jump to navigation

Knabenchöre sollen endlich auch Mädchen zugänglich sein… 14. Februar, 2019

Posted by Rika in aktuell, emanzipation, gesellschaft, meine persönliche presseschau, politik.
Tags: , , , , , , ,
add a comment

fordert eine Berliner Rechtsanwältin wie das Online-Magazin „Evangelisch“ berichtet.

Rechtsanwältin: Knabenchöre verstoßen gegen Gleichberechtigung

Wenn Mädchen keinen Zugang zu bekannten Knabenchören hätten, die staatlich gefördert würden, sei dies eine Diskriminierung nach Artikel 3, Abs. 3 der Verfassung, der Benachteiligung aufgrund des Geschlechts verbietet, sagte die Juristin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bräcklein beschäftigt sich derzeit mit Fällen, bei denen Mädchen von Spitzenchören abgelehnt wurden, darunter der Leipziger Thomanerchor.

 

Ich bin sehr für die Gleichberechtigung, wirklich.

Aber aus Prinzip die Spezialisierung in Knaben-  und Mädchenchöre aufzuheben, geht doch an dem Thema schlichtweg vorbei. Gäbe es für Mädchen überhaupt keine Möglichkeit, sich in Chören zu organisieren – oder wäre der weibliche Gesang gar verboten, wie etwa in Iran, könnte ich die Aufregung ja noch verstehen, aber so? Gut, sie führt als Argument an, dass die Chöre öffentlich gefördert würden und von daher der Gleichheitsgrundsatz gewahrt sein müsse. Dennoch  habe ich den Eindruck, dass die Anwältin eine richtig gute Möglichkeit entdeckt hat,  zusätzliches Einkommen zu generieren, indem sie nämlich Klage führt gegen Chöre aller Art, die bei öffentlicher Förderung dem scheinbaren Grundsatz von „Gleichberechtigung“ widersprechen.

Zu Frau Bräckleins Gunsten mag man vermuten, dass die Dame nicht zu dem Kreis von Experten im Musikleben gehört, die am Klang eines Chores bereits erkennen können, ob es die Thomaner aus Leipzig, oder die Spatzen aus Regensburg oder die Knaben aus Wien sind, die vielstimmig herrliche Chorwerke intonieren. Ich gebe zu, ich gehöre auch nicht zu dem erlesenen Kreis der Spezialisten, aber ich kann deutlich einen Knabenchor von einem Mädchenchor unterscheiden – und Mädchenchöre gibt es doch auch. Und wenn wir schon vom Gleichheitsgrundsatz reden, der Mädchenchor Hannover wird auch öffentlich gefördert und mir ist nicht bekannt, dass Knaben begehren, dem Chor anzugehören, damit die Gleichberechtigung gewahrt ist.

Die Geschlechter bedingte Spezialisierung der Chöre endet ja nicht mit der Pubertät oder dem Stimmbruch der Knaben. Ich zum Beispiel habe jahrelang in einem „Gemischten Chor“ gesungen, der wiederum eine andere Klangfarbe hatte als der Jugendchor, in dem ich auch etliche Jahre begeistert sang. In meiner Gemeinde gab es neben diesen beiden Chören einen ganz wunderbaren Männerchor – der klag zwar nicht wie der Chor die Don-Kosaken, stellte aber manches Mal den Gemischten Chor in den Schatten, weil , ja weil Männerchöre einfach ganz anders  und auch manche Lieder eben nur von einem Männerchor richtig gut klingen. Neben dem Gemischten-, dem Jugend- und dem Männerchor spielte auch der Posaunenchor eine wichtige Rolle im Gemeindeleben. Wenig  klingt so gewaltig und erhebend wie der vom Posaunenchor geblasene Lobpreis „Großer Gott wir loben dich…“ Mir jedenfalls liefen dann immer die Tränen – was allerdings nicht unbedingt als Kriterium taugt, weil mir schnell mal die Tränen fließen.

Wie nun, dachte ich angesichts des oben angeführten Artikels, mögen sich Cellisten diskriminiert fühlen, weil sie nicht im Posaunenchor mitspielen dürfen – wobei ja auch der Ausdruck „Posaunenchor“ schon diskriminierend ist, erklingen doch auch Trompeten, diverse Hörner und die dicke Tuba im Posaunenchor, warum mancherorts besser vom Bläserchor gesprochen wird, besonders, wenn auch Flöten, Klarinetten, und Oboen mitwirken – aber, wie gesagt, eben keine Geigen oder Celli, Kontrabässe oder Harfen.  Das Gefüge aus all diesen Instrumenten nennt man darum ja auch Orchester…

Doch auch in anderen Sparten des gesellschaftlichen Lebens gibt es die strenge Teilung nach männlich – weiblich. Besonders gut kann man das bei beliebten Sportarten feststellen, jetzt im Winter zum Beispiel bei den Skirennen und den Biathlonwettkämpfen, den Bob- und Rodelwettbewerben. Zwar gibt es auch Mixed-Mannschafts-Wettkämpfe, aber selbst die sehen nicht so aus, dass Männer gegen Frauen antreten und umgekehrt. In den Teamwettbewerben zählen dann nämlich die Einzelergebnisse der männlichen und weiblichen Sportler in der Summe als Mannschaftsergebnis.

Die Gleichberechtigung wird durch diese Form der  Aufteilung nicht infrage gestellt.

Das würde geschehen, ich deutete es schon an, wenn es aufgrund des Geschlechts einem Mädchen oder Jungen, einer Frau oder einem Mann generell verboten wäre, einer Sportart oder einem Hobby wie dem Singen und Musizieren nachzukommen.

Gar noch nicht in den Überlegungen der Anwältin ist das Thema Teilhabe angesprochen, Inclusion nämlich, die sich ja nicht nur auf Bildungseinrichtungen und Berufstätigkeit bezieht…. DAS wäre im Hinblick auf Chöre und Sport ein neues, riesiges Gebiet… wenn eben nicht mehr „Special-Olympics“ – die ich außerordentlich gut finde, ausreichen würden, um dem Gleichheitsgebot zu entsprechen….  Das mag ich  mir gar nicht vorstellen…

Aber vielleicht, so denke ich etwas sarkastisch, entspricht die Forderung der Anwältin einem neuen Trend im Kampf um die Gleichberechtigung von Frauen – konnte man in diesen Tagen doch lesen, dass die Brandenburger zukünftig die Zusammensetzung ihres Parlaments streng danach ausrichten, dass in den Parteien beide  Geschlechter bei der Aufstellung der Kandidaten für die Landtagswahl in gleicher Anzahl berücksichtigen müssen.

So stellt sich mir (Achtung, Ironie) allerdings angesichts von Binnensternen und Toiletten mit der Aufschrift „divers“ die Frage, wie lange dieser soeben postulierte Grundsatz noch zu halten sein wird…..

Und noch ein paar Gedankenzüge weiter könnte dann eine Differenzierung nach Religionszugehörigkeit notwendig werden, damit sich nur ja niemand aufgrund seiner ausgeübten Religion oder seines  bekennenden Atheismus  ausgegrenzt fühlt und sich damit eine weitere Gerechtigkeitslücke in Sachen  Gleichberechtigung  auftut.

Mir – und sicher den meisten Leuten die hier lesen – würden noch unglaublich viele weitere Lücken einfallen, die dringend geschlossen werden müssten…. wenn ich es mir so richtig überlege….

 

 

 

……

Werbeanzeigen

Die Jubiläumsfeier des Dlfs und Ulrich Sahms notwendige Korrektur… 4. Februar, 2019

Posted by Rika in aktuell, fatah, gesellschaft, hamas, israel, israelkritik, medien, plo, politik, presse, terrorismus.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , ,
1 comment so far

Dass ich in früheren Jahren eine begeisterte Hörerin des Deutschlandfunks war, habe ich schon verschiedentlich anklingen lassen, ebenso, dass diese Begeisterung in zunehmende Irritation umgeschlagen und schließlich einer sehr kritischen Haltung gewichen ist.

Nicht nur, aber doch ausschlaggebend für diese tiefgreifende Veränderung  von Begeisterung zur kritischen Ablehnung ist die Berichterstattung oder Kommentierung der Nachrichten aus und über Israel, seine Regierung, seine Bewohner – verbunden mit einer mich immer zur Verzweifelung treibenden, nahezu kritiklosen Berichterstattung über Fatah, PLO, Abbas, Hamas, Hisbollah und den Terror, der von diesen ausgeht und immer wieder verharmlosend als „Widerstand gegen die Besatzung“ nicht nur schön geredet, sondern geradezu verständnisvoll als „berechtigt“ gut geheißen und unterstützt wird.

Der arabische Terror gegen Israel reicht  sehr weit vor die eigentliche Staatsgründung zurück. Er ist zwar gut dokumentiert, wird aber heutzutage immer als Reaktion auf die größer werdende  jüdische Bevölkerung in dem zunächst von den Osmanen beherrschten, dann unter dem Mandat der Briten stehenden Gebiet „Palästina“ verstanden und so auch von vielen politischen und medialen Meinungsmachern „israelkritisch“  betrachtet.

Mit, bzw. nach  dem Sieg des Staates Israel 1967 –  im eigentlich,   von den arabischen Staaten geplanten Krieges zur  Vernichtung   Israels –   änderte sich die Begrifflichkeit.  Aus Arabern wurde aus propagandistischen Gründen und zur Abgrenzung von den ringsum bereits bestehenden arabischen Staaten das „Volk der Palästinenser„. Maßgeblich beteiligt an diesem raffinierten Schachzug war der bis dahin wenig bekannte  Jassir Arrafat, ein Meister der Taktik aus Schmeichelei, Lügen, Täuschung und fürchterlichem Terror.

Seinen Aufstieg zum Leader der arabischen (palästinensischen) Widerstands- und Terrororganisation PLO feiert nun der Deutschlandfunk in einem Arafat gewidmenten „Special“.

Wie nicht anders zu erwarten zeigt der Dlf in der Jubiläumsausgabe für einen Mörder und Terroristen eine ebenfalls beachtliche Meisterschaft in der „Taktik der Täuschung und Lüge“ durch Weglasssen von Fakten, Hinzufügen von sentimentalen, märchenhaften Tönen, dem Auslassen wirklicher Kritik an der Strategie und Kriegsführung des oben zurecht so genannten Terrorchef Arafat.

Ich habe den Bericht nicht live gehört, aber die Mitschrift gelesen.

Und ich bin froh, dass ich das im zeitlichen Abstand getan habe – meinem Blutdruck bekommt dieser Text nicht, wieviel weniger erst die Live-Berichterstattung.

Zum Glück hat sich ULRICH SAHM  dieser angenommen. Mit seiner Zustimmung  kopiere ich seine Sicht auf die Dinge auf seiner Facebook-Seite vollständig hierher,

Ulrich Sahms Text:

 

„Der Deutschlandfunk hat eine Huldigung Jassir Arafats als „Freiheitskämpfer, Terrorist, Realist“ veröffentlicht. Anlass war das 50-jährige Jubiläum von Arafats Wahl zum PLO-Chef. In dem Bericht heißt es: „Vor allem die verheerende Niederlage gegen Israel im 6-Tage-Krieg 1967 ließ in den Palästinensern eine neue Einsicht entstehen“, so Muriel Asseburg von der Stiftung Wissenschaft und Politik.
Doch „Palästinenser“ gibt es erst seit 1968, nachdem Arafat die PLO-Charta neu formuliert hatte. Geschichtsklitternd geht es weiter. Ohne Datum und Quellenangabe wird zitiert: „Und natürlich die Veränderung, die mit dem Krieg 1967 einherging, nämlich die Besetzung der palästinensischen Gebiete und damit dann der Anreiz, den Widerstand gegen diese Besetzung in den palästinensischen Gebieten, die damals besetzt worden sind, aufzubauen.“ Vergessen ist dort, dass bis 1967 niemand von „palästinensischen Gebieten“ sprach, als die West Bank noch von Jordanien besetzt und annektiert war, während der Gazastreifen von Ägypten „verwaltet“ wurde. Vergessen auch das Attentat von München, als die Terroristen von Jassir Arafats PLO die israelischen Sportler gefoltert und verstümmelt haben, bevor sie sie ermordeten. Alles nur „Widerstand gegen Besetzung“?
Weiter werden zwei Reden Arafats vor der UNO beschrieben, kein Wort aber zu den Terroranschlägen und Selbstmordattentaten, deren Finanzierung Arafat mit seiner Unterschrift bestätigt hat. Kein Wort zu der 2. Intifada, die Arafat ab Mai 2000 geplant hat und im Herbst 2000 startete. Sie hat über 1000 Israelis und noch mehr Palästinensern das Leben gekostet. Stattdessen steht beim DLF, er „machte den Weg frei für Friedensverhandlungen, für die er 1994 den Friedensnobelpreis erhielt.“ Unerwähnt ist hier auch, dass Arafat nicht Frieden mit sich selbst geschlossen hat, sondern mit Israelis, die ebenfalls den Nobelpreis erhielten. Kein Wort auch zu den Milliardensummen, die Arafat veruntreut hat. 


Unglaublich, was sich die ARD da leistet. Ob sie wohl zu anderen korrupten Massenmördern auch eine solche Lobeshymne veröffentlichen würde?“

 

(Hervorhebung von mir.)

Soweit Ulrichs Sahms Einlassungen zur Jubiläumsfeier für einen Massenmörder und Friedensverhinderer in einem renommierten deutschen Sender.

Bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass es dieser und ähnliche Beiträge bei nahezu allen großen Magazinen, in Tageszeitungen und in den Sendern  der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten sind, die die ausgegebene Losung „Kampf gegen Antisemitismus“ zu einer höhnischen Verschleierung der tatsächlichen und überaus gefährlicheren Form des Antisemitismus machen, dem ANTIZIONISMUS, der, getarnt als „Kritik unter Freunden“,  längst und  entgegen aller Merkel’schen Beteuerungen von der Staatsräson, zur Basis deutscher Außenpolitik geworden ist, getragen von nahezu allen Parteien dieses Landes und von Kirchen, Verbänden und NGOs mit zweifelhaften Argumenten und noch irrsinnigeren Methoden (BDS) unterstützt wird..

 

————————————————————————————————————————————

 

 

 

Eine Rede vor der Fraktion der AfD… 2. Februar, 2019

Posted by Rika in antisemitismus, gesellschaft, israel, medien, politik, presse.
Tags: , , , , , , , ,
2 comments

Zu sagen, die AfD gehöre in die Schmuddelecke, ist vermutlich nach Meinung der übergroßen Mehrheit der aufrichtigen Demokraten dieses Landes eine freundliche Untertreibung. Die AfD – zwar vom Wahlleiter zur Bundestagswahl zugelassen und als gößte Oppositionsfraktion seit den  Wahlen im September 2017 im Bundestag vertreten –  wird allermeistens mit der zackigen Aufforderung #Nazisraus bedacht. (Es gibt durchaus  Gründe für diese Forderung, aber davon soll hier nicht die Rede sein.)

 

Henryk M. Broder wiederum ist  als Autor ein  nimmermüder Beobachter des Zeitgeschens mit durchaus kritischen Bemerkungen zu selbigem,   den manche Menschen  seit neuestem auch am liebsten in der Schmuddelecke verorten würden – und manche Journalisten entblöden sich auch nicht, das zu tun.

Nun hat er – nach Meinung der von sich selbst  überzeugten,  ‚wirklich engagierten und guten  Demokraten‘  und der ihnen gewogenen Journalisten – das Maß des Erträglichen dessen, was man ihm als „kritischen Beobachter“ zubilligen möchte, eindeutig überschritten:  Er hat – man mag es kaum sagen – auf Einladung der AfD eine Rede vor der Bundestagsfraktion selbiger Partei gehalten. Und nicht nur das! Er hat es nicht verhindert – etwa  durch eine heftige Faustabwehr oder dergleichen -,  von Alice Weigel freundlich umarmt zu werden. Die Galerie schäumte darob in finstersten und unappetitlichsten Tönen.  Gerd Buurmanns Stellungnahme zum „Broderfoto“ habe ich  hier bei „himmel und erde“ eingestellt.

Über diesem schier skandlösen Vorgang tritt, so will es mir scheinen, die überaus bemerkenswerte Rede in den Hintergrund. Damit sich zu beschäftigen würde ja bedeuten, in sich zu gehen und reumütig-einsichtsvoll  zu erkennen, dass nicht nur die AfD Adressatin der Broderschen Philippika ist, sondern jeder und alle von uns sich seine Worte hinter die Ohren schreiben und darüber nachdenken und vielleicht dann auch zu der Erkenntnis kommen müssten, was am eigenen politischen Denken und Handeln der Korrektur bedürfe.

