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Wie oft denn noch? 7. Oktober, 2022

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Ich kann es einfach nicht mehr hören oder lesen!

Wie oft denn noch müssen wir ohnmächtig Sätze wie diesen zur Kenntnis nehmen:

Wer Juden angreift, greift auch uns an!

Das ist heute als Überschrift in dem Hannover-Teil der HAZ zu lesen, die sich dabei offensichtlich auf den katholischen Bischof von Hildesheim, Heiner Willmer bezieht. (Seite 17 der Printausgabe der HAZ vom 7. Oktober 2022)

Wie schon so oft in den letzten Jahren kennt die verbale Solidarität nach einem Anschlag auf die jüdische Gemeinschaft keine Grenzen, diese, die Grenzen nämlich, werden eher in dem Nichtstun offenbar, das regelmäßig auf die zunächst geäußerte Betroffenheit folgt.

Wie immer nach Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Deutschland oder bei offen zutage tretendem Antisemitismus – wie zuletzt bei der DOCUMENTA in Kassel – ist die aufgeschreckte politische und auch religiöse Elite des Landes schnell mit dieser sehr spezifischen Betroffenheitslyrik zur Stelle, man zeigt sich entsetzt, geschockt, fassungslos, bekundet seine Solidarität mit „jüdischen Menschen“ (wie es heute in der HAZ zu lesen war), betont treuherzig, „die gesamte Gesellschaft sei gefordert, sich gegen Antisemitismus einzusetzen“ so der Vertreter der Schura. Und doch lässt man – = viele Personen des öffentlichen Lebens, die sich gegen Antisemitismus aussprechen, gemeinhin die vielen geäußerten verbalen Angriffe gegen Juden (insbesondere gegen Israel) folgenlos geschehen.

„Es kann nicht sein, dass Menschen, die sich an Gott wenden, mit Steinen beworfen werden“ erklärt Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes, und hat damit wieder so eine typische Wischiwaschi-Erklärung abgegeben, in der alle Menschen enthalten sind, „die sich an Gott wenden“.

Er hat ja im Prinzip recht mit dieser Aussage. Es kann in der Tat nicht sein, dass Gottesdienstbesucher mit Steinen beworfen werden, ob nun auf dem Weg zum Gottesdienst oder während des Gebets im Gotteshaus. Aber die Frage muss doch gestellt werden, welche anderen „Menschen, die sich an Gott wenden“, wurden in letzter Zeit mit Steinen beworfen? Ich bin noch nie einem Steinewerfer im Bannkreis meiner christlichen Gemeinde begegnet, weiß aber natürlich und habe es schon sehr oft persönlich miterlebt, dass vor jüdischen Einrichtungen die Polizei zum Schutz der Beter eines Gottesdienstes oder der Besucher besonderer Veranstaltungen aufzieht, aufziehen MUSS, sollte man besser sagen. Ich gehe davon aus, dass das auch am Gottesdienst zu Yom Kippur vor dem Eingang der Synagoge so war, warum und wie es aber dennoch zum Angriff auf die Synagoge und die Gottesdienstteilnehmer kommen konnte, ist nach wie vor unklar.

Eines wird doch ganz deutlich: Solange jüdisches Leben in Deutschland unter Schutz gestellt werden muss, ist der Antisemitismus immer noch allgegenwärtig, stark und virulent. Und es ist, neben dieser Notwendigkeit des Schutzes, ein Armutszeugnis sondergleichen, dass die versprochenen Schutzmaßnahmen, die nach den Vorkommnissen an Yom Kippur in Halle auch den jüdischen Gemeinden in Hannover zugesagt wurden, bis heute nicht zustande gekommen sind.

Das macht mich müde und wütend zugleich. Solange schon stehen diese Bitten und Forderungen als absolute Notwendigkeit im Raum, und so viele Monate und Jahre ist nichts geschehen. Dafür hören und lesen wir wieder die von Betroffenheit triefenden Bekenntnisse, die zum „Kampf gegen den Antisemitismus“ auffordern.

Da passt doch ein Artikel beinahe perfekt in den gewiss nicht so vorhersehbaren zeitlichen Zusammenhang, den ich bei Audiator entdeckte und der sich mit einem typisch deutschen Phänomen beschäftigt.

Hier kann man ihn nachlesen: https://www.audiatur-online.ch/2022/10/05/deutsch-bauen-in-palaestina/

Denn auch das gehört zum Gesamtbild des Antisemitismus, der so verheerende Züge trägt und in dessen Gefolge es auch in Hannover nach Aussage des Oberbürgermeisters Belit Onay „jeden Tag antisemitsiche Vorfälle“ gebe und der darum ergänzt: „Es ist wichtig zu zeigen, dass wir an der Seite der Gemeinde stehen“.

Ebenso wichtig, sage ich mit bitterem Unterton, wie es auch deutsche Diplomaten und Politiker immer beteuern: „Wir stehen an der Seite Israels“, um dann eilig ihre Aufwartung Herrn Abbas in Ramallah zu machen.

Etwas sarkastisch – und dem eigentlichen üblen Anlass wohl nicht geziemend – könnte ich darauf hinweisen, dass ein eiserner standfester Pfosten (eines Schutzzaunes) vermutlich hilfreicher und sinnvoller ist, als die verbale Beteuerung des „an der Seite stehen“… ob nun an der Seite der Gemeinde oder an der Seite Israels.

Am 9. November werden dann wieder Kränze an den Orten der von den deutschen „Volksgenossen“ im Tausendjährigenreich zerstörten Synagogen niedergelegt und Reden von „nie wieder“ gehalten. Wir sind ja inzwischen richtig gut darin, um zerstörte Synagogen und tote Juden zu trauern… Nur mit den lebenden Juden hier und anderswo tun wir uns schwer.

Mehr Informationen zum Geschehen in Hannover gibt es hier und hier

Siehe in dem Zusammenhang auch diesen alten Beitrag: https://himmelunderde.wordpress.com/2019/02/05/eine-zeremonie-der-schande/

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Rosch ha-Schana 25. September, 2022

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Mit dem Bild, das ich der Wikipedia-Seite entnommen habe, grüße ich meine jüdischen Freundinnen und Freunde und die jüdischen Leser, die meine Seite besuchen und wünsche allen:

שנה טובה ומתוקה

Mögen die Feiertage in Frieden und Ruhe gefeiert werden können und gleichzeitig der Beginn für ein friedvolles Jahr  5783  sein.

Wir alle sehnen uns nach Frieden, nach einem Leben ohne Krieg, Not, Angst und Verlust.

G’TT schenke uns diesen Frieden und SEINEN Segen zu unserem Tun und Lassen.

Nichts aus Fehlern gelernt…. 30. Juli, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Lange vor der Eröffnung der documenta 15 hat es ernst zu nehmende Befürchtungen und sogar Hinweise gegeben, dass Werke mit eindeutig antisemitischer Bildsprache oder Inhalten den Weg in die Ausstellung gefunden haben und von den Verantwortlichen nicht sorgsam genug „eingenordet“ und entsprechend kritisch untertitelt bzw. beschrieben worden seien.

Unmittelbar nach der Eröffnung löste ein Banner einer indonesischen Künstlergruppe Empörung aus, da es an prominenter Stelle im Zentrum der Stadt Kassel eindeutige antisemitische Motive zeigte. Das Werk wurde nach einer zähen Diskussion endlich entfernt. Im Zuge der Entdeckung weiterer „Kunstwerke“ antisemitischen Inhalts und nachdem der Antisemitismusbeauftragte des Landes Hessen gemeinsam mit jüdischen Verbänden und nicht-jüdischen Persönlichkeiten die Zuständigkeit des documenta-Vorstands gerügt und dessen Absetzung gefordert hatte, trat die verantwortliche Chefin zurück.

Damit hat aber die unsägliche Geschichte immer noch kein Ende gefunden, wie ich heute in der „Jüdische Allgemeine“ lesen konnte.

Mir ist unbegreiflich, dass nach dem Eklat zu Beginn der documenta nicht alles dafür getan wurde, neuerliche „Enthüllungen“ im Vorfeld zu vermeiden. Doch offensichtlich wurde eben nicht genau nachgeschaut und auch nicht genug geprüft. So geht Drama unverminderter und beschämender Art und Weise weiter.

https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/zentralrat-der-juden-und-american-jewish-committee-fordern-abbruch-der-documenta/

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zeigte sich fassungslos. »Diese documenta wird als antisemitische Kunstschau in die Geschichte eingehen«, erklärte er in Berlin. Mit Blick auf die neuen Funde umstrittener Bilder sagte Schuster: »Auch Herr Farenholtz selbst konnte oder wollte keinen Antisemitismus erkennen.« Dass die documenta wie geplant bis 25. September laufen könne, erscheine »kaum mehr vorstellbar«.

AJC-Berlin-Direktor Remko Leemhuis sagte: »Angesichts dieser jüngsten Entwicklungen und vor dem Hintergrund, dass die Verantwortlichen offensichtlich immer noch nicht begriffen haben, welchen Schaden die documentaangerichtet hat, kann es kein ›Weiter so‹ geben.« Ebenso erwarte man »endlich eine ernsthafte Entschuldigung der Verantwortlichen bei der jüdischen Community«. „

Der Fehler lag bereits zu Beginn – noch in der Planungs- und Aufbauphase – vor und konnte bis heute nicht behoben werden.

Der Fehler besteht in der Blindheit für die heutigen Formen eines sich immer noch virulent ausbreitenden Antisemitismus, u.a. auch in der Gestalt der Kritik an dem Staat Israel – der heute exemplarisch für Juden und Judentum steht – und die in einseitiger und unangemessener Weise selbst von gebildeten Menschen nicht nur verbreitet, sondern auch als legitim geradezu gefordert wird.

Richtig wäre es, die Kunstschau mit Ablauf dieses Monats zu beenden und eine intensive Phase der Aufarbeitung auf allen Ebenen anzuschließen.

Siehe in Ergänzung auch diesen Artikel: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/neue-judenhass-vorfaelle-bei-der-documenta-holocaust-ueberlebende-sind-fassungslos/

80 JAHRE und 7 Tage… 27. Januar, 2022

Posted by Rika in aktuell, antisemitismus, gesellschaft, HOLOCAUST, judentum, meditatives, politik.
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„80 Jahre und 7 Tage“

 

Diese Zeitspanne nannte der Präsident der Knesset des Staates Israel in seiner Rede im Deutschen Bundestag zum Gedenken der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und wies darauf hin, dass nur wenige Kilometer vom Reichstag entfernt das Haus am Wannsee steht, in dem vor 80 Jahren und 7 Tagen eine Konferenz hochrangiger Vertreter des Staates, der SS, der Wehrmacht, der Verwaltung stattfand, in der in nur wenigen Stunden das Schicksal der europäischen Juden besiegelt werden sollte, für immer verbunden mit dem Begriff „Endlösung“, der doch nichts anderes besagt, als VERNICHTUNG !

Vernichtung jüdischer Frauen, Männer, Kinder, Säuglinge und Greise aus allen Machtbereichen der Deutschen. Um die Mörder zu schonen – so kann man es in den „Wannsee-Protokollen“ nachlesen – musste das Morden effektiver, „Ressourcen schonender“ durchgeführt werden, der fabrikmäßig durchgeführte Massenmord nahm in einer schönen Villa in einer idyllischen Landschaft seinen Anfang.

Mickey Levy, der Präsident der Knesset, konnte während seiner Rede, in der er Teile des Kaddisch für die jüdischen Toten sprach, nur mühsam die Tränen zurückhalten …

Und dennoch – so dachte und denke ich – trotz der Trauer, trotz des Gedenkens an die Toten, die Entrechteten, Traumatisierten, trotz des Leids, das mit diesem Tag verbunden ist, ist es auch ein Tag des Triumphs des Lebens über die Mordpläne der Henker.

80 Jahre und 7 Tage nach den Beschlüssen zur „Endlösung“ steht der Präsident der Knesset des jüdischen Staates Israel im Parlamentsgebäude und vor den Abgeordneten des Deutschen Volkes und gedenkt der Toten und spricht doch von Aufbruch, Zusammenarbeit und Vertrauen.

ISRAEL und alle Juden weltweit haben in diesem Moment über Hitler und sein Verbrechensregime gesiegt – mit dem leidvollen Opfer von Sechs-Millionen Leben.

Daran will ich alle Tage meines Lebens erinnern.

Der Schrecken und das Morden der Nazis und all ihrer Helfer und Zuträger darf niemals vergessen werden.

Die Mahnung, die Mickey Levy mit nur zwei Worten aussprach, geht an uns alle:

NIE WIEDER

Antisemitismus darf niemals mehr die Oberhand gewinnen, ganz gleich, in welcher „Verkleidung“ er auftritt: nicht in seiner klassischen Form, nicht als Rassismus, nicht als religiöse Pflicht, nicht als Antizionismus, nicht als allgemeine „Kritik an Israel“, und schon gar nicht als neuerlicher Aufruf zur Vernichtung Israels und der Juden, wie es leider immer wieder bei Aufmärschen zum Al-Quds-Tag passiert.

 

 

Der Anregung zum Gedenken an die über eine Million ermordeten jüdischen Kinder folgend, brennen heute Kerzen in unserem Haus, am Fenster meines Arbeitszimmers und am Fenster der Vorderseite des Hauses.

Frohe Pfingsten… 31. Mai, 2020

Posted by Rika in christsein und glaube, gesellschaft, judentum.
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Frohe und gesegnete Pfingsten wünsche ich allen Lesern, die hier vorbei schauen.

 

 

Bei Facebook entdeckte ich diesen guten Beitrag, geschrieben am 28. Mai 2020  von Richard Bermann.

Mit Dank an den mir bisher nicht bekannten Autor hierher kopiert:

 

„Was hat das christliche Pfingsten mit dem jüdischen Fest Schawuot gemeinsam?

Christen begehen Pfingsten als ein Fest der Offenheit, der offenen Türen, der offenen Herzen und des aufgeschlossenen Geistes. Am 50. Tag Ihres Osterfestkreises, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, wird mit Pfingsten die Entsendung des „Heiligen Geistes“ gefeiert. Im christlichen „Neuen Testament“ wird erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem versammelt waren.
Wieso waren die Apostel und Jünger zu Schawuot in Jerusalem und was taten sie dort? Nun, die Antwort ist nicht so kompliziert und die Antwort lautet: weil sie allesamt Juden waren, feierten sie natürlich die jüdischen Feiertage, also auch Schawuot. Und auch noch im frühen Christentum war das so. Erst allmählich hat man den ehemals jüdischen Feiertagen andere Namen gegeben und auch andere Bedeutungen. Aber noch immer zählen Christen die Tage von Ostern bis Pfingsten. Es sind genau 50 Tage. Denn die christlichen Feste Ostern und Pfingsten gingen aus den jüdischen Festen Pessach und Schawuot hervor.
Was hat es mit diesem jüdischen Feiertag auf sich? Bei uns Juden liegen genau 7 Wochen zwischen Pessach und Schawuot (7 Wochen X 7 Tage ergeben = 49Tage + dem ersten Tag Pessach- das sind genau 50 Tage. Also genau die gleiche Zeitspanne wie im christlichen Osterfestkreis.)
Die Zeit zwischen den beiden Feiertagen heißt bei uns Juden „Sefirat Ha’omer“
zu Deutsch: „Omer-zählen“ Wörtlich bedeutet es „Garben zählen“, Getreidegarben um genau zu sein, es hat also eine landwirtschaftliche Bedeutung. Rituell werden die 49 Tage gezählt, indem man täglich nach Einbruch der Dunkelheit dazu einen Segensspruch spricht.
In diesem Jahr feiern wir Juden SCHAWUOT am 29. und 30. Mai. Da sich das jüdische Jahr nicht nach dem Gregorianischen Kalender richtet, sondern Juden einen Mondkalender haben, – genauer gesagt haben wir einen Lunisolarkalender (Mond- und Sonnen-Kalender), daher schwanken die Feiertage von Jahr zu Jahr im Vergleich zum weltlichen Kalender etwas.
In der Thora hat unser Fest mehrere Namen, bzw. Bedeutungen. Zum einen heißt es „Wochenfest“ „Fest der Ernte“ „Tag der Erstfrüchte“. Schawuot ist außerdem ein Erntedankfest, da zu dieser Zeit in Israel der erste Weizen geerntet wird.
Primär erinnert Schawuot aber an den Empfang der zweiten Zehn Gebote am Berg Sinai. Die ersten Zehn Gebote hat Mose laut Überlieferung zerschmettert, weil das jüdische Volk das Goldene Kalb schuf und anbetete, während er auf dem Berg Sinai war. Daraufhin ging Mose wieder auf die Spitze des Berges Sinai, um die neuen Gesetzestafeln zu erbitten.
Die sogenannten Zehn Gebote, die im hebräischen Original „Asseret ha-Dewarim“, also die „Zehn Worte“ heißen, sind dem Volk Israel nach seinem Auszug aus Ägypten in der Wüste am Berg Sinai von G’tt offenbart worden Sie sind Teil des mit Israel geschlossenen Bundes. Jedoch sind die Zehn Gebote, nur Teil der das jüdische Leben regelnden 613 Ge- und Verbote.
Und diese Tafeln, mitsamt der darauf verzeichneten Worte waren es, die zunächst in der heiligen Bundeslade und später im inneren und heiligsten Ort des Jerusalemer Tempels aufbewahrt wurden. Das verdeutlicht, dass die Zehn Gebote eine besondere Stellung innerhalb unseres Gesetzeskompendiums einnehmen. Nimmt man die Quersumme der 613 in der Thora enthaltenen Gesetze, zählt man also die Zahlen 6, 1 und 3 zusammen, so ergibt dies die Zahl 10. Die Zehn Worte oder zehn Gebote.
Sie sind gewissermaßen die Überschriften unter denen alle folgenden Vorschriften aufgezählt werden können. Sie sind die Kategorien, in die sich die weiteren Gebote einordnen lassen. Sie bilden die Grundprinzipien des jüdischen Glaubens.
Historisch waren die vorerwähnten Omer-Tage für das jüdische Volk oft von Katastrophen geprägt, u. a. der Tod von 24.000 Studenten des Rabbi Akiwa als Folge einer Epidemie während des Bar-Kochba-Aufstandes gegen die Römer (im Jahr 132 bis 135), die Ausschreitungen und die vielen Tote während der Zeit der Kreuzzüge (1096–1099) oder der Aufstand im Warschauer Ghetto und die Judenvernichtung in der Nazizeit, um nur einige zu nennen.
Deshalb werden in der Omer-Zeit auch keine freudigen Ereignisse gefeiert, man heiratet nicht in dieser Zeit, kauft keine neuen Kleider, man schneidet seine Haare nicht und hört auch keine heitere Musik, usw. Es gibt aber eine Ausnahme, der 33. Omer-Tag (18. Ijar). An diesem Tag, dem Lag baOmer, sind Hochzeiten erlaubt, weil nach der Tradition an diesem Tag das Sterben der Studenten Rabbi Akiwas endete.
Lag baOmer selbst ist ein fröhliches Fest und fand in diesem Jahr am 12..Mai statt.
Die verschiedenen einschränkenden Gebote der Trauerzeit, die für die 49 Omer-Tage zwischen Pessach und Schawuot gelten, sind an diesem Tage aufgehoben. Kinder und Erwachsene veranstalten Picknicks und versammeln sich um Lagerfeuer.
