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Aus Fehlern lernen? 20. Oktober, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Wenn jemand sich hartnäckig weigert, einmal gemachte Fehler nicht zu wiederholen, und sie stattdessen unverdrossen immer wieder neu begeht, so nennen der Liebste und ich dieses Verhalten LERNRESISTENT.

Meistens betrifft das ja eher harmlose Situationen der täglichen Routine – d.h., im alten Trott wiederholt man gedankenlos etwas, was sich aber in der Vergangenheit als wenig sinnvoll herausgestellt hat. In meiner pädagogischen Tätigkeit an einer Schule für Menschen mit Beeinträchtigungen und solchen mit Problemen der Impulskontrolle, bezog sich „lernresistent“ auch auf die immer wieder zu beobachtende Schwierigkeit der Schüler, einmal eingeübte, aber vollkommen untaugliche Verhaltensweisen aufzugeben.

Neue Verhaltensweisen einzuüben ist ein wirklich mühsames Unterfangen, an dem nicht nur der Geist (Verstand) beteiligt ist, sondern eben auch Gefühl und Gewohnheit. Schon in der Bibel begegnet uns der schöne Spruch vom Geist, der willig ist, aber dem „Fleisch“, das schwach ist, unterworfen scheint.

Nun möchte man ja einer Regierung, die gerade die gigantische Krise bewältigen muss, die durch die zu große Abhängigkeit von der russischen Energieversorgung entstanden ist, nicht unbedingt nachsagen, sie sei lernresistent. Aber dennoch fällt mir angesichts der gerade eben entdeckten Schlagzeile kaum eine andere Beschreibung ein.

Obwohl alle Fachministerien den Einstieg von Chinesen beim Hamburger Hafen ablehnen, will ihn das Kanzleramt nach Informationen von NDR und WDR offenbar ermöglichen.Quelle

„Ja, seid’s denn deppert?“ möchte man da den Verantwortlichen zurufen. Habt ihr denn nicht kapiert, zu welchen verhängnisvollen Problemen eine freiwillig eingegangene Abhängigkeit führen kann? Ist denn der finanzielle Aspekt des Unternehmens der einzige, der zählt?

Wie war das neulich mit den Erkenntnissen über „sensible Infrastruktur“? Und gehört ein Hafen nicht genau in diesen Bereich?

Meine Güte, ich fasse es nicht.

„Trotz der Warnungen aller Fachministerien will das Kanzleramt offenbar den Verkauf von Teilen des Hamburger Hafens an den chinesischen Staatskonzern Cosco durchsetzen. Nun ist ein Streit in der Bundesregierung über den Einstieg der chinesischen Firma beim Hamburger Hafen eskaliert. Nach Informationen von NDR und WDR haben alle sechs Ministerien, die an der Investitionsprüfung fachlich beteiligt sind, das Geschäft abgelehnt. Das Kanzleramt drängt der Recherche zufolge jedoch darauf, dass der Einstieg dennoch zustande kommt.

Die chinesische Reederei Cosco will Anteile des Hafenbetreibers HHLA übernehmen und sich mit mehr als einem Drittel am Hamburger Containerterminal Tollerort beteiligen. Weil es sich dabei um sogenannte „Kritische Infrastruktur“ handelt, hat das Wirtschaftsministerium ein Investitionsprüfverfahren gestartet.

Wenn das Bundeskabinett keinen Beschluss fasst und keine Fristverlängerung mehr vereinbart wird, würde das Geschäft laut Gesetz automatisch zustande kommen. Das wäre Ende Oktober der Fall, kurz vor dem geplanten Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in China. „Ergeht bis zum Ende der Frist keine Entscheidung, gilt die Freigabe als erteilt“, erklärt der Spezialist für Investitionsprüfungen der Wirtschaftskanzlei CMS, Kai Neuhaus.“

Schippert uns die Regierung in die nächste katastrophale Abhängigkeit? Ausgerechnet von China, das global betrachtet gar keinen Hehl daraus macht, den Weltmarkt beherrschen zu wollen?

Die EU, auf deren Gebiet ja bereits zahlreiche „chinesische Häfen“ in Teilen oder – siehe Piräus – in Gänze zu bestaunen sind, ist zum Glück nicht komplett mit Blindheit geschlagen. Aber im Kanzleramt scheint man weniger „sehend“ zu sein. Wie kann man für ein Exportland wie Deutschland das „Tor zur Welt“ mit „Torhütern“ versehen, die ihren eigenen Gewinn höher ansetzen, als das Wohlergehen des Landes, vor dessen Toren sie Wache stehen?

Die Grünen, deren politischer Verstand von mir ja immer wieder mal ernsthaft infrage gestellt wird, lassen aber – ebenfalls zum Glück – erkennen, dass sie die heikle Lage erkannt haben:

Die Blockade des Kanzleramts ist bemerkenswert, vor allem zum jetzigen Zeitpunkt. Nach dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat sich gezeigt, wie verwundbar Deutschland sein kann, wenn ein autokratisches Regime mit einem Mal die eigenen Interessen durchsetzt. Gerade deshalb lehnen die beteiligten Fachressorts – sie werden von SPD, Grünen und FDP geführt – das Geschäft in Hamburg ab.

Der Grünen-Europaabgeordnete und ehemalige Parteichef Reinhard Bütikofer sagt im ARD-Magazin Panorama: „Die Minister kommen offensichtlich zu der Meinung: Die Risiken sind zu hoch. Sonst hätte es nicht diese Meinung in der Bundesregierung gegeben.“ Nach Einschätzung von Bütikofer hoffe Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher mit Blick auf Scholz offensichtlich, „dass sein Amtsvorgänger aus Verbundenheit mit Hamburg dafür sorgt, dass es doch passiert“.

Hamburgs Zeit als einer der großen Player im Verbund der europäischen Häfen läuft möglicherweise langsam aus, was ganz sicher auch damit zu tun hat, dass der lange Weg von Cuxhaven die Elbe hinauf für die großen Containerschiffe immer mühsamer und irgendwann auch das Ausbaggern des Flussbetts keine Abhilfe mehr schaffen wird.

Aber ob die Chinesen die richtigen Geld- und Ratgeber sind, darf, nein, muss man doch nach der Erfahrung in der jetzigen Energiekrise heftig bezweifeln.

Das sehen ganz offensichtlich auch die Behörden so, die nicht für die wirtschaftlichen Belange des Hafens zuständig sind, sondern zuallererst die Sicherheit dieses Landes im Blick haben müssen:

Nicht nur Wirtschafts-, Innen-, Verteidigungs- und Verkehrsministerium sowie Auswärtiges Amt und Finanzministerium warnen vor dem Geschäft. Auch die EU-Kommission hat sich dem Vernehmen nach dagegen ausgesprochen. Am deutlichsten sollen die am Prüfverfahren beteiligten Sicherheitsbehörden gewarnt haben: Neben dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat besonders der Bundesnachrichtendienst (BND) versucht, die Regierung zu sensibilisieren. BND-Präsident Bruno Kahl erklärte am Montag im Parlament öffentlich, man sehe eine chinesische Beteiligung an Kritischer Infrastruktur „sehr, sehr kritisch“.

Dass auch die „westlichen Verbündeten“ ihre sehr speziellen Interessen durch die chinesische Expansion gefährdet sehen, dürfte eigentlich niemanden überraschen. Es geht nicht um die chinesische Beteiligung an europäischen Häfen allein. Das Problem wird viel weiter gefasst, wie die nachfolgenden Absätze des ARD-Berichts deutlich machen:

Deutschland ist mit seiner Skepsis nicht allein. Der Austausch mit westlichen Verbündeten wie den USA oder Großbritannien beim Thema China ist sehr eng. Beide Staaten warnen schon länger vehement vor den weltweiten Einflussmöglichkeiten Chinas. Bei dem Thema rückt man stärker zusammen: Im vergangenen Jahr wurde die Einrichtung einer EU-USA-Gruppe Trade and Technology Council (TTC) beschlossen, die darauf abzielt, bei „zukunftsgerichteten transatlantischen Themen“ enger zusammenzuarbeiten, etwa bei neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz, bei Handel oder Klima. 

Dabei soll es vor allem darum gehen, dem Einfluss Chinas in diesen Bereichen zu begegnen und ihn zurückzudrängen. So sollen beispielsweise Drittstaaten, darunter Schwellen- und Entwicklungsländer, mit Investitionen unterstützt werden, eigene und souveräne Digitalsysteme aufbauen zu können. Bei einem ersten Treffen des TTC im September 2021 in Pittsburgh verabschiedeten die Teilnehmer eine Einigung auf gemeinsame Prinzipien etwa bei Investitionsprüfungen oder der Sicherung von Lieferketten. Die genauen Inhalte gelten als vertraulich.„“

Noch ist keine Entscheidung gefallen und so bleibt zu hoffen, dass die Regierung sich nicht als lernresistent erweist:

Die Bundesregierung hat den Streit um Pekings Griff nach dem Hamburger Hafen öffentlich bislang nicht eskalieren lassen. Skeptisch äußerten sich vor allem Grüne. Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte bereits im September, er tendiere „in die Richtung, dass wir das nicht erlauben“. Außenministerin Annalena Baerbock sagte zuletzt der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir müssen uns bei jeder Investition in deutsche kritische Infrastruktur fragen, was das in jenem Moment bedeuten könnte, in dem sich China gegen uns als Demokratie und Wertegemeinschaft stellen würde.“

Die Chinesen sind entspannt…. wie auch nicht, sie halten offenbar die Trümpfe in der Hand.

Weniger Scheu vor dem offenen Konflikt könnte die chinesische Regierung haben. Aus Kreisen der deutschen Wirtschaft wird ein schwerwiegender Vorwurf berichtet, nämlich dass die chinesische Botschaft zuletzt deutsche Unternehmen direkt kontaktiert habe. Man solle sich für den chinesischen Einstieg beim Hamburger Hafen einsetzen. Ansonsten drohten Folgen für das eigene Geschäft. Die chinesische Botschaft verwies auf Anfrage auf ein vorheriges Statement der Außenamtssprecherin: Man hoffe, Deutschland werde Prinzipien wie jenen des offenen Marktes treu bleiben, statt normale ökonomische Beziehungen zu politisieren.

Geben und Nehmen, würde ich sagen. Aber welche deutschen Beteiligungen an sensibler chinesischer Infrastruktur sind überhaupt denkbar, angesichts der schieren Größenverhältnisse (zwischen Deutschland und China) von Land, Menschen und finanzieller Macht, die mit Sicherheit eine immer größere Rolle spielen werden.

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Soll man über so eine Aussage lachen oder doch einfach nur weinen? 28. Juni, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Spiegel-Online, kurz „SPON“, lockt mich immer wieder mal mit Angeboten, die mir aber nur in einem Satz, (höchstens deren zwei) schmackhaft gemacht werden und mich dazu verleiten sollen, den ganzen Artikel zu lesen, der natürlich hinter der Bezahlschranke ist. Nicht, dass ich nicht für einen guten Beitrag bezahlen wollte, „ein jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert“ heißt es ja schon in der Bibel, aber wir bezahlen schon die Printausgabe, deren größten Anteil ich sowieso meinem hohen Blutdruck zuliebe nicht lese, da steht mir nicht der Sinn nach weiteren zu bezahlenden Aufregern. Mir reichen in diesem Fall die Locksätze vollkommen, lauten sie doch:

Statt als gestaltender Akteur und Schutzmacht für Osteuropa aufzutreten, produziert die Bundesregierung faule Kompromisse und verbales Leergut. Es mangelt an historischem Ehrgeiz.“

So schreibt der Journalist Ullrich Fichtner.

„Gestaltender Akteur“ hört sich doch richtig gut an. Wobei Herr Fichtner – es mag sein, dass ich ihm Unrecht tue, weil ich ja den ganzen Inhalt nicht kenne – vermutlich der Meinung ist, die Regierung und der ihr vorstehende Kanzler müsse den begeisterten Journalisten folgen und eine Form der „Führung“ präsentieren, die ihrem Geschmack entspricht. Nun ist aber Olaf Scholz nicht der Mann, der erkennbar den „Führer“ spielt, „Dank sei Gott“, möchte ich da laut und deutlich sagen, hatten wir doch schon vor vielen Jahren einen Führer, der mit martialischem Auftreten das gemeine Volk ins Verderben führte.

Das braucht doch heute ganz bestimmt kein Mensch!

Der Kanzler führt selbstverständlich die Regierung, aber in der Weise, die er vor sich und den Menschen, die diese Regierung gewählt haben, verantworten kann. Dazu gehört es gewiss nicht, dass er sich aufschwingt und unser Land mutig in einen Krieg führt – oder was meint der Herr Fichtner mit dem Begriff „Schutzmacht„?

Eine Schutzmacht muss meinem Verständnis nach nämlich bereit sein, die eigenen Soldaten ins Getümmel zu schicken – und in den sicheren Tod -, um damit den Schutz auch auszuführen. Es ist geradezu irrsinnig zu glauben, man könne eine „Schutzmacht“ sein, ohne den damit verbundenen Aufgaben auch zu entsprechen. Waffenlieferungen alleine werden dem, was man unter „Schutzmacht“ versteht, wohl kaum gerecht.

Und da sind wir bei dem nächsten Punkt, der mich dazu bewegt, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen:

Wie stark ist unsere Bundeswehr?

Über wie viele Waffen und Waffensysteme verfügt sie, die einer hochgerüsteten Armee, wie der Russlands, Paroli bieten könnte?

Der Konjunktiv ist da durchaus angebracht. Wir verfügen weder über genug Waffen – ganz gleich welcher Kategorie -, noch über ausreichend große Kampfverbände. Ich erinnere daran, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und die Berufssoldaten vor allen Dingen zu Friedensmissionen in ferne Länder geschickt werden, aber wohl kaum in der Lage sein werden, unser Land ohne die Hilfe „unserer Schutzmacht USA“ und ohne die Verbündeten der Nato auch nur einen Tag lang gegen einen Angriff aus Russland zu verteidigen. Wovon redet also Herr Fichtner, wenn er von Schutzmacht schwafelt, als die wir in Osteuropa auftreten sollten?

Ob die NATO, die wir als „Schutzmacht“ zur Erfüllung dieser Funktion aber dringend brauchten, sich aber von unserem Kanzler führen lassen möchte, wage ich dann doch sehr zu bezweifeln. Welches Land verfügt über hochmoderne Waffensysteme, mit denen man auch Putin in Angst und Schrecken versetzen könnte – weitreichende Trägerraketen, Atomsprengköpfe und dergleichen? Wenn mich nicht alles täuscht, trifft das innerhalb der NATO lediglich auf Großbritannien, Frankreich und die USA zu. Und die werden wohl kaum Herrn Scholz den roten Knopf überlassen. Was ist auch ausgesprochen begrüße.

Und was, so frage ich mal in die Runde, sind „faule Kompromisse“? Was ist „verbales Leergut“?

Kann ein Regierungschef nicht immer nur das zusagen, von dem er auch tatsächlich weiß, dass er diese Zusagen einhalten kann? Ist darum die Zusage des Kanzlers, der Ukraine jede Hilfe zu gewähren, die man aus eigener Kraft leisten kann, ein „fauler Kompromiss“? Und muss nicht diese Zusage immer wieder an die realen Bedingungen angepasst werden, die AKTUELL herrschen? Wenn keine schweren Waffen zur Verfügung stehen, weil die Bundeswehr selber kein brauchbares Material hat, kann man keine schweren Waffen ad hoc liefern, aber man kann die Zusage treffen, sich darum zu kümmern, dass diese Waffen geliefert werden.

Meine Güte, ist das denn so schwer zu verstehen?

Wer nicht an extremen kognitiven Ausfällen leidet, müsste doch in der Lage sein, genau das zu begreifen. Und er müsste aufhören mit der unsäglichen Beschimpfung des Kanzlers, der sich doch nach Kräften um Lösungen bemüht, die allen ZUMUTBAR sind, dabei kann er nicht nur die Verteidigung der Ukraine im Blick haben, sondern muss auch auf die eigene Bevölkerung Rücksicht nehmen…. zeigen sich doch jetzt bereits die unangenehmen Folgen für uns alle, die alleine mit den Sanktionen gegen Russland verbunden sind, wie groß wären die Folgen und wie schrecklich für uns alle, wenn der Kanzler sich nun auch noch als erkennbar entscheidender Kriegsherr aufspielen würde, als Schutzherr gegen Putin? Das ist und wäre doch im höchsten Maße suizidal. (Von dem historischen Verbrechen an der Sowjetunion mal ganz abgesehen!) Das kann doch kein Mensch wollen!

Damit bin ich beim nächsten Punkt, über den ich nicht einmal mehr „höhnisch lächeln“ könnte!

ES MANGELT AN HISTORISCHEM EHRGEIZ.“ So die Worte des Herrn Fichtner.

Klingelt es bei dem Wort „historisch“? Oder bei dem Wort „Ehrgeiz“?

Historisch war der Ehrgeiz des Führers des Tausendjährigenreiches, sich die Welt untertan zu machen, zumindest aber Europa, die Juden bei der Gelegenheit zu vernichten, die sogenannten „Untermenschen“ des Ostens zu versklaven und sich die wertvollen Bodenschätze unter die dreckigen Nägel zu reißen.

Vermutlich hat Herr Fichtner von diesem historischen Ehrgeiz noch nie gehört. Man sollte ihm unentgeltlichen Geschichtsunterricht ermöglichen.

Aber vielleicht habe ich ja den guten Herrn Fichtner auch völlig falsch verstanden, und seine Klage über den Mangel an historischem Ehrgeiz bezieht sich gar nicht auf die Funktion der militärischen Schutzmacht, sondern er vermisst den historischen Ehrgeiz, in diesem Konflikt für Frieden zu sorgen??? Wobei das aber eigentlich nicht der Fall sein kann, werden die Bemühungen des Kanzlers, sich nach wie vor mit Putin auf unerfreuliche Gespräche einzulassen, mit dem Ziel, den Krieg zu beenden, von den Journalisten nur müde belächelt, als Schwäche verstanden und als fehlende Führung ausgelegt.

Auf „Führung“ im Sinne von Maulhelden, die in jeder Talkshow ihre Weisheiten, Pläne und Absichten verbreiten, wie man es bei gewissen Politikern beobachten kann, die reihum bei Lanz, Will, Maischberger und Illner das Wahlvolk zu beeindrucken suchen, kann ich gut verzichten.

Beobachten kann man auch in diesen Tagen, dass die unaufgeregte Führung durch Herrn Scholz nicht jedermanns Sache ist und (außer dem von den Journalisten geforderten militärischen Führungsgehabe) die Diplomatie im Hintergrund nichts zählt, las ich doch das gar nicht schöne Wort vom „Drückeberger Deutschland“, was auch ganz eindeutig einen Bezug zum militärischen Einsatz hat und eben nicht die Friedensbemühungen meint.

„Drückeberger“ – ganz sicher ist das auch ein militärisch aufgeladener Begriff, der eine Rolle spielte im „Reich des Bösen, 1932 bis 1945“, und mit dem man (allerdings immer schon) junge Männer belegte, die sich nicht jubelnd für Führer (Kaiser, König) Volk und Vaterland in den Tod stürzen wollten.

So hoffe ich nach wie vor inständig, dass der Kanzler sich nicht irremachen lässt von Leuten wie Herrn Fichtner oder Frau Slomka und Co., die schon seit Beginn des Krieges nichts anderes fordern können, als den Krieg mit allen Mitteln und bis zum Äußersten zu führen und die den Kanzler in die Pflicht nehmen wollen, die Rolle des Führers als KRIEGSHERR in diesem schrecklichen Szenario zu übernehmen.


Herr Fichtner, hat sich mehrfach mit militärischen Belangen auseinandergesetzt, er sollte diese Polemik unterlassen.

ZEIT – Dokument 17. März, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Dieses „Zeit-Dokument“, das tatsächlich dem Zeit-Magazin zugeordnet gehört, stelle ich hier ungekürzt ein. Es ist sinnvoll, von Zeit zu Zeit Originalbeiträge zu übernehmen, um sie auch noch problemlos in ein paar Wochen, Monaten oder gar Jahren nachlesen zu können. In der Anfangszeit meines Bloggens habe ich oftmals nur den Link weitergereicht – und verlor so den eigentlichen Text, da irgendwann die Zeit für die Speicherung im Netz abgelaufen war.

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt uns alle. Und er fordert uns alle heraus, Stellung zu beziehen. Ich höre viele Stimmen, die sagen, die Bundesregierung sei zu zögerlich in ihren Entscheidungen. Würde die Bundesregierung nicht alle Fakten und Faktoren in ihren Entscheidungen berücksichtigen und nur auf Mitgefühl oder Bauchgefühl achten und hören, würden vermutlich sehr viele Stimmen sagen, die Bundesregierung habe nicht sorgfältig genug alle Fakten und Faktoren geprüft und unser Land mit einer vorschnellen Entscheidung in ein großes Risiko manövriert.

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. So oder so kommen wir an einen Punkt, an dem wir (unsere Verantwortlichen und damit auch wir) Fehler machen und schuldig werden. Ich möchte weder in der Haut des Kanzlers noch der Minister und aller Berater stecken, die in jeder nur anzunehmenden Weise mit der Problematik befasst sind.

Wir machen uns schuldig, der Ukraine nicht militärisch geholfen zu haben.

Würden wir militärisch eingreifen und Putin damit einen Grund liefern, auf seine Atomwaffen zu setzen und die Nato-Staaten damit anzugreifen, trügen wir schwer an der Schuld, Europa und die Welt in den Krieg verwickelt zu haben.