Elisabeth Lahusen hat in einem Beitrag bei Facebook das Wesentliche der Broder’schen Ansprache zusammen gefasst, den Hinweis auf die öffentlichen Verleumdungen gegeben  und dazu eine persönliche und sehr gute Einschätzung  geliefert.

Mit ihrem Einverständnis stelle ich ihren Beitrag hier ein, er ist mir wie aus der Seele geschrieben und deckt sich mit meiner Wahrnehmung und Beurteilung.

Hier ihr Text:

Ich habe das Video der Veranstaltung ( Broder bei der AfD) samt Fragerunde eben angehört.

Die Veranstaltung war in jeder Hinsicht eine Sternstunde der Demokratie.

Broder hat klar und deutlich alles benannt. Und ich hatte den Eindruck, dass viele Menschen im Saal wirklich auch zuhörten. Ähnlich wie damals bei dem Besuch von Prof. Patzelt bei der AfD Bremen konnte man auch hier dem Hauptredner keinerlei falsche Untertöne, kein Anbiedern und keine Verbrüderung vorwerfen, sondern nur einen ernsten Willen zum ( schonungslosen) Dialog und eine große Sorge um den demokratischen Diskurs spüren. Wobei das Publikum in Berlin sich anständiger verhalten hat, als das in Bremen. Solange die AfD sich solche Kritiker einlädt und dann wirklich zuhört, ist sehr viel Hoffnung.

Bei allem Humor und aller Zustimmung war auch eine große Ernsthaftigkeit zu spüren. Ein neuer Ton bei Broder und ein neues Zuhören im Saal. Ob das auf Dauer trägt, bleibt abzuwarten.

Nein, Broder ist ganz bestimmt nicht der “ Hofjude der AfD“. Er ist noch nicht einmal der “ Hofdeutsche“. Er weiß um die Instrumentalisierung und er benutzt sie bewusst in beide Richtungen. Und er ist, was er immer war: Ein Mensch für sich. Was am Ende bleibt ist der Eindruck von Broders letztem Redebeitrag:

Ein Appell für das Eintreten für Israel. Die brennende Sorge, die so viele von uns teilen und die Verzweiflung angesichts der entsetzlichen Blindheit der deutschen Aussenpolitik. Der alte Antisemitismus- das sieht Broder ganz richtig- ist zwar lästig und widerlich, aber er ist ein Polizeiproblem. Aber der Angriff auf Israel, der geht wirklich an die Substanz. Der macht einsam. Das Land und auch den Broder selbst. Und nicht nur ihn.“

 

(Ich habe den Text so übernommen, ihn aber der besseren Lesbarkeit wegen in Absätze gegliedert,  und ebenfalls die Hervorhebung des (mir) wichtigen Punktes vorgenommen.

————————————————————————————————

Die Verschriftlichung der Rede Broders  kann man hier finden.

Die Reaktionen der Presse fasst Achgut so zusammen.

„Ich will, dass Ihr in Panik geratet“… 26. Januar, 2019

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, medien, politik, presse.
Tags: , , , , , ,
1 comment so far

Ich will, dass Ihr in Panik geratet!“

Das sagt das junge 16jährige Mädchen, Greta Thunberg   – und die Pressse jubelt ihm nahezu kritiklos zu.

So macht auch meine Heimatzeitung, die HAZ, auf Seite 1 diese schöne Aussage zur Titelzeile eines Artikels über die mutige Kämpferin für ihre und die Zukunft unseres Planeten.  „Mit einem emotionalen Appell hat die 16 Jahre alte Klimaaktivistin Greta Thunberg die Top-Manager und Spitzenpolitiker in Davos zu sofortigen Maßnahmen gegen den Klimawandel aufgerufen.“  schreibt die HAZ.   ImText wird Greta mit diesen Worten an die anwesenden Manager zitiert:

Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es.

Ich will eure Hilfe nicht, ich will nicht, dass ihr ohne Hoffnung seid. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. …

Jetzt ist es an der Zeit, deutlich zu sein. Die Klimakrise zu lösen, ist die größte und komplexeste Herausforderung, der die Menschheit je gegenüberstand. An Orten wie Davos erzählen Menschen gerne Erfolgsgeschichten. Aber ihr finanzieller Erfolg hat ein unvorstellbares Preisschild. Und beim Klimawandel müssen wir anerkennen, dass wir versagt haben.

 

Ich erinnere mich, dass ich als 16jährige entweder den Schwarm meiner kindlichen Sehnsucht heiraten, oder Missionarin in Afrika werden wollte. Als Alternative überlegte ich eine zeitlang, mit meiner Lieblingstante Herta, die ledig war, eine Junggesellen-WG aufzumachen. Damals sagte man aber noch nicht WG und Junggesellinnen gab es auch noch nicht. Das kam später. Im jugenlichen Überschwang und im Bewusstsein der eigenen „Beinah-Unsterblichkeit“ und nahezu unbegrenzter Möglichkeiten , kann man leicht  glauben, die Welt sei ähnlich leicht zu handhaben wie der bunte Ball, mit dem wir damals „Ball an die Wand“ spielten, dabei ging es darum, möglichst viele kunstvolle Würfe zu machen, bevor der Ball dann auf der Erde landete. In sofern kann ich auch den jugendlichen Überschwang der hübsch bezopften Greta aus Schweden gut verstehen.

Aber dennoch…. und ein „Dennoch“  gibt es.

Ich habe es in verschiedenen Variationen bei facebook in Form von Kommentaren beschrieben, und damit ich das nicht alles noch einmal neu schreiben muss, kopiere ich diese Aussagen einfach hierher. Ich begann an diesem Morgen mit einem eigenen Eintrag bei fb:

 

Ich lese die Zeitung, die HAZ. Auf Seite 1 springt mir eine Überschrift ins Auge:
„Ich will, dass ihr in Panik geratet“.
Ich gerate tatsächlich in Panik, aber nicht wegen einer möglichen Klimakatastrophe, sondern darüber dass eine ungebildete 16-jährige Göre gefeiert wird als neuer Stern am Himmel des Klimakatastrophen-Kampfes. Darüber, dass ernst zu nehmenden Wissenschaftlern, die vom Mainstream abweichende Modelle vortragen könnten, kein Raum zur Darlegung ihrer Erkenntnisse gegeben wird, sondern dass ihnen stattdessen ohne Anhörung jegliche Wissenschaftlichkeit abgesprochen wird.
Ich gerate in Panik darüber, dass hierzulande Schüler von den Medien geradezu gepusht werden, dem kleingeistigen Weltbild Gretas zu folgen und auf die Straße zu gehen.
Ich gerate in Panik über die manipulative Macht der Medien, die es fertig bringen, ein Schulmädchen zum Heiland der Welt, zur Rettung der Klimaideologen zu schreiben.

Ich gerate in Panik darüber, dass offenbar die Mehrheit der Medien von allen guten Geistern verlassen ist…. Sachlichkeit, Objektivität und kritisches Denken an den Nagel gehängt haben, der fernab ist von jeder von Vernunft geprägten Verantwortung für das, was sie in die Welt sagen und schreiben.

Ich kommentiere aber auch bei anderen Facebook-Nutzern und auch in Erwiderung auf andere Kommentare.

Und zwar so:

Ich verstehe die Medien nicht, die doch diesen Hype erst erzeugt haben. Ich betrachte es als Missbrauch an einer Jugendlichen, die unversehens auf eine Bühne gestoßen wird, die viel, viel zu groß ist.

Die Erwachsenen leiten in Deutschland gerade eine der radikalsten Wenden in der Energieversorgung und in der Industrielandschaft ein, die wir bisher kannten
Gerade hier in Deutschland ist darum Gretas Vorwurf völlig überflüssig. Die Wende kann nicht schneller vollzogen werden.
Würden alle noch verbliebenen (klassischen)  Stromerzeuger JETZT abgeschaltet, stünden wir buchstäblich im Dunklen. Das müsste eigentlich selbst dem besten Kämpfer für die Energiewende klar sein. 
Auch den Inividualverkehr kann man nicht abschaffem, solange es keinen ausreichenden öffentlichen Nah- und Fernverkehr gibt.
Alles andere ist eine reine Utopie.

 

Und gleichzeitig läuft bereits die Energiewende und bedeutet einen Umbruch, wie wir ihn zuletzt mit der Erfindung der Dampfmaschine erlebt haben..
Wenn man bedenkt, wie groß auch der Energiebedarf allein der Großrechner für die Nutzung des Internet ist, wie gigantisch die Mengen an E-Energie sein werden,  wenn nur die Hälfte aller jetzt fahrenden Verbrenner als E-Autos unterwegs sein werden und der Verbrauch der Industrie gleich bleibt.

 

Vieleicht sollte man Greta schützen, wenn auch nur annähernd zutrifft, was wiki bekannt gibt: https://de.m.wikipedia.org/wiki/
Das ist der Grund, warum ich es Missbrauch nenne, was die Medien mit ihr treiben.

 

Ist das nicht seit uralten Zeiten so? 
Jede Generation trifft Entscheidungen, die für die folgenden Generationen bedeutsam sind… so ist es mir mit meinen Eltern und den wesentlichen Entscheidern ihrer Generation ergangen und so geht es weiter. 
Die Proteste meiner Generation in den späten 60ger Jahren haben Auswirkungen bis heute, meine Kinder und Enkel werden sich mit den Entscheidumgen der 68er befassen müssen… und nur wenig davon war richtig gut.
Die heute 30 – 40jährigen bringen ihre Vorstellungen ein… aber eben nicht  HEUTE  bereits die 6 oder 8jährigen….     Warum mag das so sein?

 

Welche konkreten und realisierbaren Vorschläge macht Greta, Vorschläge, die NICHT bereits durchdacht und gemacht wurden und die auch ohne Zwangsmaßnahmen realisierbar sind? Meine Frage ist echt gemeint, nicht polemisch

 

Passend dazu ein kurzer Gedankengang zum Thema Energiewende in einem anderen Thread. Hier geht es mir um die Stellungnahme eines FB-Nutzers dazu. Ich habe sein Einverständnis  eingeholt, seinen Text weiterzugeben.

 

Ein Kommentar von   Martin M.

»Aktuell beträgt die Spitzenlast im deutschen Stromnetz 80 GW, womit die maximale gesicherte Leistung von 90 GW auch fast ausgeschöpft ist. Das bedeutet übrigens auch, dass eine Abschaltung von 20 Kohlekraftwerken (wie von den Grünen gefordert) vollkommen unmöglich ist.

Ein Tesla Supercharger hat jetzt eine Ladeleistung von 120 kW. Das bedeutet: sämtliche deutschen Kraftwerke können maximal 670.000 Tesla Supercharger gleichzeitig aufladen. Aber auch nur dann, wenn ansonsten im ganzen Land alle Lichter und Computer aus sind, alle Geschäfte, Krankenhäuser und Polizeireviere dichtmachen und alle Maschinen stillstehen. Realistischerweise kann man mit unserem Kraftwerkspark nie mehr als 100.000 Tesla Supercharger gleichzeitig aufladen.

Um den gesamten Verkehr in Deutschland zu elektrifizieren, bräuchte man ne Leistung von 500 – 1000 GW, also 10 Mal mehr als wir jetzt haben. Wie soll das in diesem Jahrhundert jemals klappen? Daher bleibt nur, Supercharger zu verbieten und lediglich langsam ladende Stromer zu erlauben. Dann könnte man mit unserem Kraftwerkspark zumindest 500.000 E-Autos gleichzeitig aufladen. Das dauert halt dann immer die ganze Nacht. Mehr als 3 Millionen E-Autos wird es in Deutschland daher niemals geben, weil sonst immer die meisten leergefahren rumstehen und mangels Leistung im Stromnetz nicht aufgeladen werden können. Wenn man Schnelllader erlaubt, wäre es sogar nur ein Bruchteil davon.

Interessant auch der Vergleich mit dem konventionellen Tankstellennetz. Die Energiedichte von Benzin liegt bei 12,8 kWh pro kg. Eine Tankgeschwindigkeit von 32 Litern pro Minute ist Standard bei deutschen Tankstellen. 1 Liter Benzin wiegt 750 Gramm. Damit kriegt eine stinknormale Zapfsäule eine Energie von 307,2 kWh pro Minute in einen Benziner rein. Das ist eine Leistung von 18,4 MW. In Deutschland gibt es ca. 150k Zapfsäulen. Wenn die alle gleichzeitig laufen, haben sie also eine Leistung von 2.760 GW. Alle deutschen Kraftwerke haben jedoch wie gesagt nur eine gesamte gesicherte Leistung von 90 GW – 30 Mal weniger. Und die Kraftwerke müssen ja auch noch andere Stromkunden bedienen. D. h. mit Kraftstoff kann man deutsche Autos mindestens 100 Mal einfacher betanken als mit Strom.«

 

Und abschließen möchte ich mit meinem ziemlich sarkastischen Kommentar zum Thema „Energiebedarf an einem ganz normalen Wintertag im Jahr 2030″:

Wozu die ganze Aufregung. Bis 2030 gibt es keine Auto-, Chemie-, Pharma- und Schwerindustrie mehr in Deutschland. Statt mit Strom fressenden Rechnern wird wieder mit dem Rechenstab gerechnet, private PC sind wegen möglicher Bildung von Widerstandsnestern gegen die Grüne Regierung ohnehin verboten, ebenso Handys oder Smartphomes. Jeder Haushalt bekommt einmal in 6 Wochen einen Waschtag zugewiesen, die wenigen, noch erlaubten Kühe werden mit der Hand gemolken, Geflügelfarmen und Treibhäuser sind bis auf wenige verboten. Der Flugverkehr stark eingeschränkt, die aus Russland importierten und dort ausgemusterten Züge fahren zum Glück mit Diesel. Also, wozu die Panik. Das bisschen Haushaltsstrom fürs Kaffee kochen und eine warme Mahlzeit am Tag schaffen die Windräder… und wenn nicht, bleibt die Küche eben kalt.“

 

Wer ein Skeptiker in Sachen „menschengemachter“ Klimawandel ist –  mit dem Schwerpunkt auf „menschengemacht“ -,  so wie ich, muss ganz schön mutig sein, solche  Gedanken in einer Runde überzeugter  Vertreter des „menschengemachten Klimawandels“  einzubringen. Inzwischen ist Klimawandel nicht nur ein seit Jahrmillionen bestehendes und immer wieder phänomenales Geschehen  –  eigentlich bekannt und selbstverständlich (kleine Erinnerung an die Schulzeit … kleine Eiszeit …. große Eiszeit …. Grundmoränen …. Endmoränen usw),  nein, Klimawandel ist eine Glaubenssache und ein Politikum. Und wer den politischen und den Experten von der Zunft der Journalisten  in Sachen Klima widerspricht, würde, wären wir noch im Mittelalter, vermutlich ein schreckliches Ende nehmen.

Für manche Wissenschaftler hat der Widerspruch schon ein schlechtes Ende genommen… sie wurden einfach kalt gestellt, ihre Artikel werden nicht mehr veröffentlicht, zu Kongressen werden sie nicht mehr als Redner eingeladen … und vermutlich entstehen ihnen dadurch auch finanzielle Nachteile.

Wie gut, dass ich „nur“ Werk- und Hauswirtschaftslehrerin war und jetzt im Ruhestand bin.

Beim Thema Hauswirtschaft fallen mir auf der Stelle auch einige Themen ein, die im Strom der wichtigsten Medien  auf sanften Wellen der Zustimmung schaukeln, aber  mir mindestens ein Stirnrunzeln hervorrufen…

Von Milchkannen und Fortschritt… 26. November, 2018

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gesellschaft, medien, politik.
Tags: , , , ,
add a comment

Unsere Bundesbildungsministerin ließ neulich verlauten, dass ein schnelles Internet nicht an jeder Milchkanne notwendig sei…

Ich fühlte mich angesichts dieser Aussage an einen alten Spruch meines Vaters erinnert, der nämlich Bezug nehmend auf den Bahnverkehr zwischen Münster und Gronau (damals noch an der Grenze zu Holland gelegen, mit Betonung auf Grenze, die damals noch deutlich gekennzeichnet und gesichert war) seufzend erklärte, die Eisenbahn  hielte an jeder Milchkanne, was das schnelle Fortkommen überaus erschwerte, ja, extrem verlangsamte, gleichsam also verunmöglichte.

Vermutlich hat auch die Ministerin einen ähnlich lautenden Seufzer vernommen, stammt sie doch  – wie ich gelesen habe – aus dem schönen Münsterland, da halten offenbar nicht nur die  Nahverkehrszüge immer noch an jeder Milchkanne, da hält man auch ansonsten wenig von Geschwindigkeit und Beschleunigung. Anders kann ich mir das Statement einer „Bildungsministerin“ von „Internet nicht für jede Milchkanne“ nun wirklich nicht erklären.

