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Die Schrift an der Wand… 13. Dezember, 2018

Posted by Rika in gesellschaft, integration, islam, medien, migration, mohammed, politik, terrorismus.
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beziehungsweise im SPIEGEL erschien vor nunmehr 11 Jahren.

Und ich kann nicht sagen, dass sie weniger aktuell ist oder etwas von ihrem Realitätsbezug zur deutschen Wirklichkeit eingebüßt hätte. Das Gegenteil ist der Fall.  Eine Freundin hat sie bei facebook aus der Versenkung geholt und ich stelle sie hier ein, weil sie damals prophetisch und wie ein helles Licht auf unsere Gegenwart erschien.

Leider haben wir sie nicht ernst genug genommen…

Broder schrieb am 26. 3. 2007:

„Epidemie des Wahnsinns

Henryk M. Broder über die Furcht vor islamischen Fanatikern
Der 15. Februar 1987 war ein normaler deutscher Wintertag, kühl, feucht und neblig. Es gäbe keinen Grund, sich an diesen Tag zu erinnern, wenn er nicht eine Zäsur markieren würde, wie das vor 20 Jahren kein Mensch ahnen konnte. Die Fatwa über Salman Rushdie war noch nicht verhängt, der Karikaturenstreit nicht ausgebrochen, und doch fand schon eine Art Vorspiel für die kommenden Skandale statt. Es dauerte nur wenige Sekunden, löste aber ein politisches und kulturelles Erdbeben aus, das bis heute nachwirkt.
Rudi Carrell schaute in die Kamera und verlas mit ruhiger Stimme eine fiktive Meldung: „Diese Woche feierte man im Iran den achten Jahrestag der islamischen Revolution. Ajatollah Chomeini wird von der Bevölkerung gefeiert.“ Der Meldung folgte ein Minifilm, in dem der Führer der iranischen Revolution von weiblichen Fans mit BH und Slips beworfen wurde. Es war ein visueller Kalauer: arglos, harmlos, nett. Nur was anschließend passierte, war weder arglos noch harmlos und schon gar nicht nett.
Schon 15 Minuten nach der Sendung beschwerte sich der Botschafter der Islamischen Republik beim Sender und meldete den Vorfall nach Teheran. Dann ging es Schlag auf Schlag. Teheran bestellte den deutschen Botschafter ein und forderte Konsequenzen für die „ungeheuerliche Beleidigung“. Vor der deutschen Botschaft in Teheran zogen Demonstranten auf, die „Tod dem deutschen faschistischen Regime!“ schrien. Deutsche Diplomaten in Iran wurden zur Ausreise aufgefordert, Iran Air stellte seine Flüge nach Deutschland, das Goethe-Institut seinen Betrieb in Teheran ein.
Entsprechend der Parole des Vorsitzenden Mao – „Bestrafe einen, erziehe hundert“ – wurde nicht nur Rudi Carrell diszipliniert, der nie wieder einen Mullah-Witz riskierte, die Botschaft kam auch im gesamten sozio-kulturellen Komplex an: Als zwei Jahre später, 1989, die Todesfatwa über Salman Rushdie verhängt wurde und Ajatollah Chomeini zum Mord an dem Autor der „Satanischen Verse“ aufrief, war die Haltung der deutschen Öffentlichkeit bereits geteilt. Während sich ein Teil des Kulturbetriebs mit Rushdie solidarisierte, meinte der andere, er sei „zu weit gegangen“, habe „unnötig provoziert“ und deswegen keine Solidarität verdient.
Und während über Rushdie noch das Todesurteil schwebte, wurde 1995 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel verliehen. Die Juroren lobten das Lebenswerk der Sufismus-Expertin, wobei sie bereitwillig übersahen, dass die „überzeugte Fundamentalistin“ (Emma) die Fatwa gegen Rushdie theologisch gerechtfertigt hatte: „Beleidigung des Propheten ist nach den meisten islamischen Rechtsschulen ein todeswürdiges Verbrechen.“
So wird das Stück „Die beleidigten Moslems und wir“ seit rund 20 Jahren in verschiedenen Besetzungen aufgeführt, wobei der Plot immer der gleiche bleibt: Dort die verletzten und gekränkten Gläubigen, die gar nicht anders können, als Botschaften abzufackeln, um ihre Ehre zu verteidigen, hier die kleinlauten und ewig bußfertigen Relativisten des Abendlandes, die den „Dialog der Kulturen“ als therapeutisches Selbstgespräch inszenieren: Günter Grass, der als Goodwillgeste gegenüber den in Deutschland lebenden Muslimen eine Kirche in eine Moschee umwandeln möchte; Hans-Christian Ströbele, der einen christlichen Feiertag gegen einen islamischen eintauschen will; Oskar Lafontaine, der „Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion“ entdeckt hat; ein Gericht, das einem Berliner Islamisten erlaubt, seinen Sohn „Dschihad“ – Heiliger Krieg – zu nennen.
Es ist ein langsamer Prozess der Kapitulation vor dem scheinbar Unvermeidlichen. „Nur nicht provozieren“, lautet die Losung, „die Fanatiker könnten böse werden.“ Wie sehr das Verfahren inzwischen zur Routine geworden ist, wurde im Laufe der Auseinandersetzung um die 12 Mohammed-Karikaturen klar, die in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ am 30. September 2005 erschienen waren. Während in Beirut und Damaskus dänische Botschaften brannten und Demonstranten von Islamabad bis London den Tod der Beleidiger forderten, reagierten die Repräsentanten der westlichen Zivilgesellschaft wie Wanderer, die vom Sturm überrascht wurden.
Der ewige Grass, immer vorneweg, wenn es darum geht, den Westen für seine Untaten zu verurteilen, charakterisierte die Ausschreitungen als eine „fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Tat“.
Damit stand es sozusagen eins zu eins in einem Länderspiel zweier Fundi-Mannschaften, von denen die eine ein paar Karikaturen in die Welt gesetzt hatte – und die andere daraufhin wie eine Feuerwalze durch das globale Dorf gezogen war. Fritz Kuhn, Fraktionschef der Grünen, sagte, es müsse nun geredet werden „über das Verhältnis der Meinungsfreiheit zu der Verantwortung, die daraus erwächst“, denn: „Manche fühlen sich durch die Karikaturen stigmatisiert. Mich haben sie an die antijüdischen Zeichnungen in der Hitler-Zeit vor 1939 erinnert.“
Ein Satz, mit dem Kuhn, Jahrgang 1955, vor allem eins bewies: dass er sich nie gründlich genug antijüdische Zeichnungen aus der Zeit vor 1939 angesehen hat. Auch der CDU-Abgeordnete Eckart von Klaeden mahnte: „Wir dürfen keinen Beitrag zur Eskalation leisten“ – nachdem Demonstranten in Teheran die österreichische Vertretung mit Brandsätzen attackiert hatten.
Ganz Europa erlebte eine Epidemie des Wahnsinns: Die dänisch-schwedische Firma Arla Foods, die einen Teil ihrer Produkte in islamische Länder exportiert, schaltete in 25 führenden arabischen Zeitungen
Anzeigen, in denen sie sich von den Mohammed-Karikaturen distanzierte. Großbritanniens Außenminister Jack Straw nannte die Veröffentlichung der Karikaturen „unnötig, unsensibel, respektlos und falsch“.
Die Botschaft fand Gehör: Als der Künstler Hans Haacke gefragt wurde, warum es von ihm kein Werk gibt, „das sich mit der Rolle des Islams beschäftigt“, gab er zu Protokoll: „Das wird es so bald wohl auch nicht geben. Das Verhältnis zum Islam erscheint mir so komplex und explosiv, dass ich mich da nicht heranwage.“ Seine Haltung, so Haacke, sei „nicht feige“, sondern „weise“.
Nachdem der Künstler Gregor Schneider seinen „Kubus“, der an die Kaaba von Mekka erinnert, in Berlin und Venedig nicht zeigen durfte, weil die Veranstalter Angst vor islamistischem Terror hatten, ging er in Hamburg denn auch gleich auf Nummer sicher. In der „Kulturzeit“ auf 3sat wurde Schneiders Vorgehen so dargestellt:
„Um eventuellen Protesten bereits im Vorfeld zu begegnen, wurde die Ausstellung gemeinsam mit den Vertretern der muslimischen Gemeinden vorbereitet.“
Wobei der Moderator der „Kulturzeit“ nicht einmal mit einem kurzen Anheben einer Augenbraue die Frage andeutete, ob es denn angehen könne, dass Kunstobjekte, die den Glauben thematisieren, von der Vertretern der betroffenen Religion „bereits im Vorfeld“ abgesegnet werden müssen. Die Antwort war so klar, dass sich die Frage erübrigte.
Von Henryk M. Broder“

DER SPIEGEL 13

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Nein…. keine weiteren Fragen außer diesen:

WARUM LASSEN WIR DEN WAHNSINN GESCHEHEN, WARUM LASSEN WIR IHN IMMER NOCH ZU?

 

Passend dazu auch dieser Text…. „Haben wir schon die Scharia?“

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Die unerträgliche Arroganz des Herbert Grönemeyer… 10. November, 2018

Posted by Rika in aktuell, flüchtlinge, gesellschaft.
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… hat mich heute ziemlich irritiert.

„Ich halte die Flüchtlingssituation für einen Glücksfall. Weil wir endlich wieder gefordert werden, Engagement zu zeigen.“

So die Aussage des großen Barden, verewigt mit seinem Konterfei, gefunden habe ich es bei facebook.

 

„„Ach, wie gut, daß es die Flüchtlingskrise gibt, so können wir zeigen, wie gut wir sind und wie sehr wir uns engagieren können“, sagt ein in London lebender Millionär und Steuerflüchtling. Wie niederträchtig, selbstsüchtig und gemein muss man sein, um eine humanitäre Katastrophe als Glücksfall zu bezeichnen? ( @[626142051:2048:Matteo Gesualdo Corvaja])“

Da auf dem Foto als Quelle zusätzlich die faz angegeben ist und auch das Logo der ARD deutlich erkennbar in der rechten unteren Ecke prangt, gehe ich davon aus, dass es sich nicht um ein Fake handelt.

Lieber Herr Grönemeyer,

ich vermute, dass Sie aus Ihrem übergroßen finanziellen Schatz großzügig spenden und finde das auch wirklich toll. Ihr Statement hingegen ist eine bodenlose Beleidigung.

Wie? werden Sie vielleicht nachfragen.

„Weil wir endlich wieder gefordert werden, Engagement zu zeigen.“

Vielleicht sind sie ja mit den Gegebenheiten in Deutschland nicht mehr sehr vertraut und darum kommen sie zu dieser überaus arroganten Einschätzung. Wissen Sie denn nicht, dass in deutschen Vereinen, Kirchengemeinden, in Krankenhäusern, Hospizeinrichtungen, Selbsthilfegruppen, Sportvereinen jede Woche Tausende und Tausende von Menschen ehrenamtlich unterwegs sind, sich einbringen, also  „Engagement zeigen“.

Ohne diese vielen, vielen Ehrenamtlichen würde unser gesellschaftliches Miteinander nämlich gar nicht funktionieren. DAS ist es doch, was unser Gemeinwesen bisher ausmacht in  Städten und Dörfern, sich einbringen und mithelfen auf allen möglichen Ebenen und Schauplätzen.

Gestern, am 9. November,  war ich zum Beispiel mit meinem Mann in unserer Nachbarstadt. Da gibt es eine Gruppe die sich dafür einsetzt die Vergangenheit nicht im „Vergessen“ versinken zu lassen. Menschen, Frauen und Männer engagieren sich, stellen eine Gedenkveranstaltung auf die Beine, haben dafür in Archiven nachgeforscht, Bilder aus  der Vergangenheit gesucht und digitalisiert und so in einem eindrucksvollen Vortrag den von den Nationalsozialisten ermordeten Juden der Stadt ein Gesicht  gegeben und sie wieder in die Mitte der Gesellschaft  geholt. Und da gehören sie hin.

Meine Tageszeitung informierte über mehrere dieser Gedenkveranstaltungen. Glauben Sie, lieber Herr Grönemeyer, dass kleine Orte dafür hochbezahlte Eventmanager einstellen? Nein, sie bewerkstelligen das mit „Bordmitteln“, wie wir unsere (zusätzliche und nicht bezahlte) Arbeit    immer dann an meiner Schule nannten, wenn von Außen, von der Stadt, dem Ministerium, dem  Staat keine Hilfe zu erwarten war, wir aber für unsere Schüler etwas Positives organisieren wollten.

Apropos Schule. Wissen Sie eigentlich, wie viele Eltern sich im Bereich Schule ehrenamtlich engagieren, in den Klassen- und Schulelternräten,  für Schul- und Klassenfeiern, sogar   bei anstehenden Renovierungsarbeiten? Das gilt im Übrigen auch für die meisten „Kindergarteneltern“.

Woche für Woche stehen Fußballtrainer mit den Kleinen von der F-Jugend bis zu den älteren Kindern auf dem Fußballfeld – zumeist ehrenamtlich oder für ein kleines Entgeld, das mehr eine Anerkennung, denn eine wirklich „Bezahlung“ ist.  Freiwillige organisieren in den Sportvereinen das Kinderturen, die Herzsportgruppe, das Tischtennistraining oder die Leichtathletik, um nur einige der Sparten zu nennen, die der Sprotverein meines Dorfes anbietet.

Und das hat alles gar nichts mit Flüchtlingen zu tun.

Das war schon immer so.

Keine Freiwillige Feuerwehr käme ohne dieses Engagement aus, keine „Rote-Kreuz-Gruppe“ bei den Blutspendeaktionen und auch kein  THW bei den vielen Einsätzen, die die Ehrenamtlichen überall dort  leisten, wo sie gebraucht werden – und das weltweit.   Im Sommer gäbe es an Stränden und  Baggerseen keine lebensrettende Aufsicht  ohne die freiwilligen Helfer von der DLRG.

„Blaue Engel“ übernehmen in Kliniken freiwillige Dienst für die Versorgung der Patienten mit den Dingen, für die die professionellen Pflegekräfte gar keine Zeit mehr haben… sie organisieren praktische Hilfe für die, die keine Angehörigen in der Nähe haben.

In Hospizen und ambulanten Hospizdiensten engagieren sich eigens dafür ausgebildete Freiwillige. Kirchengemeinden organisieren Besuchsdienste für Alte und Kranke oder Fahrdienste für diejenigen, die nicht mehr zu Fuß, mit Öffis oder einem eigenen Auto die Kirche zu Gottesdiensten erreichen können.

Ich könnte die Aufzählung noch ellenlang fortsetzen…

UND DA REDEN SIE VON ENDLICH WIEDER ENGAGEMENT ZEIGEN?

 

Von der völlig empathielosen Aussage, „Ich halte die Flüchtlingssituation für einen Glücksfall“ gar nicht erst zu reden.

WIE kann man es für einen Glücksfall halten, dass Menschen auf der Flucht sind? Haben Sie denn überhaupt nicht nachgedacht?

FLUCHT IST KEIN GLÜCK!

Für niemanden auf der Welt.

Flucht ist Unglück, Leid, Angst, Sorge, Not, Schmerz, Verlust.

Sie sind doch ein Meister Ihrer eigenen Songtexte. Wie kann Ihnen so eine furchtbare  Textzeile passieren?

Selbst wenn Sie meinten, es sei toll, dass sich so viele Menschen für Flüchtlinge engagieren, ist Ihre Aussage völlig unpassend und daneben.

Natürlich ist es toll und ein Segen, dass so viele Menschen sich eingebracht haben und immer noch einbringen, damit das „Wir schaffen das“ der Kanzlerin nichts ins Leere laufen musste. Es ist großartig, dass Menschen in den Notünterkünften helfen, sich für die Begleitung der Flüchtlinge bei notwendigen Behördengängen engagieren, Sprachunterricht erteilen, Bekleidung in eigens dafür eingerichteten Ausgabestellen weitergeben, Kinder betreuen und Jugendlichen in vielerlei Weise das Einleben in Deutschland erleichtern.

Aber die Fluchtsituation ist dennoch kein „Glücksfall“.

„Glück“ kann man es allenfalls nennen, dass es in Deutschland immer schon Menschen gab und immer noch gibt, die sich aus religiöser und / oder humaner  Einstellung  einsetzen für andere.

Und vergessen sollte man auch diejenigen nicht, die immer wieder und nicht nur in aktuellen  Katastrophenfällen Geld spenden, um zu helfen.  Kaum eine Einrichtung    – von Rotem Kreuz, über ASB, Miserio oder Diakonischen Werk –   könnte ohne die vielen freiwilligen Spenden weiter arbeiten.

Dafür können und dürfen wir dankbar sein.

Ihre seltsamen Sprüche, lieber Herr Grönemeyer,  brauchen wir aber nicht.

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(Die ständige Wiederholung der Begriffe „Engagement“ und „engagieren“ ist volle Absicht und nicht etwa mangelnde alternative Ausdrucksmöglichkeit! ♥ )

 

 

Ich habs dann einfach mal geklaut. 7. November, 2018

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, medien, meine persönliche presseschau, politik, presse.
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„Das kann höchstens ein Anfang sein“: 65 000 Besucher beim „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz im September.
„Das kann höchstens ein Anfang sein“: 65 000 Besucher beim „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz im September.

Chemnitz

Eigentlich wirkt Jan Gorkow nicht so, als müsse man Angst um ihn haben. Er ist 1,94 Meter groß, besitzt einen imposant massigen Körper, trägt Vollbart und kurze Hosen, auch bei Herbstwetter. „Freiheit und Hoffnung“ hat er auf eines seiner stämmigen Beine tätowieren lassen. Der 31-jährige Punksänger aus Mecklenburg-Vorpommern strahlt allein durch seine Statur eigentlich eine deutliche Botschaft aus: Man sollte sich besser nicht mit ihm anlegen.

Und doch ist es genau das, wofür Gorkow es mittlerweile auch außerhalb der Musikszene zu erstaunlicher Berühmtheit gebracht hat: Gorkow legt sich gerne an. Vor allem mit Rechtspopulisten, mit Neonazis und mit dem, was manche Wutbürger nennen. Und die wiederum legen sich gern mit ihm an. Gorkow und seine Band mit dem schrägen Namen Feine Sahne Fischfilet sind etwas, von dem man schon gar nicht mehr vermutete, dass es so etwas noch gäbe: Musiker, die mit wütenden Texten und politischer Botschaft nicht nur einen Konzertsaal in Wallung bringen können, sondern auch den ganz großen Politikbetrieb.

„Scheißzecke aus Vorpommern“
„Scheißzecke aus Vorpommern“: Christoph Sell (l) und Jan „Monchi“ Gorkow von der Band „Feine Sahne Fischfilet“.Quelle: dpa

Wenn die Band ein Konzert gibt, gibt es nicht selten Proteste von AfD-Anhängern. Beleidigungen, Beschimpfungen, Hunderte Morddrohungen seien für ihn, der „Scheißzecke aus Vorpommern“, wie er sich selbst nennt, nichts Besonderes mehr. Schon vor zehn Jahren hätten Nazis Aufkleber drucken lassen mit seinem Konterfei – mit gespaltenem Schädel. „Klar“, sagt er, „man hat auch Angst. Aber die Angst darf einen nicht lähmen.“

Feine Sahne Fischfilet ist ein Phänomen. Kaum eine Band tauchte in den vergangenen Monaten so oft in den Nachrichten auf wie die ostdeutsche Punkband. Gorkow hat schon Interviews in der „Tagesschau“ gegeben. Dabei werden die wenigsten Zuschauer ihre Musik je gehört haben.

Je erfolgreicher und bedrohlicher AfD, Pegida und andere rechte Strömungen werden, so scheint es, desto mehr Bedeutung kommt auch dieser Band aus dem Norden Mecklenburg-Vorpommerns zu. Eine Art Gegengewicht zum gängigen Klischee von den Rechten im Osten Deutschlands. Tote-Hosen-Sänger Campino, immerhin so etwas wie der Altvater des politischen Deutschpunks, sagt: „Sie sind ein lebendes Beispiel dafür, dass man Haltung bewahren kann, auch wenn man sich in einem schwierigen Umfeld bewegt und die Zeiten härter werden.“

Tatsächlich hat die Aufmerksamkeit für Feine Sahne Fischfilet viel mit ihrem Umfeld zu tun. Gorkow und seine Band wollen den Rechten in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern nicht das Feld überlassen. Sie wohnen weiterhin in ihren Dörfern – trotz Top-Ten-Charts-Platzierungen, „Tatort“-Soundtrack und neuerdings auch MTV-Music-Awards-Nominierung. Immer wieder spielt Feine Sahne Fischfilet Konzerte auch in den Dörfern im Osten, wo die AfD führende politische Kraft ist. Sie kämpfen um ihre Heimat, obwohl sie ihr eigentlich längst entwachsen sind. Und sie ecken an. Auf mehreren Seiten.

„Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass so ein Konzert höchstens ein Anfang sein kann“: Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Chemnitz am 3. September. Quelle: epd

Ein Montag in Chemnitz im September. Acht Tage sind seit der tödlichen Messerattacke dreier Asylbewerber auf Daniel H. vergangen, sieben seit der Demonstration „gegen Ausländerfeindlichkeit“ voll Hass, Hetze und Hitlergrüßen auf offener Straße. Zehntausende haben sich vor der Johanniskirche versammelt, immer mehr strömen herbei, die Bühne wirkt winzig, selbst Gorkow verschwindet fast neben den riesigen Lautsprechern. Das auf Bannern gedruckte Motto „Wir sind mehr“ ist kaum erkennbar, so gut gefüllt ist der Platz, 65 000 Menschen jubeln ihnen zu. Als Musiker kann man eigentlich nicht viel mehr erreichen. Das Erste, was Gorkow an diesem Abend ins Mikro sagt, ist: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass das nicht alles sein kann. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass so ein Konzert höchstens ein Anfang sein kann. Und dass verdammt noch mal mehr Menschen den Arsch hochzubekommen haben.“

Polarisierung und Provokation

Es sind Sätze, wie sie immer wieder auf Konzerten von Feine Sahne Fischfilet fallen. Keine pausenfüllenden Moderationen, sondern Ansagen, irgendwo zwischen Haltung, Härte und – das mag erst auf den zweiten Blick deutlich werden – auch Herz. „Wenn alle mutlos sind, halten wir uns fest, komm, schlag zurück – denn Angst frisst Seele auf“, singt Gorkow. Er sagt, er singe es für die, „die dann noch die Fresse aufmachen, wenn es was auf die Fresse gab“.

Sie selbst folgen diesem Motto konsequent. Nachdem Politiker der AfD und auch der CDU in Sachsen-Anhalt gegen einen Feine-Sahne-Fischfilet-Auftritt im Rahmen der „ZDF@Bauhaus“-Reihe protestiert hatten, und das Konzert daraufhin aus Angst vor vermeintlich linksradikalen Ausschreitungen abgesagt wurde, gaben sie nicht klein bei. Gorkow bezeichnete die Absage durch das Bauhaus als „auf vielen Ebenen erbärmlich“. Ein Konzert in Dessau gab es dennoch: am Deinstagabend – im ausverkauften Brauhaus statt wie geplant im Bauhaus. Organisiert hat es Feine Sahne Fischfilet in Eigenregie.

Punk, Polarisierung, Provokation – die Band selbst ist längst zum Politikum geworden – spätestens seit sie durch das Staatsoberhaupt zum Streitthema im Berliner Politikbetrieb wurde. Nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Chemnitzer Veranstaltung gegen rechts auf seiner öffentlichen Facebook-Seite geteilt hatte, kam Kritik von allen Seiten. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (die, wie sich später herausstellte, selbst 2016 ein Festival besuchte, auf dem die Band auftrat) sagte in einem Interview: „Das, was wir wollen, ist, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat gegen rechts zu schützen. Und wenn man das dann mit denen von links tut, die genau in der gleichen Art und Weise auf Polizeibeamte verbal einprügeln (…), dann halte ich das für mehr alskritisch.“ (Annegret Kamp-Karrenbauer)

Gefahr für die Jugend?

Doch was stimmt denn nun? Sind die Mitglieder von Feine Sahne Fischfilet die Kämpfer gegen die Radikalisierung und den Hass? Oder sind sie selbst die Bösewichter – linksradikal, extremistisch, eine Gefahr für die Jugend, immerhin einst vom Verfassungsschutz beobachtet?

Wer Feine Sahne Fischfilet besser verstehen will, muss sich Jan Gorkows Leben erzählen lassen. Es ist weniger eine Musikerbiografie als vielmehr ein Lehrstück über Jugendkultur in der ostdeutschen Provinz.

Gorkow, von seinen Fans und Freunden nur „Monchi“ genannt, ist 31 Jahre alt, früherer Hansa-Rostock-Ultra, Sohn einer Zahnärztin und eines Bauunternehmers. Er stammt aus Jarmen, Provinz im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Ein 3000-Einwohner-Kaff, aus dem täglich einmal ein Bus Richtung Stadt rausführt. Monchi war schon immer größer, breiter und lauter als die anderen. Schon als Kind habe er selten geschlafen, „er war wie an einen Akku angeschlossen, immer auf Power“, sagen seine Eltern in der Kinodokumentation „Wildes Herz“, die Schauspieler Charly Hübner kürzlich über ihn gedreht hat.

Vom Ultra zum Punk

Zunächst floß Monchis Energie in den Fußball, als Kind ging er mit den Eltern ins Stadion, als Teenager mit den Ultras, dritte Halbzeiten inklusive. „Eine Zeit lang wusste man nicht, wo es mit ihm hinführt“, sagt die Mutter. „Er war immer vorne mit dabei“, sagt der Ex-Ultra-Kumpel. Mit 14 holten seine Eltern ihn aus dem Gewahrsam in Dortmund ab, weil er einen Polizisten angespuckt haben soll. Mit 19 bekam er zwei Jahre auf Bewährung, weil er einen leeren Streifenwagen angezündet hat. „Abgefuckte Zeit, hat mich krass geprägt“, sagt Monchi heute.

Dass der Junge mal Musik macht, hätten seine Eltern nicht gedacht, nicht einmal Monchi selbst. Die Band gründete sich gegen Ende der Schulzeit vor mehr als zehn Jahren, mehr als Zeitvertreib. In einer Gegend geprägt von alten und neuen Nazis, von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen früher und den Rekordergebnissen der AfD heute. Vor allem rechtsradikale Musik von Landser fand unter den Jugendlichen in ostdeutschen Dörfern Anklang.

Und weil Feine Sahne Fischfilet zunächst unverfängliche Songs über Saufen und Feiern sang, kamen die – damals noch leicht erkennbaren – Glatzköpfe in Springerstiefeln auch zu ihren Auftritten. „Irgendwann musst du dich dann entscheiden, sonst vereinnahmen sie dich, du muss dich positionieren“, sagte Gitarrist Christoph Sell mal in einem Interview. Und die Jungs begannen, sich zu positionieren – in Songtexten, auf Demonstrationen, mit eigenen Aktionen. Und zwar gegen die Rechten. Aber auch massiv gegen die Polizei: „Wir stellen uns in einem Trupp zusammen / Und schicken den Mob dann auf euch rauf! / Die Bullenhelme, die sollen fliegen / Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein!“, heißt es in dem Lied „Staatsgewalt“ von 2009.

Sie überspannten den Bogen, sie stießen an Grenzen, auch an rechtsstaatliche. Von vielen Texten des 2009 erschienen Debütalbums „Backstage mit Freunden“ distanziert sich die Band heute. Die Platte wurde zwar nicht indiziert, brachte sie aber auf den Schirm des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommerns, wegen einer „explizit antistaatlichen Haltung“. Über die „planmäßig angelegte Beobachtung in exakten Zeiträumen von 2011 bis 2013“ wird Gorkow erst im Nachhinein in einem Brief von der Behörde informiert: „Die polizeilichen Maßnahmen sind abgeschlossen. Mit freundlichen Grüßen.“

Verfassungsschutz beobachtete

„Wir sind keine Unschuldslämmer“, sagt Gorkow heute. „Aber wenn der Verfassungsschutz mehr über uns allein zu berichten weiß als über alle rechtsradikalen Bands, die es in Mecklenburg-Vorpommern gibt, dann ist das das Allerletzte.“ Seit 2015 wird die Band nicht mehr im Verfassungsschutzbericht erwähnt – im gleichen Jahr stellt Innenminister Lorenz Caffier (CDU) im Landtag fest: „Das größte Pro­blem ist der Rechtsextremismus.“ Die Zahl der rechtsextrem motivierten Straftaten sei von landesweit 642 im Jahr 2014 auf 952 im Jahr 2015 gestiegen.

„Keinen Plan B“: Feine Sahne Fischfilet im ausverkauften Ostseestadion. Quelle: OVE ARSCHOLL

Der Ton der Band bleibt auch danach rau, die Polizei ihr Feindbild. „Helme warten auf Kommando / Knüppel schlagen Köpfe ein / Wasser peitscht sie durch die Straßen / Niemand muss Bulle sein!“, singen sie 2015 in „Wut“ – ein Text, den ein Bundespräsident nicht gutheißen kann. „Natürlich wird in Texten bewusst schwarz-weiß gemalt“, sagt Gorkow. Aber wenn jede linke Blockade bei Nazi-Aufmärschen mit Wasserwerfen von der Polizei angegriffen oder durchgeprügelt werde, habe man oft das Gefühl von Hilflosigkeit, sagt er. Und eben: Wut.

Nehmen sie es in Kauf, wenn Wut in Gewalt umschlägt? Tatsächlich macht man es sich wohl zu einfach, in der Band eine reine linksradikale Krawalltruppe zu sehen.

Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern. Feine Sahne Fischfilet geht auf Wahlkampftour: „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen Rechtsruck“. Sie plakatieren und organisieren, es gibt Vorträge und Konzerte in Gegenden, wo nur noch NPD und AfD um die besten Plätze für Wahlplakate streiten. Es war Gorkow, der darauf drang, so etwas durchzuziehen. Er ist jemand, der keiner Konfrontation aus dem Weg geht – früher körperlich, heute politisch. Dafür macht er sich stets selbst ein Bild. 2016 war er mit der Hilfsorganisation MV für Kobane in Syrien, kürzlich mit der Seenotrettung Mare Liberum im Flüchtlingslager auf Lesbos.

Die Bühne ist Ventil und politische Plattform zugleich. Pogen auf Partypunk mit Trompeten und Politik. Er sei kein Sänger und habe von Musik keine Ahnung, sagt Gorkow. Dafür ist es allerdings sehr erfolgreich. Ihr neues Album „Sturm & Dreck“ stieg auf Platz drei der deutschen Charts ein. Ab Donnerstag spielt Feine Sahne Fischfilet ihre bisher größte Tour, 7000 Menschen allein in Düsseldorf, ausverkauft. Ob mit alldem ein Traum in Erfüllung geht? „Nö“, sagt Monchi, „den hatte ich nie. Aber auch keinen Plan B.“

Von Julia Rathcke


Möge sich jeder seine eigenen Gedanken machen…

Darf man das überhaupt denken…? 29. Oktober, 2018

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Und, darf man es auch fragen?

Heute, am Tag nach der Wahl in Hessen, in der CDU und SPD so gründlich Wählerstimmen verloren, stand ich in meiner Küche und bereitete unser Mittagessen zu, als der Mann im Radio darauf hin wies, dass Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel eine Pressemitteilung gebe. So tat ich etwas, was ich sonst nie tue, ich schaltete das Fernsehgerät schon in der Mittagszeit an und folgte beim ZDF den Worten der Kanzlerin. Sie gab sehr souverän ihren Verzicht auf den weiteren Parteivorsitz (ab dem Parteitag) und jede weitere Kandidatur für irgendwelche politischen Ämter bekannt.

Wir ließen den Fernseher noch ein bisschen dudeln – und so bekam ich mit, dass der Moderator einen Journalisten im fernen Brasilien nach dem Ausgang der  dortigen Wahl befragte. Ein (weiterer) Rechtspopulist im weltweiten Kreis der Rechtspopulisten wurde gewählt, erfahren wir. Das Gespräch drehte sich um die Probleme, die in Brasilien sehr massiv sind, um Soziales und um Wirtschaftsfragen und natürlich auch um die Umwelt. In Brasilien ist der Regenwald in höchster Gefahr und mit ihm auch die indigenen Völker.

Und um diese, die indigenen Völker, drehen sich meine Gedanken.

Den Begriff „indigen“ gibt es noch gar nicht solange, wie mir Wiki erzählt und auch gleich die Definition mitliefert:

Indigene Völker (von indigena „eingeboren“) oder autochthone Völker („ursprüngliche“, siehe Wortherkunft) sind nach einer international geltenden Definition diejenigen Bevölkerungsgruppen, die Nachkommen einer Bevölkerung sind, die vor der EroberungKolonisierung oder der Gründung eines Staates durch andere Völker in einem räumlichen Gebiet lebten, und die sich bis heute als ein eigenständiges „Volk“ verstehen und eigene soziale, wirtschaftliche oder politische Einrichtungen und kulturelle Traditionenbeibehalten haben.

Quelle

Ich empfehle den ganzen Wiki-Eintrag zum Thema zu lesen, er liefert nicht nur eine große Menge an Informationen und Fakten, sondern macht zugleich auch die Probleme deutlich, die mit dem Begriff einerseits einhergehen und von denen andererseits die indigenen Völker betroffen sind.

Der liebste Gatte und ich lieferten uns einen kleinen Meinungsaustausch im Anschluß an den Bericht. Ich wagte nämlich den Einwand, ob denn die indigenen Völker des brasilianischen Regenwaldes nicht auch ein Recht auf Entwicklung hätten, sprich auf Teilhabe an guter Bildung (würden die Menschen dann noch so leben wollen, wie ihre Vorfahren seit Jahrhunderten?), auf gute medizinische Versorgung.  Entspräche aber ihre so beinflusste  Lebensweise dann noch den Vorstellungen dessen, was man  unter „Naturvölker (siehe Wiki-Beitrag) des Regenwaldes gemeinhin versteht?

Aber, so der der Liebste, die indigenen Völker und ihr Lebensraum müssen doch vor „uns“ (zivilisierten Kapitalisten und Kolonialherren) geschützt werden. Ja, das stimmt natürlich einerseits. Aber haben wir andererseits ein Recht darauf, wegen der romantischen Vorstellung von frei lebenden „wilden Völkern“ Menschen alle zivilisatorischen Errungenschaften vorzuenthalten, nur damit wir „noch“ das natürliche, unverfälschte Leben in Abhängigkeit von natürlicher (feindlicher?) Umwelt und Naturgewalten vor Ort „studieren“ können? Ist es denn in jedem Fall ein Segen, ohne die Segnungen der Moderne leben zu können oder ist es vielleicht sogar ein Fluch, ohne die Segnungen leben zu müssen, weil Umwelt- und Naturschützer um jeden Preis jeglichen Fortschritt verhindern wollen, mit allerbester Absicht natürlich?

Und darf man das überhaupt denken – oder ist das nicht bereits wieder ein rassistischer Fehltritt?

Wie selbstbestimmt ist das Selbstbestimmungsrecht indigener Völker wirklich? Und hier benutze ich den Ausdruck „indige Völker“ als Synonym für Naturvölker.

Ich frage das in vollem Ernst.

Neulich – es mag vor drei oder vier Wochen gewesen sein – sah ich einen Bericht über einen weitgehend „unbekannten Indianerstamm“ in den Tiefen des Brasilianischen Regenwaldes. Die Männer trugen westliche T-Shirts und Shorts und auch die Frauen liefen nicht mehr so herum, wie Gott sie einst schuf. Was mich aber am meisten verblüffte, war die Tatsache, dass die Leute des Stammes via Internet Kontakt zu anderen „weitgehend unerforschten“ Stämmen hielten. Das verschlug mir gleich aus mehrerern Gründen die Sprache. Wie kann es sein, dass im tiefsten Regenwald der Zugang zum Internet problemlos funktioniert, auf meiner Wiese am Deich aber immer zu einem Glücksspiel wird? Und wie kommen die unerforschten Indianer zu den modernsten Kommunikationsmitteln? Und wie erstaunlich, dass es vor allem die Frauen waren, die damit selbstverständlich hantierten.  Ist das Dorf eigentlich so etwas wie ein lebendiges Museum, dachte ich,  in dem man zwar besichtigen kann, wie früher hier gelebt wurde – einschließlich helfen kann bei der Herstellung berauschender Getränke -, in dem aber, sobald die Kameras weg sind, die Leute wieder zu ganz normalen Bewohner einer ganz normalen menschlichen Siedlung werden?

Wir können doch nicht in romantischer Verklärung von Natur und Natürlichkeit anderen Menschen das vorenthalten, was für uns so selbstverständlich ist.

Und haben die Grünen möglicherweise deshalb so einen großen Zulauf, weil sie ihren Wählern suggerieren, es sei hier in Deutschland beides möglich, in Einklang mit der Natur zu sein UND an allen Segnungnen des mordern Fortschritts (mit Ausnahme des Individualverkehrs natürlich) teilhaben zu können.  Beantworten sie mit ihrer grünen Lebensphilosophie möglicherweise „nur“ die Sehnsucht der Menschen nach dem ganz einfachen Leben, wie es aber genau die sich so sehnenden Menschen gar nicht führen möchten – ohne beheiztes Badezimmer mit fließendem warmen und kaltem Wasser nämlich,  ohne Elektrizität für Beleuchtung, Beheizung und Zugang zu den modernen Informationsmedien, ohne sichere Energie für die tägliche Zubereitung warmer Mahlzeiten, ohne schützendes Dach über dem Kopf, ohne Bekleidung, die von anderen hergestellt wurde, ohne Waschmaschine und Telefon  und ohne Arzt und Apotheke um die Ecke… eben ohne, ohne, ohne. Ohne all die Dinge, die für uns so selbstverständlich geworden sind.

Realpolitik – ganz ohne Romantik ist zur Zeit gefragt.

Und wieviel davon gönnen wir auch allen Natur- und Indigenen Völkern auf unserem Planeten?

Und das meine ich ganz Ernst.

 

 

Religion – Schutz und Freiheit 22. Oktober, 2018

Posted by Rika in aktuell, christsein und glaube, gesellschaft, meine persönliche presseschau, politik.
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Der Bundestag debattierte in der vergangenen Woche über  Religionsfreiheit und deren Schutz,  dem  weltweit Geltung zu verschaffen sei.

Religion / Religionsfreiheit  –   ein schwieriges Thema.

Schwierig, weil  auf der einen Seite „Religion“ immer eine öffentlich zugängliche und wirksame Angelegenheit ist durch ihre institutionellen  und / oder  hierarchisch gegliederten Vertretungen mit mehr oder weniger großem Machtanspruch gegenüber den Gläubigen, die sie vertreten,  einerseits und gegenüber den Staaten, in denen sie angesiedelt sind, andererseits.

Auf der anderen Seite bedeutet Religion für die betreffenden „Gläubigen“  im Rahmen ihrer Religionszugehörigkeit eine zutiefst persönliche Beziehung zu dem, was für sie in ihrer jeweiligen Religion lebensbestimmend und relevant ist.

Doch nicht überall auf der Welt wird die Beziehung des einzelnen Gläubigen so unter den gesetzlichen Schutz gestellt, wie es in Deutschland der Fall ist, heißt es doch im Grundgesetzt:

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Artikel 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

 

Freiheit des Glaubens, des Gewissens verstehe ich als die persönliche Dimension, Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses  als die institutionalisierte Glaubensfreiheit in Form der   Kirchen- und Gemeindezugehörigkeiten verschiedenster Religionsgemeinschaften.

Dazu erklären Juristen:

Jedermann hat, dies nennt sich individuelle Dimension,  das Recht, seinem Glauben gemäß zu leben. Weiter steht es ihm frei, die kollektive Dimension auszuüben, dies in der Gemeinschaft mit anderen zu tun. Zudem haben die Glaubensgemeinschaften das Recht, sich rechtsförmig zu organisieren.

Ein Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts nach Art. 140 GG des Grundgesetzes in Verbindung mit Artikel 137 V WRV der Weimarer Reichsverfassung steht offen.“

Und weitere erklärende Ergänzungen finden sich auf der Seite juraforum :

Unterteilung in positive und negative Freiheit der Religion

Es findet eine Unterteilung in positive und negative Freiheit der Religion statt. Die positive Auslegung ist, dass jeder die Religion seiner Wahl ausüben kann, die negative dagegen, das Verbot für das Staatswesen, einen Bürger zu einer gewissen Weltanschauung oder Religion zu zwingen. Religion ist ein Grundrecht. So hat diese Grundrechtsberechtigung also ein jeder, Ausländer wie Deutscher. Was Minderjährige, Unmündige anbelangt, beginnt deren Religionsfreiheit mit der Einsichtsfähigkeit.

Die Religionsfreiheit betrifft auch die negative Freiheit eben keinen Glauben zu vertreten, sich dazu zu bekennen und diese Überzeugung auch zu leben. Auf die negative Religionsfreiheit geht der Artikel 136 Absatz 3 und Absatz 4 der Weimarer Reichsverfassung ein, die Grundlage für das die Religionsfreiheit betreffende, aktuelle Verfassungsrecht ist. In dem Artikel 33 Absatz 3 GG des Grundgesetzes ist festgehalten, dass, ganz egal welches Religionsbekenntnis, jedermann, jeder Staatsbürger, die bürgerlichen sowie auch die staatsbürgerlichen Rechte wahrnehmen kann, ihm Zugang zu öffentlichen Ämtern gewährt wird. Nach dem Artikel 7 Absatz 3 Satz GG kann ein Lehrer nicht gegen seinen Willen gezwungen werden, eine Religion zu unterrichten.

 

Einen interessanten historischen Rückblick bietet die Seite ebenfalls, ich möchte hier aber nicht näher darauf eingehen.

Dass der Bundestag über ein seit 70 Jahren im Grundgesetz verankertes Recht debattiert, das Recht auf Religionsfreiheit nämlich (siehe oben), hat seinen Grund in den zunehmenden Berichten über Repressalien, die gegen die verschiedensten Religionsgemeinschaften oder einzelne Gläubige (außerhalb Deutschlands) mehr oder weniger „legal“, das heißt im Einklang mit den jeweiligen staatlichen Institutionen und Gesetzen oder aus kultureller Tradition  ausgeübt werden.

In Deutschland erleben wir eine immer stärker zunehmende Säkularisierung, einhergehend mit hohen Austrittszahlen von Mitgliedern der beiden großen Amtskirchen (Katholiken, Protestanten) bei gleichzeitiger Zunahme muslimischer Vereine und Moscheegemeinden. Auch das ein Zeichen für Religionsfreiheit, denn auch die persönliche  „Freiheit  von Religion“ ist als Recht des Einzelnen anzusehen. Der Ausdruck „Vereine“ ist von mir keineswegs despektierlich gemeint, er verdeutlicht vielmehr das Dilemma, dass es zwischen den einzelnen muslimischen  Gemeinden und dem Staat der Bundesrepublik Deutschland immer noch keinen sogenannten „Körperschaftsvertrag“ gibt, wie beispielsweise mit den Jüdischen Gemeinden oder den meisten der evangelischen Freikirchen.  Das Problem liegt allerdings – so ist mein Kenntnisstand – auf der Seite der vielen unterschiedlichen muslimischen Verbände und Gemeinden, die keinen offiziellen Dachverband bilden, weder als gesamte Gemeinschaft der Muslime in Deutschland, noch einen verbindlichen Zusammenschluß  innerhalb ihrer jeweiligen unterschiedlichen theologischen Ausrichtungen der Gemeinden.

Zwar enthält auch die Charta der „allgemeinen Menschenrechte“ einen Passus über Religionszugehörigkeit und Freiheit der Religionsausübung, die Realtität zeigt aber, dass diesem Absatz der Menschenrechtscharta wenig Relevanz in der Umsetzung zu bescheinigen ist –  wie es ohnehin um die Menschenrechte weltweit nicht unbedingt so bestellt ist, wie es die UNO dereinst gefordert und formuliert hat.  Ganz abgesehen davon, hat in Ablehnung der allgemeinen Menschenrechte die muslimische Ummah die Kairoer Erklärung verabschiedet, die ausdrücklich den Islam zur Basis eines jeden Menschenrechts erhebt.

Es ist sicher mehr als eine Spekulation, wenn man davon ausgehen kann, dass diese Kairoer Erklärung in muslimischen Staaten dazu führt, die Rechte der Andersgläubigen – die ja vom Islam allesamt als Ungläubige angesehen werden – weder als schützenswert erachtet noch tatsächlich geschützt werden.

Doch auch den muslimischen Bürgern muslimischer Staaten werden die elementarsten Menschenrechte mit Hinweis auf die Religion vorenthalten, davon zeugen die drakonischen Strafen, die zum Beispiel in Saudi Arabien öffentlich  verhängt und vollzogen werden und von fürchterlichen Stockschlägen über  Verstümmeln (Hände oder Füße abtrennen, das Augenlicht zerstören) bis zur Todesstrafe durch Steinigung oder Enthauptung  das ganze Spektrum an Grausamkeiten abdecken, alles im Namen der Sharia und des Koran.  Der Iran, der derzeit von Deutschland, bzw. der Regierung Deutschlands  so gehätschelt wird wie kaum ein anderes Terrorregime, steht dem in Nichts nach.

Und es muss sicher hier nicht näher ausgeführt werden, dass in nahezu allen muslimischen Staaten der „Abfall vom Islam“, die Apostasie mit dem Tode bestraft wird.

Nun hat sich also der Bundestag des Themas angenommen. In guter demokratischer Gepflogenheit haben die verschiedenen Parteien und Blöcke jeweils eigene Entwürfe zur Diskussion gestellt. Nachlesen kann man die Anträge auf der Seite des Bundestages.

Wie nicht anders zu erwarten waren die Damen und Herren Abgeordneten nicht bereit oder in der Lage, aus den vorliegenden Anträgen eine, von allen gemeinsam getragene Beschlussvorlage zu kreieren, was doch angesichts des Themas durchaus im Bereich des Möglichen hätte sein können oder gar müssen. Natürlich fiel das Abstimmungsergebnis entsprechend aus.

Bei idea liest sich die Abstimmungsentscheidung so:

Berlin (idea) – Der Bundestag hat in seiner Sitzung am 19. Oktober einen Antrag der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD zum Thema Religionsfreiheit beschlossen. Die Abgeordneten verabschiedeten das Papier „Menschenrecht auf Religionsfreiheit weltweit stärken“ mit großer Mehrheit. 331 Abgeordnete stimmten dafür und 81 dagegen; 187 enthielten sich. In der Sitzung berieten die Parlamentarier auch einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und einen der AfD. Beide wurden abgelehnt.

Wie dieser Text bei idea von einer „großen Mehrheit“ reden kann ist mir ein Rätsel.  Laut Auskunft des Bundestages selbst sind in dieser Legislatur  709 Personen Angehörige  des Parlaments. Davon waren bei der Abstimmung 599 Abgeordnete zugegen. Von den 599 Abgeordneten stimmten lediglich 331 für die Annahme des Antrags der Regierungsfraktionen. Ist das eine große Mehrheit? Es sind gerade mal knapp 32 Stimmen mehr als die Hälfte der Anwesenden und nicht mal die Hälfte der Angehörigen des Parlaments. (Auch das Fernbleiben dieser Abstimmung spricht natürlich Bände… es waren ja vermutlich nicht alle 110 abwesenden Personen gleichzeitig erkrankt oder wegen sonstiger politischer Aktivitäten unabkömmlich.

Es ist eine Schande für die Abgeordneten, die sich sonst so viel auf ihre Menschenfreundlichkeit zugute halten und sich darüberhinaus um jeden Käfer, jede Fledermaus und jeden Wolf sorgen, dass sie es nicht fertig gebracht haben, über ihren parteipolitischen Schatten zu springen und den Antrag tatsächlich mit großer Mehrheit – nahezu einstimmig würde ich an dieser Stelle fordern – als Zeichen für die Welt zu verabschieden.  Es spricht gegen den moralischen Impetus derjenigen, die die Annahme des Antrags verweigert haben und die doch sonst so gerne „Zeichen setzen“ gegen Rechts, gegen Antisemitismus, gegen Fremdenfeindlichkeit, für die Umwelt und den Schutz der Meere,  die Bewahrung der Schöpfung und den Kampf für die Menschenrechte.

