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Mutter Erde und himmlischer Vater 27. Dezember, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Mutter Erde und himmlischer Vater – oder auch ungeordnete Gedanken bei und über „Himmel und Erde“.

Normalerweise bilden Vater und Mutter das, was man früher „Eltern“ nannte.

Dass das heute nicht mehr ganz so gesehen wird, ist dem Zeitgeist geschuldet, der nicht mehr die biologischen Verhältnisse für die „Elternschaft“ als ausschlaggebende Voraussetzung ansieht (für alle, die es in der Schule nicht begriffen haben: Ein Kind entsteht NUR aus dem Zusammenwirken der Eizelle einer biologischen Frau mit der Samenzelle eines biologischen Mannes), sondern der die Übernahme von Verantwortung für Kinder durch ein, zwei (oder mehr?) Personen gleichen oder verschiedenen oder diversen Geschlechts zum wesentlichen Faktum von „Eltern“ ansieht. Ich betone ausdrücklich, dass ich hier keinerlei Wertung vornehme, sondern lediglich die begriffliche Verschiebung früherer Gewissheiten artikuliere.

Früher, wenn ich das so anführen darf, waren die Zuständigkeiten der Eltern nach früherem Verständnis klar geregelt, wie man bei Schiller in dessen „Lied von der Glocke“ so wunderbar nachlesen kann:

„Der Mann muß hinaus
Ins feindliche Leben,
Muß wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muß wetten und wagen
Das Glück zu erjagen.
Da strömet herbei die unendliche Gabe,
Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehret die Mädchen,
Und wehret den Knaben,
Und reget ohn Ende
Die fleißigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn.“

Auch das trifft ja längst nicht mehr in dieser strengen Aufteilung der Rollen zu. Es gibt Hausmänner, die die Kinder hüten und das Essen kochen, die Wäsche waschen und für Ordnung im Haus sorgen und Polizistinnen oder gar Soldatinnen, die, wenn es darauf ankommt, dem Feind leibhaftig gegenüber stehen – feindlicher als Krieg kann Leben eigentlich nicht sein.

Früher, wenn ich das so sagen darf, waren auch die Rollen für „Mutter Erde“ und „himmlischer Vater“ klar geregelt. „Mutter Erde“ stand für das Irdische, die Natur, war der Ausdruck für die Fruchtbarkeit des Bodens, von der wir alle abhängig waren und sind. Es gab jedoch auch viele Völker im bisherigen Verlauf der Geschichte, die „Mutter Erde“ göttliche Tugenden und Eigenschaften andichteten und darum auch verehrten und anbeteten. „Der himmlische Vater“, wie wir ihn noch kennengelernt haben, auch bekannt aus dem Buch der Bücher als Schöpfer Himmels und der Erde, war mit der Christianisierung des ehemals heidnischen, im dann christlichen, nun aber kaum noch christlichen Abendlandes darüber hinaus für alles zuständig, was Mutter Erde nicht leisten konnte. Ihn riefen die Menschen in größter Not an, baten um Hilfe und Beistand – auch um den Beistand für Mutter Erde, die zwischenzeitlich ihre Fruchtbarkeit immer wieder mal verlor und darum die Menschheit in höchste Gefahr und Not brachte.

Der „himmlische Vater“ war gleichzeitig der Inbegriff für Liebe und Barmherzigkeit und galt als „omnipotenter“ Beherrscher aller nur denkbaren – auch feindlichen – Lebenslagen. Außerdem, und das ist wohl vielen Menschen heutzutage ganz egal oder völlig entgangen, wies er über die irdischen Belange hinaus auf das Ewig-Gültige, das Unerklärliche, auch auf das, was nach dem irdischen Ableben als „himmlische Präsenz“ nicht nur auf den gläubigen Menschen wartete.

