat als berechtigte Kritik an der Politik der Regierung Israels „tarnen“, frei nach dem Motto: Ich habe ja nichts gegen Juden, aber das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Ich wehre mich strikt gegen jegliche Relativierung des Holocausts und darum habe ich meinem Gesprächspartner dies   erwidert – dazu stehe ich – das ist mein Standpunkt, Zitat:

 

Ich habe schon vor Jahren das Buch Anita Lasker-Wallfischs gelesen: „Ihr sollt die Wahrheit erben“… DAS ist doch der Sinn und meiner Meinung nach der einzige Sinn des Gedenkens: Zu „unserer“ Wahrheit gehört es, dass Deutsche mit unvorstellbarer Präzision und sagenhafter Organisation nahezu alle europäischen Juden umgebracht haben – auf unvorstellbar grausame Weise. Das und nur das ist die Wahrheit. Und ich finde, dass man am Tag des Gedenkens weder politische Propaganda noch Relativierung des Holocaust betreiben darf, indem man irgendwelche Vergleiche zu den heutigen Verhältnissen zieht. Die Verhältnisse sind weder auf Seiten der “ möglichen Täter“  – ob von rechts oder von links oder religiöser Provenienz ,  noch auf Seiten möglicher Opfer – ganz gleich welcher Art und Weise auch immer –  so, wie sie in Deutschland während des Nationalsozialismus waren. Das gilt für Kirchen, Christen, Muslime, Politiker, Parteien und Verbände. Die einzigen, die tatsächlich wieder berechtigte Sorgen haben können – aus begreiflichen Gründen – sind Juden, also die Nachfahren der Opfer von damals. Alle anderen Menschen in diesem Land haben – verdammt noch mal – nicht das Recht den Holocaust in irgendeiner Weise für sich zu „nutzen“!!! Das gilt auch für Moderatoren, die sich ganz offensichtlich profilieren wollen.

 

Dem will und kann ich nichts hinzufügen.

 

Holocaust…. 29. Januar, 2017

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, judentum, politik.
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Zum ersten Mal mit dem „Begriff“  HOLOCAUST  konfrontiert wurde ich durch die amerikanische Fernsehserie „Holocaust – die Geschichte der Familie Weiss“, die 1979 auch im deutschen Fernsehen gesendet wurde.

Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, den Begriff  HOLOCAUST  je zuvor gehört zu haben.

Wohl erinnere ich mich daran, dass später im Elternrat der Schule meiner Kinder darüber diskutiert wurde, ob man diese Serie Kindern zumuten dürfe. Viele Eltern sprachen sich dagegen aus, ich vertrat damals die Meinung, dass man das, was Deutsche damals jüdischen Kindern „zugemutet“ hatten, die Qualen an Leib, Seele und Geist zu erleiden, durchaus in filmischer Darstellung den heute in Frieden und Freiheit lebenden Kindern zumuten dürfe, zumal die Serie auf schulgerechte Länge gestutzt und um allzu grausame Details „bereinigt“ war.

Für das, was Deutsche den europäischen Juden angetan hatten, gab es meiner Erinnerung nach vor dem Ausstrahlen dieser Fernsehserie  keinen „Begriff“ im allgemeinen Sprachgebrauch, ja, eigentlich gab es auch kaum ein allgemeines Sprechen oder Reden über das  Schreckliche, das Böse, das unaussprechlich Furchtbare. Zu meiner Schulzeit zwischen 1956 und 1966 und auch während meines ersten Studiums  von 1967 – 1972 wurde nicht über  „das“ offen geredet, was  in den nichtjüdischen Familie  in den Gesprächen der Älteren anklang, es wurde von „Judenverfolgung“, verharmlosend von „Reichskristallnacht“ gesprochen,  ganz allgemein erklärt, dass im Dritten Reich Juden  verfolgt und in Lagern umgebracht wurden.

Meine ersten detaillierten Informationen über das Grauen entnahm ich  einem Roman, den meine Eltern im Bücherregal stehen hatten und den ich heimlich las, weil er ja eigentlich für Erwachsene gedacht war, ich aber noch im zarten Teenageralter oder sogar etwas jünger war… so genau weiß ich es nicht mehr. Der Roman hieß „Exodus“, von Leon Uris.

Was ich da las, konnte ich nicht fassen.

Und ich begann zu fragen … meine Eltern, meine Großeltern, Tanten und Onkel, sogar die Freunde meiner Eltern. Manchmal, so erinnere ich es, kam es dabei zu heftigen Diskussionen und Vorwürfen meinerseits. Ich bin in einer gläubig-frommen Familie aufgewachsen. Wir gehörten einer sogenannten Brüdergemeinde an. Ich erfuhr von Bespitzelungen der Gottesdienste durch die Gestapo während der Naziszeit … und von Angst. Meine Großväter lebten aber in der festen Überzeugung, dass, wer die Juden antaste, Gottes Augapfel antaste, so habe ich es von ihnen selbst gehört, aber auf meine vorwurfsvolle Frage, warum sie denn Gottes Augapfel nicht geschützt hätten, gaben sie keine Antwort.

Erst viel später, als ich mich intensiv mit mir selber auseinander gesetzt hatte und mir die Frage gestellt hatte, wie ich damals reagiert hätte, und ich diese Frage nicht wirklich abschließend zu meinen Gunsten beantworten konnte, habe ich aufgehört, meine Familie dafür zu verachten, dass sie nichts gegen Hitler und das Regime unternommen hatte. Im Wissen um das, was geschehen ist, kann man sich leicht zum mutmaßlichen Widerstandskämpfer stilisieren, aber ich bin ein Mensch, der sich schnell begeistern kann, wenn jemand mit genügender Überzeugung für seine Sache wirbt. Ich bin aber auch jemand (geworden), der schlecht damit umgehen kann, wenn anderen Unrecht geschieht, dann mische ich mich ein, argumentativ oder tatkräftig. Wenn ich heute über die Frage nachdenke, wie ich mich verhalten hätte zu Adolfs Zeiten, kann ich mir aufgrund meiner Struktur beides vorstellen, damals nämlich ein Anhänger und Bewunderer gewesen zu sein oder ein erklärter Gegner. Und vielleicht hätte mich die Angst ebenso gelähmt, wie meine Familie damals. Ich bin nicht stolz darauf (und heute habe ich eine sehr klare Haltung)  und genau das macht mich heute wachsam für Situationen und politische Entwickelungen, die ich als gefährlich ansehe. Gefährlich für mich, für unsere Gesellschaft, für die Zukunft.

Doch zurück zu meiner Überschrift über diesen Blogbeitrag:

HOLOCAUST

Wer von uns verbindet den Begriff heute noch so  exclusiv  mit der Vernichtung der europäischen Juden?

Wer denkt bei Holocaust zuerst an  SECHS MILLIONEN GETÖTETE JUDEN ?

In der diesjährigen Gedenkstunde des Bundestages anlässlich des  „Holocaustgedenktages“ am vergangenen Freitag gedachte man der  Euthanasie-Opfer während der Nazizeit; von Juden war in keinem einzigen Satz die Rede.  Nicht dass man mich falsch versteht, ich finde es richtig, auf die vielen, vielen Menschen hinzuweisen, die als „unwertes Leben“  im Zuge der Euthanasie-Aktion der Nazis getötet wurden. Auch sie waren Opfer einer fürchterlichen Ideologie, die sich anmasste, Menschen einen Wert zuzumessen oder abzuerkennen, sie für lebenswert zu halten oder sie „als Last für  den Volkskörper“ dem Tode preis zugeben.

EINSCHUB: Wir müssen meiner Meinung nach gut aufpassen, ob dies nicht in anderer Form wieder zum Tragen kommt, etwa in der pränatalen Diagnostik, wenn es darum geht, ob ein Fötus, ein Kind, das das Down-Syndrom oder eine andere Form der Behinderung  hat, ausgetragen werden soll oder nicht, ob es seiner Familie zumutbar ist oder nicht. Gleiches gilt bei der Frage, welche medizinische Versorgung Schwer- und Schwerstkranken lebenslang zuteil werden darf / soll / muss und unter welchen Umständen der Tod eines alten und / oder schwerkranken Menschen bewusst mit Hilfe von Medikamenten herbei geführt werden soll / darf oder nicht.)

Der Holocaust, die geplante und straff organisierte Vernichtung der Juden hatte aber noch eine weitere,  eine andere erschreckendere Dimension, sie richtete sich ausdrücklich und ausschließlich, mit dem vermeintlich legalen Hinweis auf die angeblich „mindere Rasse“  gegen die Angehörigen des jüdischen Volkes – und gleichzeitig  traf es Deutsche, Holländer, Ungarn, Franzosen, Griechen, Italiener, Ukrainer, Polen… allesamt jüdische Bürger ihrer jeweiligen Heimatländer

In vielen Städten, so auch in Hannover, gibt es ein Mahnmal oder eine Gedenkstätte, auf den Holocaust hinzuweisen. In Hannover wurde seit der Errichtung des Mahnmals an dieser Stelle der Opfer gedacht. Das Mahnmal liegt zentral, mitten in der Stadt, alle (den Behörden bekannten) Namen der Hannover’schen Opfer sind eingraviert, ihr Alter ist angegeben, das Datum und der Ort ihrer Deportation. Sie, die Opfer, sollten wieder mitten in die Stadt zurück geholt werden, als ein Zeichen, dass sie hierher gehörten und gehören.  Am Holocaustgedenktag legten Vertreter der Stadt Hannover, des Landes Niedersachsen und die der jüdischen Gemeinden in Hannover dort Kränze nieder und es wurde in Ansprachen der Menschen gedacht.  Ich habe in all den Jahren ebenfalls das Mahnmal aufgesucht am Tag des Gedenkens, habe eine Kerze angezündet oder Blumen hinterlegt an der Stelle, an der der Name eines Angehörigen meiner Freundin eingraviert ist. In diesem Jahr wunderte ich mich und war verstört, dass weder Kränze noch Blumen am Mahnmal zu sehen waren. Dann fiel mir ein, dass in Hannover Ahlem, auf dem Gelände der ehemaligen israelitischen Gartenbauschule  die zentrale Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust eingerichtet worden ist, weil dort die hannoverschen Juden von SS und Gestapo gesammelt wurden, bevor  von dort aus die Deportationen selbst begann.

Ahlem liegt weit vom Zentrum entfernt.

Wer nimmt es überhaupt wahr, dass dort der ermordeten jüdischen Bürger Hannovers  gedacht wird?

Doch vermutlich nur diejenigen, die sich ohnehin mit dem Thema beschäftigen.

Zwar waren in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler einer berufsbildenden Schule an der Gedenkzeremonie beteiligt,  doch  für die meisten Hannoveraner blieb das Erinnern „unsichtbar“, so wenig im Bewusstsein der Bürger, wie die Tat damals, denke ich ….

Im Internet lese ich und das Fernsehen berichtete auch bereits, dass Herr Trump in seiner Ansprache zum Gedenken an den Holocaust zwar der „Opfer“ gedachte, aber mit keinem Wort die Juden erwähnte. Und natürlich wird er dafür heftig kritisiert.

Aber vielleicht ist es auch ganz anders, als alle Kritiker ihm vorwerfen, und für ihn ist allein schon der Begriff   „HOLOCAUST“ explizit und eindeutig, eben „nur“  verbunden mit der Vernichtung der europäischen Juden, und es kommt ihm darum gar nicht in den Sinn, extra auf die „jüdischen Opfer“ hinzuweisen.

Bei uns in Deutschland gibt es Gruppierungen, die von einem „Holocaust“ an Tieren reden, die von einem „Holocaust“ fantasieren, der in Gaza stattgefunden haben soll, verübt durch Israelis, die angeblich aus dem Holocaust nichts gelernt hätten.

Der beinahe schon inflationäre Gebrauch des Begriffs, der ursprünglich für das „Singuläre“ für die  Vernichtung des europäischen Judentums  stand, kann meiner Meinung nach dazu führen, dass immer weniger Menschen sich mit dem furchtbaren Schrecken der Ermordung von 6 Millionen Juden befassen.

Ich habe mir schon vor einiger Zeit angewöhnt  das hebräische Wort „Shoah“ zu gebrauchen, wenn ich über die Vernichtung der Juden spreche.

