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Wenn Schüler in der Schule beten wollen… 2. März, 2017

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, islam, medien, migration, presse, schule - kinder.
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…  ist das zunächst positiv zu sehen.

Ich erinnere mich gut  an die Zeit, als unsere Kinder noch schulpflichtig waren und  weiter führende Schulen in Hannover besuchten, öffentliche Schulen, nicht konfessionsgebundene. Auf Initiative einiger Schüler wurde ein Schülergebetskreis gegründet, die Schulleitung stellte für dieses Anliegen den Raum der Schülerselbstverwaltung zur Verfügung. Die jungen Leute trafen sich einmal oder zweimal wöchentlich vor dem Unterricht – was  bedeutete, schon zur „nullten“ Stunde anwesend zu sein. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob der Gebetskreis während der gesamten Schullaufbahn aller unserer Kinder bestand und wie viele Mädchen und Jungen tatsächlich daran beteiligt waren. Sicher bin ich mir aber, dass außer einer einladenden Notiz am „Schwarzen Brett“ und Mund-zu-Mund-Propaganda  der Initiatoren keine weitere Öffentlichkeit hergestellt wurde.  Sicher bin ich mir darüberhinaus auch, dass es nicht um „demonstrare ad oculi“ ging,  mit der die eigene Frömmigkeit zur Schau gestellt werden sollte. Es ging den Jugendlichen tatsächlich um Kontemplation und Gebet, Sammlung, Bitte, Fürbitte, Dank, für sich und alle, die zum Schulleben gehörten.

Zu der Zeit, denke ich, war es eher verpönt beim Beten erwischt zu werden, das war nämlich extrem uncool und wer wollte das schon sein?! Eines unserer Kinder wurde eine zeitlang von guten Freunden gehänselt, weil wir als Familie regelmäßig zum Gottesdienst gingen; auch ein netter Nachbar meinte eines Sonntagsmorgen spöttisch lächelnd: „Na, geht es wieder zum Beten?“    Gebet war eben nichts für moderne und aufgeschlossene Menschen.

Auch heute scheint dieser Trend ungebrochen.

Umso mehr müsste es mich doch freuen, wenn ich in einer Zeitung, respektive ihrer Onlineausgabe lese, dass Schüler in der Schule beten wollen, und es könnte mich gewaltig ärgern, dass die Schulleitung das untersagte.

Nun handelt es sich bei den Gebetswilligen nicht um Jugendliche, die sich ins stille Kämmerchen zurückgezogen haben, um dort ihr Gebet an Gott zu richten. Sie haben ein Gebets-Event veranstaltet in ihrer Schule, „demonstrare an oculi“   gewissermaßen, und die Betonung liegt tatsächlich auf demonstrare, demonstrativ, die Schulleitung nannte es gar „provokativ“ und untersagte diese Form des öffentlich zur Schau gestellten Gebets.

Verschiedene Online-Medien haben sich dieser Sache angenommen, nachdem zunächst bei Facebook der Brief  eingestellt worden war, den die Schulleiterin an das Kollegium geschrieben hatte und  in dem sie anordnet, Verstöße gegen das Gebetsverbot zu melden. Offenbar hatte dieses Schreiben  so hohe Wellen in der Facebook-Community geschlagen, dass auch die örtlichen Zeitungen über die Maßnahme berichteten.

Hier kann man es nachlesen:

Schule verbietet muslimischen Schülern „provozierendes Beten“

Es gehört nicht viel dazu sich vorzustellen, welch eine „Ungeheuerlichkeit“  dieses Verbot für viele Muslime darstellt. Welt-Online verzichtet leider in dem Bericht auf die Stellungnahme der Schulbehörde, die sagt nämlich auf die Frage der Rechtmäßigkeit eines solchen Verbots:

„Die Schulleiterin hat dazu die Möglichkeit im Rahmen des Hausrechts. Das verfassungsmäßige Gebot des Funktionierens des Schulbetriebes und des Bildungsauftrags Art 5 GG, geht der Religionsausübungsfreiheit vor.“

Quelle

Wenn tatsächlich, wie  „Der Westen“ berichtet,  sowohl Lehrer wie auch Schüler sich durch die demonstrative Art des Betens bedrängt fühlen, hat die Schulleitung die Pflicht, sich der Sache anzunehmen.  Das wird zwar  von der Bezirksregierung ausdrücklich bestätigt, allerdings nicht in der Weise, dass sie selbst energisch für den Erhalt des Schulfriedens eintritt und ihrerseits das öffentlich zur Schau gestellte Beten in einer staatlich-säkularen Bildungseinrichtung verbietet. Denn das ist doch der eigentliche Grund für das Verbot. In den offenen Räumen der Schule, die von allen Schulangehörigen genutzt werden, werden diese Gebete verrichtet –  vermutlich während der Pause, wenn allgemeines Kommen und Gehen auf den Gängen und in den Toilettenräumen (siehe Bericht) herrscht.

Auch relativ phantasielose Menschen könnten sich doch leicht das Szenario ausmalen, wenn sie sich an ihre eigene Schulzeit erinnern, wie viel mehr ist es aber Leuten geläufig, die in  deutschen Bildungsanstalten ihren Dienst verrichten:

Man   (Junge / Mädchen  – auf die gendergerechte Sprache verzichte ich )  will zur Toilette, im Gang davor stolpert man bereits an einem auf dem Gebetsteppich liegenden Beter vorbei, der noch dazu akribisch darauf bedacht ist, dass kein „Unreiner“ seinen Teppich betritt und möglicherweise sogar heftig wird, wenn das versehentlich doch passiert. Im Waschraum sind zwei von drei intakten Waschbecken belegt von jugendlichen Muslimen, die gerade ihre Füße der rituellen Waschung unterziehen…   Es kommt zu einer leichten Auseinandersetzungen, denn Jugendliche in dem Alter sind selten auf höfliche Umgangsformen bedacht….  „Musst du deine dreckigen Füße ausgerechnet hier waschen?“  Die Frage könnte doch gestellt werden, selbst wenn die Füße nicht dreckig wären, wovon man bei fünfmaligem Gebet am Tag mit jeweils fünf Fußwaschungen durchaus ausgehen kann. Der Aufsicht führende Lehrer ist genervt, wie soll er damit umgehen, dass sich einige Mitschüler über das Gebets-Event beklagen, andere darüber, dass sie beleidigt werden, WEIL sie beten.

Hat jemand, der hier regelmäßig liest, jemals in seinem Leben Aufsicht in einer großen Schule geführt???  Solche und ähnliche Szenen sind eine wahre Freude für alle Beteiligten. Ich frage mich, warum niemand der berichtenden Reporter, die unbesehen davon schreiben,  Leute seien darüber empört, dass die Schulleitung  rassistisch reagiert habe, sich einmal vor Ort das Spektakel während einer ganz normalen Pause  (ganz ohne demonstrative Gebete)  ansehen. Ich bin ziemlich sicher, dass sich allein aus der völlig normalen Situation, die sie an Ort und Stelle erleben, eine andere Sicht und damit auch eine andere Haltung zu dem Geschehen einstellen wird.

Ich vermisse auch den Hinweis darauf, dass es so jungen Leuten durchaus erlaubt ist, die Gebete, die sie nicht nach der gebührenden Ordnung und zu den vorgesehen Zeiten verrichten können, durchaus zu Hause in ihrer gewohnten und dafür auch eingerichteten Umgebung nachholen  zu  können.

Mir drängt sich doch eher der Verdacht auf, dass hier sehr gezielt ein Skandälchen zu Lasten der Schulleitung herbei geschrieben wird, dass Reporter nicht in der Lage zu sein scheinen, die sehr gebräuchliche Schulordnung auch nur einigermaßen wahrnehmen und  nachvollziehen zu können (vielleicht eine sehr späte Reaktion auf den Frust, den sie selbst einst mit Schulleitung in ihrem Schülerdasein erlebt haben?).

Von der falschen Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle derjenigen, die für sich in Anspruch nehmen, der Religion des Friedens anzugehören und  sich dabei (immer) so schnell ereifern, wenn es um die vermeintliche Begrenzung ihrer vermeintlichen Rechte geht, will ich hier gar nicht erst schreiben. Und auch nicht davon, dass ich das zur Schau getragene muslimische Gebet für ein Machtspiel halte, in dem die Jungen vielleicht sogar instrumentalisiert wurden von den Imamen ihrer Moschee. Und ich will auch nicht darüber spekulieren, inwieweit diese Aktion eine Reaktion auf die derzeitige Diskussion um DITIB ist…

Das lässt heute meine Befindlichkeit einfach nicht zu.

Mich erinnert dieser Vorfall  jedoch sehr an das    Stück     Stoff  ,  das viele der Trägerinnen  ebenfalls aus scheinbar religiösen Gründen tragen, mit dem man aber prima demonstrieren kann, anders zu sein als die anderen, besser zudem und vielleicht sogar nicht dazu gehören zu wollen zu der Gemeinschaft der ganz normalen Bewohner dieses Staates:  Atheisten,  Christen, Juden Agnostiker, Heiden, Buddhisten, Naturreligionsanhänger und wer weiß noch was… und eben auch anders  sein zu wollen,  als die  völlig unauffällig hier lebenden Muslime, ohne Gebetsteppich im (Schul)Gepäck und Kopftuch oder Niqab .

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Opa liest vor…. 18. November, 2016

Posted by Rika in aus meinem kramladen, eltern, familie, lesen, schule - kinder.
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in der Schule des Enkelkindes nämlich.

Heute ist der „Bundesweite Vorlesetag“  –   und die Schule des Enkelkindes hatte schon vor einiger Zeit nachgefragt, ob Großväter oder Väter an diesem Freitag in der Schule vorlesen könnten.

Und Opa konnte.

Ausgerüstet mit Brille und ‚Vorlesehut‘ (meinem Strohsonnenhut) machte er sich auf den Weg. In der Schule trafen sich  weitere Großväter, Väter und sogar ein „Promi“, um einer jeweils kleinen Gruppe aus einem schon vor gut 10 Tagen ausgewählten Buch vorzulesen.

Sehr vergnügt kam der Liebste nach Hause, erzählte von seiner Erfahrung als Vorleseopa und der Freude, die er dabei empfunden hatte.

Opa ist ein sehr erfahrener Vorleser.

Jeden Abend – na, fast jeden Abend –  hat er für unsere Kinder vor dem Schlafengehen  Geschichten gelesen, Astrid Lindgren war die bevorzugte Autorin. So kamen Michel, Ronja, die Löwenherz-Brüder und viele andere Gestalten der Astrid-Lindgren-Welt in unser Haus. Ich bin sehr froh, dass der Liebste all die Jahre lang diese wichtige Tätigkeit übernommen hatte. Nicht, dass ich nicht gern gelesen hätte, aber eine seit meiner frühen Kindheit bestehende  Besonderheit machte und macht mir das Vorlesen schwer – und nicht nur das Vorlesen, auch das  stille Lesen so ganz für mich allein:

Ich weine,   heule wie ein Schlosshund, schniefe und schnaufe und die Tränen laufen mir in wahren Sturzbächen über das Gesicht.

Schon meine Eltern erkannten sofort an meinen völlig verheulten Augen,  dass ich etwas gelesen hatte, was mich bewegt – und es waren nicht unbedingt traurige Schnulzen…

Jetzt ist es der Liebste, der mich  manchmal beim Lesen beobachtet und natürlich genau merkt, wenn ich wieder ergriffen bin von dem was da schwarz auf weiß gedruckt in mein Leben einbricht. Manchmal neckt er mich dann und bricht damit den Bann, der mich im Weinen gefangen hält.

Als ich das erste Mal in Vertretung des Vaters für die Kinder das abendliche Ritual vollziehen wollte  – die überaus traurige Geschichte von den Brüdern Löwenherz stand auf der Agenda  –  und ich schon nach drei Sätzen kaum noch  sprechen, geschweige denn lesen konnte, waren meine Kinder zutiefst verstört,  „Was ist denn los, Mutti?“ war ihre bange Frage.

Nichts! Gar nichts! Aber die Geschichte ist so herzzerreißend, so traurig oder freudig, so spannend oder zart, dass mir prompt das Wasser in die Augen steigt, die Stimme brüchig wird, der Hals eng, so eng, dass es einfach nicht weiter gehen will mit der Leserei.

Dabei ist es doch  beinahe egal, ob ich eine Geschichte der berühmten Schwedin vorlese oder ein Sachbuch über  was auch immer. Denn ich bin auch ergriffen von den Wundern der Natur, den phantstischen Beschreibungen historischer Ereignisse, biblischen Geschichten  oder ganz sachlich einfach nur von genialem Erfindergeist. Ich schlucke und atme schwer, selbst wenn ich ganz profane Dinge erzähle, aber eben solche, die mich berühren – und mich berührt fast alles.  (Es kann gut sein, dass ich,  gleich wenn ich dem Liebsten diesen kleine Blogeintrag vorlesen will, über meine eigenen wenigen Sätze so gerührt bin, dass ich heulen muss…  ist schon mal vorgekommen)

Die Heulerei über das was mich bewegt, ist ein Familienerbe.

Mein Vater – auch er erzählte und las vor –   konnte prima heulen, manchmal fand ich das nicht so passend.   Sein Vater las mir zwar nicht vor, aber  in manchen  Familiengesprächen, deren stille Zeugin ich als Kind noch war, rührten meinen Großvater bestimmte Themen zu Tränen, die Stimme zitterte  und das verdächtiges Glitzern lag in den Augen.  Mein lieber Cousin väterlichseits leidet ebenfalls am „weinenden Erbe“ und auch mein Bruder ist nicht davon verschont. Natürlich haben wir diverse Techniken entwickelt, um die größten Peinlichkeiten zu vermeiden, aber so richtig will zumindest mir das nicht gelingen.

Und darum liest Opa vor.

Opa liest mit  Begeisterung. Voller Lust und Freude.

Und nicht nur den Enkeln oder den Kindern in der Schule ….  manchmal auch mir…. in der blauen Stunde …. wenn  draußen das Licht ganz zart den frühen Abend ankündigt  und  es drinnen ganz heimelig wird….

…. und jetzt muss ich schon wieder heulen….

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… 7. September, 2016

Posted by Rika in aus meinem kramladen, eltern, familie, gesellschaft, Kinder - Famile, schule - kinder.
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… der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Daran musste ich bei der Einschulung des ersten Enkelkindes denken.

„Auf dem Dorfe“, so sagte schon der für unsere Schule zuständige  Schulrat vor gut 25 Jahren, „ist die Welt noch in Ordnung!“

Und dem ersten Eindruck und äußeren Schein nach zu urteilen, ist das heute wohl auch noch so.

Die Einschulung wird gefeiert,   29 Kinder beginnen den „Ernst des Lebens“  mit ihren Eltern und vielen Verwandten in der gemeinsamen Dorfkirche zweier Dörfer am Rande der großen Stadt. Jeder Platz in der Kirche ist besetzt, Väter, Mütter, Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten der i-Männchen sind gekommen, um  die kleinen Schulanfänger bei diesem wichtigen Schritt zu begleiten. Fröhliche und kindgerechte Lieder werden gesungen und der Pastor hält eine wunderbare und bemerkenswerte Predigt für die Kinder – und ein bißchen auch für die Erwachsenen. Um einen Hut geht es in der Predigt, darum, wozu so ein Hut gut ist: Er schützt vor zuviel Sonne, vor Wind, Regen oder Kälte und selbst vor neugierigen Blicken. Das verstehen wirklich alle.  Das Wort „Hut“, erklärt der Pastor weiter, steckt in dem Wort „behütet“. Und das wünscht er den Kindern, behütet zu sein auf ihrem weiteren Weg – nicht einfach nur mit einem Hut, versteht sich, sondern von GOTT selbst, der Hilfe und Schutz sein will in den herausfordernden Situationen des neuen Lebensweges. Ja, das verstehen auch alle…  wenn vielleicht auch nicht jeder Anwesende um diesen Schutz weiß oder gar darum bittet.

Doch der Pastor bittet darum für alle Kinder und die Eltern, Geschwister und Großeltern und legt jedem neuen Schulkind segnend die Hände auf und stellt jedes Kind unter Gottes Segen.  Am Verhalten einiger Erwachsener ist abzulesen, dass ihnen Kirche und Gottesdienst gänzlich fremd sind. Aber auch sie gehören hier in der Kirche ganz selbstverständlich dazu.

„Auf dem Dorf“, denke ich, „geht das noch, ohne dass zuvor darüber debatiert werden muss“ und bin dankbar für diesen wunderbaren segensreichen Einschulungsgottesdienst.

Im Anschluß ziehen wir alle in langer Prozession hinter einem bunt geschmückten Bollerwagen*** her  ins Nachbardorf zur „großen“ Schule, in deren Turnhalle die „Neuen“ von der Schulleiterin und allen Lehrerinnen begrüßt werden und die Viertklässler ein Theaterstück für die neuen  Mitschüler aufführen.  Die 29 Kinder werden auf zwei Klassen verteilt, 17 Kinder bleiben in der „großen“ Schule, für die anderen 12 geht es zurück ins Nachbardorf und in die „kleine“ Schule….  Dort wird das Enkelkind also seine ersten Schuljahre verbringen. Wie schön!

 

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„Auf dem Dorf herrscht doch noch das Paradies“ meinte der ehemalige Schulrat …. und Recht hat er. Zumindest was dieses Dorf angeht und seine kleine Schule mit einer winzig kleinen Schar neuer Grundschüler.   Dankbar bin ich für die Eltern, Lehrer und die politisch Verantwortlichen, die sich für den Erhalt der kleinen Grundschule eingesetzt haben und immer noch einsetzen. Das ist nicht selbstverständlich, wie ich aus eigener Anschuung und vielen Kämpfen in früheren Jahren weiß.

Im Haus des i-Männchens wurde mit der ganzen Familie kräftig gefeiert…  wir  Erwachsenen erinnerten uns an die Einschulung  der Eltern, Onkel und Tanten des neuen Schulkindes… auch damals gab es den Gottesdienst in der Dorfkirche, die Einschulungsfeier in der Aula der Schule… die Aufregung der Kinder… Tränchen der Rührung und des bewußten Abschiednehmens von einem wichtigen Teil der Kindheit ihres Kindes  bei den Eltern…   Lieder und Theaterspiele…..     und  Schultüten!      Waren die damals auch schon so reich gefüllt…?

 

Und die Gedanken gingen zurück in meine eigene Kindheit. Wie war das damals vor 60 Jahren bei meiner Einschulung, waren die Eltern, waren Oma und Opa mit dabei, ich meine, in der Schule? Gab es eine Feier in der Klasse für die neuen i-Männchen – eine Aula oder Turnhalle hatte meine Schule nicht.

Ich weiß es nicht mehr, aber ich meine mich daran zu erinnern, dass wir in der ersten Schulstunde ein Lied lernten: „Schön ist die Welt, drum Brüder laßt uns reisen, wohl in die weite Welt, wohl in die weite Welt…“

Der Meinige erzählte, dass er der einzige „Knabe“ gewesen sei, der in der einklassigen Dorfschule eingeschult wurde. So vermerkt es jedenfalls die Dorfchronik des kleinen Dorfes, in dem seine Familie damals als Flüchtlinge  Rettung und Unterkunft gefunden hatte.

 

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***Der geschmückte Bollerwagen mit den Schultüten, die von den  Müttern der Schulkinder gebastelt worden waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich glaube, mein Schwein pfeift…. 2. März, 2016

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, integration, islam, migration, schule - kinder, sharia, wahlrecht.
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sagte man früher wenn man seine Fassungslosigkeit oder sein Erstaunen über eine Situation, ein Ereignis oder eine Behauptung ausdrücken wollte.

Und das ist genau das, was ich hiermit tun will!

Allerdings, Schweine pfeifen in der Regel nicht, sie quieken allenfalls, wenn sie sich in Gefahr wähnen…. ich weiß das, der Bauer von gegenüber hat noch  vor etwa  20 bis 25  Jahren regelmäßig in seinem Hof ein oder zwei Schweine geschlachtet… wir konnten das Quieken deutlich hören… und sahen dann das geschäftige Treiben und das Schwein auf der Leiter. Anschließend war Schlachtefest angesagt. Das war damals so üblich auch in unserer Gegend und vermutlich wird es in vielen bäuerlichen Gegenden heute noch so gemacht.

Aber zurück zum Thema: Ich glaube, mein Schwein pfeift!

23 Jahre habe ich als Werk- und Hauswirtschaftslehrerin an Sonder-, respektive Förderschulen  gearbeitet. Die Zubereitung von Gerichten mit Schweinefleisch gehörte ganz selbstverständlich in meinen von den Rahmenrichtlinien gedeckten Unterrichtsplan. In den 6 Jahren vor der 15 Jahre währenden Kinderpause gab es nie auch nur die kleinste Kritik daran, Schweinefleisch zu essen. Es wär an dem damaligen Schulstandort in der Abgeschiedenheit eines nordhessischen Dorfes auch sehr, sehr merkwürdig gewesen, wenn irgendwelche Eltern sich negativ zum Schweinefleisch geäußert hätten.

Bei einem Schlachter machte ich die nähere Bekanntschaft mit dem Handwerk des Schweineschlachtens, betreuten wir Lehrer doch unsere Schüler in den diversen Berufspraktikumsstellen. In aller Herrgottsfrühe fand ich mich beim besten Metzger des Dorfes ein, Meister und Gesellen und auch mein Schüler standen schon bereit. Ein Wagen fuhr vor, 4 oder 5 Schweine, so genau weiß ich es nicht mehr, wurde ausgeladen und vorübergehend in einem kleinen Gehege untergebracht, bis eines nach dem anderen zunächst mit dem Bolzenschußapparat betäubt, dann mit dem Messer abgestochen und den sich anschließenden Arbeitsgängen überlassen wurde… Abbrühen, entfernen der Borsten, abspülen, den Bauch öffnen und alles ausnehmen, was darin befindlich war…  Bis zu diesem Punkt habe ich alles mit angesehen, es war übrigens das erste Mal – und blieb auch das einzige Mal – , dass ich dieser Prozedur beiwohnen konnte. Dann bekam ich einen Schnaps auf meine bestandene „Erstschlachtung“….   das Schwein tat mir zwar ein bisschen leid, aber Wurst, Schinken und Fleisch aß ich auch weiterhin in Maßen und mit Vergnügen.