Mit dem wachsenden Wissen des Menschen von dem, was die Welt im Innersten wie Äußersten zusammenhält, schwand aber zunehmend der Glaube und das Vertrauen an und in die Omnipotenz des himmlischen Vaters, er wurde mehr und mehr zum „alten weißen Mann mit Bart“ erklärt (und das nicht nur der alten Gemälde wegen, auf denen Gottvater als alt, bärtig und weiß dargestellt wurde), ihm wurde nur noch eine Nebenrolle zugewiesen, allenfalls noch tauglich für good vibrations oder als Seelentröster, wenn es mal wieder „dicke kam“ für den einen oder anderen. Und nachdem nun im neuen Gewand der Erkenntnis (Gender lässt grüßen) alte weiße Männer auch im realen Leben nur noch als Statisten allenfalls geduldet, ihnen aber jegliche Form der Einmischung in die Belange der Gesellschaft untersagt werden, ist es mit der Anerkennung, geschweige denn Verehrung für den „himmlischen Vater“ auch nicht mehr weit her.

Dafür wird „Mutter Erde“, alias „die Natur“ zunehmend mehr zur anbetungswürdigen Götterstatue, die, gleichsam wie in einen Schrein gestellt, vor allen möglichen schrecklichen Gefahren geschützt werden muss. Die größte Gefahr geht ja von uns Menschen und der von uns verursachten Klimaerwärmung aus. Und damit wird es kompliziert: Der omnipotente himmlische Vater ist nicht länger mehr Herr der Schöpfung und damit auch nicht länger zuständig für „Wolken, Luft und Winde“, wie es in einem alten Lied noch besungen wird, nein, WIR sind es, wir Menschen sind zur Rettung der Welt aufgerufen. Mancherorts werden Leitern für die Schöpfung gebaut, Leitern, wie sie vermutlich auch beim Turmbau zu Babel genutzt wurden, um mit dem Turm an den Himmel zu reichen und Gottvater dort persönlich besuchen zu können. Heute darf der „himmlische Vater“, wenn überhaupt, noch rein verbal seinen Segen dazugeben, seine Schöpferkraft ist dank der Schöpfungsleiter nicht mehr notwendigerweise gefragt, wir haben ihn als Herrn SEINER Schöpfung quasi „entmannt“, ihn zum Weichei gemacht, zuständig nur noch für die Streicheleinheiten für die Seele, sofern wir ihn überhaupt noch für existent halten.

In unserer Vorstellung ist die Allmacht des himmlischen Vaters an uns weitergegeben worden, um nicht zu sagen, wir haben ihm die Allmacht entrissen und sind nun selber die Herren der Schöpfung und das selbstredend auch ohne jede Einschränkung. Vielleicht unterliegen Sonne, All und Planetensystem noch nicht ganz unserem Herrschaftsanspruch, aber sind wir nicht auf dem besten Weg, auch in dieser Kleinigkeit zu obsiegen? Es gibt sie doch schon lange, die Überlegungen zur Erforschung des Alls und die dazu gehörenden Forschungs- und Beobachtungssatelliten.

Ganz ehrlich, was sollen wir auf dem Mars oder auf noch weiter entfernt liegenden Planeten? Und dienen die Forschungsflüge zu weit entfernten Gebieten unserer Galaxie nicht auch dazu, dem letzten Geheimnis, das wir bisher mit dem Schöpfergeist Gottes in Verbindung brachten, das Rätsel zu entreißen und den alten, weißen, bärtigen Gottvater endgültig ins Reich der Märchen, zumindest aber in den Ruhestand zu versetzen?

Wäre es nicht angebrachter, mit dem schönen Geld, das für solche Expeditionen und Forschungsreisen ausgegeben wird, den Hunger der Menschen zu bekämpfen, den Kindern Zugang zu einem gut funktionierenden Gesundheitssystem zu verschaffen, ihnen Bildung zukommen zu lassen? Ah, ich vergaß, Bildung ist gefährlich, es kann Menschen übermütig machen, zu Hybris verführen, Machtgelüste im Wissenden entwickeln und ihn in den Wahn verfallen lassen, gleichsam gottgleich zu sein, keinerlei Rechenschaft über sein Tun leisten zu müssen — an Putin lässt sich das gerade gut beobachten, ich meine die Hybris, die allerdings bei manchen Menschen auch ganz ohne Bildung auskommt.

So weit meine ungeordneten Gedanken bei und über Himmel und Erde.

