jump to navigation

Von der Satire im Islam… 12. Januar, 2015

Posted by Rika in gesellschaft, islam, meine persönliche presseschau, mohammed.
Tags: , , , , , , ,
add a comment

berichtet der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide in Zeit-online und seine Ausführungen sollen belegen, dass die Muslime keineswegs wegen der Karikaturen ihres Propheten sauer sind und auch die Attentäter von Paris keineswegs wegen der Karikaturen mordeten (auch wenn sie laut Zeugenaussagen ausdrücklich riefen, dass der Prophet  gerächt sei),  sondern weil sie in den denkbar schlechtesten sozialen Bedingungen leben mussten und aus lauter Frust auf schlechte Ideen kamen und diese dann auch umsetzten.

Professor Khorchide schreibt in leicht-lockerem Stil über den Humor der Ägypter, die sich mit hintersinnigen Geschichten über ihre Obrigkeit lustig zu machen wissen. Das erinnert an „Radio Eriwan“ oder an die Witze, die die Bürger in der DDR machten  und so spöttisch mit dem Regime umgingen.

Er berichtet über islamischen Humor im Mittelalter und erzählt einige der wirklich netten Begebenheiten und Legenden. Sogar  den „Humor“ des Propheten selbst  gibt er  weiter:

Mohammed selbst nahm übrigens Spott und Beleidigungen ganz gelassen hin. So wird berichtet, dass er einen Nachbarn hatte, der ihm jeden Tag Müll vor seine Haustür gelegt hat. Als der Prophet an einem Tag keinen Müll vor seiner Haustür fand, machte er sich Sorgen um den Nachbarn, dass ihm etwas Schlimmes widerfahren sein könnte und besuchte ihn. Der Nachbar war in der Tat an dem Tag krank und war sehr überrascht, dass Mohammed nach ihm fragt. Mohammed hat all die Jahre nichts gegen den Mann unternommen, er ignorierte seine Handlung und zeigte vorbildlich, wie man erhaben über den Dingen stehen kann. Mohammed würde heute Karikaturen über ihn ebenfalls gelassen sehen und sie einfach ignorieren.

Die  Geschichte***  aber, in der davon berichtet wird, wie  Mohammed mit denen umgeht, die  Spottlieder über ihn singen,  die erzählt Khorchide vorsichtshalber nicht. Die Spötter wurden nämlich umgehend mit dem Tode bestraft!

Auch unterlässt es der Professor,  uns Ungläubige darüber aufzuklären, dass es das Bilderverbot im Islam / Koran gibt und daher allein schon eine Zeichnung des Propheten eine unglaubliche Beleidigung darstellt, sei sie auch noch so schön und wohlwollend. Wie viel mehr muss eine verzerrende und sogar bewusst negative Karikatur als Beleidigung aufgefasst werden?! Warum spricht Herr Khorchide nicht darüber? Glaubt er, dass wir es nicht verstehen könnten? Meint er, dass er damit der muslimischen Ummah Schaden würde? Unterlässt er es, weil er selber unter kritischer Beobachtung durch seine Glaubensgenossen steht?

Ich denke nicht, dass dies „Sand in die Augen streuen“, das Beschwichtigen und Kleinreden zur Aufklärung über die Unterschiede dient , die es doch ganz offenbar zwischen den Religionen  gibt und die sich im Verhalten ihrer jeweiligen Anhänger niederschlagen.

Es macht doch gar keinen Sinn, die Probleme, die Religionen, bzw. Religionsgemeinschaften  miteinander haben, zu verschweigen!

Wir wissen doch aus der eigenen Geschichte, dass die Anhänger des Katholizismus und des Protestantismus (und dessen vielen Spielarten) nicht nur sanft und ökumenisch einwandfrei miteinander umgegangen sind. Münster, die Stadt in der Khorchide lehrt, ist doch ein beredtes Zeugnis für diese  Konflikte. Am großen Turm der Lamberti-Kirche zu Münster kann man heute noch die Käfige sehen, in denen die Ketzer ausgestellt wurden, bis die Vögel auch das letzte bisschen Fleisch von den Knochen gepickt hatten. Dreißig Jahre dauerte in Deutschland das Wüten der Religionen gegeneinander und auch nach dem Westfälischen Frieden herrschte allenfalls das Schweigen der Waffen aber doch keine Eintracht ALLER Christen miteinander. Und macht nicht auch gerade das Beispiel der Ketzer von Münster und der Dreißigjährige Krieg insgesamt deutlich, dass es keineswegs in den Auseinandersetzungen nur um den „rechten Glauben“, sondern auch und wohl vor allem um Politik und  „weltliche“ Macht, um Einfluss und Vermögen ging!

So wie auch die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen des Islam nicht nur und in erster Linie der Frage nach dem „wahren Islam“ dienen, sondern eben auch handfeste Machtinteressen verfolgen.

Das alles sollte doch in unserem schönen und ach so aufgeklärtem Deutschland offen zur Sprache gebracht werden können, verbunden mit dem Hinweis auf die möglichen Konfliktlinien, die sicher auch zwischen Christentum und Islam vorhanden sind oder zwischen einer weitgehend säkularen und einer  vorwiegend religiösen Gesellschaft.

Wir lösen die Probleme weder durch Mahnwachen, noch durch Wegsehen, Verharmlosen oder  Beschwichtigen.

Die Geschichten  über humorvolle Muslime, wie die, die uns der Professor aus Münster so blumig überreicht,  mögen zur Entkrampfung beitragen können, sofern sie nicht (wieder nur) dazu dienen sollen, uns Sand in die Augen zu streuen. Genau das aber steht zu befürchten und entspricht leider den Erfahrungen der letzten Jahre.

Aber was mich wirklich daran ärgert, ist die Tatsache, dass er sich nicht vorstellen kann oder will, dass Lieschen Müller lesen und im Internet surfen und rechnen  (1 und 1 zusammenzählen)  und sich dabei eine eigene Meinung bilden kann und diese sogar öffentlich vertreten DARF.

———————————————————————————————————————————-

***

Abu Afak, ein Mann sehr hohen Alters, wurde umgebracht, weil er Anekdoten über Muhammad verfasst hatte. Salem ibn Omayr tötete ihn auf Geheiß des Propheten, der zuvor die Frage gestellt hatte: „Wer wird für mich mit diesem Schurken fertig?“ Die Ermordung eines so betagten Mannes bewegte Asma bint Marwan dazu, respektlose Worte über den Propheten zu äußern. Dafür wurde auch sie mit dem Tode bestraft.“

(aus: Ali Dashti: 23 Jahre – Die Karriere des Propheten Muhammad, Verlag Alibri, Aschaffenburg 2003, S. 161)

2) „Ibn Chatal besaß zwei Sklavinnen, Fartana und ihre Freundin, die über den Propheten Spottlieder sangen. Mohammed ordnete deshalb an, diese beiden zusammen mit ihrem Besitzer zu töten“.

(aus: Ibn Ishaq, Das Leben des Propheten, Tübingen/Basel 1976, S. 218)

Quelle:

Werbung
%d Bloggern gefällt das: