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Da bin ich aber froh… 14. Juni, 2020

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Da bin ich aber froh, dass das durch die  Klimaerwärmung  bedingte Baumsterben nicht auch bereits mein Dorf erreicht hat.

Die Bilder riesiger Flächen im schönen Harz voll abgestorbener Fichten stimmen wirklich sehr traurig.

Ich bin nämlich eigentlich ein Waldkind. Wirklich. Schon als sehr kleines Mädchen nahm mich mein Großvater – „Opppa“ nannte ich diesen liebenswerten älteren Herrn – mit zu ausgedehnten Wanderungen in den nahen Wäldern meiner Sauerländischen Heimatstadt. Nun ja, ausgedehnt waren die Wanderungen vermutlich nur für mich, für meinen Großvater waren es wohl eher kleine Spaziergänge, die ihm sehr viel Freude machten … die Freude lag natürlich vor allem an mir, der kleinen Enkelin, der er alles Wissenswerte über Kräuter, Gräser, Büsche, Bäume, Schnecken, Eichhörnchen, Vögel und sonstigem Getier mit großer Lust vermitteln konnte. Auch kann ich mich daran erinnern, dass wir Kindern immer vor dem Fuchs gewarnt wurden, damals war die Tollwut noch eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Mein anderer Großvater war im Gegensatz zum vorgenannten ein echter Sauerländer, mein Wanderoppa stammte nämlich aus dem Lippischen, darauf war er mächtig stolz. Und mein Sauerländer-Oppa hatte als Junge seinem Vater beim Bepflanzen einer Fichtenschonung helfen müssen. Ich war als Kind sehr beeindruckt von den hohen schlanken Fichten, die  an einem steilen Berghang wuchsen – und ich konnte mir sogar schon damals gut vorstellen, dass es eine sehr anstrengende Arbeit gewesen sein musste, der Steilheit des Berges und der Kargheit des Bodens wegen.

Überhaupt gehörten Wanderungen und Spaziergänge in den Wälder meiner Heimatstadt für meine ganze Familie zu den Vergnügungen, die man sich am Wochenende, besonders gerne am Sonntag nach dem Nachmittagsgottesdienst, zur Erholung leistete. Leider, leider waren das für mich nicht nur ungetrübte Freuden, war ich doch ein recht lebhaftes Kind, das aber bei diesen sonntäglichen Vergnügungen in Sonntagskleidung und Sonntagsschuhen steckte. Die Sonntagskleidung war nicht geeignet auf kleine Bäume zu klettern, mit den Schuhen war es nicht ratsam, Steinchen vor sich her zu schubsen oder am Bach einen Staudamm anzulegen… Und damals wurden wir Kindern noch deutlich gerügt, wenn Kleidchen oder Schuhwerk dem kindlichen Tatendrang nicht gewachsen waren und zu Schaden kamen, weil man doch unmöglich der Verlockung durch Bäumchen und Steinchen widerstehen konnte…

Wie schrecklich ein zerstörter Fichtenwald aussieht, erlebte ich zu Anfang der 2000er Jahre anlässlich des Besuchs einer Tante, aus deren Küchenfenster  sich ein unglaublich schreckliches Bild des nahe gelegenen Waldes bot. Allerdings war der schöne Wald nicht durch die Hitze des Sommers oder durch den gefräßigen Borkenkäfer dem Tode geweiht, vielmehr war der Sturm Cyrill – oder war es das Sturmtief Lothar? – über ihn hinweggebraust und hatte in wenigen Stunden ganz Arbeit geleistet, die Fichten lagen entwurzelt oder abgeknickt danieder und auch die wenigen, die dem Sturm getrotzt hatten mussten ebenfalls gefällt und gemeinsam mit den geborstenen Stämmen abtransportiert werden. Ein Bild des Jammers und ein ungeheurer Verlust für den Waldbauern, dem der Fichtenschlag gehörte. Auf der Fahrt durch die Umgebung sahen wir, der Liebste und ich, viele solcher zerstörten Wälder. Die ganze Landschaft kam mir fremd und verschandelt vor.

Wenn ich hier an meinem Schreibtisch sitze und schreibe und ab und zu einen Blick aus dem Fenster werfe, blicke ich in das üppige Grün großer Bäume im Nachbargarten hinter der Mauer. Das Blattwerk ist so dicht, dass ich von dem hübschen Fachwerkhaus, das in dem großen Garten steht, nur noch ein winzig kleines weißes Fleckchen erblicken kann, die Bäume bilden einen dichten grünen Vorhang….

Erst im Herbst wird das Haus wieder sichtbar – und den ganzen Winter über bis im Frühjahr die Bäume neu ausschlagen habe ich freie Sicht auf das Haus und auf die Bewohner, die auch jetzt ab und zu unter den großen Bäumen gärtnerischen Tätigkeiten nachgehen… ich kann an manchen Tagen einen Rasenmäher brummen hören….

Am Kirschbaum direkt hinter der Mauer färben sich die ersten Früchte rosa – und wenn nicht die Amseln in ihrer Gier auf die Früchtchen schneller sind als das Reifen der Kirschen bis zur optimalen Süße, wird der Liebste vermutlich ganz vorsichtig auf die Mauer klettern und ein paar der Kirschen aus Nachbars Garten stibitzen…

Bitte nicht verraten…

 

 

 

 

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