Abgestimmt wurde über  diesen Text,

daraus wörtlich zitiert:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf:
• Geltung und Abgrenzung des Menschenrechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit
in Deutschland gegen jegliche Art von Extremismus durch
geeignete Mittel zu wahren;
• den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und die Auseinandersetzung
des religiös motivierten Extremismus weiterhin durch politische Bildung und
Aufklärung intensiv zuführen;
• sich weiterhin mit Nachdruck in ihrer Außen- und Sicherheitspolitik sowie
Entwicklungspolitik auf bi- und multinationaler Ebene für das elementare
Menschenrecht der Religionsfreiheit einzusetzen, zu dem insbesondere die
Rechte, den Glauben zu wechseln, den Glauben öffentlich zu bekennen, für
den Glauben zu werben oder frei von jedem Glauben zu leben, zählen;
• das elementare Menschenrecht auf Religionsfreiheit gezielt bei allen Maßnahmen
zur Minderung von Fluchtursachen einzubeziehen;
• in bilateralen Gesprächen mit Partnerländern immer wieder auf die Universalität
der Menschenrechte hinzuweisen, die nicht durch religiöse und traditionelle
Bestimmungen relativiert oder eingeschränkt werden dürfen;
• weiterhin auf Staaten mit Nachdruck hinzuwirken, den Internationalen Pakt
für bürgerliche und politische Rechte zeitnah zu zeichnen und zu ratifizieren;
• den EU-Leitlinien über die Förderung und den Schutz der Religions- und
Weltanschauungsfreiheit innerhalb der Arbeit der deutschen Auslandsvertretungen
weiterhin größte Beachtung zu schenken;
• die wichtige Arbeit des Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für Religions-
und Weltanschauungsfreiheit nach Kräften zu unterstützen;
• sich dafür einzusetzen, das Amt des EU-Sonderbeauftragen für die Förderung
von Religions- und Weltanschauungsfreiheit außerhalb der Europäischen
Union zu verstetigen;
Vorabfassung – wird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 7 – Drucksache 19/5041
• den Beauftragten der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit in der
Wahrnehmung seiner Aufgaben, insbesondere bei dem in gemeinsamer Abstimmung
mit dem Auswärtigen Amt zu erstellenden Bericht zur weltweiten
Lage der Religionsfreiheit, maßgeblich zu unterstützen, indem die deutschen
Auslandsvertretungen u. a. mit der systematischen Erhebung religionsspezifischer
Daten dazu beitragen;
• die personelle Ausstattung der deutschen Botschaften auszubauen, um Maßnahmen
zur Förderung der Menschenrechte und Religionsfreiheit zu unterstützen;
• insbesondere im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten
Halbjahr 2020 für den Schutz und die Förderung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit
gemeinsam mit den EU-Partnern einzutreten;
• weiterhin umgehend und angemessen, möglichst gemeinsam mit anderen EUMitgliedstaaten
auf Berichte über Verletzungen der Religionsfreiheit zu reagieren;

• das Thema „Religion und Entwicklung“ noch stärker in der bilateralen Zusammenarbeit
zu verankern und dazu bedarfsorientiert spezifische Analysen zu
religiösen Akteuren in einzelnen Ländern zur Verfügung zu stellen;
• am Beispiel der von der Terrorherrschaft des IS befreiten Gebiete im Nordirak
ein friedliches Miteinander der verschiedenen religiösen Gruppen mit konkreten
Maßnahmen zugunsten der Versöhnung und der nachhaltigen Konfliktprävention
zu fördern und in diesem Zusammenhang ein koordiniertes Vorgehen
der zuständigen Ressorts der Bundesregierung zu intensivieren;
• PaRD zu einer Plattform weiterzuentwickeln, die konkrete politische Empfehlungen
und Lösungsvorschläge zu entwicklungspolitischen Themen und Regionen
erstellt.
Berlin, den 16. Oktober 2018
Ralph Brinkhaus, Alexander Dobrindt und Fraktion
Andrea Nahles und Fraktion

 

Zu meinem Selbstverständnis als Christin gehört das Recht der freien Religionsausübung  für jeden Menschen, so wie die Trennung von Kirche und Staat, wie es auch vom Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden – Baptisten – vertreten wird.

Manchmal, das gebe ich zu, fällt es mir persönlich schwer, dieses Recht der freien Religionsausübung auch denjenigen hier in Deutschland zuzubilligen, die in ihren Herkunftsländern Christen und / oder Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften  dieses Recht verweigern. Trotzdem halte ich an dem Prinzip der Religionsfreiheit fest  und  setze mich dafür ein, dass jeder Mensch das Recht und die Freiheit hat, seine Religion in freiem Entschluss zu wählen und auszuüben und, wenn es für ihn notwendig erscheint, seine Religionsgemeinschaft auch ohne Nachteil für Leib und Leben verlassen zu können oder die Religionszugehörigkeit zu wechseln. Und ich bin froh darüber, dass in dem begleitenden Text und in der  Abstimmungsvorlage auch diese Problematik  angesprochen und deutlich gemacht wird.

Ich würde mir aber ebenso sehr wünschen, dass die Politik es nicht mehr als notwendig ansehen müsste, sich  der Belange der Gläubigen anzunehmen….  und wir wirklich zur grundsätzlichen Freiheit des Glaubens und der Religonsausübung kämen und zur weltweit gültigen  Trennung von „Kirche“ und Staat.

Dass das vermutlich ein Traum bleibt – bis sich die Zeiten erfüllt haben – ist mir jederzeit bewusst…

Antwort auf Chemnitz…. ? 29. August, 2018

Posted by Rika in aktuell, asyl, flüchtlinge, gesellschaft, integration, migration, mord, politik.
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Bild könnte enthalten: Text

In Chemnitz kam ein Mann zu Tode. Die näheren Umstände sind noch nicht vollkommen geklärt. Involviert in das grausame Geschehen waren aber auch zwei, inzwischen von der Polizei in Gewahrsam genommene „Flüchtlingsmigrantenasylbewerber“, die mit Messern bewaffnet durch die Stadt spazierten und einen Konflikt mit dem späteren Opfer „Daniel“ mit eben diesen Messern austrugen, zum Nachteil des Getöteten, wie man wohl so sagt.

In Chemnitz kam es zu Protesten. Zu den spontan demonstrierenden Bürgern gesellten sich auch solche mit eindeutig „rechter Gesinnung“, offenbart durch entsprechende Sprechgesänge und Armhebungen, die seit Adolfs unseligen Zeiten glücklicherweise in Deutschland verboten sind. (Ich nuss das sicher nicht näher erklären.)

Die Stimmung in der Stadt wird als „aufgeheizt“ und „aggresiv“ beschrieben, und weil derzeit in diesem Land nichts so sehr die Gemüter erregt, wie der notwendige „Kampf gegen Rechts“, wurde auch alsbald in allen verfügbaren Medien des öffentlichen Lebens über die rechten Sachsen und ihre unschöne Haltung gegen „die anderen“ geredet, geschrieben, gefilmt… was das Zeug hält.

Das Opfer kam so ein zweites Mal unter die Räder… ja, es klingt zynisch und das ist es auch. Denn nicht die Frage, warum, wieso, weshalb Flüchtlinge, Migranten, Asylanten zum abendlichen Festspaziergang ein Messer mit sich führen und es auch mit tödlichen Folgen für den Angegriffenen zum Einsatz brachten, wurde thematisiert, sondern die abscheuliche Reaktion der Chemnitzer Einwohner auf diesen doch eigentlich so ganz normalen Mordfall. So jedenfalls habe ich einige der Kommentare verstanden, die die Alltäglichkeit der gewaltsamen Übergriffe beliebiger Angreifer auf beliebige Bürger beschworen und gar keinen Zusammenhang glaubten erkennen zu können, zwischen den kulturellen Unterschieden derjenigen, die schon länger hier leben und denen, die erst kürzlich zum „Volk aller hier im Lande Lebenden“ gehören… wie es die Frau Bundeskanzlerin so trefflich in einem ihrer sprachlich so eloquent vorgetragenen Statements zum Ausdruck brachte.  Nur ein kleiner dummer und vernachlässigungswerter Zufall, so die Argumentation, kein Politikum, nur ein schlichter Raubüberfall mit Todesfolge. Der Daniel hat einfach Pech gehabt, wie unzählige Opfer von Einzelfällen vor ihm auch schon.

Das Politikum ist nicht die Tat, es ist die Reaktion. Und gegen diese reaktionäre Reaktion der Chemnitzer muss man natürlich mit aller gegebenen Härte vorgehen. Das leuchtet ein. Denn die Reaktion widerspricht dem Geist der Willkommenkultur, die wir doch mit aller Entschiedenheit und allerorten hegen um pflegen, um damit dem Ungeist des Faschismus deutscher Prägung während der Zeit des Nationalsozialismus ein für alle Mal Widerstand entgegen zu setzen. Was damals vom deutschen Volk nicht geleistet wurde, das leisten „wir“ heute, darin sind wir ebenso unübertroffen gut, wie in Ausübung der Vernichtung des europäischen Judentums, der Zerstörung der jüdischen Kultur in Europa, dem Anzetteln des Zweiten Weltkrieges und der Versklavung der „minderwertigen Völker des Ostens“. Niemals wieder kann uns irgendjemand den Vorwurf machen, wir würden andere Völker versklaven oder  gar vernichten wollen.

(Das ist übrigens auch mit ein Grund, warum unsere Regierung immer und immer wieder insistiert, wenn in dem kleinen Land am Mittelmeer angeblich  die Menschenrechte mit Füßen getreten …. also „Siedlungen“ gebaut werden und Sicherheitsanlagen  Messerstecher  daran hindern sollen, diejenigen abzustechen, die den damaligen deutschen Mördern gerade so entkommen sind….)

Aber das ist ein anderes Thema… und sicher wird irgendjemand mir den Vorwurf des Whataboutism machen. Man darf einfach gar keine Beziehungen herstellen oder Vergleiche ziehen, die die Lauterkeit der heutigen Regierung und die der verkündenden Medien in Frage stellen KÖNNTEN! Konjungtiv…! (Claudia Roths Teilnahme an einer Domonstration in Hannover spukt mir gerade noch im Kopf rum… „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ soll da gerufen worden sein. Natürlich – und Dank sei der Vorsehung –  nicht von den Reaktionären am rechten Rand der Gesellschaft, nein, man kann beruhigt sein, es waren linke Schreihälse…. dann ist ja alles gut. Die dürfen randalieren und Autos abfakeln oder mit Pflastersteinen werfen, weil sie ja „gegen Rechts sind“. ) Gegen Rechts zu sein legitimiert jedes Mittel – und wehe, jemand stellt Fragen nach der Rechtmäßigkeit der dargebotenen Mittel, dann ist derjenige selber ganz schön schnell ganz schön rechts….

Gegen Rechts zu sein, ist auch das große Anliegen der Frau Chebli, nach eigener Auskunft „palästinensischer Flüchtling“ in dritter oder vierter Generation. Das und ihr streng muslimisches Elternhaus prädestiniert sie geradezu dazu, in Sachen Migration und Integration den Regierenden in verschiedenen Funktionen hilfreich zur Seite zu stehen. (Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde, ich halte es für sinnvoll, Menschen mit einer ähnlichen Biografie denjenigen an die Seite zu stellen, die hier in Deutschland ein neues Leben aufbauen wollen. Die Frage ist nur, wie sinnvoll es ist, immer wieder den eigenen Status als Flüchtling und / oder Opfer hervorzuheben, um sich damit von der Mehrheitsgesellschaft deutlich abzuheben und gleichzeitig integrativ zu wirken.

Mit ihrem oben verlinkten Twitter-Statement hat sie jedenfalls keine gute Figur gemacht – und es muss ihr auch selber aufgefallen oder von anderer Stelle mitgeteilt worden sein, denn das Statement wurde auf Twitter gelöscht. Aber es ist in den Weiten des Internets natürlich nach wie vor virulent – und das ist auch gut so, wirft es doch ein bezeichnendes Licht auf das, was Frau Chebli im Innersten bewegen mag:

Wir sind mehr (noch), aber zu still….  Wir sind zu wenig radikal„.