Sollte Putin – und die Befürchtung hegen viele Menschen – auch ohne den beschriebenen Grund „den Westen“ angreifen, träfe uns damit die Schuld, ihm nicht viel schneller die Grenzen aufgezeigt und ihn gestoppt zu haben.

Größer kann ich mir das gegenwärtige Dilemma nicht vorstellen.

Ich halte es dennoch für klug, einen kühlen Kopf zu bewahren und weiterhin zu versuchen, mit diplomatischen Mitteln die Kampfhandlungen zu einem Ende zu bringen und die Ukraine gleichzeitig mit allen nur möglichen zivilen Mitteln zu unterstützen.

Was das Dilemma unserer Energieversorgung angeht, so zeigt sich nun in aller Deutlichkeit, dass es ein grundsätzlicher Fehler war und ist, in einem solch sensiblen Bereich, der Auswirkungen auf nahezu das gesamte wirtschaftliche wie private Leben in Deutschland hat, auf die Abhängigkeit von anderen Ländern zu setzen, seien sie nun „Freunde“ oder schlicht nur Geschäftspartner.

Es war ein Fehler, die großen Energieversorger zu kappen, bevor die Erneuerbaren deren Gesamtleistung übernehmen konnten oder können – es ist ja leider keineswegs sicher, dass das jemals so sein wird.

Von der Abhängigkeit russischer und ukrainischer Erzeugnisse der Landwirtschaft will ich nicht auch noch reden. Noch wiegen wir uns in trügerischer Sicherheit, ein modernes und reiches Land zu sein.

Wir könnten uns auch darin gewaltig irren.

Aber nun genug der Einleitung, hier die Kopie des Textes aus ZEIT-Online:

„“Helfen Sie uns, diesen Krieg zu stoppen“

Vor dem Bundestag hat der ukrainische Präsident Selenskyj Deutschland vorgeworfen, vor Kriegsausbruch nicht genug getan zu haben. Eindringlich warb er um Unterstützung.

Von Ulrike Tschirner

In seiner Videoansprache an die Bundestagsabgeordneten hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mehr Hilfe für sein Land gefordert. „Es fällt uns schwer, ohne Unterstützung der Welt zu leben, ohne eure Hilfe die Ukraine und Europa zu verteidigen“, sagte er in seiner rund 20-minütigen Ansprache, für die er live aus Kiew in den Bundestag zugeschaltet war. Die Menschen in seinem Land wollten frei leben und sich nicht einem anderen Staat unterwerfen, sagte Selenskyj. Doch Russland bombardiere seit drei Wochen das Land und „zerstört alles“. „Wieder versucht man in Europa, das ganze Volk zu vernichten. Warum?“, sagte Selenskyj.

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Der Bundesregierung warf der Präsident vor, nicht genug getan zu haben, um den Krieg zu verhindern. Sein Land habe immer vor dem inzwischen gestoppten Pipeline-Projekt Nord Stream 2 gewarnt und es als „Waffe“ bezeichnet, sagte Selenskyj. In Deutschland sei die Gasleitung zwischen Russland und Deutschland aber lange Zeit als reines Wirtschaftsprojekt angesehen worden. Zudem sei die Ukraine mit ihren Bitten um präventive Sanktionen gegen Russland auf Widerstand gestoßen und bei ihren Bemühungen um einen Nato-Beitritt nur schwer vorangekommen. Nun werde bei dem angestrebten Beitritt zur Europäischen Union gezögert. 

All dies habe dabei geholfen, eine neue „Mauer in Europa“ zu errichten und die Ukraine Russland auszuliefern, schlussfolgerte der Präsident. Er zitierte den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan mit dessen historischen Worten „Tear down this wall!„, die sich auf die deutsch-deutsche Grenze bezogen, und sagte, dass auch die – unsichtbare – Mauer um die Ukraine niedergerissen werden müsse. „Lieber Herr Bundeskanzler Scholz, zerstören Sie diese Mauer! Unterstützen Sie uns! Bitte helfen Sie uns, diesen Krieg zu stoppen!“, sagte Selenskyj.

Selenskyj verwies darauf, dass die Sanktionen gegen Russland „vielleicht zu wenig“ seien, um den Krieg zu beenden. Zudem gebe es weiter Unternehmen, die an ihren Geschäften mit Russland festhielten. Er machte erneut auf die dramatische Lage in der belagerten Hafenstadt Mariupol aufmerksam: Diese werde vom russischen Militär „dem Erdboden gleichgemacht“. Die russischen Soldaten „zerstören alles, den ganzen Tag, 24 Stunden“, sagte er. Die Menschen dort lebten ohne Wasser, Essen und Strom. 

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt hatte der Ukraine vor der Rede Solidarität zugesichert. „Die Welt steht der Ukraine bei. Auch Deutschland steht an Ihrer Seite“, sagte sie. Russlands Präsident Wladimir Putin habe mit seinem Krieg „auch unsere Friedensordnung angegriffen“, sagte die Grünenpolitikerin und forderte ein sofortiges Ende der Angriffe und den Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine. „Dieser Krieg muss beendet werden“, sagte sie.

Selenskyj war vor dem Sitzungsbeginn in den Bundestag zugeschaltet worden. Im Publikum saß auch der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk. Dass im Anschluss an die Rede die Sitzung regulär begann und eine Debatte über die Gesetzentwürfe zur Impfpflicht anstand, war bereits in den vergangenen Tagen heftig kritisiert worden. Die Union und auch Melnyk hatten zudem eine Regierungserklärung von Scholz zum Krieg in der Ukraine gefordert.“


Was die Forderung Melnyk angeht, so denke ich, dass sich nicht nur der Kanzler sehr gradlinig zu der Problematik geäußert hat, auch die Stellungnahmen der Außenministerin und des Wirtschaftsministers sind an Deutlichkeit kaum misszuverstehen. Mir scheint daher diese Forderung nur dazu vorgetragen zu werden, um generell den Druck auf Deutschland zu erhöhen. Dass die Union ins gleiche Horn tutet, ist vermutlich dem Wahlkampf geschuldet oder der Tatsache, dass Herrn Merz wenig bis nichts in die Hand gegeben ist, mit dem er als Oppositionsführer in dieser Lage punkten könnte. Opposition um jeden Preis, quasi Fundamentalopposition aus der (erkennbar günstigen Lage) keine Regierungsverantwortung in diesen schwierigen Zeiten tragen zu müssen…

Schade. Ich hätte Friedrich Merz mehr politischen Verstand und daraus resultierende Verantwortung zugetraut.

Auch diesem Druck ist standzuhalten …. siehe meine Einlassung oben.

NACHTRAG

Am Ende dieses Tages – meine Uhr zeigt 23.34h – ist es wohl nötig, noch einen Satz zur Debatte im Bundestag zu schreiben.

„Beschämend“ sei die Sitzung gewesen, sagt Frau Güler bei Lanz.

Beschämend aber nicht, wie ich meine, wegen der ausgebliebenen Zusagen des Kanzlers an Herrn Selenskyj, beschämend vor allem wegen der völlig empathielosen Abwicklung der Tagesordnung. Das hätte in dieser emotional so aufgeladenen Situation und angesichts der schrecklichen Lage der Ukraine anders geregelt werden müssen. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass alles vermieden werden muss, was eine Ausdehnung des Krieges auf Europa begünstigen würde, aber es hätte sicher andere Signale als das gegeben, nach dem anklagenden Appell des ukrainischen Präsidenten („Nie wieder!“ sei „einfach nichts wert“. Nord Stream 2 sei kein wirtschaftliches Projekt, sondern eine „Waffe“ und der „Zement der Mauer“, die mit deutscher Hilfe in Europa errichtet werde.) so sang- und klanglos die Geschäftsordnung abzuarbeiten.

Leider muss man sagen, dass Frau Göring-Eckardt diesem Amt wenig gewachsen ist. Niemand im Parlament, da kann man ziemlich sicher sein, hätte eine halbstündige Pause vor der weiteren Sitzung abgelehnt, wenn die Vizepräsidentin mit warmen Worten, die ihr sonst so locker über die Lippen gehen, dafür geworben und entsprechend die Sitzung unterbrochen hätte.

Seit zwei Jahren verändert sich die Welt …. 18. Januar, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Genau heute vor zwei Jahren trafen sich Freunde und die Familien zweier junger Leute, um zu feiern und sie auf eine wunderbare Reise um die halbe Welt zu verabschieden.

Niemand von uns Feiernden hatte auch nur den leisesten Verdacht, dass nur wenige Wochen später die Welt Kopf stehen würde wegen eines winzigen Feindes, der die Menschen überall auf dem Planeten bedrohte.

Wir feierten lange und ausgelassen in einer dieser wunderbaren „Locations“, wie es auf Neudeutsch heißt. Knapp einhundert Personen in „kontaktfreudiger Nähe“ des begrenzten Raums. Schön und ausgelassen und auch ein bisschen wehmütig, wie Abschiedsfeiern nun mal so sind.

Und dann ging sie wirklich los, diese große Reise ins Abenteuer.

Erstes Ziel: Brasilien.

Und erster sehr leise, aber doch öffentlich geäußerter Verdacht, ein bösartiges Virus könnte sich von China aus auf den Weg rund um die Welt gemacht haben. „Nichts Genaues weiß man nicht!“ ist eine etwas flapsige Umschreibung für derartig nebulöse Szenarien, in denen für den von jeder Fachkenntnis befreiten Beobachter noch nicht klar ist, was eigentlich im Schwange ist. Fachleuten hingegen war der Ernst der Lage wohl durchaus schon bewusst, aber noch hielten sie „hinter dem Berg“, vermutlich um die Bevölkerung nicht zu verunsichern und wohl auch, um über die zu treffenden Maßnahmen nachzudenken.

Dass schon seit Jahren Notfallpläne in den Schubladen des Gesundheitsministeriums liegen und vor sich hin schlummern, erfuhren wir erst mit Verspätung, vermutlich, weil nicht nur die Pläne vor sich hin schlummerten, sondern ebenso auch der verantwortliche Minister und sein Stab.

Von Beginn der sich aufbauenden Epidemie an und erst recht, als diese zur Pandemie hochgestuft wurde, machte Herr Spahn eine überaus unglückliche Figur. Abwiegeln, klein reden, ja keine Aufklärung betreiben, die die Bevölkerung rechtzeitig auf die bedrohliche Lage und die notwendigen zu ergreifenden Maßnahmen hingewiesen hätte.

So war bei uns im Februar die öffentlich bekannte Lage immer noch nebulös, dafür sonnten sich die Reisenden inzwischen im schönen Afrika.

Mein Telefon verzeichnet am 26. 2. 2020 die erste mütterlich Besorgnis, die ich hinsichtlich Corona den im Süden der Erdhalbkugel weilenden „Kindern“ mitteilte: „Hallo liebe Weltenbummler, ich hoffe, dass Ihr gut über das Corona-Virus informiert seid und Euch entsprechend sinnvoll verhaltet“. Die Antwort aus Südafrika: „Jap, machen wir. Wir wurden auch schon vom Reisebüro informiert und auf Dinge hingewiesen. Hier ist das bisher nicht so ein großes Thema. Wir lesen es nur ständig auf deutschen Websites. … An den Flughäfen wurde allerdings z.B. auch unsere Temperatur gemessen und viele Menschen haben Mundschutz getragen.“

Über Mundschutz wurde zu dem Zeitpunkt in Deutschland nicht einmal müde gelächelt, das kam auch später. Er wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen.

Hier im Blog notierte ich am 27. Februar:

„Und so ganz am Rande nimmt auch langsam die Berichterstattung über die Gefahr, die von einem in China ausgebrochenen Virus ausgeht, Fahrt auf…. Allerdings will es mir scheinen, dass nicht Corona selbst im Mittelpunkt des Interesses steht, sondern die unglückliche Figur, die der Herr Minister Spahn dabei macht, hatte er doch bei ersten vorsichtigen Meldungen die Gefahr für uns hier in Deutschland heruntergespielt, inzwischen mehren sich aber die Stimmen, die sogar eine Pandemie nicht ausschließen wollen und sorgenvoll darauf hinweisen, dass die medizinischen Einrichtungen möglicherweise auch hier bei uns nicht allzu gut darauf vorbereitet seien.“

Und die Pandemie nahm Fahrt auf.

Auch in Deutschland begann man endlich Maßnahmen zu ergreifen. Schulen wurden geschlossen und ein allgemeiner Lockdown beschlossen, der augenblicklich ein sehr geteiltes Echo auslöste.

Selbsternannte Fachleute versuchten die Regierungsmaßnahmen, die ja ohnehin viel zu spät getroffen worden waren, als Unsinn darzustellen. Corona, so erzählten sie, sei weniger gefährlich als die Grippewelle, die pünktlich mit der kalten Jahreszeit über viele Menschen herfällt und auch zu schweren Verläufen bis hin zu Todesfällen führt.

Schwere Verläufe und viel zu viele Todesfälle wurden zunächst aus unseren europäischen Nachbarländern gemeldet, bis die Corona-Welle auch hier Tribut forderte – und bis heute fordert.

Am 17. März spitzt sich die Lage für Fernreisende zu, von ersten Flugausfällen ist bereits die Rede.

Die Situation spielt auch in unserem Chat eine Rolle, wobei erschwerend hinzukommt, dass die beiden Weltreisenden inzwischen auf Madagaskar weilen und nicht ständig über ein gut funktionierende Netz verfügen.

Ich notiere an dem Tag im Chat: „50 Millionen Euro gibt die Regierung aus, um Urlauber zurückzuholen.“

Im Verlauf des gleichen Tages erfahren die beiden, dass Madagaskar vom 20. März an alle Flüge von und nach Madagaskar streichen und den Flughafen dicht machen wird. In einer abenteuerlichen Tour gelingt es ihnen, am 19. 3. rechtzeitig den Flughafen zu erreichen, Freunde haben sie auf Addis Abeba buchen können, von dort aus kommen sie eine Woche später mit einem regulären Flug zurück nach Deutschland.

Von irgendwelchen Sicherheitschecks in Frankfurt ist keine Rede. Da waren selbst in Äthiopien die Vorkehrungen sehr viel penibler und besser…

Ende März beginne ich – wie viele andere Leute – mit der Produktion von selbst genähten Mund-Nasen-Bedeckungen, die zunächst von den verantwortlichen Politikern nur müde belächelt werden, bis sie aber doch als Schutz bei den nötigen Einkäufen der Lebensmittel nicht nur zugelassen, sondern sogar verlangt werden, denn die Regierung hat es nicht geschafft, ausreichende Vorräte an medizinischen Masken zu beschaffen und für die Bevölkerung bereitzustellen, die wenigen verfügbaren müssen den medizinischen Fachleuten in den Praxen und Kliniken vorbehalten werden….

Im Sommer 2020 normalisiert sich das Leben nur leicht.

Doch mit dem Herbst folgt die nächste Infektionswelle und noch immer gibt es keinen Impfschutz. Viel zu viele Menschen liegen „mit Covid“ auf den Intensivstationen, viel zu viele sterben.

Als gegen Ende des Jahres 2020 die ersten Impfdosen verfügbar sind, stellt sich heraus, dass die Regierung es versäumt hat, ausreichende Bestellungen in Auftrag zu geben. Gleichzeitig werden aus den bisherigen sogenannten „Coronaleugnern“ entschiedene Impfgegner.

Im Frühjahr 2021 beginnen auch in Deutschland endlich die Impfaktionen, zunächst nach Prioritäten durchgeführt, da es immer noch nicht ausreichend viele Dosen für die gesamte Bevölkerung gibt. Das Virus entwickelt Varianten, die an Gefährlichkeit zunehmen. Die Heftigkeit, mit der über das Für und Wider der Impfaktion gestritten wird, nimmt ebenfalls täglich zu. Von der „Spaltung der Gesellschaft“ ist die Rede. Manche Juristen stellen in Diskussionen den Schutz der Rechtsstaatlichkeit über den Schutz des Lebens und geben so den Impfgegnern Anregungen und Argumente im Kampf gegen die von der Regierung empfohlenen Maßnahmen. Unter die (naiven) Ignoranten mischen sich Querdenker und Rechte und bilden eine üble Gemengelage bei den sich häufenden Protestaktionen in Form von angemeldeten Demonstrationen und später dann bei nicht genehmigten Spaziergängen.

Auf die erste Impfung folgte planmäßig die zweite, seit dem Herbst 2021 wird eine dritte Impfung als Auffrischung des Schutzes empfohlen, das „Boostern“ beginnt.

Der Liebste und ich sind natürlich geboostert – und sehr dankbar. Die meisten unserer Freunde ebenfalls und auch die Mehrheit der Familie. Dass einzelne Personen aus diesem Kreis noch nicht den 3. „Schuss“ haben, liegt einzig und allein an der Bürokratie, nicht an ihrem Willen, sich nochmals impfen zu lassen.

Dass immer noch rund 25 % der Bevölkerung nicht vollständig oder gar nicht geimpft ist, liegt allerdings weniger an der Bürokratie, als vielmehr an Quacksalbern, Verschwörungstheoretikern und juristischen Beratern, die sich gegen das allgemeine Impfen aussprechen – oftmals aus fadenscheinigen Gründen und immer aus mangelnder Einsicht in die medizinische Notwendigkeit.

Heute vor zwei Jahren habe ich mir nicht vorstellen können, dass so eine Entwicklung in einem zivilisierten Land wie Deutschland oder den Ländern der EU so rasant das gesamte Leben drastisch verändern würde.

Ich verzichte hier auf detaillierte Darstellungen… wir erleben es ja in Echtzeit und live…

Wir sind die Größten…. 16. Januar, 2021

Posted by Rika in aktuell.
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Fast!

Fast sind wir die Größten in der Bewältigung der Corona-Krise.

Nein, nein und nochmals nein!

Nein, wir sind die größten Dilettanten im Impfgeschehen, die man sich nur vorstellen kann.

Beweise gefällig?

Da kommt mir heute unser lieb gewordenes Käseblättchen wie an jedem Morgen ins Haus, bzw. in die Zeitungsröhre, ins Haus müssen wir es schon selber holen. Und was findet sich schon auf der Titelseite?

Dies:

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Niedersachsen werde wie Deutschland insgesamt in den kommenden Wochen noch weniger Impfstoff vom Hersteller Biontech/Pfizer erhalten als bisher schon.“ So zitiert der Artikel unter der Überschrift „Lockdown zeigt keine Wirkung: Nervosität in Niedersachsen wächst“ die Gesundheitsministerin Reimann. (Quelle HAZ, 16./17. Januar 2021, Seite 1)

Und natürlich fällt auch die Mitteilung ins Auge, siehe oben: „Mehr als 8000 Menschen in der Region Hannover geimpft“. Wenn das kein Grund ist zu jubeln. In der Region Hannover wohnen rund 1200000 Menschen und wenn das Impfen in diesem Tempo so weitergeht und auch die Sache mit den Anschreiben an die Betroffenen doch noch geklärt werden kann, werden wir bis zum Ende des Sommers im Jahr 2022 oder auch später vermutlich alle im Raum Hannover die dringend benötigte Spritze erhalten haben, sofern – und da liegt der Hase im Pfeffer – genügend Impfstoff zur Verfügung stehen wird.

Seit dem 27. Dezember 2020 wird nun geimpft, und in der Region Hannover hat man es auf ganz 8000 Personen gebracht. Im etwa gleichen Zeitraum impfte das kleine Israel, das rund 9 Millionen Einwohner insgesamt hat, bereits 2 Millionen Menschen.

Wie das? fragt man sich erstaunt und reibt sich die Augen. Das liegt zum Einen daran, dass Israel ein hochmodernes Gesundheitssystem hat, von dem man in Deutschland nur träumen kann. (Aus zuverlässiger Quelle ist mir bekannt, dass unsere Gesundheitsämter restlos überfordert sind, allein die Infektionsherde zu verfolgen und dann per Fax – als habe es die geniale Erfindung des Internet noch immer nicht gegeben – an die zentrale Stelle zu melden!) Jeder Israeli hat eine Zugangskarte zu dem digitalen Erfassungssystem, das sowohl diagnostische Ergebnisse für den Patienten bereithält, wie auch den unmittelbaren Zugang zu Beratung und medizinischen Einrichtungen ermöglicht und eben auch die Patienten ohne großen bürokratischen Aufwand informieren und zu den Impfungen einbestellen kann. Zum Anderen liegt es daran, dass in Israel die Sicherheit und das Leben der Bevölkerung oberste Priorität hat, was dazu führte, dass sich das Land mit dem Bekanntwerden der erfolgreichen Entwicklung des Impfstoffes ausreichend große Mengen sicherte, um so schnell wie möglich die Schutzimpfung der Bevölkerung beginnen zu können.

In unserem schönen Land haben nicht Schutz und Sicherheit der deutschen Bevölkerung oberste Priorität, will es mir scheinen, sondern der Datenschutz und natürlich die Solidarität mit allen Notleidenden dieser Erde, zumindest aber mit den Ländern der EU, so dass es überhaupt nicht denkbar ist, dass die Regierung Deutschlands einen in Deutschland mit deutschen Steuergeldern geförderten Impfstoff auch vorrangig an die eigene Bevölkerung weitergibt, „Germany first“ käme doch dem schlimmsten rechten Nationalismus gleich, den man sich nur vorstellen kann, und nur der Herr der Finsternis würde so ein Ansinnen überhaupt in Erwägung ziehen… pfui Teufel aber auch.

Nun könnte ich ja als überzeugte Europäerin durchaus darin zustimmen, alle EU-Länder gleich behandeln zu wollen und darum der EU das Verteilen des Impfstoffs und das Organisieren der Impferei zu überlassen. Leider, leider ist die EU aber kein altruistisch arbeitender Wohlfahrtsverband, sondern eben eine Art Zweckbündnis zur Durchsetzung der eigenen nationalen Interessen, sofern diese Interessen nicht vorwiegend von und durch Deutschland angemeldet werden, siehe oben. Und darum hat die aus Deutschland stammende Präsidentin von der Leyen auch mit der Bestellung des bereits entwickelten und vorhandenen Impfstoffes aus deutscher Entwicklung und Produktion gewartet, bis auch die Franzosen in die Puschen kamen und ihrerseits einen Impfstoff zur Verfügung stellen konnten, bzw. zur Verfügung stellen können werden, denn weder ist der Impfstoff vollständig entwickelt, noch steht er auch nur ansatzweise zur Verteilung bereit. Und so kommt es, dass es EU-weit nicht ausreichende Dosen des begehrten Stoffes gibt und in Deutschland erst recht nicht…. Aber wir können immerhin stolz darauf sein, dass wir nicht eigensüchtig sind und anderen Ländern gerne den Vortritt überlassen.

Dummerweise machen aber die immer noch nicht gesunkenen Zahlen, die über Ansteckung und Todesfälle Auskunft geben, deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Und weil der Impfschutz noch lange auf sich warten lassen wird, zieht man einfach ein bisschen die Daumenschrauben in Form noch strengerer Lockdown-Maßnahmen an. Das ist einfacher, als für eine bessere und vor allen Dingen ausreichende Verteilung zu sorgen und soll die Bevölkerung darin bestärken, alles für ihren Schutz und ihre Sicherheit getan zu haben.

Wir, der Liebste und ich haben keinen Grund uns lauthals zu beklagen. Zwar würde ich auch gerne mal wieder mit allen Kindern und Enkeln zusammen sein, ich würde auch gerne „richtig“ einkaufen und nicht nur die Dinge für den täglichen Bedarf, ich könnte auch einen Friseur gut gebrauchen, würde gerne ausgehen, fein essen oder einfach nur ohne Mund-Nasen-Bedeckung am Maschsee entlang bummeln oder durch die Innenstadt Hannovers flanieren… zur Not auch einfach mal wieder bei den Blau-Gelben vorbeischauen… all das geht gerade nicht. Aber wir Zwei werden auch nicht zu Homeoffice gezwungen oder zur Präsenz am Arbeitsplatz, wir haben keine kleinen Kinder mehr, die gerne draußen mit Freunden spielen würden, wir müssen auch nicht im Homeschooling schulpflichtige Kinder betreuen, was für viele Eltern und Kinder der reinste Horror sein muss.

Wir sind unendlich privilegiert mit sicherem Einkommen aus Rente und Pension, mit einem ausreichend großen Wohnraum, um uns auch mal aus dem Weg gehen zu können und mit den technischen Einrichtungen, die es uns erlauben, Kontakt zu den entfernt wohnenden Kindern zu halten, via Zoom miteinander zu quatschen oder Doppelkopf zu spielen, wie es der Liebste gestern mit seinen Söhnen getan hat.

Nein, wir oder ich haben gar keinen Grund zu meckern.

Aber dennoch mahne ich nicht zum ersten Mal an, dass etwas schief gelaufen ist in diesem Land und auch weiterhin schief läuft.

Und ich habe überhaupt nicht die Hoffnung, dass sich das in Kürze ändern wird, auch nicht durch die heutige Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden, Armin Laschet aus NRW, der doch vermutlich nur eine Spielfigur auf dem Feld ist, das immer noch von der ungekrönten Königin beherrscht wird.

Widerstandskämpfer in Corona-Zeiten… 24. November, 2020

Posted by Rika in aktuell.
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Mit zunehmendem und blankem Entsetzen lese und höre ich von den modernen Widerstandskämpfern heutiger Tage.

In der „Tradition der Geschwister Scholl“ trat am vergangenen Samstag eine „Jana aus Kassel“ in Hannover auf – wobei hier ein klitzekleines Wörtchen fehlt, nämlich „vermeintlichen“, in der „vermeintlichen Tradition“ müsste es heißen. Dieses Wörtchen fehlt aber ganz offenbar auch im Gedankengebäude der „ich bin die Jana aus Kassel“ Protagonistin. Da steht sie auf der notdürftig errichteten Bühne vor dem Opernhaus und behauptet allen Ernstes, wie einst Sophie Scholl im Widerstand gegen die Nazis, so befände sie, die Jana aus Kassel, sich seit Februar im Widerstand zur Verteidigung von Freiheitsrechten und Demokratie, organisiere Demonstrationen und hielte Vorträge und engagiere sich irgendwie gegen die, wie sie meint, die unsere Freiheit und unsere Demokratie aufs Spiel setzen mit den Anweisungen und Aktionen im Kampf gegen „Corona“.

Was damit der vorläufige Höhepunkt einer fürchterlichen Folge von „Widerstandskämpfen“ gegen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung war, hat ja eine monatelange Geschichte höchst unterschiedlicher „Kampfformen“. Der Kampf begann bereits mit den ersten Informationen über das seltsame Virus, das binnen weniger Wochen seinen Weg von China aus über die ganze Welt antrat und die Gesundheitssysteme vieler Staaten ins Chaos stürzte und Menschen Krankheit, Einsamkeit und Elend oder gar den Tod brachte. Noch bevor das Virus selbst vollständig enträtselt und seine Übertragungswege ermittelt werden konnte (der Prozess dauert übrigens immer noch an), meldeten sich Feld-Wald-und Wiesen-Ärzte zu Wort, die ihre Sicht der Dinge den vorsichtigen Verlautbarungen der Virologen entgegen hielten. Man hantierte mit Zahlen und Tabellen, bemühte Vergleiche mit den alljährlichen Grippe- und Erkältungswellen und tat alles dafür, das Virus zu verharmlosen, die forschenden Wissenschaftler zu verteufeln und den Verschwörungstheoretikern Tor und Tür zu öffnen.

Auf den Internetplattformen diskutieren zahllose Experten und übertrafen sich in seltsamen Schlussfolgerungen und Ratschlägen gegenseitig. Ich will das hier nicht alles im Einzelnen aufrühren und schon gar nicht möchte ich eine Plattform für weitere unnütze Diskussionen bieten. Nur in einem Punkt waren (und sind) sich aber alle „Experten“ völlig einig, die Maßnahmen, die die Landesregierungen in der Zusammenarbeit mit Virologen anordneten, dienten und dienen nicht der Eindämmung der Pandemie.

Vielmehr wurde mehr oder weniger laut und deutlich gemunkelt, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie könnten die Regierung nutzen, um unsere Freiheitsrechte einzuschränken oder längst geplante Globalisierungsmaßnahmen endlich unter dem Deckmantel des Kampfes für die Gesundheit des Volkes unbemerkt in die Tat umzusetzen.

Dieser Gedanke, muss ich gestehen, ist mir allerdings nie gekommen.

Ja, auch ich hielt die Corona-Maßnahmen zu Beginn der Welle für wenig überzeugend, um nicht zu sagen, für „nicht hilfreich“, weil ich sie einfach nicht für ausreichend und sie zudem als viel zu spät in Angriff genommen ansah. Der Herr Gesundheitsminister beruhigte die leicht verunsicherte Gesellschaft, stocherte dabei aber im Nebel und verkündete, alles im Griff zu haben. Das Stochern selbst nehme ich ihm gar nicht über, aber seine Überzeugung er habe alles im Griff, die verübele ich ihm sogar sehr.

Es gehört dieses „Stochern im Nebel“ – etwas salopp gesagt – zu dem, was man wissenschaftliches Arbeiten an noch unbekannten Problemen nennt. Und mit jedem „forschenden“ Schritt lichtet sich dieser Nebel ein ganz kleines bisschen oder verdichtet sich auch wieder, wenn man nämlich auf dem Holzweg war oder ist. Wir konnten dieses Vorgehen beinahe täglich in den Verlautbarungen des RKI und den prompten Reaktionen anderer Bevollmächtigter in Sachen Corona, die zu anderen Erkenntnissen oder Schlussfolgerungen kamen, miterleben. Was eigentlich immer in Forschungsprozessen passiert, der Austausch über das Vorgehen, der Abgleich der (vorläufigen) Ergebnisse, fand aber nicht nur im Labor, sondern eben auch auf großer Bühne statt, ohne dass das Vorgehen für das staunende und leicht verwunderte Publikum ausreichend gut beschrieben und kommuniziert wurde. Es verunsicherte die Leute. Dass das aber auch den nicht offiziell bevollmächtigten Experten ganz prima in die Karten spielte, ließ sich leicht an der Menge der Meinungen ablesen, die in den sozialen Medien zur Diskussion gestellt wurden.

Selbst in von mir als „seriös“ angesehenen Onlineportalen stellten selbsternannte, aber fachfremde Experten nimmermüde ihre eigenen Theorien ins Netz und lieferten so den „Widerstandskämpfern“ die nötige Munition.

Und das ist bis heute so geblieben. Mit Hilfe von Schaubildern, Statistiken und Tabellen soll bewiesen werden, wie falsch die Regierungen der Länder samt Bundeskanzlerin in ihren Strategien liegen.

Kann man es darum den vielen Menschen wirklich übel nehmen, die sich ins Getümmel stürzen und abstands- und maskenlos von einer Demo zur nächsten eilen und sich dabei wie Helden fühlen? Masken- und abstandslos zu demonstrieren, ist allerdings nicht nur übel zu nehmen, sondern als ein Akt der Entsolidarisierung mit den von Corona betroffenen oder durch Corona besonders gefährdeten Mitmenschen deutlich zu verurteilen.

Mich verwundert solches Treiben angesichts der vielen Meinungsäußerungen in den sozialen Netzwerken allerdings überhaupt nicht. Es war doch nur eine Frage der Zeit, wann die Skeptiker auf die Straße gehen würden, angetrieben von dem hehren Vorhaben, ihre Freiheit, ohne Mundschutz und Abstand sich mit anderen Menschen zu treffen, mit allen Mitteln zu verteidigen, koste es was es wolle. Da gab es Organisatoren, die empfahlen, die Kinder in die erste Reihe zu stellen, damit mögliche Wasserwerfer gar nicht erst in Aktion treten würden, lustige herzförmige rote Luftballons sollten den Standort der Kinder anzeigen.

Wisst Ihr, woran mich das erinnert? Es erinnert mich an das schändliche Treiben der Hamas, die auch Kinder und Jugendliche vorschickt, wohl wissend, dass israelische Streitkräfte niemals auf Kinder schießen würden! Kinder als Schutzschilde für die Feiglinge oder als Schutzschilde für die Raketenabschussanlagen, die in zivilen Häusern mit vielen Familien und Kindern installiert werden.

