jump to navigation

Sarrazins neues Empörungsbuch liegt auf dem Tisch… 7. September, 2018

Posted by Rika in aktuell, einwanderung, gesellschaft, islam, medien, meinungsbild, migration, politik, presse.
Tags: , , , , , ,
add a comment

… nicht nur auf den Verkaufstischen der Buchhändler, auch auf meinem Schreibtisch.

Nach „Deutschland schafft sich ab“  schafft es nun ein weiteres Buch Thilo Sarrazins in die Hitlisten der Empörungsrklärungsgesänge, um es einfach ganz neutral zu sagen und niemanden zu vergnatzen oder zu beleidigen, der sich bereits einschlägig zum Buch, wie zum Autor geäußert hat.

Soviel kann ich nach dem Lesen der ersten gut 100 Seiten sagen:  Ich kann verstehen, dass manche Leute verstört sind und / oder das Buch in Grund und Boden kritisieren… Ich gehöre allerdings nicht dazu, auch wenn ich noch nicht weit vorgedrungen bin in Thilo Sarrazins, von Statistiken und Zahlen gespeiste Überlegungen zur Lage der Nation.

Jemand, der nicht verurteilt, gleichwohl aber kritisch gelesen hat, ist Dr. Johannes Kandel.

Sehr ausführlich nimmt er zu den einzelnen Kapiteln und Argumentationsgrundlagen Stellung. Es ist ein langer Text. Wer ihn gänzlich gelesen hat, wird darin eine gute Entscheidungshilfe für oder gegen das Buch gefunden haben und ist nicht mehr ganz so hilflos auf die Rezensenten verwiesen, die sich bisher in erstaunlich gleich lautender, negativer Kritik geäußert haben … was mich auf den nicht so schönen Gedanken gebracht hat, ob sie vielleicht alle vom selben Erstkritiker abgekupfert haben könnten….

Mit ausdrücklicher Genehmigung Dr. Kandels stelle ich darum diesen „fast“ Gegenentwurf zum allgemeinen Verdammungsurteil ein. (Aufmerksam geworden bin ich auf die Rezension bei Facebook)

 

Hier nun der lange Text, mit großem Dank an Dr. Kandel für die Arbeit, die er geleistet hat:

Liebe FB Freunde, ich habe Thilo Sarrazins Buch über das Wochenende gelesen und rezensiert. Es ist recht lang geworden, aber – im Gegensatz zu den überwiegend feindseligen Medien – möchte ich wenigstens mitteilen, was in dem Buch drinsteht. Die Rezension setzt einen Kontrapunkt zur Medienhetze. Ich würde mich über weite Verbreitung freuen.

THILO SARRAZIN, Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesell-schaft bedroht. FBV-Verlag, München, 2018. 495 S., € 24,99.

Das von Freunden Sarrazins lang erwartete und von seinen Feinden gefürchtete Buch ist endlich erschienen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten fehlt mir jedes Verständnis dafür, warum Random-House das Buch nicht verlegen wollte und die SPD Sarrazin wieder ausschließen will. Der Titel „Feindliche Übernahme“ ist provokativ und soll es auch sein. Diese „feindliche Übernahme“ Deutschlands und Europas geschehe, weil die Muslime in nächster Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklungen (siehe seine Prognosen in Tabelle 1, S. 488 f.) eine Mehrheit in Deutschland und Europa bilden könnten (frühes Heiratsalter, Verwandtenehen, Kinderreichtum). Dies würde das Ende der westlichen Zivilisation und Kultur bedeuten, weil der Islam der in Europa über Jahrhunderte erkämpften Moderne in Glaubenslehren und religiöser Praxis diametral entgegengesetzt sei. Denn der Islam

• verweigert den universalen Menschenrechten Anerkennung, d.h. lässt sie nur im Rahmen der Scharia gelten;
• kennt keine Trennung von Religion und Politik, sondern übt totale Herrschaft mittels der bis in die Alltagswelt der Menschen reichenden religiösen Normen (Gottes Gebote, Scharia) aus;
• verkündet die ewige Gültigkeit und Unveränderbarkeit seines grundlegenden Glaubensdo-kuments, des Koran: „Der Koran ist Wort für Wort die göttliche, ewige und letzte Offenba-rung Gottes aus dem Munde des Propheten Mohammed. Neben dem Koran gelten weiterhin die zuverlässig überlieferten Worte des Propheten und seine Lebenspraxis als verbindlich“ (S.214).
• hat die Muslime mit einem unerschütterlichen „Überlegenheitsbewusstsein“ ausgestattet;
• trennt die „Gläubigen“ scharf von den „Ungläubigen“ und weist die Muslime an, die „Un-gläubigen“ zu bekämpfen;
• erlaubt nur Juden und Christen eine gewisse Sonderstellung als „Schriftbesitzer“. Sie dürfen ihren Glauben unter strengen Auflagen praktizieren, sind aber in der islamischen Welt Bürger zweiter Klasse, vom grassierenden Antisemitismus und anhaltenden Verfolgungen von Christen ganz abgesehen;
• befestigt und befördert bis heute die Unterdrückung der Frau;
• bedroht „Abgefallene“ vom Islam („Apostaten“) mit mindestens sozialer Ächtung. In einigen islamischen Staaten wird der Abfall mit der Todesstrafe geahndet.

Das sind durchaus bekannte Tatsachen, mit denen sich Heerscharen von Wissenschaftlern (seit Beginn einer „Islamwissenschaft“ in Deutschland, also ca. Mitte des 19. Jahrhunderts), Politiker, Medienvertreter und Repräsentanten aller nicht-islamischen Religionen seit sehr langer Zeit intensiv beschäftigt haben. Sarrazin präsentiert durchaus Bekanntes, aber in zugespitzten, plakativen Zusammenfassungen und mit gewaltigem Zahlenmaterial (Statistiken, Studien, Meinungsäußerungen, muslimische biographische Aussagen und teilnehmende Beobachtungen). Um es gleich am Anfang zu sagen: das ist informativ und regt zum produktiven Streit an. Es ist ein wichtiger Beitrag zum Islamdiskurs aus Sicht eines ehemaligen Politikers und Amtsinhabers. Sarrazin erhebt nicht den Anspruch, Islamwissenschaft zu betreiben, er nähert sich seinem Forschungsobjekt ganz persönlich.

Nach ausführlicher Koran-Lektüre in der bekannten deutschen Übersetzung von Rudi Paret (1901-1983), einem renommierten Islamwissenschaftler, präsentiert Sarrazin eingangs die grundlegenden Inhalte der „koranischen Offenbarung“ (S. 23-46) mit zahlreichen Koran Zitaten. Allein für die An-strengung, diesen sperrigen, langatmigen, von ständigen Wiederholungen geprägten Text, „von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen“ zu haben (S. 23), gebührt dem Autor, der sich als „Agnostiker“ (S. 7)* outet, Respekt. Es ist sicher gut, einen solchen schwierigen Text direkt auf sich wirken zu lassen, gleichwohl können durch diese Art der Lektüre auch unnötige Irritationen entstehen, die sich mit Hilfe einer parallel zu Rate gezogenen Einführung (z.B. Tilman Nagel, Der Koran. München, 2002) vermeiden ließen. Allerdings ist der bereits von Kritikern erhobene Einwand, den Koran könne man nur im arabischen Urtext lesen und verstehen völlig unsinnig. Nähme man das ernst, so schlösse man Millionen nicht-arabisch sprechender Muslime vom Verständnis des Koran aus. Und auch wenn der Koran auf Arabisch „bekannt“ ist, beschränkt sich das „Arabisch-Können“ bei zahlreichen Muslimen auf die mühsam auswendig gelernte Rezitation, ohne jedes Verstehen der Inhalte. Eine textkritische Lesart und ein offener, pluralistischer Diskurs über den Koran ist nicht erwünscht, ja wird, wie zahlreiche „liberale Muslime“ bezeugen, entweder sanktioniert oder ganz unterbunden. Noch widersinniger ist der Vorwurf, der Autor könne nicht Arabisch. Diese arrogante und elitäre Einlassung, nähme man sie ernst, würde im Klartext bedeuten, den Islamdiskurs auf die vermeintlich „Wissenden“ zu beschränken und allen anderen das Recht auf Stellungnahme und Beurteilung abzusprechen. Man stelle sich diese Forderungen einmal im Blick auf andere Sprachen vor, Chinesisch, Russisch, Hebräisch etc. Es gäbe weltweite Kommunikationsabbrüche mit unabsehbaren Folgen für das Zusammenleben von Nationen.

Die koranische Offenbarung und die islamische Weltsicht

Sarrazins surenfundierter Schnelldurchgang durch den Islam mit Erläuterungen zu Gott, Mohammed, Gläubigen, Ungläubigen, Christen, Juden, Dschihad, Frauen, Sexualität, Auferstehung, Hölle, Paradies und Scharia, ist für den Kenner nicht unbedingt neu, für den uninformierten Leser aber eine ganz gute Einführung, wobei natürlich klar ist, dass die Auswahl der Suren auch ein interessegeleiteter Akt ist. Wenn die Sarrazin-Kritiker und seine Feinde aus Politik, Wissenschaft, Medien und Kirchen, die Beschwichtiger und Verharmloser, das Buch überhaupt lesen (!), werden sie schon hier ihre ersten Verdammungsurteile formulieren: zu pauschal, verzerrend, negativistisch, nicht „wissenschaftlich“ usw. Einen Anspruch auf neue Koranforschung erhebt Sarrazin auch nicht, aber er kennt durchaus konträre Forschungsansätze zum Korantext (z.B. Neuwirth, Ohlig, Nagel). Er erläutert das Verhältnis von koranischem Text und „Hadithen“ (Mitteilungen über Mohammeds Aussprüche und Verhalten = „Sunna“).

Der Autor wendet sich gegen die gebetsmühlenartig vorgetragene These, „das habe alles mit dem Islam nichts zu tun“ und zeigt den Zusammenhang von Islam, Islamismus und Terrorismus auf. „Nimmt man den Koran auch nur einigermaßen beim Wort, so ist der Islam beim besten Willen keine Religion des Friedens und der Toleranz, sondern eher eine ‚Gewaltideologie, die im Gewand einer Religion daherkommt.‘“ (S. 63 f.) Allein das wird seine Kritiker empören, umso mehr als dass er – bei Anerkenntnis von allen ethnischen und kulturellen Ausprägungen des Islam – ein gemeinsames „Muster“ , eine bestimmte „Weltsicht“ des Islam behauptet: Der Islam sei „dem selbständigen Den-ken grundsätzlich abhold“, er begünstige „Autoritätshörigkeit und Gewaltbereitschaft“, befördere „eine Tendenz zum Beleidigtsein und zur Intoleranz“, behindere „Wissbegier und Veränderungsbereitschaft“, er belaste das „Verhältnis der Geschlechter“ und behindere die „Emanzipation der Frau“. Der Islam stütze „Unbildung, frühe Heirat und Kinderreichtum“. Er fördere „Rückständigkeit“, behindere „Meinungsfreiheit und Demokratie“. Die der „dem Islam innewohnende demografische Sprengkraft“ sei „eine Bedrohung für die Zukunft und die Stabilität der westlichen Welt.“ (S.71) Es ist demnach nicht der „böse“ Islamismus, der das alles verkörpert, sondern es ist der Islam selbst, wobei Sarrazin dies alles nicht umstandslos dem „Wesen“ des Islam zuordnet. „Die Frage nach dem ‚Wesen‘ des Islam ist zwar sinnvoll. Ihr Erkenntniswert wird aber dadurch begrenzt, dass die Frage nach dem ‚Wesen‘ einer Religion nicht getrennt werden kann von der Praxis der Gläubigen“ (S.20). Es kann dem Autor nicht der Vorwurf gemacht werden, er argumentiere „essentialistisch“, d.h. leite aus einem konstruierten „Wesen“ des Islam seine Bewertungen und Urteile ab.

Er beginnt mit scharfen Ansagen, die er in den folgenden Kapiteln 2 bis 4 (S.73-369) zu belegen sucht.

Die islamische Staatenwelt, demografisches Gewicht und Rückständigkeit

Sarrazin beleuchtet die „islamische Staatenwelt von Arabien bis Indonesien“, arbeitet „Problemzonen islamischer Gesellschaften“ heraus und befasst sich eingehend mit „Muslimen in den Gesellschaften des Abendlandes“. Ganz nüchtern präsentiert er zunächst Zahlen über Muslime im Weltmaßstab: Lebten 1950 470 Millionen Muslime auf der Welt (19% der Weltbevölkerung), so sind es jetzt 2,3 Milliarden (31% der Weltbevölkerung), eine Steigerung um das Fünffache. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Bevölkerung in den islamischen Staaten im Vergleich zu Europa sehr jung ist: „2015 betrug das sogenannte Medianalter der Bevölkerung (50 Prozent sind jünger, 50 Prozent sind älter als der Median) in Europa 41,7 Jahre, in Deutschland sogar 46,2 Jahre, in den islamischen Ländern dagegen nur 25,2 Jahre.“ Teile der Öffentlichkeit schauen ja besorgt auf Staaten mit großem Einwanderungsdruck nach Europa „(muslimisches Subsahara-Afrika, Syrien, der Irak und Afghanistan)“. Hier liegt „das Medianalter noch niedriger, nämlich bei 18 bis 20 Jahren“ (S.87). Sarrazin belegt die bekannte Tatsache des kontinuierliche Wachstums der Bevölkerung in der islamischen Welt mit Verweis auf die „Nettreproduktionsrate“ („ein statistisches Maß für die Fruchtbarkeit einer Bevölkerung“, S. 88), am stärksten in Afrika, dessen muslimische Bevölkerung sich in jeder Generation verdoppelt (!). Nach einer aktuellen UNO-Bevölkerungsprognose sollen 2050 in den islamischen Ländern „gut viermal und 2100 gut sechsmal so viele Menschen leben wie in Europa“ (S. 90). Mit dem emeritierten Pädagogik Professor und Soziologen, Gunnar Heinsohn, ist Sarrazin der Auffassung, dass junge Männer zwischen 15 und 20 deutlich gewaltbereiter und aggressiver seien als die Altersgruppe der Älteren zwischen 55 und 60. Die Relation hier zwischen den Jungen und Älteren nennt Heinsohn den „Kriegsindex“ und der liege für Europa bei 0,8 (für Deutschland bei 0,7). Für die gesamte islamische Welt betrage er 3,1. Den größten Kriegsindex hätten Mali (6,5) und Afghanistan (6,0) (S. 89). Darüber ist im wissenschaftlichen und politischen Diskurs gestritten worden mit dem Zwischenergebnis, dass der demographische Faktor und der „Kriegsindex“ in jedem Falle eine wichtige Rolle zur Erklärung jungen Aggressionspotentials spiele. Sarrazin schlussfolgert: Je rückständiger, bildungsferner und wirtschaftlich erfolgloser eine Gesellschaft ist, umso größer ist das Bevölkerungswachstum. Die Bedeutung der Religion in diesem Faktoren Setting lässt sich nicht eindeutig kausal klären. Den relativen Rückstand der islamischen Welt zur Westlichen will der Autor unter Verweis auf den geringen wirtschaftlichen Erfolg (Vergleiche zum Bruttoinlandsprodukt als Messgröße), Innovation, Wissenserwerb und Wissensproduktion (Nobelpreise, Patentanmeldungen, Hochschulranking) sowie die politische Stabilität (Demokratie, Krieg und Frieden) empirisch belegen. Das sind alles plausible Gesichtspunkte, wobei die Defizite im Blick auf Frieden (Konfliktzonen!), Demokratie (z.B. Pressefreiheit) und die fortwirkende Korruption (Belege bei „Transparency International“) schon dramatisch sind. Wie sich „Bevölkerungsexplosion, wirtschaftliche Unterentwicklung, niedrige Bildung, schlechte Regierungspraxis, diktatorische Herrschaftsformen und das nahezu vollständige Fehlen von Demokratie und Meinungsfreiheit“ (S. 99) in den einzelnen islamischen Ländern darstellen, untersucht Sarrazin differenziert für die arabischen Länder, Subsahara-Afrika, Türkei, Iran, Indien, Zentralasien und, Südasien. Diese tour d’horizon bietet hilfreiche Basisinformationen, wobei das Gesamtbild – bei aller länderspezifischen Differenzierung – düster ausfällt. Überall sind Fundamentalismus und Islamismus auf dem Vormarsch, ein moderater und liberaler Islam hat hier keine Chance.

Fazit: Auch wenn der Islam „nicht die einzige Einflussgröße ist“ (bessere Bedingungen im Iran und Malysia!) ist „in allen Ländern (..) die hemmende Wirkung des Islam für Modernisierung, Wissen, Wohlstand und Freiheit übermächtig spürbar, auch macht sich eine wachsende Radikalisierung negativ bemerkbar“ (S. 127). Die Frage der „Rückständigkeit“ des Islam ist ja im Islam-Diskurs häufig diskutiert worden und Befürworter und Gegner prallten stets konfrontativ aufeinander. Nach dem 11. September 2001 sind geradezu Legionen von Schriften erschienen, die dieses Thema aufgriffen. Ich nenne hier nur beispielhaft den amerikanischen Islamwissenschaftler Bernard Lewis („What went wrong“, 2002 und „The Crisis of Islam“, 2003). Ausführlich und eindrücklich ist das auch 2007 von dem Historiker Dan Diner in „Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt“ beschrieben worden. Wer sich selbst ein differenziertes Bild machen will, könnte auch zu den bisher 6 veröffentlichten „Arab Human Development Reports“ greifen (http://www.arab-hdr.org/). Dort sind seit 2002 gewaltige Zahlenmaterialien, zusammengestellt von überwiegend arabischen Autoren, einsehbar.

Problemzonen islamischer Gesellschaften

Sarrazin sieht seine grundsätzlichen Überlegungen zum Islam durch die Beschreibungen der sozialen und politischen Wirklichkeit in der islamischen Welt bestätigt. Nun spitzt er seine Beobachtungen zu einer Grundthese zu. Es sei die „innere Logik der Religion des Islam“ (S.130), den Anschluss an die Moderne verloren zu haben, in erster Linie durch Ignoranz und Intoleranz gegenüber dem westlichen Fortschritt in Kultur (Bildung!), Wirtschaft und Politik (Demokratie!). Statt „Individualismus“ regiere das „Prinzip der Unterwerfung“ (S. 132 ff.). Sein Kronzeuge ist der Basler Kulturhistoriker Jacob Burckhardt (1818-1897), der in seinen, 1905 aus dem Nachlass erschienenen, „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ den dominanten Kollektivismus in der Religion des Islam herausstellt. Ob diese, vor 150 Jahren formulierten, Wahrnehmungen des Islam auch die Gegenwart des Islam treffend beschreiben, wird sicherlich von Sarrazins Gegnern angezweifelt. Es ist ja nur eine Momentaufnahme und unklar ist, auf welche Quellen sich Burckhardt bezieht und ob er die Schriften der zu seiner Zeit sich gerade entwickelnden Islamwissenschaft zur Kenntnis genommen hat (z.B. Theodor Nöldekes epochemachendes Werk, „Geschichte des Qorans“, 1860). Ein Verweis auf zahlreiche kritische Stimmen gegenwärtiger islamischer Intellektueller wäre hier hilfreich gewesen. Denn an der Tatsache, des Vorrangs des Kollektivs vor dem Individuum lässt sich nichts deuteln, selbst wenn man das Sufitum mit seiner betonten persönlichen Mensch-Gott Beziehung als Gegenbeleg anführte.

Kunst und Kultur

Harsch fallen Sarrazins Urteile zu Kultur und Kunst des Islam aus, auch angelehnt an Burckhardt. Doch dass „Kunstfeindlichkeit und Bilderstürmerei (..) in gewissem Sinne zum islamischen Glaubens-kern“ zählen (S.140), ist dann doch überzogen, denn die islamistischen Barbareien der Taliban („Bamiyan“!) und des IS sind Ausdruck einer ultra-islamistischen, terroristischen Sichtweise und nicht Allgemeingut von Muslimen. Es gibt zudem sehr alte Traditionen im Islam in puncto Malerei (z.B. Wand-, Miniatur-, Keramik-, Glasmalerei), Kalligraphie, Ornamentkunst (Stichwort: „Arabeske“), Dichtkunst (Hafiz aus Persien!), Buchillustrationen, Architektur (obgleich der Moscheebau oströmischen Vorbildern folgt), Weberei und auch teilweise Musik (z.B. Musiktheorien von al-Kindi und al-Farabi, türkische Volks- u. Kunstmusik, auch Popmusik), die zumindest erwähnt werden sollten. Ganz richtig sieht der Autor aber die Defizite in der Bildenden Kunst durch das (koranisch nicht belegte) „Bilderverbot“.

Wissenschaft und Technik

Das Zurückbleiben des Islam in Wissenschaft und Technik ist eine gut belegte Tatsache und Sarrazin sieht die Ursachen in der „islamischen Umgebungskultur“ (S.143). So wird die Neuauflage einer Debatte über Genetik vermieden. Fazit an dieser Stelle: „Solange man diese Ursachen nicht im Genetischen sucht und eine ‚Erbdummheit der Muslime‘ ausschließt, bleibt nur der kulturelle Einfluss des Islam“ (S.144). Immer wieder wurde in den letzten Jahren heiß über den Beitrag des Islam zur europäischen und Weltkultur diskutiert, häufig auch in apologetischer Absicht, bis zu absurden Behauptungen, der Koran enthalte das gesamte Weltwissen. Über diesen islamischen Einfluss muss weiter gestritten werden (das Paradebeispiel „Al-Andalus“ als „Glorie“ des islamischen Einflusses auf Europa fehlt im Buch). Sarrazin gesteht dem Islam immerhin in einzelnen Bereichen (z.B. „indische Mathematik“) eine Vermittlungsfunktion zu, die allerdings mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen 1258 (nicht wie falsch im Buch 1253, S. 147) endete. Doch die genuinen Leistungen des Islam z.B. im Blick auf Astronomie, Geometrie und Medizin sowie die Übersetzungen von griechischen Autoren durch arabische Wissenschaftler (allerdings unter substantieller Mithilfe christlicher Übersetzer!) sollten auch nicht gering geschätzt werden.

Mangel an kognitiver Kompetenz

Unter Hinzuziehung international anerkannter Testverfahren (TIMMS, PISA) konstatiert Sarrazin einen Mangel an „kognitiver Kompetenz“ in der islamischen Welt feststellt, denn das „islamische Bildungsideal“ ziele vor allem auf die Herausbildung des gläubigen Muslim. Er gibt aber seiner Hoff-nung Ausdruck, dass in der islamischen Welt „möglichst viele Talente blühen“ mögen und dass es ihr gelinge, „die Beschränktheit und die Vorprägungen abzuschütteln, die sich historisch aus der Reli-gion des Islam ergeben haben“ (S. 164).

Frauen und Kopftuch

Der Autor ist der Auffassung, dass alles was an dem Islam „problematisch ist und die Rückständigkeit der islamischen Länder bewirkt“ habe mit dem Geschlechterverhältnis und der Stellung der Frau zu tun habe. (S.165). Damit spricht Sarrazin eine in der Tat zentrale Problemzone an. Schon der Koran sei von einer großen „Gleichgültigkeit gegenüber den Frauen“ geprägt (Suren 4,34, 2,32 und 2,33, Bekleidungsvorschriften: Suren 24,30; 24,31; 24,60; 33, 32; 33,51; 33,59) Diese Gleichgültigkeit drücke sich in strikten Normen und Praxis der Unterordnung aus, die bis heute anhielten, ja sich durch das Vordringen des konservativen und fundamentalistischen Islam befestigt und vertieft hätten. (S. 164 – 188 und 351-368): „Die Stellung der Frau im Islam fördert Bildungsferne, Arbeitsmarktdistanz, frühe Heirat und hohe Kinderzahlen. Wo immer Muslime sind, sind sie stets die kinderreichste Gruppe. Das Beharren auf traditionellen Bekleidungsvorschriften und die umfassende gesellschaftliche und familiäre Aufsicht über den Umgang und das sexuelle Verhalten der Frauen liefern einen entscheidenden Beitrag zur anhaltenden demografischen Expansion der islamischen Welt, darunter auch der muslimischen Minderheiten in den Ländern des Westens“ (S. 351). Die Unterordnung der Frau unter den Mann und das islamische Kollektiv, die strikte Kontrolle ihrer Sexualität („Jungfrauenwahn“) durch Verhüllungszwang und frühe Heirat ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien, Reports, TV-Dokumentationen, erschütternde Berichte von Frauen aus dem islamischen Alltag und teilnehmende Beobachtungen hinreichend belegt worden. Hinzu kommt: Gewalt gegen Frauen ist in der Welt des Islam endemisch, die Männerdominanz allgegenwärtig. 70% befragter Männer in Ägypten befürworten die weibliche Beschneidung (Genitalverstümmelung) und mehr als 50% der Frauen. Sarrazin fasst zusammen, was bekannt ist. Die verzweifelten Versuche, selbsternannter „Feministinnen“, dies zu bestreiten oder – noch absurder – etwa den realislamischen Kopftuchzwang gar als „Emanzipation“ zu verkaufen, zerschellen an der traurigen Realität. Sarrazin hält somit fest: „Die Verbreitung des Kopftuchs und weitergehender Verhüllungen der Frauen in der islamischen Welt korreliert eng mit einer konservativen Auslegung des Islam und einer eher wörtlichen Interpretation des Korans sowie der überkommenen muslimischen Verhaltensnormen. Sie korreliert eng mit einer Ablehnung der Werte der abendländischen Aufklärung, mit einer Distanz zur abendländischen Demokratie, mit niedrigen Bildungsleistungen und mit Rückständigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik“ (S. 167) Die für die Frauen gesetzten religiösen und kulturellen Verhaltensnormen widersprechen eklatant nicht nur den Menschenrechten, sondern den Erfordernissen einer modernen Gesellschaft. Dabei ist gerade die Bildung der Frauen unverzichtbar, wird aber aus Furcht vor einer Einschränkung der Männerdominanz und der Gefährdung der traditionell-konservativen Geschlechterordnung abgewehrt (S. 183).

Intensiv wird die „Kopftuchfrage“ erörtert, die hierzulande immer wieder neu aufbricht, weil sie unser politisches und gesellschaftliches Leben unmittelbar betrifft. Insofern ist der „Kampf um das Kopftuch“ ein „Kampf um die künftige Rolle und die demografische Vorherrschaft des Islam. Beim beharrlichen Kampf der islamischen Verbände in Europa um die Bedeckung der muslimischen Frauen geht es also nicht nur um eine traditionelle Religionsauffassung. Hier findet vielmehr ein gesellschaftlicher Machtkampf statt. Die muslimischen Frauen sollen früh heiraten und viele Kinder bekommen, um den künftigen Einfluss des Islam zu mehren. Und sie sollen natürlich nur Muslime heiraten“ (S. 352).
Das Kopftuch ist zum militanten Symbol des Islamismus geworden und seine männlichen „Kämpfer“ versuchen die Verhüllung Mädchen schon vor Erreichen der Pubertät aufzuzwingen und die Vermummung zur selbstverständlichen Praxis des muslimischen Frauenalltags zu machen. Sarrazin gibt dafür eine Reihe von treffenden Beispielen und zitiert die Rechtsanwältin Seyran Ates, eine langjährige Kämpferin gegen das Kopftuch aus praktischen Erfahrungen. Aufschlussreich sind auch die Angaben des Autors zu Heiratsverhalten und Geburtenhäufigkeit. Laut Koran (Sure 5,5; 2,221) dürfen Frauen keine „ungläubigen“ Männer heiraten und es ist nicht verwunderlich, dass intrareligiöse Ehen kaum vorkommen (S. 356). Die von Sarrazin bemühten Statistiken zur Geburtenhäufigkeit sind eindeutig. Frauen mit Migrationshintergrund (die Religion wird nicht erfasst!) haben deutlich mehr Kinder als solche ohne bei fortwirkendem Trend. Die ethnische Aufschlüsselung zeigt, dass die Anzahl der Kinder in islamischen Ländern signifikant hoch ist (z.B. Pakistan, Afghanistan, Syrien, Irak, Marokko etc. ) (S. 356 ff.) Die überall in Europa zunehmende Verschleierung signalisiert u.a. eine „schleichende Islamisierung durch Einwanderung und Geburtenzahl“ (S. 361) Dafür gibt es eine Reihe krasser Beispiele aus Frankreich (Badinter, Finkielkraut) und ein Gefahrenszenario, das der französische Autor Michel Houellebecq in seinem bedrückenden Roman „Unterwerfung“ literarisch aufbereitet.

Mentale Aspekte und Parallelgesellschaften

Schon seit Jahren haben sich in „mentaler, religiöser und ethnischer Hinsicht Inseln“ gebildet, „die der Kultur, dem Lebensstil und den Werten des Abendlandes feindselig bis gleichgültig gegenüberstehen“ (S.365). Diese, auch „Parallelgesellschaften“ genannten, Inseln sind geprägt von dem Glauben an „die Überlegenheit des Islam, das Desinteresse an der westlichen Kultur, die sichtbare Abgrenzung durch Zeichen des Glaubens, die Bildungsferne“ den „Familienzusammenhalt, die Unterdrückung der Frau“, den „Kinderreichtum und die von der Kultur der Aufnahmeländer abgeschiedene Lebensweise“ (S. 366). Sarrazin bezieht sich bei der Analyse von Parallelgesellschaften u.a. auf den ehemaligen Bürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky und den Islamwissenschaftler Ralph Ghadban, die Entwicklungen aus eigener Anschauung beeindruckend beschrieben haben.*** Wie es in Europa, von Malmö, Molenbeek bis Berlin-Neukölln zur fortschreitenden Ausbildung von Parallelgesellschaften kommt, beschreibt Sarrazin mit einer Fülle von Fakten zur neueren Geschichte der Zuwanderung und erläutert, dass die im Diskurs über Zuwanderung immer wieder vorgebrachten historischen Analogien (Nordamerika, Hugenotten, osteuropäische Juden etc.), im Blick auf die muslimischen Migrati-onsbewegungen in die Irre führen (S. 242 ff.). Die muslimische Zuwanderung findet statt, „obwohl Religion und Kultur der Aufnahmeländer abgelehnt werden“ (S.245). Hier tickt eine Zeitbombe aus demografischen Faktoren (die Minderheit wird zur Mehrheit), der sozioökonomischen Situation (Bildungsstände, Berufsabschlüsse, Arbeitsmarktbeteiligung, Transferabhängigkeit, Arbeitslosigkeit u.a.) und der seit 2015 ungebremsten Zuwanderung vor allem muslimischer Migranten. Sarrazin bietet eine Fülle von Daten aus amtlichen Statistiken und zahlreichen Studien zu Migranten in Europa und Deutschland. Dieses Material muss im Islamdiskurs gebührend zur Kenntnis genommen werden und sollte auch unsere Beamten Im Innenministerium beschäftigen, die gerade die Neuauflage der – aus Sicht des Rezensenten gescheiterten – Islamkonferenzen vorbereiten. Trotz der Problematik der unterschiedlichen statistischen Methoden und Verfahren und den verschiedenen methodologischen Ansätzen der Studien, die der Autor in Rechnung stellt, ergibt sich ein düsteres Bild. Die Tendenzen in ganz Europa zur Herausbildung von religiös-kulturell bestimmten Parallelgesellschaften mit klaren Abgrenzungen zur Mehrheitsgesellschaft, Kommunikationsabbrüchen, autoritären und teilweise menschenrechtsfeindlichen Binnenstrukturen (die insbesondere Frauen massiv betreffen!) und auch höherer Krimina-litätsbelastung, sind vor dem Hintergrund des präsentierten Materials offensichtlich (S. 246 – 338). Es sind muslimische Kleinwelten entstanden, die nicht mehr integrierbar sind, weil schon ihre mentalen Dispositionen, z.B. männliche Dominanz, Verteidigung der „Ehre, die zwischen den Beinen der Schwestern und Ehefrauen angesiedelt wird und mit der Unterdrückung der Frau eng verbunden ist“, Behauptung von der „Überlegenheit der Religion des Islam und der Stärke der Muslime in der Welt“, dem entgegenstehen (S. 322). Radikalisierung und Ausbreitung fundamentalistischer Lesarten des Islam verstärken sich. An den Rändern formiert sich ein gefährlicher Extremismus, der sich u.a. in der Zunahme des Salafismus (zurzeit rd. 10.000 Mitglieder in Deutschland) zeigt. Es drohe, wie es der algerische Schriftsteller Boualem Sansal,** Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2011, gesagt hat im Falle der Mehrheit der Muslime eine „Glaubensdiktatur“ (S. 368).

Institutionalisierter Islam

Der institutionalisierte Islam (Moscheevereine, Verbände) scheint weder willens noch in der Lage zu sein, als Integrationshelfer zu dienen. Im Gegenteil. Die großen Muslimverbände verstärken eher fundamentalistische Tendenzen, verteidigen mit Zähnen und Klauen das Kopftuch und weisen die Frauen in ihre untergeordnete Stellung ein: „Die islamischen Verbände in Deutschland vertreten durchweg einen konservativen Kopftuch-Islam. Sehr konservativ, häufig offen islamistisch und radikal ist auch der Islam, der von vielen Imamen in den Moscheen gepredigt wird. Gleitend sind hier die Übergänge zum politischen Islam, zum Salafismus und zur Rechtfertigung von Gewalt und Terror“ (S. 338 ff.) Der „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ (ZMD) brachte das Kunststück fertig, sich in seiner „Islamischen Charta“ von 2002 um eine ganz klare Stellungnahme zu Menschenrechten und Demokratie zu drücken. Wer die verschwurbelten Formulierungen der Charta genau liest, dem wird bald klar, dass auch hier der Scharia der Vorrang vor den Menschenrechten eingeräumt wird (S. 343).

Liberaler Islam

Auch auf den sogenannten „liberalen Islam“ setzt Sarrazin wenig Hoffnungen: „Weltweit sind die liberalen Muslime, wie immer ihre konkrete Position ist, in einer winzigen hoffnungslosen Minderheit. Und entsprechend ratlos sind sie, wie sie den gelebten Islam und die Mehrheit der Muslime in ihrem Sinne ändern können“ (S. 377). Islamkritische Musliminnen und Muslime wie z.B. Necla Kelek, Seyran Ates, Güner Balci, Elham Manea, Hamed Abdel Samad, Mouhanad Khorchide, Ahmad Mansour u.a. werden im Diskurs häufig gemieden, politisch und medial fast geächtet. Lädt man sie mal in eine der Talkshows ein, werden sie von ihren Gegnern gut eingerahmt. Trotz dieser traurigen Lage halte ich es für wichtig, die religiös-kulturellen Wertvorstellungen, politischen Ideen und Konzeptionen dieser Minderheit im Diskurs am Leben zu halten und die Versuche der Einwirkung auf die muslimischen Gemeinschaften nicht aufzugeben.

Was ist zu tun?

Nach der Präsentation der geballten Macht schlechter Botschaften sollten nun Antworten auf die vielen Fragen und Problemfelder gegeben werden. Das unternimmt Sarrazin im letzten Kapitel.

Eine erste Schlussfolgerung ist die Zulassung von Kritik an Religionen. „Ehrfurcht“ darf sie nicht schützen (S. 369). Hier tritt nun – m.E. ohne Not! – Sarrazin aus seinem eingangs erwähnten Agnostizismus heraus und betritt den Weg des radikalen Atheisten: „Wissenschaftlich gesehen, ist jede Religion nichts als ein Aberglaube, der von vielen geteilt wird, und eine Weltreligion ist ein Aberglaube, der von besonders vielen Menschen über besonders lange Zeit geteilt wird“ (S. 370). Eine solche apodiktische Behauptung wird die „Freidenker“ und „Humanisten“ erfreuen, die Ähnliches verkünden, sie ist aber religionswissenschaftlich abwegig. Die Religionswissenschaft ist längst über die „Aberglaube-Theorie“, die Ähnlichkeiten mit der „Priesterbetrugsthese“ hat, hinaus. Sie untersucht rational die vielfältigen Manifestationen religiöser Lehren und Praxis und versucht sich immer wieder neu an der Formulierung eines Begriffs von Religion. Es ist nicht ihre Aufgabe, über „Wahrheit“ oder „Unwahrheit“ einer Religion zu rechten. Sarrazin möchte auch „Religion“ von „Moral“ scharf trennen. Er hält die Verbindung von Religion und Moral für „unsinnig und gefährlich“ (S. 370). Das ist nicht schlüssig. Es ist m.E. müßig, darüber zu streiten, ob man (mit Darwin) Gefühl und Moral als Ergebnis natürlicher Selektion betrachtet oder Religion und Moral als anthropologische Konstanten des Menschseins sieht. Das ist ein, zwar interessanter, aber „Nebenkriegsschauplatz“ der eigentlichen Intention von Sarrazins Buch: die Bedrohlichkeit des Islam für die aufgeklärte westliche Zivilisation und Kultur darzustellen. Was sollen wir denn angesichts von 4,3 – 4,7 Millionen Muslimen (geschätzt) in Deutschland tun?

Rolle des Staates

Der säkular-neutrale Staat, so verstehe ich den Autor, setzt Normen, auch und gerade für Religionen. Er ist neutral, aber nicht religiös-theologisch „inkompetent“ wie der Sachverständigenrat für Integration behauptete (S. 372). Der Staat muss Religionen bewerten und unter Umständen der Religionsfreiheit Grenzen setzen. „Deshalb ist in Deutschland Polygamie verboten, neunjährige Mädchen dürfen nicht verheiratet werden, und Männer und Frauen werden im Erbrecht gleich behandelt. All das widerspricht der Religion des Islam. Es ist eine Frage pragmatischer Funktionalität, nicht mehr und nicht weniger, wo und wie der Staat Religionen Grenzen setzt und wie er das tut. Würde er darauf prinzipiell verzichten, könnte er eine zentrale staatliche Aufgabe nicht erfüllen, nämlich die Spielregeln der Gesellschaft festzulegen und dem Verhalten des Einzelnen Grenzen aufzuzeigen“ (S. 374).
Sarrazin moniert zu Recht, dass weder Kritik noch Grenzsetzung ausreichend geschehen und im Falle von Islam häufig aus Furcht, in die rechte Ecke gestellt zu werden, entweder nur weichgespült geübt werden oder ganz unterbleiben (S. 377 ff.). Tabuisierungen und politische Korrektheit sind Hindenisse einer offenen streitigen Debatte.

Ein demokratiekompatibler Islam?

Sarrazin möchte nicht, dass „geistige Engführungen (…) unser Denken behindern“ (S. 382) und fragt danach, ob der Islam sich nicht ändern könnte. Für einen liberalen und demokratiekompatiblen Islam sieht er zurzeit keine Chance, auch werde sich am frühen Heiratsverhalten und Kinderkriegen muslimischer Frauen nichts ändern. Die Hoffnung auf eine verstärkte Zuwendung von Muslimen zur säkularisierten Variante von Islam erscheint ihm ebenso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass aufgrund der dargelegten Rückständigkeiten des Islam Muslime den Weg in die Spitzenpositionen der Gesellschaft finden.

Identität

Sarrazin empfiehlt die „Selbstvergewisserung der deutschen und europäischen Identität“ und die klare Definition „eigener Interessen“ (S. 388): „Die Bedrohung der europäischen oder westlichen Identität setzt dort ein, wo eine allmähliche demografische Überwältigung durch den Islam stattfin-det. Deshalb haben wir in Deutschland und Europa das Recht, ja sogar die Pflicht, dieser Bedrohung durch demografische Überwältigung vorausschauend entgegenzutreten“ (S. 387 f.) Das bedeute konkret, dass die muslimische Einwanderung wirksam beschränkt werden müsse.

Einwanderungspolitik

Weiterhin schlägt er eine „Befreiung der Einwanderungspolitik von Ideologie und Wunschdenken“ vor. Das hieße vor allem die Fluchtursachen bekämpfen, aber nicht mit vielem Geld: „Fluchtursachen bekämpfen heißt: die kulturellen Einstellungen in den Krisenländern ändern, Unwissenheit, Korruption und schlechte Regierungspraxis bekämpfen. Dabei kann und muss der Westen helfen. Aber er darf dabei nicht als Vormund auftreten und muss den Stolz der Völker in den Krisenländern respektieren. Der Erfolg ist ungewiss und wird viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen“ (S. 390). Sarrazin verneint, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen Einwanderung brauchen, hält es aber für eine moralische Pflicht, armen Ländern zu helfen. Hart geht er mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung seit 2015 ins Gericht und listet die gröbsten Fehler auf (S. 392 ff.). Das ist für die Kritiker der Bundesregierung eine gute Zusammenfassung, für ihre Unterstützer wahrscheinlich unbegründete Miesmacherei. Eine Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten ist jedoch dringend erforderlich.

Asyl- und Flüchtlingspolitik

Vor dem Hintergrund der Fehlentwicklungen sei eine „Reform der Flüchtlings- und Asylpolitik“ überfällig (S. 396 ff.) Die wichtigsten Änderungen: Erstens sollte die Genfer Flüchtlingskonvention von 1950 dahin gehend geändert werden, dass für „Flüchtlinge möglichst nah an ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten gesorgt wird“ (S. 396). Zweitens dürften staatliche Leistungen an Flüchtlinge erst fließen und Klageberechtigungen entstehen, wenn der Betreffende einen Aufenthaltsstatus bekommen hat, der ihm nach einer Prüfung von 30 Tagen entweder zugesprochen oder verweigert wird. In der Wartezeit befindet er sich in einer Art „Transitzone“ in der das Ausländerrecht nicht gilt. Alle Zuständigkeiten sollen auf eine Stelle konzentriert werden bis das Verfahren abgeschlossen ist. „Ein weiterer Rechtsweg über die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist ausgeschlossen“ (S. 397). Alle abgelehnten Asylbewerber und alle illegalen Einwanderer, für die eine Zentraldatei angelegt werden soll, müssen abgeschoben werden. Wenn Boote mit Flüchtlingen und illegalen Einwanderern aufgebracht werden, sollen diese, nach ggf. notwendiger medizinischer Versorgung, unverzüglich an ihre Ausgangspunkte zurückgebracht werden.

Außen- und Entwicklungspolitik

Sodann plädiert Sarrazin für „eine der islamischen Welt zugewandte und ernsthafte Außen- und Entwicklungspolitik“ (S. 399). Diese Politik sollte vor allem darauf gerichtet sein, „die Wanderung der Menschen nach Deutschland und Europa vorbeugend zu verhindern. Jene Staaten, die ungeregelte Auswanderung konsequent unterbinden und illegale Einwanderer freiwillig zurücknehmen, sollten mit Zahlungen aus Europa an ihre Staatshaushalte belohnt werden. Jene Länder dagegen, die nicht kooperieren, sollten von allen Zahlungen abgeschnitten werden“ (S. 401).

Islampolitik

Was Sarrazin unter der Forderung nach einer „robuste(n) und realistische(n) nationale(n) Islampolitik“ (S. 402) vorträgt, ist eine Zusammenfassung nicht neuer, gleichwohl höchst kontroverser Forderungen nach einer neuen Verhältnisbestimmung von Staat und Religion. Er möchte den „Rest von Staatskirchentum“ (S. 402) beseitigen, den es noch in Deutschland gebe. Da das staatskirchenrechtliche System „immer nur historisch erklärbar war“ (S. 403), hat es auch den „fortschreitende(n) Bedeutungsverlust“ der christlichen Kirchen nicht aufhalten können (Ebda.). Ganz falsch sei es, mit dem Anspruch auf Gleichbehandlung, den Islam an den staatskirchenrechtlichen Privilegien („Körperschaften des Öffentlichen Rechtes“) zu beteiligen. Er schlägt vor, dass sich Religionsgemeinschaften nach dem Vereinsrecht organisieren sollten: „Das deutsche Vereinsrecht bietet alle Möglichkeiten, um christliche Kirchen und andere Religionsgemeinschaften staatsfern zu organisieren und in diesem Rahmen freie Religionsausübung zu praktizieren“ (S. 405). Sarrazin kennt als staats- und rechtswissenschaftlich ausgewiesener (Dr. rer. pol.) Volkswirt die staatskirchenrechtliche Lage genau und weiß, dass er hier in ein Wespennest stößt. Er steht mit dieser Forderung in der Tradition des bis zum Gothaer Programm der SPD 1875 zurückreichenden Programmsatzes von der „Erklärung der Religion zur Privatsache“. Die Mehrheits-SPD (MSPD) gab diesen Grundsatz 1919 faktisch auf, indem sie auch den Kirchenartikeln der Weimarer Reichsverfassung zustimmte, die bis heute Bestandteil des Grundgesetzes sind (Art. 140). Die SPD revidierte ihre Stellung zu den Kirchen im Godesberger Programm 1959 und versteht sich seitdem als „Partner“ der Kirchen. Sarrazins Forderung nach Eliminierung des geltenden Staatskirchenrechts wird zwar von linken SPD Kreisen, sowie Humanisten und Freidenkern unterstützt, würde aber zurzeit keine politische Mehrheit im Bundestag finden. Es müsste dann auch der Art.7, Absatz 3 des GG fallen, der den konfessionellen Religionsunterricht als „ordentliches Lehrfach“ ausweist, der in „Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“ erteilt wird. Sarrazin hält den konfessionsgebundenen Religionsunterricht für obsolet und will ihn zugunsten von mehr Geschichte und Gemeinschaftskunde abschaffen. Denn: „Konfessionsgebundener Religionsunterricht ist immer eine einseitige Indoktrinierung unter Umgehung des kritischen, fragenden Verstandes“ (S. 408). Das ist m.E. eine (ganz unnötige) Polemik, die nur der Unkenntnis der geltenden und praktizierten religionspädagogischen Standards geschuldet ist. Religionspädagogik geht von der Lebenswirklichkeit der Schüler aus und will sie in ihrer Religion beheimaten. Dabei wird stets auf interreligiöse Orientierung und auch Kooperation mit (in Berlin z.B.) den Fächern Ethik und Lebens-kunde (erteilt vom Humanistischen Verband) geachtet. Die Zukunft des islamischen Religionsunter-richts ist offen und ich teile die Kritik und Bedenken Sarrazins.
Richtig erscheint mir seine Forderung, islamische Theologie an den Hochschulen bei den philosophi-schen Fakultäten anzusiedeln und islamischen Beiräten nur eine beratende Funktion zuzusprechen. Das Beispiel der Institutionalisierung islamischer Theologie an der Humboldt-Universität in Berlin mit Vertretern der konservativen und fundamentalistischen Islamverbände sollte ein warnendes Beispiel sein.

Erwartungen an Muslime

Sarrazin schreibt: „Das Verhältnis der Muslime zu Staat und Gesellschaft bedarf einer klaren Erwartungshaltung“ (S. 409) und meint konkret, dass Muslime

• ihren „Überlegenheitsanspruch“ und die Einteilung der Gesellschaft in „Gläubige“ und „Un-gläubige“ aufgeben sollten, unter „Verzicht darauf, sich kollektiv durch die Bedeckung und Verschleierung der Frauen optisch von der Mehrheitsgesellschaft abzuheben“ (S. 410);
• den Vorrang des Staates und seinem Recht vor der Religion akzeptieren, was im Blick auf die Meinungsfreiheit besonders dringlich wäre (Beispiele: Karikaturenstreit, Salman Rushdie, Charlie Hebdo);

Entschieden plädiert Sarrazin für eine neue Konstruktion der Islamkonferenz. Für die teilnehmenden Verbände sollte es „ein Quorum über die nachgewiesene Mindestzahl der von ihnen vertretenen Mitglieder geben. Auch sollten nur solche Verbände teilnehmen dürfen, bei denen eine direkte oder indirekte Finanzierung aus ausländischen Quellen nachweislich ausgeschlossen ist“ (S. 412). Damit wären zurzeit fast alle Verbände ausgeschlossen, was allerdings schwer umzusetzen sein wird. Aber der Autor möchte auch grundsätzlich keinen „Sonderstatus“ für muslimische Verbände, der über die Gewährung individueller Bürgerrechte hinausgehe.

Integrationspolitik und Bildung

Sarrazin nimmt Bezug auf die Integrationspolitik und fordert ihre Entmystifizierung (S.413). Es müsse zugegeben werden, dass sie gescheitert sei (Hamed Abdel Samad!). In der Bildungspolitik müsse es darum gehen „kulturelle Assimilation“ zu unterstützen und auf „Integration durch Leistung setzen“ (S. 413). Dazu seien qualifizierte Testverfahren zur Leistungsmessung notwendig. Auch fordert er, wie schon angesprochen, ein neues staatsbürgerkundliches Schulfach – anstelle des Religionsunterrichts: „Statt des Religionsunterrichts sollte es ein für alle verpflichtendes Schulfach geben, das Fragen der Ethik, der Staatsbürgerkunde und der Gemeinschaftskunde umfasst. Auch die Ideengebäude von politischen Theorien und Religionen zählen dazu“ (S. 417). Das setzte einen großen Konsens von Bildungspolitikern und Pädagogen voraus, den ich zurzeit nicht erkennen kann.

Kopftuch

In deutlichem Dissens zu den Urteilen des BVerfG zum Kopftuch (2003, 2015) möchte Sarrazin das Kopftuch gänzlich aus der Schule verbannen (S. 419).

Falsche Anreize

Sozialpolitisch hält Sarrazin eine Reduktion „falscher Anreize“ für notwendig. Das beträfe vor allem die kinderreichen muslimischen Familien: „Es wäre richtiger, wenn man die Geldleistungen für Kinder generell stark reduzieren würde. Dieses Geld ist in Kitas und Ganztagsschulen besser ange-legt“ (S. 420). Dies wird schon seit langem diskutiert und wäre in der Tat ein besserer Beitrag zur Integration.

Daten über den Islam

Ganz zum Schluss seines Buches fordert der Autor, dass „über den Islam und die Muslime in Deutschland und Europa (..) transparent, offen und vollständig berichtet werden“ muss (S. 421). Hier sind vor allem die amtlichen Stellen gefordert, die offizielle Statistiken zur Religionsangehörig-keit und dem sozioökonomischen Status von Religionsangehörigen liefern müssen. Das wäre tatsächlich eine wichtige Grundlage für Politik und Zivilgesellschaft und hilfreich für Messungen zum Stand der Integration.

Abschließende Bemerkung

Im Gegensatz zu der versammelten Macht der politischen Eliten und ihrer medialen Claqeure, die das Buch schon im Vorfeld verdammten und dann in einer Mischung aus Dummheit, Ignoranz und Schmähkritik (Süddeutsche Zeitung!) verurteilten, halte ich das Buch für hilfreich. Es ist informativ und erörtert die wesentlichen kontroversen Fragen, die im Islamdiskurs ja schon länger diskutiert werden. Es regt aber an, neu nachzudenken und kann insofern auch als kritisches Nachschlagewerk zur Wirklichkeit des Islam in Deutschland und Europa dienen. Der oft zugespitzte und provokative Stil mag manchen stören, doch ist das auch ein Mittel die Dinge auf den Punkt zu bringen. Ich hoffe, dass sich viele Menschen mit Sarrazins Buch auseinandersetzen, weil es sich lohnt. Es bleibt abzuwarten wie sich die feindselige Front aus Wissenschaft, Politik, Medien und Kirchen verhalten wird. Totschweigen und auf den Index setzen wäre genauso inakzeptabel wie die – bislang zu beobachtende – oberflächliche, vorurteilsbehaftete und einseitige Verurteilung, die sich auch wieder auf die Person Thilo Sarrazins kapriziert. Der Autor wusste, was er tat als er dieses Buch schrieb. Es war ein mutiger Schritt. Und solcher Mut ist unser Gesellschaft weithin abhanden gekommen.

*Ein „Agnostiker“ ist jemand, der die Existenz einer höheren Macht ( eines „Gottes“ etc.) für „nicht geklärt“ und „nicht klärbar“ hält.
**„Allahs Narren. Wie der Islamismus die Welt erobert“. Merlin-Verlag, Gifkendorf, 2013.
*** Heinz Buschkowsky, „Die andere Gesellschaft“. Berlin, 2014. Derselbe, „Neukölln ist überall“. Berlin, 2012. Ralph Ghadban, Die Libanon Flüchtlinge in Berlin. Berlin, 2000. Derselbe, „Islam und Islamkritik. Vorträge zur Integrationsfrage“. Berlin, 2011.

Dr. Johannes Kandel
3. September 2018

Advertisements

Was ich noch zu sagen hätte – und andere vermutlich auch…. 6. September, 2018

Posted by Rika in aktuell, flüchtlinge, gesellschaft, integration, meine persönliche presseschau, migration, politik.
Tags: , , , , , , , , ,
add a comment

Es ist ja bereits viel gesagt und geschrieben worden zu „Chemnitz“ … aber die Zukunft wird zeigen, dass längst noch nicht alles gesagt wurde.

Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, als ich in den Nachrichten (bei ZDF oder ARD) unsere Kanzlerin in ihrem schönsten Uckermärkischen Tonfall und von keiner emotionalen Regung getrübt folgende Worte beinahe im Vorbeigehen, so nebensächlich ließ sie es erscheinen, sprechen hörte:

 

„Meine Reaktion ist, dass wir dort Bilder gesehen haben, die sehr klar Hass und damit auch Verfolgung von unschuldigen Menschen deutlich gemacht haben. Von denen muss man sich distanzieren, das hat Herr Seibert gemacht, das tue ich, das habe ich auch schon getan, und damit ist alles gesagt.“

Die schriftliche Fassung der „Rede“ habe ich diesem Text entnommen, auf den ich gerne hinweise: „Alles gesagt“ ? Noch lange nicht.

Ich will das nicht unwidersprochen lassen.

Wie aber  soll ich nun mit meiner Antwort auf Frau Dr. Merkel beginnen?

Liebe Frau Bundeskanzlerin?

Verehrte Frau Bundeskanzlerin?

Hallo Frau Bundeskanzlerin?

Passt nicht.

Nun,  dann so:

Frau Dr. Merkel,

es ist schon einige Zeit her, dass ich mich mit einem (fiktiven) Brief an Sie wandte. Auch dieser Brief wird vermutlich „fiktiv“ bleiben, das heißt, nicht bis zu Ihnen gelangen.

„Damit ist alles gesagt“, haben Sie Ihr kurzes Statement auf Nachfrage  zu den Vorkommnissen in Chemnitz abgeschlossen. Und an keiner Stelle war Ihnen anzumerken, dass Sie in irgendeiner Weise neben der rein pragmatischen Vorgehensweise zum Geschehen auch so etwas wie „Gefühle“ investiert hätten oder auch nur bereit seien, Gefühle überhaupt zuzulassen, geschweige denn, sie öffentlich zu zeigen. Nun ist es nicht jedem Menschen gegeben, seine (berechtigte ?) Empörung über einen Sachverhalt oder ein Geschehen so zu zeigen, wie es weiland der Trainer des FC Bayern München, Giovanni Trapattoni tat mit seinem berühmt gewordenen Satz: „Ich habe fertig!“ In dem Mann brodelte es, das war im deutlich anzumerken.

Brodelt es auch manchmal in Ihnen? Könnten Sie ab  und zu mal vor Wut ein bisschen kochen oder gar explodieren, wie man es im Volksmund so stilsicher wie gar nicht blumig beschreibt,  ist Ihnen das Gefühl völlig fremd? Dieses Gefühl aus einer Mischung aus Resignation, Ohnmacht, Wut und Zorn.

Ich will Ihnen sagen, dass Ihre unglaubliche Erwiderung auf Chemnitz genau diese Gefühle in mir ausgelöst hat.

Ich fühle mich ohnmächtig, angesichts meiner Machtlosigkeit Ihrer Machtfülle gegenüber. Dabei bin ich streng genommen doch Ihr Souverän.  Ich bin es, die mit meiner Stimme die Partei legitimiert hat, gemeinsam mit Ihnen eine Regierung einzugehen… andere haben mit ihrer Stimme Ihre Partei gewählt, auf dass Sie weiterhin als Kanzlerin regieren und schalten und walten können, wie es Ihnen gefällt, bzw. situativ mal eben in den Kram passt. Meinen Sie nicht, dass Sie mir, dem Souverän, ein wenig mehr an Rechenschaft ablegen müssten über Ihr Verhalten und Ihre Äußerungen zu Chemnitz,  als dieses lächerlich kurze Statement, abgeschlossen mit „damit ist alles gesagt“!? Glauben Sie wirklich, dass es außer mir und einigen anderen renitenten Bürgern dieses schönen Landes kaum jemanden gibt, der nicht gerne mehr wüßte, wie die Kanzlerin  über die Vorgänge von Chemnitz urteilt – und vor allem – was sie zu tun gedenkt, um dem immer größer werdenen Riss in der Gesellschaft und dem damit verbunden Unmut  entgegen zu wirken?

Können Sie sich denn beim besten Willen nicht in Ihre „Landsleute der ehemaligen DDR“ hineinversetzen und deren Resignation spüren, die ja nicht erst seit 2015 nur mühsam unter der Decke gehalten wird? Was glauben Sie denn,  wie viele Menschen seit der Wende mit einer plötzlich über sie herein gebrochenen,  existenziellen Situation und daraus folgender Gefühlslage konfrontiert waren oder immer noch sind und bis heute fertig werden müssen?  Menschen,   die zu DDR-Zeiten einem – im Verhältnis gut bezahlten –  Beruf nachgingen mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienten und der ihnen ein positives Selbstwertgefühl gab, einem Beruf, der aber nach der Wende  nichts mehr galt oder dessen sie  verlustig wurden, weil ganze Fabriken und Betriebe „abgewickelt“ wurden  und die Leute  deshalb in finanzielle Not und ins gesellschaftliche Abseits stürzten?  Die wenigsten Menschen hatten doch das große Glück wie Sie es hatten, mit der Welle der politischen Neuverteilung von Macht und Zuständigkeiten  plötzlich in eine gut bezahlte und ebenso angesehene  Position der ursprünglich westdeutschen Parteienlandschaft gespült zu werden. Viel zu viele Menschen haben nicht nur ihren Arbeitsplatz verloren, viel zu vielen gingen auch alle bis dahin geltenden politischen oder ideologischen Sicherheiten verloren. Die DDR und das gesamte gesellschaftliche Gefüge und wirtschaftliche System hatte von jetzt auf gleich  abgewirtschaftet und leider haben es die zuständigen Politiker der Wendezeit nicht verstanden,  die Menschen nicht gleich mit über Bord zu werfen, die ja zumeist gar kein anderes Bezugssystem hatten oder kannten, als den real existierenden Sozialismus – von dem ich als „Wessi“ in keinster Weise überzeugt war. HabenSie das denn alles schon vergessen? Was haben die sogenannten Altparteien denn den in ihren Grundfesten erschütterten  ehemaligen SED-Wählern zur neuen Identitätsfindung angeboten?  „Blühende Landschaften“ hat Herr Kohl versprochen… aber es hat mehr als 15 Jahre gedauert, nicht wahr? Und in manchen Landschaften blühen heute  zwar die Blumen, Straßen und Bahnverbindungen sind gut ausgebaut, Städte hübsch saniert,   aber die Arbeitsplätze sind dünn gesät. Arbeitsplätze!  Bis heute sind die Renten der Ostdeutschen nicht denen der Westdeutschen angeglichen. Glauben Sie nicht, dass man sich darüber „wie Flasche leer“ fühlen kann, um noch einmal Trapattoni zu zitieren?  Wer hat denn diese Leere gefüllt, und ich meine jetzt nicht in erster Linie eine materielle „Füllung“. Welchen ideologischen, aber leider fehl leitenden,  Weltverbesserern,  haben SIE, Frau Dr. Merkel denn in Ihrer immerhin schon 13 Jahre währenden Regierungszeit wirklich sinnvoll etwas entgegen gesetzt? Diese Frage dürfen Sie gerne an Ihre jetzigen und bisherigen Koalitionspartner weiter geben und auch an die  argumentativ kaum vorhandene bisherige Opposition der Grünen und Linken. Die einen kleben an ihren alten Modellen eines sich menschlich gebenden Sozialismus, die anderen wollen die Schöpfung bewahren und dem Braunkohletagebau das Totenlied singen. (Was ja unter Umweltschutzmaßnahmen gar nicht mal so schlecht ist… aber was dann, rein arbeitsmarkttechnisch nachgefragt???)  Und schielen Sie, Frau Dr. Merkel, nicht sehr viel mehr auf „uns Besserwessis“ als größere Wählergruppe, als auf IHRE ehemaligen Landsleute?  Was sagen Sie den Leuten?

Aber Sie haben ja Recht.

Rechte sind in unserem Land gefährlich für den Fortbestand der Demokratie. Doch was haben Sie denn unternommen gegen den erkennbaren Rechtsruck im ehedem antifaschistischen Bruderland von Sowjetunion und Kuba? Es ist doch seit Jahren bekannt, dass „die Rechten“ (und damit meine ich jetzt nicht die AfD, die es ja so lange noch gar nicht gibt) einen enormen Zulauf ausgerechnet im Osten haben… Es soll, so wurde mir erzählt, Dörfer in Meck-Pom geben, in denen traut sich nicht mal mehr die Polizei Widerworte gegen rechte Rädelsführer zu geben. Und das nicht erst seit 2015. Das alles ist doch schon so lange bekannt. Haben Sie denn wirklich Augen und Ohren davor verschlossen? Die Aktionen rechtsradikaler Sturmtruppgruppen gegen Flüchtlingsunterkünfte gab es schon vor 20 Jahren. Damals habe ich Vietnamesen eherenamtlich Deutschunterricht erteilt, die aus dem Osten in den Westen geflohen waren – nicht nur der brauen Horden wegen, sondern auch, weil man die ehemaligen Arbeitssklaven der DDR zurück nach Vietnam schicken wollte.

Alles schon vergessen?

Eine Zuspitzung erfuhr die „rechte Situation“ mit dem großen Andrang von Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens. Was zunächst eine wirklich gute humanitäre Geste war, erwies sich doch im weiteren Verlauf des anhaltenden  Begehrens von Migranten aller Art nach Deutschland zu kommen, als ein kaum bis nicht mehr handelbares Unterfangen. Wer damals schon darauf hinwies, dass Integration – und um die ging es doch auch – nicht mit  „Dach über dem Kopf“, „Essen auf dem Tisch“, Bekleidung und Sprachkurs getan sein konnte, wurde ganz schnell mundtot gemacht mit den unschönen Begriffen wie „Fremdenfeindlichkeit“, „Rassismus“, Islamophobie. Dabei war es doch  unabdingbar  und ist es immer noch, dass Zusammenleben eben nicht von Tag zu Tag neu auszuhandeln ist, wie manche Migrantenverbände es illusionsreich forderten, sondern   sich an unseren Gesetzen und an den allgemein gültigen Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders zu orientieren hat –  Stichwort achtsames Miteinander,  Schutz des Eigentums, Schutz der persönlichen Unversehrtheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, um nur einige der Bereiche zu nennen, die immer wieder eklatant verletzt werden. Da hilft es auch nicht, dass die einzelnen Fälle tatsächlich „nur“ Einzelfälle sind. Im Bewusstsein der Menschen, die ohnehin ideologisch  auf schwankendem Boden stehen oder sich auch nur so empfinden, ist jeder Einzelfall ein Fall zu viel.  Haben Sie eigentlich keine Psychologen in Ihrem Beraterteam, die Ihnen das sehr einfach und sehr plausibel erklären könnten oder verlassen Sie sich ausschließlich auf alle möglichen Experten von „Terrorismus“ über „Rassismus“ bis „Islamismus“, die aber doch alle nur – so scheint es mir jedenfalls – abwiegeln und / oder aber auf die  mit dem Finger zeigen, die sich der neuen Welt des Multikuli, die mehr ist als (italienische) Eisdiele und (türkische) Dönerbude,  nicht so recht anzupassen wissen oder vor den Folgen einer schlecht organisierten Migration warnen.

Sehen Sie, Frau Dr. Merkel, aus diesen vielen Imponderabilien, die Sie weder in der Hand haben, noch steuern können, über die Sie aber auch nicht mit den Menschen reden (sieht man mal von Ihren Sommergesprächen oder den schönen Plaudereien mit Anne Will ab,) erwächst mit dem Gefühl der Resignation und Ohnmacht auch ganz langsam ein Gefühl der Wut. Wut auf alles, was man als Verlust tatsächlich bereits erlebt hat oder auf den, den man für die Zukunft befürchtet. Und es war so vorhersagbar wie es politisch riskant ist, in so einer Situation wenden sich viele Menschen denen zu, die mit einfachen Worten die Lösung der Probleme versprechen. (Einfach sind Ihre Worte ja meistens auch, aber leider auch sehr nebulös und verschwurbelt. Klare Ansagen gab es zum Atomausstieg = alternativlos, zur Griechenlandrettung = alternativlos, zur Eurorettung = alternativlos, zu ihrer Regierung = alternativlos.)

Eine Alternative für verunsicherte Bürger hatten und haben Sie nicht zu bieten, denn Ihr „Wir schaffen das“ lässt ja leider offen, wie und mit welchen Mitteln Sie was zu schaffen gedenken, bzw. uns zumuten   auftragen es zu schaffen.

Derweil nehmen wir Bürger wahr, dass Schulen vermodern, Altenheime und Krankenhäuser, Kitas und Lehrerkollegien  personell chronisch  unterbesetzt sind, dass dringende Infrastrukturmaßnahmen auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben werden, immer mehr Schlüsselindustrien mit dem Gedanken spielen, sich nach China abzusetzen (wenn sie es nicht schon längst in Angriff genommen haben) und die bisherige  „gefühlte Sicherheit“ einer „gefühlten Unsicherheit“ gewichen ist – und es ist egal, ob die Sicherheitslage tatsächlich verändert ist oder nicht.  Gefühle, Frau Dr. Merkel, sind manchmal sehr viel wirkmächtiger als  Fakten.  Erinnern Sie sich an Regine Hildebrand? Diese Frau hatte so viele oder so wenig Mittel wie alle anderen Politiker nach der Wende, um sofort paradiesische Zustände herbei führen zu können, aber sie hatte GEFÜHL, Empathie nennt man das auch. Die Menschen fühlten sich verstanden, auch wenn sich an ihren Umständen nicht das Geringst geändert hatte. Wenn „Regine“ sagte „wir kriegen das schon hin“, war es zwar auch wie ein „wir schaffen das“, aber ihr nahm man ab, dass sie sich mit aller Kraft auch dafür einsetzte.  Spürt man Ihnen dieses „WIR“ und Wollen überhaupt noch ab? Fragen Sie doch mal die Leute in Sachsen.

Als Gerhard Schröder in der berühmten Elefanten-Runde nach der Wahl, die er verloren hatte, großspurig gegen Sie  vom Leder zog, habe ich mich als Genossin für ihn geschämt. Das war unanständig.

Wissen Sie was,  das, was Sie mit Ihrem „und damit ist alles gesagt“ so herablassend geäußert haben, ist schlimmer als jedes „Basta“ des Exkanzlers Schröder.

Und so, Frau Dr. Merkel, ist aus meiner Resignation, meiner Ohnmacht, meiner Wut langsam Zorn geworden. Dass der sich nicht in unschönen Texten wie denen der tapfer singenden Streiter gegen Rechts in Chemnitz äußert oder gar in Aktionen, wie sie die Antifa in Hamburg an den Tag gelegt hat und schon gar nicht im Heben des Arms zum Gruß einer faschistischen Idee (Erdogan, mit dem Sie so gute Geschäfte machen, lässt an dieser Stelle grüßen), ist neben meiner guten Erziehung und Kinderstube meinem eigentlich schon brüchig werdenen Glauben an Willy Brandts Aufforderung „mehr Demokratie wagen“ geschuldet – und meiner christlichen Basis… die ich hier aber nicht weiter für politische Zwecke instrumentalisieren möchte, wie es heute so viele Leute – nicht nur der Kirche – tun…

 

Sie müssen mir nicht danken für diesen kleinen Ausflug in eine politisch-psychologische  Gedankenwelt….

Nicht die Ihre …

Rika Herrmann

 

 

 

Wie eine „offene Gesellschaft“ funktioniert…. 3. September, 2018

Posted by Rika in aktuell, gesellschaft, medien, migration, politik.
Tags: , , , , , , ,
add a comment

wurde mir soeben mit aller Deutlichket demonstriert:

In Hannover gibt es einen Unterstützerkreis zur Flüchtlingshilfe.  Ich finde das Anliegen diese Gruppe außerordentlich gut, zumal „meine Gemeinde“ schon seit vielen Jahren in die Flüchtlingsarbeit involviert ist durch ein sehr gut geführtes „Flüwo“, wie wir es liebevoll nennen. Wir – mein Mann und  ich – unterstützen die Arbeit des Flüwo  seit dem Beginn auf unterschiedliche Weise.   Das nur zur Erklärung.

 

Heute las ich bei facebook folgenden Artikel, der von dem Unterstützerkreis eingestellt worden war:

 

 

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Gegen-Rassismus-Friedensweg-zieht-am-Montag-durch-Hannover

 

Die Geschehnisse in Chemnitz haben mich ziemich stark berührt. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die Berichterstattung in nahezu allen Medien für ziemlich einseitig und linkslastig empfunden habe und empfinde. Auch dem angesagten Konzert in Chemnitz sehe ich mit ziemlich gemischten Gefühlen entgegen, spielen dort doch auch Bands auf, die sich nicht gerade dadurch auszeichnen, dass sie den Rechtsstaat Deutschland ausdrücklich unterstützen. Wer dazu auffordert gegen Polizisten gewaltsam vorzugehen, wie es in einem Lied der Band „Feine Sahne Fischfilet“ angekündigt wird, kann in meinen Augen nicht zur Befriedung der Situation in Chemnitz beitragen. Und wer in Hannover gegen Rassismus unter dem Motto „bunt statt braun“ demonstriert und eine Abordnung „gegen Rechts“ nach Chemnitz schickt, setzt – nach meinem Verständnis von Gesellschaft und Demokratie – das falsche Zeichen,  weil ganz gezielt ein nicht unerheblicher Teil unserer Gesellschaft ausgegrenzt wird, und eben nicht nur die bekennenden Nazis, die es ja seit eh und je gibt, sondern  auch diejenigen Menschen, die sich eher im konservativen  politischen Lager einfinden und sich selber aber nicht als „Rechte“ oder „Rechts“ im Sinne von Neonazis empfinden und verstehen.  Mit welchen Recht stellen „wir“ Menschen in die rechte Ecke, nur weil sie sich gegen die Politik der Bundesregierung aussprechen, einer Politik, die an vielen Stellen durchaus kritikwürdig ist. Dass diese Kritik aber von der bisherigen Opposition des Bundestages (FDP, Grüne, Llinkspartei) weitgehend ausbleibt und letztlich nur von der neuen, als „rechts“einsortierten Partei“ AfD betrieben wird, müssen meinem Dafürhalten nach Demokraten nicht nur „dulden“, sondern als das normale Spiel der Kräfte anerkennen, und zwar sowohl diejenigen, die eine nennenswerte Opposition der Grünen und der FDP vermissen, wie auch die, die die AfD für die Ausgeburt des Bösen und den Wiedergänger unglückseliger Politiker im Sinne und Gefolge des GröFaZ halten.

Nur mit dem Finger auf die „Rechten“ zu zeigen und sie aus der demokratischen Gesellschaft auszuschließen, ist nach meiner Ansicht weder demokratisch, noch sinnvoll. Es geht doch im politischen Geschehen um das miteinander Aushandeln von kleinsten gemeinsamen Nennern und der Umsetzung politischer Überzeugungen in aktives Handeln – und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es das nicht auch mit den sogenannten Rechten der AfD geben kann.

Zur Erinnerung:

Vor den „Ostverträgen“ stritten die Parteien der damaligen Bonner Republik wie die Kesselflicker um das, was politisch möglich vs unmöglich, durchsetzbar oder eben nicht war. Es waren heftig geführte Debatten, die ihren Niederschlag auch in den Medien fanden. Gibt es diese Debatten im Berliner Reichstag heutiger Tage? Zählen Fakten und die Analyse  real existierender Strömungen und Gegebenheiten überhaupt noch oder ist nicht alle Debatte von vornherein ein Geplänkel um die Deutungshoheit, die vor allen Dingen aber von der Kanzlerin in ihrem Sinne als alternativlos und gegeben bestimmt wird?

Und welche Rolle spielen die Medien? Sind sie die einstmals unabhängige Kraft, die den Finger auf die offensichtlichen Schwachpunkte politischer Entscheidungen und gesellschaftlicher Realitäten legt oder machen sie sich  nicht doch mehr und mehr zum Handlanger der „es geht uns doch so gut und wir schaffen das Politik“ der Berliner Regierenden?

Nur nicht daran rühren, und nur nicht aufdecken, was das „Volk“ zunächst nur im stillen Kämmerlein bedachte und nun,  mehr und mehr so leise vor sich hinmurmelt…  nicht den Leu wecken, der sich brüllend erheben könnte gegen die schöne heile Welt deutscher Weltpolitik.

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf angesichts der Ankündigung des Unterstützerkreises Hannoverscher Flüchtlingspolitik….  und ich schrieb einen entsprechenden Kommentar. Er wurde umgehend zurück gewiesen. Ich verdeutlichte mein Ansinnen…. und auch das wurde zurückgewiesen. Schließlich wies ich darauf hin, dass es einmal eine Demo gegen „Rechts“ und Rassismus in Hannover gegeben habe, an der Frau Roth teilnahm und in der man „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ unwidersprochen rufen konnte.

Daraufhin wurde ich an die Netiquette erinnert. Mein entsprechendes Nachfragen  „warum, wieso, weshalb“ wurde nicht mehr beantwortet. Stattdessen wurden alle meine Kommentare gelöscht.

 

Dummerweise – ich habe halt noch nichts dazu gelernt aus ähnlichen Begebenheiten – habe nichts  von dem gespeichert, was ich geschrieben hatte.

 

Aber ich bin selbstverständlich unendlich begeistert darüber, wie die „offene Gesellschaft“ funktioniert, wie man mit denen umgeht, die unangenehme Fragen stellen oder Kommentare schreiben.

 

Lieber Unterstützerkreis: So wird das nichts mit „bunt statt braun“….   allenfalls billige ich Euch „Rot-Tiefrot-Schwarzrot-Grün“ statt Braun zu.

Wer andere Meinungen von vornherein ausbremst, ist nicht offen, sondern ganz, ganz fest geschlossen.

Und ich werde jetzt nicht meinen Farbkasten öffnen, um das Gemisch auch optisch zu überprüfen, das sich aus Rot, Schwarzrot, Tiefrot  und Grün ergibt….

 

NACHTRAG

Ich erinnere mich noch zu gut an den damaligen Radikalenerlass, der Angehörige vor allem der DKP  von allen „Ämtern“, die der Staat an Beamte zu vergeben hatte, ausschloß. Ich empfand das damals als ein großes Unrecht, weil es auch Menschen betraf, die als Briefträger oder Schaffner bei der Bundesbahn arbeiten wollten  und ganz sicher nicht an ihrem Arbeitsplatz die Umwandlung unserer Bundesrepublikanischen Gesellschaft in ein Staatswesen DDR II verwandeln wollten.

Seitdem hege ich ein tiefes Misstrauen gegenüber allen Tendenzen, Menschen aufgrund ihrer politischen Einstellung ausgrenzen zu wollen. Nach meiner persönlichen Überzeugung ist das zutiefst undemokratisch.  Mit dem politischen Gegnern kämpft man durch sachliche Argumente und nicht durch Verbote, es sei denn, die entsprechende Partei sei ausdrücklich nicht verfassungskonform und strebe den Umbau unseres Staatswesens hin zu diktatorischen Verhältnissen an.  Die politischen Parteien sind daran gescheitert, die NPD per Gesetz verbieten zu lassen aus eben den genannten Gründen. Wir müssen uns als Demokraten mit denen auseinandersetzen, die glauben, mit NPD und AfD eine Neuauflage des Nationalsozialismus zu erreichen.

ABER, ich halte auch nichts davon, die LINKE darin zu bestärken, eine Neuauflage der DDR bundesweit zu etablieren.

Und erst recht halte ich nichts davon, wenn die sogenannte bürgerliche Mitte vor beiden Bewegungen die Augen fest verschließt, bzw. je nach Ausganglage das rechte oder linke Auge ganz fest zukneift.

 

 

 

 

Antwort auf Chemnitz…. ? 29. August, 2018

Posted by Rika in aktuell, asyl, flüchtlinge, gesellschaft, integration, migration, mord, politik.
Tags: , , , , , ,
add a comment

Bild könnte enthalten: Text

In Chemnitz kam ein Mann zu Tode. Die näheren Umstände sind noch nicht vollkommen geklärt. Involviert in das grausame Geschehen waren aber auch zwei, inzwischen von der Polizei in Gewahrsam genommene „Flüchtlingsmigrantenasylbewerber“, die mit Messern bewaffnet durch die Stadt spazierten und einen Konflikt mit dem späteren Opfer „Daniel“ mit eben diesen Messern austrugen, zum Nachteil des Getöteten, wie man wohl so sagt.

In Chemnitz kam es zu Protesten. Zu den spontan demonstrierenden Bürgern gesellten sich auch solche mit eindeutig „rechter Gesinnung“, offenbart durch entsprechende Sprechgesänge und Armhebungen, die seit Adolfs unseligen Zeiten glücklicherweise in Deutschland verboten sind. (Ich nuss das sicher nicht näher erklären.)

Die Stimmung in der Stadt wird als „aufgeheizt“ und „aggresiv“ beschrieben, und weil derzeit in diesem Land nichts so sehr die Gemüter erregt, wie der notwendige „Kampf gegen Rechts“, wurde auch alsbald in allen verfügbaren Medien des öffentlichen Lebens über die rechten Sachsen und ihre unschöne Haltung gegen „die anderen“ geredet, geschrieben, gefilmt… was das Zeug hält.

Das Opfer kam so ein zweites Mal unter die Räder… ja, es klingt zynisch und das ist es auch. Denn nicht die Frage, warum, wieso, weshalb Flüchtlinge, Migranten, Asylanten zum abendlichen Festspaziergang ein Messer mit sich führen und es auch mit tödlichen Folgen für den Angegriffenen zum Einsatz brachten, wurde thematisiert, sondern die abscheuliche Reaktion der Chemnitzer Einwohner auf diesen doch eigentlich so ganz normalen Mordfall. So jedenfalls habe ich einige der Kommentare verstanden, die die Alltäglichkeit der gewaltsamen Übergriffe beliebiger Angreifer auf beliebige Bürger beschworen und gar keinen Zusammenhang glaubten erkennen zu können, zwischen den kulturellen Unterschieden derjenigen, die schon länger hier leben und denen, die erst kürzlich zum „Volk aller hier im Lande Lebenden“ gehören… wie es die Frau Bundeskanzlerin so trefflich in einem ihrer sprachlich so eloquent vorgetragenen Statements zum Ausdruck brachte.  Nur ein kleiner dummer und vernachlässigungswerter Zufall, so die Argumentation, kein Politikum, nur ein schlichter Raubüberfall mit Todesfolge. Der Daniel hat einfach Pech gehabt, wie unzählige Opfer von Einzelfällen vor ihm auch schon.

Das Politikum ist nicht die Tat, es ist die Reaktion. Und gegen diese reaktionäre Reaktion der Chemnitzer muss man natürlich mit aller gegebenen Härte vorgehen. Das leuchtet ein. Denn die Reaktion widerspricht dem Geist der Willkommenkultur, die wir doch mit aller Entschiedenheit und allerorten hegen um pflegen, um damit dem Ungeist des Faschismus deutscher Prägung während der Zeit des Nationalsozialismus ein für alle Mal Widerstand entgegen zu setzen. Was damals vom deutschen Volk nicht geleistet wurde, das leisten „wir“ heute, darin sind wir ebenso unübertroffen gut, wie in Ausübung der Vernichtung des europäischen Judentums, der Zerstörung der jüdischen Kultur in Europa, dem Anzetteln des Zweiten Weltkrieges und der Versklavung der „minderwertigen Völker des Ostens“. Niemals wieder kann uns irgendjemand den Vorwurf machen, wir würden andere Völker versklaven oder  gar vernichten wollen.

(Das ist übrigens auch mit ein Grund, warum unsere Regierung immer und immer wieder insistiert, wenn in dem kleinen Land am Mittelmeer angeblich  die Menschenrechte mit Füßen getreten …. also „Siedlungen“ gebaut werden und Sicherheitsanlagen  Messerstecher  daran hindern sollen, diejenigen abzustechen, die den damaligen deutschen Mördern gerade so entkommen sind….)

Aber das ist ein anderes Thema… und sicher wird irgendjemand mir den Vorwurf des Whataboutism machen. Man darf einfach gar keine Beziehungen herstellen oder Vergleiche ziehen, die die Lauterkeit der heutigen Regierung und die der verkündenden Medien in Frage stellen KÖNNTEN! Konjungtiv…! (Claudia Roths Teilnahme an einer Domonstration in Hannover spukt mir gerade noch im Kopf rum… „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ soll da gerufen worden sein. Natürlich – und Dank sei der Vorsehung –  nicht von den Reaktionären am rechten Rand der Gesellschaft, nein, man kann beruhigt sein, es waren linke Schreihälse…. dann ist ja alles gut. Die dürfen randalieren und Autos abfakeln oder mit Pflastersteinen werfen, weil sie ja „gegen Rechts sind“. ) Gegen Rechts zu sein legitimiert jedes Mittel – und wehe, jemand stellt Fragen nach der Rechtmäßigkeit der dargebotenen Mittel, dann ist derjenige selber ganz schön schnell ganz schön rechts….

Gegen Rechts zu sein, ist auch das große Anliegen der Frau Chebli, nach eigener Auskunft „palästinensischer Flüchtling“ in dritter oder vierter Generation. Das und ihr streng muslimisches Elternhaus prädestiniert sie geradezu dazu, in Sachen Migration und Integration den Regierenden in verschiedenen Funktionen hilfreich zur Seite zu stehen. (Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde, ich halte es für sinnvoll, Menschen mit einer ähnlichen Biografie denjenigen an die Seite zu stellen, die hier in Deutschland ein neues Leben aufbauen wollen. Die Frage ist nur, wie sinnvoll es ist, immer wieder den eigenen Status als Flüchtling und / oder Opfer hervorzuheben, um sich damit von der Mehrheitsgesellschaft deutlich abzuheben und gleichzeitig integrativ zu wirken.

Mit ihrem oben verlinkten Twitter-Statement hat sie jedenfalls keine gute Figur gemacht – und es muss ihr auch selber aufgefallen oder von anderer Stelle mitgeteilt worden sein, denn das Statement wurde auf Twitter gelöscht. Aber es ist in den Weiten des Internets natürlich nach wie vor virulent – und das ist auch gut so, wirft es doch ein bezeichnendes Licht auf das, was Frau Chebli im Innersten bewegen mag:

Wir sind mehr (noch), aber zu still….  Wir sind zu wenig radikal„.

 

Wer ist mit „wir“ gemeint? Alle „Nicht-Rechten“ soll man wohl vermuten, die „(noch)  mehr“ sind.

Doch stimmt das „aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft“ denn wirklich?

Werden nicht alle ALLE, aber auch wirklich alle Vorkommnisse, die sich in irgendeiner Weise den Rechten im Land zuordnen lassen von sämtlichen Medien sofort deutlich, heftig und auch laut als nicht hinnehmbar kritisiert (zu Recht, wie ich denke), wenden sich nicht die Poltiker nahezu aller Parteien gegen jede Form des „Rechts-Seins“ und schließen in diese Kritik auch die gewählten Volksvertreter der sich neu gegründeten Partei der AfD mit ein? Ist nicht gerade der Begriff „Nazikeule“ deshalb so oft in Gebrauch, weil inzwischen  sehr vieles, was an kritischen Stimmen gegen die Regierung in Umlauf ist, nahezu reflexhaft mit dem Begriff „Nazi“ oder „Rechts“ belegt wird, oftmals ohne der Sache gründlich auf den Grund zu gehen?

Und ist das mehrheitliche „Wir“ wirklich zu zaghaft? Die Hamburger Protesttage während des Gipfels im vergangenen Jahr zeigten doch überdeutlich eine andere Sprache. Tausende gingen auf die Straße – das war ein „Mehr von Linken, Grünen und Guten“ – und ich meine das überhaupt nicht ironisch. Besorgte Bürger gaben ihrer Besorgnis Ausdruck – und manchen von ihnen war es nicht bewusst oder vielleicht sogar egal, dass sie den Gewalttaten der Antifa und des Schwarzen Blocks eine prima Deckung boten.  Nein, das ist jetzt überhaupt kein Whataboutism zu den Vorgängen in Chemnitz. Das ist einfach eine ganz schlichte Tatsache: Bürger ließen in Hamburg Gewalt zu, weil sie darin einen Ausdruck ihrer eigenen, nur unterschwellig bewussten Bereitschaft zu „radikal“ erleben, nach dem Motto, „eigentlich lehne ich ja Gewalt ab, aber in diesem Fall geht es vielleicht gar nicht anders“…

Das erinnert mich an die Aussage eines Freundes zu den Terroraktionen am Grenzzaun von Gaza. Er meinte, es bliebe ja den Gazanern gar nichts anderes übrig, als gewalttätig zu werden.  Aber ist das so? Ist es nicht eine überaus gefährliche Haltung, „nur“ einer bestimmten Gruppe „Gewalt als Mittle der Wahl“ zuzubilligen, in Sachen Israel aber scharf gegen die angebliche Gewalt der Sicherheitskräfte zu polemisieren?

 

Was also meinte Frau Chebli mit „wir sind zu wenig radikal„?

 

Ganz ohne Zweifel haben die Messerstecher von Chemnitz sehr radikal von ihrer Waffe Gebrauch gemacht.

Ganz ohne Zweifel haben einige, nicht das „Mehr“ der  Demonstranten von Chemnitz radikale Parolen gebraucht, sind auch Flaschen und Böller gworfen worden (und nicht geflogen, wie es in so vielen  Berichten über Aktionen der Antifa heißt, so als führten Flaschen ein Eigenleben….)

Was bedeutet dieses „zu wenig radikal“? Noch mehr Gewalt auf den Straßen – linke Gewalt zumal, die sich gegen Rechte erhebt? Sollen sich etwa die bisher friedlich demonstrierenden Bürger radikalisieren, auch auf die Straßen gehen, mit Flaschen, Steinen oder sogar Messern bewaffnet und ihrem Protest gewaltsam Ausdruck geben?

Das kann und darf es nicht sein.

Die Antwort auf Chemnitz kann nicht lauten, radikaler zu werden.

Frau Chebli meinte zwar im erkärenden  Nachklapp, wir müssten radikaler im Sinne von Demokratie werden. Aber ihre Aktion macht deutlich, dass sie in ihrem Denken immer weiter weg von „mehr Demokratie wagen“ ist.

Die „Radikalisierung der Demokratie“ im Sinne Willy Brandts hat das Wagnis eingeschlossen, sich Menschen eine eigene Meinung bilden zu lassen und sie entscheiden zu lassen wie und wer in diesem Land regieren soll – aufgrund wirklicher Informationen, sachlicher Argumente, kritischer Analyse der Bedingungen zu denen wir jetzt und gerade leben (müssen). Die globale Gemengelage  ist unübersichtlicher geworden, die alten Begriffe von rechts und links taugen nur ungennügend zu Erklärungen und Analysen. Nicht jedes Argument, das die AfD im Bundestrag vorträgt ist falsch – und das Parlament täte gut daran, nicht nach der „Sitzordnung“ zu entscheiden, denn daraus sind doch die Begriffe ursprünglich hervor gegangen. Dem Geist und Inhalt nach sollten Standpunkte geprüft, übernommen oder verworfen werden und nicht weil sie von einer bestimmten Partei – ob sie nun links, rechts oder grün dem Kern nach zuzuordnen ist.

Chemnitz lehrt uns doch auch, dass ein weiteres Übergehen der Anliegen der Bürger nicht zu einem „Mehr“ an „Wir“ führt, sondern zu Ausgrenzungen, Missverständnissen, Spaltungen.

Und die Chefin der Regierung, die verbal so vehement gegen das demonstrierende Volk von Chemnitz vorgeht, sollte sich bewusst machen, dass sie nicht alternativlos ist, dass es neben ihrer (allerdings selten klar formulierten) politischen Sicht auf Deutschland, Europa und die Welt noch gute Gründe gibt, die Lage anders einzuordnen, zu beurteilen und danach zu handeln.