Vor allem aber können an diesem Tag Hochzeiten durchgeführt werden – ein Angebot, von dem reichlich Gebrauch gemacht wird und darf sich auch wieder die Haare schneiden lassen. In diesem Jahr musste CORONA-bedingt alles ausfallen.
An Lag baOmer wird sonst üblicherweise auch die Zeremonie der Chalaka durchgeführt. An diesem Tag werden die Söhne, die schon drei Jahre alt sind, zum ersten Mal die Haare geschnitten. Dieser Brauch geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Soweit zu diesem Feiertag.
Christen glauben in der Regel an einen Gott, der sich dem Menschen in drei Formen offenbart, der sog. Dreieinigkeit oder Trinität. Gott als Vater und allmächtigen Schöpfer und dazu Joshua,den Christen Jesus nennen Doch gemäß dem apostolischen Glaubensbekenntnis fehlt noch etwas: „der Heilige Geist“. Für viele ist dies ein schwammiger Begriff. Im biblischen Urtext steht für das deutsche Wort „Geist „– das hebräische Wort „ruach“ entnommen aus der Thora oder wie Sie es nennen, dem „Alten Testament“. „Ruach“ lässt sich am besten mit Hauch, Luft oder Wind übersetzen. Martin Luther war es, der es mit „Heiliger Geist“ oder „Geist G“ttes“ übersetzte. An manchen Stellen spricht er auch vom „Atem G“ttes“.
Bereits im 1. Buch Mose Kap.1-2 berichtet die Thora vom Geist Gottes. Diese Stelle belegt seine Existenz schon vor der Schöpfung. Von hier an erscheint der Begriff in vielen Kapiteln hindurch in der Thora bzw.Heiligen Schrift. Insgesamt 44 Mal ist der Begriff zu finden.
Dieser „Geist G“ttes“ soll als Ratgeber gesehen werden, der sagt, was Recht und Unrecht ist, um besser gegen die Sünde anzukämpfen – und er soll helfen, seinen Lebensstil nach Gottes Willen zu ändern. Die Zehn Gebote sind nun seit über 3000 Jahren im Judentum bekannt. Seit 2000 Jahren sind sie auch zu einem festen Bestandteil des Christentums geworden.
Die Bedeutung des Schawuot – Festes hat sich mit den Zeiten ausgeweitet: es gehört übrigens zu den drei Pilgerfesten, zu denen in Zeiten des Tempels die Juden von überall her nach Jerusalem pilgerten. (Pessach-Schawuot-Sukkot)
Sieben Wochen ist nach Israels Zählung das Volk nach der Befreiung aus Ägypten am Sinai angekommen, die Befreiung war am Sinai „abgeschlossen“, deshalb auch der Name „Schlussfest“. Was aber geschah am Sinai?
Die Thora, die für jede weitere Wegstrecke wichtige Weisung, wurde am Berg Sinai gegeben. Von da an konnte das jüdische Volk lernen, mit der Thora in der Freiheit zu leben. So heißt das Fest auch „Fest der Thoragabe“.
Die Menschen empfingen den konkreten und aktuellen Auftrag, hier und jetzt, mit und nach der Thora zu leben, ihren Inhalt der Welt verständlich zu machen, ihre Botschaft zu verwirklichen, dem Recht und der Gerechtigkeit, dem Frieden, der Liebe und der Ehrfurcht Gestalt zu geben“.
Manche Juden studieren und lernen die ganze Nacht in der mit frischem Grün geschmückten Synagoge oder zuhause. Im Mittelpunkt stehen die Gesetzestafeln mit den 10 Geboten, die Übergabe der Tafeln des Bundes an Mose.
Am zweiten Tag des Schawuot-Festes wird das Buch Ruth gelesen, die zur Zeit der Weizenernte mit ihrer Schwiegermutter Naomi nach Bethlehem kam. Darin wird von ihrer Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit und ihrem Mut erzählt.
Die Geschichte des Judentums ist von dem Ereignis der Thoragabe entscheidend bestimmt worden. Es gibt viele Feste im Judentum von großer Bedeutung – befreiend und katastrophal, glorreich und traurig, doch das Ereignis der Thoraübergabe ist das zentrale, wegweisende Fest.
Für die frühen Christen, die messianisch erfüllten ersten kleinen Gruppen in den Städten des östlichen Mittelmeeres und Kleinasiens, bekamen die Feste Pessach und Schawuot neue und „erfüllte“ Bedeutung. Christinnen und Christen begannen, die Feste ihrer jüdischen Herkunft mit diesem Glauben zu füllen. Um das Jahr 100 u.Zt. können wir auch eine erste christliche Festordnung erkennen:
Das Passafest wurde zu einer Gedächtnisfeier – einem Tag der Trauer, wegen der Kreuzigung Jesu. Am darauffolgenden „Sonntag“ wurde dann ein Tag der Festfreude gefeiert: So wurden aus Pessach und Schawuot – Ostern und Pfingsten, die Grunddaten des Festkalenders beider Religionen. Befreiung und Thoragabe an das Volk Israel wurden so zur Geistgabe an die christliche Gemeinde.
Zeichenhaft setzen die christlichen Gemeinden die „Lange Nacht der Kirchen“ ein. (In diesem Jahr muss sie ebenfalls entfallen.) Damit sind aber die Akzente beider Feste betont: Das offene gemeinsame Lernen und Nachdenken über das „Unabgegoltene“ und weiterhin offene, „Verpflichtende“ der biblischen Tradition, das „Einladende“ an manche „Ruth“ unserer Zeit, das gegenseitig Wahrnehmende in Gemeinde und Gesellschaft.
Ich wünsche allen meinen christlichen Freundinnen und Freunden ein schönes und geistvolles Pfingstfest.“

 

 

 

 

Der Kommentar der Schande… 25. Januar, 2020

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2 comments

Es ist ein Kommentar der Schande.

Und damit er nicht verloren geht und wir uns auch in 5 Jahren noch daran erinnern können, wer und wie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Israel und den Holocaust  schreiben und / oder reden   darf und mit unsäglichen Worten die überheblichste und  mieseste Stellungnahme zum Holocaustgedenktag geschrieben hat, die ich je gelesen habe, teile ich diesen furchtbaren Text.

 

 

Leider eine vertane Chance
Stand: 23.01.2020 18:43 Uhr

„An Bundespräsident Steinmeier lag es nicht: Der Gedenktag in Yad Vashem wurde von den egoistischen Auftritten Israels und Russlands überschattet. Eine vertane Chance im Kampf gegen Antisemitismus.
Ein Kommentar von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Jerusalem

Dieser Tag in Jerusalem sollte ein Tag des würdigen Gedenkens sein und ein eindrucksvolles Signal für den gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus. Wie traurig, dass das nicht überzeugend geklappt hat. Ja, vieles war würdig und überzeugend, und dazu hat der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beigetragen.
Er wurde den Erwartungen an den ersten Redeauftritt eines deutschen Staatsoberhaupts in Yad Vashem gerecht und hielt als Vertreter des Landes der Täter eine beeindruckend einfühlsame und klare Rede – und das auf Englisch, wohlgemerkt. Eine Rede über deutsche Schuld und deutsche Verantwortung, darüber, dass es keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben darf und über die traurige Erkenntnis, dass Deutsche 75 Jahre nach Auschwitz nicht immun sind gegen das Böse. Wie sagte Steinmeier richtig: Der Antisemitismus von heute habe zwar andere Täter und benutze andere Worte, es sei aber trotzdem „dasselbe Böse“. Das war würdig.
Unwürdiges Verhalten von Israel und Russland
Unwürdig war dagegen, wie Israel und Russland diesen Gedenktag teilweise kaperten. Wie sie vor der offiziellen Veranstaltung sozusagen ihre eigene politische und erinnerungspolitische Privatparty feierten – mit neuen Verbalattacken gegen Polen und demonstrativ überlangen bilateralen Gesprächen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Präsident Wladimir Putin.
Wie sie die Einweihung eines Denkmals zur Erinnerung an die Belagerung Leningrads gnadenlos überzogen, wie sie 90-jährige, 100-jährige Holocaust-Überlebende eine Dreiviertelstunde lang in Yad Vashem warten ließen wie bestellt und nicht abgeholt – und dazu noch mehr als 40 Staats- und Regierungschefs.
Was ein würdiger Tag mit eindrucksvollen Signalen sein sollte, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, allen warmen Worten von „Nie wieder“ bei der Gedenkfeier und allen Beschwörungen der Einigkeit zum Trotz. Wie damals bräuchte es auch heute eine konzertierte, gemeinsame Anstrengung gegen neuen Antisemitismus, gegen neues völkisches Denken.
Es bleiben etliche Zweifel

Aber es sind Zweifel angebracht, wie viel internationale Einheit wirklich da ist und wie sehr letztlich nicht doch nationale Eigeninteressen dominieren. Dass Putin und Netanyahu immerhin ihre Auftritte bei der Gedenkveranstaltung in Yad Vashem eklatfrei hinter sich brachten, ändert nichts an diesen Zweifeln.
Und es sind Zweifel angebracht, ob aus dem Erinnern an diesem Tag und an denen, die in den nächsten Tagen noch folgen, ob aus all den nochmal erzählten herzzerreißenden Schicksalen der Toten und Überlebenden, ob daraus tatsächlich konkrete Schritte folgen, mit denen der grassierende weltweite Antisemitismus zurückgedrängt werden kann. Und so war dieser Gedenktag letztlich leider auch eine vertane Chance.“

Soweit der Kommentar Sabine Müllers vom Hessischen Rundfunk.

„Unwürdig war dagegen, wie Israel und Russland diesen Gedenktag teilweise kaperten.“

Hat man je so einen Satz lesen müssen, einen Satz, der nicht etwa die Täter beschuldigt wegen ihrer unvorstellbaren Morde, Brutalitäten, Verstümmelungen, Folterungen und ihrem schrecklichen, unmenschlichen Vernichtungswahn in jeder nur denkbaren Form nachgegangen zu sein, sondern ein Satz, der den Opfern und deren Angehörigen gilt?

1992 war ich zum ersten Mal in Israel und zum ersten Mal in Yad Vaschem, blind vor Tränen in der Halle der ermordeten Kinder, stumm vor Entsetzen in der Ausstellung der Dokumente, die das unvorstellbare Grauen der Lager und der Vernichtung bezeugen – bis heute. Die Wucht der – natürlich – in Deutsch verfassten Briefe und Protokolle, die den ganzen unfassbaren Wahn nicht nur der „Täter vor Ort“ in den Lagern, sondern den der Zuträger und Mitläufer in jeder noch so kleinen Stadt und Gemeinde Deutschlands für alle Zeiten offen legen, traf mich tiefer, als ich es je hätte vermuten können.

Es ist ausschließlich das Verdienst Israels, diese Zeugen der Geschichte zusammengetragen und der Welt zugänglich gemacht zu haben, Zeugen einer Geschichte des Grauens und der Finsternis, wie sie schlimmer nicht sein könnte.

Und da kommt diese Person daher und redet davon, Israel habe den Gedenktag teilweise gekapert? Hat sie denn nicht das kleinste Gespür für die Ungeheuerlichkeit dieses Vorwurfs? Mehr noch für die Dimension dessen, was Yad Vaschem bedeutet?

Ich kam damals nach Yad Vaschem nicht als Unwissende. Ich hatte mich mit der Geschichte des Antisemitismus, mit der Judenverfolgung in all den Jahrhunderten vor der Shoa beschäftigt und glaubte, auch alles über die Shoa zu wissen…. dieses „wissen“ bezog sich, wie ich sofort spürte, auf die rein verstandesmäßige Erfassung des Verbrechens, und obwohl ich immer schon  emotional von dem berührt war, was ich gelesen und erfahren hatte, diese unmittelbare Begegnung mit den Tätern durch ihre eigenen  Dokumente ihrer „Taten“ traf mich wie ein Schock. Ich wurde mit den Abgründen „meines Volkes“ konfrontiert und ich spürte, dass ich mich dem niemals würde  entziehen können – obwohl ich, 1949 geboren, nicht selbst zu den Tätern gehörte, aber vielleicht – und das ist doch die Frage, die wir uns bei allem Bekennen zu „nie wieder“ stellen müssen – doch die „DNA des Verbrechens“ in mir trage.

Können wir Nachgeborenen denn wirklich so sicher sein, wie wir uns im Tausendjährigenreich verhalten hätten? Wären wir begeistert gewesen von nächtlichen Fackelaufmärschen, Lagerfeuerromantik, feurigen Reden? Hätten wir heimlich oder sogar offen eingestimmt in „kauft nicht bei Juden“ (zeigt nicht die Anhängerschaft der BDS-Bewegung gerade in Deutschland, dass dieses Virus immer noch sehr virulent ist?)? Wären wir Zuträger gewesen für die GESTAPO und hätten wir Menschen mit abweichenden Meinungen „gemeldet“, wohl wissend, was Regimegegnern passierte? Oder wären wir abgetaucht in die innere Emigration, stumm geworden, unsichtbar? Hätten wir zu denen gehört, die sich mutig dem Geist des Nationalsozialismus entgegen stellen?

Und diese Person stellt sich hin und lobt unseren Präsidenten, den Repräsentanten des Tätervolkes und doch und gleichzeitig den Präsidenten, der mit den Mullahs kungelt, die Israel vernichten wollen und der sich vor dem Judenmörder Arafat verneigt und hebt die Würde seiner Rede hervor, während sie Netanjahu bezichtigt, den Gedenktag zu kapern!

„Dass Putin und Netanyahu immerhin ihre Auftritte bei der Gedenkveranstaltung in Yad Vashem eklatfrei hinter sich brachten, ändert nichts an diesen Zweifeln.“

Diese Person stellt mit ihrer Wortwahl – und das sicherlich mit voller Absicht – den Ministerpräsidenten Israels in eine Reihe mit den Despoten der Welt und tröpfelt das Gift ihres Hasses zielsicher mit jedem Wort in die unkritischen Ohren ihrer Zuhörer. Es sind Worte wie „immerhin“ oder „Auftritt“ die in diesem Zusammenhang eine suggestive Kraft der Verachtung entfalten. Sabine Müller wählt sie und nutzt sie wie weiland die Journalisten des „Stürmer“, um die unterschwelligen Gefühle zu aktivieren, die den Judenhass befeuerten.