In Israel käme vermutlich kein Mensch auf die Idee, SHOAH anders zu verstehen…..

oder das Wort anders zu gebrauchen.

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Siehe dazu auch diese Erklärung bei HaGalil

Was geht in diesen Köpfen vor? 7. April, 2013

Posted by Rika in antisemitismus, gesellschaft, israel, judentum, terrorismus.
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Ein von der deutschen Bevölkerung gewählter Führer setzte während seiner Regierungszeit einen furchtbaren Plan in die grauenvolle Tat um – mit Wissen und Hilfe sehr, sehr vieler „deutscher Volksgenossen“, wie es in der damaligen Sprachregelung hieß. Später wollen es nahezu alle Volksgenossen nicht gewusst haben, was mit den Juden passierte. Zwar hatte man mitbekommen, dass jüdische Geschäfte schlossen oder „arisiert“ wurden, wie die propagandistische Lesart für enteignen war, dass jüdische Nachbarn „plötzlich“ nicht mehr da waren, jüdische Mitschüler „verschwanden“, Ärzte, Lehrer, Anwälte, Musiker und Künstler nicht mehr arbeiten durften, Sammelstellen für jüdische Mitbürger eingerichtet wurden und es keineswegs die nette Kinderlandverschickung war,  die jüdischen Kindern in ganz Europa drohte,  und es nicht einfach nur eine „Umsiedlung“ von Juden war, wenn Güterzüge (gen Osten) rollten, aber natürlich hatte man selbst nichts damit zu tun! Selbst die überzeugtesten Mittäter waren nach der Befreiung durch die Alliierten abgetaucht ins Dunkel der Geschichte und / oder wuschen ihre  blutigen Westen rein wie Schnee (oftmals mit Hilfe von Ämtern oder Kirchen….).

6 MILLIONEN JUDEN WURDEN AUS EINEM EINZIGEN GRUND GETÖTET:

SIE WAREN JUDEN!

In Israel beginnt mit diesem Abend der Tag des Gedenkens an die Toten.

Morgen werden die Sirenen heulen und das Land wird stillstehen.

6 Millionen Menschenleben sind ausgelöscht worden durch den (angeblich) blinden  Fanatismus  sich überlegen fühlender Menschen in Deutschland – und einigen ihrer Helfer in den von Deutschen besetzten Ländern.

Heute hat sich eine Gruppe von Menschen vorgenommen, ISRAEL  auszulöschen aus dem Internet. Und ganz sicher ist es kein Zufall, dass sie sich ausgerechnet den heutigen Tag ausgesucht haben für ihre  perverse Aktion.

Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor?

Wie hasserfüllt müssen sie sein, um am Abend des Gedenkens für 6 Millionen „ausgelöschte“ jüdische Leben Israel „auslöschen“ zu wollen.

Mir fehlt die Vorstellungskraft für solch perfides und verachtungswürdige Denken und mir fehlen die Worte, es auch nur annähernd angemessen zu kritisieren.

Es heißt, das sei eine „propalästinensische“ Aktion, um auf die Lage der „Palästinenser“ aufmerksam zu machen.  Kann man seiner Verachtung für Israel und die jüdischen Israelis mehr Ausdruck verleihen, als durch so ein Vorhaben – abgesehen von den beinahe täglichen Angriffen auf Israel im ganz „realen Leben“?!  Und stellen sich nicht alle an der Aktion beteiligten (rein ideologisch gesehen)  in eine Reihe mit denen, die die 6 Millionen Juden umgebracht haben?

Ulrich Sahm berichtet über den Angriff:

Cyberattacke: Am Sonntag wird Israel ausgelöscht

Und kein Wort von denen, die sich doch sonst die Menschenrechte auf ihre Fahnen schreiben und achtgeben, dass gerade „wir als Deutsche“ das Land, dem dieser Cyberangriff gilt, mit besonderer Aufmerksam betrachten und kritischem Freundschaftsdienst bedenken….

Und ich wünsche mir sehr, dass unsere Kanzlerin und unser Präsident mit aller Schärfe diese Attacke auf Israel verurteilten!

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