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Der Pott … 8. Dezember, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Schon immer hatte ich mir einen dieser wunderbaren und schweren Töpfe aus Gusseisen gewünscht, hatte aber angesichts der Preise für die französischen Produkte auf einen Kauf verzichtet. So trifft es sich gut, dass man vor Geburtstagen nach besonderen Wünschen gefragt wird…. ich wünschte mir so einen Pott. Meine Kinder, die mir den Wunsch gerne erfüllen wollten, waren sich aber nicht ganz im Klaren darüber, welches der vielen Angebote von gusseisernen Töpfen es denn sein sollte. Sie schenkten mir darum einen Geldbetrag, liebevoll und witzig zwischen Nudeln und Kichererbsen in einem „ausrangierten“ Edelstahltopf versteckt.

Heute nun zogen der Liebste und ich los, endlich das, bzw. „ein“ heißersehntes Stück zu erwerben.

„Noch“ gibt es ja das schöne Kaufhaus im Herzen Hannovers…. aber das und das befürchtete Ende ist ein anderes Thema.

In der großen Haushaltswarenabteilung wurden wir natürlich fündig, nichts anderes hatte ich erwartet. Allerdings verschlug es mir dann doch die Sprache angesichts der Preise, die an den Pötten französischer Herstellung klebten. Wäre ich 40 Jahre jünger, würde ich so eine „Investition fürs Leben“, wie die wirklich sehr nette Verkäuferin die Töpfe schwärmerisch empfahl, vielleicht tätigen, aber bei meinem fortgeschrittenen Alter ist es höchst unwahrscheinlich, dass ich noch so lange lebe für die Dauer der Jahre, die als Garantiezeit für diese tollen Kochgeschirre ausgewiesen ist.

Eine Alternative bot sich aber an, gusseiserne Töpfe aus einer preiswerteren Produktion, nach Material und Machart kaum von ihren französischen Gefährten zu unterscheiden (und ich gehe davon aus, dass auch die Kocheigenschaften nur geringfügige Unterschiede aufweisen). Übrigens sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich noch nie in meinem Leben großen Wert auf ein Produkt mit einem großen Namen gelegt habe, ganz egal, um welchen Gegenstand es sich handeln mag. Ich wollte nicht Geld für den „Namen“ ausgeben und keine Marke spazieren tragen, für die ich die damit verbundene Werbung teuer bezahlen sollte, ob nun Handtäschchen oder Edelklamotten.

Also nahm ich das heimische Produkt näher in Augenschein und schließlich auch gegen Bezahlung mit nach Hause.

Doch erst zu Hause entdeckte ich, dass der neu erworbene Pott in Solingen, im Bergischen Land, gefertigt wurde.

Mit dieser Entdeckung erwachten zu meinem Erstaunen Erinnerungen an meine lange zurück liegende Kindheit.

Solingen im Bergischen Land, so hatte ich es im Heimatkundeunterricht meiner Grundschule gelernt, gehörte, ebenso wie meine Geburts- und Heimatstadt Hohenlimburg im Lennetal, zu den kleinen Ortschaften, in denen schon vor Jahrhunderten Eisen in vielen kleinen Werkstätten verarbeitet wurde. Man kann durchaus davon reden, dass diese zur Wiege der späteren Eisen- und Stahlindustrie wurde, die später im „Pott“ eine so große Rolle für den wirtschaftlichen Aufschwung spielen sollte.

Ich erinnere mich an einen Ausflug meiner Schulklasse ins Nahmertal – es muss das dritte Schuljahr gewesen sein – zu einem ehemaligen Hammerwerk, in dem durch die Wasserkraft des Nahmer-Baches die Schmiedehämmer angetrieben wurden, mit denen das Eisen bearbeitet wurde. Wahre Kaskaden von Erinnerungen an meine Kindheit und Schulzeit, an Familienspaziergänge, meine geliebten Großeltern, an Schlittenfahrten im Winter und Heidelbeersammeln im Sommer brachen auf und brachten mich in eine bedenklich tränenreiche Stimmung.

So, unter dem Eindruck der Kindheitserinnerungen, warf ich das Suchmaschinchen an, Solingen, Bergisches Land, Hohenlimburg, Sauerland waren die Stichworte. Zu „Solingen“ teilt ein Eintrag mit, dass dort bereits seit dem 14. Jahrhundert mithilfe der Wasserkraft der Wupper Messer geschmiedet wurden.

Aber Hohenlimburg? Was soll ich sagen, ich habe mein ganzes bisheriges Leben lang geglaubt und behauptet, ich käme aus dem Sauerland, schmückte doch der Zusatz „Tor zum Sauerland“ die Postkarten, die man aus Hohenlimburg verschicken konnte. Doch nun die Ernüchterung, um nicht zu sagen, die Vertreibung aus dem Sauerland meiner Kindheit:

Seit Hagen, diese hässliche Stadt, das schöne und damals auch deutlich wohlhabendere Hohenlimburg hinterrücks eingemeindet hatte, liegt Hohenlimburg auf den Karten, die das Sauerland zeigen, jenseits der Grenze. Aber Veserde und Wiblindgwerde, die Dörfer auf der Höhe, die wir von unserer Wohnung in Hohenlimburg in einem gemütlichen Fußmarsch von einer Stunde (oder etwas mehr?) erreichen konnten, ist sauerländisch. Wisst Ihr was, das macht mich sauertöpfisch.

Man kann einem doch nicht einfach so per Eingemeindung und Internetinformation die Heimat klauen.

Hätte ich den Pott vom Rande des Potts nicht gekauft, wäre ich heute noch eine Sauerländerin, die es ins Hannoversche Flachland verschlagen hat …. nun aus dem Sauerland entheimatet, sozusagen.

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