jump to navigation

80 JAHRE und 7 Tage… 27. Januar, 2022

Posted by Rika in aktuell, antisemitismus, gesellschaft, HOLOCAUST, judentum, meditatives, politik.
Tags: , , , , , , , , ,
add a comment

„80 Jahre und 7 Tage“

 

Diese Zeitspanne nannte der Präsident der Knesset des Staates Israel in seiner Rede im Deutschen Bundestag zum Gedenken der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und wies darauf hin, dass nur wenige Kilometer vom Reichstag entfernt das Haus am Wannsee steht, in dem vor 80 Jahren und 7 Tagen eine Konferenz hochrangiger Vertreter des Staates, der SS, der Wehrmacht, der Verwaltung stattfand, in der in nur wenigen Stunden das Schicksal der europäischen Juden besiegelt werden sollte, für immer verbunden mit dem Begriff „Endlösung“, der doch nichts anderes besagt, als VERNICHTUNG !

Vernichtung jüdischer Frauen, Männer, Kinder, Säuglinge und Greise aus allen Machtbereichen der Deutschen. Um die Mörder zu schonen – so kann man es in den „Wannsee-Protokollen“ nachlesen – musste das Morden effektiver, „Ressourcen schonender“ durchgeführt werden, der fabrikmäßig durchgeführte Massenmord nahm in einer schönen Villa in einer idyllischen Landschaft seinen Anfang.

Mickey Levy, der Präsident der Knesset, konnte während seiner Rede, in der er Teile des Kaddisch für die jüdischen Toten sprach, nur mühsam die Tränen zurückhalten …

Und dennoch – so dachte und denke ich – trotz der Trauer, trotz des Gedenkens an die Toten, die Entrechteten, Traumatisierten, trotz des Leids, das mit diesem Tag verbunden ist, ist es auch ein Tag des Triumphs des Lebens über die Mordpläne der Henker.

80 Jahre und 7 Tage nach den Beschlüssen zur „Endlösung“ steht der Präsident der Knesset des jüdischen Staates Israel im Parlamentsgebäude und vor den Abgeordneten des Deutschen Volkes und gedenkt der Toten und spricht doch von Aufbruch, Zusammenarbeit und Vertrauen.

ISRAEL und alle Juden weltweit haben in diesem Moment über Hitler und sein Verbrechensregime gesiegt – mit dem leidvollen Opfer von Sechs-Millionen Leben.

Daran will ich alle Tage meines Lebens erinnern.

Der Schrecken und das Morden der Nazis und all ihrer Helfer und Zuträger darf niemals vergessen werden.

Die Mahnung, die Mickey Levy mit nur zwei Worten aussprach, geht an uns alle:

NIE WIEDER

Antisemitismus darf niemals mehr die Oberhand gewinnen, ganz gleich, in welcher „Verkleidung“ er auftritt: nicht in seiner klassischen Form, nicht als Rassismus, nicht als religiöse Pflicht, nicht als Antizionismus, nicht als allgemeine „Kritik an Israel“, und schon gar nicht als neuerlicher Aufruf zur Vernichtung Israels und der Juden, wie es leider immer wieder bei Aufmärschen zum Al-Quds-Tag passiert.

 

 

Der Anregung zum Gedenken an die über eine Million ermordeten jüdischen Kinder folgend, brennen heute Kerzen in unserem Haus, am Fenster meines Arbeitszimmers und am Fenster der Vorderseite des Hauses.

Werbung

Gendern – mein Zwischenruf… 13. März, 2021

Posted by Rika in aktuell, emanzipation, gesellschaft, meine persönliche presseschau, politik.
Tags: , , , , , ,
10 comments

Mit der Macht der Sprache beschäftigt sich unter anderem ein Artikel der NZZ,   der bei Facebook veröffentlich ist, wenn auch mit eigentlich anderem Tenor. 

Schnell folgen die Kommentare, die die Teilung in Befürworter und Gegner einer „gendergerechten Sprache“ abbilden. Ein Kommentator ist dabei sicher, dass die gendergerechte Sprache endlich niemanden mehr ausgrenze. 

Dem setze ich diesen kleinen und nicht auf  wissenschaftlicher Basis beruhenden Zwischenruf entgegen: 

Auch die „Gendersprache“ schafft Grenzen, sie grenzt nämlich diejenigen aus, die sich in : und * nicht wiederfinden können. Sie stülpt allen und eben auch den Kritikern an : und * zwangsweise eine Sprachform über, die eben nicht als eine allmählich gewachsene Veränderung daher kommt, wie wir es mit vielen Anglizismen erlebt haben, die inzwischen selbstverständlich sind, sondern eine Sprachform, die in den Studierstuben ersonnen wurde und mit „pseudowissenschaftlichen“ Theorien begründet wird.

Noch sieht – und das ist wörtlich zu nehmen –  „Lieschen Müller“ nämlich bei ihren Begegnungen mit anderen Menschen nicht die Diversität der Geschlechter, die eine neue Sprachform zwingend erscheinen ließe, sie sieht nach wie vor Jungen und Mädchen, Frauen und Männer, Alte und Junge, und Menschen mit allen Hautfarben, die die Palette hergibt. „Soziologisches Sehen“ ist eben nicht Standard, aber Sprache drückte bisher das aus, was wir standardmäßig gewohnt waren oder immer noch gewohnt sind zu sehen.

Und völlig egal, in welchen wilden Aufmachungen oder traditioneller Bekleidung Menschen umher laufen, noch sieht man trotz aller äußerer Erscheinung „nur“ die bisher geläufigen, gewohnten und bekannten Phänotypen „weiblich – männlicher“ Ausprägung.

Und ich bin ziemlich sicher, dass niemand daran interessiert ist, durch ein besonderes Erkennungsmal oder stigmatisierendes Zeichen kenntlich gemacht zu werden, wie es einmal in einer furchtbaren Zeit politisch angesagt war und wie es heute durch  : und * sprachlich im Namen der Toleranz gefordert wird.

Sprache sollte deshalb darauf verzichten, die Diversität durch besondere Zeichen auszudrücken. Vielmehr sollte wir durch Aufklärungsarbeit und Erziehung unser Denken verändern, damit wir auf die sichtbare Aufsplitterung des Gemeinsamen in  viele Facetten verzichten können. 

Ich bin, die ich bin.

Ich bin, der ich bin.

So wie ich bin begegne ich dir, der du, die du,  bist wie du bist.  

„I am I and you are you“ so beginnt das bekannte Gestaltgebet….

Ist das nicht genug?

 

 

Ein bisschen Tratsch … 11. März, 2021

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, medien, politik, presse.
Tags: , , , ,
2 comments

Ganz ehrlich, ich hatte ja gar keine Ahnung!

Nur ganz am Rande nehme ich in der Regel Geschehnisse wahr, die sich bei den britischen Royals abspielen. Mehr, als man im öffentlich-rechtlichen TV erfahren könnte, bleibt mir gemeinhin verborgen. Natürlich habe ich mir die Traumhochzeiten der „jungen Royals“ nicht entgehen lassen. Welch wunderschön gestylte Frauen in wunderschönen Gewändern und am Arm ganz wunderbarer Männer. So wunderbar das alles.

Und nun das.

Sicher, auch ich habe mitbekommen, dass das Traumpaar Harry und Sally,  nein, Meghan und Harry mit Baby Archie die glamouröse Welt der – „Firma“ genannten – königlichen Familie verlassen haben, der Queen den Dienst aufkündigten und Zuflucht im sonnigen Kalifornien suchten und fanden.

Aber erst das reichlich und aufdringlich beworbene Interview, das die royalen Nestflüchter der Tratsch-Queen Winfrey in Amerika gaben, ließen mich den ganzen Jammer erkennen, dem insbesondere die mit „Herzogin“ geadelte C-Schauspielerin Meghan Markl ausgesetzt war, durch die Bosheit des royalen Clans und die der Medien gleichermaßen. 