Ich könnte sie weiter und weiter spinnen, man mag dies als mein Plädoyer dafür lesen, neu über „menschliche“ Zuständigkeiten nachzudenken …

N A C H K L A P P

Anders als der „himmlische Vater“, der von uns nichts anderes erwartet, als ihm zu vertrauen, verlangen die Verteidiger von „Mutter Erde“ Opfer, die wir zu erbringen haben. Kurz vor Weihnachten bereiteten sie die Opferverordnung vor, nachlesen kann man das hier: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20221212IPR64527/klimaschutz-einigung-uber-ehrgeizigeren-eu-emissionshandel-ets

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Von Kühen, Schafen und Sommerwetter… 28. August, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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(Nicht nur) Von Kühen, Schafen und Sommerwetter soll hier die Rede sein.

„Das Beste am Norden sind …“

So beginnen wunderbare Werbesprüche, die der NDR von Zeit zu Zeit sendet und in denen einige Eingeborene Norddeutschlands die Besonderheiten ihrer Heimat auf witzige Weise anpreisen können. Mir machen diese Liebeserklärungen an norddeutsche Frauen, Hühner, Schafe, Deiche, Trecker und was es sonst noch so auf dem Land gibt, unendlich viel Spaß.

Das Beste am Norden ist unsere Wiese…

Das ist für mich das Beste am Norden, dieses kleine Stückchen Land hinterm Deich, mit einem ebenfalls kleinen Häuschen darauf, aber mit dem weiten Blick über die Felder, die immer den Jahreszeiten entsprechend ihr Aussehen verändern und die jetzt schon sehr deutlich den Herbst ankündigen. Das Rapsfeld vor unserer Nase, das im Frühjahr so strahlend gelb und mit betörendem Duft blühte, ist längst abgeerntet. Vor ein paar Tagen zog der Bauer die erste Pflugbahn am Graben entlang … unterließ dann aber jedes weitere Pflügen, was mich dazu anregte, über den Sinn seines Tuns nachzudenken, ohne aber zu einem Ergebnis zu kommen.

Das – Nachzudenken über das, was vor meiner Nase geschieht – ist etwas richtig Gutes am Norden und an der Wiese. Ich bin etwas weiter weg von den täglichen Horrormeldungen, die mir via Zeitung, Fernsehen und Smartphone zugespielt werden. Ich schaue den Wolken nach, die jetzt, nach den heißen Tagen, wieder für kühlere Temperaturen sorgen, beobachte die jungen Elstern, die über die Wiese spazieren, als seien sie die Herrscher eines kleinen Königreichs, sehe den Weiden zu, deren Zweige im Wind hin und her wogen – das passt so gut zu Odile, wie eine der Weiden heißt, die ja, genau, tatsächlich nach „der“ Odile aus dem Ballett Schwanensee benannt ist….

Zu meinem Blickfeld gehören auch einige Windräder des nahen „Windparks“. Im Moment drehen sich fast alle, vor einer Stunde noch standen einige der Rotoren aber still. Vermutlich benötigt man gerade nicht den gesamten Strom, die die Dinger bei gutem Wind produzieren, wird doch in diesen Tagen, wie ich unlängst las und hier auch weitergab, die elektrische Energie durch die Verstromung von kostbarem Gas erzeugt, da würde der Überschuss durch die Windkraftanlagen eher stören.

Über Sinn und Zweck der Gasumlage will ich jetzt nicht weiter nachdenken, ich erlaube mir stattdessen aber doch den Hinweis auf einen Artikel, den ich vorgestern oder gestern las und in dem der Herr über die Umwelt mitteilte, „Legionen von Juristen“ hätten ihn vor der Regelung gewarnt, die er – um die Versorger, nicht aber die Abnehmer zu retten – allen zumutet, die irgendwie am Gasnetz hängen. Trotz der vielen Fachleute im Wirtschaftsministerium sei es offenbar nicht gelungen, die Folgen dieser „Gasumlage“ genannten Regelung in den Blick zu nehmen. Man fragt sich angesichts dieses ministeriellen Eingeständnisses natürlich, welche möglichen Folgen möglicher Regelungen ebenso wenig in den Blick genommen werden und ob es möglicherweise einen Zusammenhang geben könnte zwischen Wissen und Kompetenz des Ministers und dem nicht vorhandenen Weitblick. Ich meine ja nur, dass es doch seltsam anmutet, dass der Wirtschaftsminister einer der stärksten Volkswirtschaften der Welt keine Ahnung zu haben scheint von der Materie, mit der er es zu tun hat. „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ habe ich noch in der Schule gelernt, was nichts anderes bedeutete, als dass man von den Dingen, über die man redet, doch irgendwie Ahnung haben sollte, gar nicht erst zu reden von den Entscheidungen, die ein „Schuster“ nicht in seiner ureigensten Profession trifft, sondern in völliger Verkennung seiner Kompetenzen für gänzlich andere Gewerke und Wirtschaftszweige anordnet.