Eigentlich, denke ich, haben sich die Menschen in Chemnitz als wirkliche Demokraten erwiesen…. sie haben ihre Meinung kund getan, sie sind aus ihrer bequemen Gewohnheit aufgebrochen und haben deutlich gezeigt, dass sie an dem Wohlergehen ihrer Stadt interessiert sind. Nun kommt es doch darauf an, gemeinsam an einer Lösung des Problems zu arbeiten, das die Leute von Chemnitz auf die Straße getrieben hat.

Sie als Mob oder Pack oder gar Abschaum zu bezeichnen, ist – wie die Kanzlerin sagen würde – nicht zielführend.

 

 

 

 

Ausschreitungen in Gaza – ich war dort. 15. Juni, 2018

Posted by Rika in aktuell.
1 comment so far

Der Text ist so aussagekräftig, dass sich mein Kommentar erübrigt.

querdenkerweb

Ausschreitungen in Gaza Ausschreitungen an der Grenze zu Gaza. Bild: IDF

Kinley Tor Paz, ein Israeli, schreibt:

Ich schreibe diesen Post für meine guten Freunde – meine moralischen, menschenfreundlichen Freunde und für all jene, die besorgt und wütend über die heutigen Tode und Verletzungen an der Grenze zu Gaza sind.

In Bezug auf Israels Auszug aus Ägypten, als die ägyptische Armee im Roten Meer ertrank, kurz bevor sie die Israeliten erreichte – sagen unsere Weisen, dass Gott die Engel beschimpfte und sie davon abhielt zu singen und zu jubeln: „Meine Schöpfungen ertrinken im Meer und Ihr singt?!“

Ich schreibe diese Worte mit großer Zurückhaltung und aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus. Ich kann verstehen und mich mit all jenen guten und moralischen Zionisten identifizieren, die fürchten, dass die vielen palästinensischen Opfer unsere Schuld sein könnten, die Folge von Fehlern, die von unserer Seite begangen wurden.

Ich schreibe, weil ich einer der wenigen bin…

Ursprünglichen Post anzeigen 561 weitere Wörter

25 Jahre nach Oslo: Die israelische Linke gibt auf 13. Juni, 2018

Posted by Rika in aktuell.
add a comment

Quelle: 25 Jahre nach Oslo: Die israelische Linke gibt auf

Der Ökumenische Rat der Kirchen liegt falsch was den Gazastreifen angeht 12. Juni, 2018

Posted by Rika in aktuell.
1 comment so far

Quelle: Der Ökumenische Rat der Kirchen liegt falsch was den Gazastreifen angeht

Ohnmacht und Verzweifelung… 7. Juni, 2018

Posted by Rika in aktuell.
add a comment

Ohnmacht und Verzeifelung könnten mich überkommen angesichts der fürchterlichen Berichte aus  und über Israel, Berichte, wohlgemerkt, die so in unseren Medien nicht auftauchen, die ich aber den vielen im Internet zur Verfügung stehenden Beiträgen von Bloggern und unabhängigen Medien entnehme.

Da sind einmal die schrecklichen Feuer am Zaun zu Gaza, die von den Arabern unter der Leitung der Hamas mit Hilfe von „Drachen“ entfacht wurden und die auf der israelischen Seite inzwischen hunderte von Feldern und Anpflanzungen in einem großen Naturschutzgebiet vernichtet haben. Für uns waren „Drachen“ in unserer Kindheit ein sehr beliebtes Spielzeug und sind es für viele Kinder heute auch noch…  Die Araber nutzen sie für ihren „Feuerterror“ … und die EU und unsere Regierung ringen sich allenfalls einen müden Kommentar der Güte „du, du, das macht man nicht!“ ab, wenn sie überhaupt etwas dazu sagen.  Ich finde Frau Merkels Schweigen an dieser Stelle ohrenbetäubend laut…  und es sagt  doch viel mehr als ihre verschwurbelten Reden an Gedenktagen zum Holocaust, was sie wirklich in Bezug auf Israel denkt. Da mag Netanyahu noch so sehr gute Miene zum bösen Spiel machen und beteuern, dass Deutschland doch Israels Freund sei…. so einen Freund braucht kein Mensch und Israel schon gar nicht!

Auch bei dem letzten großen Propagandasieg der Araber hat unsere wunderbare Regierung Israel im Regen stehen lassen. Die Rede ist von der „schönsten Nebensache der Welt“, dem Fußball. Da entblödet sich die Regierungschefin nicht, nach Österreich ins Quartier von La Mannschaft zu fahren und liebreizend in die Kamera zu lächeln – als sei sie das manifestierte Maskottchen der „Mannsschaft“ (Nationalmannschaft zu sagen ist ja so was von rechts!!) Aber die beste Raute der Welt bringt es nicht fertig, einen Satz zu sagen zu der unfassbar brutalen Propaganda, mit der die Araber (die sich heutzutage gerne als „Palästianenser“ bezeichnen lassen, was sie vor Arafat strikt abgelehnt haben) ein Freundschaftsspiel der argentinischen Mannschaft gegen Israel in Jerusalem verhindert haben. Das ZDF liefert ein ganz „herrliches Bild“ bei facebook zu dem ungeheuerlichen Geschen und lässt einige Leute die Absage „richtig“ finden, ohne einen eigenen Kommentar zu dem schmutzigen Deal zu schreiben. Da bleibt einem doch die Spucke  oder wahlweise auch das Lachen im Halse stecken über so viel deutsche Unverfrorenheit und „Fairness“ einem „befreundeten Land“ gegenüber.

 

Viel mehr könnte ich aufzählen zu dem von der Regierung so viel bemühten  Thema „Deutschland an der Seite Israels“, dieser verlogenen Beteuerung, die nicht mal ansatzweise hält, was sie so vollmundig verspricht.

Es muss – leider –  genug sein an dieser Stelle. Ich habe einfach keine Zeit.

In den letzten Tagen war ich sehr mit dem „Reiseblog“ beschäftigt, der nun bis auf Kleinigkeiten fertig gestellt ist und den ich allen Leuten, die hier vorbei schauen und lesen sehr ans Herz lege. Leider nur ansatzweise – mehr ist privat nicht zu leisten – gibt er einen Eindruck von Israel wieder,  wie man ihn nicht in den öffentlichen Medien kennenlernen würde… ein wunderbares Land … interessante Menschen … biblische Geschichte in der Gegenwart … Erinnern …  und Lebensfreude trotz des allgegenwärtigen Terrors.

 Israel -Reiseblog

 

 

Wieder im Lande – und doch nicht ganz da…. 30. Mai, 2018

Posted by Rika in aktuell, araber, araber-"palästinenser", gesellschaft, hamas, hass, israel, medien, plo, politik.
Tags: , , ,
6 comments

Ich bin schon eine ganze Weile wieder im Lande, seit dem späten Abend des 17. Mai, um genau zu sein, aber eben noch nicht wieder ganz da, bzw. hier.

Das hat vor allem zwei Gründe, den einen könnte ich vielleicht beeinflussen, der andere hat mich heimgesucht gegen meinen erklärten Willen. Wie es manchmal so geht.

Ich hatte ja in meinem letzten Beitrag hier schon den Hinweis auf den Reiseblog gegeben, der im Lauf unserer Reise „IN“ Israel begonnen und hier dann vervollstädnigt werden sollte. In Israel zu posten war in der Tat nicht ganz einfach.  Ich war (bin) die einzige aus unserem Team, die überhaupt Erfahrung mit  Bloggen hat. Mir stand aber nur mein Smartphone zur Verfügung, das aber war erst seit ein paar Tagen in meinem Besitz und ich hatte noch nicht alle Funktionen vollständig erprobt (bei meinem alten war das kein Problem, aber dem Ding ging ständig der Saft aus, so dass ich es unmöglich in Israel hätte nutzen können!)  So kam es, dass einiges Durcheinander entstand, zumal einige Bilder (nicht von mir) hochgeladen wurden und wir plötzlich drei Meldungen am gleichen Tag hatten…. was eigentlich nicht sooo geplant war. Der langen Rede kurzer Sinn, kaum zu Hause angekommen, machte ich mich an die Arbeit, ein wenig Ordnung in den Reiseblog zu bringen, die Bilder nicht unkommentiert stehen zu lassen und ein einigermaßen einheitliches „Auftreten“ zu erreichen. Das war ziemlich zeitintensiv.

Noch während ich also so vor mich hin puzzelte und Stunden damit verbrachte,  meine Erinnerungen  in Einklang zu bringen mit dem, was schon dokumentiert war, spürte ich, dass sich in meinem Hals Unangenehmes zusammen braute – „raute“ wäre wohl der bessere Ausdruck, wenn es ihn denn gäbe: zusammen raute. Denn rau fühlte es sich mehr und mehr an, da hinten in meinem Hals, rau und kratzig…. dann kam der Husten dazu, ich bellte, wie ein Kettenhund, vor allem in der Nacht, was eben nicht nur Schlaflosigkeit bedeutete, sondern noch mehr „rauen Hals“. Als es nicht mehr ging, mir der Hals auch tagsüber schrecklich weh tat und der Husten kein Ende nehmen wollte, ging ich endlich zum Arzt. „Bronchistis“ lautete seine eben so schlichte wie knappe Diagnose… verbunden mit einer feinen Nebenhöhlenentzündung. Ich bekam Tabletten und fühlte mich nun auch richtig krank. So krank, dass ich bis zum vergangenen Sonntag die Tage im Bett verbrachte. An Aufstehen mochte ich nicht einmal denken, geschweige denn an Schreiben ….

Nun bin ich auf dem guten Weg der Besserung, habe wieder am Reiseblog gearbeitet und nehme mir heute endlich Zeit für diesen kleinen Eintrag hier.

Alles, was ich eigentlich auch hier zu Israel schreiben wollte, muss noch ein bisschen warten… aber wer will, kann ja schon mal „drüben“ stöbern. Wie gesagt, der Blog mit seinen Berichten ist noch nicht fertig, aber auf einem guten Weg.

Nur so viel auch hier:

Es war eine wunderbare Reise – vielfältig, vollgepackt, anstrengend, großartig.

Israel ist ein wunderbares Land und es lohnt sich, einmal dorthin zu reisen… oder zweimal oder öfter oder immer wieder!

Israel braucht unsere Solidarität – heute mehr als je zuvor!!! 

Die feindlichen Nachbarn haben sich gegen das Land verschworen und sie sind Meister in der anti-israelischen Propaganda.

Von unserer Regierung erwarte ich eigentlich ein Handeln, das den Lippenbekenntnissen unserer Regierungschefin endlich auch mal entspricht. So würde ich es gerade wegen der ziemlich furchtbaren terroristischen Übergriffe der Araber von Gaza aus für ausgespochen sinnvoll erachten, wenn auch Deutschland die Botschaft nach Jerusalem verlegen würde, denn das  WÜRDE DEN TERRORISTEN KLAR MACHEN, DASS IHR TERROR NIEMALS FRÜCHTE TRAGEN WIRD !!! So aber, angesichts des Schweigen Deutschlands (EU und DE gehören zu den größten Terrorfinanzierer!!!) und des Wegducken Frau Merkels und fast der gesamten EU, fühlen sich die feigen Terrorkämpfer, die Frauen und Kinder, Arme und Behinderte an den Zaun geschickt haben, um sich hinter ihnen zu verkriechen (Israel schießt nämlich NICHT AUF ZIVILISTEN ) doch in ihrem schrecklichen Tun nur bestätigt. Immerhin, es grenzt ja schon fast an ein Wunder, dass man diesmal sogar in meinem Käseblättchen lesen konnte, dass Israel VON DEN ARABERN AUS GAZA ANGEGRIFFEN wurde!

So, genug für heute…. oder für den Moment. Ich muss jetzt meinen Genesungsschlaf halten… Wir sehen uns später….

 

                                          Im Garten Gethsemane…..

 

Nur eine kurze Weile weg… 6. Mai, 2018

Posted by Rika in aktuell.
add a comment

Morgen, ja morgen schon werde ich mit einer Gruppe der „Christlichen Israelfreunde Norddeutschland“ nach Israel fliegen.

Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen mit einem aufregenden und wunderbaren Land.

Israel, vor 70 Jahren als moderner, demokratischer Staat gegründet  – auf dem uralten Land der Verheißung.

Es erscheint als ein Wunder, dass trotz mörderischen Terrors und durch die Nachbarn angezettelten Kriege das Land blüht, die Wirtschaft prosperiert und die Menschen ihre Lebensfreude nicht verloren haben.

70 Jahre Israel.

Und ich freue mich sehr auf die Begegnungen mit  vielen unterschiedlichen Leuten der israelischen Bevölkerung.

 

Jes 2,3 Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.

Lasst uns hinauf gehen nach Jerusalem….

 

Schalom Chaverim….

 

Einen Reiseblog gibt es auch, hier!