An dieser Stelle möchte ich kurz einfügen, was ich in einem Kommentar bei Facebook schreib: 

Dass jede Person, die in „die Firma“ einheiratet, einen schweren Stand hat, kann man wohl mühelos nachvollziehen, umso mehr, wenn die Person nicht mit den Gepflogenheiten britischer Königshäuser zumindest im schulischen Geschichtsunterricht vertraut gemacht wurde. Was mich in der ganzen nun entstandenen medialen Aufregung aber irritiert, ist, dass (fast alle) Medien das trotzig-naive „ich habe mich nicht informiert“ durchgehen lassen und M.M. in ihrer Opferrolle unterstützen.“

Zur Erklärung müsste ich noch hinzu fügen, dass ich mich der Wirkung der Werbung für das Interview nicht entziehen konnte und tatsächlich ca. 25 Minuten lang das perfekt inszenierte  Jammern „bewunderte“, vielmehr mich dabei über die ebenso perfekt dargebrachte Naivität wunderte, mit der HRH M.M. beteuerte, sie habe sich mit voller Absicht nicht über „Harrys Grandma“ informiert, so als sei diese Grandma eine Oma wie jede andere auf der Welt und nicht die Queen, Symbolfigur und auch Ikone einer mehr als tausend Jahre alten Institution, der britischen Monarchie nämlich. 

Vielleicht hatte sich M.M.  tatsächlich nicht darüber informiert, welch „Hohem Hause“ ihr neuer Verehrer angehörte. Aber kann man sich soviel Dummheit wirklich vorstellen? Würde man sich nicht vielmehr gründlich mit allen Fakten auseinandersetzen, die mit dem Anbetenden in irgendeinem Zusammenhang stehen? (Königshaus, Königsfamilie, Geschichte der Monarchie, Geschichte Englands und Großbritanniens etwa) Oder war sie tatsächlich der Meinung, dass sie, wie sie im Interview sagte,  den Umgang mit Promis (zu denen sie sich zweifellos selbst auch zählt) gewohnt sei und sie es darum auch nicht für nötig hielt, sich näher über  die „Promis des britischen Königshauses“ in Kenntnis setzen zu müssen? 

All das setzte mich schon in Erstaunen.

Aber dann zog man die Trumpfkarte:

Sie habe sich mit Rassismus aufgrund ihrer Abstammung konfrontiert gesehen.

Ganz ehrlich?

Als ich zum ersten Mal in der Zeitung Bilder von Mrs. Markl sah, war mir überhaupt nicht der Gedanke gekommen, sie könnte „black“ oder den PoC  zugehörig sein. Ich sah nur eine wunderschöne und elegante junge Frau. Es muss mir auch später entfallen sein, dass ihre Mutter eine Afro-Amerikanerin ist. Daran mag man erkennen, wie wenig Aufmerksamkeit ich dem Klatsch und Tratsch über königliche Paare entgegen gebracht habe, aber auch das, wie wenig meine Wahrnehmung durch „rassistische Motive“ getrübt gewesen ist.

Bei späteren TV-Berichten  bewunderte ich eine gut aussehende, perfekt auftretende junge Frau an Harrys Seite, die einen guten Job für die Firma machte und mit freundlicher Eigenständigkeit in der Öffentlichkeit und den Medien punktete, in durchaus erwünschter Ergänzung zu der anderen jungen Frau im Familienclan, der ebenso hübschen wie bewunderten Kate an Williams Seite.

Über Neid, Missgunst, gar Zickenkrieg will ich nicht spekulieren und auch nicht über diesen Teil des Interviews räsonieren, in dem solche Untertöne leicht anklangen. 

Mehr der unsäglichen Darstellung des Leidens an Ausgegrenztheit  und Rassismus habe ich mir nicht angetan. 

Was mich ärgert, ist, dass sich viel zu viele Medien   (wohl unter dem Eindruck des Rassismus-Vorwurfs) ohne jedes kritische Nachfragen zu M.Ms  eigenem Anteil an dem Desaster  mit der „Herzogin von Sussex“ solidarisieren und damit gleichzeitig die Institution der britischen Monarchie angreifen. 

Es gibt Regeln, nach denen wir alle leben und / oder leben müssen. Sich mit diesen Regeln rechtzeitig vertraut zu machen, kann vor Enttäuschungen und Schaden bewahren und dazu verhelfen, sich in einem fremden System zurecht zu finden. Und natürlich gibt es Regeln, die man infrage stellen kann, andere, die man sogar infrage stellen muss. Aber wie sinnvoll ist es, das in aller Öffentlichkeit und  anklagend mit tränenreicher Stimme vorzutragen?

Qui bono? Wem zum Vorteil nützt es? 

Dient es der behutsamen Modernisierung alter Traditionen in Monarchie und Gesellschaft gleichermaßen?

Dient es der Bekämpfung von Rassismus und Ausgrenzung?

Oder dient es nicht doch vielmehr dem gekränkten Ego einer jungen Frau, die in der Scheinwelt von Hollywood eine Rolle gespielt hat und bitter erkennen musste, dass es doch  einen Unterschied macht,  ob man für einen Film für kurze Zeit eine anstrengende Rolle übernimmt oder aber im wahren Leben damit  konfrontiert ist, dass man mit dem Eingehen der Hochzeit mit einem Royal auch die lebenslangen Pflichten einer Royal übernommen hat und zudem bei deren Erfüllung auf Schritt und Tritt beobachtet wird. 

Ich kann verstehen, dass das eine Herausforderung ist, bei der man leicht an seine Grenzen kommt. Aber mir fehlt das Verständnis dafür, die Probleme in Form einer Anklage auf großer Bühne zu zelebrieren.

 

———————————————————————— 

ERGÄNZUNG

Es ist mir wichtig, noch einen weiteren Aspekt kurz anzureißen, der in dem Interview auch zur Sprache kam und den man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte:  Suizidgedanken.

Meghan berichtet davon, dass sie sich während der Schwangerschaft  mit den Gedanken an Suizid getragen habe. Das weist auf eine schwerwiegende depressive Verstimmung oder sogar auf eine Schwangerschaftsdepression hin, unter der auch in Deutschland viele Frauen leiden. Diese Probleme muss man sehr ernst nehmen. Ich gehe aber davon aus, dass es nicht die Sache „der Firma“ sein kann, sich darum zu kümmern, sondern dass ihr sicher ihr Ehemann, der sich ja für Menschen mit psychischen Problemen einsetzt,  hätte helfen können, mit einem kompetenten Therapeuten über ihre Not zu reden. Ich kann aber schlecht einschätzen, warum und wieso das offenbar nicht geschehen ist, bzw. ob nicht auch dieser Vorwurf, „die Firma“ habe nicht geholfen, tatsächlich zutrifft.

Für alle werdenden und gewordenen Eltern (ja, das Thema geht auch die jeweiligen Partner an), hier darum der Link:

In der Schwangerschaft und nach der Geburt – Stiftung Deutsche Depressionshilfe (deutsche-depressionshilfe.de)

 

 

 

 

Fremde Feder: Hagia Sophia 25. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, christsein und glaube, gesellschaft, politik.
Tags: , , , , , , , , , , , ,
add a comment

Bei Facebook las ich den bemerkenswerten Text zur Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee, der von Roland Werner mit diesen Worten eingeleitet wurde:

 

Das Ende einer Epoche?!

Die Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee

Doch: Auch wenn die ChristusIkonen verschwinden,
Jesus Christus bleibt.

Lesenswert zu diesem erschütternden Vorgang ist die

Erklärung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK)
Erzpriester Radu Constantin Miron

aus Anlass der Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee
Köln/Frankfurt am Main, 23. Juli 2020″

Und hier der eigentliche Text, geschrieben von dem Erzpriester Radu Constantin  Miron

„Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche. Durch einen administrativen Akt des türkischen Staatspräsidenten verliert die Hagia Sophia in Istanbul den Status eines Museums, den sie seit 1935 besaß, und wird zur Moschee gemacht. Dieser staatliche Akt geschieht – wie so häufig in der Türkei – unter scheinbarer Wahrung der Rechtstaatlichkeit.

Das im 6. Jahrhundert gebaute Gotteshaus, das unter Kaiser Justinian als christliche Kirche erbaut wurde und über neun Jahrhunderte als solche diente, wird, wie 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, erneut zur Moschee.

Seit dem 1. Februar 1935 stand sie dann als Museum allen Besucherinnen und Besuchern offen, wie es der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, verfügt hatte. Im Bewusstsein der orthodoxen Christinnen und Christen blieb und bleibt die Hagia Sophia allerdings die „Große Kirche Christi“. So ist es kein Zufall, dass Vertreter aller orthodoxen Patriarchate und autokephalen Kirchen gegen die Entscheidung der türkischen Regierung protestiert haben.

Doch auch viele Vertreterinnen und Vertreter anderer Kirchen, europäischer und weltweiter Institutionen, nicht zuletzt der UNESCO, zu deren Welterbe die Hagia Sophia ja gehört, haben ihre Bestürzung über diesen Vorgang geäußert, der offenkundig nicht religiöse Bedürfnisse, sondern innen- und außenpolitische Ambitionen des türkischen Präsidenten befriedigen soll.

Deshalb richten sich diese Proteste – und auch die vorliegende Erklärung – nicht gegen den Islam oder das islamische Gebet, sondern gegen den Missbrauch der Religion, der hier zutage tritt.

Zwei Aspekte, die nur wenig zur Sprache gekommen sind, gilt es dabei besonders hervorzuheben:

Zum einen ist die Hagia Sophia für die weltweite Christenheit nicht – wie behauptet wurde – „irgendein Gebäude, um das auf einmal so viel Aufhebens gemacht wird“. Vielmehr ist sie auch jene Kirche, auf deren Hauptaltar am 16. Juli 1054 der päpstliche Legat Humbert von Silva Candida das Bannschreiben über Patriarch Michael Kerullarios niederlegte, was zur Großen Kirchenspaltung zwischen Ost- und Westkirche führte. Sie ist also der symbolträchtige Ort, an dem damals das Schisma proklamiert wurde und der heute deshalb für alle, die in der Ökumene tätig sind, ein Mahnmal für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche darstellt.

Zum anderen lässt die bewusste Wahl des 24. Juli als Datum der Umwidmung nichts Gutes erahnen, handelt es sich doch um den Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne (1923), in dem in den Artikeln 37-44 auch die Rechte der nicht-muslimischen Minderheiten bzw. die Verpflichtung der Türkei, diese und ihre religiösen Einrichtungen zu respektieren, festgeschrieben wurden. In den vergangenen Jahren stellte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan immer wieder diesen Vertrag in Frage.

Seine Vorliebe für Symbolpolitik, die mal wieder durch diese Datumswahl deutlich wird, geht also offensichtlich auch zu Lasten der christlichen Minderheit in der Türkei. Ihr Schicksal kann und darf uns als Christen nicht gleichgültig sein. Zu oft haben wir unsere Stimme nicht laut genug erhoben, wenn es um den Genozid an den Armeniern und anderen Völkern, um die Septemberpogrome des Jahres 1955, um die Ermordungen von christlichen Missionaren und Würdenträgern oder die zahllosen Enteignungen von Gebäuden und Grundstücken aller christlichen Kirchen des Landes ging.

Auch die Umwidmung der Hagia Sophia ist eine Enteignung, nicht im immobilienrechtlichen, sondern im geistlichen Sinn. Und sie bedeutet das endgültige Ende einer säkularen, laizistischen, europäischen modernen Türkei, wie sie Atatürk vorschwebte, der die Hagia Sophia zum Museum gemacht hatte.

Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche.

Erzpriester Radu Constantin Miron“

 

Es ist mir wichtig, dieses Zeugnis zu bewahren und weiterzugeben.

Meine schwerwiegende Bildungslücke – Intersektionalität 10. Juli, 2020

Posted by Rika in christsein und glaube, emanzipation, frauen, gesellschaft, Grüne Ideologen, medien, politik, soziale arbeit.
Tags: , , , , , , , , ,
add a comment

„Mit schamhaftem Erstaunen muss ich feststellen, welche wesentlichen Forschungen und die daraus resultierenden Erkenntnisse in den letzten 40 Jahren meines Lebens an mir vorbei gegangen sind. Ich war zu sehr mit der Arbeit in Beruf, Familie, Küche und auch Kirche beschäftigt, als dass ich mich um die wirklich wichtigen, Identität ausmachenden Fakten und Begriffe hätte kümmern können.
Durch einen Fb-beitrag über Peggy Piesche bin ich auf meine extreme Bildungslücke gestoßen. Nun denke ich darüber nach, welche dramatischen Auswirkungen intersektionale Erfahrungen für mein Leben gehabt haben könnten … und ob es nicht endlich an der Zeit wäre, das mit Hilfe geschulter Therapeuten aufzuarbeiten…. nicht, dass ich mit einem mir bisher nicht bekannten und nicht aufgearbeitetem Trauma sterbe…

Bitte nicht missverstehen, ich halte es für richtig, sich über die verschiedensten Formen von Diskriminierung bewusst zu werden. Aber ich halte gar nichts davon, das ganze Leben auf den Prüfstand dieses Forschungsgegenstandes zu stellen, wie es manche Leute vehement fordern….“

(Das war mein einleitender Kommentar bei facebook zu dem unten stehenden Link.)

Und hier nun der Link zur Wissenslücke:

„Intersektionalität (von englisch intersection „Schnittpunkt, Schnittmenge, Straßenkreuzung“) beschreibt die Überschneidung und Gleichzeitigkeit von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person: Intersektionelle Diskriminierung liege vor, „wenn – beeinflusst durch den Kontext und d…
DE.WIKIPEDIA.ORG
…………………………………………………………………………………….
(Man möge an Ort und Stelle weiterlesen.)
Ich halte es für „m“ein gelingendes Leben nicht für absolut notwendig, (m)(s)ich mit allen Formen der intersektionalen Diskriminierung zu beschäftigen, um zu erforschen,  dass und was  mit (mir) und (m)einer persönlichen Entwicklung schief gelaufen sein könnte.
Aber natürlich gibt es Menschen, die unter der Erfahrung von Diskriminierung leiden und für die es sinnvoll und richtig ist, das aufzudröseln, was ihr Leben ausmacht und auch zu großen Teilen determiniert hat.
Bisher war ich – naiv und etwas betriebsblind will mir scheinen – davon ausgegangen, dass man in psychotherapeutischen Sitzungen den Problembereichen auf den Grund gehen kann und dabei Erkenntnisse über sich gewinnt, die dazu beitragen, den Schwierigkeiten zukünftig begegnen zu können.  Jetzt, nach der zugegebenermaßen oberflächlichen Information durch wiki, habe ich eher den Eindruck, dass es weniger darum geht, Menschen zu stärken indem sie Erkenntnisse über sich gewinnen, als ihnen vielmehr ein Instrument der Schuldzuweisung in die Hand zu geben, im Sinne von „weil Faktor 1 und die weiteren  Faktoren 2 – 45 mein Leben beeinflussten, ist aus mir das geworden was ich bin. Nicht ich bin für mein Leben verantwortlich, die ausschlaggebenden Faktoren sind es.“  Ich gebe zu, dass das etwas sehr salopp formuliert ist.  Danach dient die Ursachenforschung weniger der individuellen Problemlösung, als vielmehr der Forderung an die Gesellschaft, jede nur denkbare Form von Diskriminierung zu erkennen und zu ächten, wobei ich vermute, dass oftmals „das Gefühl, diskriminiert zu sein“  von den realen Umständen und Fakten nicht gedeckt ist.
Menschen können sich auf der Basis von Intersektionalität viel zu leicht als Opfer begreifen und sind damit auf eine Rolle festgelegt, die es ihnen nicht ermöglicht, eigenständige Verantwortung für ihr Leben unabhängig von den sie umgebenden  ungünstigen Faktoren zu übernehmen.
.
Als Christin ist für mich ein Aspekt interessant, der durch die Schriften des „Neuen Testaments“ gegeben ist, wonach jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist und gleichzeitig auf den „Stand“ verwiesen wird, in dem und mit dem er lebt. Es mag in diesen Wochen nun gar nicht passend sein auf den Brief des Apostel Paulus an Philemon zu verweisen…. ich tue es trotzdem, weil in ihm sehr deutlich gesagt wird , dass wir alle, so wie wir sind, durch Christus „geliebte Brüder (und Schwestern) sind“.  Für mich  spielt nicht der diskriminierende Faktor – den ich durchaus auch persönlich kenne – die entscheidende Rolle, sondern dass ich ein „Kind Gottes“ bin.  In meiner Herkunftsgemeinde  meiner Heimatstadt saß der einfache und arme Hilfsarbeiter am „gleichen Tisch des HERRN“ wie der reiche Fabrikbesitzer, Kaufmann oder Bauer. Die „reiche Schwester“ neben der armen. Die Klassenunterschiede waren zwar nicht aufgehoben, sie spielten aber nicht die entscheidende Rolle….  (Und darin lag wohl auch der tiefere Sinn, dass es in meiner Gemeinde verpönt war, den eigenen Reichtum durch den Schmuck, den Frauen tragen könnten, zu demonstrieren. Die Frauen meiner Kindheit kamen recht „schmucklos“ daher…)
…..
Ich habe dies ins Blaue hinein geschrieben  –  und werde mich sicher noch weiter mit den sich daraus ergebenden Fragestellungen beschäftigen.
Sollte ich mit diesen Aussagen jemanden gekränkt haben, so bitte ich um  Entschuldigung  – und Nachsicht.

So viele mutige Widerstandskämpfer gab es noch nie…. 6. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gesellschaft, medien, meine persönliche presseschau, politik.
Tags: , , , , , , , ,
add a comment

Deutschland wird nun endlich – nachdem es wirklich Jahre gedauert hat  – zum Land der Widerstandskämpfer.

Mutige Menschen missachten die Vorsichtsmaßnahmen, die Corona eigentlich gebietet und demonstrieren machtvoll gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und damit gegen „Rechts“ oder „Nazis“, ganz im Sinne der Widerstandskämpfer von einst. Sie nehmen die „Weiße Rose“ zum Vorbild oder bemühen den Namen „Anne Frank“ für ihren  Kampf gegen Rechts.  In den sozialen Netzwerken achten sie streng auf die richtige Sprachregelung und ächten Leute, die sich nicht an die üblichen Zuschreibungen  des medialen Mainstreams in Gut und Böse halten und es wagen, eine eigene Meinung im Land der Meinungsfreiheit zu vertreten.

Sie kämpfen wirklich mutig gegen alles und jeden, das oder der auch nur die geringste Spur von Ähnlichkeit mit dem Gedankengut der damaligen Nationalsozialisten aufweisen könnte. Der Konjunktiv ist tatsächlich angebracht, denn „was“ der Ähnlichkeit mit nationalsozialistischer Ideologie entspricht, bestimmen die Kämpfer die dagegen sind. Was früher einfach nur konservativ war – ein klassischer Wahlkampfspruch der CDU wie „Freiheit statt Sozialismus“  beispielsweise – gilt heute schon als gefährlich Rechts. Auch die wohlwollende Stellungnahme in Form von „Like“ oder gar  einem Kommentar zu Texten in den sozialen Medien, deren Verfasser nicht dem linken und grünen Spektrum der Meinungsmacher zuzuordnen ist, wir mit tapferem, oftmals auch überaus scharfem Widerstand bekämpft.

Was mich dabei mitunter irritiert, ist die Tatsache, dass die Widerstandskämpfer zahlreicher sind als die ideologischen „Gegner und Feinde“. Also dass der Widerstand sozusagen die deutliche Mehrheit der Meinenden bildet, während die, denen man widerstehen muss, eher eine Minderheit sind.  Ich kann mich übrigens noch gut an die Zeit erinnern, als Studenten durch deutsche Universitäts- und Großstädte zogen mit dem Schlachtruf: „Wir sind eine kleine radikale Minderheit!“  Muss ich erwähnen, dass es „linke“ Studenten waren?

Mir scheint, die „kleine radikale Minderheit“ ist zur großen – immer noch in Teilen radikalen – Mehrheit geworden, eine Mehrheit, die der anders denkenden Minderheit mit radikalen Mitteln das Recht auf Freiheit des Denkens und der Rede absprechen will. Dabei verkennen sie die einfache Tatsache, das die gesellschaftlichen, wie die politischen  Verhältnisse in Deutschland  sich doch total von den Verhältnissen zur Zeit des „Tausendjährigenreiches“ unterscheiden, in dem „Widerstand“ eine überaus gefährliche Angelegenheit war und allzu schnell nicht nur die Freiheit, sondern auch das Leben kosten konnte.

Heutzutage kann man doch allenfalls nur noch nachempfinden, wie es sich „anfühlt“, wenn man gegen den Strom schwimmt, indem man eine absurd andere Meinung als die der Mehrheit vertritt. Eine Bedrohung für Leib und Leben ist damit nicht mehr verknüpft.

Man kann ja mal die Probe aufs Exempel machen und bei Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken ganz gezielt eine rigoros abweichende Meinung oder einen Kommentar zu einem Text des Mainstreams posten. Sofort, ich möchte fast darauf wetten, kommen sie von überall her, Leute, deren Namen man zuvor noch nie gelesen hat, die niemals eigene Gedanken äußern oder eigene Texte verfassen und beschimpfen den unliebsamen Kommentator, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Man zieht den geballten Widerstand der wütenden Menge auf sich und fühlt sich, das ist das Beängstigende, plötzlich in der Einsamkeit eines Einzelnen gegen die Mehrheit wieder. Die Mehrheit der Widerstandskämpfer gegen „was auch immer irgendwie für „Rechts“*** gehalten wird“, wendet sich machtvoll gegen die Meinungsfreiheit eines Einzelnen in dem sicheren Gefühl, diesmal endlich auf der richtigen Seite zu stehen.

Es soll – so habe ich verschiedentlich gelesen – aber auch Einzelne geben, denen ihre Meinungsäußerung so zum Nachteil geriet, dass sie ihre berufliche Existenz gefährdet sahen oder sogar verloren.

Ich möchte der Versuchung widerstehen, zugunsten eines bequemen Lebens auf das eigene Denken und die    Meinungsfreiheit zu verzichten. Wer seine Meinung nicht mehr frei äußern mag, weil er nicht unter irgendeinen Verdacht geraten möchte, nicht der angesagten Mehrheit zu entsprechen, hat aber den eigenen Widerstandskampf bereits verloren.

Üben wir uns darin, eben nicht aus Angst mit den Wölfen zu heulen, aus der Angst nämlich, von ihnen gefressen zu werden. Und ganz egal um welche „Spezies Wolf“ es sich handelt…

Abnicker und Jasager und auch Gleichgültige gibt es viel zu viele in diesem Land.

 

……………………………………

*** „was auch immer irgendwie für „Rechts“ gehalten wird“  = das kann eine skeptische Haltung zum Klimawandel, zu Corona, zum Islam, zur Europapolitik, zum Kohleausstieg, zu  BLM, zur Einwanderungspolitik, zum biologischen Landbau oder zu Windkraftanlagen sein,  ebenso wie eine kaum erkennbare Sympathie für Israel oder Netanjahu oder eine neutrale Haltung zu den USA und Donald Trump.  Für  mich kann ich das auch auf den einfachen Nenner bringen: Eben alles was mit Claus Klebers „Einordnung“ und der (der gleichlautenden) seiner Berufskollegen nicht übereinstimmt, wird allzu leicht für „Rechts“ gehalten.