Anordnungen ganz anderer Art, so konnte man es auch in diesen Tagen lesen, sind ganz furchtbar „in die Hose gegangen“, um es salopp zu formulieren. Meine Rede ist von dem Erstellen und dem Verhindern von Büchern, d.h, die Bücher wurden zwar erstellt, der Verkauf aber verhindert, nachdem einige wenige besonders Erleuchtete den Verlag darauf aufmerksam gemacht hatten, dass die Bücher nicht dem korrekten Umgang mit dem hochsensiblen Thema „indigene Kulturen“ entsprachen. Wie man seither in vielen, vielen Artikeln lesen kann, gibt es tatsächlich auch Befürworter der Anordnung des Verlags, ich gehe aber davon aus – eine Statistik dazu habe ich weder gesucht noch gefunden – dass die „Ablehner“ dieser Maßnahme die Mehrheit bilden und einigen wenigen Zeitgenossen die ganze Diskussion schlicht nur auf den berühmten Keks geht. Karl Mays wundersame Erzählungen aus der neuen Welt über das Aufeinandertreffen völlig verschiedener Kulturen, die Freundschaft zwischen den Protagonisten dieser Kulturen, wie auch die ebenso beschriebenen feindlichen Aktivitäten sollen nicht mehr Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Ob auch „Lederstrumpf“ unter den Bann fällt, habe ich zwar noch nicht gehört, aber davon ist doch auszugehen. Wir Deutschen hatten immer schon einen Hang für radikale Lösungen, die Scheiterhaufen, auf denen die Bücher verbrannt wurden, die nicht ins Schema der erwünschten politisch-kulturellen „Bildung“ passten, sollten uns doch Mahnung sein und eben nicht Vorbild, auch wenn die Ächtung heute nicht mehr bei nächtlichen Feuern auf öffentlichen Plätzen zelebriert wird, sondern der Sturm der Empörung sich auf den sogenannten sozialen Netzwerken austobt – wäre es da nicht besser, von „Unsozialen Netzwerken“ zu reden?!

Reden muss man dieser Tage natürlich auch über das Wetter. Niemals, so behauptet man, sei ein Sommer so heiß und so trocken gewesen. Das „niemals“ bezieht sich jedoch auf die Zeit, seit es wissenschaftlich verbriefte und kommentierte Wetteraufzeichnungen gibt. Was davor war, fällt wegen mangelnder Beweise einfach unter den bekannten Tisch. Meine Erinnerungen an „gefühlt“ heißeste Sommer aller Zeiten in meiner Kindheit taugen leider nicht als Argument gegen jedwede Krisenhysterie, mit der die Wetternachrichten allabendlich das Fernsehvolk zu schocken suchen. „Alarm, Alarm“ schallt es allerorten. Getreide verdorrt auf den Feldern, Bäche versiegen, der stolze „Vater Rhein in seinem Bett“ ist auf ein kaum noch schiffbares Rinnsal geschrumpft, in den Talsperren werden längst versunkene Dörfer wieder sichtbar und in der Oder sterben die Fische. Klar, da kann man es schon mit der Angst zu tun kriegen. In den Flüssen meiner Kindheit gab es allerdings gar keine Fische, so dreckig waren sie, verseucht von den Einleitungen der Metall verarbeitenden Betriebe an den Flussläufen und den sie speisenden Bächen. 50 Jahre später tummeln sich Fische und Schwimmer im und Kanufahrer auf dem Wasser von Lenne und Ruhr – und auch der Rhein, der einst so schmutzig war, dass ein Bad darin einem geplanten Suizid gleich kam, ist wieder sauber. Fulda und Werra, die die Weser zur Weser machen, liefern kaum noch Schlagzeilen, das war vor 35 Jahren auch noch anders, als vor allem die Abwässer des Kaliabbau an der Werra den Fluss zu einer tödlichen Gefahr für Wassertiere machten. Die Umweltschutzministerin sollte daher nicht auf „jahrelang anhaltenden Katastrophenmodus“ schalten, sondern auf „Ärmel hochkrempeln“ und so schnell wie möglich die Ursache finden um die Schäden so schnellstmöglich beseitigen.

Schäden sind auch bei den verheerenden Feuern zu beklagen. Es ist schrecklich, verkohlte Wälder zu sehen, rußgeschwärzte Stämme einst wunderbarer Kiefern und Fichten zu sehen. Aber, auch das wird berichtet, zwischen den schwarzen, toten Stümpfen regt sich neues Grün. Viel schneller, als die Katastrophenhysteriker auch nur geahnt haben. – Da fällt mir ein, dass Brandrodungen nicht nur im heutigen Amazonasgebiet üblich sind, sondern in früheren Jahrhunderten auch in Europa ein beliebtes Mittel waren, den Boden für den Ackerbau zu bereiten.

Ich will mich einfach nicht mehr von den Katastrophenmeldungen der diversen Panikorchester in Schockstarre versetzen lassen. Ich schaue aus dem Fenster des Häuschens auf der Wiese in die mich umgebende Natur und vertraue auf die alte Zusage, dass nicht aufhören soll „Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!“

Zum Glück haben wir es immer noch nicht in der Hand, Gezeiten, Wind und Regen, Unwetter, Jahreszeiten, Frost und Hitze unserem Willen unterzuordnen.

Aber wir haben es in der Hand, Vorsorge* zu treffen…. Der Deich, der mich vor dem Wüten der Nordsee schützt und den ich von unserer Terrasse in weniger als einem halben Kilometer Entfernung sehen kann, ist dafür ein gutes Zeugnis.

Selbst die Kühe, die vor dem Deich in den Salzwiesen grasen oder die Schafe, die die Grasnarbe auf den Deichen kurz, dicht und fest halten, sind ein Zeichen des Vertrauens in die Natur. Bauern und Schäfer würden ihre Tiere dort nicht weiden lassen, wenn sie nicht sicher sein könnten, dass ihre Tiere in den Sommermonaten dort gut aufgehoben sind….*** sofern nicht die Wölfe über die Deiche kommen, aber das ist ein anderes Thema… in meiner hannoverschen Heimatgegend wurden erst vor kurzem wieder zwei junge Pferde gerissen….


**Vorsorge: Wer jemals in Israel war, bekommt eine Ahnung davon, wie eine vernünftige Wasserwirtschaft in einem überaus regenarmen Land aussehen muss. Statt also an der CO2-Schraube zu drehen, ohne damit irgendeinen spürbaren Effekt zu erzielen, sollten sich die Klimabesorgten bei israelischen Landwirten schlaumachen, wie man sparsam mit wenig Wasser Getreide, Gemüse, Tomaten, Apfelbäume oder Palmen bewässern kann. Sinnvoll wäre es auch, sich bei den erwarteten Temperaturen nicht mit Dämmungen der Häuser gegen Kälte zu beschäftigen, sondern mit Vorrichtungen, die die Wärme draußen lassen und Häuser kühl halten. Und wenn hier keine deutschen Eichen mehr wachsen wollen, pflanzen wir eben Dattelpalmen an… sage ich mit einem Augenzwinkern. Die Wärme war doch auch ganz schön, oder? Wann sonst kann man bis spätnachts draußen sitzen und den Sternen zusehen, ohne sich in einen Pelzmantel hüllen zu müssen…

*** Ganz sicher würden die Tiere bei einer Wettervorhersage, die Unheil ankündigt, von ihren Besitzern in Sicherheit gebracht.