Es macht mich fassungslos, ohnmächtig und beinahe stumm.

Es sind die ekelhaften Kommentare wie dieser, die dem Antisemitismus in Deutschland einen gehörigen Schub verleihen können, weil sie genau das Muster bedienen, das den heutigen Antisemitismus aller Orten aufblühen lässt wie Primeln am ersten Frühlingstag.   „Wir sind doch die Guten. Wir haben aus der Geschichte gelernt, aber  „Seht her, die bösen Juden in Israel versauen uns den schönen Gedenktag, der an unsere unermesslich schrecklichen Taten erinnert, aus denen WIR  gelernt haben, „nie wieder“ zu sagen. Nur die Juden wollen dieses „NIE WIEDER“ einfach nicht mitmachen, die stören unsere feierliche Totenklage.“

Nie, nie, niemals wieder möchte ich eine Rede unserer Politiker zum Holocaustgedenktag hören, solange dieser Kommentar nicht öffentlich, laut und deutlich von den Spitzenpolitikern aller Parteien, von der Kanzlerin, dem Präsidenten und der Ministerriege als schamlos, niederträchtig und zutiefst antisemitisch gebrandmarkt wird.
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E R G Ä N Z U N G

„Unwürdig war dagegen, wie Israel und Russland diesen Gedenktag teilweise kaperten. Wie sie vor der offiziellen Veranstaltung sozusagen ihre eigene politische und erinnerungspolitische Privatparty feierten – mit neuen Verbalattacken gegen Polen und demonstrativ überlangen bilateralen Gesprächen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Präsident Wladimir Putin.
Wie sie die Einweihung eines Denkmals zur Erinnerung an die Belagerung Leningrads gnadenlos überzogen,…“

„Erinnerungspolitische Privatparty“ …. „Erinnerung an die Belagerung Leningrads“
Auch hier eine bewusste Verachtung, schlimmer noch, eine entsetzliche Verharmlosung des Verbrechens, das Deutschlands Wehrmacht an der Bevölkerung Leningrads verübte. Es war ja nicht eine harmlose „Belagerung“, es war ein bewusstes Töten der Leningrader durch Aushungern. Bestialisch geplant und erbarmungslos ausgeführt.
Schlimmer als es Sabine Müller tut, kann man die Geschichte des Mordens kaum zu antirussischen / antiisraelschen Propagandazwecken ausschlachten – und ich wähle den Begriff mit voller Absicht, denn das ist es, eine neuerliche Vernichtung menschlicher Würde, diesmal mit Worten.
Was den Worten folgen kann, hat uns die 12-jährige Geschichte des Tausendjährigenreiches gelehrt.
Was auch immer man über Putins Macht und Diktatur denken und sagen kann, die Blockade Leningrade war ein Verbrechen. Ein Verbrechen von der deutschen Regierung geplant und ausgeübt. Dieses Gedenken an das ungeheure Verbrechens als „erinnerungspolitische Privatparty“ zu bezeichnen, ist eine weitaus größere Schande, ein überaus größeres Vergehen, als es die Verspätung Putins und Netanjahus je sein könnte.

 

 

 

9. November 2019 10. November, 2019

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Tag der Freude

Tag der Scham

Tag der Trauer

 

Ja, ich erinnere mich mit großer Freude an den 9. November 1989, an dem ich in fassungslosem Staunen das Wunder der  ungeplanten Öffnung im antifaschistischen Schutzwall zwischen der damaligen DDR und der damaligen Bonner Republik BRD im Fernsehen mit ansehen konnte.

Und dennoch tritt in meiner persönlichen Wahrnehmung dieser Freudentag immer hinter den anderen 9. November zurück, den Tag, an dem im Jahr 1938 überall in Deutschland die Synagogen brannten, jüdische Geschäfte zerstört, geplündert und ausgeraubt wurden, unsäglich viele Menschen gefangen genommen und in die Konzentrationslager verbracht wurden.

Dem Gedenken an die Pogrome – die sich ja nicht auf den 9. November beschränkten – mischen sich heute große Sorgen über den zunehmend virulent werdenden Antisemitismus bei, der neben den „altbekannten“ Akteuren der ewig gestrigen, dem Nationalsozialismus anhängenden Deutschen neue Gesichter und Formen des Judenhasses hervorbringt. Sie finden sich mitten unter uns, in allen Schichten der Gesellschaft…. bis hinein in die Spitzen von Parteien, Kirchenämtern und Regierungsangehörigen.

 

Die Anfänge, derer wir uns erwehren sollen, haben längst Fahrt aufgenommen … und manchmal bezweifele ich, ob wir überhaupt noch Zeit haben, um,   wie Bonhoeffer es formuliert hatte, „dem Rad in die Speichen fallen“ zu können….

 

Gestern war ich mit meinen Enkeln an der Stelle, an der 1938 in Hannover die Synagoge in Flammen aufging…  wenigstens das Vergessen können wir verhindern….

 

 

Hannover, Rote Reihe 6

 

 

 

 Mein letzter Satz klingt nach Resignation….
und gemahnt doch, aufzustehen und nicht müde zu werden….

 

Auslöschung… 1. Oktober, 2019

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Ich schaue mir meine Israelbilder an, weil ich ein „schönes“ Foto für eine Feier suche….

… und treffe natürlich auch auf die Bilder, die ich im vergangenen Jahr in der Gedenkstätte Yad Vashem gemacht habe…

So viele, so unglaublich viele Namen von einst lebendigen jüdischen Gemeinden… diese hier gehören auch dazu.

 

 

Bekannte Namen bekannter Orte.

 

Namen mit einem heimatlichen Klang…

 

 

Die jüdischen Gemeinden – vergessen?

 

Jüdisches Leben vernichtet von Deutschen.

Antisemitismus gestern – und heute?

 

 

 

Eine bittere Einschätzung zum Antisemitismus…. 3. Mai, 2018

Posted by Rika in antisemitismus, flüchtlinge, gesellschaft, integration, islam, israel, israelkritik, migration, politik.
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….    gibt Michael Wolffsohn bei der „Neuen Züricher Zeitung“, darin heißt es:

„Immer mehr Juden werden Europa verlassen

Wer künftig in Europa Wahlen gewinnen will, muss nicht zuletzt die große Minderheit der Muslime gewinnen.

„Die bisher so lasche Reaktion der Politik auf den islamischen Antisemitismus sowie der zunehmend anti-israelische EU-Kurs sind auch so zu erklären“, schreibt Michael Wolffsohn in der NZZ am Sonntag vom 29. April 2018.