Nach der Kinderpause – wir lebten bereits im Land mit den meisten Schweinezuchtbetrieben, im schönen Niedersachsen – unterrichtete ich nun mehr ausschließlich das Fach  „Hauswirtschaft“, von den Schüler der Einfachheit halber „Kochen“ genannt. Und das taten sie mit Vergnügen: KOCHEN,  die lästige Ernährungslehre und die unweigerlich notwendigen Abwasch- und Aufräumarbeiten mehr oder weniger  billigend in Kauf nehmend. In den ersten Jahren hatten wir nur zwei oder drei muslimische Schüler an der Schule, die allesamt vollkommen säkular lebten, d.h. irgendwelche zu beachtenden Speisevorschriften gab es nicht. Das änderte sich im Laufe der Zeit. Und ich musste immer häufiger Rücksicht nehmen auf meine muslimischen Schüler. Nicht nur, dass sie kein Schweinefleisch essen durften, es war auch darauf zu achten, dass in Würstchen, die als Geflügelwürstchen ausgewiesen waren, nicht trotzdem Schweinefleisch verarbeitet war, was übrigens sehr oft der Fall ist. Auch das Kleingedruckte auf den Zutatenlisten ist genauestens zu beachten, nicht selten taucht dort der Begriff „Gelatine“ auf, die in aller Regel ebenfalls vom Schwein gewonnen wird. Ich hatte  – und habe es immer noch – viel Verständnis für diese besonderen Bedingungen, denen muslimische Kinder und Jugendliche unterworfen sind.  Ich lernte von meinen Schülern auch, dass es nicht einfach genügt, statt des Schweinefleischs eine Alternative anzubieten, ich musste auch darauf achten, dass die übrigen Lebensmittel für die muslimischen Schüler in einer  getrennten „Küche“ zubereitet wurde. (Mit Küche bezeichneten wir die 4 verschiedenen Küchenzeilen innerhalb der großen Küche, in denen jeweils 2 oder 3 Kinder gemeinsam arbeiteten). Einer meiner Schüler machte mich nämlich eines Tages darauf aufmerksam, dass  Geschirr, Besteck und Küchengeräte auf gar keinen Fall mit „Schwein“ in Berührung kommen dürfe.

In Israel hatte ich vor Ort und bei lieben Freunden das Prinzip der Trennung zwischen „milchigen“ und „fleischigen“  Speisen in Tat und Tun kennen gelernt (per Lektüre war es mir schon bekannt), das ja ebenfalls streng drauf achtet, Milchiges und Fleischiges nicht mit gleichem Geschirr und in gleichen Töpfen zuzubereiten oder anschließend im gleichen Spülbecken zu reinigen.

Ich konnte mich also gut auf diese Bedingungen einlassen.

Ich hätte aber niemals darauf verzichtet, Schweinefleisch zu verarbeiten „nur“ weil meine muslimischen Schüler es nicht essen durften. Es gab immer eine Alternative, wobei ich ehrlicherweise bekennen muss, dass manchmal die Alternative darin bestand, dass die Muslime das  Fleisch einfach nur weglassen und sich deshalb mit den Beilagen begnügen mussten. „Kochen“ in der Schule will ja auch bezahlt sein und oft genug habe ich aus meinem privaten Geldsäckel etwas zugegeben.

Mit der Zeit wurde das Vorgehen ganz normal,  einfach zur  Macht der Gewohnheit, Dinge so oder so zu regeln.

Darum kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, dass sich Mensen an Kitas, Schulen und Unis, in Firmen, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen  den Zwang auferlegen, auf Schweinefleisch generell zu verzichten, um Muslimen nicht das gemeinsame Essen schwer oder unmöglich zu machen. Mit etwas gutem Willen lässt sich das doch regeln. So wie es ja in größeren Einrichtungen auch längst Usus ist, täglich ein vegetarisches Gericht anzubieten – und das ist nicht mehr der Milchreis, wie es noch zu meinen Studentenzeiten üblich war. Meine Tochter war immer total begeistert von der Vielfalt der Speisen aus denen sie in ihrer Uni-Mensa auswählen konnte.

Geradezu lächerlich finde ich darum die Erwiderung,  der in ihrer Volkserziehungbessenheit  unverbesserlichen Grünen (und neuerdings auch Mitglieder anderer Parteien),  auf den Vorschlag der CDU in Schleswig-Holstein, Schweinefleisch nicht verpflichtend vom Speiseplan zu entfernen.

So schreibt Frau Göring-Eckardt beispielsweise auf Twitter:

Witzig: fordert Integrationspflicht für Vegetarier. Unsere heißt Mettbrötchen! http://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Schweinefleisch-Pflicht-in-oeffentlichen-Kantinen 

 

Das ist so strunzdumm, dass es fast schon wieder amüsant daherkommt, wäre es nicht als typisch grüne Provokation geschrieben.

Mit Sicherheit hat die CDU nicht gefordert, dass Tag für Tag auf jedem Speiseplan jeder Mensa ausschließlich „Schwein“ zu stehen habe…

 

Herr Lindner von den Liberalen gibt sich auch in Ernährungsfragen ganz liberal,  wenn er schreibt:

 

Erst , jetzt . Verrückte Idee:wie wäre es, wenn einfach jeder selbst entscheidet was er isst?CL

 

 

Was darf es denn kosten? 28. Mai, 2015

Posted by Rika in berufstätigkeit, bezahlung, eltern, erzieher, erzieherinnen, familie, familienpolitik, frauen, gewerkschaft, horterziehung, jugendamt, Kinder - Famile, kita, mütter, soziale arbeit, streik, tarife, väter.
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Was ist sie uns  wert, die Betreuung unserer Kinder?

Wieviel wollen wir investieren in das Krisenmanagement für den sozialen Zusammenhalt von Familien und Gesellschaft?

Männer und Frauen die Eltern werden,  sollen nach Wunsch „der Wirtschaft“ (wer und was ist das eigentlich?) möglichst schnell nach der Geburt eines Kinders wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen zur Wertschöpfung für Betrieb und Gesellschaft.

Und die Kinder?

Die sollen nach dem Willen der meisten Politiker außer Haus – sprich, außerhalb ihrer Familie – von dazu eigens ausgebildeten Menschen nicht nur betreut (im Frühstadium der kindlichen Entwicklung gewickelt, gefüttert, bespaßt), sondern mit zunehmendem Alter auch  pädagogisch wertvoll (und selbstredend  der Gesellschaft dienlich)  allumfassend erzogen werden. Konkret heißt das, ein gerade dem Säuglingsalter entwachsenes Kleinstkind kommt mit 1 Jahr in die Krippe, durchläuft anschließend den auf die Schule vorbereitenden Kindergarten und wird als Schulkind „im Ganztag“ beteut, also bereits vor dem eigentlichen Unterrichtsbeginn bis in den späten Nachmittag hinein, solange eben, bis die Eltern von ihrer wertschöpfenden Arbeit nach Hause kommen.

Wenn man sich den Zeitplan eines Kindes im Kindergarten- und Grundschulalter vorstellt, das morgens zwischen 6.30 und 7.00 Uhr erwacht und abends gegen 20.00h zu Bett geht, in den ca 12 – 13 Stunden  dazwischen aber an 5 Tagen der Woche mindestens ein Drittel der Zeit im Kindergarten und  als Schulkind mehr als die Hälfte der Zeit in Schule und Hort zubringt, so wird man doch rasch feststellen, dass wesentliche „Betreuungs- und Erziehungsarbeit“ aus der Familie in die Institution Kindergarten-Schule-Hort verlagert wird und „fremde“ Personen anstelle der Eltern prägenden Einfluss auf die Kinder nehmen, sie fördern und fordern, trösten, ermahnen, mit ihnen spielen, lachen singen, ihre kognitiven, musischen und sportlichen  Fähigkeiten individuell fördern (das ist zumindest der Plan!) und ihnen als Ansprechpartner in schwierigen Situationen Beistand bieten.

Das, was in Wahlkampfreden gerne mit „Kinder sind unsere Zukunft“ plakativ verkündet und gepriesen wird, dieses hohe Gut einer Gesellschaft, wird aber in geradezu sträflicher Weise mit einem Minimum an finanzieller Ausstattung versorgt. Damit meine ich, dass sowohl die Zahl der Betreuungs- und Erziehungspersonen in Kitas und Horteinrichtungen in keinster Weise dem geforderten und erwarteten Bildungsauftrag (s.o.) entspricht, wie auch  die Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher nicht im geringsten ihrer verantwortungsvollen Arbeit gerecht wird.

Das geht nicht zusammen.

Man kann nicht qualitativ hochwertige Erziehungsarbeit erwarten, aber nur wenig dafür bezahlen wollen.

Man kann auch nicht erwarten, dass eine Erzieherin / ein Erzieher im Hort  eine Gruppe von 25 Kindern betreut und jedem dieser Kinder so gerecht wird, als würde  dieses wie zu Hause –  als eines von zwei oder maximal drei Kindern –  durch eine einzelne Person (Mutter oder Vater) betreut. Das kann nicht funktionieren. Die Hortbetreuung unterscheidet sich elementar von der schulischen Versorgung – und selbst in der Schule ist der Schlüssel von 1 : 25  doch mehr als problematisch, bleiben Kinder auf der Strecke, weil sie nicht individuell gefördert werden können… wie auch?!

(Ich könnte von einer Horteinrichtung berichten, in der es innerhalb von drei Monaten nicht eine einzige Woche gab, in der alle (5!) tätigen Erzieher-Innen für die 5 Gruppen tatsächlich an jedem Tag auch anwesend waren. Fällt eine Person aus, werden die Kinder der betroffenen Gruppen eben auch noch auf die anderen Gruppen verteilt. Das macht Stress für Kinder und Betreuer, schränkt die ohnehin so geringe Individualzeit für jedes Kind noch weiter ein, führt zu einer dauerhaften Überlastung der unter solchen Bedingungen Arbeitenden.  Und das ist keineswegs die Ausnahme, sondern eher die Regel!)

Was ist sie uns wert, die Arbeit an und mit unseren Kindern?

Und wem schieben wir die Schuld in die Schuhe, wenn es im familiären System mal nicht rund läuft? Wer holt die Kuh vom Eis, oder besser noch, wer verhindert, dass es zu Katastrophen kommt in Familien, die nur dem Namen nach Familie sind, aber eigentlich ein Ort des Schreckens für alle an ihr beteiligten, ob Kinder oder Eltern – Vater, Mutter einzeln oder als Paar?

Und wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist…. und dies nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich zu Schaden gekommen ist, wer rückt dann in den Fokus und muss sich Kritik, die eher heftigster medialer Beschimpfung gleich kommt, gefallen lassen, ohne dass der zuständige politische Verantwortliche sich reumütig gegen die Brust schlägt und sein eigenes Versagen eingesteht?

Machen sich die Leute, die die Forderungen der Sozialarbeiter und Sozialpädagogen nach einer besseren Eingruppierung ihrer finanziellen Vergütung angesichts des gerade währenden Streiks kritisieren,  eigentlich klar, was es für  die jeweils betreffenden Sozialarbeiter im Jugendamt bedeutet, wenn  ein Kind aus einer völlig desolaten Familiensituation genommen werden muss, wie schwierig es ist abzuwägen was mehr zählt, die elterliche Freiheit oder das Wohl des Kindes, das Recht der Frau auf 5 Kinder von 5 verschiedenen Männern, die dann jeweils ein ziemlich erbärmliches Gastspiel als „Vater“ geben, oder das Recht des Kindes auf geordnete Verhältnisse, in denen die Bedürfnisse des Kinders nicht ständig dem vermeintlichen oder tatsächlichen Recht der Mutter auf selbstbestimmtes Leben untergeordnet werden? Und gibt es eine Statistik, die festhält, wieviele Beratungsgespräche geführt werden, weil Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder restlos überfordert sind, weil die Kommunikation in den Familien praktisch nur noch einer kriegerischen Auseinandersetzung gleicht, weil Eltern ihre Kinder nicht verstehen und Kinder und Jugendliche an ihren Eltern verzweifeln? Wird darüber Buch geführt, wie sehr die geleistete Beratung der Familien dazu beiträgt, dass nicht das gesamte Leben der Betroffenen aus den Fugen gerät und man einen Modus findet, zumindest vernünftig miteinander umzugehen? Und hat diese  Arbeit mit den Familien nicht auch einen hohen gesellschaftlichen Wert, weil die Zukunft der Kindern nicht länger hochgradig belastet oder gar ganz zerstört ist, weil Eltern wieder den Kopf frei bekommen und eine Perspektive für sich und ihre Kinder entdecken?

Können sich die zuständigen Politiker überhaupt vorstellen,  WIE schrecklich es in manchen Haushalten und Familien aussieht und das Kinder zugrunde gehen, weil ihre Mütter und Väter unfähig sind, das eigenen Leben zu bewältigen, geschweige denn auch noch für Kinder zu sorgen?

Wenn ein Kind zu Tode kommt – und leider passiert das selbst dann immer wieder, wenn das Jugendamt bereits ein Auge auf die Familie geworfen hat -, ist das Geschrei groß. Aber ist irgendeiner derjenigen, die auch über die finanziellen Mittel für die personelle Versorgung der Jugendämter zu entscheiden haben auch nur ansatzweise bereit, mehr Geld zu inverstieren? Und „ein Auge“ ist entschieden zu wenig, aber mehr geht doch gar  nicht, weil die Zuständigkeit  des einzelnen Mitarbeites im Jugendamt für Jugendliche und Familien so bemessen ist, dass die Zeit einfach nicht  ausreicht, um alle „Fälle“ gleichermaßen ständig „im Auge“ haben zu können.

Was darf sie also kosten, die leider so nötige „Jugend- und Sozialpflege“?

Wenn in den Medien immer mehr Kritik an den Streikenden geübt wird, so macht das doch deutlich, wie wenig Wertschätzung der sozialen und pädagogischen Arbeit  zuteil wird, wie wenig im öffentlichen Bewusstsein der Wert „unserer Kinder“ wirklich verankert ist und dass es leider auch den Eltern, die jetzt mit zunehmender Kritik reagieren, doch vor Allem doch um den eigenen Arbeitsplatz geht und erst in zweiter Linie um das Wohl der Kinder. (Die Einschränkung dieser etwas provokanten Formulierung findet sich hier: „Kind und Karriere gut vereinbar“ Nicht allen Müttern ist es vergönnt, zu Hause bleiben zu können, selbst wenn sie es wollten. Etliche MÜSSEN zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und viele tragen ihn ganz allein! )

Was würde denn passieren, wenn sich tausende Eltern von ihrer Arbeitsstelle abmeldeten,  weil sie ihre Kinder betreuen müssen und eben nicht mit letzter Kraft irgendwelche Betreungsmöglichkeiten organisieren und bereitstellen, damit sie der Arbeitswelt erhalten bleiben? Wären nicht auch die Arbeitgeber berufstätiger Mütter und Väter aufgerufen, sich aktiv für eine bessere Betreuungsversorgung einzusetzen?

Tragt die Diskussion um die gerechte Betreuung unserer Kinder in die Betriebe, Firmen, Anwaltskanzleien, Fabriken, Geschäfte, Verwaltungen, nicht nur der Städte und Gemeinden, auch die der Krankenhäuser und  Großkonzerne. Macht „der Wirtschaft“ klar, dass es ohne gute und auch gut bezahlte Betreuungsarbeit nichts ist mit Wertschöpfung und Bruttosozialprodukt, dass für das Funktionieren der Gesellschaft eben nicht nur die „produktive“ Arbeit  wichtig ist, sondern der Arbeit in dem sozialen Bereich eine mindestens ebeno große Bedeutung zukommt und darum auch entsprechend gut ausgestattet und bezahlt werden muss.

Wenn Familien eine gute finanzielle Basis haben sollen an der beide Eltern durch Berufsarbeit mitwirken  und dennoch Kindern eine gute Betreuung zukommen soll, müssen wir es uns als Gesellschaft etwas kosten lassen….

Und sage niemand, dass das nicht machbar sei in diesem Staat.

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Vor drei Jahren habe ich bereits Ähnliches geschrieben:

Kinder? Nein, danke, woll’n wir uns nicht leisten!

Passend zu dem Thema, wenn auch mit einem anderen Schwerpunkt,  habe ich diesen Beitrag entdeckt:

Aus der Schule geflogen, im Heim gelandet“

Das Urteil zum Tuch …. 13. März, 2015

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mag juristisch völlig richtig  und gut begründet sein, es geht dennoch in die falsche Richtung.

Im Iran, in Afghanistan, in der Türkei vor Erdogan, in vielen Ländern gab es einmal  Zeiten, in denen muslimische  Frauen sich ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit frei bewegen konnten. Erst die rigide Auslegung des Koran unter den Mullahs in Iran, den Taliban in Afgahanistan und die Kehrtwende unter Erdogan in der Türkei zwangen Frauen dort unter die Tücher. (Wobei in  der Türkei „das Kopftuch“ meiner Wahrnehmung nach in großen Städten von prozentual weniger muslimischen Frauen getragen wird als in den größeren Städten hierzulande.

Warum sollen Frauen in unserem aufgeklärten Deutschland aber diesem Zwang ausgesetzt sein – und sage mir niemand, dass es gar keinen Zwang gebe   (Die Schule in Neu-Ulm lässt grüßen aus der Ferne!) Und was ist von den Muslimas zu halten, die das Ding demonstrare ad oculi spazieren führen, nicht weil sie besonders fromm sind, sondern weil sie sich ganz bewusst von der nicht-muslimischen Mehrheitsgesellschaft abgrenzen und abwenden wollen. Das alles wird von dem Urteil  aber in Zukunft abgedeckt. Den Preis bezahlen die Mädchen und Frauen, die aus den alten Traditionen ausbrechen wollen und nicht dürfen und denen muslimische, Kopftuch tragende Lehrerinnen künftig als „Vorbild“ vor die Nase gesetzt werden.

Das macht mich fassungslos.

Und noch etwas ärgert mich zutiefst:

Die Ausführung dieses Urteils bleibt doch an den Leuten an der untersten Stelle der Verantwortlichkeit  hängen, an den Schulleitern, die nun auch noch darüber entscheiden müssen, ob der Schulfriede durch eine Kopftuch tragende Lehrerin gestört wird oder nicht.

Ich sehe es schon vor meinem geistigen Auge: Lehrerzimmer einer mittelgroßen Grundschule, 18 Frauen, 3 Männer….  Zwei der Frauen beschließen aufgrund des Urteils, das Kopftuch nun auch außerhalb des „Reli“ zu tragen… 3 Kolleginnen ist das gänzlich egal, 4 sind pikiert, 4 weitere stimmen jubelnd zu und der Rest mag sich nicht äußern, um nicht als rassitisch, islamophob oder unkollegial zu gelten. Die Männer finden Haare zwar auch attraktiver als Tuch, halten aber die Klappe…  Die Zustimmung in der Elternschaft ist dürftig, die Ablehnung größer und das Murren hebt an. Unter den Schülerinnen nimmt das gegenseitige das Mobbing zu…

Nun soll die Schulleitung es richten…. als hätte die nicht schon genug an der Backe!

Nein, dieses Urteil ist zwar (vermutlich)   juristisch einwandfrei, aber pädagogisch vollkommen unsinnig.  Wer aber ist für Schule zuständig?

Richtig, Pädagogen sind es , Lehrerinnen, Lehrer und im besonders günstigen Fall auch  weitere pädagogische Fachkräfte, Sozialpädaginnen*** und Sozialpädagogen, Erzieherinnen, Erzieher.

Ihnen erweist  man mit diesem Urteil einen Bärendienst.

———————————————————————-

***Eine der Klägerinnen ist Sozialpädagogin, in unseren Medien ist aber wieder einmal ungenau berichtend von „zwei Lehrerinnen“ die Rede, wobei ich noch nicht ganz genau nachgelesen habe, ob das Urteil nur für die angestellten Personen gilt (die Klägerinnen waren nicht Beamtinnen) oder für alle im Schuldienst arbeitenden weiblichen Personen.

„Hetz-Parolen an Grundschulen…. 10. März, 2015

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… Wer das Kreuz malt, kommt in die Hölle“…

ist ein Artikel der „Augsburger Allgemeine“ übertitelt.

Kinder in einer Neu-Ulmer Grundschule haben anlässlich der Anschläge von Paris in einem dazu anberaumten Unterrichtsgespräch mit drastischen Aussagen die Lehrer ihrer Schule (völlig ungeplant und unfreiwillig) geschockt.

Mir geht es hier jedoch nicht um eine weitere kritische Stellungnahme zum Islam, wer hier ab und zu liest, dem ist meine Haltung und Einstellung zu dem Thema bekannt.  Ich möchte das Augenmerk auf ein, wie ich finde,  sehr viel schwerwiegenderes Thema lenken:

Die Verantwortlichkeit der Eltern.

In dem Artikel wird dargelegt, dass die Kinder, die die verstörenden Aussagen über Christen und Juden und den Umgang mit anderen Religionen machten, durch die Imame der Koranschulen indoktriniert seien:

Die Lehrer an der Neu-Ulmer Schule wollen in der Folge wissen, woher die Hass-Sätze stammen, sie haken bei den Schülern nach. Es stellt sich heraus: vor allem aus den Koranschulen, die viele Kinder nach der Schule besuchen. Besonders viele und besonders heftige Aussagen kommen nach Angaben der Rektorin von Schülern, die regelmäßig am Wochenende für mehrere Stunden in einer bestimmten Moschee im Stadtteil Schwaighofen „unterrichtet“ werden….

Damit wird öffentlich den Koranschulen die Verantwortung für die ethisch-moralische Entwicklung der Kinder zugeschustert, die Eltern bleiben damit weitgehend außen vor.

Das finde ich allerdings grotesk! Welches sechs-, sieben- oder achtjährige Kind kommt von sich aus auf die Idee, eine Koranschule zu besuchen? Kinder im Grundschulalter sind zwar neugierig und interessieren sich für alles mögliche, aber ich wage doch sehr entschieden zu bezweifeln, dass die Teilnahme am Koranunterricht in einer Moschee aus eigenem Antrieb erfolgt. Es sind die Eltern, die ihre Kinder dorthin schicken und es sind die Eltern, die ihre Kinder ausgerechnet in einer sehr konservativ ausgerichtete Moschee unterweisen lassen.

Und sind es in aller Regel nicht auch die Eltern, die am ehesten erfahren, was die Kinder gelernt haben? Interessieren sich Mama und Papa nicht dafür, was der Imam gesagt hat? Fragen sie nicht danach, was in der Schule unterrichtet wird?

Ich bin verwundert über diesen Artikel, der die Eltern nur am Rande in der Verantwortung sieht.

Ich habe als Mutter doch jedes Recht und vor allem jede Pflicht, mich darüber zu informieren, was meine Kinder lernen und wenn mir Aussagen von ihnen zu Ohren kommen, die meiner eigenen Vorstellung von Moral, Ethik, sozialem Verhalten oder was auch immer entgegenlaufen, dann bin ich doch in höchstem Maße alarmiert und stelle die Lehrer / Prediger / Pastoren / Jugendleiter oder Erzieher zur Rede und überlasse die religiöse, ethische und soziale Erziehung meiner Kinder nicht länger Leuten, die das Gegenteil von dem erzählen, was mir wichtig ist.

Man kann doch getrost davon ausgehen, dass die Eltern der betroffenen Kinder in Neu-Ulm vollkommen im Einklang sind mit dem, was der Imam ihren Kindern erzählt – und meiner Meinung nach müsste die Schlussfolgerung sein, mit den Eltern in speziell angesetzten Elternabenden über die problematischen Aussagen und Ansichten zu reden. Mit einem Brief an die Eltern, wie er an der betroffenen Schule laut Aussage der Zeitung verschickt wurde, ist es aber nicht getan.

Mir fiel – als ich den Artikel las – auf der Stelle die Geschichte mit  den Steine werfenden „Kindern“ in Hannover anlässlich eines Stadtteilfestes ein. Auch damals fragte ich mich, warum niemand auf die Idee gekommen war, mit den Eltern der Kinder und Jugendlichen zu reden, sie in die Verantwortung zu nehmen.

Kinder schnappen zwar auch außerhalb ihres Elternhauses viel auf von Meinungen und Einstellungen, aber die Basis für ihr Handeln wird zuallererst im Elternhaus gelegt – selbst dadurch, dass Eltern passiv bleiben und ihre Kinder dem „Zeitgeist von draußen“ überlassen. Auch „Nichtstun“  wird in der elterlichen Erziehungspraxis zum  „aktiven Handeln“. Das Vakuum, das durch die mangelnde elterliche Zuwendung und Belehrung entsteht, wird durch andere Leute gefüllt. Und Kinder lernen schnell.

Ich habe seit Jahren ein Beispiel vor Augen:  Meine Tochter hat wunderschöne rote Haare (zwei ihrer drei Brüder übrigens auch). Eines Tages kam sie weinend aus dem Kindergarten, eine ihrer besten Freundinnen hatte zu ihr gesagt, dass rote Haare nicht nur nicht schön, sondern auch ein ausgesprochener Makel seien und in früheren Zeiten Frauen und Mädchen mit roten Haaren als Hexe verbrannt worden seien.

Wie kann ein knapp vier- oder fünfjähriges Kind das wissen, wenn es solche Sätze nicht im Elternhaus oder bei den Großeltern gehört hat?

Mich hat das gleichermaßen nachdenklich wie zornig gemacht, denn ich sah, dass meine kleine Tochter unter diesen Bemerkungen litt! (In Solidarität mit ihr habe ich einen Sommer lang meine blonden Haare rot gefärbt 🙂  )

Es sind wir Eltern, die unseren Kindern die Maßstäbe für ein gutes Miteinander mit auf den Weg geben.

Das gilt auch heute noch, auch wenn die Kinder heute durch die Ganztagsbetreuung in Kitas und Horteinrichtungen stärker als früher „fremden“ Einflüssen ausgesetzt sind.  Eltern (und auch wir Großeltern) haben die Pflicht, genau hinzusehen und achtsam zu sein für das,  was unsere Kinder prägt und mit denen im Gespräch zu sein, denen wir die Erziehung der Kinder in so vielen Stunden des Tages überlassen.

NACHTRAG

Weil Kinder heute weitgehend außerhalb ihres Elternhauses betreut und erzogen werden, ist es umso wichtiger, dass die Menschen, die diese Arbeit leisten, bestens ausgebildet sind und anständig und ihrer verantwortlichen Arbeit gemäß bezahlt werden. Das, die Sache mit der anständigen Bezahlung,  hat sich leider noch nicht in den zuständigen Behörden rumgesprochen, wohingegen sie die gut ausgebildeten  Erzieher und Pädagogen dankend und mit Kusshand annehmen.

Dreiste Provokation…. 20. August, 2013

Posted by Rika in aus meinem kramladen, christsein und glaube, gesellschaft, meine persönliche presseschau.
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… oder absichtsvolle Irreführung?

Wie soll man das verstehen?

Dummejungenstreich?

Stadtteilprobleme?

Drohgebärde?

Provokation?

Falsche Fährte?

In der Papierausgabe meiner Zeitung war diese Überschrift zu lesen:

„Wieder Brandstiftung in Garbsen

Holzschuppen neben Willehardi-Kirche geht in Flammen auf / 5000 Euro Schaden“

Und im Internet findet sich dieser Hinweis:

Brandstiftung neben Willehadi-Kirche

Die Brandstiftungsserie im Garbsener Stadtteil Auf der Horst reißt nicht ab. Drei Wochen, nachdem ein vorsätzlich gelegtes Feuer die Willehadi-Kirche im Orionhof vollkommen zerstört hat, haben Unbekannte am Sonntagabend einen Holzschuppen im Talkamp in Brand gesteckt.

 

Leider kann ich nicht auf den Internet-Text zugreifen  und muss deshalb kurz zusammenfassen, was im Text meiner Morgenzeitung steht.

„Drei Wochen, nachdem ein vorsätzlich gelegtes Feuer  die Willehardi-Kirche vollständig zerstört hat, haben Unbekannte am Sonntagabend einen Holzschuppen im Talkamp in Brand gesteckt. Die beiden Tatorte liegen nur wenige Meter voneienander entfernt. Passanten hatten kurz nach 23 Uhr Flammen aus dem Holzschuppen schlagen sehen und die Feuerwehr alarmiert…“

Der Verdacht, es könne sich um einen vorsätzlich gelegten Brand handeln, bestätigte sich schnell. Die Polizei prüft  nun, ob  ein Zusammenhang zwischen dem Brand, der die Kirche zerstörte und dem neuerlichen Zündeln besteht.

Was die Täter angeht, tappt die Polizei nach wie vor im Dunkeln, der von den Anwohnern geäußerte Verdacht, es könne sich um die Jugendlichen handeln, die schon seit Monaten Garbsen terrorisieren, konnte bisher nicht bestätigt werden. Und die Polizei hat nach Aussage der HAZ auch keinen Hinweis darauf, dass Mitglieder der Jugendgangs etwas mit dem Feuer in der Kirche zu tun haben könnten.

Wohl deshalb ist die Reaktion der Kirchenvertreter auf den Kirchenbrand auch so ausgesprochen verhalten.  Und vermutlich ist auch diese Unsicherheit hinsichtlich der Täterschaft ein Grund dafür, dass die erneute Brandstiftung in den Medien so gut wie keine Rolle spielt. Eher beiläufig wird sie mitgeteilt, jegliche Spekulation in Bezug auf die Täter unterlassen.

Dabei ist das doch die eigentlich interessante Fragestellung, die meiner Meinung nach zu einer gezielten Reaktion der Öffentlichkeit führen könnte.

Waren es wirklich die jugendlichen „Gangster“, die nach einer kleinen Unterbrechung ihren provozierenden Terror fortsetzen oder waren es Trittbrettfahrer, die selber Spaß am Zündeln haben (im vergangenen Sommer brannten auf den Felder rund in der Region Hannover immer wieder Heu- und Strohballen mit erheblichen finanziellen Verlusten für die Landwirte), oder waren es  möglicherweise sogar  nette Bürger in Garbsen, die einfach nicht hinnehmen wollen, dass die Gewalt, die sie erdulden müssen, stillschweigend zur Kenntnis genommen, aber nicht aktiv angegangen wird und die so ein Zeichen setzen wollten, dass dem Spuk endlich ein Ende gemacht werden muss.

Alle Szenarien sind denkbar.

Müssten sie nicht öffentlich diskutiert werden?

Wer auch immer aber diesen Brand gelegt hat, stellt sich damit so oder so gegen die Gesellschaft in Garbsen, verachtet die Gemeinschaft, nimmt in Kauf, dass es zu noch größeren Spannungen kommt.

Ich bin nicht sicher, ob die Strategie des Herunterspielens, wie sie auch die Offiziellen der Evangelischen Kirche verfolgen, wirklich das Problem lösen wird, das es ja tatsächlich in Garbsen gibt. Wem ist damit gedient?

Viel zu lange hat die Kirche mit einer Stellungnahme zum Kirchenbrand gewartet. Wenn jetzt das Schweigen weitergeht, wird sich das Blatt nicht zum Besseren wenden, fürchte ich. Denn wer immer hinter dem sinnlosen Tun steht, wird ja keinen Anlass haben, auf sein schändliches Werk zu verzichten…

Es geht nicht um „Vorverurteilungen“, wie Bischof Ralf Meister befürchtet und die er rigoros ablehnt, es geht um Aufklärung, die kann man aber in diesem Fall nicht nur im stillen Kämmerlein der Forensik betreiben, dazu gehört auch die öffentliche Debatte.

Ein Kommentator des Berichts bei Idea findet u.a. diese Worte:

 

Bei Betrachtung der Reaktionen der Landeskirche und ihrer Würdenträger auf den Kirchenbrand in Garbsen stellt sich für mich die Frage, was eigentlich passieren muss, damit diese Kirche noch reagiert? Agieren, dies macht sie schon lange nicht mehr. Eigentlich hätte man doch einen Aufschrei erwartet, zumindest den Anspruch anmelden müssen, die Ursachen zu klären und weiteren möglichen ähnlichen Vorgängen zu wehren, bzw. Maßnahmen auf den Weg zu bringen? Behandelt wurde dies aber als Versicherungsfall, nur keinen Staub aufwirbeln und nur kein Aufsehen erregen. Der materielle Schaden ist abgedeckt. Es war eben ein Vorgang, der nicht hätte passieren dürfen, da er nun passierte, möge der Kelch möglichst schnell vorübergeben und schnell Gras über die Geschichte wachsen und die übliche Tagesordnung das Tagesgeschäft möglichst schnell wieder bestimmen. Es kann eben nicht sein, was nicht sein durfte. Was kann man aber von einer Kirche erwarten, die nicht mehr kämpferisch die eigenen Standpunkte und Interessen vertritt? Die offensichtlich selbst nicht mehr weiß, wessen Meinung sie wie vertreten soll? Wahrscheinlich die der vielgenannten „schweigenden Mehrheit“, nur wer stellt diese Meinung fest bzw. her? …“

 

Dem will ich nichts mehr hinzufügen.

 

 

 

 

Der Hamburger Vertrag… 15. August, 2012

Posted by Rika in gesellschaft, islam, meine persönliche presseschau.
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zur Regelung muslimisch-religiöser Angelegenheiten.

Die Freie und Hansestadt Hamburg legt einen Vertragsentwurf zwischen ihr und den organisierten Vertretern der Muslime vor, der allerdings nicht nur Befürworter findet. Nach meiner Einschätzung regelt der Vertrag nichts, das nicht genauso wirksam per Erlass hätte geregelt werden können, beispielsweise die Befreiung vom Unterricht an hohen muslimischen Feiertagen. Die Frage muss deshalb erlaubt sein, wieso überhaupt ein Vertrag geschlossen werden sollte und ob es bei dem Vorhaben nicht eher um ein neuerliches Entgegenkommen der muslimischen Gesellschaft gegenüber geht.

Alle, die meinen Blog „Himmel und Erde“  mehr oder weniger aufmerksam lesen, wissen, dass ich ein sehr kritisches Verhältnis zum „System Islam“ habe.

Ich habe Probleme damit, den Islam als eine „Religion“ wie jede andere zu sehen, auch wenn von „Allah“ (von vielen Menschen gleichgesetzt mit GOTT) die Rede ist, von Gebet, Barmherzigkeit, Friede und Paradies. Mir erscheint er (der Islam) eher als ein vor allem sich religiös gebendes, aber  eigentlich ideologisches Machtsystem mit einem unverkennbaren Anspruch auf globale Zuständigkeit und Herrschaft. Insbesondere der Umgang mit den anderen beiden monotheistischen Religionen, den als „Ungläubige“ bezeichneten Juden und Christen, die unverhohlene Aufforderung, sie zu unterwerfen, gar zu töten und die dabei genutzte Sprache (von Hunden und Schweinen ist im Koran die Rede, wenn Juden und Christen gemeint sind), macht es mir extrem schwer,  die von einigen christlichen Geistlichen beschworene „Geschwisterschaft“ zu erkennen.

Es fällt mir schwer, die biblische Offenbarung des liebenden Gottes in der „Person“ Allahs wiederzuerkennen und ich habe noch mehr Schwierigkeiten damit, den Koran als letztgültige Offenbarung eben „meines Gottes“, wie es Muslime für den Koran reklamieren, anzusehen, geschweige denn anzuerkennen. Ich weiß, dass es christliche Theologen gibt, die das für mich „Unglaubbare“ und Unüberbrückbare mit den Mitteln und Methoden der Theologie zu erklären versuchen.

Ich streite deshalb  gegen den  Koran / Islam als die Offenbarung Gottes. 

Ich kann aber verstehen, dass Muslime ihren Glauben leben wollen und ihn so praktizieren wollen, wie es ihnen der Koran und die Tradition vorschreibt. Dass das an vielen Stellen nicht mit unserer Gesellschaftsordnung in Einklang zu bringen ist, sollte meiner Meinung nach nicht verharmlost oder verschwiegen werden. Inwieweit der Vertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den unten genannten Muslimverbänden zur Diskussion über die gesellschaftlichen Bedingungen und Unterschiede christlich-jüdisch geprägter Gesellschaften und der muslimischen Ummah beiträgt, muss sich in der Zukunft erweisen. Es wäre meiner Ansicht nach nicht erstrebenswert, wenn die „noch“ mehrheitlich „christliche“ Gesellschaft zugunsten eines vermeintlich toleranten Miteinander ihre „eigenen“  identitätsstiftenden Traditionen, Gebräuche, die ethisch-moralischen Werte und  die öffentliche Darstellung ihres Glaubens  mehr und mehr zurücknehmen würde.

Und so finde ich es auch bedauerlich, dass dieser Hamburger Vertrag nicht ausdrücklich auch um die Toleranz muslimischer Gesellschaften mit christlichen und jüdischen Traditionen und Werten bittet, bzw. die hier lebenden Muslime dazu aufruft, im Sinne einer weltweiten interreligiösen Verständigung gerade in den überwiegend muslimischen Gesellschaften für die allgemeine Religionsfreiheit und das Recht der Christen auf die freie Ausübung ihrer Religion zu werben. 

Solange wir aber von Angriffen auf christliche Einrichtungen in muslimischen Ländern lesen müssen, solange die freie Religionsausübung für Christen in muslimischen Ländern nicht garantiert ist und solange die Konversion muslimischer Menschen zum Christentum mit einer Todesfatwa belegt ist, fällt es vermutlich nicht nur mir sehr schwer, die vermeintlichen Vorzüge dieses Vertrages zu würdigen.

Ich werde und will mich für ein friedliches Miteinander aller Mitmenschen in unserer Gesellschaft einsetzen, aber nicht um den Preis der Aufgabe der eigenen Identität und Überzeugung, weder in religiöser, noch in politischer Hinsicht. Und ich werde nach wie vor eine kritische Haltung zum Islam bewahren und  auf Probleme aufmerksam machen, so ich sie als solche wahrnehme.

 

Hier nun der Wortlaut des Vertrags. (Quelle)

Vertrag
zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg, dem DITIB-Landesverband Hamburg,
SCHURA – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg und dem Verband der Islamischen Kulturzentren Die Freie und Hansestadt Hamburg, vertreten durch den Senat,
und der DITIB-Landesverband Hamburg e.V., vertreten durch seinen Vorstand,
SCHURA – Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V., vertreten durch seinen
Vorstand, und der Verband der Islamischen Kulturzentren e.V., vertreten durch seinen Vorstand (im Folgenden als islamische Religionsgemeinschaften bezeichnet),
schließen
– in dem Bewusstsein, dass die Bürgerinnen und Bürger islamischen Glaubens einen
bedeutenden Teil der Bevölkerung der Freien und Hansestadt Hamburg bilden und der
Islam als ihr gelebter Glaube zu einem festen Bestandteil des religiösen Lebens geworden
ist,
– in dem Wunsch, die Freiheit der Religionsausübung der Bürgerinnen und Bürger islamischen Glaubens als Teil einer pluralen und weltoffenen Gesellschaft zu bestätigen
und zu bekräftigen,
– in der Überzeugung, dass Religion einen wertvollen Beitrag als Mittlerin zwischen unterschiedlichen Kulturen und Traditionen zu leisten vermag,
– in dem Wunsch, die Beteiligung der islamischen Religionsgemeinschaften am religiösen,
kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt anzuerkennen und zu unterstützen,
– mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den
islamischen Religionsgemeinschaften partnerschaftlich weiterzuentwickeln,
den folgenden Vertrag:

Artikel 1
Glaubensfreiheit und Rechtsstellung
(1) Die Freie und Hansestadt Hamburg gewährleistet der Freiheit, den islamischen Glauben
zu bekennen und auszuüben, den Schutz durch Verfassung und Gesetz. Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass die Achtung des religiösen Bekenntnisses untrennbar mit der Achtung und Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen und abweichenden Anschauungen und Handhabungen der eigenen Religion verbunden ist.
(2) Die islamischen Religionsgemeinschaften ordnen und verwalten ihre Angelegenheiten
selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Die Vertragsparteien
bekennen sich zum Grundsatz der Neutralität des Staates gegenüber Religionen und
Weltanschauungen und zur vollständigen Geltung und Achtung der staatlichen Gesetze.
Sie werden hierfür entschieden eintreten, auf entgegenstehende Äußerungen verzichten
sowie sich gegen widersprechende Anschauungen wenden.
Artikel 2
Gemeinsame Wertegrundlagen
(1) Die Freie und Hansestadt Hamburg und die islamischen Religionsgemeinschaften
bekennen sich zu den gemeinsamen Wertegrundlagen der grundgesetzlichen Ordnung
der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere zur Unantastbarkeit der Menschenwürde,
der Geltung der Grundrechte, der Völkerverständigung und der Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen sowie der freiheitlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Verfassung des Gemeinwesens. Sie sind sich einig in der Ächtung von Gewalt und Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Glauben oder religiöser oder politischer Anschauungen und werden gemeinsam dagegen eintreten.
(2) Die Freie und Hansestadt Hamburg und die islamischen Religionsgemeinschaften
bekennen sich insbesondere zur Gleichberechtigung der Geschlechter und zur vollständigen und gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Mädchen am gesellschaftlichen und politischen sowie am schulischen und beruflichen Leben. Sie setzen sich für die Verwirklichung der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Mädchen ungeachtet ihrer religiösen Überzeugungen an Bildung, Erwerbstätigkeit und gesellschaftlichem Leben ein und wenden sich entschieden gegen jede Art von Diskriminierung.
Protokollerklärung zu Artikel 2 Absatz 2

Die Vertragsparteien teilen die Überzeugung, dass Frauen und Mädchen die Teilhaberechte
weder aus religiösen Gründen von Dritten bestritten noch wegen eines ihrer eigenen
religiösen Überzeugung entsprechenden Verhaltens vorenthalten werden dürfen. Dies
schließt das Recht muslimischer Frauen und Mädchen ein, nicht wegen einer ihrer religiösen Überzeugung entsprechenden Bekleidung in ihrer Berufsausübung ungerechtfertigt beschränkt zu werden.
Artikel 3
Islamische Feiertage
Folgende islamische Feiertage sind kirchliche Feiertage im Sinne des Hamburger Feiertagsgesetzes mit den Rechten aus § 3 des Feiertagsgesetzes für islamische Religionsangehörige:
1. Opferfest (Id-ul-Adha bzw. Kurban Bayrami) – Einer der zwei Tage ab zehnten Dhul-
Hiddscha
2. Ramadanfest (Id-ul-Fitr bzw. Ramazan Bayrami) – Einer der zwei Tage ab ersten
Schawwal
3 Aschura – Ein Tag am zehnten Muharram
Die Daten der Feiertage beziehen sich auf den islamischen Mondkalender und werden von
den islamischen Religionsgemeinschaften jeweils vorher bestimmt und bekannt gegeben.

Protokollerklärung zu Artikel 3
Die islamischen Religionsgemeinschaften und die Freie und Hansestadt Hamburg sind
sich darüber einig, dass die ganztägigen Ausgestaltungen des Ramadan-Festes und des
Opferfestes für die muslimischen Gemeinden gleichbedeutend sind mit gottesdienstlichen
Handlungen. Der gottesdienstliche Charakter äußert sich nicht nur im morgendlichen Ritualgebet, sondern umfasst den gesamten Tag, der in weiten Teilen ritualisierte Abläufe enthält. Diese Feiertage werden deshalb als Gottesdienst im Sinne des § 3 Hamburger Feiertagsgesetz verstanden.
Artikel 4
Bildungswesen
(1) Die islamischen Religionsgemeinschaften haben nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften das Recht, Bildungs- und Kultureinrichtungen zu unterhalten. Die Vertragsparteien werden sich im Rahmen ihrer finanziellen, organisatorischen und rechtlichen Möglichkeiten gemeinsam dafür einsetzen, das Wirken dieser Einrichtungen auch über die Mit gliedschaft der islamischen Religionsgemeinschaften hinaus verstärkt in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
(2) Unbeschadet des Rechts auf Unterhaltung eigener Bildungseinrichtungen bekennen
sich die islamischen Religionsgemeinschaften zum staatlichen Schulwesen, der allgemeinen Schulpflicht und der umfassenden Teilnahme am Unterricht staatlicher Schulen.
Artikel 5
Hochschulausbildung
Die Freie und Hansestadt Hamburg fördert eine Ausbildungsstätte für islamische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Hamburg.
Protokollerklärung zu Artikel 5
Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass die Förderung einer Ausbildungsstätte
für islamische Theologie und Religionspädagogik in ihrem Schwerpunkt zunächst auf die
Gewinnung in Deutschland ausgebildeter schulischer Lehrkräfte für den Religionsunterricht zielen soll. Sie teilen die Überzeugung, dass das Aufgreifen der Glaubensvorstellungen praktizierender Muslime eine wesentliche Voraussetzung für die wünschenswerte Akzeptanz des Unterrichts bei den muslimischen Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern sein wird.
Die Freie und Hansestadt Hamburg wird sich deshalb unter Beachtung der Freiheit von
Wissenschaft, Forschung und Lehre dafür einsetzen, dass
– die islamischen Religionsgemeinschaften vor der Berufung einer Hochschullehrerin
oder eines Hochschullehrers die Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten,
– ihnen Gelegenheit gegeben wird, sich zu Lehrinhalten zu äußern, soweit sie schwerwiegende Abweichungen von den islamischen Glaubensgrundsätzen geltend machen, und
– sie in die Erarbeitung von Grundsätzen für eine Akkreditierung von Studiengängen und
Formulierung von Prüfungsanforderungen einbezogen werden.
Die islamischen Religionsgemeinschaften erklären, dass sie Stellungnahmen einheitlich
abgeben werden. Stellungnahmen, die nicht einheitlich abgegeben werden, lösen keine
Verpflichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg im Sinne des vorstehenden Absatzes
aus.
Artikel 6

Religionsunterricht
(1) Die Vertragsparteien sind sich einig in der Anerkennung der Bedeutung, des Wertes
und der Chancen des an den staatlichen Schulen der Freien und Hansestadt Hamburg
erteilten Religionsunterrichts in gemischtkonfessionellen Klassenverbänden und Lerngruppen.
Sie streben deshalb im Rahmen von Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes eine Weiterentwicklung an, deren Ziel es ist, eine Verantwortungsstruktur für die Inhalte des Religionsunterrichts im Rahmen von Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes zu schaffen, die sowohl alle Religionsgemeinschaften im verfassungsrechtlichen Sinne gleichberechtigt am Religionsunterricht beteiligt, als auch einen gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit ermöglicht, um so die bestehende dialogische Form des Religionsunterrichtes zu erhalten. Das Nähere wird gesondert geregelt.
(2) Ungeachtet des Absatzes 1 anerkennt die Freie und Hansestadt Hamburg das Recht
der islamischen Religionsgemeinschaften, bei Vorliegen aller gesetzlichen Voraussetzungen die Erteilung eines besonderen islamischen Religionsunterrichts nach Artikel 7 Absatz
3 des Grundgesetzes verlangen zu können.
Protokollerklärung zu Artikel 6 Absatz 1
Die Vertragsparteien sind sich darüber einig, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre
Schulpraxis, Didaktik und Rahmenpläne, Lehrerbildung und -zulassung sowie der institutionelle Rahmen für den Religionsunterricht nach Maßgabe von Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes weiterentwickelt werden sollen. Dies soll durch eine Arbeitsgruppe erfolgen, die aus Vertreterinnen und Vertretern der zuständigen Behörde sowie aus Vertreterinnen und Vertretern solcher Religionsgemeinschaften besteht, die beabsichtigen, die Inhalte eines Religionsunterrichts in gemischtkonfessionellen Klassenverbänden und Lerngruppen in Hamburg zu verantworten. Die Arbeitsgruppe legt ihre Ergebnisse den jeweiligen Entscheidungsgremien zum Beschluss vor. Die Beteiligten beachten die ihnen durch Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes zugewiesenen Funktionen.
Artikel 7
Religiöse Betreuung in besonderen Einrichtungen
(1) In öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Heimen, aber auch Justizvollzugsanstalten oder Polizeiausbildungsstätten gewährleistet die Freie und Hansestadt Hamburg den islamischen Religionsgemeinschaften das Recht zur religiösen Betreuung. Sie sind zu Gottesdiensten und religiösen Veranstaltungen, insbesondere zu den islamischen Festtagen, berechtigt. Soweit sich Einrichtungen nicht in staatlicher Trägerschaft befinden, wird die Freie und Hansestadt Hamburg im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf die Gewährleistung der religiösen Betreuung hinwirken.
(2) Der Zutritt zu einer Justiz- oder Polizeieinrichtung setzt das Einverständnis der zuständigen Behörde zur Person der Betreuerin oder des Betreuers voraus; das Einverständnis kann nur aus wichtigem Grund versagt oder widerrufen werden. Der Zutritt zu sonstigen öffentlichen Einrichtungen erfolgt im Benehmen mit dem Träger. Näheres soll durch Vereinbarung mit den öffentlichen, freien oder privaten Trägern der Einrichtungen unter Berücksichtigung des Absatzes 1 geregelt werden.
(3) Die Freie und Hansestadt Hamburg wird darauf hinwirken, dass in den öffentlichen
Einrichtungen eine Ernährung angeboten wird, die religiöse Speisevorschriften im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten einhält.
Protokollerklärung zu Artikel 7
Zu Absatz 1
Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass die Gewährleistung des Zugangs der
islamischen Religionsgemeinschaften zu öffentlichen Einrichtungen sich nur auf solche
Personen bezieht, die die Gemeinschaften vorab benennen. Die für die religiöse Betreuung
erforderlichen Räumlichkeiten werden im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten
kostenfrei zur Verfügung gestellt. Den zur religiösen Betreuung eingesetzten Personen soll
die Möglichkeit gegeben werden, bei der Beschaffung religiöser Literatur beratend mitzuwirken.
Zu Absatz 3
Zu der den islamischen Speisevorschriften entsprechenden Ernährung gehört die Möglichkeit, während des Ramadan ein nächtliches Essen zu sich zu nehmen. Für die Gefangenen des geschlossenen Vollzugs muss dies im jeweiligen Haftraum stattfinden.
Artikel 8
Rundfunkwesen
(1) Die Freie und Hansestadt Hamburg wird sich bei künftigen Verhandlungen über Änderungen der rundfunk- und medienrechtlichen Staatsverträge dafür einsetzen, dass die öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalten und die privaten Rundfunkveranstalter den islamischen Religionsgemeinschaften angemessene Sendezeiten zum Zwecke der Verkündungen und Seelsorge sowie für sonstige religiöse Sendungen gewähren.

(2) Sie wird unter Wahrung der verfassungsrechtlich garantierten Staatsferne des Rundfunks darauf bedacht sein, dass in allen Rundfunkprogrammen die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung einschließlich der muslimischen Bevölkerung geachtet werden.
(3) Die Freie und Hansestadt Hamburg wird sich bei künftigen Verhandlungen über die
Änderung rundfunkrechtlicher Staatsverträge (im Rahmen der Diskussion über die Neubesetzung der Aufsichtsgremien) dafür einsetzen, dass die islamischen Religionsgemeinschaften in den Aufsichtsgremien (NDR-Rundfunkrat, ZDF-Fernsehrat, DLR-Hörfunkrat und den entsprechenden Ausschüssen) angemessen vertreten sind.
Artikel 9
Gewährleistung der Vermögensrechte; Errichtung und Betrieb
von Moscheen, Versammlungsräumen, Bildungseinrichtungen
und sonstigen Gemeindeeinrichtungen
(1) Die Freie und Hansestadt Hamburg gewährleistet den islamischen Religionsgemeinschaften das Eigentum und andere Rechte an ihrem Vermögen gemäß Artikel 140 des
Grundgesetzes in Verbindung mit Artikel 138 Absatz 2 der Weimarer Reichsverfassung.
(2) Die Freie und Hansestadt Hamburg gewährleistet islamischen Religionsgemeinschaften das Recht, im Rahmen der geltenden Gesetze Moscheen, Gebets- und Versammlungsräume sowie Bildungseinrichtungen und sonstige Gemeindeeinrichtungen zu errichten und ihrer Bestimmung entsprechend zu betreiben. Dies schließt die Gewährleistung des Rechts ein, Moscheegebäude der islamischen religiösen Tradition entsprechend, insbesondere mit Kuppeln und Minaretten, auszustatten.
(3) Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass Errichtung und Betrieb von Moscheen, Gebets- und Versammlungsräumen sowie Bildungseinrichtungen und sonstigen Gemeindeeinrichtungen der islamischen Religionsgemeinschaften zur Förderung eines gedeihlichen Miteinanders der muslimischen und der nicht-muslimischen Bevölkerung von akzeptanzfördernden Maßnahmen begleitet werden sollen. Deshalb
1. werden die Vertragsparteien Bedacht darauf nehmen, dass sich Moscheegebäude
unbeschadet des Rechts der islamischen Religionsgemeinschaften, sie der islamischen
religiösen Tradition entsprechend auszustatten, in ihre jeweilige Umgebung einfügen,
2. wird sich die Freie und Hansestadt Hamburg im Rahmen des geltenden Rechts und
unter Beachtung der staatlichen Pflicht zu weltanschaulich-religiöser Neutralität in der
Bevölkerung für die Akzeptanz des Errichtens und Betreibens von Moscheen, Gebetsund
Versammlungsräumen sowie Bildungseinrichtungen und sonstigen Gemeindeeinrichtungen einsetzen,
3. werden die islamischen Religionsgemeinschaften bei Errichtung und Betrieb von Moscheen, Gebets- und Versammlungsräumen sowie Bildungseinrichtungen und sonstigen Gemeindeeinrichtungen die Ziele von Transparenz und Öffnung verfolgen.
(4) Die Freie und Hansestadt Hamburg wird den Bedarf der islamischen Religionsgemeinschaften an Grundstücken bzw. grundstücksgleichen Rechten, insbesondere bei Erschließung neuer Stadtteile und Aufsiedlung neuer Gebiete, nach Maßgabe des geltenden Rechts berücksichtigen. Macht die Freie und Hansestadt Hamburg einen dringenden öffentlichen Bedarf an Grundstücken oder grundstücksgleichen Rechten der islamischen Religionsgemeinschaften, ihrer Einrichtungen oder Gemeinden geltend, werden die islamischen Religionsgemeinschaften darauf hinwirken, dass die Freie und Hansestadt Hamburg Grundstücke oder grundstücksgleiche Rechte, soweit sie nicht für religiöse Zwecke benötigt werden, zu angemessenen Bedingungen erwerben kann.
(5) Im Rahmen der allgemeinen Gesetze wird die Freie und Hansestadt Hamburg bei der
Anwendung enteignungsrechtlicher Vorschriften auf die Belange der islamischen Religionsgemeinschaften Rücksicht nehmen und im Falle eines Eingriffs bei der Beschaffung gleichwertiger Ersatzgrundstücke Hilfe leisten. Bei der Stellung von Ersatzgrundstücken gelten die für die Enteignung maßgeblichen Grundsätze.
Protokollerklärung zu Artikel 9
Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass die Regelungen dieses Artikels die
Rechte der islamischen Religionsgemeinschaften an ihrem Eigentum und sonstigem Vermögen nicht beschränken. Dies gilt insbesondere für das Recht, Immobilien, welche sie in Eigentum oder gemietet haben, im Rahmen der geltenden Gesetze für religiöse, soziale, Bildungs-, kulturelle, sportliche und gewerbliche Zwecke zu nutzen oder zu vermieten. Die Vertragsparteien stimmen ebenfalls darin überein, dass die Gewährleistungen des Absatzes
4, wonach die Freie und Hansestadt Hamburg den Bedarf der islamischen Religionsgemeinschaften an Grundstücken bzw. grundstücksgleichen Rechten berücksichtigen wird, nicht die Rechte der islamischen Religionsgemeinschaften auf gewerbliche Einrichtungen und Betätigungen einschließen.

Artikel 10
Bestattungswesen
(1) Die Freie und Hansestadt Hamburg gewährleistet das Recht, auf staatlichen Friedhöfen
Bestattungen nach den islamischen religiösen Vorschriften vorzunehmen. Sie stellt
hierfür dem Bedarf entsprechende Flächen zur Verfügung.
(2) Die islamischen Religionsgemeinschaften haben auf staatlichen Friedhöfen das Recht
zu Gottesdiensten und Bestattungsandachten. Auf den Ablauf anderer Bestattungen ist
Rücksicht zu nehmen.
(3) Die gesetzlichen Vorschriften über die Möglichkeiten nichtstaatlicher Friedhofsträgerschaft bleiben unberührt.
Protokollerklärung zu Artikel 10
Zu Absatz 1
Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass die Gewährleistung des Rechts, auf
staatlichen Friedhöfen Bestattungen nach den islamischen religiösen Vorschriften vorzunehmen, insbesondere das Recht auf sarglose Bestattungen umfasst. Die dauerhafte Totenruhe wird auf den islamischen Gräberfeldern, auch nach Neuvergabe von Grabstätten, dadurch gewährleistet, dass die Gebeine bereits Bestatteter in der Grabstätte verbleiben. Um die Durchführung islamischer Bestattungen auch in Fällen behördlich veranlasster Bestattungen zu ermöglichen, werden die zuständigen Behörden der Freie und Hansestadt Hamburg und die islamischen Religionsgemeinschaften Verfahren der wechselseitigen Information über Fälle vereinbaren, die die Notwendigkeit einer islamischen Bestattung nahe legen.
Zu Absatz 3
Die Freie und Hansestadt Hamburg anerkennt das Recht aller Religionsgemeinschaften,
nach Maßgabe der geltenden Vorschriften eigene Friedhöfe zu unterhalten. Sie sieht sich
jedoch gegenwärtig nicht in der Lage, von dem Erfordernis, dass es sich bei dem Friedhofsträger um eine öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft handeln muss, abzusehen. Ungeachtet dessen ist sie bereit, über die Frage der Friedhofsträgerschaft unter Berücksichtigung von Fortentwicklungen sowohl der Bedarfssituation als auch der strukturellen Leistungsfähigkeit potentieller Friedhofsträger mit den islamischen Religionsgemeinschaften mittelfristig in erneute Verhandlungen zu treten.

Artikel 11
Zusammenwirken
(1) Die Vertragsparteien werden bedarfsabhängig Gespräche zur Intensivierung ihrer Beziehungen führen. Sie werden sich außerdem vor der Regelung von Angelegenheiten, die die beiderseitigen Interessen berühren, miteinander ins Benehmen setzen und zur Besprechung solcher Angelegenheiten zur Verfügung stehen. Dies gilt auch für Gesetzesvorhaben des Senats, die Belange der islamischen Religionsgemeinschaften unmittelbar berühren.
(2) Zur ständigen Vertretung ihrer Anliegen gegenüber der Freien und Hansestadt Hamburg und zur gegenseitigen Information bestellen die islamischen Religionsgemeinschaften eine Beauftragte oder einen Beauftragten bei Senat und Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg.
Artikel 12
Freundschaftsklausel
Die Vertragsparteien werden in Zukunft auftretende Meinungsverschiedenheiten über die
Auslegung oder Anwendung einer Bestimmung dieses Vertrages soweit möglich einvernehmlich klären.
Artikel 13
Schlussbestimmungen
(1) Dieser Vertrag tritt mit der Zustimmung der Bürgerschaft in Kraft.
(2) Die Vertragsparteien werden auf die umfassende Verbreitung und Kenntnis der Vereinbarungen dieses Vertrages bei ihren Organen und Mitgliedern sowie in der Öffentlichkeit hinwirken. Sie stehen einander zur Erläuterung von Verhaltensweisen und Äußerungen ihrer Organe und Mitglieder zur Verfügung, die Inhalte dieser Vereinbarung berühren. Auf begründetes Verlangen einer Vertragspartei stehen sie auch für öffentliche Erklärungen zur Verfügung.
(3) Die Vertragsparteien werden nach Ablauf von zehn Jahren Gespräche mit dem Ziel
aufnehmen, im Lichte der gewonnenen Erfahrungen über diesen Vertrag und die Notwendigkeit von Änderungen und Ergänzungen zu verhandeln.

Protokollerklärung zu Artikel 13 Absatz 3
Die islamischen Religionsgemeinschaften streben im Rahmen ihrer weiteren organisatorischen Entwicklung die Erlangung der Rechte von Körperschaften des öffentlichen Rechts nach Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit Artikel 137 Absatz 5 Satz 2 der Weimarer Reichsverfassung an. Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass diesbezügliche Fortentwicklungen auch die Neuordnung der wechselseitigen Beziehungen erforderlich machen werden.

 

 

Voll daneben… 1. Juli, 2011

Posted by Rika in Allgemein.
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„Wenig souverän“  –  meint Tobias Morchner von der  HAZ    –  sei die Reaktion eines Polizeibeamten auf die Pöbelei eines Schülers gewesen.

Ein Sechstklässler der WRS hat aus dem geöffneten Fenster seines Klassenzimmers einen Beamten der Polizei mit „Bulle“ tituliert. Nun mag man sich ja fragen, was ein Sechstklässler während des Unterrichts am geöffneten Klassenfenster verloren hat und auch, wieso die Englischlehrerin ihr offenbar wichtiges Gespräch mit einem Schüler draußen auf dem Flur führen musste  (und dies beispielsweise nicht in die Pause verlegen konnte)   und darum die Klasse unbeaufsichtigt war.

Man könnte natürlich auch einwenden, dass der Begriff  „Bulle“ für Polizeibeamte heutzutage  beinahe schon zum umgangssprachlichen Inventar gehört, wenngleich jeder Mensch natürlich weiß, dass die Nutzung dieses  „Titels“ von dem so Angesprochenen als Herabwürdigung, zumindest aber als unfein verstanden wird.

Herr Morchner  scheint der Auffassung zu sein, dass der Begriff  ein ganz gebräuchlicher Teil der Jugendsprache ist und demzufolge der ganze Vorgang nicht des Aufhebens wert sei, das sich daraus entwickelte.

Denn als solches schildert er den weiteren Verlauf der Geschichte:

Der als Bulle gescholtene Beamte stürmte in den Klassenraum, sorgte mit einem Faustschlag auf den Tisch für Ruhe und fragte:

„Welches von euch Arschlöchern will eins auf die Fresse?“

um dann sofort klar zu machen:

 „Das ist die Sprachebene, auf der wir uns gerade bewegen!“

Eigentlich ist das eine geniale Reaktion! Die Leute sofort mit ihren eigenen verbalen Unzulänglichkeiten konfrontieren.

„Demonstrare ad oculi“, würde der Lateiner sagen! Oder wir in Westfalen: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil!“

Aber die zarten Seelen der Schüler können so eine Reaktion nicht verkraften. Die meisten Sechstklässler haben vermutlich keine Probleme damit, in ihrer digitalen Erlebniswelt alle möglichen Gewaltszenarien durchzuspielen, aber ein Polizist „in echt“, mit echten Gefühlen und echter Stimme, da sind sie überfordert.   Sie fühlen sich gar  „beleidigt“, ein Zustand, der üblicherweise gerne von unseren imigrantischen Freunden in Anspruch genommen wird.

Polizist und Lehrerin haben laut Zeitungsbericht die Lage vor Ort klären können, so schien es jedenfalls zunächst.

Doch die „Beleidigten“ stellten einen Strafantrag.

Nicht die Schüler selbst, wie man der Zeitung nach vermuten kann, sondern die (mutmaßlich ebenfalls beleidigten) Eltern. Oder aber die Eltern, die ihrer elterlichen Sorge um die Unversehrtheit ihrer lieben Kleinen nachgehen wollten und dabei eines übersahen:

Zur elterlichen Sorgfalt gehört auch die Erziehung der lieben Kleinen. Und daran scheint es ja zumindest dem Schreier doch im nötigen Umfang zu fehlen. Sonst hätte er

a) nicht seine Schularbeit vernachlässigt und wäre an das geöffnete  Fenster getreten,

b) nicht die Mitschüler durch sein Rufen bei der Arbeit gestört und

c) nicht einen Polizisten mit einem deftigen Schimpfwort belegt.

Diese kleine Episode aus dem deutschen Schulalltag macht auf bemerkenswerte Weise deutlich, wie die Werte der Erziehung inzwischen verrutscht sind und damit auch das Verständnis von Elternschaft.

Ich habe für die Eltern gar kein Verständnis. Statt mit dem eigenen Kind in Ruhe über Verhalten zu reden und  das Gespräch mit der Schule und der Polizei zu suchen, greift man gleich in die Vollen und stellt Strafanzeige.

Und was lernt der pöbelnde Schüler? Papi wird’s schon richten, notfalls mit dem Anwalt.

Immerhin, das Kind hat sich ja wohl entschuldigt.

Die Eltern aber haben für meine Begriffe total versagt.

Eben VOLL DANEBEN!!!