Am Ende des Sommers gehören Salzwiesen und Deiche ohnehin nur den Seevögeln…

Gerade fängt es an zu nieseln…. ganz leicht.

Frühlingsblau und sonnengelb… 25. April, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Ich bin wieder zu Hause – nicht, dass das Wiesenhaus nicht auch Zuhause wäre – und mein Blick aus dem Fenster am Schreibtisch zeigt einen etwas trüben Tag, der dennoch unverkennbar Frühling bedeutet.

Die Birken im Nachbargarten hinter der Mauer tragen frisches Grün, der Kirschbaum blüht strahlend weiß und das Fachwerkhaus verschwindet mehr und mehr hinter dem Blättervorhang der Bäume und wird erst im Herbst wieder sichtbar.

Das Gärtchen schmückt sich frühlingsblau mit blühenden Traubenhyazinthen und Vergissmeinnicht,

wie hin getupft leuchten Tulpen mit geradezu unverschämtem Rot.

In der Nacht hat es geregnet und zarte Tropfen liegen auf den Blütenblättern der Tulpen und sammeln sich in den offenen Kelchen…

Das Gärtchen ist noch österlich geschmückt, mit vielen bunten Eiern, die die liebste Tochter an die Zweige der Büsche und Bäumchen hängte oder an der Mauer und im Gras „versteckte“…

 

Im Efeu an der Mauer ist ein alter, zerbrochener Spiegel, den ich vor vielen Jahren dort anbrachte und der immer wieder zu Sinnestäuschungen verleitet… mal einen Vogel, der in seinem Spiegelbild einen Rivalen sieht, mal Menschen, die zum ersten Mal im Gärtchen zu Besuch sind und meinen, ein Fenster zum Nachbargarten sei in die Mauer eingelassen… manchmal reizt es mich, in den Spiegel einen Blick zu werfen… wie ich es heute auch mit einem weiteren Spiegelobjekt an der Mauer getan habe…

Gleich, wenn ich diesen Beitrag beendet habe, werde ich den Osterschmuck einsammeln und ihn sorgsam für das nächste Jahr verstauen, das uns ein besseres, weil friedlicheres Fest bescheren möge. Denn die Gedanken an den Krieg lassen sich ja nur für kurze Zeit ausblenden.

Wir verbrachten die Tage nach Ostern auf der Wiese in solch einer friedlichen Atmosphäre und wunderbaren Natur, dass der Kontrast zu dem Geschehen in der Ukraine nicht größer und auch kaum grausamer sein könnte.

Das Feld neben der Wiese leuchtete im strahlenden Gelb – nahezu grell in der Mittagssonne, mild und warm am späten Nachmittag, wenn sich schon der Abend ankündigte.

Wie ich mich freue über diese Orgie, dieser Rhapsodie in Gelb, über die ich schon einmal vor ein paar Jahren schrieb. Der Energiehunger und der Hunger der Welt sind seither nicht weniger geworden, eher hat sich die Lage deutlich zugespitzt. Das Rapsfeld neben unserer Wiese mag dazu beitragen, die Versorgung zu gewährleisten, ob nun als Lieferant für die Nahrungsmittelindustrie oder doch als „Futter“ für eine Biogasanlage…  Es ist mir darüber hinaus gleichzeitig ein Sinnbild für die Vergänglichkeit: Jetzt ist es wunderbar anzusehen, in ein paar Wochen werden sich die Samen gebildet haben, die das Öl liefern, die Blätter werden verdorren, die Stängel braun und unansehnlich sein… ähnlich dem Mais, der in manchen Jahren auf dem Feld steht…

Und ich denke mit leisem Seufzen, dass nichts so wunderbar ist – ob im Frühjahr oder im Sommer oder kurz vor der Ernte – wie ein Getreidefeld, wenn der Wind darüber streicht und die Halme ein wogendes Meer bilden…

Am Meer waren wir natürlich auch…

Und auch in den Salzwiesen blüht es….

So dankbar für diese Tage des Friedens…. weit weg von allem Unheil, das uns so bedrohlich nahezukommen scheint.

