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Fremde Feder: Hagia Sophia 25. Juli, 2020

Posted by Rika in aktuell, christsein und glaube, gesellschaft, politik.
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Bei Facebook las ich den bemerkenswerten Text zur Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee, der von Roland Werner mit diesen Worten eingeleitet wurde:

 

Das Ende einer Epoche?!

Die Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee

Doch: Auch wenn die ChristusIkonen verschwinden,
Jesus Christus bleibt.

Lesenswert zu diesem erschütternden Vorgang ist die

Erklärung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK)
Erzpriester Radu Constantin Miron

aus Anlass der Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee
Köln/Frankfurt am Main, 23. Juli 2020″

Und hier der eigentliche Text, geschrieben von dem Erzpriester Radu Constantin  Miron

„Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche. Durch einen administrativen Akt des türkischen Staatspräsidenten verliert die Hagia Sophia in Istanbul den Status eines Museums, den sie seit 1935 besaß, und wird zur Moschee gemacht. Dieser staatliche Akt geschieht – wie so häufig in der Türkei – unter scheinbarer Wahrung der Rechtstaatlichkeit.

Das im 6. Jahrhundert gebaute Gotteshaus, das unter Kaiser Justinian als christliche Kirche erbaut wurde und über neun Jahrhunderte als solche diente, wird, wie 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, erneut zur Moschee.

Seit dem 1. Februar 1935 stand sie dann als Museum allen Besucherinnen und Besuchern offen, wie es der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, verfügt hatte. Im Bewusstsein der orthodoxen Christinnen und Christen blieb und bleibt die Hagia Sophia allerdings die „Große Kirche Christi“. So ist es kein Zufall, dass Vertreter aller orthodoxen Patriarchate und autokephalen Kirchen gegen die Entscheidung der türkischen Regierung protestiert haben.

Doch auch viele Vertreterinnen und Vertreter anderer Kirchen, europäischer und weltweiter Institutionen, nicht zuletzt der UNESCO, zu deren Welterbe die Hagia Sophia ja gehört, haben ihre Bestürzung über diesen Vorgang geäußert, der offenkundig nicht religiöse Bedürfnisse, sondern innen- und außenpolitische Ambitionen des türkischen Präsidenten befriedigen soll.

Deshalb richten sich diese Proteste – und auch die vorliegende Erklärung – nicht gegen den Islam oder das islamische Gebet, sondern gegen den Missbrauch der Religion, der hier zutage tritt.

Zwei Aspekte, die nur wenig zur Sprache gekommen sind, gilt es dabei besonders hervorzuheben:

Zum einen ist die Hagia Sophia für die weltweite Christenheit nicht – wie behauptet wurde – „irgendein Gebäude, um das auf einmal so viel Aufhebens gemacht wird“. Vielmehr ist sie auch jene Kirche, auf deren Hauptaltar am 16. Juli 1054 der päpstliche Legat Humbert von Silva Candida das Bannschreiben über Patriarch Michael Kerullarios niederlegte, was zur Großen Kirchenspaltung zwischen Ost- und Westkirche führte. Sie ist also der symbolträchtige Ort, an dem damals das Schisma proklamiert wurde und der heute deshalb für alle, die in der Ökumene tätig sind, ein Mahnmal für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche darstellt.

Zum anderen lässt die bewusste Wahl des 24. Juli als Datum der Umwidmung nichts Gutes erahnen, handelt es sich doch um den Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne (1923), in dem in den Artikeln 37-44 auch die Rechte der nicht-muslimischen Minderheiten bzw. die Verpflichtung der Türkei, diese und ihre religiösen Einrichtungen zu respektieren, festgeschrieben wurden. In den vergangenen Jahren stellte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan immer wieder diesen Vertrag in Frage.

Seine Vorliebe für Symbolpolitik, die mal wieder durch diese Datumswahl deutlich wird, geht also offensichtlich auch zu Lasten der christlichen Minderheit in der Türkei. Ihr Schicksal kann und darf uns als Christen nicht gleichgültig sein. Zu oft haben wir unsere Stimme nicht laut genug erhoben, wenn es um den Genozid an den Armeniern und anderen Völkern, um die Septemberpogrome des Jahres 1955, um die Ermordungen von christlichen Missionaren und Würdenträgern oder die zahllosen Enteignungen von Gebäuden und Grundstücken aller christlichen Kirchen des Landes ging.

Auch die Umwidmung der Hagia Sophia ist eine Enteignung, nicht im immobilienrechtlichen, sondern im geistlichen Sinn. Und sie bedeutet das endgültige Ende einer säkularen, laizistischen, europäischen modernen Türkei, wie sie Atatürk vorschwebte, der die Hagia Sophia zum Museum gemacht hatte.

Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche.

Erzpriester Radu Constantin Miron“

 

Es ist mir wichtig, dieses Zeugnis zu bewahren und weiterzugeben.

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Politische Nachtgedanken – oder auch … 9. März, 2020

Posted by Rika in aktuell, asyl, christsein und glaube, flüchtlinge, frauen, gesellschaft, hass, integration, migration, politik, terrorismus.
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ein Hasswort zum Sonntag.

Auch am Samstag, den 7. März wurde wie an jedem Sonntag bei der ARD das Wort zum Sonntag ausgestrahlt, dieser eigentlich als christliche Botschaft gedachte MiniClip am Ende der Woche. Traten vor vielen Jahren noch Pastoren im würdevollen pastoralen Outfit vor die Fernsehgemeinde und stellten das Evangelium in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen, so hat heutzutage auch in dieser ehrwürdigen Institution der Zeitgeist das Sagen und locker-freundliche Geistliche aller Denominationen nutzen die Gelegenheit, um die politische Sicht auf die Lage der Welt aus christlicher Perspektive zu beschreiben.  (Erinnert sich noch jemand an Dorothee Sölle, die diese Art des Nachtgebets aus der Taufe hob?)

In diesen Tagen und Wochen  wiederholt sich an den Grenzen der EU das dramatische Geschehen, das schon 2015 für herzzerreißende Szenen sorgte und dazu beitrug, dass unsere Regierung nicht nur kurzerhand das Schengen-Abkommen außer Kraft setzte, sondern in Folge der unvorhersehbar großen Flüchtlingszüge – aus Syrien vor allem – mit der Türkei, bzw. dessen Alleinherrscher ein Abkommen schloss, um exakt diese wenig schönen Bilder an den Grenzen  zu vermeiden. Gegen sehr viel Geld versprach Erdogan die Flüchtlinge aus Syrien in der Türkei zu versorgen und sie von der EU fern zu halten. (Ich weiß, dass das eine sehr verkürzte Darstellung ist, aber ich will nicht bei „Adam und Eva“ in diesem konfliktträchtigen Thema anfangen.) Die Vereinbarungen, die die EU mit der Türkei vertraglich aushandelten, waren jedoch auf 4 Jahre begrenzt. Diese Zeit ist abgelaufen. Ein Nachfolgevertrag wurde nicht abgeschlossen.

Gleichzeitig hat Erdogan strategisch geschickt damit begonnen, sein Hoheitsgebiet Richtung Syrien auszudehnen, mit der vorgeschobenen Begründung, er wolle dazu beitragen den Bürgerkrieg in Syrien zu befrieden.  Seine Forderung, darin auch von der EU mit weiteren Zahlungen unterstützt zu werden, lief zunächst ins  Leere, bis er auf die glorreiche Idee kam, die in der Türkei bisher versorgten Flüchtlinge auf den Weg in die EU zu schicken. Das Ergebnis sind die Krawalle an der Grenze zu Griechenland. Flüchtlinge versuchen (durchaus mit Unterstützung der türkischen Behörden) die Grenze zu überwinden, die griechischen Grenzbeamten bemühen sich unter Einsatz von Tränengas und mit Hilfe des Militärs das zu verhindern.

Die Bilder an der Grenze sind nicht schön – ja, es ist zynisch, das so zu sagen und doch enthält diese Bemerkung sehr viel Bedenkenswertes.

Offenbar hat dieses Bedenkenswerte auch Frau Pastorin Behnken zu ihrer geharnischten nächtlichen Politpredigt veranlasst. Hier kann man sie nochmals hören und auch sehen – solange das Video online gestellt bleibt.

 

 

 

 

Ich habe die Wut- und Hassrede nicht live gesehen, sondern bin erst durch Facebook und die dort geschriebenen Kommentare darauf aufmerksam geworden – und habe mir deshalb die Aufzeichnung angesehen.

Mir verschlug es beim Betrachten die Sprache.

Bei Facebook kommentierte ich so:

Es stimmt ja, wir sehen Not und Elend an den Grenzen Europas.
Wir sehen Not und Elend in Afrika, in Afghanistan, in Syrien, in Irak, in viel zu vielen Ländern der Welt.
Und natürlich sind wir auch gefordert zu helfen.
Und die meisten Menschen, die ich kenne, wollen auch helfen, aber sie sind sich nicht sicher, ob die propagierte Art und Weise wie die Hilfe geschehen soll, die richtige ist.
Wie schon im Herbst 2015 so stellt sich mir auch jetzt wieder die Frage, was wir wirklich tun sollen. Alle, die nach Europa und vor allem nach Deutschland wollen wirklich aufnehmen? Überfordert uns das nicht? Ich sagte auch damals schon, dass ich nicht daran zweifle, die finanziellen Mittel dafür bereit stellen zu können, aber kann unsere Gesellschaft die Integration so vieler Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis tatsächlich leisten, ohne daran zu scheitern? Und damit meine ich, dass der bisherige Zusammenhalt dieser Gesellschaft nicht mehr zuverlässig und stark erscheint. Bruchlinien, die bisher zwar erkennbar, aber nicht brüchig waren, brechen tatsächlich auf, man sortiert Menschen ein in die Guten und die Nazis. Dazwischen scheint kein Raum mehr für vorsichtige Kritik an der Politik, kein Raum mehr für die Schwachen im eigenen Land, die Sorge haben oder sogar Angst vor dem Prozess der Veränderung. Nochmals, wem ist damit gedient, grenzenlos zu sein, eine unbestimmte Zahl von Migranten ins Land zu lassen?
„Flüchtlinge“, dieses Wort weckt Erinnerungen an Krieg, Flucht und Vertreibung in der finsteren Zeit des Nationalsozialismus und manche mögen im „Kümmern für Flüchtlinge“ so etwas wie eine nachzuholende Wiedergutmachung sehen… als könne man je wieder gut machen, was Deutschland der Welt angetan hat.
Vielleicht sollten wir aber auch den Mut haben zu unterscheiden zwischen den tatsächlichen „Flüchtlingen“, den Menschen, die vor dem Krieg in ihrer Heimat fliehen und denjenigen, die „nur“ ein besseres Leben wollen. Auch das ist ein legitimer Wunsch, Millionen Europäer sind in die „Neue Welt“ aufgebrochen, weil sie hier keine Zukunft hatten. Aber dieses kleine Europa der EU ist nicht der Kontinent Amerika. Und man muss realistischer Weise doch sagen, dass nicht Millionen Menschen, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa auf den Weg machen, hier tatsächlich ein erträgliches Auskommen finden werden.
Ich finde es gefährlich, vor dieser Realität die Augen zu schließen und mit dem Gebot christlicher Nächstenliebe alle Argumente vom Tisch zu wischen und denjenigen, die sich der Sicht der kirchlichen Vertreter nicht anpassen wollen oder können, ein schlechtes Gewissen zu machen.
Helfen ja sicher. Aber an Ort und Stelle, mit Kopf, Herz und Hand – mit der realistischen Einschätzung, die der Verstand ermöglicht, mit Mitleid und Barmherzigkeit des Herzens und der Tatkraft bei der Umsetzung der Entscheidungen.
Das war schon 2015 das Gebot der Stunde, aber Frau Merkel entschied sich für einen dreckigen Deal mit Erdogan, dem man – wie sich zeigt – nicht trauen konnte und nicht trauen kann.
Und auch das noch:
Wo bleibt der leidenschaftliche Einsatz für die christlichen Brüder und Schwestern, die unter dem Druck der Verfolgung ächzen und Not leiden und oft genug den Tod ertragen um dieses Glaubens willen.
Da bleiben die Kirchen seltsam stumm. Obwohl genau das schon von Paulus empfohlen wird…. Hilfe üben – den Brüdern und Schwestern zuerst.
Dieses Wort zum Sonntag war eine politische Ansage mit einem winzig kleinen frommen Nachsatz aus den Seligpreisungen…. so viel Evangelium durfte dann gerade noch sein, wobei aber der Name dessen, der diese Seligpreisungen aussprach, verschämt verschwiegen wird, nur der Hinweis auf einen Mann, der vor gut 2000 Jahren lebte…

Dieser Mann – das will ich gerne ergänzen – war, nein ist JESUS CHRISTUS, Heil der Welt.

Ist es nicht interessant, als Pastorin hätte sie doch prima abheben können auf den Bericht aus der Apostelgeschichte, der besagt, dass Paulus in der Nacht einen Traum hatte, in dem er aufgefordert wurde, aus Kleinasien – der heutigen Türkei – nach Europa zu kommen. „Komm herüber und hilf uns“ heißt es da. (Apostelgeschichte 16, 9)  Sie hätte doch gut sagen können, dass wir Christen in Europa nun diejenigen sein sollten,   den Menschen in „Kleinasien“ zu helfen. („Kleinasien“, so wurde noch zu meiner Schulzeit der Bereich des heutigen Nahen Ostens genannt.)  Das hat sie aber nicht, da musste eben die schöne Geschichte von Zeus und Europa herhalten….

Und auch das schrieb ich bei Facebook zu dem Hasswort zum Sonntag:

Die engagierte Frau Pastorin Behnken hätte auch dieses Thema für ihre politischen Nachtgedanken im Wort zum Sonntag wählen können…. zumal ja der Weltfrauentag am Sonntag vor der Tür stand …..

Weltfrauentag: Verfolgt, weil sie Frauen und Christinnen sind

Weltfrauentag: Verfolgt, weil sie Frauen und Christinnen sind

Und auch hier wäre die  Umkehrung des Hilferufes von damals angesagt: Kommt herüber und helft uns!  Doch dazu schweigt die Kirche seit Jahren.

Die verfolgten Brüder und Schwestern sind ihr kein engagiertes Eintreten wert, obwohl eine Empfehlung der Apostel aber genau das ausspricht, nämlich sich zuerst um die Brüder und Schwestern zu kümmern, die in Not sind. Und die Not unter den Christen in muslimisch oder atheistisch-kommunistisch dominierten Ländern ist groß.

 

 

Wenn angeblich die Mehrheit der Deutschen…. 14. März, 2018

Posted by Rika in araber-"palästinenser", flüchtlinge, iran, islam, israel, medien, politik, presse, terrorismus.
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den Herrn Ex-Außenminister Gabriel zu den beliebtesten Politikern zählt – wie die Medien nicht müde werden zu behaupten – und findet, dass er seinen Job gut mache, müsste diese Mehrheit der Deutschen doch auch mit der von ihm vertretenen und verantworteten Außenpolitik vollkommen einverstanden sein.

Das bedeutet doch wohl auch, dass die meisten Deutschen es in Ordnung finden,

dass der Ex-Außenminister mit den herrschenden  Mullahs des Iran freundschaftliche Beziehungen pflegt, ungeachtet der Tatsache, dass Iran eine islamische Diktatur ist, in der Frauen  weniger Rechte haben als Männer (das gefällt vielleicht sogar einigen deutschen Männern recht gut 😉  ), Schwule an Baukränen aufgeknüpft werden, drakonische Strafen bei Missachtung islamischer Regeln drohen und auch ausgeführt werden, der Iran zu den gefährlichsten Kriegstreibern im Nahen Osten gehört und so die gesamte Region destabilisiert, der Islam das alles beherrschende religiöse und staatliche System ist, aus dem es kein Entkommen gibt, die Meinungsfreiheit extrem eingeschränkt ist, Demonstrationen nur FÜR nicht aber gegen die Regierung erlaubt sind, Frauen unter das Kopftuch gezwungen werden und Apostaten mit dem Tode bestraft werden.

Es bedeutet ferner, dass sie es völlig in Ordnung finden , dass der Ex-Außenminister mit der Türkei kungelt und schmutzige Deals vereinbart,  und während er mit seinem türkischen Amtskollegen gemütlich  im eigenen Häuschen in Goslar Tee trinkt, gleichzeitig aber das türkisches Militär die Kurden auf syrischem Gebiet abschlachtet. Die meisten Deutschen scheinen es demnach gut zu finden, dass die Türkei unter Erdogan zu einer islamischen Diktatur umfunktioniert wird mit allen absehbaren negativen  Folgen für die Bevölkerung (siehe Iran!!!),  sie haben vermutlich auch kein Problem damit, dass Menschen gegen Geld gehandelt werden (und dabei beziehe ich mich nur auf den ausgehandelten Deal zum Flüchtlingsproblem!!!) Vor allem aber scheinen sie recht zufrieden damit zu sein, dass deutsche Panzer für die Türken rollen.

Wie um Himmels willen kann man diesen Außenminister gut finden?

Dabei habe ich noch gar nicht daran erinnert, dass sich Herr Gabriel  in Israel wie die Axt im Walde aufgeführt hat, die israelische Regierung brüskierte und sich lieber mit der ultralinken außerparlamentarischen Opposition traf, dass er Israel zum wiederholten Male als  Apartheidsstaat  bezeichnete und den Terror-Finanzierer Abbas als seinen Freund. Gabriel regte eine strategische Partnerschaft mit der Fatah an und förderte damit auch den erstarkenden muslimischen Antisemitismus in Deutschland, der mit dem deutschen Antisemitismus Hand in Hand geht und ungestraft auf Deutschlands Straßen „Tod Israel“ brüllen darf.

Was also war so gut an diesem Außenminister?

Und was, so  frage ich als SPD-Mitglied, war so gut an seiner Parteiführung? Das miese Spiel, dass er mit Schulz veranstaltet hat? Die ständigen Querschüsse, die er während des ohnehin nicht leichten Wahlkampfes von der Seitenlinie aus gegen die eigene Partei  feuerte? Das unredliches und erbärmliche Machtspielchen nach den Sondierungsgesprächen? Seine Bartgeschichte???

Was ist gut an diesem Mann, dass ihn die Medien derart über den grünen Klee loben?

Aber vielleicht finden ihn ja die meisten Deutschen deshalb gut, weil er sehr viel besser reden kann als Frau Merkel und weil er so einen treuherzigen Augenaufschlag zustande bringt wie sonst keiner im Parlament… mit diesem seelenvollen Dackelblick, der noch jeden zum Schmelzen bringt, der nicht eine ausgesprochene Hundephobie hat…

Wer weiß.

Herrn Maas als seinen Nachfolger finden die meisten Deutschen nicht so nett (gut). Das mag daran liegen, dass Eitelkeit weit weniger freundlich bewertet wird, als seelenvolle Augenaufschläge und schöne Reden.

Aber wer weiß. Wenn die Medien erst einmal loslegen mit einer Sympathiekampagne für den smarten Herrn Maas, kann ja nichts mehr schief gehen.  Um Leistung, die ein Minister zu erbringen hat, geht es bei den Beliebtheitswettbewerben, die regelmäßig von den Umfrageinstituten veranstaltet werden, ohnehin nicht.

Wer ist eigentlich heute der beliebteste Politiker im „Politbarometer“?

Weiß man das schon?


NACHKLAPP

Explizit zum Thema „Außenpolitik unter Gabriel“ äußert sich überaus faktenreich Michael Wolffsohn bei Achgut.

http://www.achgut.com/artikel/ein_aussenminister_den_man_nicht_vermissen_muss

Daraus diese kurze Sequenz:

„Seine Streicheleinheiten verstand das Mullah-Regime als Freifahrschein für die Fortsetzung innenpolitischer Unterdrückungen und außenpolitischer Kriegsabenteuer im Irak, Jemen, Libanon und in Syrien. Nach Ausbruch der Massenproteste gegen das Mullah-Regime hatte Gabriel nichts Eiligeres zu tun, als beide Seiten dazu aufzurufen, keine Gewalt einzusetzen.

Im Klartext: Gabriel setzte Unterdrückte und Unterdrücker gleich. Zur selben Zeit wurde in einem Luxuskrankenhaus Hannovers Irans ehemaliger Todesrichter gehegt, gepflegt und vor Rechtsverfolgung geschützt. Mit Wissen und Wirken des Auswärtigen Amtes, also sicher auch Gabriels.

Nicht den Iran, sondern Saudi-Arabien sollten wir, laut Gabriel, als Hauptverantwortliche für Nahostkonflikte und -kriege betrachten. Dass deutsche Firmen jüngst dem Iran Raketenbauteile lieferten, stieß nicht aufs Veto des Gabriel-Amtes. Bereitete er sich für eine Zweitkarriere als Iran-Lobbyist vor?

Gabriels Vorgehen widersprach nicht nur dem ethischen Selbstverständnis und der Staatsräson Deutschlands. Zu dieser gehört das unbedingte Eintreten für die Existenz des jüdischen Staates, Israel. Lippenbekenntnisse dazu kennen wir auch von Gabriel. Zugleich bezeichnete er Israel mehrfach als „Apartheid-Staat“.“

Mehr muss man eigentlich nicht sagen.

Dreamteam: Papst – Erdogan…. 6. Februar, 2018

Posted by Rika in antisemitismus, Christlicher Antisemitismus, gesellschaft, islam, israel, terrorismus.
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Ach was muss man doch von (bösen) Buben hören oder lesen….

Was mir gerade eben – so kurz vorm Schlafengehen – noch unter die Augen kam, ist nun alles andere als erfreulich. Ich bin aber eigentlich schon im Halbschlaf-Modus und werde deshalb keine großartigen Gedanken mehr auf virtuelles Papier bringen.

Deshalb nur eine kurze „copy & paste-Aktion“

Das schrieb ich einleitend bei Facebook:

Wäre es nicht das Oberhaupt der Katholiken würde ich zu dieser Geschichte das berühmte Sprichwort von den gehörnten Tieren bemühen, denen „man“ die Gartenarbeit überträgt…. 
Aber mit so profanen Vergleichen wird man dem höchsten Repräsentanten der Christenheit vermutlich nun doch nicht ganz gerecht…. wenngleich es für den anderen Protagonisten doch noch dieses Gedicht gab…. das von Böhmermann….

Meine Verehrung für den seltsamen Franziskus hielt sich schon immer in sehr überschaubaren Grenzen – und ich hoffe nun inständig, dass ich damit nicht die Katholiken unter meinen Freunden beleidige -, aber der Mann pflegt einen seltsamen Umgang mit Terroristen (ich denke da an seine Begegnung mit Herrn Abbas) und antijüdischen Terrorunterstützern… denn als solchen muss man Herrn Erdogan ansehen…


Jetzt aber liegt meine Sympathie für den Franz im absoluten Minusbereich auf einer Skala von 10 …. 0……10…-  

zu diesem Bericht:

Papst und Erdoğan wollen Jerusalem schützen

Im Vatikan empfängt Papst Franziskus den türkischen Präsidenten Erdoğan zu einer Audienz. Über die Jerusalem-Frage sind sich die beiden einig.

VATIKANSTADT (inn) – Papst Franziskus und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan wollen den jetzigen Status Jerusalems schützen. Das haben die beiden am Montag bei einer knapp einstündigen Audienz im Vatikan betont. Sie bezogen sich dabei auf die UN-Resolution vom 21. Dezember, die sich indirekt gegen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch US-Präsident Donald Trump richtete.

Laut der türkischen Nachrichtenagentur „Anadolu“ sprachen Franziskus und Erdoğan auch über gemeinsame Bemühungen gegen Fremdenhass und Islamophobie. Sie betonten, dass es falsch sei, Terror mit Religionen in Verbindung zu bringen. Ein weiteres Thema war die Flüchtlingspolitik.

„Jerusalem ist nicht nur eine Frage der Muslime“

Vor seinem Besuch im Vatikan hatte der türkische Präsident der italienischen Zeitung „La Stampa“ ein Interview gegeben. Darin kündigte er an, der Status Jerusalem solle im Fokus der Audienz stehen. Denn Trumps Erklärung widerspreche den internationalen Gesetzen. In dem Zusammenhang lobte er den Papst für Äußerungen in einem Telefonat nach der amerikanischen Entscheidung. Franziskus habe keine Zeit verloren und eine gerechte Botschaft an die gesamte christliche Welt verbreitet. „Denn Jerusalem ist nicht nur eine Frage der Muslime. Wir sind beide für die Verteidigung des Status quo und haben den Willen, ihn zu wahren“, ergänzte Erdoğan. „Keine Nation hat das Recht, einseitige Schritte zu unternehmen und die internationalen Gesetze zu ignorieren zu einer Frage, die Milliarden Menschen interessiert.“

Auf die Frage nach möglichen Initiativen von Türkei und Vatikan, um Jerusalem zu „bewahren“, antwortete er: „Der Status der Stadt muss gewahrt bleiben, auf Grundlage der UNO-Resolutionen, um zu gewährleisten, dass Muslime, Christen und Juden in Frieden leben, Seite an Seite. Die internationale Gemeinschaft muss die Verantwortung übernehmen, den Frieden in Jerusalem zu sichern.“

Seitdem die Türkei und der Vatikan 1960 offizielle Beziehungen aufnahmen, ist es der erste offizielle Besuch eines türkischen Präsidenten im Kirchenstaat.

 

Quelle:

Gute Nacht Welt… ich gehe jetzt schlafen…

Bürger zweiter Klasse… 7. November, 2017

Posted by Rika in gesellschaft, politik.
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Eigentlich,  so kann man es von Zeit zu Zeit in Zeitungen lesen und im Fernsehen erfahren, eigentlich hilft die Bundesregierung den Bürgern, die unverschuldet im Ausland in Not geraten sind…  Vor Jahren wurde für eine Göttinger Familie, die von muslimischen Rebellen verschleppt worden war, ein hohes Lösegeld bezahlt.  Menschen werden aus der Hand der Piraten gerettet, unauffällige Hilfe wurde bisher in sehr vielen Fällen geleistet.

Umso unverständlicher ist es, dass ein DEUTSCHER STAATSBÜRGER schon seit April in einem türkischen Gefängnis fest gehalten wird.

Sein Verbrechen?

Er war als christlicher Pilger unterwegs nach Jerusalem. Aufgebrochen ist er in seiner Heimatstadt Schwerin, sein Weg führte ihn zunächst nach Auschwitz – den Spuren des jüdischen Teils seiner Familie  folgend – mit der Idee im Herzen, pilgernd für Versöhnung und Frieden einzustehen. Seine Pilgerschaft verlief ruhig und friedlich, wenngleich das Wetter vermutlich oftmals suboptimal war. Schließlich erreichte er die Türkei und fand freundliche und ihm wohl gesonnene Menschen. An der Grenze zu Syrien wurde er aufgegriffen und inhaftiert.

Die Anklage? Der Vorwurf?

Es dauerte ziemlich lange, bis sich das deutsche Konsulat seiner annahm. Die Familie in Deutschland in größter Sorge, Angst und Ungewissheit schrieb Briefe an das Außenamt, an alle möglichen Stellen und Politiker, von denen sie sich Hilfe erhoffte.

Nichts.

Seine Gemeinde in Schwerin ruft zum Gebet auf.

Der arme Mensch hat einfach das Pech, ein ganz normaler Mensch wie Du und ich zu sein. Kein Menschenrechtsaktivist, kein prominenter Journalist, kein politisch bedeutsamer Mitbürger, kein Schauspieler oder Entertainer. Er ist so unbedeutend, dass kein Hahn nach ihm kräht, kein Claus Kleber mit vor Empathie zitternder Stimme sich seiner annimmt, keine  Dunja Halali für ihn trommelt. Es bilden sich keine Licht-Demonstrationen vor Kirchenämtern oder dem Bundestag.

Der Mann ist einfach nur ein Mensch.

Sonst nichts.

Als einfacher Mensch und sonst nichts bist Du aber ein Bürger zweiter Klasse wenn Du in die Fänge türkischer Behörden gerätst.

Dann gnade Dir nur noch Gott.

 

Nachlesen kann man die Geschichte hier:

Weitere Links hier:

https://unbesorgt.de/ab-sofort-bin-ich-menschenrechtsaktivist/

http://www.audiatur-online.ch/2017/08/28/deutscher-pilger-ueber-mehrere-monate-gefa

 

 

Über Erdogan sag ich jetzt gar nichts…. 12. März, 2017

Posted by Rika in gesellschaft, meine persönliche presseschau, politik.
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Kein Sterbenswörtchen kommt mir über die Lippen oder per Finger auf die Tastatur.

Ich schweige in zutiefst ergriffener Ehrfurcht vor der weisesten Weisheit der deutschen Regierung:

Einfach mal die Klappe halten.

Wir sagen nix.

Wir mischen uns nicht ein in türkische Angelegenheiten.

Wir weisen allerdings diesen dummen, na, ihr-wisst-schon-Vergleich strikt zurück, WIR sind nämlich weder Nazis noch Faschisten, nur dass das klar ist. Und wenn doch einer rechts ist, denkt, redet oder schreibt, dann schicken wir unser A-Team los, das sorgt für Ordnung. 

Wir sind die Guten und glauben an das Gute, die guten Beziehungen, die Freundschaft und den Frieden zwischen unserem Volk „der-hier-schon- länger-und-den-noch-nicht-so-lange-hier-Lebenden“ und dem türkischen Volk. Schließlich gibt es eine jahrhundertelange Tradition der gegenseitigen Achtung und Zusammenarbeit. Das lassen wir uns weder zerreden noch ausreden und kaputtmachen schon gar nicht.  

Eines muss man unserer Kanzlerin ja lassen, sie, von ihm  als „Mädchen“ tituliert, hat sich das von ihrem politischen Ziehvater gut abgeguckt: Sitzen und schweigen, aussitzen und mit unglaublich vertrauensvollen Augenaufschlag betonen: Ich sag nichts, ich weiß nichts und was ich weiß, will und werde ich nicht sagen, heute nicht und morgen nicht und überhaupt gar nicht.   Daran hat er sich bis heute gehalten…. jedenfalls was die Dinge angeht, über die er nie reden wollte, weil er sein Ehrenwort gegeben hat.

A propos Ehrenwort, ist eigentlich bekannt, ob „das Ehrenwort geben“ eine typische männliche Form ist, sich aus einer unangenehmen Affäre zu ziehen oder machen Macht-Frauen das auch so?

Frau Merkel setzt ja oftmals, wenn sie sich mit eigentlich unangenehmen Dingen an ihr Volk wendet,   ein „naives kleines Mädchen Lächeln“ auf und wird ganz volkstümlich weich in Stimmlage und Modulation. Ist Euch das schon mal aufgefallen?  (Schnodderig wird sie aber auch wenn ihr etwas nicht passt.)

So , als scheinbar  „kleines naives Mädchen“,   hat sie manchen  Mann in der deutschen Politik schachmatt gesetzt – wer würde schon gegen ein kleines Mädchen grob werden, und meistens funktionierte die Masche auch bei den  mächtigen Männern auf internationaler Ebene…  nur eben nicht bei dem     Ihr wisst schon,    bei dem, über den ich nicht reden will.

Das liegt vermutlich an den kulturellen Unterschieden. (Stichwort: Frauen    im Islam)

Eigentlich, so denke ich, wäre es aber längst an der Zeit gewesen, klare Worte zu sprechen, klare Grenzen aufzuzeigen und klare Kante gegenüber allen erpresserischen Versuchen zu geben, die jetzt so als Möglichkeiten in Gespräch sind. Eigentlich. Aber unsere Regierungschefin schweigt weitgehend.…. oder hebt nur ganz sacht die Stimme.

Ich finde das sehr bitter.

Und mehr will ich dazu gar nicht mehr sagen, schreiben auch nicht.

Denn heute will ich einen schönen Abend mit dem Liebsten verbringen, morgen muss ich in die Klinik, meine rechte Schulter wird operiert … und dann ist erst mal Essig mit der Schreiberei, schreibe ich doch seit meinem 15. Lebensjahr fließend im 10-Fingersystem und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das mit einem Finger – noch dazu einem linken – dann gehen soll.

Ein Hoch auf die Freundschaft…. 5. März, 2017

Posted by Rika in meine persönliche presseschau, politik, presse.
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Unser neuer Außenminister, Sigmar Gabriel, hat Sorgen, schreibt der spon.

Sigmar Gabriel (SPD) will sich die Freundschaft zur Türkei nicht „kaputtmachen lassen“. In einem Gastbeitrag für die „Bild am Sonntag“ warnt der Bundesaußenminister vor einer weiteren Verschlechterung des Verhältnisses der beiden Länder.

 „Die deutsch-türkische Freundschaft ist tiefer als die diplomatischen Spannungen, die wir heute erleben„, schreibt der SPD-Politiker. „Deutsche und Türken sind zu eng befreundet, um aus politischen Meinungsverschiedenheiten dauerhaft Hass und Unverständnis entstehen zu lassen.“    Offenbar will Gabriel eine weitere Eskalation des jüngsten Streits mit Ankara verhindern.

(Hervorhebung von mir)

Mhhh, da will der Sigi sich nichts kaputt machen lassen. Die Frage muss  doch erlaubt sein, wen er für den oder die Kaputtmacher hält. Er selbst singt ja das hohe Lied der Freundschaft zwischen Deutschen und Türken,  und das mag auf vielen sehr persönlichen Ebenen ganz sicher auch zutreffen, zur Freude der Beteiligten und mit gegenseitigem Gewinn.

Aber kann man sich vorstellen, dass Frau Merkel und Herr Erdogan  „Freunde “ sind? Und würde man das überhaupt wollen, ich meine, so gemeinsam am Strand spazieren gehen in Strickjacke und Jogginganzug wie weiland Kohl und Gorbatschow?  Wenn man sich die Bilder der letzten Treffen dieser zwei, Angie und Recep  ansieht, hat man doch eher den Eindruck, dass der eine die andere am liebsten sonstwo hin befördern würde und „ihr“ Gesichtsausdruck drückt doch alles andere als wahre Freude darüber aus.

Können eigentlich Staaten Freunde sein? Man redet ja immer von „befreundeten Staaten“, aber gemeint sind doch nicht die Institutionen, wohl eher sind  die entsprechenden Regierungen einander gewogen. Wobei, Freundschaftsverträge zwischen Staaten gibt es auch. Einen zumindest spuckt mir das Suchmaschinchen aus, und der ist schon eine Weile her ….

Dieser hier ist es:

Der Freundschaftsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Tonga ist ein Vertrag zwischen dem Deutschen Kaiser Wilhelm I. im Namen des Deutschen Reichs und dem König von Tonga, George Tupou I. Er wurde am 1. November 1876 abgeschlossen und am 1. Juni 1977 erneuert.

Quelle

 „Er wurde am 1. November 1876 abgeschlossen und am 1. Juni 1977 erneuert.“   Da gab es schon lange keinen Kaiser mehr im Deutschen Reich, und auch das Deutsche Reich war längst verschwunden. Wie sind jetzt Republik. Bundesrepublik, genauer gesagt und ganz genau „Bundesrepublik Deutschland“. So ein bisschen „Deutsch“ ist ja noch dabei.

Das Suchmaschinchen landet noch einen weiteren Treffer, diesen hier:

Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken [Berliner Vertrag], 24. April 1926

Der Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, den der deutsche Außenminister Gustav Stresemann und der sowjetische Botschafter in Deutschland Nikolaj Krestinskij am 24. April 1926 in Berlin unterzeichneten und der schon bald „Berliner Vertrag“ genannt wurde, war seinem Inhalt nach ein unspektakulärer Neutralitätsvertrag.

Wie wir alle wissen, war dem „unspektakurlären Neutralitätsvertrag“  keine lange Dauer beschieden und von Freundschaft konnte keine Rede mehr sein, als Hitlers „Deutsches Reich“ die Sowjetunion 1941 überfiel und in einen mörderischen Krieg zog.

Das „Deutsche Reich“ fand mit der Kapitulation ein Ende,  neben der Bundesrepublik Deutschland gab bis es 1990  die Deutsche Demokratische Republik, bis die dann aufgelöst wurde und einging in die BRD.   Die Sowjetunion  gibt es auch nicht mehr, sie löste sich auf in ein großes Russland und die jetzigen  Staaten der ehemaligen Teilrepubliken.

Die schlaue Suchmaschine belehrt mich auch darüber, wer eigentlich in unserem Staat für das Schließen von Verträgen zuständig ist:

Völkerrechtliche Verträge

Gemäß Artikel 59 Absatz 1 Satz 2 GG schließt der Bundespräsident im Namen des Bundes die Verträge mit auswärtigen Staaten. Völkerrechtliche Verträge zwischen Staaten werden im Namen des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland geschlossen. Dort, wo die Bundesregierung oder Bundesministerien völkerrechtliche Verträge selbst schließen können, so auf dem Gebiet der Regierungsübereinkünfte und Ressortabkommen, hat der Bundespräsident seine Rechte übertragen. In den Fällen, in denen der Bundespräsident nicht selbst handelt, fällt dem Bundesminister des Auswärtigen eine führende und koordinierende Rolle zu.

Meist erteilt der Bundespräsident dem Außenminister, einem Staatssekretär oder einem deutschen Botschafter dafür eine entsprechende Vollmacht.

Quelle

Da hat der Sigi ja Glück.

Da kann er sich  ja vom demnächstigen  Bundespräsidenten und ehemaligen Außenminister  die Erlaubnis holen, mit der Türkei einen  (neuen***) Freundschaftsvertrag   zu schließen, um sich ja nichts kaputt machen zu lassen an der tiefen Freundschaft zwischen Türken und Deutschen.

Denn die hat ja, abgesehen von den Beziehungen zwischen realen Menschen, also türkischen und deutschen,  auch politisch schon eine lange, wenn auch nicht unbedingt rühmliche Tradition.  So hat der deutsche Kaiser einfach ganz fest  Augen und Ohren verschlossen, als ihm von dem Massaker berichtet wurde, das die Türken an den Armeniern anstellten und das in einem furchtbaren Völkermord endete (der bis heute nicht    anerkannt ist von der Türkei und auch die Kanzlerin ziert sich) Die Türken waren schließlich Verbündete im Kampf gegen Engländer und Franzosen.

Aus berufener Quelle erfahren wir:

Das zweite und dritte Kriegsjahr waren von der Tragödie der Armenier überschattet. Dass sich der schon länger schwelende interethnische Konflikt im Süd-Kaukasus und in Ostanatolien gerade in jener Zeit gefährlich zuspitzte, hing nicht zuletzt auch mit der für die Türken ungünstigen Kriegsentwicklung zusammen. Botschafter von Wangenheim überreichte dem Großwesir im Juli 1915, etwa vier Monate nach Beginn der Ausschreitungen und den Deportationen von Armeniern, eine Protestnote der Reichsregierung. Deutsche Wirtschaftsvertreter wurden mehrmals gegenüber der osmanischen Regierung vorstellig, die Massaker und Vertreibungen einzustellen. Doch spielten wohl weniger humanitäre Gründe eine Rolle als vielmehr die Tatsache, dass armenische Facharbeiter zu Tausenden von den Baustellen der Unternehmen verschwanden, die am Vortrieb der Bagdad-Bahn beteiligt waren. Reichskanzler von Bethmann Hollweg war der Fortbestand des Bündnisses so wichtig, dass er selbst eine kritische Berichterstattung in der deutschen Presse verhinderte. „Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darob Armenier zugrunde gehen oder nicht“[4], so seine Replik auf einen entsprechenden Vorschlag der deutschen Botschaft in Konstantinopel.

Das mit der kritischen Berichterstattung hätte die jetzige Kanzlerin vielleicht auch manchmal ganz gerne, kann ich mir vorstellen, und der Sigi nicht minder. Ist doch einfach ganz lästig, wenn die Presse dauernd dazwischen funkt und auch meint, dass es nicht so toll ist, wenn in diesen Tagen türkische Minister Wahlkampf für ein Ermächtigungsgesetz, pardon, für das Referendum zur Verfassungsänderung machen, an der Herr Erdogan bastelt, damit er mit ähnlicher Machtfülle in Zukunft ausgestattet ist, wie weiland der Gröfaz. (Der bis heute unter Türken große Bewunderer hat…)

Ich finde, der Sigi sollte sich das mit der tiefen Freundschaft noch einmal gründlich überlegen.

Staaten sind keine Freunde, sie schließen Verträge, und Verträge sollten doch mehr mit Vernunft und weniger mit freundschaftlichen Gefühlen zu tun haben, die sind nämlich  in den ganz privaten zwischenmenschlichen Beziehungen eigentlich viel besser aufgehoben.

Ich kann leider nicht entdecken, dass Erdogans Pläne im Sinne einer demokratischen Gesellschaftsordnung, wie sie die Türkei bisher hatte, irgendwie „vernünftig“ sind.

Deshalb sollte der Sigi seinem türkischen Ministerkollegen ganz einfach schlicht erklären, dass Wahlkämpfe türkischer Minister auf deutschem Boden zur Auflösung der türkischen demokratischen Strukturen schlicht und einfach nicht erwünscht, nein, ganz und gar verboten sind.


*** Es gab schon mal einen „Freundschaftsvertrag„, aber auch der war nicht von langer Dauer.

 

 

Einen wunderbaren Artikel zur falsch verstandenen Freundschaft, respektive zum kleinmütigen Duckmausertum gegenüber der Türkei findet sich hier:  „Meinungsfreiheit hat Grenzen, Deutschland darf Erdogans Regime keine Bühne bieten“

Türkische Hybris und deutscher Kleinmut 4. März, 2017

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Seit einigen Tagen bereichert neben Dauerthema Trump eine weitere spektakuläre politische Situation die  Nachrichten.

In der Türkei soll abgestimmt werden über die Umstrukturierung der staatlichen Ordnung. Herr Erdogan möchte zukünftig als alleiniger Machthaber die Türkei regieren. Sein Ziel ist ein  Präsidialsystem, das dem Präsidenten uneingeschränkte Regierungsgewalt sichert. In einem Referendum sollen die Wähler über die notwendige  Änderung der Verfassung abstimmen.  Aufgerufen zu diesem Volksentscheid sind auch die hier in Deutschland lebenden Staatsbürger der Türkei.

Erdogan gehört nicht zu den besonnen handelnden und fest in der Demokratie  (europäisch-westlicher Prägung)  verwurzelten Politikern. Sein absoluter Machtanspruch ist vom ersten Tag seiner Amtszeit als Ministerpräsident an immer deutlicher hervorgetreten.  Die Entwicklung in der Türkei bietet derzeit größten Anlass zur Sorge. Lehrer, Richter, Staatsanwälte, Journalisten, Polizisten, Bürgermeister wurden unter fadenscheinigen Gründen nach dem misslungenen „Putschversuch“  zu Hunderten in die Gefängnisse geworfen und des Staatsstreichs bezichtigt.  Die Re-Islamisierung der Türkei  im Sinne eines Sharia konformen Staates schreitet im Eiltempo voran.

Aber nicht die offen zutage tretenden Missstände sind es allein, die zurzeit  Schlagzeilen beherrschen, nein, es ist wird darüber gestritten und debattiert,  ob (und unter welchen Umständen)  türkischen Regierungsmitgliedern der Auftritt zur Werbung für Erdogans Pläne in Deutschland ermöglicht werden soll und kann oder eben nicht.  Es hat bereits mehr oder weniger gut begründete Absagen für Veranstaltungen gegeben, was die türkische Regierung gar nicht erfreut und darum entsprechend heftig darauf reagiert.

Bei spon liest sich das so:

Der türkische Justizminister Bekir Bozdag legt mit Vorwürfen an die Bundesregierung nach der Absage seines Auftrittes im baden-württembergischen Gaggenau nach. Er warf Deutschland vor, Menschenrechte „mit Füßen zu treten“. Zugleich bezeichnete Bozdag das Untersagen seines Auftritts erneut als „faschistisches Vorgehen“.

In meinen Ohren klingt es wie Hohn, wenn angesichts der Zustände in der Türkei der Herr JUSTIZminister dieses Landes sich explizit auf die Menschenrechte beruft, die ihm und seinen Kollegen seiner Meinung nach vorenthalten werden, noch dazu verbunden mit dem provozierend  unhaltbaren Vorwurf:

Das Vorgehen gegen uns ist ein faschistisches Vorgehen und eines, das demokratische Werte verletzt. Es tritt die deutsche Verfassung und die Menschenrechtsverträge, an die Deutschland gebunden ist, mit Füßen“,

Das sagt ausgerechnet der Vertreter eines Landes, das  bereits jetzt erhebliche faschistische Strukturen aufweist. Stichwort    „Graue    Wölfe„.

In größtmöglicher Selbstüberschätzung nimmt die türkische Regierung für sich das Recht in Anspruch, auf deutschem Boden Werbung für ein Verfahren zu machen, das die politischen Strukturen in der Türkei,  denen des Faschismus  in Deutschland  zur Zeit der Nationalsozialisten sehr ähnlich machen wird.

Bitter beklagt sich die türkische Regierung über die Zurückhaltung der Kanzlerin, die in einem typisch Merkel’schen Schachzug es weit von sich weist, in irgendeiner Form konkret Stellung zu den türkischen Vorwürfen zu nehmen.

Merkel hatte am Freitag die türkische Kritik an der Absage von Wahlkampfterminen zurückgewiesenund deutlich gemacht, dass die Entscheidung bei den zuständigen Kommunen liege.

Das allerdings beklage ich  auch!

Denn anstatt der türkischen Regierung klar zu machen, dass Wahlkampf hier in Deutschland für einen Umbau der demokratischen Strukturen in der Türkei  nicht nur unerwünscht sei, sondern der Umbau selbst äußerst kritisch gesehen wird, verkriecht sich die Kanzlerin hinter Formalien, „zuständig seien die Kommunen“. Welch ein Kleingeist kommt da zum Vorschein, wie gering achtet die Kanzlerin die eigene politische Überzeugung demokratischer Grundsätze und deren  Glaubwürdigkeit.

Aber damit steht sie offenbar nicht allein, wie der Artikel bei spon deutlich macht.

Herr Oppermann rät zu Toleranz und begründet sie ausgerechnet mit der Meinungsfreiheit, die nicht nur  linke Politiker dem politischen Gegner  (beispielsweise von der AfD) so gerne versagen.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wirbt dennoch für Toleranz im Hinblick auf Auftritte türkischer Minister in Deutschland. Es liege zwar nahe, solche propagandistischen Veranstaltungen verhindern zu wollen, sagte Oppermann der „Welt am Sonntag“. „Wir wären aber schlecht beraten, das zu tun. Denn wenn wir Meinungsfreiheit ernst nehmen, dürfen wir nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.“ Allerdings müssten sich alle an die Regeln halten: „Unser föderaler Rechtsstaat erlaubt es Kommunen im Übrigen, bei Sorgen um die öffentliche Sicherheit und Ordnung, geplante Veranstaltungen abzusagen.“

(Hervorhebung von mir)

Diese Begründung für „Toleranz im Hinblick auf Auftritte türkischer Minister in Deutschland“ ist so wackelpuddingweich, ist so kleinmütig im Sinne eines energischen Eintreten für Demokratie und Freiheit in der Türkei, wie man es sich armseliger kaum vorstellen kann.

Politisch begründete Toleranz findet dort ihre Grenzen, wo sie Intoleranz und undemokratische Verhältnisse begünstigt. Toleranz gründet sich immer auf die eigene Stärke und kann niemals aus der Position des Schwachen oder Schwächeren glaubhaft gelebt werden, denn sonst wäre es kein tolerantes Handeln, sondern Unterwerfung mangels einer machtvollen Alternative.

Der CSU-Innenexperten Hans-Peter Uhl fordert eine deutliche und klare Linie, wenn er sagt:

„Wir müssen auch den Ministern von (Präsident Recep Tayyip) Erdogan klarmachen, dass wir diesen Weg, den die Türkei jetzt geht, in Deutschland missbilligen und in keinem Fall unterstützen“, sagte Uhl im Deutschlandfunk. „Das heißt: Redeverbot für diese Minister.“ Eine „uneingeschränkte Redefreiheit“ habe die deutsche Rechtsordnung nie gekannt, sagte Uhl, der auch Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist.

Der türkischen Hybris  sollten deutsche Politiker nicht mit Kleinmut begegnen.

Und auch nicht mit Angst, könnte ich ergänzen, Angst davor  nämlich, dass Erdogan seine erpresserischen Ankündigungen hinsichtlich des Flüchtlingsdeals wahr machen könnte.

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Viele von uns haben vermutlich  ebenso wenig wie ich die in 30 Artikeln beschriebenen Menschenrechte vor Augen. Ich stelle sie deshalb hier einfach noch einmal vor, Achtung, es ist ein langer Schrieb:

Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948

Die Artikel  15, 18, 19 und 20 sowie den letzten, Artikel 30, sind besonders zu  beachten,  sind es doch die Artikel, die in der Türkei gerade in Gefahr stehen, missachtet zu werden.

Die ausführliche Textversion habe ich  in die Kommentare verschoben.

Am Vortag des ersten Advent… 30. November, 2014

Posted by Rika in christenkram, christsein und glaube, gesellschaft, islam, meine persönliche presseschau.
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… mit dem nicht nur das Kirchenjahr beginnt, sondern auch die Zeit der Vorbereitung und der Besinnung auf das Christfest,  dem Fest, an dem Christen die Geburt Jesu feiern,  steht mit Papst Franziskus einer der höchsten Repräsentanten der Christen in Istanbul in einer Moschee und verneigt sich gegen Mekka.

Kann es ein stärkeres Symbol an die Gemeinschaft der Muslime gewandt geben?

Mit dieser Geste, berichtet spiegel-online, habe der Papst um die Verständigung zwischen Christen und Muslimen werben wollen. Bei vielen eher säkular lebenden Menschen in Deutschland kommt dieses weitere Zeichen der päpstlichen Demut gut an, Franziskus der sparsam lebende, fröhlich- demütige Gottesmann, der Frieden für alle fordert….

Ich muss gestehen, bei mir stößt diese Verneigung gen Mekka eher bitter auf.

Im Frühjahr 2010 hatten wir an einer sogenannten „Leserreise“ in die Türkei teilgenommen, sie stand unter dem Motto:  „Auf den Spuren des Apostel Paulus“.  Zwar besuchten wir  antike Städte, die zu Zeiten des Apostel Paulus wirtschaftlich blühende  und damit auch religiöse Zentren der damaligen Zeit waren.  Paulus – so kann man es in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments nachlesen – suchte diese Orte gezielt auf, arbeitete und predigte in den schon damals bestehenden Synagogen der jüdischen Gemeinden und auf den öffentlichen Plätzen der Städte. Die ersten christlichen Gemeinden wurden so gegründet. Davon erzählen  in der heutigen Türkei nur noch die Steine.  Nennenswertes, im öffentlichen Leben der Türkei verankertes Christentum gibt es nicht mehr. Christen sind abgeschoben an den äußersten Rand der Gesellschaft, wobei es schon als Fortschritt zu betrachten ist, dass der Verfolgungsdruck, der vor einigen Jahren noch ziemlich hoch war, offenbar ein wenig nachgelassen hat. Mit der Vertreibung und dem Völkermord an den Armeniern und der vom Völkerbund getragenen ethnischen Säuberung (christliche-griechische Bewohner wurden nach Griechenland, türkisch-muslimische Bewohner in Griechenland in die Türkei  umgesiedelt) gibt es keine größere christliche Gemeinschaft mehr.

In Konja – zu Paulus Zeiten hieß die Stadt Ikonion und wurde auch nachweislich von Paulus besucht – gibt es eine „Paulus-Kirche“. Die durften wir besichtigen. Sie besteht zwar noch als Kirchengebäude, (katholische) Gottesdienste, deren wichtigster Bestandteil die „heilige Messe“ ist, können aber nicht mehr stattfinden, da es keinen Priester gibt, der die Messe lesen und vollziehen könnte. Priester können in der Türkei nicht ausgebildet werden, der Nachwuchs fehlt. Drei italienische Nonnen kümmern sich um das Gebäude und halten regelmäßige Andachten.  Was als „Spuren des Apostel Paulus“ bezeichnet wurde, hätte man genauso gut  „Reise zu den antiken griechischen Städten Kleinasiens“ nennen können. Unser Reiseleiter war ein netter und gebildeter Mann und so wusste er auch einiges über das Christentum zu erzählen, meine Einwände und Klarstellungen gefielen ihm nicht – und die übrige Reisegesellschaft war wohl eher an der heutigen türkischen Marktwirtschaft interessiert, als an den Spuren eines jüdischen Zeltmachers, der mit seinen Missionsreisen die Botschaft Jesu in die Welt trug.

So hielt ich meinen Mund.

Das kam mir in den Sinn bei dem Bericht über die Verneigung des Papstes in der „Blauen Moschee“ gen Mekka.

Und ich musste daran denken, dass Mekka von Christen nicht einmal betreten werden, geschweige das dort von ihnen gebetet werden darf.

Ja, der Papst hat ein starkes Symbol gegeben mit seiner Verneigung.

Ein Symbol der Unterwerfung des großen christlichen Oberhaupts***  unter den Islam.

Das ist umso mehr bedeutsam, als Erdogan unwidersprochen von der zunehmenden „Islamophobie“ und der Unterdrückung der Muslime in Deutschland und Europa redete.

Heute ist der 1. Advent!

Die Weihnachtsmärkte verströmen Glühweinduft, locken mit allerlei Köstlichkeiten, die Kassen klingeln und die Musik dröhnt dazu Jingle Bells…

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*** als evangelisch-freikirchliche Christin habe ich es nicht so mit christlichen Oberhäuptern und der Papst wäre für mich eher EIN Vater in Christo und nicht „der heilige Vater“ und so könnte es mir eigentlich egal sein, wenn sich  der Papst gen Mekka verneigt. Ich halte sein Tun aber für das falsche Zeichen, zumal in Mekka ein heidnisches Heiligtum verehrt wird…..  Da kommt mir dann auch noch die Geschichte von Daniel in den Sinn, der sich geweigert hat, ein fremdes Heiligtum / einen fremden Gott anzubeten….  die Geschichte sollte der Papst eigentlich kennen.

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ADVENT

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe…“ aus Psalm 24

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Kurze Rückschau auf eine bemerkenswerte Rede…. 24. September, 2014

Posted by Rika in gesellschaft, islam, politik, terrorismus.
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Angesichts  der vielen verstörenden Berichte über junge Männer, die sich dem „Islamischen Staat“ anschließen und für dessen Verwirklichung in den Krieg ziehen, töten, morden und  zerstören,  wird  einmal mehr die Forderung nach besseren Konzepten der Integrationspolitik laut und zum anderen darüber nachgedacht, die Rückkehrer in einem therapeutisch ausgerichteten Resozialisierungsprojekt für unsere demokratische Gesellschaft zurück zu gewinnen.  Es gibt jedoch auch Stimmen, wie die Wolfgang Bosbachs beispielsweise, die die IS-Kämpfer nicht wieder in die Bundesrepublik einreisen lassen wollen und dafür auch gute Gründe anführen.

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass alle Maßnahmen zur Integration an den jungen Männern gescheitert sind, die sich dem Kampf gegen die Werte verschrieben haben, die für unsere Gesellschaft in Deutschland bindend sind, wie Religionsfreiheit, Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit, Demokratie… um nur ein paar wesentliche Bereiche zu nennen.  Der „Islamischer Staat“, dem sich die jungen Muslime anschließen, bekämpft mit grausamsten Methoden genau diese Werte. Natürlich kann man fragen: „Was ist falsch gelaufen, warum haben unsere gesellschaftlichen Werte nicht überzeugen können, was hätten „wir“ anders machen müssen? Wieso radikalisieren sich junge Muslime in einer unaussprechlich grausamen Weise? Was hat das mit uns zu tun?“

Sicher ist es notwendig, diese Fragen zu stellen und klügere Leute als ich werden bestimmt auch Antworten darauf haben oder finden.

Ich denke aber, dass es nicht „nur“ ein Versagen unserer Gesellschaft ist, wenn sich muslimische Migranten nicht in unseren Ordnungen zurecht finden und unsere Werte nicht übernehmen können oder wollen.   Es gibt auch Gründe, die außerhalb unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit in der Bundesrepublik zu finden sind.

Die folgende Rede mag das verdeutlichen.

Der damalige Ministerpräsident der Türkei, Erdogan, hielt sie im Februar 2008 in Köln:

„Meine sehr verehrten Mitbürger, liebe Schwestern und Brüder, unsere verehrten Botschafter, die ihr den Duft der anatolischen Erde, jene anatolische Sensibilität bis nach Deutschland, in die Mitte Europas, getragen habt, meine Damen und Herren. Ich grüße Sie alle aus tiefstem Herzen. Ich grüße jeden Einzelnen von Ihnen mit Liebe und Respekt. Heute ist die Stadt Köln Zeuge eines denkwürdigen Programms.

Heute wird von hier aus die Botschaft von Brüderlichkeit, Freundschaft, Solidarität und Frieden nach ganz Europa und in die gesamte Welt übermittelt. Die türkische Gemeinschaft in Deutschland demonstriert heute wieder einmal der ganzen Welt den mit Liebe, Freundschaft, Zuneigung durchdrungenen Charakter unseres Volkes. Die türkische Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft der Liebe, des Friedens, die türkische Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die die Brüderlichkeit hochhält. Die türkische Gemeinschaft und der türkische Mensch, wohin sie auch immer gehen mögen, bringen nur Liebe, Freundschaft, Ruhe und Geborgenheit mit sich. Hass und Feindschaft können niemals unsere Sache sein. Wir haben mit Streit und Auseinandersetzung nichts zu schaffen. Genau wie jenes Licht, das vor Hunderten von Jahren in Anatolien von Yunus (gemeint ist der türkische Volksdichter Yunus Emre, d.Red.) in unsere Herzen eingepflanzt wurde:

„Ich bin nicht zum Streit gekommen

Meine Sache ist die Liebe.

Das Haus des Freundes, das sind die Herzen,

Ich kam, um Herzen zu gewinnen“

Ich gehe im Geiste zurück in das Jahr 1961, als ich der Abfahrt meiner Verwandten mit jenen von Dampfloks gezogenen Zügen im Bahnhof Sirkeci (Istanbul) zuwinkte. Als jene Züge unsere Freunde (im Original „Gurbetci“, was so viel heißt wie „rückkehrwilliger Auslandstürke“, d. Red) nach Deutschland brachten, trug ein jeder von ihnen im Herzen jenes Licht, von dem ich eben sprach. Jeder unserer Brüder und Schwestern hat hier Tag und Nacht gearbeitet, um Herzen zu gewinnen. Sie haben jede Bitterkeit zu Honig gemacht, jedweder Schwierigkeit getrotzt. Heute haben Sie fast die Zahl von drei Millionen erreicht. Doch zu Beginn dieser Woche haben wir in Ludwigshafen neun unserer Brüder und Schwestern in einem Brand verloren. Neun unserer Geschwister, fünf von ihnen waren noch Kinder, haben in der Blüte ihrer Jugend dieser Welt Lebwohl gesagt. Ich erbitte für jeden von ihnen Gottes Erbarmen, für meine verletzten Brüder und Schwestern bete ich für baldige Genesung.

Wie Sie wissen, bevor wir nach Deutschland kamen, befand sich der deutsche Innenminister in der Türkei. Die erste Einschätzung haben wir mit ihm gemeinsam in der Türkei vorgenommen. Sofort nach dem Vorfall haben wir unseren Staatsminister Mustafa Said Yazicioglu zusammen mit einer vierköpfigen Expertengruppe der Polizei zum Ort des Geschehens geschickt. Hier haben wir in allen unseren Gesprächen mit den deutschen Stellen unsere Sensibilitäten und unsere Erwartungen zum Ausdruck gebracht und die Sache auch mit der verehrten Frau Kanzlerin detailliert besprochen. Wir haben unsere Erwartung, dass dieser Vorfall in all seinen Dimensionen untersucht wird, mit ihnen besprochen. Wir haben auch zum Ausdruck gebracht, dass wir diese Sache weiterhin verfolgen werden. Unser Wunsch ist der folgende: Nicht nur unsere Staatsbürger hier, sondern auch unsere Staatsbürger in der Türkei, die diese Entwicklung aus nächster Nähe verfolgen, mögen Ruhe finden. Doch glaube ich, dass auch die deutsche Regierung, das deutsche Volk ebenso beunruhigt sind. Die Aufklärung ist auch erforderlich, damit auch sie Ruhe finden können. Möge Gott geben, dass solche bitteren Bilder die letzten gewesen sind. Möge Gott geben, dass wir nicht noch einmal solchen Schmerz erdulden müssen.

Und heute, wie Sie wissen, werden unsere Brüder und Schwestern, die ihr Leben verloren haben, mit einem Flugzeug der Turkish Airlines, das von dem Amt des Ministerpräsidenten geschickt worden ist, gemeinsam mit ihren Angehörigen und unserem Staatsminister Herrn Said Yazicioglu, nach Gaziantep überführt.

Seit dem Jahr 1961 haben Tausende unserer Brüder und Schwestern ihre Häuser, manchmal ihre Familien, ihre Eltern, ihre Ehefrauen und ihre Kinder zurückgelassen und sind hierhergekommen. Nicht wenige haben hier geheiratet, es kamen hier Kinder zur Welt, es wurden hier Enkel geboren. Heute haben Sie allein in Deutschland eine zahlenmäßige Stärke von fast drei Millionen erreicht. Sie haben nunmehr seit 47 Jahren mit Ihrer Arbeit, mit Ihrem Bemühen dazu beigetragen, dass Deutschland vorankommt, dass Deutschland in Europa und in der Welt zu einem mächtigen Land wird. Sie haben hier einerseits gearbeitet, andererseits aber haben Sie sich bemüht, Ihre Identität, Ihre Kultur, Ihre Traditionen zu bewahren. Ihre Augen und Ihre Ohren waren immer auf die Türkei gerichtet. Die Tatsache, dass Sie seit 47 Jahren Ihre Sprache, Ihren Glauben, Ihre Werte, Ihre Kultur bewahrt haben, vor allem aber, dass Sie sich gegenseitig stets unterstützt haben, diese Tatsache liegt jenseits aller Anerkennung.

Ich verstehe die Sensibilität, die Sie gegenüber Assimilation zeigen, sehr gut. Niemand kann von Ihnen erwarten, Assimilation zu tolerieren. Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie sich einer Assimilation unterwerfen. Denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Sie sollten sich dessen bewusst sein. Wir müssen jedoch auch Folgendes zur Kenntnis nehmen: Sie können sich im heutigen Deutschland, in Europa von heute, in der heutigen Welt, nicht mehr als „der Andere“, als derjenige, der nur vorübergehend hier ist, betrachten, Sie dürfen sich nicht so betrachten. Die türkische Gemeinschaft hat sich volle 47 Jahre für dieses Land verausgabt. Nicht nur in Deutschland, in zahlreichen Ländern Europas nähert sich die Zahl unserer Staatsbürger fast fünf Millionen. Es ist bemerkenswert, dass trotz diesem immensen Einsatz, trotz dieser zahlenmäßigen Stärke gewisse grundlegende Probleme in diesen Ländern sich immer noch nicht auf der Tagesordnung befinden. Selbstverständlich werden unsere Kinder Türkisch lernen. Das ist Ihre Muttersprache und es ist Ihr natürlichstes Recht, Ihre Muttersprache Ihren Kindern weitergeben.

Jedoch würden Sie, wenn Sie die Sprache des Landes erlernen, in dem Sie leben, oder sogar noch einige Sprachen dazu, in jeder Hinsicht davon profitieren. Schauen Sie, viele unserer Kinder hier lernen in frühem Alter keine Fremdsprachen. Diese Kinder werden mit Deutsch erst dann konfrontiert, wenn sie mit dem Schulbesuch beginnen. Und das führt dazu, dass diese Kinder im Vergleich zu den anderen Schülern die Schullaufbahn mit einem Nachteil von eins zu null beginnen müssen. Doch würde es für Sie und für Ihre Kinder in jeder Hinsicht vorteilhaft sein, wenn Sie die Möglichkeiten maximal ausschöpfen, die das hiesige gute Schulsystem Ihnen bietet.

Sie werden einen Beruf ausüben, Sie werden öffentliche Dienste in Anspruch nehmen. Wenn Sie die Sprache des jeweiligen Landes nicht beherrschen, nicht lernen, so fallen Sie unweigerlich in eine Situation der Benachteiligung.

Weiter: Jahrelang hat eine Haltung vorgeherrscht, die durch eine Distanz gegenüber der Politik in diesem Lande, gegenüber der Außenpolitik, der Innenpolitik, der Sozialpolitik charakterisiert war. Doch sollte die türkische Gemeinschaft mit ihren drei Millionen Menschen in der Lage sein, in der deutschen politischen Landschaft einen Einfluss auszuüben, Wirkungen zu erzielen. (Zurufe „Die Türkei ist stolz auf dich“, Anm. d. Übers.)

Warum sollten wir nicht in Deutschland, in den Niederlanden, in Belgien, in den anderen Ländern Europas auch Bürgermeister haben? Warum sollten wir keine Vertreter und Gruppen in den politischen Parteien haben? Warum sollten wir im deutschen Parlament, im EU-Parlament nicht noch mehr Vertreter haben? Warum sollten unsere Ansichten bei der Formulierung der Sozialpolitik der Länder, in denen wir leben, nicht zur Kenntnis genommen werden?

Schauen Sie sich die amerikanischen Wahlen an. Achten Sie darauf, wie die Menschen aus unterschiedlichen Ländern im Prozess der Wahlen und nach den Wahlen bei der Formulierung der Politik Einfluss ausüben. Hoffentlich (Antwort auf einen Ruf seitens der Zuhörer, d. Red.) – Leider leidet unser Land seit Jahren darunter. Manche Gemeinschaften sind in der Lage, auch wenn sie nur aus einer Handvoll Menschen bestehen, basierend auf ihrem intensiv betriebenen Lobbyismus, die Politik eines jeden Landes, in dem sie sich befinden, zu beeinflussen. Sie können Druck ausüben, um Beschlüsse der Parlamente in den jeweiligen Ländern zu erwirken. Warum sollten wir nicht Lobbyismus betreiben, um unsere Interessen zu schützen? (Applaus, Anm. d. Übers.)

Meine lieben Brüder und Schwestern … Im Moment leben in Deutschland etwa drei Millionen Türken, doch sind davon 800000 deutsche Staatsbürger, 800000. Das ist keine Zahl, die man einfach ignorieren könnte. Es ist angebracht, sich damit eingehend auseinanderzusetzen. Sie sollten sich diese Fragen gegenseitig nunmehr öfters stellen. Gott sei Dank haben wir in den letzten Jahren eine beachtliche Strecke zurückgelegt. Wir stehen in ständigem Kontakt mit unseren Vereinen und den zivilgesellschaftlichen Organisationen hier. Was könnte man noch unternehmen? Wie könnten die Probleme der türkischen Gesellschaft gelöst werden? Wir beschäftigen uns nun viel mehr mit diesen Fragen und wir geben uns viel mehr Mühe und setzen uns stärker ein. Es ist jetzt unumgänglich geworden, dass auch Sie, jeder für sich und in Ihren Familien, mit Ihren Verwandten, Freunden, Nachbarn diese Fragen verstärkt stellen und die Schritte, die aus diesen Fragen folgen, unternehmen. Schauen Sie, heute ist die Türkei ein Land im Beitrittsprozess in die Europäische Union. Das heißt, wir führen Verhandlungen. Wie Sie wissen, hat vor zwei Jahren der Verhandlungsprozess begonnen. Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass gewisse Länder die Frage der Mitgliedschaft der Türkei für ihre innenpolitischen Ziele instrumentalisieren und Schritte unternehmen, die darauf gerichtet sind, den Beitrittsprozess der Türkei zu unterbinden.

Ich möchte hier besonders betonen: Die Türkei hat keine andere Alternative als die Vollmitgliedschaft in der EU, sie kann keine andere Alternative haben. Von Zeit zu Zeit sprechen einige von etwas, das sie die privilegierte Partnerschaft nennen. Unser Buch enthält nichts dergleichen, nichts, was man als privilegierte Partnerschaft bezeichnet. Aber ich möchte, dass Sie auch folgenden Punkt beachten: Auch das Rechtssystem der Europäischen Union kennt keine privilegierte Partnerschaft. Nun bereiten sie ein neues Szenario vor. Die Türkei wird in einem solchen Szenario nicht mitspielen. Niemand wird in der Lage sein, der Türkei diesen Anzug aufzuzwingen. Das sollten Sie wissen. Wir haben den Prozess der europäischen Einigung 1959 gestartet. 1963 starteten wir den vertraglichen Prozess. Die Türkei befindet sich seit 1963 vertraglich im Prozess der europäischen Einigung. Und, können Sie sich vorstellen, sie haben seit 45 Jahren immer das getan, immer solche Sachen verlautbart. Doch die Türkei war geduldig. Mit Geduld sind wir so weit gekommen. Nun sagen sie sich, vielleicht können wir etwas unternehmen, dass die Türkei sich abwendet. Sie mögen uns entschuldigen, wir werden uns nicht abwenden. Wir werden diesen Weg fortsetzen. Nun, wollen sie uns nicht?

Wenn sie uns nicht wollen, sollen sie diejenigen sein, die die Entscheidung fällen. Sie sollen sich entscheiden. Doch wir werden nicht diejenigen sein, die sich davonmachen. Wir werden uns nicht abwenden. Wir machen unsere Hausaufgaben. Wir wissen auch, was wir zu tun haben. Schauen Sie: Das Projekt „Bündnis der Zivilisationen“, das unter der Führung von Kofi Annan begonnen wurde und bei dem wir, gemeinsam mit meinem verehrten Kollegen Zapatero, dem spanischen Ministerpräsidenten, die Moderation übernommen haben, stellt einen wichtigen Schritt dar. Warum haben wir an diesem wichtigen Schritt teilgenommen? Warum? Weil wir wollten, dass die Europäische Union zu einer wichtigen Adresse im Rahmen dieses wichtigen Schritts wird. Wenn wir das nicht getan hätten, hätte man das dann als Bündnis bezeichnen können? Nein. Dann wären sie unter sich geblieben. Doch gibt es hier einen Punkt, den es zu bemerken gilt. Auf der einen Seite, im Namen der islamischen Welt, die 1,5 Milliarden Menschen umfasst, steht die Türkei, die ein demokratischer, laizistischer, sozialer Rechtsstaat ist, auf der anderen Seite, im Namen des Westens, Spanien. Gemeinsam haben wir dieses Projekt gestartet. Was wollen wir? Es soll keinen Zusammenprall der Zivilisationen, sondern ein Bündnis der Zivilisationen geben. Welche soll die erste Adresse sein? Es soll die Europäische Union sein. Wenn jedoch die Europäische Union nicht in der Lage ist, dieses Unterfangen durchzustehen, so werden wir nicht dafür verantwortlich sein. Es werden diejenigen verantwortlich sein, die nicht in der Lage sind, das durchzustehen. Ich betone das besonders. Deswegen sage ich allen unseren Brüdern und Schwestern, die in diesem Moment in Köln-Arena versammelt sind: Ja, Sie sind bereits in der Europäischen Union, Sie sind in der EU. Wir sagen unseren europäischen Freunden, schauen Sie, Sie machen einen Fehler. Diese Herangehungsweise an die Türkei ist nicht angebracht. Wir haben sowieso im Moment fast fünf Millionen Staatsbürger, die sich in der Europäischen Union befinden.

Schauen Sie, halten Sie uns nicht länger mit fadenscheinigen Vorwänden auf. Lassen Sie uns diese Sache rasch abschließen. Es sind bereits 45 Jahre vergangen, das ist keine kurze Zeitspanne, lassen Sie diese Hinhaltetaktik. Natürlich, wir setzen uns und sprechen darüber. Da sieht man, dass sie unter Atemnot leiden. Wir sind jedoch geduldig. Hoffentlich werden wir das schaffen. Es gibt jedoch auch andere, die da sagen, ziehen Sie sich zurück. Mit der europäischen Union wird es nicht funktionieren. Liebe Brüder und Schwestern, wir werden auch diesem Trick nicht verfallen. Wir werden diesen Weg beharrlich fortsetzen. Seit fünf Jahren haben wir diesen Weg fortgesetzt. Schauen Sie, Gott sei Dank, wir konnten in unserer Regierungsperiode die politischen Kriterien von Kopenhagen erfüllen. Jetzt marschieren wir in Richtung der ökonomischen Maastricht-Kriterien. Es ist interessant festzustellen: Auch in Richtung der ökonomischen Maastricht-Kriterien konnten wir eine beachtliche Wegstrecke zurücklegen. Auch in dieser Hinsicht ist der Punkt, den wir erreicht haben, ansehnlich. Obschon zahlreiche Länder, die der EU zugehören, die ökonomischen Maastricht-Kriterien nicht erfüllen können, sind wir in der Lage, sie zu erfüllen. Wir können sie erfüllen.

Es genügt, dass wir solidarisch sind. Es genügt, dass wir uns nicht als Fremde, nicht als Gast, nicht als der/die Andere sehen, dass wir uns als ein wesentliches Element dieses Landes betrachten. Sie werden sehen, in dem Moment, in dem wir dies erreichen, werden unsere Probleme hier eines nach dem anderen gelöst werden.

Meine verehrten Brüder und Schwestern, meine verehrten Mitbürger. Gott sei Dank hat die Türkei in den letzten fünf Jahren Fortschritte verzeichnet, die als historisch zu bezeichnen sind. Ich bin mir sicher, dass Sie von hier aus den Prozess der Umwandlung, die die Türkei durchmacht, viel besser erkennen können. Sie können das Echo der Türkei in der ganzen Welt und in Europa viel besser wahrnehmen. Schauen Sie, was die Freiheiten betrifft, hat die Türkei in den letzten fünf Jahren Riesenschritte unternommen. Noch im dritten Jahr nach unserer Regierungsübernahme haben wir die politischen Kriterien von Kopenhagen erfüllt, das liegt nun hinter uns. Auf diese Weise wurde der Weg für die Beitrittsverhandlungen eröffnet. Unsere Bemühungen, die Menschenrechte und die Freiheiten entsprechend den europäischen Standards zu gestalten, werden fortgesetzt. Wir schreiten entschieden voran, um alle Hindernisse für die Inanspruchnahme der Freiheiten zu beseitigen und eine demokratischere Struktur für die Türkei zu erreichen. Haben wir keine Mängel? Natürlich haben wir welche. Aber, wir werden unser Ziel früher oder später erreichen.

Meine lieben Brüder und Schwestern, Sie, Ihre Angehörigen, waren gezwungen, wegen der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, wegen Arbeitslosigkeit, wegen Mangels an Straßen hierhin zu kommen und hier unter schweren Bedingungen zu arbeiten. Niemand sonst kann so gut verstehen, was das heißt, was das Leben in der Fremde bedeutet. Genauso waren Tausende von unseren Studentinnen gezwungen, wegen gewisser Hindernisse ihr Land und ihre Universitäten zu verlassen und hierhin und in andere Länder der Welt zu fahren, und in der Fremde zu leben. Wer kann ein solches Recht haben? Wer kann das Recht haben, den Menschen ihre eigene Heimat, das eigene Vaterland in einen Ort zu verwandeln, in dem Zwang herrscht? Mit welchem Blickwinkel, mit welcher Berechtigung kann diese bekannte Einstellung unsere intelligenten und fleißigen Jugendlichen, unsere unternehmerischen Jugendlichen dazu zwingen, die Träger eines „Braindrain“ zu sein und die eigene Heimat zu verlassen? Diese Dinge sind nicht nachvollziehbar. Die Türkei, die sich im Prozess der Aufnahmeverhandlungen für die europäische Union befindet, verdient solche Maßnahmen nicht.

(Es folgen Ausführungen zur weltökonomischen Stellung und binnenwirtschaftlichen Entwicklung der Türkei, d.Red.)

Meine lieben Schwestern und Brüder, die Türkei wird nunmehr von einer Regierung gelenkt, die Ihre Probleme kennt und die ihre Arbeitszeit für die Lösung Ihrer Probleme aufwendet. Ich muss natürlich hier eine Sache ansprechen, die uns Kummer bereitet. Ich weiß sehr wohl, dass die Änderungen in dem Zuwanderungsgesetz Sie beunruhigt haben. Wir verfolgen dieses Thema aus nächster Nähe. Gestern, vorgestern haben wir dieses Thema mit der sehr geehrten Kanzlerin besprochen. Wir möchten insbesondere, dass Sie, sowohl als Einzelpersonen wie auch als zivilgesellschaftliche Organisationen bei Ihrem Einsatz für Ihre Rechte entsprechend den nationalen und internationalen Regelungen, beim Ausdrücken Ihrer Reaktionen, wie bis heute schon immer gewesen, immer respektvoll gegenüber dem Recht des Landes, in dem Sie leben, besonnen und maßvoll vorgehen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie auch für diese Ihre Verhaltensweise beglückwünschen. Ich bin überzeugt, dass wenn Sie Ihre unterschiedlichen Ansichten beiseitelassen und bezüglich der gemeinsamen Interessen gemeinsam vorgehen, diese Haltung Ihre Stärke noch multiplizieren wird.

Und ich hoffe, dass bei den nächsten allgemeinen Wahlen, bei den Wahlen für die Präsidentschaft und bei den Volksentscheiden, wobei die Kommunalwahlen ausgenommen sind, denn bei denen ist das nicht möglich, mein Volk nunmehr seine Stimme abgeben können wird.

Ein anderer Punkt auf unserer Tagesordnung ist ein hässliches Programm, das leider in einem deutschen Fernsehkanal gesendet worden ist. Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass unser Volk wegen dieser hässlichen Ausdrücke sich tief verletzt gefühlt hat. Die Pressefreiheit kann niemals unbeschränkt sein. Die Meinungsfreiheit kann niemals unbeschränkt sein. Die Freiheiten reichen nur bis zur Grenze eines anderen Freiheitsbereichs. Bis dahin bist du frei, aber sobald du den Freiheitsbereich eines anderen Menschen betrittst, endet deine Freiheit, sollte deine Freiheit enden. Anders herum würde dies die Missachtung der Menschenwürde bedeuten. Es würde die Missachtung des Rechts auf eine unterschiedliche Organisation bedeuten. Wir erwarten in diesem Punkt Sensibilität. Wir erwarteten und erwarten in diesem Zusammenhang von denjenigen, die für die Ausstrahlung des besagten Programms verantwortlich sind, von der betreffenden Behörde, dass sie sich vor allem bei unseren alevitischen Staatsbürgern, bei der Öffentlichkeit wegen der erfolgten Übergriffe entschuldigen. Unsere Unruhe in diesem Zusammenhang haben wir, meine lieben Brüder und Schwestern, den deutschen Stellen mitgeteilt, wir werden dies weiter verfolgen. Wir haben dies in zahlreichen europäischen Parlamenten, im Europarat und bei unseren Gesprächen auf die Tagesordnung gesetzt.

Meine werten Brüder und Schwestern, wir sind in der Türkei in dem Maße glücklich und ruhig, wie Sie hier glücklich und ruhig sind. Ihre Probleme sind unsere Probleme. Seien Sie versichert, dass Ihre Angelegenheiten auch unsere Angelegenheiten sind. Wichtig ist, dass wir die Hoffnung nicht verlieren, dass wir niemals Abstriche an dem Geist der Solidarität zulassen, wir einheitlich sind, stark und vital sind. Es gibt kein Problem, das wir mit Gottes Hilfe nicht überwinden können, es wird kein solches Problem geben.“

Quelle: http://www.welt.de/debatte/article1660510/Das-sagte-Ministerpraesident-Erdogan-in-Koeln.html

Hervorhebungen von mir. Über die so gekennzeichneten Textstellen mag sich jeder selber seine Gedanken machen….  Ich möchte sie nicht im einzelnen kommentieren, bewundere aber beinahe das Geschick Erdogans, mit dem er seine Botschaft im Hinblick auf das Fortschreiten einer islamischen Gesellschaftsordnung für Deutschland und Europa  innerhalb seiner Rede so verpackt hat, dass sie erst beim sorgfältigen Lesen trotz der nebulösen Äußerungen erkennbar wird.

Damals – 2008 –  rief die Rede schon deutliche Missfallensäußerungen hervor, heute erscheint sie mir  vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen des „Islamischer Staat“ und der Unterstützung der IS-Kämpfer durch die Türkei beinahe wie ein Menetekel für das, was Europa unter einem „Bündnis der Zivilisation“  (im Sinne Erdogans mit  türkisch-islamischer Prägung)   noch bevorstehen könnte.

Wer mag ernsthaft daran glauben, dass noch mehr Integrationsbemühungen junge Männer, die von in der Türkei ausgebildeten Imamen beeinflusst werden, davon abhalten werden, für ihre Religion in einen blutigen Krieg zu ziehen und wer hofft allen Ernstes, dass ein Resozialisierungsprogramm zum Erfolg führen und die von ihrer Religion überzeugten  jungen Männer in unser demokratisches, freiheitliches Gesellschaftssystem neu eingliedern wird?

Es gehört aber zu den ausgesprochen guten Seiten unseres Rechts- und Gesellschaftssystems, jedem Menschen  eine zweite Chance zu geben….

Dazu stehe ich!

 

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