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Gehört dein Bauch wirklich dir….? 4. Januar, 2020

Posted by Rika in aktuell, christsein und glaube, eltern, familie, familienpolitik, frauen, gesellschaft, Kinder - Famile, mütter, mord, politik, väter.
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„Mein Bauch gehört mir!“

Mit dieser Parole warben prominente Frauen zu Beginn der 70er Jahre für die Löschung des Paragraphen 218, der Abtreibung unter Strafe stellt. Abtreibung, so behaupteten sie, sei das natürliche Recht der Frau, darüber zu entscheiden, ob sie Mutter werden wolle oder eben nicht. Damals, zu Beginn dieser Debatte, hatte ich durchaus Sympathien für die Haltung der Frauen. Es war die Zeit der vielen Diskussionen über Feminismus und Emanzipation, und als junge Frau wollte ich natürlich auch eine moderne und aufgeschlossene Frau sein. Ich habe heftig mit diskutiert im Freundes- und Familienkreis.

Dann beschlossen mein Mann und ich eine Familie zu gründen. Ich wurde  schwanger und wir bekamen unser erstes Kind, einen kleinen Sohn. Drei Geschwister kamen im Laufe der nächsten sieben Jahre hinzu, allesamt sehr erwünscht. Alle wunderbare Kinder – wunderbare Menschen auch heute.

Damit veränderte sich meine Haltung zu Abtreibungen deutlich, zumal die moderne Medizin doch Mittel und Wege bereit stellt, eine Schwangerschaft zu verhüten. Abtreibung als Mittel der „Verhütung“ ein Kind zu bekommen ist die perverseste Abkehr von allen ethischen Grundlagen, die das Menschsein ausmachen.  Natürlich muss es Ausnahmen geben, etwa wenn eine Frau durch ein Gewaltverbrechen schwanger wird und sie sich außerstande sieht – und auch außerstande ist – das Kind dieses Verbrechens auszutragen und zu gebären. Da geht Barmherzigkeit vor Recht und Gesetz.

Heute aber werden durch die „Legalisierung“ des 218 (Abtreibung ist immer noch ein Straftatbestand, die Strafe wird jedoch ausgesetzt)  jährlich allein in Deutschland über 100 000 Kinder im Mutterleib getötet, darunter viele Kinder, die durch die Frühdiagnostik als „behindert“ aussortiert werden – oftmals mit dem ausdrücklichen Zuspruch durch die behandelnden Ärzte. Unsere Gesellschaft erlaubt es sich, im Laufe von nur 10 Jahren mehr als eine Million Menschen das Recht auf Leben abzusprechen und zu töten. Gleichzeitig jammern die Politiker, die diesem Wahnsinn zustimmen, darüber, dass unsere Gesellschaft überaltert und deshalb darauf angewiesen sei, Menschen zu importieren, etwa nach dem gleichen Muster des Denkens, dass man Nahrungsmittel, die in unseren Breiten nicht natürlicherweise wachsen und gedeihen, ja auch einführt, egal woher und zu welchen Bedingungen. Wir haben uns alle an dieses global mögliche „Mehr an Gütern“ längst gewöhnt… ich auch.
Die in diesen Tagen wieder heftig geführte Diskussion um das Recht von Gynäkologen für die Möglichkeit zu werben, in ihrer Praxis eine  Abtreibung vornehmen zu lassen, zeigt, wie virulent nach wie vor die Frage danach ist, wer letztendlich über Leben und Tod entscheidet. Kann man dieses Recht tatsächlich „nur“ der Frau zubilligen, die kein Kind bekommen will oder hat nicht auch das noch ungeborene Kind ein verbrieftes Recht auf Leben?

Heute las ich bei Facebook einen Artikel von Andreas Laun in „Die Tagespost“ zum Thema Abtreibung. Er ist deutlich, streckenweise ungemein schmerzhaft in seiner Ausdrucksweise, und er bringt auch das zum Ausdruck, was mich selber umtreibt.