Gebe Gott, dass Einsicht, Vernunft und die Sehnsucht nach Frieden größer und größer werde und das Handeln der verantwortlichen Politiker und ihrer Unterstützer bestimme.

Sicher hinterm Deich…? 6. Juni, 2013

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Von der Wiese aus kann man ihn sehen, den Deich, der uns und das ganze Land drumherum schützen soll vor dem Wüten der Natur – in unserem Fall ist es die Nordsee.

Grün und breit und sehr stabil schaut er aus, der Deich, so als könne ihm nichts und niemand etwas anhaben,  8, 3 m misst er  in der Höhe, der Deichfuß ist 99 m breit,  die Kuppe 3.0 m ! In den  80-er Jahren wurden Deich und Sieltor gründlich saniert

Schafen und Rindern dient er als Sommerweide, den Urlaubern als  Ku(h)damm-Promenade und Ausguck über Deichvorland und Meer bis hin zum Horizont.  Die Kinder lassen ihre Drachen steigen und im Winter lädt er zum Schlittenfahren ein.  Er vermittelt Sicherheit und Geborgenheit.

Nur am Pegel im kleinen Kutterhafen bekommt man einen Eindruck davon, dass die Sicherheit trügerisch ist und keineswegs  leichtfertig als absolut gesehen werden kann.  Schilder am Pegel weisen  auf die Pegelstände hin, die bei den letzten großen Sturmfluten erreicht wurden….  5.45 m über NN reichte die Flut 1962 und 1976 waren es 5,13m.  Der Wellenauflauf war 1962 nochmals deutlich höher mit 7.70 m über NN!   Knapp war es, sehr knapp und zum Glück hat der Deich gehalten an dieser Stelle. Und trotzdem bauen Menschen hinter dem Deich neue Häuser, betreiben Landwirtschaft, genießen die Ferien, leben, als gäbe es keine Bedrohung durch den Blanken Hans, der vor dem Deich lauert.

Daran muss ich in diesen Tagen denken, wenn ich die verstörenden Bilder der zerstörerischen Flut an Donau, Inn, Mulde, Elster, Saale und Elbe sehe. Mit großer Selbstverständlichkeit  leben Menschen seit ewigen Zeiten an Wasserläufen – Bächen, Flüssen,  gr0ßen Strömen. Es lebt sich gut am Wasser  – in normalen Zeiten.  Aber dann regnet es tagelang und das Erdreich kann die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, Bäche und Flüsse schwellen an, gefährlich hoch steigt das Wasser, reißend schnell wird die Strömung. Schutzmaßnahmen greifen nicht mehr, die Katastrophe ist da.  Menschen erleiden materielle Verluste und manchmal sogar mehr als das, wenn Leben zu beklagen sind.

So selbstverständlich wie die Leute an den Flüssen, so  unbekümmert leben wir auf der Wiese hinterm Deich.

Sicher, wir entrichten die Deichsteuer , wie alle, denen ein bisschen Grund und Boden gehört und getreu dem Motto, das seit Jahrhunderten gilt: „Deichen oder weichen!“   Natürlich, der Gedanke an Sturm und Fluten ist auch da, als   Möglichkeit, die hoffentlich nie eintritt und dennoch unberechenbar bleibt für alle, die hinter dem Deich in  vermeintlicher Sicherheit leben. Klimaforscher stellen Berechnungsmodelle auf, die zeigen, dass am Ende dieses Jahrhunderts Städte wie Wilhelmshaven und  Cuxhaven verschwunden sein werden, dafür Oldenburg Hafenstadt sein wird…. Aber hindert das die Küstenbewohner daran weiter so zu leben, wie sie es gestern, vorgestern und vor 45 Jahren getan haben?  Die Deiche werden optimiert, Notfallpläne vermutlich immer wieder aktualisiert, aber sonst? Sonst geht das Leben seinen Gang ….

Die Natur –  Flüsse und Meere, Stürme, Regen oder Trockenzeiten –  ist ein Teil des Lebens, eigenständig, unberechenbar, unbeherrschbar… sie macht uns demütig.

Hoffentlich!

MEDION Digital Camera

.Vorm Deich,  auf der Seeseite ….

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