 

Wer ist mit „wir“ gemeint? Alle „Nicht-Rechten“ soll man wohl vermuten, die „(noch)  mehr“ sind.

Doch stimmt das „aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft“ denn wirklich?

Werden nicht alle ALLE, aber auch wirklich alle Vorkommnisse, die sich in irgendeiner Weise den Rechten im Land zuordnen lassen von sämtlichen Medien sofort deutlich, heftig und auch laut als nicht hinnehmbar kritisiert (zu Recht, wie ich denke), wenden sich nicht die Poltiker nahezu aller Parteien gegen jede Form des „Rechts-Seins“ und schließen in diese Kritik auch die gewählten Volksvertreter der sich neu gegründeten Partei der AfD mit ein? Ist nicht gerade der Begriff „Nazikeule“ deshalb so oft in Gebrauch, weil inzwischen  sehr vieles, was an kritischen Stimmen gegen die Regierung in Umlauf ist, nahezu reflexhaft mit dem Begriff „Nazi“ oder „Rechts“ belegt wird, oftmals ohne der Sache gründlich auf den Grund zu gehen?

Und ist das mehrheitliche „Wir“ wirklich zu zaghaft? Die Hamburger Protesttage während des Gipfels im vergangenen Jahr zeigten doch überdeutlich eine andere Sprache. Tausende gingen auf die Straße – das war ein „Mehr von Linken, Grünen und Guten“ – und ich meine das überhaupt nicht ironisch. Besorgte Bürger gaben ihrer Besorgnis Ausdruck – und manchen von ihnen war es nicht bewusst oder vielleicht sogar egal, dass sie den Gewalttaten der Antifa und des Schwarzen Blocks eine prima Deckung boten.  Nein, das ist jetzt überhaupt kein Whataboutism zu den Vorgängen in Chemnitz. Das ist einfach eine ganz schlichte Tatsache: Bürger ließen in Hamburg Gewalt zu, weil sie darin einen Ausdruck ihrer eigenen, nur unterschwellig bewussten Bereitschaft zu „radikal“ erleben, nach dem Motto, „eigentlich lehne ich ja Gewalt ab, aber in diesem Fall geht es vielleicht gar nicht anders“…

Das erinnert mich an die Aussage eines Freundes zu den Terroraktionen am Grenzzaun von Gaza. Er meinte, es bliebe ja den Gazanern gar nichts anderes übrig, als gewalttätig zu werden.  Aber ist das so? Ist es nicht eine überaus gefährliche Haltung, „nur“ einer bestimmten Gruppe „Gewalt als Mittle der Wahl“ zuzubilligen, in Sachen Israel aber scharf gegen die angebliche Gewalt der Sicherheitskräfte zu polemisieren?

 

Was also meinte Frau Chebli mit „wir sind zu wenig radikal„?

 

Ganz ohne Zweifel haben die Messerstecher von Chemnitz sehr radikal von ihrer Waffe Gebrauch gemacht.

Ganz ohne Zweifel haben einige, nicht das „Mehr“ der  Demonstranten von Chemnitz radikale Parolen gebraucht, sind auch Flaschen und Böller gworfen worden (und nicht geflogen, wie es in so vielen  Berichten über Aktionen der Antifa heißt, so als führten Flaschen ein Eigenleben….)

Was bedeutet dieses „zu wenig radikal“? Noch mehr Gewalt auf den Straßen – linke Gewalt zumal, die sich gegen Rechte erhebt? Sollen sich etwa die bisher friedlich demonstrierenden Bürger radikalisieren, auch auf die Straßen gehen, mit Flaschen, Steinen oder sogar Messern bewaffnet und ihrem Protest gewaltsam Ausdruck geben?

Das kann und darf es nicht sein.

Die Antwort auf Chemnitz kann nicht lauten, radikaler zu werden.

Frau Chebli meinte zwar im erkärenden  Nachklapp, wir müssten radikaler im Sinne von Demokratie werden. Aber ihre Aktion macht deutlich, dass sie in ihrem Denken immer weiter weg von „mehr Demokratie wagen“ ist.

Die „Radikalisierung der Demokratie“ im Sinne Willy Brandts hat das Wagnis eingeschlossen, sich Menschen eine eigene Meinung bilden zu lassen und sie entscheiden zu lassen wie und wer in diesem Land regieren soll – aufgrund wirklicher Informationen, sachlicher Argumente, kritischer Analyse der Bedingungen zu denen wir jetzt und gerade leben (müssen). Die globale Gemengelage  ist unübersichtlicher geworden, die alten Begriffe von rechts und links taugen nur ungennügend zu Erklärungen und Analysen. Nicht jedes Argument, das die AfD im Bundestrag vorträgt ist falsch – und das Parlament täte gut daran, nicht nach der „Sitzordnung“ zu entscheiden, denn daraus sind doch die Begriffe ursprünglich hervor gegangen. Dem Geist und Inhalt nach sollten Standpunkte geprüft, übernommen oder verworfen werden und nicht weil sie von einer bestimmten Partei – ob sie nun links, rechts oder grün dem Kern nach zuzuordnen ist.

Chemnitz lehrt uns doch auch, dass ein weiteres Übergehen der Anliegen der Bürger nicht zu einem „Mehr“ an „Wir“ führt, sondern zu Ausgrenzungen, Missverständnissen, Spaltungen.

Und die Chefin der Regierung, die verbal so vehement gegen das demonstrierende Volk von Chemnitz vorgeht, sollte sich bewusst machen, dass sie nicht alternativlos ist, dass es neben ihrer (allerdings selten klar formulierten) politischen Sicht auf Deutschland, Europa und die Welt noch gute Gründe gibt, die Lage anders einzuordnen, zu beurteilen und danach zu handeln.

Eigentlich, denke ich, haben sich die Menschen in Chemnitz als wirkliche Demokraten erwiesen…. sie haben ihre Meinung kund getan, sie sind aus ihrer bequemen Gewohnheit aufgebrochen und haben deutlich gezeigt, dass sie an dem Wohlergehen ihrer Stadt interessiert sind. Nun kommt es doch darauf an, gemeinsam an einer Lösung des Problems zu arbeiten, das die Leute von Chemnitz auf die Straße getrieben hat.

Sie als Mob oder Pack oder gar Abschaum zu bezeichnen, ist – wie die Kanzlerin sagen würde – nicht zielführend.

 

 

 

 

Eine Provokation soll es sein… 18. März, 2018

Posted by Rika in aktuell, frauen, gesellschaft, Kinder - Famile, mütter, mord, politik, väter.
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sich für menschliches Leben einzusetzen.

„Spahn provoziert neuen GroKo-Krach über Abtreibungen

 

Ich gebe ja zu, dass Herr Spahn  drastische Worte gewählt hat, als er einen Vergleich zog zwischen der Fürsorge für tierische Lebewesen und der für menschliche (ungeborene) Lebewesen.

Aber vielleicht ist es dringender denn je geboten, mit eben solchen drastischen Worten und Vergleichen den Wahnsinn zu verdeutlichen, der derzeit in Deutschland grassiert.

Wegen der schützenswerten Juchtenkäfer wurde jahrelang um den Bau von Stuttgart 21 gestritten. In Hannover musste, bevor der Klagesmarkt umgebaut werden konnte, ein seltenes Kraut aus den Ritzen zwischen den Pflastersteinen sorgsam entfernt und an anderer Stelle wieder eingepflanzt werden. Die Elbvertiefung wird mit dem Ringen um eine äußerst seltene Spezies im Uferbereich immer wieder juristisch bekämpft und damit verzögert. Wölfen sichert man einen überaus hohen Schutzstatus zu. Gegen Massentierhaltung gibt es heftige Proteste (wohl zu Recht).

Ungeborenes Leben hat weniger Fürsprecher in der öffentlichen Debatte.

Mehr als Einhunderttausend  Ungeborene werden Jahr für Jahr abgetrieben. Das entspricht in der schieren Anzahl der Getöteten in etwa der Bevölkerung einer Stadt wie Göttingen oder Hildesheim.

In der jetzt geführten Debatte geht es aber mitnichten um ein generelles Verbot von Abtreibungen, diese juristische Angelegenheit wurde schon vor Jahren mit der Änderung des § 218 geregelt. Was die Abtreibungsbefürworter auf die Palme bringt, ist die neu entflammte Debatte darüber, ob ein Gynäkologe im Internet auf seine Praxis aufmerksam machen und dabei auch den Hinweis auf die Durchführung von Abtreibungen geben kann oder nicht. Dieses Verfahren wird durch den § 219 geregelt. Die Werbung für Abtreibung ist demnach per Gesetz verboten.

Bei einer Anzahl von mehr als 100 000 Abtreibungen pro Jahr kann man doch davon ausgehen, dass die abtreibungswilligen Frauen bisher keine Probleme hatten, eine entsprechende Einrichtung für ihr Vorhaben zu finden. Von daher verstehe ich die angeblich  dringende Notwendigkeit nicht, den Paragraphen 219 nun gänzlich zu streichen, wie es die (nur vermutete Mehrheit der) SPD fordert.

Frau Barley wird mit diesen Worten in dem oben verlinkten Artikel zitiert:

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) betonte. «Ich verlasse mich auf das Wort der Kanzlerin, die zugesagt hat, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.» Es gehe nicht um Werbung, sondern um Information. «Daran muss jetzt die gesamte Bundesregierung arbeiten», sagte Barley der Deutschen Presse-Agentur. Ärzte bräuchten Rechtssicherheit und Frauen Unterstützung in einer Krisensituation.

 

Mir erschließt sich die Forderung nach mehr Rechtssicherheit für Abtreibungsärzte nicht. Es geht bei § 219 doch nicht um die Abtreibung an sich, sondern schlicht und ergreifend darum, ob ein Arzt im Internetauftritt seiner Praxis auf die Spezialbehandlung „Abtreibung“ hinweisen darf oder nicht. An seiner rechtlichen Situation hinsichtlich der Tötung von menschlichem Leben – dieses Tun nämlich straffrei zu stellen – ändert sich doch gar nichts. Und auch für  die betroffenen Frauen ändert sich nichts.

Wenn Frauen und die mit ihnen sympathisierenden Männer so massiv gegen den § 219 auftreten, bedeutet das doch in erster Linie, dass auf diesem Weg die Abtreibung menschlichen Lebens endgültig zu  einer ganz „normalen“  ärztlichen Tätigkeit erklärt werden soll, wie etwa die Entfernung des Blinddarms oder der Rachenmandeln. Bisher hat es doch offenbar funktioniert, dass Frauen die Ärzte fanden, die den Eingriff vornehmen. Wozu also die Änderung?

Und hat Herr Spahn nicht Recht?

Machen nicht insbesondere die Grünen ein ziemliches Gewese um alles was lebt, mit Ausnahme um noch nicht geborene Menschen?

Und ist das nicht ein ganz schrecklicher Skandal?

Ein Skandal insbesondere in einem Land, das so viel auf seine sozialen Errungenschaften hält. Ungewollt Schwangere, die sich in einer Notlage befinden, müssen und können mehr Unterstützung finden, als es bisher schon möglich ist. Dass das mit der Information über die Ärzte, die Abtreibungen vornehmen geschehen soll,  kann doch nicht zu dieser notwendigen Unterstützung zählen!

DAS LEBEN ZU SCHÜTZEN muss die eigentliche und wichtige Aufgabe zum Thema Abtreibung sein. Dazu gehört auch der Schutz der Frauen, die mit einer Abtreibung ein hohes gesundheitliches und psychisches Risiko eingehen, dessen Langzeitfolgen aber in einer Krisensituation kaum zu übersehen sind. Verantwortung für Frauen kann darum eben auch bedeuten, sie darin zu stärken, ein nicht geplantes und / oder nicht gewolltes Kind dennoch zu bekommen.

„Kein Mensch ist illegal!“ lautet ein Schlagwort im Umgang mit Migration.  Ungeborene Kinder haben diesen Zuspruch in gleicher Weise verdient und das Recht, in Deutschland zu leben und aufzuwachsen

 

By the way,  der demographische Wandel macht auch den Grünen und Linken Sorgen, sie plädieren für nahezu ungebremste Einwanderung, um der immer mehr schrumpfende Bevölkerung ein bisschen entgegen zu wirken.  Aber 100000 Kinder nicht leben zu lassen, ist für sie gar kein Problem.

Da kann man doch ins Grübeln kommen über die ethischen und moralischen Werte….

Oder?

 

 

Wenn der Islam zu Deutschland gehört…. 17. März, 2018

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wie es seit Wulffs Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit im Jahr 2010 immer mehr zur Kanzlerinnen-Doktrin geworden ist, geht es nicht einfach nur um die „Religion“ namens Islam, nein, dann  gehört  das gesamte  islamische System, das untrennbar aus  Koran, Sunna und Hadith   miteinander verwoben ist, ebenfalls zu Deutschland.

Was aber bedeutet das?

Auf einer muslimischen Internetseite wird dazu Folgendes gesagt:

Die Art und Weise, wie Mohammed inmitten seiner Gemeinde lebte und seine Pflichten als beispielhafter muslim erfüllte, wie er die Gläubigen auf den Wegen Gottes führte und die erforderlichen Regeln festlegte – all das verdeutlicht seinen Weg (sunna). Das Leben des Propheten hat also für gläubige muslime absoluten Vorbildcharakter, jede seiner Handlungen ist göttlich inspiriert.

Wie im Kapitel

► Mohameds Handlungen sind von Allah göttlich legitimiert

dargelegt wird, sind alle Taten und Anweisungen des Propheten unhinterfragt und unhinterfragbar.

► Die Unabänderlichkeit der Heilsbotschaft Allahs

 

 

Weiter heißt es:

2. Autorität der sunna

Wenn sich zu einem bestimmten Sachverhalt oder einer Streitfrage im ahadith Erläuterungen oder Anweisungen finden, dann sind sie für den Gläubigen verbindlich. Im Lexikon des Islam heißt es dazu:

Die Autorität der sunna ist im Koran verankert, der von den muslimen fordert, sich der Führung des Propheten zu unterwerfen und ihm zu folgen. Die Gläubigen dürfen sich Gott und seinem Gesandten nicht widersetzen und  dürfen ihnen den Gehorsam nicht verweigern:

Sure 33, Vers 21: Wahrlich in dem Gesandten Allahs hattet ihr ein schönes Beispiel für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt.

Sure 72, Vers 23: Allein eine Predigt von Allah und Seine Sendung liegt mir ob, und wer sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt, für den ist Dschahannams Feuer ewig und immerdar.

Sure 4, Vers 14: Wer aber gegen Allah und Seinen Gesandten rebelliert und Seine Gebote übertritt, den führt Er ein in ein Feuer, ewig darinnen zu verweilen, und es trifft ihn schändende Strafe.

Der Prophet gilt als die letzte Instanz bei allen Entscheidungen eines muslims. Ein Gläubiger darf, wenn Allah und sein Gesandter eine Angelegenheit entschieden haben, in dieser Angelegenheit nicht mehr frei zu wählen:

Sure 33, Vers 36: Und nicht geziemt es einem gläubigen Mann oder Weib, wenn Allah und Sein Gesandter eine Sache entschieden hat, die Wahl in ihren Angelegenheiten zu haben. Und wer gegen Allah und Seinen Gesandten aufsässig wird, der ist in offenkundigem Irrtum.

Die Anwesenheit des Propheten inmitten der Gemeinde gilt somit als Garantie für die Wahrheit der Glaubenslehre und die Richtigkeit der getroffenen Maßnahmen … denn seine Autorität ist ihm von Allah selbst verliehen:

Sure 4, Vers 64: Und wir entsandten Gesandte nur, daß ihnen gehorcht würde mit Allahs Erlaubnis. Und wenn sie, nachdem sie wider sich gesündigt, zu dir kämen und Allah um Verzeihung bäten, und der Gesandte für sie um Verzeihung bäte, wahrlich, sie würden Allah vergebend und barmherzig erfinden.

So gilt der Grundsatz:

Sure 4, Vers 80: Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht Allah, und wer den Rücken kehrt … so haben wir dich nicht entsandt zum Hüter über sie.

(Digitale Bibliothek: A. T. Khoury, L. Hagemann, P. Heine: Lexikon des Islam, S. 325, Verlag Herder)

► Die absolute Gehorsamspflicht gegenüber Allah und Seinem Gesandten

 

(Hervorhebung der Textteile von mir)

Das Vorbild, das Mohammed mit seiner Lebensführung allen ihm nachfolgenden Generationen von  Muslimen gegeben hat, hat bis in die Gegenwart  „Gesetzescharakter“ und absolute Gültigkeit:

3. Das Vorbild aus der sunna hat absoluten Gesetzescharakter

Die hadith-Sammlungen sind nach Kapiteln geordnet. In der Sammlung von Muslim sind die Begebenheiten zum „Heiligen Krieg“ (Kitab Al-Jihad wa’l-Siyar) in Kapitel 19 zusammengetragen und umfassen die Nummern 4293 bis 4472, also 179 Einträge. Wie absolut die Vorbildfunktion Mohameds Gültigkeit hat läßt sich auch daran erkennen, daß dieses Kapitel zusätzlich in 50 thematische Unterkapitel eingeteilt ist. Da wie gesagt jede Handlung des Propheten als göttlich inspiriert angesehen wird, hat man folgerichtig aus jeder Handlung oder Anweisung des Propheten eine zu befolgende Regel abgeleitet. Diese Gebote haben denselben Anspruch auf absolute Richtigkeit und sind ebenso wie die koranischen Gebote strikt einzuhalten. Hier einige Kostproben:     Quelle

 

Die ewige Gültigkeit der aus Koran und Sunna abgeleiteten Gesetze verhindert jede wie auch immer geartete Reform des Islam zu einem System, das  in Deutschland oftmals als „Euro-Islam“  bezeichnet wird. Die Vorstellung, der von Mohammed eingesetzte Islam könnte im Sinne moderner, europäischer Auffassungen vorsichtig  reformiert werden, käme aber der Apostasie gleich, dem Abfall vom Islam.

Die Frau Bundeskanzlerin ließ sich in ihrer Erwiderung auf Seehofers Stellungnahme, der Islam gehöre NICHT zu Deutschland  dazu hinreißen  Herrn Seehofer  zu kritisieren:

Angela Merkel (CDU) hat sich in der Debatte um die Rolle des Islams in Deutschland von den Äußerungen des neuen Bundesinnenministers Horst Seehofer (CSU) deutlich distanziert. Deutschland sei zwar stark vom Christentum geprägt, aber inzwischen lebten vier Millionen Muslime in Deutschland, sagte die CDU-Chefin bei einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven am Freitag in Berlin. „Diese Muslime gehören auch zu Deutschland und genauso gehört ihre Religion damit zu Deutschland, also auch der Islam.“ Man wolle einen Islam, der auf der Grundlage des Grundgesetzes basiert. „Wir müssen alles tun, um das Zusammenleben gut zu gestalten zwischen den Religionen.“

(Quelle)

und macht damit deutlich, dass sie im Wesentlichen immer noch nicht begriffen hat, dass der Islam keine Religion wie jede andere ist, sondern in erster Linie ein pseudoreligiöses Konstrukt mit absolutem Machtanspruch. Das gilt im übrigen auch für alle Politiker und Medienschaffenden, die sich in ähnlicher Weise zum Islam äußern und damit der Islamisierung weltweit Vorschub leisten.

„Lesen bildet“ …. habe ich mal gelesen. Man müsste es eben auch in diesem Fall tun, das Lesen.

„Einen Islam, der auf der Grundlage des Grundgesetzes basiert“, wie es die Kanzlerin etwas verschwurbelt formuliert, kann und wird es nicht geben, weil er in nahezu allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen  geradezu konträre Positionen vertritt.

Nehmen wir nur den Satz in der weiteren Merkel’schen Rede, in der sie die Religionsfreiheit anspricht, die in Deutschland gewährt wird. Religionsfreiheit  bedeutet die freie Ausübung der Religion, zu der ein Mensch sich bekennt. Der Islam duldet aber keine anderen Religionen als ebenbürtig und gleichberechtigt an. Es redet ausdrücklich davon, dass Judentum und Christentum Fälschungen der ursprünglichen islamischen Lehre seien und Mohammed als letzter Prophet Allahs gesandt wurde, um die „Fälschungen“ rückgängig zu machen. Wer als Jude oder Christ zum Islam konvertiert, kehrt nach islamischen Lesart zurück in das „Haus des Islam“. Dieses Haus zu verlassen, ist jedoch bei Todesstrafe verboten. Diese schlichte Tatsache allein schon widerspricht unserem Grundgesetz.

Frau Merkel und alle, die ihr in der Einlassung zum Islam folgen, zeigen, dass sie sich nicht ausreichend mit dem Thema auseinandergesetzt haben und relativ blind Leuten wie Ayman Mazyek folgen, der ihnen Sand in die Augen streut, ganz im Sinne des „Dschihad“ nämlich, den zu führen, jedem Muslim aufgetragen ist und an dessen Ende die weltweite Unterwerfung unter den Islam steht. Islam ist Unterwerfung.

Aus vermeintlicher Toleranz werfen sie die Prinzipien über Bord, die uns die Freiheit in unserer Gesellschaft sichert.

Natürlich gehört dazu die Religionsfreiheit.

Es ist gut, dass wir in Deutschland das Prinzip der Religionsfreiheit haben und jeder seine Religion  leben kann.

Aber man muss dieses Gesetz doch trennen von den Inhalten, die von den Religionen verbreitet und gelebt werden. Der Inhalt und damit auch der ethische und moralische Gehalt der bisher in Deutschland vorherrschenden Religion  ist doch gleichzeitig der, der die Geschichte Deutschlands geprägt und sein gesellschaftliches Gefüge und seine Kultur bestimmt hat. In den mehr als 1000 Jahren seit der großen Christianisierung des von vielen verschiedenen Stämmen bewohnten Gebietes, das heute „Deutschland“ ist, haben sich doch kulturelle, religiöse und rechtliche Grundsätze herausgebildet, die eben auf diesem „Christentum“ fußen, das wiederum auf dem noch älteren Judentum basiert. Den Islam, als gemeinsame Identität, hat es in Deutschland nie gegeben. Und deshalb kann man mit Fug und Recht unterscheiden und wie Seehofer, Söder und sehr viele Menschen sagen:

Menschen mit einem deutschen Pass gehören unterschiedslos zu Deutschland, Menschen aus anderen Ländern, die hier leben und arbeiten und unsere gesellschaftlichen Ordnungen und Gesetze respektieren und einhalten, sind  als Mitbürger willkommen.

Der Islam aber gehört NICHT  zu Deutschland und zwar aus den Gründen, die im Islam selbst zu finden sind. Er ist mit unserem Rechtssystem, mit unserer Auffassung von Demokratie, Menschenrechten, Gleichberechtigung und freier Religionsausübung NICHT kompatibel.

Und niemand muss sich wegen dieser Meinung und Auffassung kritisieren lassen.

„Den Preis für die Satten zahlen die Elenden…“ 26. Februar, 2018

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formuliert Gerd Buurmann in einem langen Artikel zum Hype um die „Essener Tafel“.

Gerds Artikel sind oftmals megalang (weil er den Problemkomplex in aller Ausführlichkeit und von „Adam und Eva“ an erklärt)  und benötigen  deshalb auch Durchhaltevermögen und  einen  langen Atem 😉 . Meistens aber trifft er den Punkt – trotz der Länge seiner Beiträge und deshalb weise ich auch immer wieder auf seinen Blog oder seine Artikel hin.

Aus dem langen Schrieb über die Vorgänge rund um die Essener Tafel zitiere ich  hier nur den Schlussabsatz:

Den Preis für die Träumereien der Satten zahlen die Elenden

Alles hat eine Obergrenze! Keine Organisation hat unendlich viel Kapazität und grenzenlose Möglichkeiten. Die Obergrenze liegt immer dort, wo man nicht mehr in der Lage ist, Hilfe zu gewährleisten. Für die Essener Tafel, die niemals angetreten ist, die Flüchtlingskrise zu meistern, ist die Obergrenze erreicht.

Wir reden hier übrigens teilweise von Flüchtlingen, die aus Kriegsgebieten kommen. Dort wurden sie traumatisiert und brutalisiert. Diesen Menschen kann die Essener Tafel überhaupt nicht helfen. Sie ist dafür gar nicht ausgebildet. Dazu braucht es hochspezialisierte Expertinnen und Experten. Warum wird es überhaupt zugelassen, dass durch Krieg und Zerstörung traumatisierte und brutalisierte Menschen mit den sozial schwächsten Deutschen nicht nur konfrontiert, sondern in direkte Konkurrenz gesetzt werden? Wird Deutschland nur noch von zynischen, selbstverliebten und empathielosen Wolkenkuckucksprinzessinnen regiert?

Warum regt sich kein lautstarker Protest gegen all die Politikerinnen und Politiker, die die Frechheit besitzen, ausgerechnet die selbstlosen und hilfsbereiten Menschen zu verleumden, die ihre freie Zeit opfern, um anderen Menschen zu helfen? Diese engagierten Bürgerinnen und Bürger haben lediglich erklärt, dass die Obergrenze ihrer Fähigkeit zu helfen, erreicht ist. Das ist kein Verbrechen!

Außerdem ist es die verfehlte Politik, die überhaupt erst dazu geführt hat, dass die hilfsbereiten Menschen der Essener Tafel brutal an ihre Grenzen gestoßen sind. Sawsan Chebli und Karl Lauterbach verdammen engagierte Bürgerinnen und Bürger, weil sie an ihre Grenzen stoßen. Für diese Kaltschnäuzigkeit gehören beide entlassen!

Dieser Beitrag erscheint auch auf Gerd Buurmanns Blog Tapfer im NirgendwoDort sind auch die zitierten Twitter-Einträge dokumentiert.

 

Den Artikel habe ich von Achgut hierher kopiert. Daraus ergibt sich der letzte Satz.

 

Mir fällt dazu – wieder einmal – auch Tilo Sarrazin ein, der seit Jahren darauf hinweist, was in dieser Gesellschaft schief läuft im „Sozialgefüge“. Leider finden seine Bücher, Artikel und Reden kaum Gehör, bzw. werden sie augenblicklich umgedeutet zu „Rassimus“ und / oder „Fremdenfeindlichkeit“. Die SPD, die Sarrazin vor noch nicht allzu langer Zeit aus eben diesen „Scheingründen“ ausschließen wollte, täte gut daran, auf ihn zu hören…. aber wer liebt schon denjenigen oder achtet ihn wenigstens, der den Finger auf  die schwärende Wunde legt…. An dieser Wunde wird die Gesellschaft in letzter Konsequenz zerbrechen, wenn sie nicht endlich eine Kehrtwende vollzieht.

 

 

Vor vielen Jahren schrieb ich dies in einem meiner Beiträge:

„Dabei fällt mir ein Schüler ein, der so stolz war auf seinen Vater, der jahrelang vergeblich einen neuen Job gesucht hatte, aber immer noch arbeitslos war. Sein Vater engagierte sich bei einer „Tafel“, er, der selber mittellos und auf Hilfe angewiesen war, half anderen – unentgeldlich! Ja, der Junge war stolz auf seinen Vater, ZU RECHT!!!

aus: „Opfer der Gesellschaft

Persien … Mullahs … Deutschland … 12. Februar, 2018

Posted by Rika in gesellschaft, hamas, hass, iran, islam, israel, politik, terrorismus.
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Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, die Ihr hier regelmäßig oder ab und zu mal vorbei schaut.

Meine erste Bekanntschaft mit „Persien“ machte ich im Geschichtsunterricht …. die Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Persern faszinierten mich,  und heimlich – ich muss es gestehen – war ich immer auf der Seite der Griechen, denn die „kannte“ ich schon etwas länger, nämlich  aus der Lektüre der Ilias und Odyssee von Homer und aus einigen „Sagen des Klassischen Altertums“, die ich schon mit 10 oder 11 Jahren gelesen hatte… ich las halt sehr gerne und die Bücher standen bei uns im Regal.

Meine Eltern kauften nicht die Klatschblätter in denen dem Schah von Persien und seinen unglücklichen und schönen Frauen gehuldigt wurde und ich ging auch nicht zum Friseur, bei dem wohl auch damals schon das Goldene Blatt oder ähnliche Magazine auslagen und sicher  über den wundervollen  Pfauenthron berichteten… jedenfalls nicht zu der Zeit, als mir Griechen und Perser im Geschichtsunterricht begegneten.  Persien war weit, weit weg…

Irgendwann aber bekam auch ich die märchenhaften Erzählungen über den Schah und seine Familie mit.

Und ich begann mich für Politik zu interessieren. Da konnte es natürlich nicht ausbleiben, auch über die tiefe Abneigung der Linken (das war für mich damals vor allem die SPD) gegen die imperialen Strukturen der persischen Politik informiert zu werden. Und so schlug mein Herz durchaus für die Studenten, die sich beim Besuch des Schah in Berlin den „Jubelpersern“ entgegen stellten und machtvoll demonstrierten.  Diese Demonstrationen markieren für mich in der Erinnerung den Beginn der Studentenunruhen und  des Aufbruchs der „68er“, untrennbar verbunden mit   Benno Ohnesorg und  Rudi Dutschke …  Und natürlich war ich auf der Seite aller Entrechteten und Geknechteten dieser Erde.  Sogar der RAF begegnete ich in ihren Anfängen noch mit einer gewissen Sympathie, die sich aber sehr schnell legte, als es zu massiven Rechtsbrüchen und sogar zu Morden kam. Damit wollte ich nichts zu tun haben, dafür empfand ich tiefe Abneigung, ja,  Abscheu.

Aber meine Anteilnahme für die armen rechtlosen Perser war geblieben, und so begrüßte ich die „iranische Revolution“, die mit der Rückkehr des Ayatollah Khomeini aus dem Pariser Exil ihren Höhepunkt fand. Die Zustimmung zu dieser Revolution wich aber sehr bald einem stillen Entsetzen über das Vorgehen der Revolutionsgarden gegen alle Iraner, die sich nicht dem strengen Diktat der neuen islamischen Machthaber unterwarfen.

In den folgenden Jahren gab es für mich wenig Anlass, dem „politischen System Iran“ wohlwollende Sympathien entgegen zu bringen. Wer erinnert sich noch an den fürchterlichen Krieg zwischen Iran und Irak? Die Mullahs schickten damals Kinder in die Minenfelder, um den nachrückenden Soldaten den Weg frei zu machen. Es war unglaublich menschenverachtend. Die Kinder wurden mit dem Versprechen, auf direktem Weg ins Paradies zu kommen,  in die Minen gejagt, mit einem „Schlüssel“ für die Pforte des Paradieses in der Hand und Koranversen um den Kopf gebunden.  Damals las ich das Buch „Ich habe keine Tränen mehr“, von Freidoune Sahebjam über den Kindersoldaten Reza Behrouzi.   Meine Verachtung für die Mullahs wurde grenzenlos.

Die Mullahs in Iran, die politische und religiöse Führung des Landes gaben mir keinen Anlass, meine negative Haltung ihnen gegenüber zu überdenken oder gar zu revidieren, im Gegenteil. Der rigide Umgang mit Frauen, der Zwang zum Kopftuch, die Einschränkung der Meinungsfreiheit, die entsetzlichen Strafen für Abtrünnige vom Islam, die Steinigungen, das Erhängen Homosexueller, das alles stand und steht in einem absoluten Gegensatz  zu den Werten mit denen ich groß geworden bin und  die ich seit meiner Kindheit in meiner Familie und Gemeinde, später in Studium, Beruf und  Freundeskreis  als Basis des Zusammenlebens erfahren und gelebt habe.

Und dann dieser Hass. Dieser abgrundtiefe Hass der in Iran von den Mullahs gegen Israel und Juden geschürt wird. Alljährlich wird der Al Quds-Tag mit einer Massendemonstration gegen Israel  „gefeiert“ und aus mehr als hunderttausend Kehlen erklingt der Schrei, der zur Vernichtung der Juden aufruft. Der von deutschen Medien als „moderat“  gepriesene Ruhani marschiert an der Spitze der Hassenden, Khamenei, der oberste Geistliche des Islam in Iran kündigt unverhohlen an, den Kampf gegen Israel so lange zu führen, bis die Muslime obsiegen und das Land wieder vollständig unter islamischer Kontrolle steht, Israel vernichtet ist.

Das alles ist gut dokumentiert.

Man muss kein Israelfreund sein, um die Bedrohungslage erkennen zu können. Und eigentlich, so denke ich, muss man auch kein ausgesprochener Freund Israels sein, um diese iranischen Ansagen in aller Schärfe zu verurteilen. Aber als Freund Israels muss man ausdrücklich gegen die Politik Irans demonstrieren.

Und gleichzeitig reichen  schon alle  bekannten Verletzungen der Menschenrechte aus, um das Regime in Teheran in die Schranken zu weisen!

Ist es nicht genug, dass Frauen Menschen zweiter Klasse sind, dass sie unter das Kopftuch gezwungen und  als Anhängsel ihres Mannes betrachtet werden?  Neulich wurde in meiner Gemeinde der Film „No Land’s Song“  gezeigt. Wusstet Ihr, dass Frauen in Iran in der Öffentlichkeit nicht singen dürfen? Es könnte die Männer sexuell erregen, damit begründet  ein Mullah der Komponistin und Musikerin Sara Najafi die Absage für ihr Gesuch um ein öffentliches Konzert mit Sängerinnen.

Ist es nicht genug, dass homosexuelle Männer öffentlich an Baukränen aufgehängt werden?

Ist es nicht genug, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist, das Demonstrationsrecht nur für Demonstrationen gegen die politischen Gegner gilt?

Ist es nicht genug, dass der Iran mit Waffen und know how die Terrororganisationen Hisbollah und Hamas Jahr für Jahr stärker aufrüsten, dass Iran in Syrien ein widerwärtiges „Spiel“ treibt?

Ist das alles nicht genug auch für unsere Politiker den Iran zu ächten?

Nein. Es ist nicht genug.

Unsere Politiker bedienen die Klaviatur der wirtschaftlichen Vorteilsnahme … da nimmt man es mit Menschenrechten halt nicht so genau. Kaum war der Atom-Deal mit dem Iran unter Dach und Fach eilten deutsche Politiker nach Teheran, um für deutsche Wirtschaftsunternehmen die Tür zu einem „lukrativen“ Markt zu öffnen. Und während Herr Gabriel keine Mühe scheut, das demokratische Israel zu einem „besseren“ Verhalten und Umgang mit den „Palästinensern“ zu erziehen, kommt der Iran völlig ungeschoren davon, „Baukräne“, Folterkeller, Beschneidung der Rechte für Frauen und… und… und … hin oder her.

Unser Außenminister findet, dass das Atomabkommen mit dem Iran „Stabilität“ und Sicherheit für den gesamten Nahen Osten bedeutet… obwohl sich der Iran damit brüstet, Israel in 5 Minuten in Schutt und Asche legen zu können.

Und unser Bundespräsident?  Der beglückwünschte das Regime zum Jahrestag der  erfolgreichen islamischen Revolution….   (Zu diesem Vorgang findet sich allerdings außer dieser keine weitere Quelle… )

Vielleicht, so denke ich manchmal, habe sich viele Politiker der SPD niemals von ihren damaligen Ansichten lösen können, obwohl die Wirklichkeit doch eine so deutlich andere Sprache spricht. Immer noch verharren sie – so kommt es mir vor – in dem utopischen Weltbild, dass eine Revolution grundsätzlich etwas Gutes ist und niemals die schlimmsten Abgründe hervorbringen, geschweige denn in eine verachtenswerte Diktatur münden kann. Die iranische Revolution hat den Schah und seine Regierung gestürzt und aus dem Land gejagt. Die Mullahs,  die kamen, brachten aber keine demokratische Gesellschaftsordnung wie wir sie kennen und wonach wir leben,  sie verfluchten und verboten alles „Westliche“ und „Moderne“ und etablierten ein Herrschaftssystem, das sich einem Jahrhunderte alten religiösen Kult um Macht und Einfluss verschrieben hat, den politischen Islam mit allen seinen für den Einzelnen und für die Gesellschaft so verheerenden Folgen von Zwang und Unterdrückung.