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Was in mir so vorgeht…. 11. Februar, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Die meisten Leute die ich kenne, machen sich Gedanken darüber, was wohl bei Prominenten aus Politik, Sport oder Personen öffentlichen Lebens welcher Art auch immer jeweils in ihm / in ihr vorgeht und ergehen sich in manchmal wilden, manchmal zärtlichsten Spekulationen darüber, was er oder sie gerade empfindet im Augenblick der Niederlage oder im wunderbaren Siebenten Himmel des Triumphes.

So kann man dann darüber lesen, wie es wohl „dem Martin“ jetzt gehen mag oder seinem Ex-Freund Sigmar, die ja beide ein intrigantes Spiel getrieben haben um Macht, Posten und Einfluss.

Wir erinnern uns gewiss noch:

In einer Nacht- und Nebelaktion hatte der Siggi seinem Freund Martin, der sein Amt in Brüssel turnusgemäß räumen musste,  den Parteivorsitz in der SPD zugeschustert, im Gegenzug übernahm Siggi das Außenamt (auf das der Martin auch schon geschielt hatte) von Frank-Walter , der ja mit Billigung der ideen- und alternativlosen Kanzlerin auf den frei gewordenen Posten des Bundespräsidenten befördert worden war. Ein munteres „Bäumchen wechsel dich“ auf höchster Ebene und ganz ohne die Beteiligung irgendwelcher Parteimitglieder oder gar Wähler. Ein „wie du mir, so ich dir“ in aller freundlichster Absicht selbstverständlich.

Ich hatte damals schon insgeheim gedacht: „Nachtigall, ich hör dir trapsen!“, um es mal etwas salopp auszudrücken. Uns allen war doch sonnenklar, dass Gabriel als Parteivorsitzender der SPD  niemals die Wahl gegen Angela die Erste würde gewinnen können, ganz abgesehen davon, dass er vermutlich auch nicht von der eigenen Basis zum Kanzlerkandidaten gekürt worden wäre. Sigmar Gabriel wäre krachend gescheitert und damit auch die Aussicht, bei der nächsten Wahl nach Merkel in führender Rolle seinem Land dienen zu können. Er hatte, so dachte ich damals, bereits im Vorfeld ziemlich elegant, aber eben auch ziemlich skrupellos den Schwarzen Peter dem lieben Freund Martin zugeschoben.  Der liebe Martin wurde für seinen Mut, sich ins erkennbare Höllenfeuer zu stürzen, gebührend gefeiert. Aber – auch das wissen wir sicher noch – die Begeisterung ließ schnell nach, Martin machte taktische Fehler, kommunizierte höchst unklug, dafür aber mit schnoddriger Selbstüberschätzung, kurzum, der Wahlkampf war zäh, quälend und ziemlich miserabel, die Wahl ging entsprechend verloren. „Schulz“ hieß der Schwarze Peter. Und der ging nicht etwa reumütig in sich, nein, mit gleicher Schnoddrigkeit und trotziger Überheblichkeit verkündete er unmittelbar nach den ersten  Hochrechnungen, seine Partei, die SPD, würde in die Opposition gehen. Eine Groko käme nicht noch einmal in Betracht und er selbst würde niemals unter Merkel in die Regierung eintreten und ein Ministeramt übernehmen.

Ich fand das aufgrund des Wahlergebnisses einleuchtend, nachvollziehbar und auch richtig.

Frau Merkel machte sich daran, eine Regierungskoalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP zu schmieden. Die Sondierungsgespräche hielten die Nation wochenlang in Atem und wurden auf den buchstäblich letzten Metern dieses Marathons von der FDP ziemlich abrupt (aber für mich keinesfalls überraschend) für gescheitert erklärt.

Nun schlug Frank Walters große Stunde.

„Ist es genau die Situation, die Frau Merkel vorausschauend bedacht hat und die sie deshalb auf einen eigenen CDU-Kandidaten für  das Amt des Bundespräsidenten verzichten ließ?“ dachte ich.  Und hat sie es gar so bereits mit Frank Walter verabredet, der Präsident als Sicherheitsgarantie für ihre Kanzlerschaft?

Wie auch immer, der Präsident lieferte. Er lud die noch verbliebenen möglichen Koalitionäre (mit Linken und AfD wollte und konnte die Kanzlerin keine Regierung bilden!) zum Gespräch, redete ihnen ins Gewissen, beschwor die Verantwortung für Deutschland und zwang sie geradezu in die Sondierung.

Innerhalb der SPD begann es zu murmeln und zu grummeln… keine Groko…. Wortbruch… Untergang….

Aber die Genossen im Parteivorstand nahmen trotz der grummelnden Warnung der Basis die Sondierungsgespräche auf und ließen das Ergebnis (Koalitionsverhandlungen aufnehmen zu wollen)  bei einem Sonderparteitag mit denkbar knapper Mehrheit absegnen, nicht ohne das Versprechen gegeben zu haben, bei den eigentlichen Koalitionsverhandlungen „noch mehr rausholen zu wollen“.

Die Verhandlungen waren kurz, anstrengend und „erfolgreich“, wenn man es für einen Erfolg hält, dass Frau Merkel weiter Kanzlerin bleiben kann und darum zugunsten der SPD auf sogenannte „Schlüsselpositionen“ bei der Vergabe der Ministerien großherzig verzichtete. (Seitdem ist auch das Grummeln an der Parteibasis der CDU deutlich lauter geworden, war es doch zuvor eher ein leises Wispern einiger weniger, die ohnehin nicht mit einem gut dotierten Posten rechnen konnten.)

Ein stolzer Martin Schulz trat vor die Öffentlichkeit und verkündete den Verhandlungserfolg für seine SPD, die er aber fürderhin nicht selber weiter führen, sondern in Andrea Nahles weit geöffnete Hände legen wolle, um… ja um UNTER FRAU MERKEL ALS AUSSENMINISTER IN DIE REGIERUNG EINZUTRETEN!

Potz Blitz und  Tausend!

Dieser Martin aber auch. Da hat er es aber allen gezeigt. Allen voran seinem Freund Sigmar und dann allen Parteimitgliedern, die ohnehin nicht auf Groko-Kurs gehen wollten und auch allen verblüfften Wählern und politischen Gegnern.

„Was zu viel ist, ist zu viel!“ dachte ich und dass das nie und niemals von der Basis der Partei akzeptiert werden würde.

Es ist mir keine Freude, dass ich mit meiner Einschätzung Recht behielt, nicht einmal eine stille Genugtuung. Es macht mich eher ganz fassungslos und auch ein bisschen traurig, dass der Kampf um die Macht zu einem schmutzigen und erbärmlichen Pokerspiel verkommen ist, das nur Verlierer hervorbringt. Martin Schulz ist von seinem noch nicht angetretenen Posten als Außenminister abgetreten und wird nicht länger Parteivorsitzender bleiben.  Sigmar Gabriel hatte öffentlich in einem Zeitungsartikel die mangelnde Solidarität in der SPD beklagt  und sich damit als beleidigte Leberwurst geoutet, unfähig zu menschlicher Größe, Besonnenheit und Selbsterkenntnis…. selbst Parteifreunde nehmen ihm das übel. Angela Merkel hat deutlich an Strahlkraft und an der innerparteilichen Zustimmung eingebüßt.  Andrea Nahles könnte tatsächlich die neue SPD-Vorsitzende werden, aber zu welchem Preis? Und die SPD selbst wird sich wohl nur schwer von diesen Schlägen erholen …. und es ist keinesfalls ausgemacht, dass die Basis bei der geplanten Mitgliederbefragung zur Groko den Vorschlägen des Parteivorstandes folgen wird.

Meine alte SPD gibt es „so“ ja schon längere Zeit nicht mehr…. sie hat sich verändert …. oder bin ich es, die sich so verändert hat, dass ich einfach nicht mehr zu ihr passe?

Das ist es, was in mir vorgeht…

Wie es in all den anderen aussehen mag, was sich in ihnen abspielt? Darüber will ich nicht spekulieren. Ich kann mir zwar Vieles vorstellen, aber darüber schreiben möchte ich nicht.

 

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Standpunkt – Holocaust 3. Februar, 2018

Posted by Rika in antisemitismus, aus meinem kramladen, HOLOCAUST.
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Via Facebook erst erfuhr ich von einem Interview, das Ingo Zamperoni  (ARD) mit Alice Weidel (AfD) in den „Tagesthemen“  am Tag der Holocaust-Gedenkveranstaltung im Bundestag  geführt hatte.

Einschub:

Ich habe die beeindruckende Rede der Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch während der Gedenkstunde miterlebt. Diese Rede spricht für sich. Für den unvorstellbaren Schrecken, für die Maßlosigkeit des Mordens, für die unbarmherzige, bar jeder Menschlichkeit durchgeführte „Endlösung“. Frau Lasker-Wallfisch redet in einer Klarheit und Deutlichkeit, die keinerlei Spielraum lässt für Ausflüchte und Entschuldigungen. Sie schont sich nicht – das Erinnern muss doch immer noch grausam schmerzen – und sie schont uns nicht. Sie gewährt uns keine kleinen Fluchten… außer denjenigen, die in aller Unmenschlichkeit damals Menschlichkeit gelebt und den Verfolgten geholfen haben.  Und es hat mich irritiert und verstört, dass an manchen Stellen ihrer Rede Beifall im Plenum aufbrandete, an denen betretenes und betroffenes Schweigen angebracht gewesen wäre. 

 

Ein Diskutant bei Facebook nahm das Interview in der ARD zum Anlass, über die ethische und moralische Fehlbarkeit der AfD-Politikerin zu schreiben. Ich halte sowohl das Interview, wie die Stellungnahme dazu für unredlich, dem Gedenken  vollkommen unangemessen.