Ich kopiere den Artikel in voller Länge hierher, weil ich ihn sehr, sehr wichtig und gut finde und weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Links im Laufe der Jahre nicht mehr funktionieren und ein Text, auf den ich mich in meinem Kommentar beziehe, plötzlich nicht mehr auffindbar ist.

Hier nun der Text im vollem Umfang:

Warum die Kirche Zeichen setzen muss gegen den Brudermord der Abtreibung.

Mit Kain hat jener Blutstrom begonnen, der seither durch die Weltgeschichte fließt, schäumend und die Täter berauschend. Namen und historische Ereignisse bilden seine Seitenarme: Sie erinnern an Dschingis Khan, an die islamischen Eroberungen ab dem 7. Jahrhundert, an die chinesische Kulturrevolution, an die Genozide an den Armeniern, in Kambodscha und Ruanda, an die Menschenopfer der Azteken, an zwei Weltkriege, an Hitlers Shoa und Stalins Archipel Gulag.
„Gott ist tot, wir haben ihn getötet“, schrieb Friedrich Nietzsche. Brudermord und Gottesmord setzen sich fort in der Geschichte, in einer immer radikaleren Gottlosigkeit der modernen, westlichen Welt, die Gott heute in seinen Geboten, in seiner Offenbarung, in seiner Schöpfung bekämpft. Papst Benedikt XVI. deutete den Holocaust als Versuch, mit dem jüdischen Volk auch seinen Gott und seine Ordnung auszulöschen. Im Anschluss daran formuliert Kardinal Robert Sarah „das größte Verbrechen der modernen Geschichte: Der Hass und der Wille, das jüdische Volks auszumerzen, ist ein Gräuel. Lag alldem nicht der Plan zugrunde, Gott zu töten, indem man das Volk auslöschte, das so viele Jahrhunderte hindurch die Erinnerung an Seinen Bund weitergeben hat.“ Während man Tötungsprogramme in größter Ähnlichkeit zu Diktaturen entwickelt, versucht man den Tod zu besiegen durch wissenschaftliche Projekte. Gleichzeitig organisiert und legalisiert man das Morden und Sterben.
„Blutrausch macht noch süchtiger
als Alkohol und andere Drogen“
Nach den beiden Weltkriegen hätte man annehmen können, die Menschen würden unter dem Eindruck des Erlebten nie wieder Kriege führen. Es kam anders: Viele Kriege wurden seit 1945 geführt, blutig und grausam wie eh und je. Man rüstet weiter und entwickelt trotz Hiroshima und Nagasaki sogar in armen Ländern Atomwaffen. Blutrausch macht noch süchtiger als Alkohol und andere Drogen.
1973 begann das nächste Blutbad, den Zahlen nach größer als alles was es gab, unter dem Schutz und Druck von Heuchelei und legitimierter Lüge. Es begann in den USA mit dem Grundsatzurteil „Roe versus Wade“, durch das in den USA Abtreibung legitimiert wurde. Mittlerweile folgen fast alle Staaten der Welt den Amerikanern, auch unter Druck und mit Hilfe von unbeschreiblich viel Geld. Wenn Gott nicht existiert, lebt der Mensch in einem Vakuum, weil es dann auch keine Ordnung gibt, die nicht der Mensch selbst macht und machen kann. Dann gibt es kein Naturrecht, also kein Recht, das sich aus der von Gott geschaffenen Natur erkennen lässt. Dann gibt es nur menschengemachte Gesetze und Autoritäten. Daraus folgt dann aber, dass der Staat Abtreibung straffrei erklären kann. Eine rechtspositivistische Sicht führte dazu, dass jedes Jahr Millionen von Kindern weltweit ermordet werden. Und dazu, dass arme Länder gedrängt oder erpresst werden, ebenfalls liberale Abtreibungsgesetze zu erlassen. Inzwischen hört man von Veränderungen der Lage, in manchen US-Bundesstaaten wird Abtreibung erneut verboten. So war in der „Tagespost“ zu lesen: „Die Abtreibungslobby hat keine Zukunft, weder in Deutschland noch irgendwo sonst. Und sie weiß es auch oder ahnt es mindestens längst.“ Es wird ein Erwachen kommen, davon bin ich überzeugt. Wir alle werden wie Macbeth rufen: „Zu wissen, dass ich ’s tat. Besser von mir selbst nichts zu wissen!“ Es wird ein bitteres Erwachen sein.
Verlogene Begriffe sollen das Gewissen betäuben
Unsere Zeit hat die Globalisierung des Abtreibungsmordes hervorgebracht. Die Welt betäubt ihr Gewissen immer noch beharrlich, durch verlogene Begriffe wie Unterbrechung, Fleischklumpen, Befreiung der Frau. Die Argumente für Abtreibung sind einfach zu widerlegen, doch die Welt, die so viele Rätsel des Universums gelöst hat, stellt sich dumm. Der Geist der großen und kleineren Mörder lebt weiter und mordet ohne Unterlass. Während man die Erinnerung an den Holocaust wach hält, geht der neue große Mord an den ungeborenen Kindern weiter und weiter. Ihren Müttern will man verbieten zu leiden – an ihrer Erinnerung an das, was sie getan haben und nicht vergessen können.
Bezeichnend, dass es bei der Europawahl kaum ein Politiker wagte, das Thema anzusprechen. Sicherlich, es gibt Politiker in allen Ländern, die gemäß dem Naturrecht, das Gott allen Menschen ins Herz geschrieben hat, denken und auch handeln würden, wenn es ihnen möglich wäre. Aber die Mehrheit tut nicht einmal das, was möglich wäre. Offenbar hat niemand von den mächtigen und einflussreichen Leuten Vladimir Palkos Buch „Die Löwen kommen“ gelesen, über die Feigheit und Blindheit der angeblich christlichen Politiker, die sich bei jeder Gelegenheit zur Rechtsstaatlichkeit bekennen, ohne zu wissen, dass es Rechststaatlichkeit nur gibt, wenn das Naturrecht anerkannt wird. Alle schweigen, wenn etwa eine Hebamme in Norwegen gekündigt wird und keine andere Anstellung erhält, weil sie sich weigert, einer Abtreibung zu assistieren.
Wenn Europa einmal erwacht, muss es sich von der teuflischen Irrlehre befreien, dass die Mehrheit in jedem Fall Recht schaffen kann. Gegen das Massenphänomen Abtreibung steht die jüdisch-christliche Kulturgeschichte Europas. In Goethes „Faust“, einem Hauptwerk der deutschen Literaturgeschichte, spielt Abtreibung eine zentrale Rolle: Gretchen treibt ab und begeht aus der Sicht Goethes damit ein Verbrechen.
„Wie ist es möglich, so viele Frauen zur
Überzeugung zu bringen, sie hätten ein Recht,
ihr eigenes Kind töten zu lassen?“
Wie ist es möglich, so viele Frauen zur Überzeugung zu bringen, sie hätten ein Recht, ihr eigenes Kind töten zu lassen? Bei fast allen Tieren verteidigen die Mütter ihre Jungen sogar dann, wenn sie dabei ihr Leben riskieren. Abtreibung ist gegen den Urinstinkt alles Weiblichen, sogar im Reich der Tiere. In einer Welt, in der der Mensch selbst weithin für ein Tier gehalten wird, sollte es nicht beleidigend sein, an diese Beobachtung zu erinnern: Auch Tiermütter verteidigen ihre Jungen, in vielen Fällen gegen ihre Väter oder fremde Männer. Mit dem Gottesmord und den aus ihm folgenden Morden steht Europa am Abgrund. Es ist im Begriff, Selbstmord zu begehen. Angesichts des globalisierten Abtreibungsmords und seiner Folgen müssten die Befürworter und Täter mit Macbeth rufen: „Wir haben den Schlaf, den unschuldigen Schlaf ermordet.“ Und: „Nicht das Wasser eines Ozeans kann das Blut von unseren Händen waschen.“ Oder auch mit Lady Macbeth: „Noch immer riecht es hier nach Blut.“ Ja, das tut es in Folge der tabuisierten Abtreibungen.
Wir Christen bräuchten für uns und die ganze Welt dringend eine Weltsynode über Kain und Abel: einen gemeinsamen Schrei der Kirche. Und viele Ladys Macbeth, die auf der Bühne der Welt weinen, weil sich das Blut an ihren Händen nicht abwaschen lässt – höchstens durch den Beichtpriester, wie Shakespeare wusste. Man sollte die Stimmen von Papst Johannes Paul II. und von Mutter Teresa hörbar machen. Die Heilige von Kalkutta sagte: „Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß töten kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch?“
Europas Bischöfe sollten eine unübersehbare Demonstration planen
Alle Bischöfe Europas sollten eine gemeinsame Demonstration planen, ein Zeichen, das man nicht übersehen kann und das auch in den Medien nicht vertuscht werden kann. Die Kirche sollte akribisch suchen nach den Lecks, durch die die Ideologie des Tötens auch in kirchliche Strukturen eingedrungen ist. Man müsste dies ebenso aufdecken wie die Missbrauchsfälle. Man darf auch hier nichts vertuschen, denn Abtreibung ist der schlimmste Missbrauch eines Kindes. Abtreibung zu „entkriminalisieren“, als ob man ein Verbrechen durch ein Gesetz zu einer guten Tat machen könnte, müsste als unannehmbar gebrandmarkt werden.
Vielleicht ist auch bei vielen Christen, die Abtreibung eigentlich ablehnen, der Gedanke Macbeths eingedrungen: „Zu meinem Vorteil muss sich alles fügen. Ich bin einmal so tief in Blut gestiegen, dass, wollt ich nun im Waten stillstehen, Rückkehr so schwierig wär als durchzugehen.“ Als Christen können wir hinzufügen: Jesus ist durchgegangen, aber nicht als Täter, sondern als Opfer für alle!

 

Ich denke, dass ich dem nichts hinzufügen muss oder sollte.

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Vor 94 Jahren wurde sie geboren… 20. Februar, 2018

Posted by Rika in familie, meditatives.
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meine Mutter.

Doch solange ich denken kann, gab es immer diesen Mann an ihrer Seite….

 

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Das Verlobungsbild meiner Eltern  – Silvester ’42

Aber auch daran muss ich heute denken:

Denn heute vor 9 Jahren haben wir sie aus dem Krankenhaus geholt – nach intensiven Verhandlungen meines Bruders ( Prof. Dr. med)) mit einem Stationsarzt, der unsere Mutter weiteren diagnostischen Behandlungen zuführen wollte, obwohl wir alle doch wussten, dass ihr Leben sehr bald zu Ende gehen würde. Der sie ambulant betreuende und behandelnde Kardiologe hatte ihr bei einer gut 14 Monate zurückliegenden Kontrolluntersuchung gesagt, dass ihre Lebenszeit ohne eine notwendige Operation auf maximal ein bis eineinhalb  Jahre begrenzt sein würde.  Sie hatte die Operation abgelehnt und wir hatten nicht versucht, sie dazu zu überreden. Wir hatten es akzeptiert, dass sie sehr klar bekannte, keine verlängernden Maßnahmen mehr zu wollen. Sie hatte in der Rückschau auf ihr Leben gesagt, dass es gut war und es nun gut sei „heimgehen“ zu dürfen, eintreten zu können in Gottes ewige Herrlichkeit.

Ich bin heute noch meinem Bruder sehr, sehr dankbar, dass er  mit seiner geballten Fachkompetenz  einen sehr  halsstarrigen Berufskollegen in die Schranken wies. Der Liebste und ich hatten alles versucht, die Mutter „frei“ zu bekommen,  waren aber daran gescheitert uns als „Nicht-Mediziner“  gegen einen Arzt durchzusetzen.

So haben wir zum letzten Mal Mutters Geburtstag feiern können …   in dem Pflegeheim  in dem die Eltern zuletzt lebten  …    gemeinsam mit ihren Mann, unserem Vater, der sein Krankenbett nicht mehr verlassen konnte.

Mutter wurde  von Tag zu Tag schwächer… ihr Herz hatte keine Kraft mehr.

 

 

Ihr langes, friedliches Abschiednehmen und Sterben hatte begonnen…

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden…“

Auch das fällt mir heute ein….

Ich bin dankbar für das Leben meiner Mutter, dankbar dafür, dass ich sie begleiten konnte bis an die Schwelle zur Ewigkeit …

„Elschen“, wie mein Vater seine Frau liebevoll nannte, wurde 85 Jahre alt.

Dank sei Gott für ihr Leben und für alles, was sie mir, was sie uns war.

 

Was darf es denn kosten? 28. Mai, 2015

Posted by Rika in berufstätigkeit, bezahlung, eltern, erzieher, erzieherinnen, familie, familienpolitik, frauen, gewerkschaft, horterziehung, jugendamt, Kinder - Famile, kita, mütter, soziale arbeit, streik, tarife, väter.
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Was ist sie uns  wert, die Betreuung unserer Kinder?

Wie viel wollen wir investieren in das Krisenmanagement für den sozialen Zusammenhalt von Familien und Gesellschaft?

Männer und Frauen, die Eltern werden,  sollen nach Wunsch „der Wirtschaft“ (wer und was ist das eigentlich?) möglichst schnell nach der Geburt eines Kindes wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen zur Wertschöpfung für Betrieb und Gesellschaft.

Und die Kinder?

Die sollen nach dem Willen der meisten Politiker außer Haus – sprich, außerhalb ihrer Familie – von dazu eigens ausgebildeten Menschen nicht nur betreut (im Frühstadium der kindlichen Entwicklung gewickelt, gefüttert, bespaßt), sondern mit zunehmendem Alter auch  pädagogisch wertvoll (und selbstredend  der Gesellschaft dienlich)  allumfassend erzogen werden. Konkret heißt das, ein gerade dem Säuglingsalter entwachsenes Kleinstkind kommt mit 1 Jahr in die Krippe, durchläuft anschließend den auf die Schule vorbereitenden Kindergarten und wird als Schulkind „im Ganztag“ betreut, also bereits vor dem eigentlichen Unterrichtsbeginn bis in den späten Nachmittag hinein, solange eben, bis die Eltern von ihrer wertschöpfenden Arbeit nach Hause kommen.

Wenn man sich den Zeitplan eines Kindes im Kindergarten- und Grundschulalter vorstellt, das morgens zwischen 6.30 und 7.00 Uhr erwacht und abends gegen 20.00h zu Bett geht, in den ca. 12 – 13 Stunden  dazwischen aber an 5 Tagen der Woche mindestens ein Drittel der Zeit im Kindergarten und als Schulkind mehr als die Hälfte der Zeit in Schule und Hort zubringt, so wird man doch rasch feststellen, dass wesentliche „Betreuungs- und Erziehungsarbeit“ aus der Familie in die Institution Kindergarten-Schule-Hort verlagert wird und „fremde“ Personen anstelle der Eltern prägenden Einfluss auf die Kinder nehmen, sie fördern und fordern, trösten, ermahnen, mit ihnen spielen, lachen singen, ihre kognitiven, musischen und sportlichen  Fähigkeiten individuell fördern (das ist zumindest der Plan!) und ihnen als Ansprechpartner in schwierigen Situationen Beistand bieten.

Das, was in Wahlkampfreden gerne mit „Kinder sind unsere Zukunft“ plakativ verkündet und gepriesen wird, dieses hohe Gut einer Gesellschaft, wird aber in geradezu sträflicher Weise mit einem Minimum an finanzieller Ausstattung versorgt. Damit meine ich, dass sowohl die Zahl der Betreuungs- und Erziehungspersonen in Kitas und Horteinrichtungen in keinster Weise dem geforderten und erwarteten Bildungsauftrag (s.o.) entspricht, wie auch  die Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher nicht im Geringsten ihrer verantwortungsvollen Arbeit gerecht wird.

Das geht nicht zusammen.

Man kann nicht qualitativ hochwertige Erziehungsarbeit erwarten, aber nur wenig dafür bezahlen wollen.

Man kann auch nicht erwarten, dass eine Erzieherin / ein Erzieher im Hort  eine Gruppe von 25 Kindern betreut und jedem dieser Kinder so gerecht wird, als würde  dieses wie zu Hause –  als eines von zwei oder maximal drei Kindern –  durch eine einzelne Person (Mutter oder Vater) betreut. Das kann nicht funktionieren. Die Hortbetreuung unterscheidet sich elementar von der schulischen Versorgung – und selbst in der Schule ist der Schlüssel von 1 : 25  doch mehr als problematisch, bleiben Kinder auf der Strecke, weil sie nicht individuell gefördert werden können… wie auch?!

(Ich könnte von einer Horteinrichtung berichten, in der es innerhalb von drei Monaten nicht eine einzige Woche gab, in der alle (5!) tätigen Erzieher-Innen für die 5 Gruppen tatsächlich an jedem Tag auch anwesend waren. Fällt eine Person aus, werden die Kinder der betroffenen Gruppen eben auch noch auf die anderen Gruppen verteilt. Das macht Stress für Kinder und Betreuer, schränkt die ohnehin so geringe Individualzeit für jedes Kind noch weiter ein, führt zu einer dauerhaften Überlastung der unter solchen Bedingungen Arbeitenden.  Und das ist keineswegs die Ausnahme, sondern eher die Regel!)

Was ist sie uns wert, die Arbeit an und mit unseren Kindern?

Und wem schieben wir die Schuld in die Schuhe, wenn es im familiären System mal nicht rund läuft? Wer holt die Kuh vom Eis, oder besser noch, wer verhindert, dass es zu Katastrophen kommt in Familien, die nur dem Namen nach Familie sind, aber eigentlich ein Ort des Schreckens für alle an ihr Beteiligten, ob Kinder oder Eltern – Vater, Mutter einzeln oder als Paar?

Und wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist…. und dies nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich zu Schaden gekommen ist, wer rückt dann in den Fokus und muss sich Kritik, die eher heftigster medialer Beschimpfung gleich kommt, gefallen lassen, ohne dass der zuständige politische Verantwortliche sich reumütig gegen die Brust schlägt und sein eigenes Versagen eingesteht?

Machen sich die Leute, die die Forderungen der Sozialarbeiter und Sozialpädagogen nach einer besseren Eingruppierung ihrer finanziellen Vergütung angesichts des gerade währenden Streiks kritisieren,  eigentlich klar, was es für  die jeweils betreffenden Sozialarbeiter im Jugendamt bedeutet, wenn  ein Kind aus einer völlig desolaten Familiensituation genommen werden muss, wie schwierig es ist abzuwägen was mehr zählt, die elterliche Freiheit oder das Wohl des Kindes, das Recht der Frau auf 5 Kinder von 5 verschiedenen Männern, die dann jeweils ein ziemlich erbärmliches Gastspiel als „Vater“ geben, oder das Recht des Kindes auf geordnete Verhältnisse, in denen die Bedürfnisse des Kindes nicht ständig dem vermeintlichen oder tatsächlichen Recht der Mutter auf selbstbestimmtes Leben untergeordnet werden? Und gibt es eine Statistik, die festhält, wie viele Beratungsgespräche geführt werden, weil Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder restlos überfordert sind, weil die Kommunikation in den Familien praktisch nur noch einer kriegerischen Auseinandersetzung gleicht, weil Eltern ihre Kinder nicht verstehen und Kinder und Jugendliche an ihren Eltern verzweifeln? Wird darüber Buch geführt, wie sehr die geleistete Beratung der Familien dazu beiträgt, dass nicht das gesamte Leben der Betroffenen aus den Fugen gerät und man einen Modus findet, zumindest vernünftig miteinander umzugehen? Und hat diese  Arbeit mit den Familien nicht auch einen hohen gesellschaftlichen Wert, weil die Zukunft der Kinder nicht länger hochgradig belastet oder gar ganz zerstört ist, weil Eltern wieder den Kopf frei bekommen und eine Perspektive für sich und ihre Kinder entdecken?