Vielleicht, so vermute ich, reicht es der Ministerin ja vollkommen aus, zwischen dem beschaulichen Münster und dem umtriebigen Berlin im Dienstwagen samt eingebautem Telefon zu pendeln und auf Reisen ansonsten zu verzichten,  so dass sie überhaupt noch niemals in die Situation gekommen ist, unterwegs mal kurz ein dringendes Gespräch via Handy führen zu müssen.

Vielleicht geht es der Ministerin ja auch so wie der Kanzlerin, die vor noch nicht allzu langer Zeit treuherzig meinte, das Internet sei Neuland, das es noch zu entdecken gelte und mit dem umzugehen man noch lernen müsse….

Die Kanzlerin hat keine Kinder, sonst hätte sie gewusst, dass schon vor vielen, vielen  Jahren viele, viele Kinder – so auch unsere – ihren Eltern, denen die Schreibmaschine als Hilfsmittel zur schnellen Erstellung von Schriften aller Art noch ausreichte, ständig in den Ohren lagen doch endlich, endlich einen PC anzuschaffen. Die lieben Kleinen wollten damit allerdings weder Texte verfassen noch wirklich Hausaufgaben erledigen – wie sie argumentativ vorbrachten -, sondern surfen und spielen. So jedenfalls kamen wir Anfang der 90er Jahre zum ersten PC, der dann ziemlich bald ans Netz gebracht wurde… (Auch zu meiner Freude, wie ich gerne zugebe!) Und wir standen beileibe nicht an der Spitze der Bewegung hin zu  Internet und weltweiter Kommunikation.

Was die Milchkannen angeht, an denen „Internet nicht von Nöten“ sei, dazu habe ich in diesem Jahr ganz vorzügliche Erfahrungen machen können:

Im Mai war ich in Israel. Es war eine wunderbare Reise. Und wunderbar war es für mich auch, dass ich meine Familie und Freunde so unmittelbar daran teilnehmen lassen konnte. In Israel gibt es nämlich das  Milchkannenprinzip. Praktisch an jedem möglichen Standort für Milchkannen – aber eigentlich überall – hat man ein gut funktionierendes Netz und im Reisebus sogar allen Fahrgästen zur Verfügung stehendes freies  W-Lan, was die Kosten für die schnelle Übertragung von „guckt mal wo ich gerade bin“ ganz erheblich drückt.

Vermutlich ungleich mehr Kühe als in Israel und somit auch  Milchkannen  hat man in Südtirol und Österreich.

In diesen schönen Ländern war ich im August.

Und was soll ich sagen? Selbst im hintersten Zipfel des imponierenden Rosengarten (weltberühmtes Massiv der Dolomiten) hat man Zugang zum „guckt mal wo ich gerade bin Internet“. Die beiden Jüngsten klettern – die Familie kriegt ein Bildchen, wir bewundern die Aussicht auf der Marmolada – der Freundin, die gerade im fernen Jerusalem weilt, wird ein Bild geschickt. Wie wollen wissen, was es mit einem Berg auf sich hat? Google gibt Auskunft, via Internet selbstredend. Und da wir im europäischen Ausland sind, kostet es nicht mehr als daheim. Fein!

Bilder von Milchkannen habe ich allerdings nicht in die Heimat oder in die Ferne gepostet… hätte ich ahnen können, dass die Bildungsministerin von Internet und Milchkannen reden würde, dann, ja dann hätte ich mit Sicherheit auch ein solches Bild gemacht, quasi  „ad oculus demonstrare“.

Jeder Urlaub geht einmal zu Ende. Und so machten wir uns auf die Heimreise. Vom schönen  Südtirol durchs nicht minder schöne Österreich  über den Fernpass Richtung Heimat …  Überall Zugang zum Netz, was auch wirklich gut war, konnte doch der Jüngste sein Smartphone als Wegbeschreiber und Routenberechner zum Einsatz bringen und ich die Langeweile des Mitfahrens  (die Strecke kenne ich inzwischen in- und auswendig)  mit Surfen in den bekannten Netzwerken überbrücken, denn schließlich kann man sich nicht unentwegt über dies und das „im Gespräch versprudeln“, wie es Eugen Roth wohl ausdrücken würde.

Dann erreichten wir die nicht mehr als solche erkennbare Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Freie Fahrt. Keine Kontrolle.

KEIN INTERNET!!!

HURRA, wir sind wieder in Deutschland.

Merke also: Du weisst, dass du wieder in Deutschland bist, wenn dein Zugang zum Internet nicht funktioniert, du nicht in jeder Ecke, ach, was sag ich, wenn du NICHT bei der Fahrt über die  weltberühmten Autobahnen  deines schönen Heimatlandes mit dem Handy überall telefonieren kannst, von Internetzugang gar nicht erst zu reden. (In meinem Lieblingsferienort an der Nordsee muss man an manchen Tagen auf den Deich gehen, um ein „Netz“ zu haben…. tja, moderne Zeiten!)

Nun bin ich ja längst im Ruhestand. Ich bin beruflich überhaupt nicht mehr auf den Zugang zum Internet angewiesen, von daher wird mein Beispiel etwas hinken, mag auch die Frau Ministerin nicht ganz ohne Berechtigung einwenden, dass Internet sei nicht zum Vergnügen da.

Aber es ist für die Bevölkerung im Allgemeinen und für die Berufstätigen im Besonderen so etwas, wie vor gut 500 Jahren die „Taxis-Post“ für die Menschen der damaligen Zeit. Die Thurn und Taxis verdienten sich eine goldene Nase, sorgten aber auch für die reibunslose Zustellung…

Reibungslose Zustellung der Post ist heute leider auch nicht mehr gegeben, seit nämlich nicht mehr pflichtbewusste Beamte den Postdienst betreiben die noch  Recht und Ordnung per Amtseid verpflichtet waren.

Die Zeiten ändern sich.

Die Bahn ist nicht mehr zuverlässiges Transportmittel, nach der man ihrer Pünktlichkeit wegen die Uhr stellen konnte,  selbst wenn sie an jeder Milchkanne hielt.

Dass aber eine Ministerin von heute glaubt, die Zukunft mit Hilfe uralter Kommunikationsmittel gewinnen zu können, das hätte ich mir nicht träumen lassen.

Nicht als Bildungsministerin.

Nicht im Land der Dichter, Denker und Ingenieure.

Nicht in Deutschland, nicht bei uns.

 

 

Die hohe Kunst der Selbstdarstellung…. 12. November, 2018

Posted by Rika in gesellschaft, medien, meine persönliche presseschau, politik.
Tags: , , , , ,
add a comment

… als unverzichtbares Stilmittel in der Politik Angela Merkels.

Die Kanzlerin ist angezählt. Ihre Regierung holpert und stolpert mehr schlecht als recht seit der Bildung der großen Koalition. Keine gute „Performance“ sei das gewesen, mäkelte Andrea Nahles an  dem unglücklichen Verlauf der in Chemnitz ausgelösten „Maaßen-Krise“ und ihrer Regelung.

Nun aber dieses wunderbare Bild….

 

 

„Ein Bild fürs tumbe Volk“, dachte ich, als ich dieses zu Herzen gehende Foto zum ersten Mal sah  –   und zollte der Kanzlerin zum x-ten Mal Respekt für ihre großartige schauspielerische Leistung, mit der sie das Volk immer wieder überrascht – nein,  eigentlich muss „überrumpelt“ geschrieben werden.

Immer, wenn die Kanzlerin unerquickliche Wahrheiten oder Forderungen wie „ihr müsst das jetzt schaffen“, verbrämt als „wir schaffen das“ verbreitet, setzt sie ihr süßestes und unschuldigstes Kleinmädchengesicht auf, so wie es vor ihr wohl nur die für   ihren Seelchenblick  berühmte Schauspielerin  Maria Schell zu Wege brachte. Ein Minenspiel der Kanzlerin,  das jeweils im stärksten Kontrast zur eigentlichen, verbal vermittelten Botschaft steht.

Ich vermute, dass beinahe ALLE , Frauen wie Männer gleichermaßen auf diesen unschuldigen Engelsblick hereinfallen und augenblicklich jeden Gedanken an Kritik oder gar Angriff fahren lassen.
Es ist ihr Trick, sich als die demütig-dienende, uneitel-freundliche Frau aus dem Volk zu präsentieren, der Trick, der ihren kalten Machtanspruch vergessen und übersehen lässt. Wer kann – beim Anblick dieser Unschuldsmine – schon an politisches Kalkül, an Machtbessenheit und Ränkespiele denken?

Aber genau das ist es doch, was die Kanzlerin seit dem damaligen Antritt vor mehr als einem Vierteljahrhundert als „Kohls Mädchen“ gnadenlos und strategisch geschickt umsetzt. Macht, Macht, Macht – mit der sie Gegenspieler auskontert und ihre „alternativlose Politik“ (Energiewende, Griechenlandrettung, Flüchtlingskrise, Klimarettung,  Migrationspakt) nicht zum Wohle des Volkes umsetzt. Ich weiß natürlich, dass die persönliche  Macht unbedingt dazu gehört, will man „Politik machen“. Hat man Schröder seiner offen zur Schau getragenen Macht – „Basta“ ist das Stichwort – heftig kritisiert, so bleibt die Kritik an Merkels Alternativlosigkeit weitgehend aus.   Es ist deshalb der so gut „verborgene Machtanspruch“, der mich schon seit mehreren Jahren und zunehmend irritiert, weil er unerkannt zu großem Schaden führen kann.


Darum ein „Bravo, Frau Kanzlerin, eine bessere Performance gab es nie in der deutschen Politik!“


Performance – nicht der Inhalt zählt, die Darstellung ist alles.

 


Ganz unabhängig von meiner kritischen Bildbetrachtung, bin ich unendlich dankbar dafür, dass die Völker Europas nach dem grauenvollen Morden und Schlachten des Ersten Weltkriegs und dem noch unfassbar brutaleren Schrecken  des Zweiten Weltkriegs gemeinsam über den Gräbern der Gefallenen trauern und sich erinnern können – in der Hoffnung auf eine gute gemeinsame und friedliche Zukunft in Freiheit.

——————————————————————————————————————————

 

Bei Achgut liest man dies: Merkels Backfisch-Offensive

 

 

 

 

 

 

 

Ich habs dann einfach mal geklaut. 7. November, 2018

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, medien, meine persönliche presseschau, politik, presse.
Tags: , , , , ,
add a comment
„Das kann höchstens ein Anfang sein“: 65 000 Besucher beim „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz im September.
„Das kann höchstens ein Anfang sein“: 65 000 Besucher beim „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz im September.

Chemnitz

Eigentlich wirkt Jan Gorkow nicht so, als müsse man Angst um ihn haben. Er ist 1,94 Meter groß, besitzt einen imposant massigen Körper, trägt Vollbart und kurze Hosen, auch bei Herbstwetter. „Freiheit und Hoffnung“ hat er auf eines seiner stämmigen Beine tätowieren lassen. Der 31-jährige Punksänger aus Mecklenburg-Vorpommern strahlt allein durch seine Statur eigentlich eine deutliche Botschaft aus: Man sollte sich besser nicht mit ihm anlegen.

Und doch ist es genau das, wofür Gorkow es mittlerweile auch außerhalb der Musikszene zu erstaunlicher Berühmtheit gebracht hat: Gorkow legt sich gerne an. Vor allem mit Rechtspopulisten, mit Neonazis und mit dem, was manche Wutbürger nennen. Und die wiederum legen sich gern mit ihm an. Gorkow und seine Band mit dem schrägen Namen Feine Sahne Fischfilet sind etwas, von dem man schon gar nicht mehr vermutete, dass es so etwas noch gäbe: Musiker, die mit wütenden Texten und politischer Botschaft nicht nur einen Konzertsaal in Wallung bringen können, sondern auch den ganz großen Politikbetrieb.

„Scheißzecke aus Vorpommern“
„Scheißzecke aus Vorpommern“: Christoph Sell (l) und Jan „Monchi“ Gorkow von der Band „Feine Sahne Fischfilet“.Quelle: dpa

Wenn die Band ein Konzert gibt, gibt es nicht selten Proteste von AfD-Anhängern. Beleidigungen, Beschimpfungen, Hunderte Morddrohungen seien für ihn, der „Scheißzecke aus Vorpommern“, wie er sich selbst nennt, nichts Besonderes mehr. Schon vor zehn Jahren hätten Nazis Aufkleber drucken lassen mit seinem Konterfei – mit gespaltenem Schädel. „Klar“, sagt er, „man hat auch Angst. Aber die Angst darf einen nicht lähmen.“

Feine Sahne Fischfilet ist ein Phänomen. Kaum eine Band tauchte in den vergangenen Monaten so oft in den Nachrichten auf wie die ostdeutsche Punkband. Gorkow hat schon Interviews in der „Tagesschau“ gegeben. Dabei werden die wenigsten Zuschauer ihre Musik je gehört haben.

Je erfolgreicher und bedrohlicher AfD, Pegida und andere rechte Strömungen werden, so scheint es, desto mehr Bedeutung kommt auch dieser Band aus dem Norden Mecklenburg-Vorpommerns zu. Eine Art Gegengewicht zum gängigen Klischee von den Rechten im Osten Deutschlands. Tote-Hosen-Sänger Campino, immerhin so etwas wie der Altvater des politischen Deutschpunks, sagt: „Sie sind ein lebendes Beispiel dafür, dass man Haltung bewahren kann, auch wenn man sich in einem schwierigen Umfeld bewegt und die Zeiten härter werden.“

Tatsächlich hat die Aufmerksamkeit für Feine Sahne Fischfilet viel mit ihrem Umfeld zu tun. Gorkow und seine Band wollen den Rechten in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern nicht das Feld überlassen. Sie wohnen weiterhin in ihren Dörfern – trotz Top-Ten-Charts-Platzierungen, „Tatort“-Soundtrack und neuerdings auch MTV-Music-Awards-Nominierung. Immer wieder spielt Feine Sahne Fischfilet Konzerte auch in den Dörfern im Osten, wo die AfD führende politische Kraft ist. Sie kämpfen um ihre Heimat, obwohl sie ihr eigentlich längst entwachsen sind. Und sie ecken an. Auf mehreren Seiten.

„Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass so ein Konzert höchstens ein Anfang sein kann“: Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Chemnitz am 3. September. Quelle: epd

Ein Montag in Chemnitz im September. Acht Tage sind seit der tödlichen Messerattacke dreier Asylbewerber auf Daniel H. vergangen, sieben seit der Demonstration „gegen Ausländerfeindlichkeit“ voll Hass, Hetze und Hitlergrüßen auf offener Straße. Zehntausende haben sich vor der Johanniskirche versammelt, immer mehr strömen herbei, die Bühne wirkt winzig, selbst Gorkow verschwindet fast neben den riesigen Lautsprechern. Das auf Bannern gedruckte Motto „Wir sind mehr“ ist kaum erkennbar, so gut gefüllt ist der Platz, 65 000 Menschen jubeln ihnen zu. Als Musiker kann man eigentlich nicht viel mehr erreichen. Das Erste, was Gorkow an diesem Abend ins Mikro sagt, ist: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass das nicht alles sein kann. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass so ein Konzert höchstens ein Anfang sein kann. Und dass verdammt noch mal mehr Menschen den Arsch hochzubekommen haben.“

Polarisierung und Provokation

Es sind Sätze, wie sie immer wieder auf Konzerten von Feine Sahne Fischfilet fallen. Keine pausenfüllenden Moderationen, sondern Ansagen, irgendwo zwischen Haltung, Härte und – das mag erst auf den zweiten Blick deutlich werden – auch Herz. „Wenn alle mutlos sind, halten wir uns fest, komm, schlag zurück – denn Angst frisst Seele auf“, singt Gorkow. Er sagt, er singe es für die, „die dann noch die Fresse aufmachen, wenn es was auf die Fresse gab“.

Sie selbst folgen diesem Motto konsequent. Nachdem Politiker der AfD und auch der CDU in Sachsen-Anhalt gegen einen Feine-Sahne-Fischfilet-Auftritt im Rahmen der „ZDF@Bauhaus“-Reihe protestiert hatten, und das Konzert daraufhin aus Angst vor vermeintlich linksradikalen Ausschreitungen abgesagt wurde, gaben sie nicht klein bei. Gorkow bezeichnete die Absage durch das Bauhaus als „auf vielen Ebenen erbärmlich“. Ein Konzert in Dessau gab es dennoch: am Deinstagabend – im ausverkauften Brauhaus statt wie geplant im Bauhaus. Organisiert hat es Feine Sahne Fischfilet in Eigenregie.

Punk, Polarisierung, Provokation – die Band selbst ist längst zum Politikum geworden – spätestens seit sie durch das Staatsoberhaupt zum Streitthema im Berliner Politikbetrieb wurde. Nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Chemnitzer Veranstaltung gegen rechts auf seiner öffentlichen Facebook-Seite geteilt hatte, kam Kritik von allen Seiten. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (die, wie sich später herausstellte, selbst 2016 ein Festival besuchte, auf dem die Band auftrat) sagte in einem Interview: „Das, was wir wollen, ist, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat gegen rechts zu schützen. Und wenn man das dann mit denen von links tut, die genau in der gleichen Art und Weise auf Polizeibeamte verbal einprügeln (…), dann halte ich das für mehr alskritisch.“ (Annegret Kamp-Karrenbauer)

Gefahr für die Jugend?

Doch was stimmt denn nun? Sind die Mitglieder von Feine Sahne Fischfilet die Kämpfer gegen die Radikalisierung und den Hass? Oder sind sie selbst die Bösewichter – linksradikal, extremistisch, eine Gefahr für die Jugend, immerhin einst vom Verfassungsschutz beobachtet?

Wer Feine Sahne Fischfilet besser verstehen will, muss sich Jan Gorkows Leben erzählen lassen. Es ist weniger eine Musikerbiografie als vielmehr ein Lehrstück über Jugendkultur in der ostdeutschen Provinz.

Gorkow, von seinen Fans und Freunden nur „Monchi“ genannt, ist 31 Jahre alt, früherer Hansa-Rostock-Ultra, Sohn einer Zahnärztin und eines Bauunternehmers. Er stammt aus Jarmen, Provinz im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Ein 3000-Einwohner-Kaff, aus dem täglich einmal ein Bus Richtung Stadt rausführt. Monchi war schon immer größer, breiter und lauter als die anderen. Schon als Kind habe er selten geschlafen, „er war wie an einen Akku angeschlossen, immer auf Power“, sagen seine Eltern in der Kinodokumentation „Wildes Herz“, die Schauspieler Charly Hübner kürzlich über ihn gedreht hat.

Vom Ultra zum Punk

Zunächst floß Monchis Energie in den Fußball, als Kind ging er mit den Eltern ins Stadion, als Teenager mit den Ultras, dritte Halbzeiten inklusive. „Eine Zeit lang wusste man nicht, wo es mit ihm hinführt“, sagt die Mutter. „Er war immer vorne mit dabei“, sagt der Ex-Ultra-Kumpel. Mit 14 holten seine Eltern ihn aus dem Gewahrsam in Dortmund ab, weil er einen Polizisten angespuckt haben soll. Mit 19 bekam er zwei Jahre auf Bewährung, weil er einen leeren Streifenwagen angezündet hat. „Abgefuckte Zeit, hat mich krass geprägt“, sagt Monchi heute.

Dass der Junge mal Musik macht, hätten seine Eltern nicht gedacht, nicht einmal Monchi selbst. Die Band gründete sich gegen Ende der Schulzeit vor mehr als zehn Jahren, mehr als Zeitvertreib. In einer Gegend geprägt von alten und neuen Nazis, von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen früher und den Rekordergebnissen der AfD heute. Vor allem rechtsradikale Musik von Landser fand unter den Jugendlichen in ostdeutschen Dörfern Anklang.

Und weil Feine Sahne Fischfilet zunächst unverfängliche Songs über Saufen und Feiern sang, kamen die – damals noch leicht erkennbaren – Glatzköpfe in Springerstiefeln auch zu ihren Auftritten. „Irgendwann musst du dich dann entscheiden, sonst vereinnahmen sie dich, du muss dich positionieren“, sagte Gitarrist Christoph Sell mal in einem Interview. Und die Jungs begannen, sich zu positionieren – in Songtexten, auf Demonstrationen, mit eigenen Aktionen. Und zwar gegen die Rechten. Aber auch massiv gegen die Polizei: „Wir stellen uns in einem Trupp zusammen / Und schicken den Mob dann auf euch rauf! / Die Bullenhelme, die sollen fliegen / Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein!“, heißt es in dem Lied „Staatsgewalt“ von 2009.

Sie überspannten den Bogen, sie stießen an Grenzen, auch an rechtsstaatliche. Von vielen Texten des 2009 erschienen Debütalbums „Backstage mit Freunden“ distanziert sich die Band heute. Die Platte wurde zwar nicht indiziert, brachte sie aber auf den Schirm des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommerns, wegen einer „explizit antistaatlichen Haltung“. Über die „planmäßig angelegte Beobachtung in exakten Zeiträumen von 2011 bis 2013“ wird Gorkow erst im Nachhinein in einem Brief von der Behörde informiert: „Die polizeilichen Maßnahmen sind abgeschlossen. Mit freundlichen Grüßen.“

Verfassungsschutz beobachtete

„Wir sind keine Unschuldslämmer“, sagt Gorkow heute. „Aber wenn der Verfassungsschutz mehr über uns allein zu berichten weiß als über alle rechtsradikalen Bands, die es in Mecklenburg-Vorpommern gibt, dann ist das das Allerletzte.“ Seit 2015 wird die Band nicht mehr im Verfassungsschutzbericht erwähnt – im gleichen Jahr stellt Innenminister Lorenz Caffier (CDU) im Landtag fest: „Das größte Pro­blem ist der Rechtsextremismus.“ Die Zahl der rechtsextrem motivierten Straftaten sei von landesweit 642 im Jahr 2014 auf 952 im Jahr 2015 gestiegen.

„Keinen Plan B“: Feine Sahne Fischfilet im ausverkauften Ostseestadion. Quelle: OVE ARSCHOLL

Der Ton der Band bleibt auch danach rau, die Polizei ihr Feindbild. „Helme warten auf Kommando / Knüppel schlagen Köpfe ein / Wasser peitscht sie durch die Straßen / Niemand muss Bulle sein!“, singen sie 2015 in „Wut“ – ein Text, den ein Bundespräsident nicht gutheißen kann. „Natürlich wird in Texten bewusst schwarz-weiß gemalt“, sagt Gorkow. Aber wenn jede linke Blockade bei Nazi-Aufmärschen mit Wasserwerfen von der Polizei angegriffen oder durchgeprügelt werde, habe man oft das Gefühl von Hilflosigkeit, sagt er. Und eben: Wut.

Nehmen sie es in Kauf, wenn Wut in Gewalt umschlägt? Tatsächlich macht man es sich wohl zu einfach, in der Band eine reine linksradikale Krawalltruppe zu sehen.

Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern. Feine Sahne Fischfilet geht auf Wahlkampftour: „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen Rechtsruck“. Sie plakatieren und organisieren, es gibt Vorträge und Konzerte in Gegenden, wo nur noch NPD und AfD um die besten Plätze für Wahlplakate streiten. Es war Gorkow, der darauf drang, so etwas durchzuziehen. Er ist jemand, der keiner Konfrontation aus dem Weg geht – früher körperlich, heute politisch. Dafür macht er sich stets selbst ein Bild. 2016 war er mit der Hilfsorganisation MV für Kobane in Syrien, kürzlich mit der Seenotrettung Mare Liberum im Flüchtlingslager auf Lesbos.

Die Bühne ist Ventil und politische Plattform zugleich. Pogen auf Partypunk mit Trompeten und Politik. Er sei kein Sänger und habe von Musik keine Ahnung, sagt Gorkow. Dafür ist es allerdings sehr erfolgreich. Ihr neues Album „Sturm & Dreck“ stieg auf Platz drei der deutschen Charts ein. Ab Donnerstag spielt Feine Sahne Fischfilet ihre bisher größte Tour, 7000 Menschen allein in Düsseldorf, ausverkauft. Ob mit alldem ein Traum in Erfüllung geht? „Nö“, sagt Monchi, „den hatte ich nie. Aber auch keinen Plan B.“

Von Julia Rathcke


Möge sich jeder seine eigenen Gedanken machen…

Frau Merkel war in Israel…. 5. Oktober, 2018

Posted by Rika in antisemitismus, araber, araber-"palästinenser", atomabkommen, einwanderung, fatah, gesellschaft, hass, HOLOCAUST, iran, israel, israelkritik, politik.
Tags: , , , , , , , , , , , , , ,
2 comments

„Kanzlerinnengesülze“  kommentierte ich bei facebook wenig charmant den Beitrag, der über die Visite Frau Dr. Merkels in Israel und ihren Besuch der Gedenkstätte Yad Vaschem  berichtete.  Die Kanzlerin hatte sich  mit folgenden Worten  in das Buch der Gedenkstätte eingetragen:

 

 Vor fast 80 Jahren, in der Pogromnacht des 9. November schlugen den jüdischen Menschen in Deutschland Hass und Gewalt in ungeahntem Ausmaß entgegen. Was aber dann folgte, waren die beispiellosen Verbrechen des Zivilisationsbruchs der Shoah. Daraus erwächst die immerwährende Verantwortung Deutschlands, an dieses Verbrechen zu erinnern und Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt entgegenzutreten.“

 

Quelle

Ich will zumindest hier begründen, was mich zu dem despektierlichen Begriff „Kanzlerinnengesülze“ veranlasste.

Da ist zunächst das Statement selbst.

Nicht erst mit der Pogromnacht schlugen den jüdischen Menschen Hass und Gewalt entgegen. „Hass und Gewalt“ reduziert die Kanzlerin hier auf die Zerstörung jüdischer Einrichtungen, die Plünderung der Geschäfte, die Zerstörung und Brandschatzung Hunderter Synagogen in Deutschland.  Hass und Gewalt, so mag die Physikerin gedacht haben, sei in erster Linie ein physikalisches Phänomen, der Angriff auf die körperliche Unversehrtheit der Menschen ebenso, wie auf ihren Besitz oder die von der jüdischen Gemeinschaft genutzten Einrichtungen.  Die perfide und  grausame psychische Gewalt gegen Juden in Deutschland, die dem Novemberpogrom von 1938 aber schon Jahre zuvor vorausging, bleibt aber bei dieser sprachlichen Beschreibung „Hass und Gewalt schlugen in der Pogromnacht entgegen“, verborgen. Psychische Gewalt, die sich im Verlust der Würde und bürgerlichen Rechte,  der bürgerlichen Teilhabe, der Ausgrenzung von allen öffentlichen Einrichtungen und Plätzen, der Verlust der Arbeitsplätze, der Aberkennung akademischer Titel und Auszeichnungen niederschlägt. Psychische Gewalt,  die zunächst bereits ab 1933 schleichend, dann immer offener von Seiten des Staates gegen die jüdischen Bürger und Nachbarn   gerichtet ist, aber auch von  gesellschaftlichen, künstlerischen und  akademischen   Institutionen und nicht zuletzt auch und sogar von kirchlichen Einrichtungen, ja, von Kirchenoberen selbst.

Es sei ebenso an den sogenannten Arierparagraphen erinnert, der Anlass war,viele, viele jüdische Mitarbeiter und Beamte ihres Arbeitsplatzes zu berauben, mit dessen „Hilfe“ Professoren aus den Universitäten, Juristen aus dem öffentlichen Dienst  enfernt und Lehrer aus den Schulen verbannt wurden,  wie an die so offen sichtbaren Hinweise darauf, dass Juden kein Platz mehr in der Gesellschaft zuerkannt wurde, sei es durch  Parkbänke, die mit dem Schild versehen waren  „Nicht für Juden“, durch Geschäfte mit der Aufschrift „Juden unerwünscht“ oder dem hinlänglich bekannten Satz, „Deutsche, kauft nicht bei Juden“.

 

Frau Merkel verdichtet die Ausgrenzung der Juden und die Angriffe auf Juden unter der Herrschaft der Nationalsozialisten  sehr gekonnt, um nicht zu sagen geschickt auf die Begriffe Hass und Gewalt. Denn das bietet ihr eine phantastische  Vorlage, den Blick auf die Gegenwart zu lenken. „Hass und Gewalt“ haben heutzutag in der politischen Begrifflichkeit Hochkonjunktur. Und natürlich sind wir alle gegen Hass und gegen Gewalt. Wer sollte das auch nicht sein, gehört es doch zu den Errungenschaften jeder Erziehung, Hass und Gewalt schon von Kindergartentagen an zu ächten und als für das gesellschaftliche Miteinander nicht förderlich zu brandmarken – mit Recht, wie ich ausdrücklich betone.

Doch zurück zum Eintrag: „Was aber dann folgte, waren die beispiellosen Verbrechen des Zivilisationsbruchs der Shoah.

Ja. Die Ausgrenzung der Juden aus der  Gesellschaft in Deutschland gipfelte in der systematisch geplanten und ebenso systematisch durchgeführten Auslöschung jüdischen Lebens in Europa durch industriemäßig betriebenes Morden: Vernichtung durch Arbeit, Vernichtung durch Folter, Vernichtung durch die Erschießungskommandos der SS, Vernichtung durch medizinische Versuche, Vernichtung durch willlkürlich verhängte Strafen, Vernichtung durch Tod in den Gaskammern. Es war und bleibt für alle Zeit der beispiellose Zivilisationsbruch, den Deutsche zu verantworten hatten. Und ich sage hier sehr bewußt „Deutsche“ und nicht Deutschland. Es waren Menschen, die die Pläne entwarfen, die Konzentrationslager bauten, die Gaskammern und Krematorien für Aber- und Abertausende. Es waren Menschen, die als Wachen in den KZs arbeiteten, die an der „Rampe“ standen, die die Züge fuhren, die die Juden in den Städten zum Abtransport zusammentrieben. Es war nicht das „anonyme Deutschland“. Jeder einzelne  an der Vernichtung Beteiligte, hatte einen Namen, führte ein ansonsten ziviles Leben.

Daraus erwächst die immerwährende Verantwortung Deutschlands, an dieses Verbrechen zu erinnern“ schrieb die Kanzlerin weiter. Die Verantwortung, zu erinnern.  Das tut „Deutschland“. „Es“ legt an den beiden Gedenktagen – dem 9. November, Nacht der Pogrome und Nacht der Zerstörung der Synagogen –  und am 27. Januar – offizieller Gedenktag zur Befreiund des Vernichtungslagers Auschwitz – Kränze nieder, seine politischen und kirchlichen Repräsentanten halten Reden und Schüler inszenieren Gedenkveranstaltungen. Die Reden – treffen sie noch die Bevölkerung von heute? Und was wissen die Leute über die Shoa, den Holocaust wirklich? Und hat nicht in den letzten Jahren eine unmerkliche Veränderung in den Aussagen dieser Reden stattgefunden, immer weiter weg vom Gedenken, immer mehr hin zu den allgemeinen Floskeln, die die Kanzlerin in ihrem letzten Teil bemüht?

und Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt entgegenzutreten.“

Antsemitismus entgegentreten. DAS wäre wirklich gut, wenn das auch passierte. Aber erschöpft sich das nicht längst  in allgemeinen, floskelhaften Reden und dem Einsetzen eines „Antsemitismusbeauftragten“.

Wann hat denn die Kanzlerin tatsächlich „Gesicht gezeigt“, wann hat sie beispielsweise je  in einer eigens anberaumten Sondersendung scharfe Kritik geübt am „Al KudsTag“, an dem Tausende durch die Straßen deutscher Großstädte ziehen und anti-israelische Parolen brüllen, israelische Fahnen verbrennen, ihren Hass auf Juden ungebremst äußern? Wann weist sie die Anhänger der BDS-Bewegung deutlich in ihre Schranken, und zwar ganz ausdrücklich mit dem Hinweis, dass BDS eine zutiefst antisemitische Bewegung ist, die in Wirklichkeit doch nichts mit der realen Politik Israels zu tun hat, sondern aus blankem Hass auf „Juden in Israel“ besteht. Da ist er doch wieder, der alte Nazi-Slogan „Deutsche, kauft nicht bei Juden“, er ist doch nur marginal abgewandelt in „Deutsche, kauft nicht bei Israelis“, nicht bei den Israelis, die Arabern in den Gebieten Arbeit und Lohn geben in Industrie und Landwirtschaft.

„Künstler, singt nicht für Juden, spielt nicht Theater für Juden“,  „Sportlern tretet  nicht gegen Juden an“.  ISRAELIS, denen dieser Boykott  in letzter Zeit immer häufiger gilt,  SIND JUDEN!

Doch auch in Deutschland, ja, ja, hier bei uns ruft BDS zum Boykot künstlerischer Darbietungen auf, Darbietungen jüdischer Israelis für ein Publikum  in Deutschland.

Hat man je vernommen, dass die Kanzlerin sich deutlich dagegen ausspricht? Ich würde das aber angesichts der aktuellen Entwicklung in Deutschland von der Regierungschefin erwarten.

Sie macht aber lieber den großen Rundumschlag: „Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt entgegenzutreten.“

Nicht, dass ich etwas dagegen hätte… ich sagte es ja schon.

Aber die Verklausulierung „Fremdenfeindlichkeit“ verhindert die scharfe Zurückweisung des Antisemitismus durch Fremde. Machen wir uns doch nichts vor! Neben dem wieder erstarkenden „traditionellen deutschen Antisemitismus“ wächst der importierte Antisemitismus, eingeführt von denjenigen, die als Schutzsuchende, Flüchtlinge, Asylanten nach Deutschland kommen und ihre Kultur, ihre religiösen Überzeugungen und ihren religiös begründeten Antisemitismus mitbringen. Und manche von ihnen bringen auch Gewalt mit und Hass. Hass auf Israel, Hass auf Juden.

Fremdenfeindlichkeit, die wird sehr schnell denjenigen unterstellt, die einfach nur kritisch nachfragen, ob und wie unsere Gesellschaft die Aufnahme und Integration vieler Menschen aus einem völlig fremden Kulturkreis bewältigen und schaffen kann. „Fremdenfeindlichkeit“, dieser Begriff wird zu einer sprachlichen Waffe gegen die Mahner und gegen die Kritiker einer als nicht länger planvoll wahrgenommenen Regierungskpolitik.

Und „Fremdenfeindlichkeit“ wird von vielen Leuten des öffentlichen Lebens in Politik und Kirchen dem Begriff Antisemitismus gleich gestellt, obwohl sich diese Gleichstellung gerade aufgrund unserer Geschichte absolut verbietet. Das macht mich sprachlos.   Ich bin ausdrücklich gegen Fremdenfeindlichkeit, einer Fremdenfeindlichkeit, die sich in Herabsetzung, Verächtlichmachung, Ausgrenzung gegenüber den Menschen äußert, die in Deutschland Zuflucht suchen, Feindlichkeit, die sich in Gewaltaktionen gegen Fremde niederschlagt, die Hass auf andere für „gutes Recht“ hält.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Iran.

Wie kann sich die Kanzhlerin und mit ihr Herr Scholz hinstellen und allen Ernstes treuherzig behaupten, der Iran-Deal sei wichtig und Deutschland würde mitnichten daran festhalten, weil die Wirtschaft gute Geschäfte mit dem Iran machen will und macht, sondern weil DER DEAL ISRAELS SICHERHIET DIENE!  Was hat die Regierung für Berater? Sprechen die kein Arabisch, kein Farsi, kein Türkisch? Wissen die nicht, was die Mullahs seit Jahr und Tag in den Moscheen und Fernsehsendungen predigen, welchen Hass sie auf Israel Tag für Tag immer  und immer wieder äußern, wie groß ihr Wille (und dank des Atomdeals wohl auch ihre Möglichkeiten) sind, Israel zu vernichten?

Und wie schon so oft in diesem Blog, frage ich wieder, warum in den öffentlichen Stellungnahmen NIEMALS  die Herren von der Fatah und Hamas aufgefordert werden, Israel anzuerkennen als Staat der Juden? Immerhin dazu hat sich die Kanzlerin halbherzig durchgerungen, zu verlautbaren, dass Israel ein jüdischer Staat sei.

Aber ein entschiedenes Eintreten für Israel waren ihre Worte nicht.

Mir kam und kommt es eher so vor, als sei das „digitale Entwicklungsland“ Deutschland dringend auf die Zusammenarbeit mit den hervorragenden Spezialisten in Israel angewiesen und als würde man nun endlich erkennen, dass der „Industriestandort Deutschland“ vor gut 12 Jahren, als die Kanzlerin überraschend erklärte, aus der Atomkraft aussteigen und sich ganz dem Wind und der Sonne verschreiben zu wollen (und dem Mais) in einen tiefen Schlaf der grünen Gerechten gefallen sei, in dem man von einem wunderbaren Abgas- und Emmisions freien herrlichen Land träumt…. und nun plötzlich feststält, dass man mit Biobauernhöfen allein kein Wirtschaftswachstum generieren kann. (Das war nun ein bisschen übertrieben und frech und gehört eigentlich nicht zum Thema….. es dient nur meiner eigenen Psychohygiene, man möge mir verzeihen.)

 

Anbiederung der Kanzlerin und ihrer Regierung an Israels Wirtschaftsleistung ohne Zusicherung, für seine Exitenz mit allen Mitteln einzustehen, bei der UN, in der EU, in Deutschland, bei rechten, linken und muslimischen Israelwidersachern,   das schien  mir  gegeben zu sein.

Darum mein „Kanzlerinnengesülze“.

 

ES freut mich, dass viele Israelis in Israel den Besuch sehr viel positiver empfunden habe, als ich hier an meinem PC.

„mea culpa“…. sprach die Kanzlerin 26. September, 2018

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, medien, migration, politik, presse.
Tags: , , , , , , ,
add a comment

Oh, dachte ich bei ihren ersten Worten,  sie gibt zu, Fehler gemacht zu haben.

Hat der Mensch Töne?!

Aber schon die nächsten drei unerschrocken in die Mikrofone geschnodderten Sätze machten mir klar, dass sie keineswegs einen Fehler einräumt, dass sie vielmehr nur ihre Taktik als „nicht vermittelbar“ angesehen hat und darum nun auch ändert.  Die Taktik war, Herrn Maaßen einfach vom Präsidentenstuhl des Verfassungsschutzes auf den Stuhl eines Staatssekretärs zu setzen – um ihn als lästigen Korrektor ihrer Politik der allgemeinen Verunsicherung endgültig los zu werden. Und die Gelegenheit war ja so günstig.  Ein „Zeckenbiss“ liefert quasi die Steilvorlage zum sofortigen Handeln. Der Pressesprecher der Kanzlerin sprang als erster auf die Zeckenbisssteilvorlage an, Frau Merkel höchstselbst folgte ein wenig später. Von Zusammenrottung der Rechten war die Rede, von Hetzjagden auf Flüchtlinge durch Chemnitz.  Herr Maaßen bemühte aber das rechte, richtige  Maß und konnte die Ansicht der Kanzlerin so nicht teilen. Und weil Herr Maaßen ein hohes Maß an Verantwortung und Rechtsbewusstsein hatte, legte er seine Sicht der Dinge dar.

Aber es ist bisher niemandem in Frau Dr. Merkels Umfeld gut bekommen, sich öffentlich gegen die geäußerte Meinung der Kanzlerin zu stellen, schon gar nicht den Leuten, die von Amts wegen diesem Staat verpflichtet sind, wie es nun einmal der Prädisent des Verfassungsschutzes ist. Zwar ist der Präsident des VS nicht zur Loyalität der Kanzlerin gegenüber verpflichtet, wie es der Herr Hofreiter in aller Naivität, dafür aber mit Ausdruck höchster Empörung über den unbotmäßigen Präsidenten äußerte, sondern einzig und allein dem Grundgesetz und der Verfassung gegenüber, sich aber mit seiner Interpretation der Vorgänge von Chemnitz gegen die Regierungschefin zu stellen, das geht gar nicht.

Und natürlich beeilten sich sämtliche Medien, die mitregierenden Genossen und die, die  gern auch oder  mit regieren würden von den Grünen, Linken und der FDP in das hysterische Verurteilen mit einzustimmen. Wobei es sich allzu gut traf, dass die oben angeführten Politiker (vielleicht mit Ausnahme der CSU) den Herrn Innenminister schon lange auf der „schwarzen Liste“ führten als den lästigen Querkopf, den es schnellstmöglich – spätestens nach der Wahl in Bayern – los zu werden galt und immer noch gilt, der Herr Innenminister aber mit allen Mitteln an Herrn Maaßen festhalten wollte.

Der mediale Aufstand hatte – wenn ich mich nicht täusche – vor allen Dingen den Zweck, Herrn Seehofer endgültig ins Abseits zu stellen, und wenn man sich einige der Ausdrücke zu Gemüte führt, mit denen der Minister von den Mitregierenden wie von den politischen Gegnern bedacht wurde und wird, so kann einen schon das Grausen überkommen. Der Spiegel titelte gar „Gefährder“ mit dem Konterfei Seehofers – als hätte es einen Anis Amri nie gegeben, als gäbe es nicht  vom Verfassungsschutz ausdrücklich so und nicht anders genannte ‚“Gefährder“ aus den Reihen der Eingewanderten mit muslimischem Glaubensbekenntnis.

Aber das wollte ich ja eigentlich hier gar nicht zur Sprache bringen.

Ich wollte eigentlich sagen, dass ich angesichts des  „mea culpa“ sehr viel weiter zurück gehen  würde, nämlich beinahe bis an den Anfang ihrer Karriere als Spitzenfrau der CDU, als sie mit lächelndem Gesicht einen möglichen Nebenbuhler nach dem anderen ins Abseits stellte, vergraulte, weglobte, bis keiner mehr da war, der  parteiintern  ihre einsam gefassten Beschlüsse in Zweifel ziehen oder gar öffentlich kritisieren würde. Umgeben von Ja-Sagern und Beifallklatschern hat sie nach und nach  demokratische Prozesse der Problemlösung ausgehebelt. Und niemand hat auch nur je den Vorwurf erhoben, sie sei ein „Machtmensch“, wie man das dem „Basta-Kanzler“ Schröder kritisierend unterstellte.  Mit heiter lächelndem Gesicht und beinahe kindlicher Attitude verkaufte sie ihre Entscheidungen bei Auftritten vor der Presse als „alternativlos“.   Die „freundlich-feindliche Übernahme“ fremder Parteiprogramme haben in der Folge die Debatte im Bundestag geschwächt. Wie kann Opposition aussehen, wenn die Kanzlerin genau das als ihre ureigenste Marschrichtung ausgibt, das jahrelang der Markenkern der eigenen Partei (die Grünen) war – Stichwort: Atomausstieg, Stichwort: Energiewende. Vielmehr buhlten doch die Grünen geradezu darum, mit regieren zu können.

Frau Merkel hat die SPD in der ersten GroKo ebenso geschwächt, wie später die FDP in ihrer zweiten Amtszeit. Das muss man bewundernd anerkennen, wie sie es beinahe ohne jeden medialen Widerstand schaffte, einer Schwarzen Witwe gleich, jeden politischen Partner auszusaugen und bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln – wobei ich zunächst staunend, dann mehr und mehr irritiert zu sah, wie  meine eigene Partei (die SPD) in dem Bemühen, sich dem Würgegriff der Kanzlerin zu entwinden und das eigene Profil zu schärfen, mehr und mehr auf Nebenschauplätzen einen Schattenkampf ausführte, ohne Erfolg, wie die Wahlergebnisse zeigten. Die Big Points wurden vom Kanzlerlamt vermarktet,  nicht von den zuständigen Ministerien, selbst wenn sie dort erarbeitet worden waren.

 

Und während ich dieses schreibe, hat Frau Merkel einen weiteren, entlarvenden Akzent gesetzt, unfreiwillig zwar, aber wieder heben die Medien genau diesen Aspekt hervor.

Ihre Parteikollegen der CDU/CSU-Fraktion haben in geheimer Wahl den langjährigen Vertrauten der Kanzlerin, Volker Kauder, abgewählt. Damit hatte niemand gerechnet.  Und was wird besonders betont?

Das Merkel’sche Statement:  „Das ist eine Stunde der Demokratie, in der gibt es auch Niederlagen, und da gibt es auch nichts zu beschönigen“, (Quelle)

Das IST DEMOKRATIE, Frau Kanzlerin, und ich hätte mir gewünscht, nicht nur eine Stunde davon zu erleben in den letzten 13 Jahren ihrer Amtszeit, sondern viele, viele Stunden, in denen deutlich geworden wäre, wie Demokratie funktioniert, und in denen auch eine mächtige Kanzlerin zurück stehen musste gegenüber dem Votum des Parlaments. Man erinnert sich an Abstimmungen im Bundestag beispielsweise zur Anerkennung des „Völkermordes an den Armeniern“ an dem die Kanzlerin geschickterweise durch Abwesenheit glänzte und dem zürnenden Erdogan anschließend erklärte, diese Abstimmung habe ja keinen bindenden Charakter.  Für mich markiert diese Haltung einen Tiefpunkt  der demokratischen Haltung einer Angela Merkel gegenüber dem Parlament und dem Volk.

 

Doch der Wind scheint sich zu drehen für die „mächtigste Frau der freien Welt“.

Die Medien formulieren vorsichtige Rücktrittsphantasien.

Aber – und das ist vermutlich ein weiterer Big Point für Angela Merkel – die Angst vor Neuwahlen und dem zu erwartenden Erfolg der AfD wird dazu beitragen, dass diese GroKo weiter regieren wird . Zumindest hat Frau Merkel  eine Galgenfrist bis zum Ergebnis der Bayernwahl –  dann wird man vermutlich Seehofer den jetzt bereits erwarteten Misserfolg ankreiden, die Kanzlerin wird ihn entlassen und einen neuen Innenminister aus dem Hut zaubern und alles geht seinen weiteren Gang bis zum bitteren Ende.

Ach ja, noch dies: Alle, fast alle empörten sich über Seehofers Satz, die Migration sei die Mutter aller Probleme.  Das ist in der Tat nicht schön formuliert, trifft aber vermutlich den Kern der politischen Krise, in der Deutschland steckt. Da mag die SPD noch so sehr darauf hinweisen, wie gut sie für die Bevölkerung den Koalitionsvertrag ausgehndelt habe und dass es doch nun richtig und wichtig sei, diesen Punkt für Punkt abzuarbeiten.

Solange die regierenden Parteien nach wie vor blind und taub sind für die Zwischenrufe aus dem Volk nach der Lösung der drängenden Einwanderungsfrage, werden die Zuwächse für die gefürchtete rechtslastige AfD nicht kleiner werden.  Es gibt sie doch die Mahner in den Parteien, nicht länger den Fragen auszuweichen… aber Herr Bosbach wird so wenig gehört von den Entscheidern wie Herr Sarrazin. Sie sprechen höchst unbequeme Wahrheiten unerschrocken aus und es läge ein gewaltiges Potential in diesen Aussagen, das die Regierung nutzen könnte. Aber es ist natürlich leichter, die unbequemen Kritiker ins Abseits zu stellen, als sich der notwendigen Diskussion endlich, endlich zu stellen.

Folgt man aber den Ausführungen Schäubles, die er erst vor ein paar Tagen zum Thema  Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern machte, so kann man sicher sein, dass genau diese Auseinandersetzung nicht erfolgen wird.

Und nichts zum ersten Mal frage ich mich, WARUM .

 

Sarrazins neues Empörungsbuch liegt auf dem Tisch… 7. September, 2018

Posted by Rika in aktuell, einwanderung, gesellschaft, islam, medien, meinungsbild, migration, politik, presse.
Tags: , , , , , ,
add a comment

… nicht nur auf den Verkaufstischen der Buchhändler, auch auf meinem Schreibtisch.

Nach „Deutschland schafft sich ab“  schafft es nun ein weiteres Buch Thilo Sarrazins in die Hitlisten der Empörungsrklärungsgesänge, um es einfach ganz neutral zu sagen und niemanden zu vergnatzen oder zu beleidigen, der sich bereits einschlägig zum Buch, wie zum Autor geäußert hat.

Soviel kann ich nach dem Lesen der ersten gut 100 Seiten sagen:  Ich kann verstehen, dass manche Leute verstört sind und / oder das Buch in Grund und Boden kritisieren… Ich gehöre allerdings nicht dazu, auch wenn ich noch nicht weit vorgedrungen bin in Thilo Sarrazins, von Statistiken und Zahlen gespeiste Überlegungen zur Lage der Nation.

Jemand, der nicht verurteilt, gleichwohl aber kritisch gelesen hat, ist Dr. Johannes Kandel.

Sehr ausführlich nimmt er zu den einzelnen Kapiteln und Argumentationsgrundlagen Stellung. Es ist ein langer Text. Wer ihn gänzlich gelesen hat, wird darin eine gute Entscheidungshilfe für oder gegen das Buch gefunden haben und ist nicht mehr ganz so hilflos auf die Rezensenten verwiesen, die sich bisher in erstaunlich gleich lautender, negativer Kritik geäußert haben … was mich auf den nicht so schönen Gedanken gebracht hat, ob sie vielleicht alle vom selben Erstkritiker abgekupfert haben könnten….

Mit ausdrücklicher Genehmigung Dr. Kandels stelle ich darum diesen „fast“ Gegenentwurf zum allgemeinen Verdammungsurteil ein. (Aufmerksam geworden bin ich auf die Rezension bei Facebook)

 

Hier nun der lange Text, mit großem Dank an Dr. Kandel für die Arbeit, die er geleistet hat:

Liebe FB Freunde, ich habe Thilo Sarrazins Buch über das Wochenende gelesen und rezensiert. Es ist recht lang geworden, aber – im Gegensatz zu den überwiegend feindseligen Medien – möchte ich wenigstens mitteilen, was in dem Buch drinsteht. Die Rezension setzt einen Kontrapunkt zur Medienhetze. Ich würde mich über weite Verbreitung freuen.

