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Gedanken der Briefeschreiberin aus Rungholt… 18. Oktober, 2011

Posted by Rika in Allgemein.
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über die Freilassung Gilad Shalits.

Ich kopiere einen Gastbeitrag der Bloggerin „Lila“, den sie bei „spirit of entebbe“ geschrieben hat und ihre Antwort auf einen der Kommentare. Ihre Gedanken zu Geiselnahme und Freipressung von Terroristen und Mördern, solchen, die schon Blut an den Händen haben und solchen, die ihr blutiges Handwerk nicht aufgeben werden, belegen eindrucksvoller als alle Beiträge einer Bettina Marx oder Ulrike Putz die tatsächliche Situation der israelischen Gesellschaft, ihre moralischen Standards ebenso wie die Zwangslage, in der Israel seit seiner Gründung steckt – mit Nachbarn, die keinen Frieden, sondern die Vernichtung oder Auflösung des jüdischen Staates wollen. Daran, so fürchte ich, an dieser unnachgibigen Haltung der Araber und  ihrer vielen  Freunde und Verbündeten wird vermutlich wohl  jedes Friedenskonzept scheitern werden – aller Hoffnung auf und Bemühungen um Frieden seitens der israelischen Regierung und Gesellschaft zum Trotz, egal, ob das Konzept  „Land für Frieden“ heißt oder „Zweistaatenlösung“ oder wie auch immer. Das begreifen leider nur wenige, die so gerne Israel kritisieren und der arabischen Propaganda auf den Leim gegangen sind. Und leider wird der Chor der israelkritischen Friedensspezialisten immer größer und lauter.

Deshalb

hier Lilas ergreifender Beitrag:

„Blick nach oben

Oktober 16, 2011 von Lila

In unserer abgelegenen Ecke Nordisraels sehen wir selten mal ein Flugzeug – das letzte Mal flog die Luftwaffe am Unabhängigkeitstag über ganz Israel und also auch über unsere Gegend. Heute jedoch knatterte eine ganze Weile ein Hubschrauber direkt über unserem Garten. Seltsam, dachte ich, hat das was zu bedeuten?

In der Tat. Es war der Probeflug des Black Hawk, der am Dienstag Gilad Shalit in seinen Heimatort bringen wird, auf dem Hügel gegenüber von unserem Örtchen. Ich werde Dienstag also die Tür zum Garten offenhalten und den Blick nach oben richten.

(Die Gefühle zu diesem Deal sind so stark und so gemischt aus Freude und Schmerz, daß ich vermutlich nur mit zeitlichem Abstand mehr dazu sagen kann. Außerdem ist schon mehr als genug gesagt und geschrieben worden…)“

Und ihr Kommentar:

„Er lebt – das haben zumindest die Ägypter Israel versichert. Er wird sich verändert haben, so eine Erfahrung hinterläßt tiefe Spuren. Aber er ist nicht der erste Mensch, der sich nach langer Haft unter schweren Bedingungen wieder im freien Leben zurechtfinden muß. Ich hoffe, daß auch er die inneren Kräfte findet und es schafft.

Er wirkt auf den Bildern und nach Berichten seiner Freunde und Nachbarn genauso still und introvertiert wie seine Eltern. Ich vertraue auf die Kraft der Stillen und hoffe das Beste für ihn. Er ist noch jung. Das bedeutet einerseits, daß fünf Jahre für ihn eine riesige Spanne sind – andererseits bedeutet es auch, daß er in der besten Phase seines Lebens ist, um die Erfahrung zu verkraften.

Ich denke auch an Ron Arad, an Guy Chever, an Majdi Chalabi, an die, deren Familien vielleicht niemals wissen werden, was mit ihnen geschah.

ich denke an die Opfer der Verbrecher, die jetzt freikommen – ich weiß nicht, inwieweit die deutschen Medien thematisieren, was für Verbrechen diese Leute auf der Kappe haben. Wenn ich mir überlege, wie lange Haftstrafen die im Vergleich dazu harmlosen Spinner der RAF in Deutschland verbüßt haben, frage ich mich , ob Deutschland einen solchen Deal gemacht hätte. Und weiß, daß die Antwort höchstwahrscheinlich nein lautet. So viel zur mangelnden Kompromißbereitschaft Israels.

Ich denke auch an die Folgen, an die Möglichkeit eines Terrorangriffs durch einen der Männer und Frauen, die morgen unter dem gerührten Lächeln der Weltöffentlichkeit aus ihren Gefängnissen mit Fern-Uni, medizinischer Betreuung und regelmäßigen Besuchen in die Freiheit zurückkehren. Wie werden wir dann die Toten begraben, deren Mörder wir in die Freiheit gelassen haben? Denn resozialisierbar im klassischen Sinne sind diese Häftlinge nicht. Sie sind überzeugte Terroristen, die zu ihren Taten stolz stehen. Und ich habe ihre Freilassung gefordert, ich wie über 80% der israelischen Frauen.

Weil wir in den Soldaten nicht in erster Linie die Beschützer des Landes sehen, die ihr Leben dafür in die Schanze schlagen, daß wir Zivilisten sicher leben können und der Staat funktionieren kann. Wir sehen sie in erster Linie als unsere Kinder, die wir schützen müssen. Weil sie ja unsere Kinder SIND.

Dieses Dilemma ist fast unauflösbar. Wenn ich Aviva Shalit zuhöre, die „der Junge“ sagt, wenn sie von Gilad spricht, habe ich gleichzeitig zwei Reaktionen. Einerseits denke ich an meine Jungen und wie schrecklich es wäre, wenn wir in der Lage der Shalits wären – was wir ohne weiteres sein könnten. Andererseits denke ich, der Junge trägt Uniform und ist kein Junge mehr, sondern Angehöriger einer Armee und mehr als nur eine Privatperson in tragischen Umständen. Avivas Junge ist auch Soldat. Ja, und auch meine Jungen sind Soldaten. Die logische Konsequenz ist brutal.

Ja, und ich denke auch an das Versprechen der Hamas, weitere Soldaten zu kidnappen, gern auch mal eine junge Frau. Mit diesem Austausch ist das Problem ja keineswegs gelöst, im Gegenteil – jeder neue Deal, in dem wir mehr geben als je zuvor, ermutigt schon die nächste lohnende Aktion.

Und ich verstehe die Israelis, die die Einführung bzw Anwendung der Todesstrafe für überführte, verurteilte mehrfache Terror-Mörder fordern. Einfach um diese Pfänder aus dem Spiel zu nehmen. Wir werden es trotzdem nicht tun. Nur Eichmann ist in Israel zum Tode verurteilt worden, in anderen Fällen werden mehrere lebenslängliche Strafen verhängt.

Aber unser Rechtssystem wird zur Farce, wenn diese verurteilten Mörder, die mit ihren Taten noch strunzen und im Gefängnis Anhänger um sich versammeln und versuchen, Kontakt zu ihren Organisationen aufzunehmen, nach lächerlich wenigen Jahren freikommen.

Trotzdem sehe ich nicht, daß zu dieser Lösung gegriffen wird. Es wäre ja auch keine echte Lösung. Statt der Häftlinge würden dann andere Pfänder ins Spiel gebracht. Die Todesstrafe wird nicht kommen. Und grundsätzlich bin ich ja froh, in einer Gesellschaft zu leben, die ohne Todesstrafe auskommt. Trotzdem bleibt das Dilemma. Was weiter?

Tamir Pardo und Yoram Cohen (Mosad- und Shabak-Chef) meinen, sie können uns wirksamer vor Terror schützen als vor zehn Jahren. Die Armee meint, daß die Maßnahmen zur Verhinderung von neuen Geiselnahmen greifen. Wenn ich für oder gegen den Deal stimmen könnte, würde auch ich dafür stimmen. Ein Blick auf den schlaksigen Jungen in Hamas-Uniform, der seinen Brief verliest und seiner Familie versichert, daß er sie liebt und vermißt, reicht. Ich kann nicht dagegen sein. Die meisten Israelis können es letzten Endes nicht. Auch die, die jetzt um einen Aufschub bitten, würden Gilad nicht im Gazastreifen verkimmeln lassen.

Die Bauchschmerzen, die der Austausch uns bereitet, sind schmerzhaft.

Nach diesem Austausch müssen wir in eine Grundsatzdiskussion einsteigen.

Und damit habe ich doch einen Großteil der Dinge, die mir durch den Kopf gehen, aufgeschrieben. Nicht, als ob sie nicht ohnehin jedem denkenden Menschen klar wären.“

Heute schreibt Lila:

Warum dieses Bild wichtig ist

Und weil ihr Beitrag so wichtig ist, bitte unbedingt lesen!

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