(Ich gebe es ja zu, ich bin im ständigen Widerstandskampf gegen den Kleber Claus 😉 und seine Kollegen, das hängt damit zusammen, dass ich mir noch nie ein X für ein U vormachen lassen wollte….  Ich danke noch heute meinem inzwischen verstorbenen Vater, der meinen Bruder und mich unseren  „Widerstand“ gegen seine, des Vaters Meinung setzen ließ in unendlich vielen Gesprächen am Abendbrottisch, an dem sich die Familie Tag für Tag traf. Unser „alter Herr“ liebte den Disput, so wie auch wir.

 

 

 

 

Welches Leben zählt? 2. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, emanzipation, gesellschaft, integration, medien, politik, sammelsurium.
Tags: , , , , , ,
add a comment

Wie in einem Rausch haben sich viele Menschen weltweit und natürlich auch hier in Deutschland der Bewegung „Black Lives Matter“ angeschlossen, haben  viele Leute trotz Corona an großen Demonstrationen teilgenommen und  haben sich viele in den sozialen Medien wortreich dazu geäußert. Fußballspieler knieten vor dem Anpfiff in Demut nieder, um gegen Rassismus ein Zeichen zu setzen, „weiße“ Pastoren wuschen schwarzen Menschen die Füße, in zahlreichen Predigten und Gemeindebriefen fand das Thema seinen wirkmächtigen Niederschlag.

Beschuldigungen gegen weiße Personen des öffentlichen Lebens vergangener Zeiten wurden laut, Denkmäler niedergerissen, die Forderung kamen auf,  Begriffe wie „Mohr“ aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu tilgen, Straßen und Plätze, die einen Namen „weißer Männer“ tragen, umzubenennen. Polizisten wurden unter den Generalverdacht gestellt, rassistisch zu sein, eine Journalistin vergriff sich im Ton und wurde ob ihrer böswilligen, hasserfüllten  Sätze nicht gemaßregelt, sondern mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit und ihren Status als „Migrantin mit Ablehnungserfahrung“ verteidigt.

Menschen, die „All Lives Matter“ schrieben, unterstellte man mit dem schönen Wort „whataboutism“ eine gefährliche Nähe zu Parteien und Gruppen rechter Gesinnung.

 

Heute las ich zwei Texte, der eine kann als sarkastische Glosse zum Thema Rassismus angesehen werden, dem anderen begegnete ich im Gemeindebrief meiner Gemeinde, unsere Pastorin griff „BLM“ auf, verknüpft mit einem wunderbaren Psalm:

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;
wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
Psalm 139,14

Unsere Pastorin schreibt unter anderem:

“ Eine Bewegung die eigentlich nur eine Minimalforderung stellt und zwar,
dass auch das Leben der „Schwarzen“zählt und wichtig ist. Eine Forderung, die eigentlich selbstverständlich sein müsste und doch zeigt diese Bewegung auf, wo auch hier in Deutschland immer wieder Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert und angefeindet werden.
Es ist ein Thema was uns auch betrifft und hoffentlich betroffen macht. Wahrscheinlich merken wir im Nachdenken, wie häufig wir schon Situationen mitbekommen haben, in denen Menschen nicht gleichwertig behandelt wurden oder auch wir selbst in Klischees gedacht haben oder in „Fettnäpfchen“ getreten sind. Gerade Alltagsrassismus passiert beiläufig und macht doch
deutlich, dass es viele Vorurteile und ein latentes Klassendenken gibt.“

 

„Alltagsrassismus“?

Ist das wirklich ein grundsätzliches Problem in Deutschland?

Ich wage das, was hier  Alltagsrassismus genannt wird,  einer anderer Begrifflichkeit zuzuordnen, nämlich der der  „Ausgrenzung“. Ausgrenzung  von Menschen, die sich mehr oder weniger deutlich von der Mehrheit ihrer Mitmenschen unterscheiden und dadurch Benachteiligungen erleiden.

Tatsächlich gibt es in  Deutschland  so etwas wie eine „Alltagsbenachteiligung“.

Dazu eine kleine Exkursion:

Ich habe mein ganzes Berufsleben als Fachlehrerin an Schulen verbracht, in denen Kinder und Jugendliche unterrichtet wurden, die nicht dem „Durchschnitt“ der Schüler entsprachen, die nicht in der Lage waren, dem „normalen“ Unterricht zu folgen, sei es aufgrund ihrer intellektuellen Fähigkeiten oder ihrer Verhaltensauffälligkeiten oder ihrer körperlich begründeten Einschränkungen.

Während meiner eigenen Schulzeit nannte man diese speziellen Schulen „Hilfsschulen“, in den Sechzigerjahren wurde der Begriff durch den Ausdruck „Sonderschule“ ersetzt.  (In Nordhessen, wo ich die erste Zeit meines Lehrerdasein verbrachte, nannte der  Volksmund  diese Schule „Dummschnuttenschule“.)  Gegen Ende meiner Berufszeit gab es abermals eine Namensänderung, aus der „Sonderschule“ wurde die „Förderschule“.

Die mit dem Begriff Sonderschule verbundene  Assoziation des „Absonderns“, „Aussonderns“ sollte nicht länger prägend sein,  sondern das, was in dieser Schulform Tag für Tag Aufgabe und Anliegen ist: Das Fördern der jungen Menschen, die im Regelschulsystem kaum eine Chance auf Förderung und Bildung haben.

Aber auch dem „Förderschulsystem“ ist der Makel der Abgrenzung und  Ausgrenzung zu eigen, weswegen man in den letzten Jahren intensiv die Forderung der Inklusion aller Schüler in Regelschulen betreibt, sofern das aus räumlichen und personellen, wie personalen  Gründen möglich ist. Noch hakt es an vielen Stellen, weder wird man allen Schülern mit Förderbedarf wirklich gerecht, noch hat man ein einigermaßen zufriedenstellendes System der Versorgung der allgemeinbildenden Schulen mit Förderschullehrern sicher gestellt. Förderschullehrer unterscheiden sich von Grund-, Haupt-, Realschul- und Gymnasiallehrern durch eine spezielle Ausbildung während des Studium für ihre spezielle Aufgabe  als Lehrer an den entsprechenden Einrichtungen.

An meiner Schule gab es Kinder mit höchst unterschiedlichen Förderbedarfen. Und auch die Beschreibung des Förderbedarf hat sich im Laufe der Jahre geändert. Beispielsweise nannte man an meiner ersten Schule in Nordhessen Kinder mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten noch „Lebenspraktisch Bildbare“, wir kürzten das schulintern mit PB ab, „Praktisch Bildbare“. Aus den „Praktisch Bildbaren“ wurde die Bezeichnung   „Geistig Behinderte“, doch auch dieser Bezeichnung haftet etwas Diskriminierendes an. So wurde eine neue Formulierung entwickelt: „Schüler mit geistig-emotionalem Förderbedarf“.

Hat sich damit an dem Bedarf der Kinder, an ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten irgendetwas geändert? Nein, das wohl nicht. Es zeigt aber das Bemühen, Menschen mit einer mehr oder weniger deutlichen Einschränkung nicht allein durch die Begrifflichkeit, ohne die aber in diesem Fall die Schulbehörde nicht auskommen kann, mit einem diskriminierenden Makel zu versehen.

Wir Lehrer haben damals oft mit unseren Schülern über „Behinderung“ gesprochen, denn es war ein viel genutztes Schimpfwort der Schüler untereinander zu sagen: „Du bist behindert!“

Wir haben dem immer unser „jeder Mensch ist behindert“ entgegen gesetzt. Denn jeder Mensch trägt nach unserer Überzeugung in irgendeiner Form eine Behinderung mit sich herum, bei manchen Menschen fällt sie sofort ins Auge, beispielsweise dadurch, dass der Mensch auf den Rollstuhl angewiesen ist oder mit einem Abzeichen unterwegs ist, das ihn als Blinden ausweist, um ihm so einen ihm zustehenden Schutz zu gewähren.

Für mich war es nie ein Thema, mich über Menschen mit einer offensichtlichen Behinderung zu erheben, aber es war auch keine Notwendigkeit, mit besonderer Anteilnahme zu reagieren und womöglich in Mitleid zu zerfließen.  Ich gehe auf die Besonderheit ein, wenn es darum geht, notwendige Hilfe zu gewährleisten, aber ich entmündige einen Menschen nicht, indem ich ihm beispielsweise  jede eigene Initiative sein Leben zu gestalten, nicht mehr zutraue.

Welches Leben zählt?  habe ich diesen Beitrag überschrieben.

J E D E S ! Jedes Leben zählt!

Das ist meine tiefe Überzeugung.

Jedes Leben, unabhängig von seiner Hautfarbe, seinen Eigenheiten, Begabungen, seiner Herkunft oder seiner Religion zählt.

Wenn heute in Deutschland die BLM-Bewegung auf den Schirm gehoben wird und jeder, der sich ihr anschließt sich selbst für einen guten oder sogar besseren Menschen hält, so ist das eine andere Form von „Alltagsrassismus“ oder „Alltagsbenachteiligung“, weil nämlich nicht das Gemeinsame, das MENSCHSEIN AN SICH betont wird, sondern dem Trennenden die  Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.

Das sollte von den Kanzeln wieder gepredigt werden. In der „Ebenbildlichkeit Gottes des Menschen“ ist alles Trennende aufgehoben.

NACHTRAG
Mein Liebster wies mich – nachdem ich ihm den Text vorgelesen hatte – darauf hin, dass es oftmals wichtig sei, den Fokus der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Problem zu richten, also in Bezug auf BLM darauf, dass Schwarze immer noch benachteiligt werden. Nur so, meinte er, könne man eine Veränderung hinsichtlich des Bewusstseins und (eigenen) Verhaltens bewirken.
Nun, dem kann ich grundsätzlich zustimmen. Aber – und das ist mein Anliegen – darf man nicht dabei stehen bleiben, sondern muss – ja muss – zu der Einsicht gelangen, dass wirklich jeder Mensch seinen Wert nicht seiner Hautfarbe verdankt oder seinen spezielle Fähigkeiten, sondern dass das Menschsein einen Wert an sich hat, der unabhängig von jeder einzelnen Person ist.

 

Muslime bilden keine Rasse 25. Juni, 2020

Posted by Rika in aktuell, christsein und glaube, einwanderung, emanzipation, gesellschaft, integration, islam, medien, migration, politik.
Tags: , , , , , , , , , , , ,
add a comment

Diese Anzeige wird bei facebook veröffentlicht:

Die anti-muslimische Stimmung in Deutschland hat Auswirkungen auf viele der in Deutschland lebenden Muslim*innen, die sehr frustriert über den öffentlichen Disk

Mehr ansehen

Heute 17:00 • Muslimisches Jugendwerk
—————————————————————————————-

Mein Kommentar unter der Anzeige:

„Es kann keinen „antimuslimischen Rassismus“ geben, da der Islam nicht als Rasse sondern als Religion geführt wird und Muslime entsprechend keine eigene „Rasse“ bilden, sondern Angehörige einer Religionsgemeinschaft sind. Wobei ich mir persönlich die Bemerkung erlaube, dass ich den Islam nicht als Religion, sondern als Ideologie mit religiösen Zügen ansehe, eine Ideologie, die einen universalen Machtanspruch hat. Dagegen zu opponieren ist jedoch legitim.“

Im Zuge der BLM-Bewegung nutzen muslimische Aktivisten die gegenwärtige Diskussion zum Thema  Rassismus, um sich selber als „Opfer rassistischer Umtriebe“ darzustellen und propagieren gleichzeitig die überaus deutliche Selbstinszenierung als Muslim in einer  „noch“ nicht-muslimischen Mehrheitsgesellschaft.  Die Organisation hat ja gar nicht vor, Muslime „nur“ zu politischer Teilhabe aufzurufen, unabhängig von sonstigen religiösen oder ideologischen Zugehörigkeiten, nein, sie fordert explizit dazu auf, sich als Muslim einzubringen in das politische Geschehen.

Die Säkularisierung – also die von christlichen Einflüssen befreite  Gesellschaft – schreitet unaufhaltsam voran und entspricht damit durchaus der schon von Paulus beschriebenen Gewaltenteilung in Kirche und Staat. Diese Teilung haben auch die Gründungsväter der Baptisten in Deutschland vor mehr als  150 Jahren ausdrücklich betont, dabei aber gleichzeitig für alle Religionsgemeinschaften die freie Religionsausübung gefordert.

Was wir heute aber beobachten können, ist doch, dass mit dem Anwachsen der muslimischen Gemeinschaften in Deutschland dieser Trennung von Kirche und Staat zwar für „Kirche“ (durch vor allem grüne und linke Parteien) Geltung verschafft werden soll, in gleichem Atemzug aber für die Besonderheiten islamischer Gepflogenheiten eine Lanze gebrochen wird. Das Beispiel der Kopftuchdebatte muss ich hier nicht erneut aufwärmen, aber die Hinweise auf die Rituale und Gebräuche im Ramadan, die Forderung der Rücksichtnahme auf fastende Muslime oder die Forderung auf Schweinefleisch in Mensen und Kantinen den muslimischen Bürgern zuliebe zu verzichten, sprechen eine ebenso deutliche Sprache wie Umbenennungen alter Namensgebungen für historisch gewachsene Bräuche von Weihnachts- und Christkindlsmärkten in Wintermärkte oder Lichterfeste.

Die Medien berichten über die Gratulation des Bundespräsidenten  zum Zuckerfest und seine Teilnahme an den speziellen Veranstaltungen zum Ramadan, einen Segensgruß zu Ostern an die Christen oder eine entsprechende Grußbotschaft an die jüdischen Gemeinden zu Pessach ist aber eher  unscheinbar  und findet nicht den Weg in die Abendnachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender…. oder fällt gleich ganz aus.

Muslimische Opfern der Gewalt durch einzelne Täter können sich der Anteilnahme durch Frau Merkel sicher sein, Opfer muslimischer Gewalt dagegen erfahren keine Worte des Trostes durch die Kanzlerin –  oder wenn doch, dann erst auf Druck der Öffentlichkeit, die diese Diskrepanz im Verhalten der Offiziellen durchaus „noch“ wahrnimmt.

Die Beispiele ließen sich vermutlich durch viele weitere ergänzen.

Und natürlich darf hier der Hinweis nicht fehlen, dass unsere Regierung mit den Regierungen muslimischer Staaten immer wieder bestes Einvernehmen herstellt, obwohl die Menschenrechtsverletzungen in diesen Staaten ausdrücklich mit den besonderen Bestimmungen des Islam durch die Machthaber legitimiert werden. Auf widerwärtige Weise wird das Wegsehen der Regierung hinsichtlich islamischer „Eigenheiten“ an den sogenannten Al-Kuds-Tagen in deutschen Großstädten deutlich, wenn Tausende durch die Straßen ziehen und „Tod Israel, Tod Amerika“ brüllend skandieren.

Um nicht falsch verstanden zu werden:

Ich bin für die Trennung von Kirche und Staat.

Ich bin für die  Religionsfreiheit, sie gilt für alle Religionen in Deutschland; sie betrifft den persönlichen Glauben und die Freiheit, ihn zu leben, zu wechseln oder zu verlassen.