Nichts und niemand sollte in Deutschland den Holocaust instrumentalisieren für seine politischen Ansichten … so edel sie auch sein mögen.

Wir erleben es doch Jahr für Jahr, wie dieser ursprünglich so wichtige Appell „NIE WIEDER“ zunehmend verwässert wird, relativiert wird, auf alles und jedes angewandt wird, was irgendwie geeignet ist, sich moralisch über andere zu erheben oder Stimmung für oder gegen andere Meinungen und Wertvorstellungen zu machen.

Ich erlebe mit Schaudern, wie die Gedenkveranstaltungen zu reinen Pflichtübungen verkommen, Leute Betroffenheit heucheln oder mimen, die sich einen Dreck darum kümmern, wie es Juden heute in Deutschland geht, die es mit größter Gleichgültigkeit aufnehmen, dass jüdische Einrichtungen mehr als 70 Jahre nach dem Kriegsende immer noch geschützt werden müssen, die es gar nicht zu interessieren scheint, was bei Demonstrationen in Deutschland auf den Straßen wieder gebrüllt wird. Ich bin entsetzt darüber, dass es Menschen gibt, die „nie wieder Antisemitismus“ sagen und gleichzeitig dazu aufrufen, Israel zu boykottieren und die ihre unverhohlene Abneigung gegen den jüdischen Staat als berechtigte Kritik an der Politik der Regierung Israels „tarnen“, frei nach dem Motto: Ich habe ja nichts gegen Juden, aber das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Ich wehre mich strikt gegen jegliche Relativierung des Holocausts und darum habe ich meinem Gesprächspartner dies   erwidert – dazu stehe ich – das ist mein Standpunkt, Zitat:

 

Ich habe schon vor Jahren das Buch Anita Lasker-Wallfischs gelesen: „Ihr sollt die Wahrheit erben“… DAS ist doch der Sinn und meiner Meinung nach der einzige Sinn des Gedenkens: Zu „unserer“ Wahrheit gehört es, dass Deutsche mit unvorstellbarer Präzision und sagenhafter Organisation nahezu alle europäischen Juden umgebracht haben – auf unvorstellbar grausame Weise. Das und nur das ist die Wahrheit. Und ich finde, dass man am Tag des Gedenkens weder politische Propaganda noch Relativierung des Holocaust betreiben darf, indem man irgendwelche Vergleiche zu den heutigen Verhältnissen zieht. Die Verhältnisse sind weder auf Seiten der “ möglichen Täter“  – ob von rechts oder von links oder religiöser Provenienz ,  noch auf Seiten möglicher Opfer – ganz gleich welcher Art und Weise auch immer –  so, wie sie in Deutschland während des Nationalsozialismus waren. Das gilt für Kirchen, Christen, Muslime, Politiker, Parteien und Verbände. Die einzigen, die tatsächlich wieder berechtigte Sorgen haben können – aus begreiflichen Gründen – sind Juden, also die Nachfahren der Opfer von damals. Alle anderen Menschen in diesem Land haben – verdammt noch mal – nicht das Recht den Holocaust in irgendeiner Weise für sich zu „nutzen“!!! Das gilt auch für Moderatoren, die sich ganz offensichtlich profilieren wollen.

 

Dem will und kann ich nichts hinzufügen.

 

Was es nicht alles gibt…. nun auch „klimaneutrales Essen“ …. 22. Januar, 2018

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Glaubt Ihr nicht?

Doch, doch!

Unsere Bundesregierung, die sich ja um nichts Wichtigeres kümmern kann weil sie vollauf damit beschäftigt ist, sich selbst im Amt zu halten, hat nun aber eine geradezu sensationelle Neuerung vorgestellt, die zur Rettung unseres –  von uns Deutschen bedrohten –   Klimas maßgeblich beitragen wird …. zumindest aber soll.

Also bisher wurden wir ja  – und ich unterstütze das auch ausdrücklich – dazu aufgefordert, unseren Lebensmittelbedarf nach Möglichkeit mit Nahrungsmitteln aus der jeweiligen Region zu decken. Das ist in der Tat sinnvoll und ich habe das mit meinen Schülerinnen und Schülern auch immer so gehandhabt.

Schwierig ist das nur mit solchen Lebensmitteln, die einfach in unseren Breiten nicht wachsen wollen, Bananen zum Beispiel, oder Apfelsinen. Auch die Beschaffung von Kakao und Kaffee aus der Region könnte sich als nicht machbar erweisen… Selbst unsere Kartoffeln und auch die Tomaten sind abstammungsmäßig ja nicht wirklich Feldfrüchte aus unseren Regionen, aber so penibel will ich mal nicht sein. Kartoffeln wachsen gut in unseren heimischen Gefilden, Tomaten gedeihen sogar auf Balkonen – allerdings nur im Sommer. Im Winter kommen sie aus anderen Gegenden dieser Erde….

Wenn ich es mir so durch den Kopf gehen lasse, was ich in den letzten zwei Wochen so verkocht habe an Zutaten…  Reis, Gurken, Paprika, Tomaten, Brokkoli, Spinat, Bohnen,Rosenkohl, Kartoffeln, Nudeln, Möhren,  Lachs, Gehacktes, Schnitzel, Bratwurst, Eier, Speck, Milch, Sahne…. und und und.

Tja, mea culpa, kann ich da nur sagen. Lachs ist bestimmt nicht aus meiner Region.  Paprika, Gurken, Tomaten und Brokkoli jetzt im Winter wohl auch nicht … nicht mal aus einem ortsnahen Gewächshaus.

Doch darum geht es den Politikern in Berlin auch nur am Rande.

Die Neuheit besteht nämlich darin, dass man jetzt mit Hilfe einer App für jede Mahlzeit die … ach, bevor ich mir hier mit eigenen Worten Knoten in die Finger schreibe, zitiere ich doch lieber den wunderbaren Text:

„Klimateller-App ist ein im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) vom Bundesumweltministerium gefördertes Projekt. Es soll dazu beitragen, in der Gastronomie klimafreundliche Gerichte zu entwickeln und anbieten zu können. Besonders klimafreundliche Gerichte der Restaurants, Cafés, Kantinen oder Imbisse sollen dann mit dem Klima-Teller-Label in der Speisekarte gekennzeichnet werden können. So soll ein Beitrag zur Minderung von Treibhausgasemissionen geleistet werden. Unter www.klimateller.de lassen sich Gerichte und ihre CO2-Bilanz abrufen. Da sieht man zum Beispiel, dass ein Linsencurry weniger CO2 verursacht als Spargel-Ragout mit Bandnudeln.“

 

Ist das nicht schön???

Das ist die Wucht. Wir retten das Klima mit unserem Essen, besser gesagt mit dem, was wir nicht essen. Wisst Ihr eigentlich über die CO² Bilanzen Eurer Lebensmittel ausreichend Bescheid? Das müsst Ihr aber, wenn Ihr das Klima retten wollt. Und das wollt Ihr doch alle, oder? Da verzichtet man doch gerne auf lauter Sachen, die Freude machen, aber eine durch und durch negative Klimabilanz aufweisen.

Ich persönlich esse  ja unglaublich gerne Linsen, da wäre meine Co²-Bilanz positiv, aber ich esse die Linsen am liebsten als deftige Suppe… und ob das dann mit den Mettendchen und dem Speck noch so klimaverträglich ist… Ich weiß ja nicht …  ganz abgesehen von den Problemen mit der Schweinehaltung… Massentierhaltung usw… und dann noch Schweinefleisch ganz generell … kennen wir ja auch inzwischen….

Noch soll die Klimarettungsessenapp  ja nur eine Hilfestellung bei der Auswahl des Restaurants und dann der dort jeweils angebotenen Speisen sein… aber wie ich die Klimaretter so kenne, gibt es bestimmt bald auch das klimaneutrale Essen in der Kantine, in den Mensen, im Kindergarten…. eigentlich überall.

Da kommt doch Freude auf …

Und wenn wir uns dann alle auch noch an die in naher Zukunft möglicherweise uns auferlegte Zucker- und Fettverordnung halten….  dann sehen wir alle wieder so aus wie die Leute auf den Bilder in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als Zucker nur per Lebensmittelkarten erworben werden konnte und Fette rationiert waren. Schön schlank waren die Leute….  aber das waren ja andere Zeiten. Da war gerade der Faschismus besiegt worden, der deutsche Faschismus, der die Welt besser machen wollte und sie dann aber beinah  in den vollständigen Untergang gestürzt hätte.

Das wollen wir doch nicht.

„Nie wieder Faschismus   –   auch nicht auf dem Teller!!!“      hätte ich jetzt beinahe geschrieben…

Ach, habe ich?

 

Die Quelle zu dieser wunderbaren Geschichte über die wunderbare App ist diese:

Klima-Orthorexie oder: Spaghetti mit CO2-frei

 

Ich habe da übrigens ein unglaublich leckeres „Linsengericht“ … keine Sorge, es geht nicht um das Erstgeburtsrecht… das ist ein anderes Thema…

 

Die „Linsensuppe“ gibt es hier:    https://himmelunderde.wordpress.com/2012/03/01/linsensuppensubstitution/

Haben sie oder haben sie nicht…. 23. November, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie, gesellschaft.
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… einen Migrationshintergrund nämlich?

Die Rede ist von unseren Kindern.

„Wie das?“ werden sich diejenigen fragen, die mich und unsere Familie etwas kennen.