THILO SARRAZIN, Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesell-schaft bedroht. FBV-Verlag, München, 2018. 495 S., € 24,99.

Das von Freunden Sarrazins lang erwartete und von seinen Feinden gefürchtete Buch ist endlich erschienen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten fehlt mir jedes Verständnis dafür, warum Random-House das Buch nicht verlegen wollte und die SPD Sarrazin wieder ausschließen will. Der Titel „Feindliche Übernahme“ ist provokativ und soll es auch sein. Diese „feindliche Übernahme“ Deutschlands und Europas geschehe, weil die Muslime in nächster Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklungen (siehe seine Prognosen in Tabelle 1, S. 488 f.) eine Mehrheit in Deutschland und Europa bilden könnten (frühes Heiratsalter, Verwandtenehen, Kinderreichtum). Dies würde das Ende der westlichen Zivilisation und Kultur bedeuten, weil der Islam der in Europa über Jahrhunderte erkämpften Moderne in Glaubenslehren und religiöser Praxis diametral entgegengesetzt sei. Denn der Islam

• verweigert den universalen Menschenrechten Anerkennung, d.h. lässt sie nur im Rahmen der Scharia gelten;
• kennt keine Trennung von Religion und Politik, sondern übt totale Herrschaft mittels der bis in die Alltagswelt der Menschen reichenden religiösen Normen (Gottes Gebote, Scharia) aus;
• verkündet die ewige Gültigkeit und Unveränderbarkeit seines grundlegenden Glaubensdo-kuments, des Koran: „Der Koran ist Wort für Wort die göttliche, ewige und letzte Offenba-rung Gottes aus dem Munde des Propheten Mohammed. Neben dem Koran gelten weiterhin die zuverlässig überlieferten Worte des Propheten und seine Lebenspraxis als verbindlich“ (S.214).
• hat die Muslime mit einem unerschütterlichen „Überlegenheitsbewusstsein“ ausgestattet;
• trennt die „Gläubigen“ scharf von den „Ungläubigen“ und weist die Muslime an, die „Un-gläubigen“ zu bekämpfen;
• erlaubt nur Juden und Christen eine gewisse Sonderstellung als „Schriftbesitzer“. Sie dürfen ihren Glauben unter strengen Auflagen praktizieren, sind aber in der islamischen Welt Bürger zweiter Klasse, vom grassierenden Antisemitismus und anhaltenden Verfolgungen von Christen ganz abgesehen;
• befestigt und befördert bis heute die Unterdrückung der Frau;
• bedroht „Abgefallene“ vom Islam („Apostaten“) mit mindestens sozialer Ächtung. In einigen islamischen Staaten wird der Abfall mit der Todesstrafe geahndet.

Das sind durchaus bekannte Tatsachen, mit denen sich Heerscharen von Wissenschaftlern (seit Beginn einer „Islamwissenschaft“ in Deutschland, also ca. Mitte des 19. Jahrhunderts), Politiker, Medienvertreter und Repräsentanten aller nicht-islamischen Religionen seit sehr langer Zeit intensiv beschäftigt haben. Sarrazin präsentiert durchaus Bekanntes, aber in zugespitzten, plakativen Zusammenfassungen und mit gewaltigem Zahlenmaterial (Statistiken, Studien, Meinungsäußerungen, muslimische biographische Aussagen und teilnehmende Beobachtungen). Um es gleich am Anfang zu sagen: das ist informativ und regt zum produktiven Streit an. Es ist ein wichtiger Beitrag zum Islamdiskurs aus Sicht eines ehemaligen Politikers und Amtsinhabers. Sarrazin erhebt nicht den Anspruch, Islamwissenschaft zu betreiben, er nähert sich seinem Forschungsobjekt ganz persönlich.

Nach ausführlicher Koran-Lektüre in der bekannten deutschen Übersetzung von Rudi Paret (1901-1983), einem renommierten Islamwissenschaftler, präsentiert Sarrazin eingangs die grundlegenden Inhalte der „koranischen Offenbarung“ (S. 23-46) mit zahlreichen Koran Zitaten. Allein für die An-strengung, diesen sperrigen, langatmigen, von ständigen Wiederholungen geprägten Text, „von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen“ zu haben (S. 23), gebührt dem Autor, der sich als „Agnostiker“ (S. 7)* outet, Respekt. Es ist sicher gut, einen solchen schwierigen Text direkt auf sich wirken zu lassen, gleichwohl können durch diese Art der Lektüre auch unnötige Irritationen entstehen, die sich mit Hilfe einer parallel zu Rate gezogenen Einführung (z.B. Tilman Nagel, Der Koran. München, 2002) vermeiden ließen. Allerdings ist der bereits von Kritikern erhobene Einwand, den Koran könne man nur im arabischen Urtext lesen und verstehen völlig unsinnig. Nähme man das ernst, so schlösse man Millionen nicht-arabisch sprechender Muslime vom Verständnis des Koran aus. Und auch wenn der Koran auf Arabisch „bekannt“ ist, beschränkt sich das „Arabisch-Können“ bei zahlreichen Muslimen auf die mühsam auswendig gelernte Rezitation, ohne jedes Verstehen der Inhalte. Eine textkritische Lesart und ein offener, pluralistischer Diskurs über den Koran ist nicht erwünscht, ja wird, wie zahlreiche „liberale Muslime“ bezeugen, entweder sanktioniert oder ganz unterbunden. Noch widersinniger ist der Vorwurf, der Autor könne nicht Arabisch. Diese arrogante und elitäre Einlassung, nähme man sie ernst, würde im Klartext bedeuten, den Islamdiskurs auf die vermeintlich „Wissenden“ zu beschränken und allen anderen das Recht auf Stellungnahme und Beurteilung abzusprechen. Man stelle sich diese Forderungen einmal im Blick auf andere Sprachen vor, Chinesisch, Russisch, Hebräisch etc. Es gäbe weltweite Kommunikationsabbrüche mit unabsehbaren Folgen für das Zusammenleben von Nationen.

Die koranische Offenbarung und die islamische Weltsicht

Sarrazins surenfundierter Schnelldurchgang durch den Islam mit Erläuterungen zu Gott, Mohammed, Gläubigen, Ungläubigen, Christen, Juden, Dschihad, Frauen, Sexualität, Auferstehung, Hölle, Paradies und Scharia, ist für den Kenner nicht unbedingt neu, für den uninformierten Leser aber eine ganz gute Einführung, wobei natürlich klar ist, dass die Auswahl der Suren auch ein interessegeleiteter Akt ist. Wenn die Sarrazin-Kritiker und seine Feinde aus Politik, Wissenschaft, Medien und Kirchen, die Beschwichtiger und Verharmloser, das Buch überhaupt lesen (!), werden sie schon hier ihre ersten Verdammungsurteile formulieren: zu pauschal, verzerrend, negativistisch, nicht „wissenschaftlich“ usw. Einen Anspruch auf neue Koranforschung erhebt Sarrazin auch nicht, aber er kennt durchaus konträre Forschungsansätze zum Korantext (z.B. Neuwirth, Ohlig, Nagel). Er erläutert das Verhältnis von koranischem Text und „Hadithen“ (Mitteilungen über Mohammeds Aussprüche und Verhalten = „Sunna“).

Der Autor wendet sich gegen die gebetsmühlenartig vorgetragene These, „das habe alles mit dem Islam nichts zu tun“ und zeigt den Zusammenhang von Islam, Islamismus und Terrorismus auf. „Nimmt man den Koran auch nur einigermaßen beim Wort, so ist der Islam beim besten Willen keine Religion des Friedens und der Toleranz, sondern eher eine ‚Gewaltideologie, die im Gewand einer Religion daherkommt.‘“ (S. 63 f.) Allein das wird seine Kritiker empören, umso mehr als dass er – bei Anerkenntnis von allen ethnischen und kulturellen Ausprägungen des Islam – ein gemeinsames „Muster“ , eine bestimmte „Weltsicht“ des Islam behauptet: Der Islam sei „dem selbständigen Den-ken grundsätzlich abhold“, er begünstige „Autoritätshörigkeit und Gewaltbereitschaft“, befördere „eine Tendenz zum Beleidigtsein und zur Intoleranz“, behindere „Wissbegier und Veränderungsbereitschaft“, er belaste das „Verhältnis der Geschlechter“ und behindere die „Emanzipation der Frau“. Der Islam stütze „Unbildung, frühe Heirat und Kinderreichtum“. Er fördere „Rückständigkeit“, behindere „Meinungsfreiheit und Demokratie“. Die der „dem Islam innewohnende demografische Sprengkraft“ sei „eine Bedrohung für die Zukunft und die Stabilität der westlichen Welt.“ (S.71) Es ist demnach nicht der „böse“ Islamismus, der das alles verkörpert, sondern es ist der Islam selbst, wobei Sarrazin dies alles nicht umstandslos dem „Wesen“ des Islam zuordnet. „Die Frage nach dem ‚Wesen‘ des Islam ist zwar sinnvoll. Ihr Erkenntniswert wird aber dadurch begrenzt, dass die Frage nach dem ‚Wesen‘ einer Religion nicht getrennt werden kann von der Praxis der Gläubigen“ (S.20). Es kann dem Autor nicht der Vorwurf gemacht werden, er argumentiere „essentialistisch“, d.h. leite aus einem konstruierten „Wesen“ des Islam seine Bewertungen und Urteile ab.

Er beginnt mit scharfen Ansagen, die er in den folgenden Kapiteln 2 bis 4 (S.73-369) zu belegen sucht.

Die islamische Staatenwelt, demografisches Gewicht und Rückständigkeit

Sarrazin beleuchtet die „islamische Staatenwelt von Arabien bis Indonesien“, arbeitet „Problemzonen islamischer Gesellschaften“ heraus und befasst sich eingehend mit „Muslimen in den Gesellschaften des Abendlandes“. Ganz nüchtern präsentiert er zunächst Zahlen über Muslime im Weltmaßstab: Lebten 1950 470 Millionen Muslime auf der Welt (19% der Weltbevölkerung), so sind es jetzt 2,3 Milliarden (31% der Weltbevölkerung), eine Steigerung um das Fünffache. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Bevölkerung in den islamischen Staaten im Vergleich zu Europa sehr jung ist: „2015 betrug das sogenannte Medianalter der Bevölkerung (50 Prozent sind jünger, 50 Prozent sind älter als der Median) in Europa 41,7 Jahre, in Deutschland sogar 46,2 Jahre, in den islamischen Ländern dagegen nur 25,2 Jahre.“ Teile der Öffentlichkeit schauen ja besorgt auf Staaten mit großem Einwanderungsdruck nach Europa „(muslimisches Subsahara-Afrika, Syrien, der Irak und Afghanistan)“. Hier liegt „das Medianalter noch niedriger, nämlich bei 18 bis 20 Jahren“ (S.87). Sarrazin belegt die bekannte Tatsache des kontinuierliche Wachstums der Bevölkerung in der islamischen Welt mit Verweis auf die „Nettreproduktionsrate“ („ein statistisches Maß für die Fruchtbarkeit einer Bevölkerung“, S. 88), am stärksten in Afrika, dessen muslimische Bevölkerung sich in jeder Generation verdoppelt (!). Nach einer aktuellen UNO-Bevölkerungsprognose sollen 2050 in den islamischen Ländern „gut viermal und 2100 gut sechsmal so viele Menschen leben wie in Europa“ (S. 90). Mit dem emeritierten Pädagogik Professor und Soziologen, Gunnar Heinsohn, ist Sarrazin der Auffassung, dass junge Männer zwischen 15 und 20 deutlich gewaltbereiter und aggressiver seien als die Altersgruppe der Älteren zwischen 55 und 60. Die Relation hier zwischen den Jungen und Älteren nennt Heinsohn den „Kriegsindex“ und der liege für Europa bei 0,8 (für Deutschland bei 0,7). Für die gesamte islamische Welt betrage er 3,1. Den größten Kriegsindex hätten Mali (6,5) und Afghanistan (6,0) (S. 89). Darüber ist im wissenschaftlichen und politischen Diskurs gestritten worden mit dem Zwischenergebnis, dass der demographische Faktor und der „Kriegsindex“ in jedem Falle eine wichtige Rolle zur Erklärung jungen Aggressionspotentials spiele. Sarrazin schlussfolgert: Je rückständiger, bildungsferner und wirtschaftlich erfolgloser eine Gesellschaft ist, umso größer ist das Bevölkerungswachstum. Die Bedeutung der Religion in diesem Faktoren Setting lässt sich nicht eindeutig kausal klären. Den relativen Rückstand der islamischen Welt zur Westlichen will der Autor unter Verweis auf den geringen wirtschaftlichen Erfolg (Vergleiche zum Bruttoinlandsprodukt als Messgröße), Innovation, Wissenserwerb und Wissensproduktion (Nobelpreise, Patentanmeldungen, Hochschulranking) sowie die politische Stabilität (Demokratie, Krieg und Frieden) empirisch belegen. Das sind alles plausible Gesichtspunkte, wobei die Defizite im Blick auf Frieden (Konfliktzonen!), Demokratie (z.B. Pressefreiheit) und die fortwirkende Korruption (Belege bei „Transparency International“) schon dramatisch sind. Wie sich „Bevölkerungsexplosion, wirtschaftliche Unterentwicklung, niedrige Bildung, schlechte Regierungspraxis, diktatorische Herrschaftsformen und das nahezu vollständige Fehlen von Demokratie und Meinungsfreiheit“ (S. 99) in den einzelnen islamischen Ländern darstellen, untersucht Sarrazin differenziert für die arabischen Länder, Subsahara-Afrika, Türkei, Iran, Indien, Zentralasien und, Südasien. Diese tour d’horizon bietet hilfreiche Basisinformationen, wobei das Gesamtbild – bei aller länderspezifischen Differenzierung – düster ausfällt. Überall sind Fundamentalismus und Islamismus auf dem Vormarsch, ein moderater und liberaler Islam hat hier keine Chance.

Fazit: Auch wenn der Islam „nicht die einzige Einflussgröße ist“ (bessere Bedingungen im Iran und Malysia!) ist „in allen Ländern (..) die hemmende Wirkung des Islam für Modernisierung, Wissen, Wohlstand und Freiheit übermächtig spürbar, auch macht sich eine wachsende Radikalisierung negativ bemerkbar“ (S. 127). Die Frage der „Rückständigkeit“ des Islam ist ja im Islam-Diskurs häufig diskutiert worden und Befürworter und Gegner prallten stets konfrontativ aufeinander. Nach dem 11. September 2001 sind geradezu Legionen von Schriften erschienen, die dieses Thema aufgriffen. Ich nenne hier nur beispielhaft den amerikanischen Islamwissenschaftler Bernard Lewis („What went wrong“, 2002 und „The Crisis of Islam“, 2003). Ausführlich und eindrücklich ist das auch 2007 von dem Historiker Dan Diner in „Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt“ beschrieben worden. Wer sich selbst ein differenziertes Bild machen will, könnte auch zu den bisher 6 veröffentlichten „Arab Human Development Reports“ greifen (http://www.arab-hdr.org/). Dort sind seit 2002 gewaltige Zahlenmaterialien, zusammengestellt von überwiegend arabischen Autoren, einsehbar.

Problemzonen islamischer Gesellschaften

Sarrazin sieht seine grundsätzlichen Überlegungen zum Islam durch die Beschreibungen der sozialen und politischen Wirklichkeit in der islamischen Welt bestätigt. Nun spitzt er seine Beobachtungen zu einer Grundthese zu. Es sei die „innere Logik der Religion des Islam“ (S.130), den Anschluss an die Moderne verloren zu haben, in erster Linie durch Ignoranz und Intoleranz gegenüber dem westlichen Fortschritt in Kultur (Bildung!), Wirtschaft und Politik (Demokratie!). Statt „Individualismus“ regiere das „Prinzip der Unterwerfung“ (S. 132 ff.). Sein Kronzeuge ist der Basler Kulturhistoriker Jacob Burckhardt (1818-1897), der in seinen, 1905 aus dem Nachlass erschienenen, „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ den dominanten Kollektivismus in der Religion des Islam herausstellt. Ob diese, vor 150 Jahren formulierten, Wahrnehmungen des Islam auch die Gegenwart des Islam treffend beschreiben, wird sicherlich von Sarrazins Gegnern angezweifelt. Es ist ja nur eine Momentaufnahme und unklar ist, auf welche Quellen sich Burckhardt bezieht und ob er die Schriften der zu seiner Zeit sich gerade entwickelnden Islamwissenschaft zur Kenntnis genommen hat (z.B. Theodor Nöldekes epochemachendes Werk, „Geschichte des Qorans“, 1860). Ein Verweis auf zahlreiche kritische Stimmen gegenwärtiger islamischer Intellektueller wäre hier hilfreich gewesen. Denn an der Tatsache, des Vorrangs des Kollektivs vor dem Individuum lässt sich nichts deuteln, selbst wenn man das Sufitum mit seiner betonten persönlichen Mensch-Gott Beziehung als Gegenbeleg anführte.

Kunst und Kultur

Harsch fallen Sarrazins Urteile zu Kultur und Kunst des Islam aus, auch angelehnt an Burckhardt. Doch dass „Kunstfeindlichkeit und Bilderstürmerei (..) in gewissem Sinne zum islamischen Glaubens-kern“ zählen (S.140), ist dann doch überzogen, denn die islamistischen Barbareien der Taliban („Bamiyan“!) und des IS sind Ausdruck einer ultra-islamistischen, terroristischen Sichtweise und nicht Allgemeingut von Muslimen. Es gibt zudem sehr alte Traditionen im Islam in puncto Malerei (z.B. Wand-, Miniatur-, Keramik-, Glasmalerei), Kalligraphie, Ornamentkunst (Stichwort: „Arabeske“), Dichtkunst (Hafiz aus Persien!), Buchillustrationen, Architektur (obgleich der Moscheebau oströmischen Vorbildern folgt), Weberei und auch teilweise Musik (z.B. Musiktheorien von al-Kindi und al-Farabi, türkische Volks- u. Kunstmusik, auch Popmusik), die zumindest erwähnt werden sollten. Ganz richtig sieht der Autor aber die Defizite in der Bildenden Kunst durch das (koranisch nicht belegte) „Bilderverbot“.

Wissenschaft und Technik

Das Zurückbleiben des Islam in Wissenschaft und Technik ist eine gut belegte Tatsache und Sarrazin sieht die Ursachen in der „islamischen Umgebungskultur“ (S.143). So wird die Neuauflage einer Debatte über Genetik vermieden. Fazit an dieser Stelle: „Solange man diese Ursachen nicht im Genetischen sucht und eine ‚Erbdummheit der Muslime‘ ausschließt, bleibt nur der kulturelle Einfluss des Islam“ (S.144). Immer wieder wurde in den letzten Jahren heiß über den Beitrag des Islam zur europäischen und Weltkultur diskutiert, häufig auch in apologetischer Absicht, bis zu absurden Behauptungen, der Koran enthalte das gesamte Weltwissen. Über diesen islamischen Einfluss muss weiter gestritten werden (das Paradebeispiel „Al-Andalus“ als „Glorie“ des islamischen Einflusses auf Europa fehlt im Buch). Sarrazin gesteht dem Islam immerhin in einzelnen Bereichen (z.B. „indische Mathematik“) eine Vermittlungsfunktion zu, die allerdings mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen 1258 (nicht wie falsch im Buch 1253, S. 147) endete. Doch die genuinen Leistungen des Islam z.B. im Blick auf Astronomie, Geometrie und Medizin sowie die Übersetzungen von griechischen Autoren durch arabische Wissenschaftler (allerdings unter substantieller Mithilfe christlicher Übersetzer!) sollten auch nicht gering geschätzt werden.

Mangel an kognitiver Kompetenz

Unter Hinzuziehung international anerkannter Testverfahren (TIMMS, PISA) konstatiert Sarrazin einen Mangel an „kognitiver Kompetenz“ in der islamischen Welt feststellt, denn das „islamische Bildungsideal“ ziele vor allem auf die Herausbildung des gläubigen Muslim. Er gibt aber seiner Hoff-nung Ausdruck, dass in der islamischen Welt „möglichst viele Talente blühen“ mögen und dass es ihr gelinge, „die Beschränktheit und die Vorprägungen abzuschütteln, die sich historisch aus der Reli-gion des Islam ergeben haben“ (S. 164).

Frauen und Kopftuch

Der Autor ist der Auffassung, dass alles was an dem Islam „problematisch ist und die Rückständigkeit der islamischen Länder bewirkt“ habe mit dem Geschlechterverhältnis und der Stellung der Frau zu tun habe. (S.165). Damit spricht Sarrazin eine in der Tat zentrale Problemzone an. Schon der Koran sei von einer großen „Gleichgültigkeit gegenüber den Frauen“ geprägt (Suren 4,34, 2,32 und 2,33, Bekleidungsvorschriften: Suren 24,30; 24,31; 24,60; 33, 32; 33,51; 33,59) Diese Gleichgültigkeit drücke sich in strikten Normen und Praxis der Unterordnung aus, die bis heute anhielten, ja sich durch das Vordringen des konservativen und fundamentalistischen Islam befestigt und vertieft hätten. (S. 164 – 188 und 351-368): „Die Stellung der Frau im Islam fördert Bildungsferne, Arbeitsmarktdistanz, frühe Heirat und hohe Kinderzahlen. Wo immer Muslime sind, sind sie stets die kinderreichste Gruppe. Das Beharren auf traditionellen Bekleidungsvorschriften und die umfassende gesellschaftliche und familiäre Aufsicht über den Umgang und das sexuelle Verhalten der Frauen liefern einen entscheidenden Beitrag zur anhaltenden demografischen Expansion der islamischen Welt, darunter auch der muslimischen Minderheiten in den Ländern des Westens“ (S. 351). Die Unterordnung der Frau unter den Mann und das islamische Kollektiv, die strikte Kontrolle ihrer Sexualität („Jungfrauenwahn“) durch Verhüllungszwang und frühe Heirat ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien, Reports, TV-Dokumentationen, erschütternde Berichte von Frauen aus dem islamischen Alltag und teilnehmende Beobachtungen hinreichend belegt worden. Hinzu kommt: Gewalt gegen Frauen ist in der Welt des Islam endemisch, die Männerdominanz allgegenwärtig. 70% befragter Männer in Ägypten befürworten die weibliche Beschneidung (Genitalverstümmelung) und mehr als 50% der Frauen. Sarrazin fasst zusammen, was bekannt ist. Die verzweifelten Versuche, selbsternannter „Feministinnen“, dies zu bestreiten oder – noch absurder – etwa den realislamischen Kopftuchzwang gar als „Emanzipation“ zu verkaufen, zerschellen an der traurigen Realität. Sarrazin hält somit fest: „Die Verbreitung des Kopftuchs und weitergehender Verhüllungen der Frauen in der islamischen Welt korreliert eng mit einer konservativen Auslegung des Islam und einer eher wörtlichen Interpretation des Korans sowie der überkommenen muslimischen Verhaltensnormen. Sie korreliert eng mit einer Ablehnung der Werte der abendländischen Aufklärung, mit einer Distanz zur abendländischen Demokratie, mit niedrigen Bildungsleistungen und mit Rückständigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik“ (S. 167) Die für die Frauen gesetzten religiösen und kulturellen Verhaltensnormen widersprechen eklatant nicht nur den Menschenrechten, sondern den Erfordernissen einer modernen Gesellschaft. Dabei ist gerade die Bildung der Frauen unverzichtbar, wird aber aus Furcht vor einer Einschränkung der Männerdominanz und der Gefährdung der traditionell-konservativen Geschlechterordnung abgewehrt (S. 183).

Intensiv wird die „Kopftuchfrage“ erörtert, die hierzulande immer wieder neu aufbricht, weil sie unser politisches und gesellschaftliches Leben unmittelbar betrifft. Insofern ist der „Kampf um das Kopftuch“ ein „Kampf um die künftige Rolle und die demografische Vorherrschaft des Islam. Beim beharrlichen Kampf der islamischen Verbände in Europa um die Bedeckung der muslimischen Frauen geht es also nicht nur um eine traditionelle Religionsauffassung. Hier findet vielmehr ein gesellschaftlicher Machtkampf statt. Die muslimischen Frauen sollen früh heiraten und viele Kinder bekommen, um den künftigen Einfluss des Islam zu mehren. Und sie sollen natürlich nur Muslime heiraten“ (S. 352).
Das Kopftuch ist zum militanten Symbol des Islamismus geworden und seine männlichen „Kämpfer“ versuchen die Verhüllung Mädchen schon vor Erreichen der Pubertät aufzuzwingen und die Vermummung zur selbstverständlichen Praxis des muslimischen Frauenalltags zu machen. Sarrazin gibt dafür eine Reihe von treffenden Beispielen und zitiert die Rechtsanwältin Seyran Ates, eine langjährige Kämpferin gegen das Kopftuch aus praktischen Erfahrungen. Aufschlussreich sind auch die Angaben des Autors zu Heiratsverhalten und Geburtenhäufigkeit. Laut Koran (Sure 5,5; 2,221) dürfen Frauen keine „ungläubigen“ Männer heiraten und es ist nicht verwunderlich, dass intrareligiöse Ehen kaum vorkommen (S. 356). Die von Sarrazin bemühten Statistiken zur Geburtenhäufigkeit sind eindeutig. Frauen mit Migrationshintergrund (die Religion wird nicht erfasst!) haben deutlich mehr Kinder als solche ohne bei fortwirkendem Trend. Die ethnische Aufschlüsselung zeigt, dass die Anzahl der Kinder in islamischen Ländern signifikant hoch ist (z.B. Pakistan, Afghanistan, Syrien, Irak, Marokko etc. ) (S. 356 ff.) Die überall in Europa zunehmende Verschleierung signalisiert u.a. eine „schleichende Islamisierung durch Einwanderung und Geburtenzahl“ (S. 361) Dafür gibt es eine Reihe krasser Beispiele aus Frankreich (Badinter, Finkielkraut) und ein Gefahrenszenario, das der französische Autor Michel Houellebecq in seinem bedrückenden Roman „Unterwerfung“ literarisch aufbereitet.

Mentale Aspekte und Parallelgesellschaften

Schon seit Jahren haben sich in „mentaler, religiöser und ethnischer Hinsicht Inseln“ gebildet, „die der Kultur, dem Lebensstil und den Werten des Abendlandes feindselig bis gleichgültig gegenüberstehen“ (S.365). Diese, auch „Parallelgesellschaften“ genannten, Inseln sind geprägt von dem Glauben an „die Überlegenheit des Islam, das Desinteresse an der westlichen Kultur, die sichtbare Abgrenzung durch Zeichen des Glaubens, die Bildungsferne“ den „Familienzusammenhalt, die Unterdrückung der Frau“, den „Kinderreichtum und die von der Kultur der Aufnahmeländer abgeschiedene Lebensweise“ (S. 366). Sarrazin bezieht sich bei der Analyse von Parallelgesellschaften u.a. auf den ehemaligen Bürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky und den Islamwissenschaftler Ralph Ghadban, die Entwicklungen aus eigener Anschauung beeindruckend beschrieben haben.*** Wie es in Europa, von Malmö, Molenbeek bis Berlin-Neukölln zur fortschreitenden Ausbildung von Parallelgesellschaften kommt, beschreibt Sarrazin mit einer Fülle von Fakten zur neueren Geschichte der Zuwanderung und erläutert, dass die im Diskurs über Zuwanderung immer wieder vorgebrachten historischen Analogien (Nordamerika, Hugenotten, osteuropäische Juden etc.), im Blick auf die muslimischen Migrati-onsbewegungen in die Irre führen (S. 242 ff.). Die muslimische Zuwanderung findet statt, „obwohl Religion und Kultur der Aufnahmeländer abgelehnt werden“ (S.245). Hier tickt eine Zeitbombe aus demografischen Faktoren (die Minderheit wird zur Mehrheit), der sozioökonomischen Situation (Bildungsstände, Berufsabschlüsse, Arbeitsmarktbeteiligung, Transferabhängigkeit, Arbeitslosigkeit u.a.) und der seit 2015 ungebremsten Zuwanderung vor allem muslimischer Migranten. Sarrazin bietet eine Fülle von Daten aus amtlichen Statistiken und zahlreichen Studien zu Migranten in Europa und Deutschland. Dieses Material muss im Islamdiskurs gebührend zur Kenntnis genommen werden und sollte auch unsere Beamten Im Innenministerium beschäftigen, die gerade die Neuauflage der – aus Sicht des Rezensenten gescheiterten – Islamkonferenzen vorbereiten. Trotz der Problematik der unterschiedlichen statistischen Methoden und Verfahren und den verschiedenen methodologischen Ansätzen der Studien, die der Autor in Rechnung stellt, ergibt sich ein düsteres Bild. Die Tendenzen in ganz Europa zur Herausbildung von religiös-kulturell bestimmten Parallelgesellschaften mit klaren Abgrenzungen zur Mehrheitsgesellschaft, Kommunikationsabbrüchen, autoritären und teilweise menschenrechtsfeindlichen Binnenstrukturen (die insbesondere Frauen massiv betreffen!) und auch höherer Krimina-litätsbelastung, sind vor dem Hintergrund des präsentierten Materials offensichtlich (S. 246 – 338). Es sind muslimische Kleinwelten entstanden, die nicht mehr integrierbar sind, weil schon ihre mentalen Dispositionen, z.B. männliche Dominanz, Verteidigung der „Ehre, die zwischen den Beinen der Schwestern und Ehefrauen angesiedelt wird und mit der Unterdrückung der Frau eng verbunden ist“, Behauptung von der „Überlegenheit der Religion des Islam und der Stärke der Muslime in der Welt“, dem entgegenstehen (S. 322). Radikalisierung und Ausbreitung fundamentalistischer Lesarten des Islam verstärken sich. An den Rändern formiert sich ein gefährlicher Extremismus, der sich u.a. in der Zunahme des Salafismus (zurzeit rd. 10.000 Mitglieder in Deutschland) zeigt. Es drohe, wie es der algerische Schriftsteller Boualem Sansal,** Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2011, gesagt hat im Falle der Mehrheit der Muslime eine „Glaubensdiktatur“ (S. 368).

Institutionalisierter Islam

Der institutionalisierte Islam (Moscheevereine, Verbände) scheint weder willens noch in der Lage zu sein, als Integrationshelfer zu dienen. Im Gegenteil. Die großen Muslimverbände verstärken eher fundamentalistische Tendenzen, verteidigen mit Zähnen und Klauen das Kopftuch und weisen die Frauen in ihre untergeordnete Stellung ein: „Die islamischen Verbände in Deutschland vertreten durchweg einen konservativen Kopftuch-Islam. Sehr konservativ, häufig offen islamistisch und radikal ist auch der Islam, der von vielen Imamen in den Moscheen gepredigt wird. Gleitend sind hier die Übergänge zum politischen Islam, zum Salafismus und zur Rechtfertigung von Gewalt und Terror“ (S. 338 ff.) Der „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ (ZMD) brachte das Kunststück fertig, sich in seiner „Islamischen Charta“ von 2002 um eine ganz klare Stellungnahme zu Menschenrechten und Demokratie zu drücken. Wer die verschwurbelten Formulierungen der Charta genau liest, dem wird bald klar, dass auch hier der Scharia der Vorrang vor den Menschenrechten eingeräumt wird (S. 343).

Liberaler Islam

Auch auf den sogenannten „liberalen Islam“ setzt Sarrazin wenig Hoffnungen: „Weltweit sind die liberalen Muslime, wie immer ihre konkrete Position ist, in einer winzigen hoffnungslosen Minderheit. Und entsprechend ratlos sind sie, wie sie den gelebten Islam und die Mehrheit der Muslime in ihrem Sinne ändern können“ (S. 377). Islamkritische Musliminnen und Muslime wie z.B. Necla Kelek, Seyran Ates, Güner Balci, Elham Manea, Hamed Abdel Samad, Mouhanad Khorchide, Ahmad Mansour u.a. werden im Diskurs häufig gemieden, politisch und medial fast geächtet. Lädt man sie mal in eine der Talkshows ein, werden sie von ihren Gegnern gut eingerahmt. Trotz dieser traurigen Lage halte ich es für wichtig, die religiös-kulturellen Wertvorstellungen, politischen Ideen und Konzeptionen dieser Minderheit im Diskurs am Leben zu halten und die Versuche der Einwirkung auf die muslimischen Gemeinschaften nicht aufzugeben.

Was ist zu tun?

Nach der Präsentation der geballten Macht schlechter Botschaften sollten nun Antworten auf die vielen Fragen und Problemfelder gegeben werden. Das unternimmt Sarrazin im letzten Kapitel.

Eine erste Schlussfolgerung ist die Zulassung von Kritik an Religionen. „Ehrfurcht“ darf sie nicht schützen (S. 369). Hier tritt nun – m.E. ohne Not! – Sarrazin aus seinem eingangs erwähnten Agnostizismus heraus und betritt den Weg des radikalen Atheisten: „Wissenschaftlich gesehen, ist jede Religion nichts als ein Aberglaube, der von vielen geteilt wird, und eine Weltreligion ist ein Aberglaube, der von besonders vielen Menschen über besonders lange Zeit geteilt wird“ (S. 370). Eine solche apodiktische Behauptung wird die „Freidenker“ und „Humanisten“ erfreuen, die Ähnliches verkünden, sie ist aber religionswissenschaftlich abwegig. Die Religionswissenschaft ist längst über die „Aberglaube-Theorie“, die Ähnlichkeiten mit der „Priesterbetrugsthese“ hat, hinaus. Sie untersucht rational die vielfältigen Manifestationen religiöser Lehren und Praxis und versucht sich immer wieder neu an der Formulierung eines Begriffs von Religion. Es ist nicht ihre Aufgabe, über „Wahrheit“ oder „Unwahrheit“ einer Religion zu rechten. Sarrazin möchte auch „Religion“ von „Moral“ scharf trennen. Er hält die Verbindung von Religion und Moral für „unsinnig und gefährlich“ (S. 370). Das ist nicht schlüssig. Es ist m.E. müßig, darüber zu streiten, ob man (mit Darwin) Gefühl und Moral als Ergebnis natürlicher Selektion betrachtet oder Religion und Moral als anthropologische Konstanten des Menschseins sieht. Das ist ein, zwar interessanter, aber „Nebenkriegsschauplatz“ der eigentlichen Intention von Sarrazins Buch: die Bedrohlichkeit des Islam für die aufgeklärte westliche Zivilisation und Kultur darzustellen. Was sollen wir denn angesichts von 4,3 – 4,7 Millionen Muslimen (geschätzt) in Deutschland tun?

Rolle des Staates

Der säkular-neutrale Staat, so verstehe ich den Autor, setzt Normen, auch und gerade für Religionen. Er ist neutral, aber nicht religiös-theologisch „inkompetent“ wie der Sachverständigenrat für Integration behauptete (S. 372). Der Staat muss Religionen bewerten und unter Umständen der Religionsfreiheit Grenzen setzen. „Deshalb ist in Deutschland Polygamie verboten, neunjährige Mädchen dürfen nicht verheiratet werden, und Männer und Frauen werden im Erbrecht gleich behandelt. All das widerspricht der Religion des Islam. Es ist eine Frage pragmatischer Funktionalität, nicht mehr und nicht weniger, wo und wie der Staat Religionen Grenzen setzt und wie er das tut. Würde er darauf prinzipiell verzichten, könnte er eine zentrale staatliche Aufgabe nicht erfüllen, nämlich die Spielregeln der Gesellschaft festzulegen und dem Verhalten des Einzelnen Grenzen aufzuzeigen“ (S. 374).
Sarrazin moniert zu Recht, dass weder Kritik noch Grenzsetzung ausreichend geschehen und im Falle von Islam häufig aus Furcht, in die rechte Ecke gestellt zu werden, entweder nur weichgespült geübt werden oder ganz unterbleiben (S. 377 ff.). Tabuisierungen und politische Korrektheit sind Hindenisse einer offenen streitigen Debatte.

Ein demokratiekompatibler Islam?

Sarrazin möchte nicht, dass „geistige Engführungen (…) unser Denken behindern“ (S. 382) und fragt danach, ob der Islam sich nicht ändern könnte. Für einen liberalen und demokratiekompatiblen Islam sieht er zurzeit keine Chance, auch werde sich am frühen Heiratsverhalten und Kinderkriegen muslimischer Frauen nichts ändern. Die Hoffnung auf eine verstärkte Zuwendung von Muslimen zur säkularisierten Variante von Islam erscheint ihm ebenso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass aufgrund der dargelegten Rückständigkeiten des Islam Muslime den Weg in die Spitzenpositionen der Gesellschaft finden.

Identität

Sarrazin empfiehlt die „Selbstvergewisserung der deutschen und europäischen Identität“ und die klare Definition „eigener Interessen“ (S. 388): „Die Bedrohung der europäischen oder westlichen Identität setzt dort ein, wo eine allmähliche demografische Überwältigung durch den Islam stattfin-det. Deshalb haben wir in Deutschland und Europa das Recht, ja sogar die Pflicht, dieser Bedrohung durch demografische Überwältigung vorausschauend entgegenzutreten“ (S. 387 f.) Das bedeute konkret, dass die muslimische Einwanderung wirksam beschränkt werden müsse.

Einwanderungspolitik

Weiterhin schlägt er eine „Befreiung der Einwanderungspolitik von Ideologie und Wunschdenken“ vor. Das hieße vor allem die Fluchtursachen bekämpfen, aber nicht mit vielem Geld: „Fluchtursachen bekämpfen heißt: die kulturellen Einstellungen in den Krisenländern ändern, Unwissenheit, Korruption und schlechte Regierungspraxis bekämpfen. Dabei kann und muss der Westen helfen. Aber er darf dabei nicht als Vormund auftreten und muss den Stolz der Völker in den Krisenländern respektieren. Der Erfolg ist ungewiss und wird viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen“ (S. 390). Sarrazin verneint, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen Einwanderung brauchen, hält es aber für eine moralische Pflicht, armen Ländern zu helfen. Hart geht er mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung seit 2015 ins Gericht und listet die gröbsten Fehler auf (S. 392 ff.). Das ist für die Kritiker der Bundesregierung eine gute Zusammenfassung, für ihre Unterstützer wahrscheinlich unbegründete Miesmacherei. Eine Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten ist jedoch dringend erforderlich.

Asyl- und Flüchtlingspolitik

Vor dem Hintergrund der Fehlentwicklungen sei eine „Reform der Flüchtlings- und Asylpolitik“ überfällig (S. 396 ff.) Die wichtigsten Änderungen: Erstens sollte die Genfer Flüchtlingskonvention von 1950 dahin gehend geändert werden, dass für „Flüchtlinge möglichst nah an ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten gesorgt wird“ (S. 396). Zweitens dürften staatliche Leistungen an Flüchtlinge erst fließen und Klageberechtigungen entstehen, wenn der Betreffende einen Aufenthaltsstatus bekommen hat, der ihm nach einer Prüfung von 30 Tagen entweder zugesprochen oder verweigert wird. In der Wartezeit befindet er sich in einer Art „Transitzone“ in der das Ausländerrecht nicht gilt. Alle Zuständigkeiten sollen auf eine Stelle konzentriert werden bis das Verfahren abgeschlossen ist. „Ein weiterer Rechtsweg über die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist ausgeschlossen“ (S. 397). Alle abgelehnten Asylbewerber und alle illegalen Einwanderer, für die eine Zentraldatei angelegt werden soll, müssen abgeschoben werden. Wenn Boote mit Flüchtlingen und illegalen Einwanderern aufgebracht werden, sollen diese, nach ggf. notwendiger medizinischer Versorgung, unverzüglich an ihre Ausgangspunkte zurückgebracht werden.

Außen- und Entwicklungspolitik

Sodann plädiert Sarrazin für „eine der islamischen Welt zugewandte und ernsthafte Außen- und Entwicklungspolitik“ (S. 399). Diese Politik sollte vor allem darauf gerichtet sein, „die Wanderung der Menschen nach Deutschland und Europa vorbeugend zu verhindern. Jene Staaten, die ungeregelte Auswanderung konsequent unterbinden und illegale Einwanderer freiwillig zurücknehmen, sollten mit Zahlungen aus Europa an ihre Staatshaushalte belohnt werden. Jene Länder dagegen, die nicht kooperieren, sollten von allen Zahlungen abgeschnitten werden“ (S. 401).

Islampolitik

Was Sarrazin unter der Forderung nach einer „robuste(n) und realistische(n) nationale(n) Islampolitik“ (S. 402) vorträgt, ist eine Zusammenfassung nicht neuer, gleichwohl höchst kontroverser Forderungen nach einer neuen Verhältnisbestimmung von Staat und Religion. Er möchte den „Rest von Staatskirchentum“ (S. 402) beseitigen, den es noch in Deutschland gebe. Da das staatskirchenrechtliche System „immer nur historisch erklärbar war“ (S. 403), hat es auch den „fortschreitende(n) Bedeutungsverlust“ der christlichen Kirchen nicht aufhalten können (Ebda.). Ganz falsch sei es, mit dem Anspruch auf Gleichbehandlung, den Islam an den staatskirchenrechtlichen Privilegien („Körperschaften des Öffentlichen Rechtes“) zu beteiligen. Er schlägt vor, dass sich Religionsgemeinschaften nach dem Vereinsrecht organisieren sollten: „Das deutsche Vereinsrecht bietet alle Möglichkeiten, um christliche Kirchen und andere Religionsgemeinschaften staatsfern zu organisieren und in diesem Rahmen freie Religionsausübung zu praktizieren“ (S. 405). Sarrazin kennt als staats- und rechtswissenschaftlich ausgewiesener (Dr. rer. pol.) Volkswirt die staatskirchenrechtliche Lage genau und weiß, dass er hier in ein Wespennest stößt. Er steht mit dieser Forderung in der Tradition des bis zum Gothaer Programm der SPD 1875 zurückreichenden Programmsatzes von der „Erklärung der Religion zur Privatsache“. Die Mehrheits-SPD (MSPD) gab diesen Grundsatz 1919 faktisch auf, indem sie auch den Kirchenartikeln der Weimarer Reichsverfassung zustimmte, die bis heute Bestandteil des Grundgesetzes sind (Art. 140). Die SPD revidierte ihre Stellung zu den Kirchen im Godesberger Programm 1959 und versteht sich seitdem als „Partner“ der Kirchen. Sarrazins Forderung nach Eliminierung des geltenden Staatskirchenrechts wird zwar von linken SPD Kreisen, sowie Humanisten und Freidenkern unterstützt, würde aber zurzeit keine politische Mehrheit im Bundestag finden. Es müsste dann auch der Art.7, Absatz 3 des GG fallen, der den konfessionellen Religionsunterricht als „ordentliches Lehrfach“ ausweist, der in „Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“ erteilt wird. Sarrazin hält den konfessionsgebundenen Religionsunterricht für obsolet und will ihn zugunsten von mehr Geschichte und Gemeinschaftskunde abschaffen. Denn: „Konfessionsgebundener Religionsunterricht ist immer eine einseitige Indoktrinierung unter Umgehung des kritischen, fragenden Verstandes“ (S. 408). Das ist m.E. eine (ganz unnötige) Polemik, die nur der Unkenntnis der geltenden und praktizierten religionspädagogischen Standards geschuldet ist. Religionspädagogik geht von der Lebenswirklichkeit der Schüler aus und will sie in ihrer Religion beheimaten. Dabei wird stets auf interreligiöse Orientierung und auch Kooperation mit (in Berlin z.B.) den Fächern Ethik und Lebens-kunde (erteilt vom Humanistischen Verband) geachtet. Die Zukunft des islamischen Religionsunter-richts ist offen und ich teile die Kritik und Bedenken Sarrazins.
Richtig erscheint mir seine Forderung, islamische Theologie an den Hochschulen bei den philosophi-schen Fakultäten anzusiedeln und islamischen Beiräten nur eine beratende Funktion zuzusprechen. Das Beispiel der Institutionalisierung islamischer Theologie an der Humboldt-Universität in Berlin mit Vertretern der konservativen und fundamentalistischen Islamverbände sollte ein warnendes Beispiel sein.

Erwartungen an Muslime

Sarrazin schreibt: „Das Verhältnis der Muslime zu Staat und Gesellschaft bedarf einer klaren Erwartungshaltung“ (S. 409) und meint konkret, dass Muslime

• ihren „Überlegenheitsanspruch“ und die Einteilung der Gesellschaft in „Gläubige“ und „Un-gläubige“ aufgeben sollten, unter „Verzicht darauf, sich kollektiv durch die Bedeckung und Verschleierung der Frauen optisch von der Mehrheitsgesellschaft abzuheben“ (S. 410);
• den Vorrang des Staates und seinem Recht vor der Religion akzeptieren, was im Blick auf die Meinungsfreiheit besonders dringlich wäre (Beispiele: Karikaturenstreit, Salman Rushdie, Charlie Hebdo);

Entschieden plädiert Sarrazin für eine neue Konstruktion der Islamkonferenz. Für die teilnehmenden Verbände sollte es „ein Quorum über die nachgewiesene Mindestzahl der von ihnen vertretenen Mitglieder geben. Auch sollten nur solche Verbände teilnehmen dürfen, bei denen eine direkte oder indirekte Finanzierung aus ausländischen Quellen nachweislich ausgeschlossen ist“ (S. 412). Damit wären zurzeit fast alle Verbände ausgeschlossen, was allerdings schwer umzusetzen sein wird. Aber der Autor möchte auch grundsätzlich keinen „Sonderstatus“ für muslimische Verbände, der über die Gewährung individueller Bürgerrechte hinausgehe.

Integrationspolitik und Bildung

Sarrazin nimmt Bezug auf die Integrationspolitik und fordert ihre Entmystifizierung (S.413). Es müsse zugegeben werden, dass sie gescheitert sei (Hamed Abdel Samad!). In der Bildungspolitik müsse es darum gehen „kulturelle Assimilation“ zu unterstützen und auf „Integration durch Leistung setzen“ (S. 413). Dazu seien qualifizierte Testverfahren zur Leistungsmessung notwendig. Auch fordert er, wie schon angesprochen, ein neues staatsbürgerkundliches Schulfach – anstelle des Religionsunterrichts: „Statt des Religionsunterrichts sollte es ein für alle verpflichtendes Schulfach geben, das Fragen der Ethik, der Staatsbürgerkunde und der Gemeinschaftskunde umfasst. Auch die Ideengebäude von politischen Theorien und Religionen zählen dazu“ (S. 417). Das setzte einen großen Konsens von Bildungspolitikern und Pädagogen voraus, den ich zurzeit nicht erkennen kann.

Kopftuch

In deutlichem Dissens zu den Urteilen des BVerfG zum Kopftuch (2003, 2015) möchte Sarrazin das Kopftuch gänzlich aus der Schule verbannen (S. 419).

Falsche Anreize

Sozialpolitisch hält Sarrazin eine Reduktion „falscher Anreize“ für notwendig. Das beträfe vor allem die kinderreichen muslimischen Familien: „Es wäre richtiger, wenn man die Geldleistungen für Kinder generell stark reduzieren würde. Dieses Geld ist in Kitas und Ganztagsschulen besser ange-legt“ (S. 420). Dies wird schon seit langem diskutiert und wäre in der Tat ein besserer Beitrag zur Integration.

Daten über den Islam

Ganz zum Schluss seines Buches fordert der Autor, dass „über den Islam und die Muslime in Deutschland und Europa (..) transparent, offen und vollständig berichtet werden“ muss (S. 421). Hier sind vor allem die amtlichen Stellen gefordert, die offizielle Statistiken zur Religionsangehörig-keit und dem sozioökonomischen Status von Religionsangehörigen liefern müssen. Das wäre tatsächlich eine wichtige Grundlage für Politik und Zivilgesellschaft und hilfreich für Messungen zum Stand der Integration.

Abschließende Bemerkung

Im Gegensatz zu der versammelten Macht der politischen Eliten und ihrer medialen Claqeure, die das Buch schon im Vorfeld verdammten und dann in einer Mischung aus Dummheit, Ignoranz und Schmähkritik (Süddeutsche Zeitung!) verurteilten, halte ich das Buch für hilfreich. Es ist informativ und erörtert die wesentlichen kontroversen Fragen, die im Islamdiskurs ja schon länger diskutiert werden. Es regt aber an, neu nachzudenken und kann insofern auch als kritisches Nachschlagewerk zur Wirklichkeit des Islam in Deutschland und Europa dienen. Der oft zugespitzte und provokative Stil mag manchen stören, doch ist das auch ein Mittel die Dinge auf den Punkt zu bringen. Ich hoffe, dass sich viele Menschen mit Sarrazins Buch auseinandersetzen, weil es sich lohnt. Es bleibt abzuwarten wie sich die feindselige Front aus Wissenschaft, Politik, Medien und Kirchen verhalten wird. Totschweigen und auf den Index setzen wäre genauso inakzeptabel wie die – bislang zu beobachtende – oberflächliche, vorurteilsbehaftete und einseitige Verurteilung, die sich auch wieder auf die Person Thilo Sarrazins kapriziert. Der Autor wusste, was er tat als er dieses Buch schrieb. Es war ein mutiger Schritt. Und solcher Mut ist unser Gesellschaft weithin abhanden gekommen.

*Ein „Agnostiker“ ist jemand, der die Existenz einer höheren Macht ( eines „Gottes“ etc.) für „nicht geklärt“ und „nicht klärbar“ hält.
**„Allahs Narren. Wie der Islamismus die Welt erobert“. Merlin-Verlag, Gifkendorf, 2013.
*** Heinz Buschkowsky, „Die andere Gesellschaft“. Berlin, 2014. Derselbe, „Neukölln ist überall“. Berlin, 2012. Ralph Ghadban, Die Libanon Flüchtlinge in Berlin. Berlin, 2000. Derselbe, „Islam und Islamkritik. Vorträge zur Integrationsfrage“. Berlin, 2011.

Dr. Johannes Kandel
3. September 2018