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Sapere aude…. 29. September, 2022

Posted by Rika in aktuell.
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Im Laufe eines interessanten Disputs (in einem anderen Blog) über eine von mir getätigte Aussage, die meinem Gegenüber aber nicht gefiel, wies mich mein Gesprächspartner auf meine „selbstverschuldete Unmündigkeit im Sinne Kants“ hin.

Nun will ich hier nicht auf die Unverschämtheit des Diskutanten eingehen, mir indirekt nahezulegen, mich im Hinblick auf meinen Verstand doch besser seiner Leitung zu bedienen, als mich fürderhin entschlossen auf meinen eigenen Grips zu verlassen und damit in „selbstverschuldeter Unmündigkeit“ zu verharren.

Ich gehöre bereits seit meiner frühesten Kindheit zu den Menschen, die sich ungern vorschreiben lassen, was und wie sie zu denken haben, wobei ich mich natürlich im Laufe meines Lebens leiten, lehren und belehren ließ – zunächst von Eltern, Großeltern und der Lieblingstante, die teils streng, teils liebevoll das neugierig-aufmüpfige Kind mit Information und Wissen betrauten und dabei darauf achteten, dass das „eigene Denken des Kindes“ auf nicht gar zu viele Abwege geriet. Später mühten sich Lehrerinnen und Lehrer, den wachen Geist der Schülerin anzuregen, zu fördern und zu schulen und in gesellschaftlich verträgliche Bahnen zu leiten, einzuhegen in die Konzepte der vorherrschenden und politisch erwünschten Ansichten und Meinungen in Schule und Gesellschaft. Gleichzeitig wuchs mit diesem Bemühen aber auch das, was man wohl einen „kritischen Geist“ nennen kann. Und dieser kritische Geist war es wohl auch, der es der Studentin damals ermöglichte, den Autoritäten an Fachhochschule und Universität zu widersprechen, wenn die vorgegebene Linie nicht mit der eigenen Denkweise übereinstimmte.

Der kritische Geist ist mir geblieben. Nur weil ein Professorentitel mein Gegenüber schmückt, der ihn als „Meister seines Fachs“ ausweist, heißt das doch – meinem Verständnis nach – noch lange nicht, dass die anerkannte fachliche Überlegenheit generell sein und auf alle anderen Gebieten angewendet werden kann oder gar angewendet werden muss – des Titels zuliebe?.

Der kritische Geist ist mir auch geblieben, wenn es darum geht, Nachrichten nicht nur aufzunehmen, sondern auch zu durchdenken und einzuordnen. Deshalb konnte ich mich auch nie mit Claus Klebers Verständnis von Journalismus abfinden, das nämlich davon ausging, dass der Moderator der Nachrichtensendungen des ZDf (und der ARD, Kleber sprach für beide Anstalten) die Nachrichten für die Zuschauer einzuordnen habe, damit diese Nachricht, Szenerie und Situation „richtig“ verstehen.

Wenn ich über einen Tatbestand gut informiert werde, die Hintergründe dabei nicht ausgelassen werden, bin ich durchaus in der Lage, sie selbst einzuordnen. Vielleicht geschieht diese Einordnung aber nicht im Sinne des Moderators oder der Richtlinie eines Senders und bleibt vielleicht sogar lückenhaft, aber sollten wir nicht alle in der Meinungsbildung frei sein, uns zu entscheiden, ob wir einer vorgegebenen Ansicht folgen oder uns eigene Gedanken machen?

Ich habe immer schon gesagt, dass Gott mir einen gut funktionierenden Verstand geschenkt hat und es mir gefällt ihn auch zu gebrauchen. Meiner Überzeugung nach ist es sogar unsere Pflicht, den eigenen Verstand einzuschalten und ihn zu einzusetzen, Dinge und auch Ansichten und Meinungen zu hinterfragen.

Ganz sicher – und auch das ist ein Teil meines kritischen Bewusstseins – sind mir aber auch Grenzen gesetzt. Grenzen des Wissens und Grenzen des Verstandes und Verstehens. Deshalb lasse ich mich immer noch gerne belehren – im Sinne von Erweiterung meines Horizonts und Wissens durch sachliche Informationen und auch durch einander widersprechende Expertisen, Meinungen und Ansichten.

Aber ich lasse mich nicht gerne für dumm verkaufen, nicht von Nachrichtenleuten, nicht von Propagandisten, nicht von Politikern und /oder Leuten, die ihre eigene Agenda vertreten.

Nur Mut, gebraucht den Verstand!

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Kommentare»

1. Georg B. Mrozek - 30. September, 2022

Das finde ich richtig gut, was du schreibst. Der kritische Geist ist doch „eigentlich“ die Essenz der Menschwerdung als verantwortungsvolles Individuum. In den 60er Jahren bis heute wurde genau dieses in der Pädagogik großgeschrieben. Das unkritische Denken und Verhalten gegenüber einer neuen (sozialistischen) Doktrin der Gleichmacherei unter den Zielen einiger Weniger ist neu bei uns im Westen, ist nagelneu sogar, und geht mit erstaunlich und vorher nie für möglich gehaltenen großen Schritten voran. Man kann darüber nur staunen. Wo sind die Jahrzehnte der Ertüchtigung für ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Dasein abgeblieben? Warum konnte sich das binnen einer Generation so unglaublich verändern? Dafür finde ich keine zufriedenstellende Erklärung. Man staunt nur noch beim Blick um einen herum.

Das mit dem Professor ist lustig. Ja, ich würde sein Verhalten mit Selbstüberschätzung erklären, denn wie du sagst ist seine Profession eine fachliche über die hinaus er auch lediglich mit Wasser kocht. Den Universalgelehrten des 19. Jahrhunderts gibt es längst nicht mehr. Man erwartet von einem Frisörmeister schließlich auch nicht, einen Spielfilm zu schneiden, obwohl er sich mit Scheren und Schnitttechniken bestens auskennt (oje, meine Beispiele ^^).

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