„Der neue Antisemitismus, der derzeit in Westeuropa droht, hat seine Wurzeln in der muslimischen Zuwanderung“, erläutert der Publizist. „Mit der muslimischen demografischen Revolution wurde Westeuropa ein Nebenschauplatz des islamisch-arabisch-jüdischen Nahostkonflikts. So unterschiedlich und teilweise verfeindet extremistische Muslime sein mögen, so sehr eint sie zweierlei: Erstens der Hass auf Israel und die Juden, weil diese oft den jüdischen Staat unterstützen. Zweitens: die Prägung durch den militanten Antijudaismus Mohammeds und des Korans.“

Weiter führt Wolffsohn aus: „Europas Muslime sind eine große Minderheit. Sie wird noch größer und damit politisch gewichtiger werden. Wer künftig in Europa Wahlen gewinnen will, muss nicht zuletzt sie gewinnen.“ Aus diesem Grund sei – abgesehen von netten Kippademonstrationen, Antisemitismusbeauftragten und Lippenbekenntnissen – auch kein Kurswechsel zu erwarten. „Es zeigt sich hier vielmehr die Ohnmacht des Staates, der nicht nur seine jüdischen Bürger im Stich lässt. Er kann die Sicherheit ganz einfach nicht garantieren. Deshalb werden immer mehr Juden, wie die französischen, Westeuropa verlassen und nach Israel auswandern“, ist sich Wolffsohn sicher.“

 

 

Ergänzend dazu stellt die NZZ einen Link zu dem kompletten  Text Wolffsohns als  PDF-Datei ein. Den Text habe ich auszugsweise hierher kopiert:

„Es gibt den herkömmlichen Antisemitismus, der sich meist auf Diskriminierungen beschränkt. Er stammt
aus dem alten, vorislamischen Ägypten und existiert seit rund dreitausend Jahren. Auf Jiddisch nennt man ihn resignativ den «guten, alten Rischess». Und es gibt den mörderischen, liquidierenden Antisemitismus, der ein Krisensignal in Zeiten fundamentaler Veränderungen ist. Historische Beispiele für den mörderischen
Antisemitismus sind etwa die Judenverfolgungen der Kreuzzugsepoche, die Endzeit des russischen Zarenreiches und natürlich die Epoche des Faschismus. Wenn nicht alles täuscht, steht Westeuropa
derzeit erneut vor einem mörderischen Antisemitismus. Der Fundamentalwandel, der ihn diesmal begleitet, ist die
demografische Revolution, ausgelöst durch die muslimische Migration.  ….“

und weiter:

„Europa wollte und brauchte Migranten ganz einfach als Arbeitskräfte. Nur deshalb waren sie anfangs willkommen, ohne dass man sich wirklich um sie gekümmert hätte. Die gut qualifizierten, eher bürgerlichen und daher gemässigten postkolonialistischen Migranten aus muslimischen Ländern integrierten sich schnell und gut in
Westeuropa – oder sie strebten gleich in die USA. Die eher schlecht qualifizierten Migranten strömten nach Deutschland und Frankreich. Die meisten haben sich arrangiert, aber allzu viele eben nicht. Und diese schlecht
integrierten und vielfach frustrierten Menschen waren von extremistischen Muslimen leicht verführbar. Diese Analyse wiederum verweist auf das, was zu tun ist: Das Bildungsniveau und damit die wirtschaftlichen
Wettbewerbsbedingungen der muslimischen Minderheiten muss verbessert werden. …“

weiter:

„Gleichzeitig muss man anfügen: Bildung und Wohlstand wirken leider nur bedingtanti-antisemitisch. Das zeigte nicht nur der alte, bildungs-und wirtschaftsbürgerliche Antisemitismus aus der Epoche des Faschismus,
der teilweise vom Rischess zum Mitmorden glitt. Es gibt in Europas Bildungsbürgertum bis heute den «guten, alten
Rischess». Doch anders als Islamisten werfen diese Antisemiten keine Bomben. Sogar die eher proletarischen Rechten des französischen Front national oder der deutschen AfD schiessen oder stechen nicht auf Juden.
Selbst wenn amtliche Statistiken heute die Rechtsextremisten als Hauptakteure des Antisemitismus nennen, so wissen Fachleute:  Die Zahlen sind frisiert. Sie sollen, aus Angst vor Fremdenfeindlichkeit, islamistische
Täter decken und verdecken.
Rischess und Mord gehören aber auch zuralten und neuen Linken. Erst vor wenigen Tagen gestand der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn, der die terroristische Hamas und Hisbollah verehrt, es gebe in seiner Partei Antisemiten. Er selbst zählt zu ihnen. Und dass heute Frankreichs oder Deutschlands Linke antisemitismusfrei wären, ist eine politische Legende. Für den deutschen Publizisten Jakob Augstein ist schon das Tragen der Kippa eine Provokation.“
Und schließlich:
„Mit der muslimischen demografischen Revolution wurde Westeuropa ein Nebenschauplatz des islamisch-arabisch-jüdischen Nahostkonflikts. So unterschiedlich und teilweise verfeindet extremistische Muslime sein mögen, so sehr eint sie zweierlei: Erstens der Hass auf Israel und die Juden, weil diese oft den jüdischen Staat unterstützen.
Zweitens: die Prägung durch den militanten Antijudaismus Mohammeds und des Korans.
Europas Muslime sind eine grosse Minderheit. Sie wird noch grösser und damit
politisch gewichtiger werden.
 Wer künftig in Europa Wahlen gewinnen will, muss nicht zuletzt sie gewinnen. Die bisher so lasche Reaktion der Politik auf den islamischen Antisemitismus sowie der zunehmend antiisraelische EU-Kurs sind auch so zu erklären.
Aus dem gleichen Grund ist – abgesehen von netten Kippademonstrationen, Antisemitismusbeauftragten
und Lippenbekenntnissen – auch kein Kurswechsel zu erwarten. Es zeigt sich hier vielmehr die Ohnmacht des Staates, der nicht nur seine jüdischen Bürger im Stich lässt. Er kann die Sicherheit ganz einfach nicht garantieren.
Deshalb werden immer mehr Juden, wie die französischen, Westeuropa verlassen und nach Israel auswandern.“
Quelle:     https://www.wolffsohn.de/cms/images/Snippets_pdf/nzz-antisemitismus.pdf
Dem habe ich  wenig – oder besser gesagt –  nichts  hinzuzufügen.

Die „Zeit“ und der zeitlose Judenhass…. 12. April, 2018

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Bei heplev wurde ich auf diesen Beitrag aufmerksam:

Antiisraelische Hetze eines „Qualitätsmediums“

Das hier war auf der Seite der ZEIT zu finden (aufgerufen am 11. April 2018):

Heplev schreibt weiter:

Fällt etwas auf? Die ZEIT will also erklären, weshalb es an der östlichen Mittelmeerküste keinen Frieden gibt. Israel nicht zur Ruhe kommt. Und wie lautet die Erklärung?

Einst besiedelten Juden aus aller Welt arabisches Land: Sie schufen einfach Fakten, aus denen der Staat Israel wuchs. Diese Entschlossenheit ist bis heute Segen und Fluch – jetzt in der neuen ZEIT.

Alles klar: Die Juden sind schuld. Sie sind Kolonisatoren, haben Land geraubt, Fakten geschaffen. Basta.

Den ganzen Text kann man unter dem angegebenen Link lesen.

Ursprünglich wollte ich „nur“ einen Kommentar unter dem dort veröffentlichten Text schreiben….

Nun stelle ich meinen  Kommentar bei heplev hier ein, ich schrieb:

Ich habe keine Ahnung, wie es in der „Zeit“ weitergeht unter diesem Titel, der so unsagbar falsch und so unsagbar berechnend ist.
Mir reicht es schon, diese wenigen Worte zu lesen.

..
Einst wurden Juden nach der Zerstörung ihres Tempels und ihrer Hauptstadt in die ganze Welt vertrieben.
Etliche aber blieben in dem Land ihrer Herkunft, in dem Land ihrer Vorfahren, in dem Land, das ihrem Glauben und ihrer Heiligen Schrift gemäß von „HaShem“, dem HERRN aller Herren, G’tt selbst also als IHR Land versprochen und übergeben worden war.


Ob das auch in der „Zeit“ steht?
Nach der Zerstörung Jerusalems und der Verschleppung als Gefangene des großen römischen Feldherrn Titus lag das Land offen und andere Menschen aus anderen Stämmen und Gegenden des Nahen Ostens ließen sich nieder…. wenige nur.
Christen und Muslime lieferten sich heftige Kämpfe um Jerusalem…. und noch heute gehen viele Christen in Sack und Asche, weil sie die „Kreuzzüge“ zu verantworten hatten, ich meine natürlich ihre christlichen Ahnen, die damals ins Heilige Land zogen, um die wichtigen religiösen Stätten vom Islam zu befreien (und nebenbei auch ein bisschen Kasse zu machen und Macht zu erwerben… das war schon immer so in kriegerischen Auseinandersetzungen!)
Jahrhunderte lang herrschten die Osmanen über die ganze Gegend…. und die nach Bevölkerungsdichte durchaus überschaubaren Araber waren bestenfalls wohl gelittene Untertanen.


Auch Juden lebten in dem armseligen Landstrich – und das er armselig war, steht außer Frage.


Ob das auch in der „Zeit“ steht?


Dann, als die Zeit erfüllt schien, kehrten immer mehr Juden in das ihnen einst verheißene und ihnen gehörende Land zurück. Aber nicht als Eroberer. Sie kauften Land, das niemand haben wollte, Sümpfe, von Malaria verseucht, karges Wüstenland, das sie ebenso mühsam urbar machten wie die Sümpfe.


Ob das in der „Zeit“ steht?


Gegen alle Widerstände auf nahezu allen Ebenen errichteten Juden ein zunächst wenig üppiges Land, das  sich aber mehr und zu  einem blühenden Gemeinwesen entwickelte. Es war ein Wunder – und ist es bis heute.


Ob das auch in der „Zeit“ steht?


Neid und Missgunst mischten sich mit altem Judenhass und neu aufkeimenden Antisemitismus.


Und wie einst vor der Zeitrechnung formierten sich die Feinde der Juden, die Feinde Israels. Die arabische und die muslimische Welt steht seither im Kampf gegen Israel.
Mit Krieg überzogen sie den jungen Staat, mit  terroristischen Mitteln bekämpfen sie   Israel.

Mit den Waffen der Propaganda sorgen sie weltweit dafür, dass der Kampf weit bis in die westlichen Gesellschaften getragen,  Israel an den Pranger gestellt und von nahezu allen Staaten als Bösewicht verurteilt wird.

Zu den Kämpfern im Propagandakrieg gegen ISRAEL gehören auch – besser gesagt – vor allem    deutsche Medien….

solche wie die „ZEIT“.

Die Macher des Machwerks – und dabei beziehe ich mich ausschließlich auf das mir Bekannte (s.o.)  – sollten sich schämen.

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NACHKLAPP

Gestern (am 12. 4.) schrieb ich diesen Text sehr spontan.  Der Liebste fand, ich sei zu harsch mit der Zeit umgegangen, da ich ja den eigentlichen Artikel nicht gelesen habe.

Das stimmt, ich habe den Artikel nicht gelesen.

ABER: 

Ich vermute, dass es sehr vielen Leuten ähnlich geht wie mir. In der Flut der auf mich einstürmenden Nachrichten lese ich oft „nur“ Titel und Untertitel und verzichte auf die weitere Lektüre, wenn ich beispielsweise  a) den Eindruck habe, dass das Thema doch nicht so rasend interessant für mich ist, ich b) einfach nicht genug Zeit habe, um mich näher damit zu beschäftigen oder c) es keinen allgemeinen Zugang zum Text gibt, wie in dem oben beschriebenen Fall. (Natürlich gibt es ca 1000 weitere Gründe, nicht alles zu lesen, was vom Titel her zunächst ins Auge springt.)

Aber das, was ins Auge springt bildet sozusagen einen Informations-Anker , das bleibt hängen, und selbst wenn in einem Artikel die ursprüngliche Titelthese widerlegt werden sollte „Einst besiedelten Juden aus aller Welt arabisches Land“, so ist es dieser Satz der im Gedächtnis bleibt, an dem sich alles aufhängt.

Und gegen diese verkürzte und noch dazu vollkommen falsche Darstellung der israelischen Realität wehre  und verwehre ich mich, völlig gleichgültig, was der Autor dieser unglückseligen Zeilen sonst noch schreibt. Er haut eine Behauptung in die Welt und die sitzt und die bleibt. Das ist unredlich, in schlimmster Form populistisch, ein FAKE wie es im Buche steht.

Bei facebook schrieb eine Freundin einen Kommentar unter den Text, den ich dort eingestellt hatte:

Die Ahnentafel der Familie einer meiner Freundinnen aus Afula reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Juden haben schon immer im Heiligen Land gesiedelt. Diese Familie kam nicht aus“ der ganzen Welt“, sondern lebte dort von Anbeginn der Zeitrechnung. Es täte allen, die sich eine Meinung zum Thema Israel erlauben, gut, die historischen Fakten gründlicher zu recherchieren.“

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen…. außer vielleicht noch der historisch nicht ganz unwichtige Hinweis darauf, dass es seit der Zerschlagung des Jüdischen Staates durch die Römer nie mehr einen eigenständigen Staat auf dem Gebiet des heutigen Israels mit den „umstrittenen“  Gebiete Samaria und Judäa gegeben hat –  bis der Staat Israel 1948 auf seinem ursprünglichen Land gegründet wurde.

Das hätte doch auch der Zeit-Redakteur als Titel wählen können:

DER STAAT ISRAEL WURDE AUF ALTEM JÜDISCHEN STAATSGEBIET GEGRÜNDET

 

 

 

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