Ich hätte mir niemals vorstellen wollen, dass die Strategie der Hamas auch unter zivilisierten Menschen in Deutschland Anwendung finden könnte, dort die Hamas, hier die Leute, die ungern von Wasserwerfen durchnässt werden möchten. Es ist der gleiche schreckliche Ungeist. Statt diejenigen zu schützen die am notwendigsten den Schutz der Erwachsenen benötigen, verkriechen sich diese Feiglinge hinter Kindern!

Und noch etwas finde ich höchst bemerkenswert.

Wie in den sozialen Medien, so sind auch bei den Demonstrationen seltsame Verbrüderungen zu beobachten. Der alte ApO-Opa marschiert neben dem mutigen Pegida-Spaziergänger, die Leute von „wir sind jung, wir sind laut weil ihr uns die Zukunft klaut“ haben keine Probleme, dass einige ihrer Mitkämpfer auch der Fraktion der Verschwörungstheoretiker angehören, die „Bunten“ und auch die „Blauen“ und die „Braunen“ sind auf den Beinen gegen die vermeintlichen Ignoranten ihrer schönen, ach so wenig bunten (Vor)Urteile, wonach die Regierung das Volk in Isolationshaft nehmen will, um besser regieren zu können, sprich, die Interessen der Regierenden durchsetzen zu können, zum Nachteil der Menschen dieses Landes.

Ich gebe ja zu, dass ich nicht unbedingt ein Freund unserer Kanzlerin bin und viele ihrer spontanen Entscheidungen falsch finde. Ich gebe auch zu, dass ich mir ein starkes Parlament zurück wünsche, das der Regierung auf die Finger sieht und zur Not auch kräftig draufhaut – also Widerspruch einlegt und wirklich ausreichende Diskussionen und Debatten einfordert, bevor ein neues Gesetz in spätnächtlicher oder – nach durchwachter Nacht – in frühmorgendlicher Stunde im Hauruck-Verfahren verabschiedet wird, wie wir es in den vergangenen Jahren allzu oft erlebt haben. Die Medien bewunderten die Kanzlerin für ihre Ausdauer und ihr Stehvermögen in solchen nächtlichen Marathonsitzungen. Ich bewunderte allenfalls ihre tolle Strategie, die mich an Sitzungen des ASTA oder des Studentenparlaments erinnert, in denen auch diejenigen ihre Anliegen durchboxen konnten, die genug Kaffee und Preludin verkonsumiert hatten, um nicht vor Müdigkeit und Erschöpfung einzuschlafen…

Was ich aber bei allem Verständnis für das Unbehagen vieler Menschen nun überhaupt nicht verstehe, ist, dass man – wie „Jana aus Kassel“ oder das elfjährige Mädchen, das sich gar mit Anne Frank verglich – allen Ernstes die heutige gesellschaftspolitische Situation Deutschland, unser Rechtssystem und unsere demokratischen Errungenschaften auch nur ansatzweise für vergleichbar oder gar deckungsgleich mit dem System der Gewaltherrschaft der Nazis halten.

Niemand wird an seiner freien Meinungsäußerung gehindert, jeder Mensch hat das Recht, eine Demonstration anzumelden oder an ihr teilzunehmen. Keiner wird aufgrund der Kritik an der Regierung verhaftet und unter Folter zu Geständnissen erpresst, die den Kopf kosten würden, wie es ein im Tausendjährigenreich durchaus übliches Verfahren war, mit dem politischen Gegner umzugehen. Wer allerdings im Netz und auf der Straße krude Ideen verbreitet und schreckliche Vergleiche anstellt, muss sich nicht wundern, wenn er Hohn und Spott erntet, daran mag dann so mancher „Widerstandskämpfer“ tatsächlich verzweifeln. Ich würde allerdings nüchtern und total cool sagen, dass ihm das dann auch zurecht geschieht…

Schließlich muss jeder Mensch die Konsequenzen für die eigene Dummheit tragen und ertragen.

Wer führt Regie und wer zieht die Fäden? 2. November, 2020

Posted by Rika in aktuell.
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Wenn man nicht an ein sich selbst regulierendes und sich stets wiederholendes System, einem „Perpetuum Mobile“ nicht unähnlich, glauben möchte, stellt sich diese Frage doch umso drängender:

Wer führt Regie und wer zieht die Fäden?

Wer um alles in der Welt bedient welche Hebel, Hebel der Macht, Hebel der manipulativen Mobilisierung aufgebrachter Menschenmassen, Hebel in der Berichterstattung und eben auch die Hebel, die das Schweigen verantwortlicher Politiker hier in Deutschland befördern, allen voran die Bremshebel im Bundeskanzleramt, die es bisher verhindert haben, zu den jüngsten Anschlägen Stellung zu beziehen***, seien es die schrecklichen Taten in Frankreich oder der nicht weniger entsetzliche mörderische Überfall auf zwei gänzlich unschuldige Männer in Dresden, der dem einen das Leben und dem anderen den geliebten Partner raubte.

Endlich aber, möchte ich fast sagen, reagiert zumindest eine größer werdende Öffentlichkeit in den sozialen Medien auf die hinterhältigen Morde, die unter Anrufung der islamischen Gottheit verübt werden und die Gesellschaft – vor allem in Frankreich – zutiefst schockieren.

Dass auch hierzulande darüber berichtet wird, ist nicht das Verdienst der eigentlich dafür zuständigen öffentlich-rechtlichen Sender oder der viel gerühmten freien Presse, die halten sich nämlich äußerst vornehm zurück. Zwar wird in dürren Worten über „Nizza“ und mich noch dürreren Sätzen über „Dresden“ gesprochen und geschrieben, aber niemand der Damen und Herren Journalisten und Redakteure wagt sich an die brisante Annahme, diese Taten könnten etwas mit der Religion der Täter zu tun haben, die sich zwar ausdrücklich in Anrufung ihres Gottes zu der koranisch-prophetischen Offenbarung eben dieses höchsten Wesen bekennen, aber dennoch für ihre Religion das Attribut „friedlich“ reklamieren, oder, wie Deutschlands bekanntester Führer der hier lebenden Muslime, Aiman Mazyek, die einzig wahre Erkenntnis veröffentlichte und dem großen Propheten Milde attestierte, eine solche Milde nämlich, die es den gläubigen Nachfolgern des „Gröprophaz“ unmöglich mache, auf möglicherweise beleidigende Äußerungen mit Gewalt zu reagieren.

Demzufolge müssen die Täter unislamische und psychisch eingeschränkt Handelnde gewesen sein. Oder Menschen, die mit ihrem erbärmlichen Leben einfach nicht klar kamen und denen keine anderen Option blieb, als die vermeintlich dafür Verantwortlichen umzubringen. Diese Vermutungen kennen wir ja zur Genüge aus den Verlautbarungen der vergangenen fünf Jahre, wann immer und wo immer sich eine Tat ereignet hat, die mit dem bekannten „Nichts“ zu tun haben könnte, aber aus politisch korrekten Gründen nicht zu tun haben darf.

Weniger furchtsam, etwas unsensibel und möglicherweise sogar beleidigend zum Thema zu schreiben, ist Malca Goldstein-Wolf. Sie beschreibt bei Facebook eine Beobachtung, die sich ihr schon seit einiger Zeit aufgedrängt haben mag, mit einem Text, den ich mit ihrer Erlaubnis hierher kopiere:

Just sayin‘,

man kann es schon als kleine Invasion bezeichnen. Mit zuckersüßem Lächeln schmusen sie sich an Politiker, selbst auf höchster Ebene, an. Charmant, häufig wortgewandt und in Deutschland bestens ausgebildet und sozialisiert, setzen sie an, aus Deutschland das 58. islamische Land der Welt zu kreieren. Sie sagen das nicht so deutlich, wer sich aber die Mühe macht, hinter die Kulissen zu schauen erkennt, dass die vorgespielte Weltgewandtheit hinter den Toren der Muslimbrüderschaft oder der Grauen Wölfe abgestreift wird wie eine Maskerade, die man nur dann nutzt, wenn man ahnungslose Entscheider, seine Agenda listig verfolgend, aufs Glatteis führen will. Sie drängen in die Ministerien, in den Bundestag, wollen Bürgermeister-Ämter erobern und bedienen des Deutschen rötesten Knopf: den Fingerzeig auf dunkelste Zeiten. So gibt man vor, Verfolgungen und Diskriminierung ausgesetzt zu sein, wie einst die Juden im Dritten Reich. Wo das Schuldgefühl einsetzt, schaltet sich offenbar bei einigen Entscheidungsträgern das Hirn aus. Fördergelder fließen für zwielichtige Organisationen, deren Funktionäre oftmals faschistoiden Ideologien folgen. Das Ziel fest im Blick, die Scharia Stück für Stück zu etablieren, haben sie es tatsächlich geschafft, dass in einer westlichen Kultur wie Deutschland überhaupt darüber diskutiert wird, ob es feste Schwimmzeiten nur für Frauen geben muss, ob es Mädchen zuzumuten ist, gemeinsamen Sport mit Jungen zu machen und der Burkini nicht doch zu Deutschland gehört. Spitzfindig klagt man sich als Kopftuch-Lehrerin vor höchste Gerichte, als ob es selbstverständlich ist, dass eine Lehrerin mit Vorbildfunktion auf einer deutschen (!) Schule schon kleine Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als unterdrückte Frau in bester islamischer Tradition, vorbereiten darf. Wenn die deutsche Justiz, deren Gesetzgebung in vielen Fällen auf die Unterwanderung durch den politischen Islam nicht gewappnet zu sein scheint, kapitulieren muss, ist der nächste Schritt getan. Von Politikern kann man den Durchblick hinsichtlich des „Scharia-Kartells“ nicht erwarten, zu verworren ist das Konstrukt. Wer aber klärt sie auf? Die Medien selbst sind zu verhalten, es bräuchte dringend einen „Expertenrat für die Unterwanderung der deutschen Politik durch den politischen Islam“. Experten gibt es genügend, wer aber lädt sie in die Ministerien ein, bevor es zu spät ist?“

Ich habe Malca Goldstein- Wolf in einem Kommentar zu ihrem ausgezeichneten Text so geantwortet:

„Malca, seit der Gründung der Muslim-Bruderschaft ist das auch die Zielsetzung der hiesigen Abteilung. Man kann es doch nachlesen in akribisch recherchierten Berichten. Die MB hat vor mehr als 40 Jahren den Marsch durch die Institutionen angetreten mit hervorragend ausgebildeten Leuten, die nahezu allesamt akademische Titel erworben haben und damit für die Öffentlichkeit einer plumpen Auslegung des Islam völlig unverdächtig waren. Es waren nicht die türkischen Gastarbeiter, die diese Entwicklung befördert haben, sie waren bestenfalls das Fußvplk. Es waren die Söhne sehr wohlhabender arabischer, ägyptischer und iranischer Eliten, die in Deutschland studierten und es zu Wohlstand und Ansehen brachten… Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler verschiedener Fakultäten.. (Bestes Beispiel die Attentäter von 9/11 ). Sie machten den Islam gesellschaftsfähig, sie öffneten die Türen zu unseren politischen und wirtschaftlichen Eliten. Sie waren smarte Gesprächspartner und hatten / haben hohes gesellschaftliches Ansehen. Sie würden sich auch nie die Finger schmutzig machen, aber Geld und ideologische Argumente beisteuern zum Kampf gegen die Ungläubigen. Wenn sich jetzt der Kampf von der Bühne der intellektuellen Auseinandersetzung auf die Straße mit blutigen Aktionen verlagert, macht das „lediglich“ die längst stattfindende Entwicklung deutlich.“

Wer hier schon länger mitliest, kennt sie inzwischen, meine Buchempfehlung nämlich:

Stefan Meining, Eine Moschee in Deutschland, Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen, C.H. Beck, München 2011

Würde man (Politiker, Journalisten, bekannte Theologen) allein das Inhaltsverzeichnis lesen, müssten doch schon die Ohren klingeln….

  1. „Halbmond und Hakenkreuz: Die Wurzeln des deutschen Islam (1941 – 1945)
  2. Operationsbasis München: Muslime als Operationsbasis der CIA im Kalten Krieg (1946 -1955)
  3. Die Rückkehr er Alten Herren: Die geheime Islampolitik der Bundesrepublik (1958 -1962)
  4. Grüne Revolutionäre an der Isar: Das islamische Zentrum in München (1963 – 1978)
  5. Verkannte Herausforderungen: Der politische Islam auf dem Vormarsch (1979 -1993)
  6. Sektierer oder Heilsbringer: Das deutsche Gesicht des politischen Islam (1994 – 2000)
  7. Verdächtigungen und Polizeiaktionen: Der 11.September und die Folgen (2001 – 2010)

Epilog: Was bleibt?“

Soweit das Inhaltsverzeichnis, die sehr vielen Unterpunkte abzuschreiben, erspare ich mir, verweise allenfalls auf einen nicht unbekannten Namen: Said Ramadan und die nicht weniger berühmte Fereshta Ludin, deren Kopftuchstreit ein eigenes Unterkapitel gewidmet ist, versehen mit dem Hinweis auf Verbindungen zu weltweiten Netzwerken der Organisation muslimischer Frauen.

Nun noch einmal meine eingangs gestellte Frage:

Wer führt Regie und wer zieht die Fäden, und welche Hebel werden wo von welchen Personen bewegt?

Darauf müssten wir schnellstens eine Antwort finden.

*** Die seltsame geschwurbelte Verlautbarung des Bundeskanzleramtes betrachte ich nicht als Stellungnahme, sondern als „unter den Teppich kehren!“ Und als eine ziemlich miese Haltung dem „Freunde in Frankreich“ gegenüber, mit dem unsere Kanzlerin doch so rührend anschmiegsam eine Gedenkminute abhielt…. zu welchem Gedenken, ist mir gerade entfallen.

Spahn, Laschet und Co und die Maskerade… 1. April, 2020

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gesellschaft, medien, politik.
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Einfach einmal logisch nachgedacht:

Professionelle Atemschutzmasken sind derzeit Mangelware, sie sind nicht einmal ausreichend für diejenigen vorhanden, die  in sogenannten systemrelevanten Einrichtungen dringend arbeiten müssen und dabei auch immer in Kontakt mit Klienten, Kunden, Patienten, Pflegebedürftigen kommen. Aber es gibt die Möglichkeit zu improvisieren.

Wenn die improvisorischen  Masken NUR den / die  ANDEREN schützen, wie immer wieder durchaus glaubhaft behauptet wird, aber ALLE wenigstens solche Masken tragen würden, wäre dann nicht JEDER  besser und wirksamer geschützt als OHNE Masken durch die Gegend zu laufen?

Mir scheint, im Zuge der Krise ist Spahn, Laschet et al das logische Denken abhanden gekommen, wenn sie treuherzig erklären, man könne auf die Maskenpflicht verzichten und den Gebrauch ja freiwillig stellen….  Es klingt einfach nicht überzeugend, was diese Herren absondern.

 

Und für alle, die es immer noch nicht kapiert haben:

Dieses Corona-Ding ist hochgradig gefährlich. Es mit einer ganz normalen Grippe zu vergleichen, ist fast schon kriminell zu nennen, weil solche Vergleiche  die Leute leichtsinnig machen und zu einem leichtfertigen Umgang mit anderen Menschen verführen.

 

D A R  U M :

ZU  HAUSE  BLEIBEN, wenn es eben geht!

ABSTAND  HALTEN,  wenn man  unterwegs ist!

MASKE  BENUTZEN,  wenn man einkauft, Bus, S-,  U-,  oder D-Bahn   fährt!  

HÄNDE WASCHEN NICHT VERGESSEN !

 

So können wir diejenigen entlassten, die um das Leben der Infizierten und Erkrankten kämpfen.

So können wir es vielleicht schaffen, die Krise einigermaßen gut zu überstehen.

 

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NÄHANLEITUNG FÜR GESICHTSMASKEN

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NACHTRAG am 2. April

Ich muss mich ein wenig bei den beiden genannten Herren entschuldigen, sie waren zwar die ersten, die mit dieser Aussage an die Öffentlichkeit gingen, sind aber nicht die einzigen, die diese Strategie verfolgen.
Gestern in der Phoenix-Runde saß auch der Hamburger Virologe – dessen Name ich gerade nicht parat habe – und erklärte mit kühler Arroganz, anders kann ich es nicht nennen, dass die Hobbyschneiderinnen ja ruhig weiterhin nähern könnten, es sei zwar nicht falsch, aber auch nicht notwendig, da alle bisher getroffenen Maßnahmen doch greifen und man zudem eifrig an der App arbeite, die mit dazu beitragen soll, die Infektionsrate zu senken.

Ich halte dieses gönnerhaft vorgetragene Statement aus psychologischen Erwägungen für unglücklich:
1. Wir erleben in der Krise gerade eine große Welle der Solidarität und der Bereitschaft, sich zu engagieren. Wenn man das Engagement so schnöde zurückweist, könnte das zu einer unerwünschten Reaktion des Rückzugs führen, nicht nur auf dem Gebiet der Maskennäherei.
2. Die sich widersprechenden Äußerungen – Söder vertritt eine andere Haltung – der verantwortlichen Politiker und ihrer Berater tragen zu der ohnehin vorhandenen Unsicherheit bei, wie und welche Form des Umgangs miteinander und mit der Krise insgesamt zielführend und angemessen sei. Zu sagen, Masken seien nicht erforderlich lassen doch jedwede Spekulation über das Ansteckungsrisiko zu.
3. Statt die Leute darin zu bestärken auch selbst zu improvisieren, werden sie auf die staatliche Versorgung verwiesen, die aber höchst unzuverlässig ist. Und anstelle des frühzeitigen oder rechtzeitigen Einübens in bisher unbekannte und nicht geliebte Taktiken, verschiebt man in diesem „auf Sicht fahren“ eine notwendige Anordnung auf später, wobei es sich in dem gesamten Verlauf der Pandemie gezeigt hat, dass „später“ eben nicht „niemals“ bedeutet und auch bei uns ganz plötzlich vor der Tür steht.
4. Das „Masken-Statement“ ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die ohnehin die gesamte Situation um Corona-Covid 19 für einen riesigen und aufgebauschten Bluff halten und immer noch davon ausgehen, dass eine Grippe gefährlicher sei als an diesem Virus zu erkranken. Mit jeder dieser Aussagen sinkt die Bereitschaft die Bedrohungslage ernst zu nehmen.

Es ist bedauerlich, dass der psychologische Aspekt und die Wirkung auf die Zuhörer, bei solchen Gesprächsrunden und Aussagen ganz offensichtlich so wenig bedacht wird.

Hier in diesem wunderbaren Land… 23. März, 2020

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, medien, politik.
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Eigentlich – ja,  jetzt folgt sofort die Einschränkung – eigentlich schätze ich „Achgut“ und teile meistens die Ein- und Ansichten der Autoren zu den Plagen und Problemen der Zeit.

Natürlich gilt das auch für diesen Artikel und seinen Autor und die Veröffentlichung von Meinung und Bedenken. Das ist gar keine Frage.

Aber in der gegenwärtigen Lage möchte ich doch lieber das Heft des Handels den Medizinern überlassen, statt den Bedenkenträgern zu folgen, die unsere Freiheitsrechte in Gefahr sehen; ich bin nämlich davon überzeugt, dass eine Ausnahmesituation auch Ausnahmemaßnahmen erfordert und dass wir mit dem Ende des Ausnahmefalles auch wieder zur demokratischen Normalität zurückfinden werden.

Aber vorerst unterstütze ich alle dringend erforderlichen Maßnahmen, die allerdings meiner unmaßgeblichen Meinung nach ohnehin zu spät kommen:

Hier, in diesem wunderbaren Land, geht es angesichts der Krise durch Corona nämlich höchst sonderbar zu.

Hier, in diesem schönen Land, können immer noch Menschen aus aller Herren Länder einreisen, ohne in den Flughäfen befragt und möglicherweise getestet zu werden – aus sicherer Quelle weiß ich, das  sogar in Addis Abeba ein Fragebogen ausgefüllt werden muss und auf Fieber getestet wird… (Einige werden jetzt sagen, das sei nur für die Galerie.)

Hier, in diesem Land mit den angeblich höchsten Standards im Gesundheitssystem, gibt es gar nicht ausreichend genug Tests, um jeden möglichen Verdachtsfall zu überprüfen. (Und vermutlich gibt es auch gar nicht genug medizinisch geschultes Personal, das die Tests durchführen könnte.

Hier, in diesem wunderbaren Land, gibt es für das medizinische und sonstige Personal in Krankenhäusern und Praxen weder genug Schutzanzüge noch ausreichende Mengen an Atemmasken, weshalb in einigen abgelegenen Orten die Ärzte schon zu Maleranzügen greifen, um halbwegs sicher zu sein…

Hier, in diesem besten aller demokratischen Länder, zanken sich die Verantwortlichen von Bund- und Landesregierungen darum, welche Maßnahmen sofort ergriffen und welche auf die lange Bank geschoben werden können und in ihrer Eitelkeit einerseits und dem Run auf die Kanzlernachfolge andererseits, lassen sie jedes vernünftige Zusammenarbeiten vermissen.

Hier, in diesem herrlichsten aller sozialen Länder, gibt es Leute, die es natürlich finden, alte Menschen, die ohnehin die Sozial-, Renten- und Krankenkassen unnötig belasten, ruhig dem „normalen“ Verlauf einer durchaus möglichen, tödlich ausgehenden Infektion mit Corona zu überlassen…. „Ein bisschen Schwund ist immer“, mag der Vater des Gedanken sein oder schlimmer noch „Besser die als ich!“

Hier, in diesem großartigen Land, streiten sich die Dichter und Denker um die Deutungshoheit ihrer (oftmals komplett unwissenschaftlichen) „Analysen“ und mehren sich die aberwitzigsten Theorien und Erklärungen der Art von „wieso-weshalb, warum die Lage sei wie sie ist und was weshalb deshalb zu tun sei“.  Eine Kakophonie selten vernommenen Ausmaßes ertönt im Land.

Hier, in diesem Land mit dem besten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Welt, machen sich Journalisten zunächst über die Maßnahmen anderer Länder lustig, um sie alsbald nach Eintreten der Besorgnis erregenden Umstände auch hierzulande zu bejubeln und der großen Dame im Kanzleramt, die wochenlang nichts von sich hören ließ, ihre untertänigste Referenz und Lobeshymnen zu erweisen.

Hier, in diesem Land in dem ich geboren bin und wirklich gerne lebe, wünsche ich mir sehr, dass „wir schaffen das“ nicht nur eine längst verbrauchte Floskel ist, sondern wir solidarisch miteinander umgehen, die Schwachen stützen – gerade auch mit finanziellen Mitteln -, die Regeln zum Wohle aller Menschen einhalten und endlich aufhören, denen das Leben unnötig durch seltsame Beiträge in den sozialen Medien schwer machen, die zum Teil bis an die Grenzen des Erträglichen und bis zur eigenen Erschöpfung daran arbeiten, dass wir heil durch diese Krise kommen, den Ärzten, Krankenpflegerinnen und Pflegern, den Laboranten, Pharmakologen, aber auch  den Putzkolonnen, Müllwerkern, Polizisten, Feuerwehrleuten und  Rettungsdiensten, den Mitarbeitern in den Verwaltungen und Verkehrsbetrieben und den vielen Menschen, die für den Nachschub an Lebensmitteln und all der Dinge sorgen, die wir trotz oder gerade auch in Quarantänezeiten benötigen….

Danach, da bin ich sicher, wird es um Analyse und Bewertung der Mittel und Maßnahmen gehen, die trotz eines bestehenden Unsicherheitsfaktors getroffen wurden.

Wir können nicht sicher sein, welche Faktoren zur Bewältigung einzig und allein ausschlaggebend sind, aber wir können ganz sicher sein, dass Nichtstun, ja selbst  Zaudern und  Zögern nicht zur Linderung  der Folgen dieser Pandemie beitragen werden.

Das gilt sowohl für die medizinischen, wie für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen  Aspekte dieser Situation, die ja nicht nur unser schönes Land betreffen, sondern die weltweit Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen wie der Völker haben werden.

 

 

 

 

 

 

Aus Rikas Küchenkabinett – Logik ist ein schweres Ding… 8. November, 2018

Posted by Rika in aktuell, aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Ich stehe in meiner Küche und sollte eigentlich kochen, aber ich denke bloß so vor mich hin…

Über diesen Artikel, den ich heute bei Achgut gelesen habe : „Sachpolitik? Die irre Demontage der Autoindustrie (1)“

Ich mache mir schon länger Gedanken über die Vereinbarkeit, bzw. Unvereinbarkeit von Wohlstand einerseits und Rückbesinnung auf die Natur andererseits. Wie soll das zusammen gehen? Wie funktionieren?

Ich gehöre zu der Generation der „die Gnade der späten Geburt“ zuteil wurde, d.h. die Schrecken des Krieges habe ich überhaupt nicht mitbekommen –  da gab es mich noch nicht – und ich war auch noch zu klein, um die mageren Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik bewusst zu erleben. Mir ging es gut. Meine Eltern, Großeltern und auch der Rest der Familie gaben mir das Gefühl von Geborgenheit und einem guten Auskommen, auch wenn das Gehalt des Vaters schmal und die erste eigene Wohnung der Eltern winzig war (nach 3jährigem Zusammenwohnen mit den Großeltern und zwei Tanten in der großelterlichen Wohnung).

Es ging aufwärts mit uns allen in der Familie, die Wohnungen wurden mehr und größer, Luxusgüter wie Kühlschrank, Gasherd, Waschmaschine und , man höre und staune, auch Fernseher wurden (später) angeschafft. Einer der Onkel hatte gar ein Motorrad, ein anderer in den frühen 60er Jahren sogar einen Dienstwagen… und ein dritter war stolzer Besitzer eines Käfers. Der Erwerb dieses absoluten Luxus gelang meinen Eltern Anfang der  70er Jahre. War das toll.

Seitdem gehört das Auto auch zu meinem Leben. Käfer, Golf, Passat, waren in den folgenden Jahren „unsere“ bevorzugten fahrbaren Untersetzer, jetzt fahren wir (der Liebste und ich) Skoda und betreiben nach Jahren der „Zwei Autos“ nun innerfamiliäres Car-Sharing. Es funktioniert ganz gut, zumal wir als Ruheständler nicht unbedingt jeder ein Auto benötigen.

Und so wird uns das Schreckensszenario, das sich vor meinem inneren Auge abspielt, wohl auch nicht gar so hart treffen.

Aber alle diejenigen, die jetzt noch so unbekümmert jung und lebenslustig sind und gar nicht bemerken, was sich da für die Zukunft auftut, die wird es treffen.

Kommt es wirklich so, wie in dem Artikel beschrieben, bedeutet das nicht nur den Verlust an mobiler Flexibilität, der wäre ja irgendwie noch zu verkraften, nein, es bedeutet auch den Verlust an Arbeitsplätzen für Hundertausende. Denn machen wir uns doch nichts vor, werden keine Diesel und Benziner für den privaten Gebrauch mehr fabriziert, stehen also die Bänder still (nicht weil der Arbeiter es will, um an einen alten Slogan der Gewerkschaft zu erinnern), müssten unglaublich viele Menschen anderweitig Arbeit finden. Denn der Bau von E-Autos, so ließ ich mir von einem Experten erklären, verlangt nur ein Bruchteil der Arbeitsplätze, die jetzt für die Verbrenner gebraucht werden. Aber wo wären die erforderlichen Arbeitsplätze zu finden? Mit noch mehr Nagelstudios und Tattoo-Salons wird man die Wirtschaftskraft Deutschlands kaum erhalten – ganz abgesehen davon, dass Menschen ohne Arbeit meistens auch ohne ausreichendes Einkommen sind und für Nagelstudio, Tattoo oder  Daddelbuden ohnehin keine Geld haben. Hinzu kommt noch, dass wir ja jährlich viele Migranten aufzunehmen haben, auch sie müssen doch einen Arbeitsplatz bekommen, lägen sie doch sonst den Sozialsystemen auf der Tasche.

Schon heute jammern die Wirtschaftsweisen, dass immer weniger Junge immer mehr Alte via Rente mitversorgen müssen… nach der Stilllegung der Autoindustrie wohl auch noch immer mehr Arbeitslose…

Und sage jetzt niemand, all die vielen Verbrenner würden dann eben durch E-Autos ersetzt werden.

Energie ist das Geheimnis und der Knackpunkt.

Wenn alle Verbrenner durch E-Autos ersetzt werden, muss für diese Autos auch die nötige Energie bereit gestellt werden.

Aber wir wollen ja nach Willen der Grünen und der Regierung aus der Kohleverstromung aussteigen, wie ja auch demnächst das allerletzte AKW vom Netz gehen wird.  Sonne und Wind sollen es zukünftig richten. Doch schon heute ist klar, dass aktuell die so erzeugte Energie nicht ausreicht, um den gegenwärtigen Bedarf tatsächlich zu sichern.

Frage:  Wie soll dann die ZUSÄTZLICH von den E-Autos benötigte Energie in ausreichendem Maße sicher gestellt werden?

Ganz Schlaue – und die findet man vor allen Dingen in der grünen Fraktion – erzählen uns darum von der goldenen Zukunft ganz ohne persönlichen Fahruntersatz (in Form eines Autos). Man teilt sich die Kisten. Geht klar.

Und fährt Bus und Bahn.  Geht vermutlich nicht klar.

Das Schienennetz der Bahn ist unzureichend ausgebaut für alle die vielen Leute, die dann Bahn fahren müssten, weil sie ja kein individuelles Automobil mehr besitzen. Der öffentliche Nahverkehr ist verdammt teuer (entschuldigt bitte den Ausdruck)…. vielleicht wird sich das ja ändern oder die Rechnung geht so: was wir bisher an Anschaffung, Steuern, Versicherungen und Benzingeld fürs Auto ausgegeben haben, fließt jetzt eben in die Öffis, die sind zwar nicht ganz so  bequem und auch nicht so zuverlässig bereit wie mein Auto in der Garage, aber sei’s drum. Es wird schon. Viele Millionen Autofahrer verstopfen die wenigen  funktionsfähigen Bahnen und  Busse und lernen sich so ganz neu und auch viel besser kennen.

Und dann ist da noch das Problem mit den Brücken! Tunnel und Brücken sind marode oder werden es bald sein, umso mehr, wenn deutlich mehr Züge fahren müssen. (Die Züge brauchen übrigens auch elektrische Energie, will ich nur mal schnell noch einfügen in mein goldenes Zukunftsbild.)

Viele andere Fragen müssten auch noch in dieses Bild eingefügt werden, es würde den Rahmen meiner kleinen Glosse sprengen, darum lass ich es bei diesem einzigen Aspekt „Automobilindustrie“ bewenden.

Das Fazit, das Gerd Held in Bezug auf den zu erwartenden Niedergang dieser Industrie zieht, liest sich so:

Der Angriff auf den Diesel ist nur der erste Schlag. Da der Benzinmotor bei einer vergleichbaren Steigerung der Grenzwerte ebenfalls nicht haltbar ist und die Alternative E-Mobil weder sozial bezahlbar noch ökologisch verträglich ist, läuft der Schlag gegen den Diesel auf einen Schlag gegen das Automobil selbst hinaus. Am Ende der jetzt ablaufenden Kettenreaktion wird das Auto nur noch als exklusives Gut vorhanden sein. Der motorisierte Individualverkehr wird zum Privileg werden.

 

Ich stehe also in meiner Küche und denke so vor mich hin und frage mich und Euch, die Ihr hier lest, wie soll das also gehen mit dem gleichzieitigen  Verzicht auf  Kohle, Gas  und  Kernkraft als sichere Ernergieversorgung  und damit auch auf so Vieles, was bisher so selbstverständlich für uns war: Sichere Arbeitsplätze, hohe Mobilität, ausreichende Energie, gutes Ein- und Auskommen.

Hat die Regierung einen geheimen Plan wie wir das schaffen sollen?

 

 

 

 

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