Ich bin für die politische Teilhabe aller hier lebenden Menschen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und Bestimmungen, unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit.

Und schließlich:

Jeder Mensch hat das Recht, seine Meinung in Wort und Schrift zu äußern – auch Muslime, die meinen, Opfer dieser rassistischen Gesellschaft zu sein.

Und jeder Mensch hat das Recht, Widerspruch gegen jegliche Äußerungen einzulegen, die den eigenen Werten, der eigenen religiösen und / oder ideologischen Basis und / oder der eigenen Wahrnehmung nicht entsprechen.

 

„Morgens um sieben… 21. Juni, 2020

Posted by Rika in aktuell, einwanderung, gesellschaft, integration, medien, migration, politik, presse, terrorismus.
Tags: , , , , , , , , , , ,
1 comment so far

… ist die Welt noch in Ordnung“  lautete der Titel eines Buches, das später auch verfilmt wurde. Und obwohl ich das Buch damals gelesen habe, kann ich mich beim besten Willen nicht mehr an den Inhalt erinnern.

Aber der Titel gefällt mir immer noch: „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung.“

Damals, als unsere Kinder noch im schulpflichtigen Alter waren, geriet die Welt morgens um sieben allerdings manches Mal in leichte Unordnung, mussten doch während mehrerer Jahre immer mindestens drei unserer  vier Kinder den Zug „kurz nach sieben“ nach Hannover erwischen, um zur Schule zu fahren…  Als der Jüngste auch „Fahrschüler“ wurde, hatte der Älteste das Gymnasium erfolgreich beendet, den beiden anderen Geschwistern stand der Abschluss aber noch bevor.

Ich habe jahrelang den schönen Satz gepflegt, dass ich –  wenn ich morgens gegen 7.30h im Auto saß, um ebenfalls zur Schule zu fahren – den schwierigsten Teil des Tages schon bewältigt hatte, ich war aufgestanden.  Ich bin nämlich eine bekennende Eule.

Und so mag es auch nicht verwundern, dass ich heute erst im späten Verlauf des Vormittags davon erfuhr, dass in Stuttgart die Welt alles andere als in Ordnung war, dass diese Unordnung schon Stunden weit vor „sieben“ begonnen und sich im Laufe der Nacht zu einem echten Krawall gesteigert hatte, in dessen Verlauf Scheiben zu Bruch gingen, Geschäfte geplündert wurden, Polizeiautos demoliert und Beamte sogar verletzt wurden.  Die Welt also weder in Ordnung, noch in sonntäglicher Ruhe war.

Ich gehe davon aus, dass es auch in früheren Jahren zu erheblichen Störungen der Ordnung in den Nächten des Wochenendes gekommen ist, Schlägereien vor Diskotheken und Nachtlokalen keine Seltenheit waren und die Polizei ordnend eingreifen musste. Ab und zu, wenn es wohl allzu hoch her gegangen war, konnte man in der Zeitung am Montagmorgen darüber lesen.

Was sich aber in Stuttgart zur nachtschlafender Zeit abgespielt hatte, war mit eher „verhältnismäßig harmlos“ zu nennenden Saufgelagen oder Prügeleien nicht mehr zu beschönigen.

Und erste Berichte ließen das Schlimmste befürchten.

Wenn es jetzt von Seiten der Polizei heißt, „ein politischer  Hintergrund sei auszuschließen“, wie ich es in einer Notiz las, mag das zwar der Beruhigung der Bevölkerung dienen, die nicht Sorge tragen muss, es könnten US-amerikanische  oder französische Zustände auch hierzulande um sich greifen, aber für mich klingt diese Beschwichtigung eher wie das Pfeifen im Walde, um sich selber Mut zu machen  den Gefahren zu begegnen,  die im Dunkeln lauern.

Wenn sich viele Gruppen vor allem junger Männer zusammen finden, um einer ganz normalen Polizeikontrolle mit massiver Gewalt zu begegnen, so hat das sehr wohl etwas mit einem „politischen Hintergrund“ zu tun.
Der politische Hintergrund ist in der Berichterstattung der letzten Tage zu finden, in der die Polizei in übelster Weise beschimpft und des Amtsmissbrauchs durch Beamte bezichtigt wird – und zwar nicht in der Form, dass man das verfehlte Verhalten einzelner Beamter mit Recht kritisiert, sondern gleich das gesamte „System Polizei“ infrage und unter den Generalverdacht der gewaltsamen Ausübung ihres polizeilichen Auftrags stellt. Eine sogenannte journalistisch tätige, aber nicht näher gendergerecht zu definierende  Person hat in Ausübung der journalistischen Tätigkeit gar von der Polizei als „Abfall“ gesprochen, der auf dem Müll zu entsorgen sei,  und wurde nach einem nicht unerheblichen Sturm der Entrüstung, der sich über die Person ergossen hatte, von der CSU um Verzeihung gebeten… WAS ist das anderes als „politisches Handeln“, sowohl von der journalistisch tätigen Person wie auch von den Verantwortlichen bei der CSU?

Frau Esken mochte in den Tagen zuvor selbstverständlich auch nicht in der Empörung über die – wohlgemerkt in Deutschland arbeitenden – Polizisten zurückstecken, will man sich doch einer Klientel andienen, die die Verhältnisse in den USA  (nach dem gewaltsam durch einen Polizisten herbei geführten  Tod des Verdächtigen George Floyd) 1:1 auf die in der Bundesrepublik herrschende Gewaltenteilung übertragen und daraus durchaus  gewaltsam Potential schlagen.  Was ist das anderes als ein „politischer Hintergrund“?

Gewalt GEGEN die Polizei, die ihrem erteilten Auftrag nachgeht, verdächtige Personen zu überprüfen, möglichen Schaden abzuwenden und ungeklärte Situationen zu klären, ist eine Straftat und  muss in aller Schärfe benannt und geächtet werden. Haben sich Kanzlerin und Präsident inzwischen zu den „Krawallen ohne politischen Hintergrund“ in Stuttgart geäußert?

Liegt ein politischer Hintergrund nur dann vor, wenn man Gewalt mit einer nicht genehmen politischen Haltung in Verbindung bringen kann, oder, um es deutlich zu sagen, wenn man Gewalt dem rechten Parteienspektrum zuordnen kann?

Kneift die Polizei mit diesem Ausdruck vor ihrer eigenen Courage, sich der Gewalt der Straße entschieden entgegen zu stellen und das Kind dann auch beim Namen zu nennen?

Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen, nicht mit dem Finger in die eine oder andere Richtung zeigen.

Aber ich will sehr deutlich sagen, dass ich schwarzsehe für den Zusammenhalt einer Gesellschaft, wenn man die Ordnungsmacht der Polizei durch unüberlegte politische Statements schwächt, um einer Wählerschaft zu gefallen, mit der man sich die zukünftige Mehrheit zu sichern glaubt.

Ich sehe schwarz für eine Gesellschaft, die nicht mehr in der Lage ist, die rechtliche Ordnung für alle hier lebenden Menschen durchzusetzen und die aus vermeintlichem „Willkommen für Neuankömmlinge“ von vornherein Menschen ausnimmt, sich an die bestehenden Gesetze zu halten.

Ich sehe schwarz für eine Gesellschaft, die von Journalisten eingelullt wird durch verharmlosende Berichte und so in eine trügerische Falle der Toleranz und vermeintlichen Sicherheit bar jeden Risikos gelockt wird.

Nächte wie in Stuttgart dürfen nicht verharmlost werden. Sie müssen als das benannt werden, das sie sind: eine Gefahr für das einvernehmliche Zusammenleben in einer friedlichen und offenen Gesellschaft.

Was sich bereits bei dem G-20-Gipfel in Hamburg an Gewaltpotential gesellschaftskritischer Gruppen offenbarte, könnte sich als zerstörerischer entfalten, als der politische Gegner selbst,  gegen den sich die Gewalt richtet.

Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es nach der RAF jemals wieder eine Gruppierung schaffen würde, die Gesellschaft  in ihren verbrieften Rechten und Grundfesten anzugreifen   …   um sie zu zerstören?

 

 

Aufgeschnappt und nachgedacht… 15. Juni, 2020

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, integration, medien, migration, politik, presse.
Tags: , , , , , , , , ,
2 comments

In diesen Tagen kocht der „Begriff Rassismus“ besonders hoch, was aber vielleicht nicht verwechselt werden sollte mit „Rassismus“.

Nicht alles, was jetzt unter Rassismus subsummiert wird, stellt sich bei näherer Betrachtung auch als solcher heraus… oder vielleicht doch und ganz anders als dargestellt und gemeint?

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es im Internet oder in der Zeitung gelesen habe: Ein Mann mit nicht weißer Hautfarbe wird in einem Zug von dem Zugbegleiter kontrolliert, dabei stellt sich heraus, dass der Fahrgast keinen gültigen Fahrausweis besitzt. Der Zugbegleiter überprüft daraufhin die Personalien und stellt fest, dass der Mann mit mehr als einer – durch entsprechende Dokumente ausgewiesenen – Identitäten unterwegs ist. Er übergibt den Fahrgast beim nächsten Halt der informierten Bahnhofspolizei.

Die wiederum kontrolliert ebenfalls die diversen Ausweispapiere, behält diese ein, lässt den Mann aber laufen. Kaum haben die Polizeibeamten den Mann frei gelassen und sich abgewandt, erhebt der Mann  ein riesiges Geschrei, das die Polizisten veranlasst zurückzukehren… immer mehr Menschen kommen hinzu, stellen sich schützend vor den Mann und beschimpfen und bedrohen die Polizei, OHNE sich über den Sachverhalt ausreichend gut informiert zu haben. Und natürlich lautet der Vorwurf auf „Rassismus“.

Sogleich erheben sich weitere Stimmen, die behaupten, die Zugbegleiter würden gezielt dunkelhäutige, bzw. nicht weiße Menschen kontrollieren. Das alles sei nicht nur Schikane, sondern auch rassistisch.

Vielleicht hat sich das grundsätzliche Kontrollieren der Fahrausweise in den letzten Jahren geändert, das entzieht sich meiner genauen Kenntnis, aber meine Erfahrung mit Bahnfahrten und Kontrolleuren ist die, dass ausnahmslos alle Leute in einem Abteil kontrolliert werden. Es kann natürlich auf sehr langen Strecken durchaus passieren, dass der Zugbegleiter zum wiederholten Male das Abteil betritt, dabei die, die schon seit 2 Stunden da sitzen wieder erkennt und er deshalb auf eine wiederholte Kontrolle verzichtet, den neu zugestiegenen Mann, der zufällig eine dunkle Hautfarbe hat, aber erstmalig überprüft und so der Eindruck entsteht, der Zugbegleiter habe gezielt den erkennbar „Anderen“ aufgesucht, um ihn zu kontrollieren.

Und es kann tatsächlich auch den einen oder anderen Bahnmitarbeiter geben, der besonders forsch und besonders unangenehm auftritt….

Solche Leute gibt es wirklich, die kenne ich noch aus meiner Zeit als Fahrschülerin auf der kurzen Strecke zwischen Ochtrup und Gronau. Es gab da jemanden, der uns Fahrschüler alle genau kannte, der auch genau wusste, dass wir, bzw. unsere jeweiligen Eltern zu Beginn des Monats die neue Monatskarte gekauft hatten und wir somit die Beförderung mit der damaligen Bundesbahn für den entsprechenden Monat bereits bezahlt hatten. Wir waren eine überschaubar kleine Gruppe von vielleicht maximal 15 Schülern. Es kam aber vor, dass die Fahrkarte zur Fahrt zur nachmittäglichen Sportstunde nun nicht am Turnbeutel hing, sondern zuhause am Ranzen. Damit fehlte die Legitimation zur Beförderung. Und dieser fiese Typ sprach nicht nur eine Verwarnung aus, sondern stellte den  Bußgeldbescheid gleich mit aus…. Ja, ja, es gab diese miesen Leute, die aber doch nur ihre Berufspflicht als deutsche Beamte erfüllten. Die Regeln waren ganz klar, unmissverständlich und ließen keinen Spielraum, wollte sich der Beamte nicht seinem Dienstherrn gegenüber schuldig machen, wie es einige andere taten, die bei uns Fahrschülern ein Auge zudrückten, wenn wir mal (wieder) ohne Fahrkarte angetroffen wurden.

Zurück zu meiner Eingangsgeschichte und damit zu der Frage, ob es tatsächlich „rassistisch“ war, was sich im Zug und auf dem Bahnsteig abgespielt hatte?

Ist es nicht so, dass für alle Menschen, die in Deutschland leben, die gleichen Vorschriften und Gesetze gelten? Man mag sie lästig oder ungerecht finden, aber unser Gesellschaftssystem kann nur wirklich funktionieren, wenn sich alle an die vielen Ge- und Verbote, an Vorschriften, Regelungen und Gesetze halten, die nun einmal das Miteinander auf Straßen und Plätzen, in Zügen, Bussen und Bahnen, in Geschäften, den Schulen und für alle Arbeitsbereiche und Arbeitsplätze regeln. Und dies nahezu ausnahmslos für alle. Besondere Akte der Barmherzigkeit wird es immer geben und manche Übertretung wird sicher auch unverhältnismäßig harsch geahndet. Auch das ist eigentlich „normal“ in einer Gesellschaft, die sich aus so vielen unterschiedlichen Menschen, Typen, Charakteren zusammen setzt.

Da nun Rassismus hinter der Umsetzung und Einhaltung von Vorschriften, die für alle gleich gelten, zu vermuten, nur „weil“ eine Person betroffen ist, die nicht im Aussehen der weißen Mehrheitsgesellschaft entspricht, ist vielleicht von den oben genannten Verteidigern des Schwarzfahrers  gut gemeint, aber ist es umgekehrt nicht auch eine Form von „Rassismus“ den nichtweißen Menschen dieses Landes ihrer Hautfarbe wegen besondere Rechte einzuräumen, sie auszunehmen aus der Gemeinschaft der an Regeln und Vorschriften gebundenen allgemeinen Bevölkerung?

Wem ist wirklich damit gedient?

Wir haben in Deutschland das Grundgesetzt, das alle Menschen unabhängig von Herkunft, Stand oder Religion sowohl unter Schutz stellt, als auch verpflichtet sich an die im GG vereinbarten Grundlagen des Zusammenlebens zu halten.

Darüber hinaus haben wir einen ziemlich gut funktionierenden Justizapparat, der allen Menschen offen steht, die sich aus welchen Gründen auch immer ungerecht behandelt oder sogar diskriminiert fühlen.

Wir sollten vorsichtig umgehen mit dem Vorwurf des „Rassismus“.
Denn auch wenn das Verhalten Einzelner an die dunkle Zeit des Nationalsozialismus erinnern mag, es gibt einen grundlegenden und grundsätzlichen Unterschied:

Diese Regierung und unser Gesetz und die große Mehrheit der Bevölkerung bezieht klar Stellung gegen jede Form des Rassismus, der auch nur im Ansatz demjenigen der nationalsozialistischen „Idee von der Vorherrschaft einer bestimmten Rasse“ zu ähneln scheint.

Gegen Ungerechtigkeiten im alltäglichen Zusammenleben kann, darf, soll und muss man sich wehren, aber nicht mit der „Rassismuskeule“ im Gepäck, sondern mit der konkreten Beschreibung dessen, was man als Unrecht wahrnimmt.

 

 
NACHTRAG:
Dies ist der Link
zum oben genannten Vorfall.

Siehe Kommentar!

%d Bloggern gefällt das: