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Kein Ölhafen im Binnenland… 31. Mai, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Oder auch, wie kann man Öl in die Pampa bringen, wenn weit und breit kein Seehafen zur Verfügung steht, der Ölpipeline, die bisher zuverlässig russisches Öl lieferte, aber aus Gründen der Solidarität mit der Ukraine der alles verschließende Riegel vorgeschoben werden soll?

Aber wozu brauchen die Leute denn Öl? Kann man nicht total darauf verzichten? Ich meine, wir wollen / sollen / müssen doch ohnehin aus der Versorgung mit fossilen Brennstoffen aussteigen, da kommt es doch auf drei Monate früher oder später auch nicht mehr an und Putin würde man das schöne Kriegsgeschäft vermiesen.

Blöd ist nur, dass es ja noch gar keine Alternativen zu Erdöl gibt, jedenfalls nicht sofort und auch nicht für alle die Produkte, für die Erdöl unverzichtbar ist. Schließlich landen ja nicht alle Öllieferungen in den Tanks der Autos oder werden zum Beheizen von Wohnungen, Schulen, Kitas, Büros, Altersheimen oder Krankenhäusern genutzt.

Gut, im Sommer muss man alle diese Räumlichkeiten nicht heizen, Kinder, Alte und Kranke können ruhig ein bisschen frieren und in den Büros macht zu viel Wärme sowieso eher schläfrig und fördert nicht unbedingt den Arbeitseifer.

Was stellen sich diese Ungarn wieder an und quer. Haben nicht für fünf Pfennig Mitgefühl mit den Ukrainern, sonst würden sie doch mit Freuden auf die Druschba-Leitung und das russische Öl verzichten. Dieser Orban macht die ganze schöne Einheitsfront kaputt. Und weil der Orban nicht auf sein Öl aus der Leitung verzichten will, meutert der niederländische Ministerpräsident auch. Er will nicht auf die schönen Geschäfte verzichten, die der Ölhafen in Rotterdam mit dem Zeug macht, das von Schiffen aus Russland transportiert wird – und so schnell, das hat sich nun langsam als Erkenntnis durchgesetzt, ist das Öl aus anderen Quellen nicht zu haben, schon gar nicht zu einem günstigen Preis.

Aber Schuld an der bröckelnden Solidaritätsfront sind natürlich die Ungarn.

Welches Land ist eigentlich mit den armen Binnenländern solidarisch, die gar keinen Ölhafen haben, weil sie weit, weit weg von jeder Küste liegen, ob Mittelmeer, Schwarzes Meer, Ost- oder Nordsee?

Ist, was Solidarität angeht, nur die Ukraine das Maß aller Dinge?

Müssen die reichen Industrieländer im Westen der EU nicht auch so ein klitzekleines Bisschen an die „armen Schlucker“ denken, die weiter im Osten der EU ihr ohnehin dürftiges Dasein fristen?

Ich verstehe ja, dass man Putin nicht eine müde Mark, nicht einen einzigen Penny zukommen lassen will zur Finanzierung seines unverantwortlichen Krieges gegen die Ukraine. Aber wie will man denn die Einheit der EU bewahren, wenn man sehenden Auges die östlichen (ehedem zum Warschauer Pakt gehörenden) Ländern in noch größere wirtschaftliche Not treibt, indem man sie zwingt, auf russisches Öl zu verzichten, zu dem es gegenwärtig gar keine Alternative gibt?

WIR verzichten doch auch nicht auf das Gas aus den Weiten Russlands. Weil auch wir dazu noch gar keine Alternative haben.

Manchmal denke ich, die vielen klugen Leute, die alle so hervorragende Vorschläge für noch strengere Sanktionen machen, sitzen in warmen Häusern, gut versorgt mit allen Dingen, die das Leben angenehm machen und stellen Forderung um Forderung, WEIL SIE SELBER DAVON (dem Himmel sei Dank) NICHT BETROFFEN SIND!

Dazu fallen mir die uralten Ratschläge ein, die man als Kind oft zu hören kriegte: An die eigene Nase fassen …. Vor der eigenen Haustür kehren …. wie du mir, so ich dir = in diesem Fall andersherum: wie ich dir, so du mir… was ich mir nicht zumuten will, mute ich auch keinem anderen zu…

Und dann gibt es ja noch die vielen Menschen, die selbst beim besten Willen nicht noch weiter Verzicht üben können, ganz egal, was Putin mit der Ukraine anstellt, weil sie jetzt schon darben.

Vor Wochen, als der Krieg noch jung war, stellte ich schon einmal die Frage:

Was wollen wir uns denn die verbal so großzügig angebotene Solidarität kosten lassen? Entspricht unsere Leistung der kleinen Spende aus einem übervollen Geldbeutel, oder doch eher dem Scherflein der armen Witwe, wie es in einem Gleichnis Jesu so plastisch benannt wird.

Ich denke, solange wir aus vollem Säckel schöpfen und dabei nicht in der Grundversorgung unseres Landes zu kurz kommen, haben wir gar kein Recht, mit den Fingern auf die Länder zu zeigen, die bisher nicht auf der Sonnenseite standen und denen jede weitere Einschränkung empfindlich weh tun würde.

Eine Freundin machte neulich auf die Aber- und Abermilliarden Dollar oder Euro aufmerksam, die in Form von Waffen in die Welt geschleudert werden und weitere Milliarden an Werten zerstören. Niemand auf Gottes schöner Erde müsste mehr Hunger oder Not leiden, würde man das Geld zur Bekämpfung des Hungers einsetzen oder in Bildungsangebote für alle Kinder dieser Welt.

Recht hat sie.

Wie verhältnismäßig ist also die Forderung nach noch mehr Waffen und noch mehr Sanktionen, Putin hin oder her?

Und was ist mit den hungernden Kindern im Jemen?

Was mit den Frauen und Mädchen in Afghanistan, die wir so schmählich im Stich gelassen haben.

Denkt irgendein Mensch auch nur noch darüber nach? Reicht es mit dem guten Gefühl, gegen Putin und für die Ukraine zu sein?

Ich werde die Frage von Zeit zu Zeit immer wieder stellen.

UAwg.

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