Dazu muss ich ein wenig ausholen:

Soweit ich die Generationenfolge meiner eigenen Herkunftsfamilie überblicken kann, besteht mein „Migrationshintergrund“ allenfalls darin, dass ein Teil der Vorfahren aus dem Wittgensteiner Land stammen, andere aus dem Westfälischen und wieder andere aus dem Lippischen und Bayrischem. Vor Napoleons Besatzung der Länder und auch wieder danach  waren das in Teilen  eigenständige Herrschaftsgebiete auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland.    (Die ausführliche Darstellung der geschichtlichen  Entwicklung  zur heutigen Bundesrepublik verkneife ich mir. Siehe dazu  „Deutsches Reich„)

Ganz anders sieht es bei der Familie des Liebsten aus:

Zwar ist der Meinige (in den letzten Kriegsmonaten) diesseits der Oder geboren, also bereits im heutigen Staatsgebiet der BRD, aber seine Eltern befanden sich zu dem Zeitpunkt auf der Flucht  „aus der kalten Heimat“***, wie es ein Cousin des Liebsten formulieren würde. Die Vorfahren der Eltern, mütterlicher- wie väterlicherseits,  waren (zu unterschiedlichen Zeiten) dem Aufruf der Zarin „Katharina der Großen“ gefolgt, hatten ihre Heimat in der Pfalz und im Schwäbischen verlassen und  sich „am Schwarzen Meer“, dem  Gebiet der heutigen Ukraine nahe Odessa niedergelassen. Das „Niederlassen“ muss man sich als einen langen und mühsamen Prozess unendlicher Arbeit bei der Urbarmachung des sehr dünn besiedelten,  Steppen ähnlichen  Landes vorstellen.

„Mütterchen Russland“ und die „Väterchen Zaren“ gewährten vertraglich geregelt  den Deutschen zunächst besondere Privilegien, die neuen Siedler erhielten Land zugewiesen, verbunden mit der steuerlichen Erleichterung während der ersten 10 Jahre, sie wurden nicht zum Militärdienst herangezogen und konnten eigenständige  „deutsche Gemeinschaften,  Dörfer und Städte“ bilden, mit eigenen Schulen und Kirchen. (Ich beziehe mich im Folgenden auf die Deutschen am „Schwarzen Meer“, denn dort lebten die Altvorderen des Liebsten.)

Nicht in der ersten, auch nicht der zweiten, aber ab der dritten Generation der „Kolonisten“  stellte sich ein bescheidenes,  Auskommen ein.

Mit dem Ende der Leibeigenschaft im Russischen Reich wurden auch die Privilegien der „Schwarzmeer-Deutschen“ aufgehoben.  Fast zeitgleich wurde das Kaiserreich in Deutschland gegründet und mit dem aufkeimenden neuen Nationalismus in beiden Ländern änderten sich  auch die  politischen Verhältnisse  für die Deutschen in Russland und wurden deutlich schwieriger, das zeigte sich u.a. an so einfachen Tatsachen, dass Russisch die allein zugelassene Amtssprache wurde. Die Großmutter des Liebsten hat Zeit ihres Lebens nur Deutsch gesprochen…. das Russische war ihr fremd.

Gänzlich ungemütlich aber wurde es  für die Deutschen in Russland – wie man sich leicht vorstellen kann – mit dem Beginn des 1. Weltkriegs. Die historischen Fakten sind bekannt.

In Russland folgte auf die Bitternis des Krieges der Schrecken der Revolution mit all ihren fürchterlichen Begleitumständen wie dem Bürgerkrieg mit wechselnden „Erfolgen“ und einer verheerenden Hungersnot.

Der Zar wurde zur Abdankung gezwungen, die Bolschewiki übernahmen das Regiment und wenig später kam Stalin an die Macht.

Damit begann nicht nur für die Deutschen eine furchtbare Leidenszeit. Im Zuge der Stalin’schen „Säuberungswellen“  wurden Tausend und Abertausende Menschen aus reiner Willkür verhaftet, in die grausamen Lager verbracht, ohne Prozess erschossen und, und, und.

Auch die große Familie meines Liebsten war davon betroffen …  Verbannung …. Verhaftung … Trudarmee … Enteignung … willkürliche Lagerhaft mit Todesfolge … Verhöre … Folter …. um nur einige Stichpunkte zu nennen.

 

Es würde hier zu weit führen, die Geschichte der ganzen Familie,  mütterlicher- wie väterlicherseits aufzuschreiben. Irgendwie gelang es den meisten von ihnen zu überleben ….  bis die nächste Katastrophe über sie und die Welt  hereinbrach: Deutschland überfällt die Sowjetunion, der „Große vaterländische Krieg“ beginnt. Die Deutsche Wehrmacht  erreicht und erobert auch die Ukraine. Die Wehrmacht bringt die in der Ukraine lebenden Deutschen unter ihren „Herrschaftsbereich“, so auch meine Schwiegereltern und ihre kleine Tochter  (des Liebsten ältere Schwester)  und ihre Angehörigen.

Nüchtern und sachlich beschreibt Wikipedia, wie es für sehr viele Deutsche in der Sowjetunion mit dem Fortschreiten des Krieges weiterging:

„Mit einsetzenden Gebietsverlusten der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg wurden Russlanddeutsche, insbesondere Schwarzmeerdeutsche, die in den nationalsozialistischen Herrschaftsbereich geraten sind, in den Warthegau umgesiedelt und erhielten die deutsche Staatsbürgerschaft („Administrativumsiedler“). „

Auch die Eltern des Liebsten gehörten zu denen, die von der deutschen Wehrmacht mehr oder weniger zwangsverfrachtet wurden in den Warthegau.  In den entbehrungsreichen Wirren des Krieges erkrankte das kleine Mädchen und starb an den Folgen der Krankheit und dem Mangel an Medikamenten.  Es muss für die Familie entsetzlich gewesen sein.    In  dieser  Familie lebten zu der Zeit  neben den Eltern des Liebsten auch die Oma und die Schwester meiner Schwiegermutter  – unsere Tante Lina – und ihr 6-jähriger Sohn. Im weiteren Kriegsverlauf  gelang es der Familie  mit einem großen Transport zunächst  Frankfurt an der Oder zu erreichen und in der Nähe in einem Lager notdürftig unter zu kommen. Der Liebste wurde in diesem Lager geboren. Nur drei Monate später mussten sie erneut aufbrechen, die Front näherte sich unaufhörlich und  unüberhörbar. Und sie hatten  „Glück“. In der Nähe des Lagers rastete ein großer Treck und inmitten der Gespanne entdeckte der Vater Leute aus seinem ehemaligen Dorf. Die willigten ein, dass die Großmutter und  die Mutter mit dem Säugling im Kissen auf dem Wagen mitfahren durften, der Vater, Tante L.  und ihr Sohn  gingen wie so viele andere auch zu Fuß neben dem Gespann. Ende Februar 1945 verließ der Treck das Lager an der Oder. Die kleine Familie kam mit dem Treck  bis Wittstock und irgendwie in all dem Durcheinander der letzten Kriegswochen erreichten sie per Bahn ein kleines Dorf in Holstein.  Verwandte des von den Sowjets schon 1937 verschleppten Ehemanns unserer Tante L. lebte dort.  Die Verwandten waren schon in den späten 20-er Jahren aus der Sowjetunion nach Deutschland zurückgekehrt.

Ihr Ehemann selbst aber  war in der Hochzeit der Stalin’schen Säuberungen  eines Tages direkt von seiner Arbeitsstelle in Russland von den Schergen des KGB abgeholt worden, alle Versuche, etwas über seinen Verbleib zu erfahren, waren erfolglos geblieben. Zu der Zeit war Tante L. mit ihrem ersten und einzigen Kind schwanger. Die Mutter des Liebsten  nahm ihre Schwester bei sich auf und sorgte durch ihre Arbeit für das Überleben. Auch nach der Heirat meiner Schwiegereltern blieben alle zusammen.

Und so führte sie der Weg bis in das holsteinische Dorf.

 

Bei Wiki heißt es weiter:

Der Großteil der Administrativumsiedler wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der Zwangsrepatriierung nach Russland zurückgebracht. Erst im Rahmen der Ost-West-Entspannung dürfen in den 1970er und 1980er Jahren über 70.000 Russlanddeutsche nach Deutschland umsiedeln.[

Was in nüchternem Amtsdeutsch und  die ganze und  eigentliche Tragik der Betroffenen verschleiernd mit „Zwangsrepatriierung“ bezeichnet wird, besagte nichts anderes, als das nach dem Abkommen (der Siegermächte von Jalta) alle Personen, die vor dem Krieg zum Staatsgebiet der Sowjetunion gehörten und während des Krieges in den Westen nach Deutschland gelangt waren, von den Alliierten an die Sowjets ausgeliefert und in die Sowjetunion zurück verbracht wurden. Allerdings nahm Mütterchen Russland diese Unglücklichen  nicht an ihr liebendes mütterliches Herz, sondern verfrachtete sie in die unwegsamsten Gegenden  Sibiriens oder in die kasachische Steppe, wo sie unbehaust schwerste Zwangsarbeit verrichten mussten und es ihnen unter Strafe verboten war, das ihnen zugewiesene Gebiet zu verlassen – schon gar nicht durften sie in ihre Dörfer am Schwarzen Meer zurückkehren.

Viele Menschen überlebten schon den Transport nicht… noch mehr kamen in den Lagern um.  Erst nach Stalins Tod konnten die Deutschen (und andere von den Sowjets verschleppte Minderheiten) freier über ihren Wohnort verfügen. Eine Ausreise nach Deutschland war aber für die meisten für Jahrzehnte unmöglich.

Aber meine Schwiegerfamilie hatte  „Glück“.

Im Gegensatz zu dem weitaus größten Teil der riesigen  Familie blieben sie nämlich von der so lapidar genannten „Zwangsrepatriierung nach Russland“ verschont, weil der Bürgermeister des kleinen Dorfes den Engländern, die in dem Teil Deutschlands das verhandelte Abkommen mit der Sowjetunion umzusetzen hatten,  auf deren Frage nach „Sowjetbürgern“ erklärte, in seinem Dorf gäbe es keine Sowjetbürger.

Wie durch ein Wunder gelangte auch ein Bruder des Vaters ins holsteinische Dorf und eine weitere Schwester der Mutter mit ihrem Mann. Sie wohnten in einem kleinen Raum auf dem Kornboden eines Bauern, der sie wohl freundlich aufgenommen hatte. Die jüngere Schwester des Liebsten wurde dort geboren.

Und als ein Wunder erschien es den in Holstein Gestrandeten wohl auch, dass sie von einigen wenigen Verwandten, so auch dem Bruder meiner Schwiegermutter  die erlösende Nachricht bekamen, dass auch sie „im Westen“ waren. Aber wie groß war der Preis, den einige zahlen mussten. Sowohl Frau und Kinder des Bruders meines Schwiegervaters, wie auch Frau und Kinder des Bruders meiner Schwiegermutter, sowie weitere Verwandte gehörten zu den Unglücklichen, die bereits auf dem Gebiet der ehemaligen DDR waren und dort von Amerikanern aufgegriffen und an die Sowjets ausgeliefert wurden.

Lange Zeit wussten die Familien nichts voneinander, bis nach und nach über das Rote Kreuz  Nachrichten über den Verbleib einiger Familienmitglieder die Verwandten im Westen erreichten. Briefe wurden geschrieben, Anträge auf Ausreise gestellt…. So viele Male vergeblich. Anfang der 70-er Jahre konnte ein Sohn des Bruders meiner Schwiegermutter mit seiner Familie nach Deutschland ausreisen, 1980 die Tochter mit ihrer Familie.  Auch ein Sohn  des Bruders meines Schwiegervaters konnte Ende der 70-er Jahre mit seiner Familie nach Deutschland kommen. Ihre Geschichten lohnten sich aufgeschrieben zu werden… Die Mühsal der ersten Jahre in der Verbannung, die vielen vergeblichen Versuche, eine Ausreise zu erwirken, das „geheime Leben“ als Deutsche … nur nicht auffallen! Das Ankommen hier in einem fremden Land, in dem sie zunächst wieder als nicht willkommene Fremde behandelt wurden…   ihr starker Akzent verriet sie als „Russen“, wie man in völligem Verkennen der Geschichte keck nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Zeitungen behauptete, obwohl sie selbst sich in allen Zeiten immer als Deutsche empfunden und auch so gelebt hatten … das sich Einfinden in den westdeutschen Alltag … in den Beruf, der trotz aller Ähnlichkeit mit der Arbeit, die sie kannten, sich so anders darstellte… und und und.

Es ist ihnen gelungen, hier eine neues Leben aufzubauen.

Vor einigen Tagen wurde in der Familie ein großes Fest gefeiert … eine Goldene Hochzeit. Einige Mitglieder der großen Verwandtschaft „aus der kalten Heimat“ haben wir dabei getroffen. Und natürlich wurde erzählt … und erzählt…. von früher, der „Repatriierung“, den Entsagungen der ersten Jahre, dem Leben in Kasachstan und dem Ankommen hier.  Und ich, „die Hiesige“, wie mich unsere Tante Ida zu ihren Lebzeiten immer liebevoll nannte,  ich hörte zu… viele Geschichte kannte ich schon, andere waren mir neu.

So auch die des Verwandten, der erzählte, dass er bei der Anmeldung seines Sohnes zum Gymnasium hier in Deutschland  gefragt wurde, ob er einen Migrationshintergrund habe. Der Verwandte verneinte. Daraufhin sprach ihn der Schulleiter auf seinen immer noch leicht zu hörenden Akzent an…  Der Verwandte erzählte dem Schulleiter in kurzen Sätzen die Geschichte seiner Familie, zurückverfolgt bis 1756 … ursprünglich beheimatet in Württemberg … um 1806 ausgewandert ans Schwarze Meer…. immer Deutsche geblieben und gewesen …  1987 zurückgekehrt in die alte Heimat Deutschland.

Das zähle leider nicht, beschied ihm der Schulleiter, er sei ja sowjetischer Staatsbürger gewesen, also habe er rein rechtlich gesehen einen Migrationshintergrund.

Und so denke ich nun  grübelnd darüber nach….. Haben sie oder haben sie nicht … einen Migrationshintergrund** … unsere Kinder…. schließlich waren auch ihre Großeltern rein rechtlich gesehen mal sowjetische Staatsbürger….

 

 

 

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ERKLÄRUNGEN

***  „Kalte Heimat“….  immer wenn eigentlich die Rede von Russland, bzw. der Sowjetunion war, fiel in Unterhaltungen stattdessen der Ausdruck „kalte Heimat“… ich kann es nicht wirklich erklären, vermute aber, dass der Begriff aus der Zeit stammt, als Familienangehörige nach Sibirien verschleppt waren und dort in Erdhütten hausten  – auch im kalten Winter…. Eine andere Erklärung mag die sein, das „die Heimat“ kalt und abstoßend geworden war.

 

„Glück“ –  das setzte ich in Anführungszeichen. Nach der tiefen Überzeugung meiner Schwiegereltern und vieler Verwandter  (und ich teile diese Überzeugung auch, obwohl ich es ja nicht persönlich erlebt habe) war es einzig Gottes Gnade, die sie die vielen Entbehrungen überstehen ließen und die immer wieder im richtigen Moment zu einer unverhofften Begegnung oder Entschärfung einer bedrohlichen Situation führte.  Nicht zuletzt ist das der Hintergrund trotz der schrecklichen Erlebnisse und Erfahrungen für den lebenslang gelebten Wahlspruch meiner Schwiegermutter:

Und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers HERRN Jesu Christi,“   (Epheser 5,20)

 

Informationen zu den „Deutschen aus Russland“ finden sich hier:

Schicksalswege der Deutschen aus Russland

Geschichte der Russlanddeutschen

Aussiedler und Spätaussiedler

Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

Schwarzmeerdeutsche

Russlanddeutsche

Migrationshintergrund

 

Migrations-Hintergrund   …..   **dann wär das ja geklärt.

Sehr kurzer Zwischenruf… 19. November, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Vielleicht sollte man es sich mit Jamaika doch noch einmal ernsthaft überlegen…

Schließlich gibt es den Fluch der Karibik.

Den muss man doch hier nicht haben….

Darum, liebe Leute, kein Jamaika.

Wenn es aber sein muss und sich kein anderer Ausweg zur Erhaltung der MM ( Macht Merkels) anbietet,

wenn Ihr also doch  miteinander regieren wollt, obwohl Euch mehr trennt, als der Atlantik die BRD von Jamaika, nennt es doch einfach CDU-die Gelb-Grünen.

Oder noch einfacher, FGU     –   Freie Grüne Union.

Dann hätte sich auch endlich das „christlich“ erledigt, das ja ohnehin nur noch eine lästige Nebenerscheinung für Regierungen und Parteien ist. (So könnten auch mehr Vertreter der „Grünen Jünger des Propheten“  dem Verein beitreten und müssten nicht länger Sorge tragen, mit Ungläubigen freundschaftliche, aber vom Koran nicht legitimierte  Beziehungen zu pflegen…)

Vor allem aber würde die Bezeichnung  „FGU“ es vermeiden, noch länger einen armen Inselstaat mit täglichen  –    und durch die Medien  bis  zum Überdruss glorifizierten  –   Durchhalteparolen und Horrormeldungen gleich mit der Lächerlichkeit und Armseligkeit Preis zugeben.

Bitte, bitte, VERGESST   J A M A I K A  !

 

 

 

Sind wir wirklich so bunt, weltoffen und demokratisch? 27. September, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, politik.
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Dieses öffentlich an Herrn Gauland adressierte Bekenntnis fand ich bei facebook…. eine mir sehr liebe Person hatte es weiter gegeben.

 

 

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen und Text

(Urheber des „Plakats“ ist laut facebook Sven Reitis)

Der Text ist doch wirklich gut  – oder?

Oder eben bei weiteren Nachdenken darüber doch nicht ganz so gut  wie es zunächst den Anschein hat?

„Alter Mann!“

Es fängt  damit an, dass der Schreiber dieser Zeilen entweder sich selbst oder den „alten Mann“,  den Adressaten (und unausgesprochen nicht nur alle ‚alten‘ Männer, die sich ähnlich politisch  äußern) ausnimmt aus einer Gemeinschaft, die wir bisher „Volk“ nannten.

Ich kann  aber auch  darüber spekulieren, ob der Begriff „Volk“ an sich schon ein Ausschlusskriterium ist oder als solches hier gebraucht wird, erinnert „Volk“ doch zu sehr an das „deutsche Volk“, das in der Vergangenheit zu eng und zu sehr mit „Führer“ liiert war und solche Assoziationen heute einfach nicht mehr wachgerufen werden sollten …   von „Volk“ ist man in Deutschland heute wohl wieder  zu leicht und zu schnell bei „völkisch“, und das war vor 1945 eine wichtige Vokabel, die in den Reden über Recht, „Rasse“ und Wesen  der Deutschen nicht fehlen durfte.

Dies Deutschland der Rassegesetze und völkischen Beobachter ist aber nicht einfach so mir nichts dir nichts untergegangen, wie weiland die Titanic unterging, nachdem sie einen Eisberg gerammt hatte, dies Deutschland, das einen Krieg angezettelt und sich aus purem Hass und Antisemitismus  die Vernichtung der Juden auf die Fahne geschrieben hatte, ist  niedergekämpft und niedergerungen worden unter dem Einsatz und Opfer millionenfachen Lebens russischer, englischer, amerikanischer, französischer Soldaten und ihrer Verbündeten aus nahezu allen Ländern der zivilisierten Welt.

Nein, Deutschland ist nicht „untergegangen“.

Es ist schon ein gewaltiger Unterschied ob man unverschuldet untergeht oder in einem harten und von deutscher Seite erbittert geführten Krieg („Wollt ihr den totalen Krieg?“ –  „JAAAAA!!!“) besiegt wird.

Deutschland wurde – Dank sei Gott – besiegt und damit wurde auch der politischen Macht der  bösartigen, grausamen und menschenverachtenden Ideologie des Faschismus das Ende bereitet.  Im Westen Deutschlands erlernten die Deutschen durch mehr oder weniger starken Druck der Siegermächte demokratische Strukturen, der Osten hingegen wurde formal von der Sowjetunion für „antifaschistisch“ erklärt und ächzte noch Jahrzehnte unter dem „Demokratie“ genannten real existierenden Sozialismus/Kommunismus sowjetischer Prägung,  mit Hilfe der Stasi wurde die „richtige politische Einstellung“ überwacht, Abweichler von der Norm weggesperrt  und alle Bürger durch den „antifaschistischen Schutzwall“ eingesperrt!

Aber glaubt der Schreiber der obigen Zeilen wirklich, dass „sein Deutschland“  mit dieser Vergangenheit nichts zu tun hat, dass er sich so mir nichts dir nichts  distanzieren kann von dem was Deutschland war und er nun in einem „neuen Deutschland“ fröhlich und bar jeder Geschichte leben kann?  Ist dieser seltsamen Vorstellung seine Zuordnung   „dein Deutschland“ geschuldet, das im nicht näher definierten Gegensatz zu „seinem“ oder gar „unserem“ Deutschland steht?

„Mein Deutschland ist bunt, weltoffen und demokratisch“.

Ist das so?

Und besteht das schöne neue, bunte Deutschland dann nur aus Schwarz, Gelb, Rot, Grün und Dunkelrot?  Ist „Blau“dann plötzlich keine Farbe mehr, sondern nur noch ein unappetitlicher Zustand, zum Kotzen, wie nach einer durchzechten Nacht? (By the way, nach der Farbenlehre ist BLAU unverzichtbar, will man GRÜN erhalten…  und wenn man mit den Farben im Farbkasten spielt und Rot und Grün kräftig zusammenrührt und mit etwas Schwarz anreichert, ergibt es ein sattes Braun )

Gilt weltoffen nur noch  noch für Leute mit der rechten – ähh – richtigen Gesinnung und wer bestimmt die? Oder meint „weltoffen“ eine Einladung an alle Menschen und Völker dieser schönen Welt, aber den Ausschluss Herrn Gaulands und seiner Partei und aller Menschen, die die AfD gewählt haben?

Und was ist heute demokratisch?  Ist es demokratisch, nur noch eine politische Meinung zuzulassen und sorgsam darauf zu achten, dass niemand den Boden der grünrotschwarzgelbtiefroten Gemeinschaftsideologie verlässt? Hat das Grundgesetz noch Gültigkeit, das allen NICHT verbotenen Parteien das Recht einräumt, sich an freien, demokratischen und geheimen Wahlen zu beteiligen und vor allem allen wahlberechtigten Bürgern das Recht zuspricht, in geheimer Wahl ihren politischen Willen zum Ausdruck zu bringen, indem sie einer Partei und/oder einer Person ihre Stimme geben?

Wäre es so, dass in der politischen Farbenlehre nur noch rotgrüngelbschwarztiefrot zählte, Weltoffenheit nur noch den neu zu uns Kommenden gelte aber den Abweichlern von der Farbenlehre nicht mehr und Wahlen nur noch ein Ergebnis haben dürften, nämlich das derjenigen, sie sich selber für bunt, weltoffen und demokratisch halten und alle verachtend ausgrenzen, die nicht sind wie sie, dann, ja dann würde ich den Untergang Deutschlands beklagen, eines freien Deutschlands nämlich , das sich seiner Vergangenheit bewusst ist und DESHALB so demokratisch ist wie nie zuvor.

Bei Facebook, dem ich das „Plakat“ und damit auch dieses kleine Gedankenspiel verdanke, habe ich folgende Kommentare abgegeben. Sie stelle ich hier unverändert ein, auch wenn sie etwas holperig daherkommen:

 

A:  Vielleicht sollte man wieder „mehr Demokratie wagen“, wie es einst der große Willy Brandt seiner Partei und allen deutschen Bürgern nahelegte. Mich hat das damals tief beeindruckt. Ich war jung und politisch interessiert. Inzwischen bin ich alt geworden, aber Politik interessiert mich immer noch. Allerdings bin ich bekümmert darüber, wie wenig Zutrauen so viele Leute noch in demokratische Prozesse haben und es macht mich fassungslos, mit welchem Hass und welcher Häme Menschen ausgegrenzt werden, die nicht dem „modernen Bild“ eines uniformen Staatsgedanken entsprechen. Ich entdeckte diesen Text und stelle ihn hier ein, er gibt all das wieder, was mich in der Diskussion um Rechts und Links bewegt, denn das sollten wir doch nicht vergessen: Die Linke fußt auf dem Unrecht der SED – oder besser gesagt, des Kommunismus, der viel Elend über die Menschen gebracht hat – unsere „Oma Gifhorn“ könnte ein Lied davon singen. Aber das spielt in den Medien so gut wie keine Rolle. Schon mal darüber nachgedacht, warum das so ist?

Hier nun der Text: „

»So ganz begreife ich euer Problem nicht. Es wurde mit der AfD eine Partei gewählt, die rechte Positionen besetzt, so wie wir mit den Linken und den Grünen Parteien haben, die linke Positionen besetzen. Es empören sich alle so, als hätte man der AfD die absolute Mehrheit überlassen. Die Wahl der AfD war für alle, die das stetige Abdriften der Politik nach links beenden wollen, reine Notwehr.

Natürlich gibt es bei der AfD auch extreme Rechte, aber eine Demokratie muss auch die vertragen können, sonst wäre es keine Demokratie. Wieviele der Brandflaschenwerfer aus Hamburg waren wohl Linke oder Grüne? Das war doch auch ziemlich extrem und da wird nicht so ein Aufstand gemacht. Wer eine Politik der Mitte möchte, muss auch manchmal ein Steinchen auf die rechte Seite der Waagschale legen.

Als Demokrat bin ich entsetzt, was hier im Land seit einiger Zeit abgeht. 13% haben die AfD gewählt, nicht weil sie wieder Konzentrationslager wollen, nicht weil sie sich wieder einen Führer wünschen, nicht weil sie das dritte Reich wieder aufleben lassen wollen, sondern weil sie einfach die Meinung der Linken in diesem Land nicht teilen.

Die CDU hatte vor 10 Jahren noch überwiegend die gleichen Ansichten wie heute die AfD, aber die Partei ist nach links gewandert und nicht ihre ehemaligen Wähler nach rechts.

Würde man isoliert die Meinung eines Helmut Schmidt zur Flüchtlingsfrage hören, würde man ihn auch als Nazi beschimpfen, denn der war total gegen die Zuwanderung so vieler Moslems. Das SPD-Urgestein Wehner hat schon vor langer Zeit vor unkontrollierter Zuwanderung gewarnt. Selbst die Ansichten der SPD von 1997, würde man heute als Rechts bezeichnen.

Jetzt ist mit der AfD eine Partei mit 13% vertreten, die endlich mal eine ganz andere Meinung hat. Genau das nennt man Demokratie, aber ihr bekommt hier alle Schnappatmung. 

Hört auf, die AfD-Wähler zu beleidigen und zu diffamieren, denn genau das erzeugt Hass, und Hass führt zu Gewalt. Seid Demokraten und akzeptiert, dass es Menschen mit einer anderen Meinung gibt. Teilen müsst ihr diese Meinung nicht. Aber wer es so an Respekt vor Menschen mit anderer Meinung fehlen lässt, darf selbst keinen Respekt erwarten.

Die SPD bezeichnet sich als Partei der Toleranz und sieht sich als das Bollwerk der Demokratie. Irgendwie erkenne ich das nicht. Also kommt wieder runter und reisst euch endlich mal zusammen.«“   Der Autor wollte unerkannt bleiben, heißt es.

 

B: Ach ja, das muss ich noch ergänzen…. ich bin 1980 aus Überzeugung SPD-Mitglied geworden und bin von vielen Frommen dafür verurteilt worden. Ich bin immer noch in der SPD …. auch wenn mich ihre Positionen zur Zeit überhaupt nicht mehr überzeugen, aber wenn alle weglaufen, wenn es Probleme gibt, gibt es niemanden mehr, der für Veränderung aufstehen kann. Und dafür will ich mich einsetzen: Wir müssen wieder mehr Demokratie wagen, denn für mich ist DEMOKRATIE ALTERNATIVLOS, auch wenn unsere Bundeskanzlerin den Begriff „alternativlos“ immer nur für ihre Politik reklamiert, die ich allerdings für außerordentlich alternativbedürftig halte, was nicht gleichbedeutend ist, die AfD zu wählen. Das habe ich nicht getan und werde es auch nicht tun, aber dieser fürchterlichen, hasserfüllten Hetze gegen Menschen, die aus Gründen, die ich nicht kenne und die sie auch nicht öffentlich rechtfertigen müssen, die AfD gewählt haben, werde ich mit allergrößter Entschiedenheit entgegen treten. Nicht weil ich für die AfD bin, sondern weil ich immer noch auf den alten Willy hören will: MEHR DEMOKRATIE WAGEN !!!

C: Macht euch in euren Worten und Taten nicht denen gleich, gegen die ihr antreten wollt, die Welt zu verbessern. Verachtung drängt Menschen ins Abseits, sie verstehen zu wollen, eröffnet die Möglichkeit des Gesprächs, überzeugen kann man sie nur mit dem eigenen Verhalten und der Wahrung der Würde ihres Menschseins —

(Ich verlinke hier nicht auf den urspünglichen Facebookbeitrag, bei dem ich kommentiert habe, weil es die Seite einer anderen Person ist.)

 

In Ergänzung habe ich bei FB auch noch einen Link weitergegeben, der Hinweis soll auch hier nicht fehlen

 

Schlaglichter: Deutschland hat gewählt 

„Lidl lohnt sich“ – streng neutral! 2. September, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, gesellschaft, islam, migration.
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Griechische Produkte werden gerne  mit Fotos aus Griechenland beworben…

So auch bei Lidl:

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Quelle zu diesen Bildern: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1693459307353195&set=a.204135822952225.52422.100000674263585&type=3&theater

 

Blauer Himmel, blaues Meer, weiße Gebäude… das assoziiert  Sommerlaune und Urlaubsfeeling.

Damit aber Konsumenten aus einem nicht „griechisch-orthodoxen“ (also christlichen)   Kulturkreis problemlos die wunderbaren Produkte aus DEM ur-europäischen  Kulturland schlechthin kaufen können, müssen zuvor die lästigen Hinweise auf die religiöse Ausrichtung der Gebäude mit den hübschen blauen Dächern getilgt werden. Man könnte sich ja als Angehöriger der Religion des Friedens durch die Symbole der Anhänger des Nazareners beleidigt fühlen, müssen sich die Marketingstrategen bei Lidl gedacht haben, und wer möchte schon auf potentielle Kunden verzichten, nicht wahr? Oder haben sich die Strategen mit der wechselvollen Geschichte Griechenlands befasst und hielten es deshalb für angemessen, auf die christliche Symbolik zu verzichten?

Zur Erinnerung:

Nach der griechischen Mythologie entführte der mächtige Gott Zeus in der Gestalt eines Stieres die schöne Jungfrau Europa von den Gestaden Phöniziens und ließ sich mit ihr am Strand  der griechischen Insel Kreta zur lustvollen Vermählung nieder.  Als Zeichen der Ehrerbietung für die außergewöhnlich schöne Eroberung des Göttervaters  wurde der Erdteil, zu dem Kreta gehört, nach der Schönen „Europa“ genannt.

In Griechenland, so lernte ich es einst im Geschichtsunterricht, wurde eine Form der politischen Verfasstheit zum  Vorläufer dessen, was wir heute Demokratie nennen – Herrschaft des Volkes.

Das griechische Kernland, so lernte ich es im Religionsunterricht und so kann man es in der Apostelgeschichte (in der Bibel) nachlesen, wurde neben den griechischen Städten in Kleinasien und Syrien zur Keimzelle des jungen Christentums. Die sogenannten Missionsreisen des Apostel Paulus führten ihn in griechische Städte – nach Rom ging er nur, um dort zu sterben -, die Mehrzahl seiner „Briefe“  richten sich an „griechische“ Gemeinden oder Personen. Griechisch war die Verkehrssprache der damaligen Welt und das „Neue Testament“ wurde zuerst auf Griechisch verfasst. Deshalb gehören auf griechische Kirchengebäude  die Symbole, die von Christus zeugen!

Griechenland, so lernte ich es aus der Literatur, wurde allerdings –  wie viele andere Mittelmeerländer – von osmanisch-muslimischen Eroberern  zu einem großen Teil unter die Herrschaft des Islam gestellt. Diese endete erst in der ersten Hälfte des 19.  Jahrhundert. Heute leben  laut wiki etwa 500000 Muslime im Land.

Für Muslime könnten Kirchen und die verhassten Kreuze auf den Verpackungen von Olivenöl, Joghurt oder sonstigen Produkten aus Griechenland also tatsächlich eine Kränkung sowohl hinsichtlich der religiösen wie historischen Gegebenheiten darstellen und somit die Kaufentscheidung beeinflussen.

Und so könnte man mit einer gewissen Rechtfertigung  und  deutschem Übereifer in Sachen Toleranz Rücksicht auf die Gefühle derer legen, die empfindlicher (selbst für scheinbare oder unabsichtliche)  Beleidigungen sind, als wir robusten Mitteleuropäer – mit oder ohne christlichen Hintergrund -, denen man schon mal ein harsches „islamophob“ oder „rassistisch“ an den Kopf knallt, wenn wir leise Kritik üben an den merkwürdigen kulturellen Besonderheiten, die wir immer wieder in Magazinen und Berichten zur Kenntnis nehmen können wie:  Steinigungen von Ehebrecherinnen, Enthauptungen von Christen, Aufhängen von Schwulen an Baukränen, öffentlichen Auspeitschungen für Kinkerlitzchen, Abhacken von Händen oder Füßen,  Töten von Apostaten oder Ehrenmorden an Töchtern sowie  Zerstörung von uralten Kulturgütern oder Kirchen im Namen der Religion des Friedens und des allergrößten Propheten aller Zeiten.

 

Sehr geschätzte Manager und Strategen von Lidl,

LOHNT SICH DAS WIRKLICH ?

 

 

 

 

 

 

Unverhoffte Begegnung…. 29. August, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen, familie.
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Wir sind unterwegs nach Wismar mit unserer Volleyballgruppe.

Völlig außerplanmäßig und darum unerwartet endet der Zug, der uns eigentlich nach Wismar bringen sollte, in Schwerin am Hauptbahnhof. Nach der Durchsage, ein Bus warte auf dem Bahnhofsvorplatz auf die Reisenden, die nach Wismar weiterfahren wollten , entsteht ein mächtiges Gedränge an der Treppe zur Unterführung…

Der Liebste ist mir schon einige Stufen voraus …  ich hatte mich noch um einen Mitreisenden im Zug gekümmert, der offensichtlich – der deutschen Sprache nicht mächtig – die Ankündigung des Endes dieser Fahrt nicht mitbekommen hatte und den ich mit Gesten dazu gebracht hatte, auch das Abteil zu verlassen. Wir waren die beiden letzten.

Der Liebste, am Fuß der Treppe angekommen, blickt sich nach mir um – und schaut unversehens in ein sehr bekanntes Gesicht:

Ebenso überrascht wie der Liebste, sieht sich der Jüngste unserer Familie plötzlich ebenfalls einem sehr  bekannten Gesicht gegenüber:

Der Vater steht vor ihm!

Ich hatte das gar nicht mitbekommen und nach meiner Gruppe Ausschau gehalten. Unten an der Treppe angelangt, macht mich ein energisches Zupfen am Ärmel aufmerksam!

Doch nicht nur der Jüngste schaut mir lachend entgegen, neben ihm –  in der kleinen Gruppe junger Leute – auch R.,  sein guter Freund, dem ich erst zwei Tage zuvor in der großen Stadt an der Elbe  begegnet war…. beim Umzug des Jüngsten nämlich, der von einer kleinen Behausung in die nächste gezogen war. Der Liebste und ich hatten ebenso wie R. beim Umzug geholfen.  Wobei ich ergänzen muss, dass wir uns außer bei der Promotionsfeier des Jüngsten NUR bei dessen Umzügen getroffen haben und dies bestimmt der dritte Umzug war, bei dem wir gemeinsam kräftig halfen, Sack und Pack von A nach B zu transportieren…. wobei ich diesmal nur in B beschäftigt war…. mit Saubermachen der Küche. Kisten kann ich nämlich nicht mehr schleppen…   Aus der heimatlichen Küche hatte ich schon den traditionellen Nudelsalat und Kuchen mitgebracht… 🙂 sehr zu Freude aller beteiligten Helfer.

Es gehört vielleicht zu den schönsten Momenten, wenn man ganz unverhofft Menschen begegnet, die man liebt und die man mag.

So gab es ein fröhliches Hallo  – wir auf dem Weg nach Wismar, der Jüngste mit den Freunden auf dem Weg zu einer Hochzeitsfeier….

Wie schön, wenn „Unverhofft“ zwar nicht oft, aber doch manchmal kommt, besonders dann, wenn alle anderen Umstände ein bisschen chaotisch anmuten….

 

Was waren das für Zeiten…. 29. August, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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als man nämlich die Uhr nach den vorbeifahrenden Zügen stellen konnte …. pünktlich auf die Minute.

Die Bahn – damals, in meiner Kindheit und Jugend – fuhr nicht nur bei jedem Wetter, sie war zu nahezu 99,9 % auf die Sekunde genau an ihrem Bestimmungsort. Ich habe oftmals als damalige „Fahrschülerin“ (so hießen die auswärtigen Schüler in der Schule) darauf gehofft, dass der Zug Verspätung haben möge und zwar eine gründliche und ordentliche Verspätung, damit ich eine Mathe- oder Lateinarbeit nicht mitschreiben konnte. Ich hoffte IMMER vergeblich.

Wie seit 31 Jahren   machte sich auch in diesem Jahr unsere Volleyballgruppe (bestehend aus Aktiven und Fans) mit dem sinnigen Namen „VC Grapbsch“  auf den Weg in ein gemeinsames  Wochenende. Die schöne Hansestadt Wismar war unser diesjähriges Ziel. Schon im Februar liefen die Vorbereitungen an. Zwei aus unserem Kreis organisierten die Fahrt, nahmen Kontakt zu Reisebüro und „Deutsche Bahn“ auf, buchten Hotel, Stadtführung, Bötchenfahrt, Gasthaus für  das abendliche Festmenü und eben auch die Bahnreise. Unsere Organisatoren können auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken,  sind gewieft und durchaus vertraut mit plötzlich notwendigen Veränderungen in der Planung. Was sie – und wir mit ihnen –  aber in diesem Jahr erlebten, spottet jeder Beschreibung.

Eine knappe Woche vor Reiseantritt teilte die Bahn mit, die Rückreise müsse anders als gebucht verlaufen, da dringend notwendige Umbauten in einem Bahnhof die Fahrt über diese Strecke nicht möglich machen würde. Großzügig buchte die Bahn uns auf einen früher fahrenden Zug um mit den Reservierungen, die unsere Reiseleiter für die eigentliche Rückfahrt vorgenommen hatten. Nun ja, dann mussten wir die Bötchenfahrt durch die Wismarer Hafenwelten eben ein bisschen früher antreten… so what.  (Den Liebsten freute die frühere Rückfahrt, konnte er doch das erste Heimspiel der 96er in Hannover von Anfang an erleben, Beginn 18.00 h!)

Gut gelaunt und mit allen nötigen Reiseutensilien versehen trafen wir uns an Gleis 7 auf dem Hannoverschen Hauptbahnhof. Einigermaßen pünktlich rollte der IC ein, wir nahmen unsere reservierten Plätze ein. Zwei Geschäftsleute mussten dafür das Feld räumen, gaben es aber erst frei, nachdem sie die Bestätigung der Reservierung gelesen hatten. Später entdeckte einer unsere Mitfahrer, dass die Reservierung dieser beiden Plätze wie von Zauberhand an weit entfernt liegenden Fensterplätzen angebracht worden war…. Ein Schelm, der Böses dabei denkt 😉 .

An einem Freitagnachmittag von Hannover nach Wismar zu kommen, liebe Leute, ist nicht ganz einfach. Es gibt nämlich gar keinen durchgehenden Zug. Und so war Umsteigen angesagt: In Lüneburg, in Büchen, in Schwerin. Macht nichts. Zwar sind wir bis auf drei junge Hüpfer schon gut jenseits der 60 – um nicht zu sagen,  mehrheitlich jenseits der 70 -, aber doch so sportlich,  dass das  Rollen und Schleppen  der Taschen und Trolleys über lange Gänge und treppauf und treppab eher als Fitnessübung angesehen werden kann.

Mit einer netten Gruppe gemeinsam  im Zug zu reisen ist einfach wunderbar. Wir haben alle unsere kleinen „Aufgaben“ den Proviant betreffend, denn eine gute Wegzehrung bei einer stundenlangen Fahrt muss einfach sein! Und so delektierten wir uns an Häppchen und Käse, kleinen Buletten, Baguette, Nüssen,  Schokolade, Schlehentrunk und dem Gewächs des Weinstocks (dies natürlich in Maßen, das versteht sich von selbst ♥).

Glücklicherweise hatten wir unser Mahl schon auf dem Streckenabschnitt Hannover-Lüneburg genossen, denn im weiteren Verlauf der Reise war die Zeit für die jeweils zurück zu legende Etappe deutlich kürzer. Für unsere letzte Teilstrecke ab Schwerin fehlte zudem die Reservierung, was dem Gruppenhandeln  nicht unbedingt zuträglich ist.

Der Zug hielt an jedem kleinen Bahnhof …. Mecklenburg ist ein schönes Land….

Kurz vor dem Einlaufen in den Schweriner Hauptbahnhof machte uns der Bahnsprecher in seiner Durchsage nicht nur auf die Ausstiegsseite (beim nächsten Halt befindet sich der Ausstieg in Fahrtrichtung rechts / links) aufmerksam, er wies zudem darauf hin, dass der Zug in Schwerin endete und Schienenersatzverkehr (welch wunderbares Wort!) die Weiterfahrt sichern werde.

Das stand aber so nicht auf unserem Plan!

„Zur Weiterfahrt nach Wismar steht ein Bus auf dem Bahnhofsvorplatz bereit!“

Unseren Reiseleitern verschlug es die Sprache, hatten sie sich doch nach der Information über die geänderte Rückfahrt ausdrücklich bei der Bahn erkundigt, ob die Hinfahrt wie geplant  vonstatten gehen werde. „Sie wird“, hatte man ihnen zugesichert.

Der Zug war voll besetzt und wir konnten uns gut vorstellen, dass außer uns noch weitere Personen die Absicht hatten, nach Wismar oder Rostock weiter zu fahren…

Hektik auf dem Bahnsteig und noch größere an der Bushaltestelle.

Ein einziger Bus stand dort!  Mehr als hundert Menschen drängten sich vor den geöffneten Türen  und alle Leute führten mehr oder weniger sperrige Gepäckstücke mit, die nach dem Entern des Buses schnell den Gang verstopften… Geschiebe und Geschrei….  ein weiterer Bus fuhr vor, was aber Chaos und Gemenge eher noch größer werden ließ, wollten doch einige gegen die Drängelei der Einsteigenden den Bus wieder verlassen, um Platz im anderen zu finden, denn natürlich gab es nicht für alle Reisende genug Sitzplätze und die Aussicht, die Fahrt stehend zu bewältigen, war alles andere als verlockend…

Endlich ebbte das Getöse ein wenig ab, der Bus setzte sich in Bewegung und so etwas wie gemeinsamer Galgenhumor machte sich trotz drangvoller Enge  breit…  Witzeleien und Spott über die „perfekte Organisation“ und bei jedem Stopp an jedem Bahnhof, den der Zug angefahren hätte,  rief irgendjemand in die Menge: „Der Ausstieg beim nächsten Halt befindet sich in Fahrtrichtung rechts!“ Die Örtchen sind klein und die Straßen dorthin schmal und eng, an einer Stelle nicht mehr als ein Feldweg, so dass ein entgegen kommendes Fahrzeug rückwärts  bis zur nächsten Ausweichmöglichkeit fahren musste, um dem Bus Platz zu machen.

Endlich erreichten wir Wismar.

An der Bushaltestelle vor dem Bahnhof machte ein relativ unscheinbarer Aushang darauf aufmerksam, dass auf der Strecke zwischen Wismar und Schwerin am Sonntag „Schienenersatzverkehr“ eingerichtet sei.

Das stand auch nicht auf dem Plan den die Bahn für die Rückfahrt ausgegeben hatte!

11.57 h sollte am Sonntag „unser Bus“ zurück nach Schwerin abfahren. Damit war klar, dass wir wohl auf die Hafenrundfahrt verzichten müssten. Vom Hafen zum Hotel, in dem freundlicherweise unser Gepäck bis zur endgültigen Abreise aufbewahrt werden konnte und von da zum Bahnhof, das war in der vorgegebenen Zeit nicht zu schaffen.  Für den Sonntagmorgen also Plan B.

Ein ruhiger Freitagabend brachte den versöhnlichen Ausklang nach dem Chaos der Anreise und der Samstag verlief wie geplant.

Was soll ich sagen, Wismar ist wunderschön… eine beeindruckende Stadt, die ihren mittelalterlichen Stadtkern bewahrt hat und deren Häuser dank zahlreicher Stiftungen und Fördermittel ansehnlich renoviert und schmuck anzusehen sind.  Und dann die Kirchen…

Staunend standen wir in den hohen gotischen Gotteshäusern, Zeichen von Größe und Wohlstand der alten Hansestadt. Wer von uns wusste schon, dass die Nikolaikirche ein so hohes Kirchenschiff hat, dass es deutschlandweit nur von dem des Kölner Doms, des Ulmer Münsters und dem der Backsteingotik zugehörenden höchsten Kirche im Ostseeraum  – der Marienkirche in Lübeck –  übertroffen wird? Die Kirche Sankt Georg wird nach dem beinahe endgültigen Verfall durch das Bombardement im Zweiten Weltkrieg und der völligen Verwahrlosung zur DDR-Zeit erst seit rund 20 Jahren wieder instand gesetzt. Von der Aussichtsplattform aus hat man einen phantastischen Blick auf Wismar und den Hafen…  Von Sankt Marien steht nur noch der gewaltige Turm, eine einfache wenige Meter hohe Mauer ist auf den einstigen Grundmauern errichtet und zeugt von den gewaltigen Ausmaßen der im Krieg schwer beschädigten Kirche, die in den frühen DDR-Jahren endgültig gesprengt wurde ….  Wie so viele Gotteshäuser in der streng atheistisch ausgerichteten und regierten DDR. Die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Zwangssäkularisierung sind bis heute spürbar…. der Osten Deutschland ist weitgehend gottlos gemacht worden. Die wenigen bekennenden Christen hatten es zu DDR-Zeiten schwer – und viele Kirchengemeinden leiden immer noch darunter, dass die Mitgliederzahlen klein bleiben.

Doch zurück zur „Bahn“.

Vermutlich ist es nur der  Umsicht unserer Reiseorganisatoren  zu verdanken, dass wir in Schwerin ohne Hektik unsere Weiterfahrt über Hamburg nach Hannover antreten konnten.

Wer Erfahrung mit Gruppen hat  – und ich rede hier nicht von Kindern oder Schulklassen -, der weiß, dass man die Herrschaften ständig antreiben muss, will man zum festgesetzten Zeitpunkt pünktlich irgendwo sein.  Eingedenk dieser Erfahrung blies die Reiseleitung sehr, sehr früh zum Aufbruch vom Hotel. Wir hätten gut 20 Minuten am Bahnhof Zeit gehabt um auf den Bus zu warten.  Zu unserer großen Überraschung kam der Bus aber bereits nach nur wenigen Minuten. Auf unsere Frage „nach Schwerin“ folgte ein eindeutiges „Ja“!  Frohgemut stiegen wir ein… diesmal ohne Gerangel um einen Sitzplatz. Der freundlich Busfahrer erzählte unserer Reiseleitung, er habe den Weg nach Wismar so zügig zurückgelegt, dass er schon vor der festgelegten Zeit den Bahnhof erreicht habe und deshalb sei er eben auch früher als angegeben wieder weitergefahren.

Da bleibt einem doch der Mund offen!

Was, so fragten wir uns, machen nun die armen Menschen, die sich darauf verlassen haben, dass der Bus 11.57  h in Wismar abfährt? Die Frage ging auch an den Busfahrer, der in aller Seelenruhe meinte, dann müssten sie eben den Bus eine Stunde später nehmen.

Ist das zu fassen?

Dank der unvorhergesehen frühen Ankunftszeit in Schwerin, konnten wir noch ein wenig die Stadt erkunden…  und den Drachenbootrennen auf dem Pfaffenteich zuschauen.

Pünktlich fand sich die ganze Gesellschaft im Banhof zur Weiterfahrt nach Hamburg ein. Der Zug stand schon am Gleis bereit. Wir nahmen unsere reservierten Plätze in Beschlag….   dann die Durchsage:

„Die Abfahrt des Zuges verzögert sich, da  auf den Schienenersatzverkehr (Bus) aus Rostock gewartet werden muss und der Lokführer, der den Zug fahren soll, in diesem Bus sitzt!“

Vermutlich, so spekulierten wir, wäre der Lokführer pünktlich gewesen, hätte er nämlich den Bus gekriegt, der fahrplanmäßig in Wismar abfahren sollte…. just der, mit dem wir 20 Minuten früher losgefahren waren. Der arme Lokführer hatte auf den nächsten Bus warten müssen…. und kam so zu spät in Schwerin an.

DAS liebe Leute, wäre in den Zeiten der guten alten Bundesbahn nie und nimmer passiert…. da saßen noch Beamte in Führungsstäben, Fahrkartenausgaben und Lokomotiven, ließen Fahrdienstleiter die Züge zur richtigen Zeit abfahren  und keiner wäre auf die Idee gekommen, eigenmächtig irgendetwas zu verändern. Auf deutsche Beamte war halt Verlass 😉  !

Die Zeiten haben sich geändert….  aber nicht alle von uns konnten die Veränderung so mir nichts dir nichts mitmachen. In vielen Köpfen schlummern noch die Ermahnungen der preußischen Tugenden von Pünktlichkeit, Ordnung  und  Pflichterfüllung und die damit verbundene Erwartung an ein funktionierendes öffentliches Verkehrsmittel und sie sehnen sich nach der guten alten Zeit ….

Manche von uns vergessen dabei, dass es diese „Tugenden“ waren, die die gigantische Maschinerie der Nazis zur europäischen Judenvernichtung erst möglich machte.

So gesehen ist ein bisschen Chaos bei der Bahn geradezu ein beruhigendes  Indiz für die Verfassung eines Gemeinwesens, in dem preußische Tugenden nicht mehr die Hauptsache im Leben sind…

Wobei ich aber doch darauf hoffe, dass Busse und Bahnen nicht VOR der angegebenen Zeit losfahren, weil ich zu den Menschen gehöre, die immer auf den letzten Drücker….. na, Ihr wisst schon!

 

Der Meinige und Liebste freute sich über den Sieg der 96er gegen Schalke… die Partie endete 1 : 0    ! 🙂

 

 

 

 

Vom Wetter, vom Gärtchen, von der Wiese und von mir… 16. Juli, 2017

Posted by Rika in aus meinem kramladen.
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Ich will nicht meckern.

Draußen ist es angenehm kühl für einen Sommertag mitten im Juli.

Der Himmel ist grau verhangen, was es mir erspart einen Sonnenhut  oder Sonnencreme  zu benutzen. Ich bin nämlich empfindlich gegen Sonne, früher bekam ich Sommersprossen und Sonnenbrand, heute Kopfschmerzen und Sonnenbrand wenn ich mich länger als 20 Minuten in praller Sonne aufhalte. Schatten ist mir im Sommer eigentlich am liebsten. Allerdings meine ich nicht unbedingt den Schatten unter Wolken, eher den unter grünen Bäumen oder bunten Sonnenschirmen.  Denn abgesehen von Kopfschmerzen, Sonnenbrand und Sommersprossen hat der Sonnenschein doch auch viel Gutes zu bieten, trist-graue Häuser sehen im Sonnenlicht  gleich viel schöner aus, beinahe mediterran-pittoresk, auch Gärten leuchten bei Sonne ungleich farbiger, als in nebelig-trübem Grau dieser Tage.

Nein, nein, ich will nicht meckern.

Da es ja erfreulicherweise immer wieder kräftig regnet, muss ich im Gärtchen nicht gießen. Schon gar nicht müsste ich das kostbare Nass vom städtischen Wasseranbieter  beziehen, füllt sich doch die Regentonne völlig kostenlos und jeden Tag neu. Damit sie nicht überfließt und sich ihr Inhalt  wohl möglich auch noch in den nachbarlichen Garten ergießt, fülle ich alle Kannen und Eimer  –  und wenn alle Gefäße voll sind, leere ich sie in den kleinen Gartenteich,  dieser hat einen völlig neuen Rekord im Hochwasserstand erreicht und  lässt das überflüssige Wasser ringsum im Erdreich versickern.

Praktisch, nicht?

Die Blumen, die ich in diesem Jahr wieder mal  in Kästen und Kübel gepflanzt habe,  leiden zum Glück auch nicht an Wassermangel, allerdings sind nicht alle Balkonblumen für Dauerregen geeignet, die Blüten werden matschig, bevor sie richtig aufgeblüht sind. Da muss ich mir zum Glück keine Sorgen darum machen, ob bei völligem Erblühen (und Ausreifen) möglicherweise Saatgut anfällt, das im nächsten Jahr austreiben und meine Blumenkomposition ein wenig beeinträchtigen könnte.

Ist doch praktisch, oder?

Der Liebste hat auch weniger im Gärtchen zu tun als sonst. Die Ernte der Josterbeeren – die immer in seinen Aufgabenbereich fällt – haben in diesem Jahr die Amseln besorgt. Vor einer Woche noch war der Busch übervoll mit den dunkelroten Beeren, leider fehlte ihnen zur Süße noch ein wenig Sonne, auch hätten sie ein bisschen praller sein können, also beschloss ich, ihnen noch ein paar Tage zu gönnen. Darauf müssen die Amseln nur gewartet haben, denn als der Liebste am Mittwoch zwischen zwei Regenschauern die Beeren ernten wollte  – ich hatte mit mindesten ca.  2 – 3  kg gerechnet – waren nicht einmal mehr eine handvoll übrig….  Also, liebe Familie, liebe Freunde, in diesem Jahr gibt es weder Josterbeerenmarmelade noch Aufgesetzten. So ein Jammer.   Nun ja, hab ich eben nicht so viel Arbeit mit Beeren waschen und abzupfen, Gläser spülen und Marmelade kochen.

Ist aber doch auch praktisch, oder?

Auf der Wiese hatten wir auch Wetter.

Erfrischenden Regen natürlich und zwischendurch auch mal ein paar Sonnencremetage. Die nutze der Liebste zum Wiese mähen und ich zum Fenster putzen. Das musste einfach mal sein, das mit den Fenstern, meine ich. Aber es geht doch nichts über Regentropfen die an einem frisch geputzten Fenster abperlen…   Es glänzt und sie glitzern. Ist doch schön.

Unwetter hatten wir auch. Unheilvolle Wolken trieben heran vor einem sich immer mehr  verdunkelnden  Himmel bei gleichzeitig irritierendem Licht  – selten habe ich einen so schwarzen Himmel am eigentlich  doch hellen Vormittag gesehen –    und es wurde ganz still…. kein Wind …. kein Hauch …. kein Vogel…. kein Laut ….. NICHTS

 

 

 

 

 

Und dann brach er  los, der Sturm. Regen peitschte gegen die Fenster, knallte auf das Dach,  mein Wetterhahn tanzte wie irrsinnig auf und ab, Odiles Zweige beugten sich tief hinunter und schossen im nächsten Augenblick in die Höhe…

 

So könnte Weltuntergang sein,  dachte ich….   wohl wissend, dass es weitaus schwerere Stürme an der Nordsee gibt und nicht nur da…

 

Über die schweren Stürme, die nicht dem Wetter geschuldet sind, will ich nicht schreiben.

Nicht über Gipfel  –  über denen eben nicht Ruh ist –  und deren „Hauch“ für drei Tage die uns vertraute Welt bewegte …    sonst aber wohl nichts wenn man es   entweder räumlich oder auch faktisch wie  ideell betrachtet.

Nicht über „Hamburg brennt“, wie man großmäulig in Magazinen und Nachrichten verkündete und gar einen Vergleich zu Aleppo anstellte, was ich für dermaßen übertrieben finde, dass es mich noch heute vor Abscheu über so eine Ausdrucksweise schüttelt. „Bürgerkriegsähnliche Zustände“ wurden ausgerufen und  in der „Elphi“ die Freude schöner Götterfunken besungen, während in der Schanze der gewalttätige Mob tobte.  Der Niederschlag in den Medien, offiziellen wie sozialen war entsprechend stürmisch. Von Polizeistaat redeten die einen, von linkem Terror die anderen …  Verhaftungen folgten….  Freilassungen ebenso…  den Rücktritt des Ersten Bürgermeisters  forderten gleich mehrere  Seiten… und von der Polizei  Rechenschaft ….

 

Auf der Wiese beruhigte sich der Sturm – fast so schnell wie er gekommen war.

Das kann man vom „Gipfelsturm“  nicht erhoffen, der Wahlkampf ist eröffnet, es könnte heftig werden…. und in der Folge bitter ….

 

Meine Seele braucht dringend die Ruhe nach dem Sturm…

 

(Dieses Foto entstand im letzten Jahr im Frühling, Odile frisch gestutzt  und kahl….)

 

Solange die Erde steht….