Können sich die zuständigen Politiker überhaupt vorstellen,  WIE schrecklich es in manchen Haushalten und Familien aussieht und dass Kinder zugrunde gehen, weil ihre Mütter und Väter unfähig sind, das eigenen Leben zu bewältigen, geschweige denn auch noch für Kinder zu sorgen?

Wenn ein Kind zu Tode kommt – und leider passiert das selbst dann immer wieder, wenn das Jugendamt bereits ein Auge auf die Familie geworfen hat -, ist das Geschrei groß. Aber ist irgendeiner derjenigen, die auch über die finanziellen Mittel für die personelle Versorgung der Jugendämter zu entscheiden haben auch nur ansatzweise bereit, mehr Geld zu investieren? Und „ein Auge“ ist entschieden zu wenig, aber mehr geht doch gar  nicht, weil die Zuständigkeit  des einzelnen Mitarbeiters im Jugendamt für Jugendliche und Familien so bemessen ist, dass die Zeit einfach nicht  ausreicht, um alle „Fälle“ gleichermaßen ständig „im Auge“ haben zu können.

Was darf sie also kosten, die leider so nötige „Jugend- und Sozialpflege“?

Wenn in den Medien immer mehr Kritik an den Streikenden geübt wird, so macht das doch deutlich, wie wenig Wertschätzung der sozialen und pädagogischen Arbeit  zuteilwird, wie wenig im öffentlichen Bewusstsein der Wert „unserer Kinder“ wirklich verankert ist und dass es leider auch den Eltern, die jetzt mit zunehmender Kritik reagieren, doch vor allem doch um den eigenen Arbeitsplatz geht und erst in zweiter Linie um das Wohl der Kinder. (Die Einschränkung dieser etwas provokanten Formulierung findet sich hier: „Kind und Karriere gut vereinbar“ Nicht allen Müttern ist es vergönnt, zu Hause bleiben zu können, selbst wenn sie es wollten. Etliche MÜSSEN zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und viele tragen ihn ganz allein! )

Was würde denn passieren, wenn sich tausende Eltern von ihrer Arbeitsstelle abmeldeten,  weil sie ihre Kinder betreuen müssen und eben nicht mit letzter Kraft irgendwelche Betreuungsmöglichkeiten organisieren und bereitstellen, damit sie der Arbeitswelt erhalten bleiben? Wären nicht auch die Arbeitgeber berufstätiger Mütter und Väter aufgerufen, sich aktiv für eine bessere Betreuungsversorgung einzusetzen?

Tragt die Diskussion um die gerechte Betreuung unserer Kinder in die Betriebe, Firmen, Anwaltskanzleien, Fabriken, Geschäfte, Verwaltungen, nicht nur der Städte und Gemeinden, auch die der Krankenhäuser und  Großkonzerne. Macht „der Wirtschaft“ klar, dass es ohne gute und auch gut bezahlte Betreuungsarbeit nichts ist mit Wertschöpfung und Bruttosozialprodukt, dass für das Funktionieren der Gesellschaft eben nicht nur die „produktive“ Arbeit  wichtig ist, sondern der Arbeit in dem sozialen Bereich eine mindestens ebenso große Bedeutung zukommt und darum auch entsprechend gut ausgestattet und bezahlt werden muss.

Wenn Familien eine gute finanzielle Basis haben sollen, an der beide Eltern durch Berufsarbeit mitwirken  und dennoch Kindern eine gute Betreuung zukommen soll, müssen wir es uns als Gesellschaft etwas kosten lassen….

Und sage niemand, dass das nicht machbar sei in diesem Staat.

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Vor drei Jahren habe ich bereits Ähnliches geschrieben:

Kinder? Nein, danke, woll’n wir uns nicht leisten!

Passend zu dem Thema, wenn auch mit einem anderen Schwerpunkt,  habe ich diesen Beitrag entdeckt:

Aus der Schule geflogen, im Heim gelandet“

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